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Zur israelischen Beteiligung am georgischen Überfall auf Südsossetien siehe Rußland und Ashkelon - Eilat. T:I:S, 11. August 2008

 

Evelyn Hecht-Galinski

Aktion „gegossenes Blei“ – Aktion „vergossenes Blut“

 

Andauernde Blockade, andauernde Strangulierung, andauernde Abriegelung, ständige Lufthoheit, tägliche Drohnenüberwachung und ein Aufklärungszeppelin – das war der sogenannte Abzug Israels aus dem Gazastreifen.

Wahlergebnis nicht genehm

Die Hamas, die klare Gewinnerin aus den palästinensischen Parlamentswahlen im Januar 2006, sollte, weil es den USA und Israel nicht genehm war, mit der aufgerüsteten Fatah ihres Sieges beraubt werden. Als dies misslang und die Hamas im Juli 2007 die alleinige Kontrolle über Gaza übernahm, schlossen Israel und Ägypten die Grenzen zum Gazastreifen. Im September 2007 erklärte Israel den Gazastreifen zum feindlichen Gebiet. Das Kabinett beschloss eine Kürzung der Strom- und Treibstofflieferung an die Zivilbevölkerung. Im Januar 2008 ermordete die israelische Armee bei einem Militäreinsatz 19 Palästinenser. Drei Tage später, nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, riegelte Israel den Gazastreifen vollkommen ab. Die Stromversorgung für 800 000 Einwohner brach zusammen. 5 Tage später stürmten hunderttausende Palästinenser über die Grenze nach Ägypten: Kämpfer der Hamas hatten die Grenzübergänge zerbombt. Eine Woche lang deckte sich die Bevölkerung dort mit Grundnahrungsmitteln ein.

Weitere israelische Morde

Im März 2008 ermordet Israel 125 Palästinenser, und die Operation „Heißer Winter“ fordert die höchsten Opferzahlen seit dem Sechstagekrieg von 1967. Im April werden 5 Palästinenser ermordet. Am 19. Juni vereinbart Israel mit 12 Palästinenserfraktionen im Gazastreifen eine sechsmonatige Waffenruhe. Sie läuft am 19. Dezember aus. Am 5. November kommt der erste gezielte israelische Militäreinsatz im Gazastreifen seit der Waffenruhe, wegen eines 250 Meter langen Tunnels bis zum Grenzzaun. Sechs Palästinenser werden bei Gefechten ermordet. In den darauf folgenden Tagen werden nochmals 8 Palästinenser ermordet. Am 26. Dezember beginnt, obwohl das Ultimatum erst am 28. Dezember abgelaufen wäre, Israel mit der Operation „gegossenes Blei“ . 

Im Blutrausch

Wer durchbrach die Waffenruhe? Die obige Chronologie zeigt es: Israel, Israel, Israel. Die Mehrheit des jüdischen Staates befindet sich im Blutrausch und ergötzt sich an den „Abbombardierungen“ der Ziele im Gazastreifen, die schon seit Monaten vorbereitet worden sind.

Die schlimmste Aktion seit über 40 Jahren, die Israel über die Palästinenser bringt, darf nicht ungesühnt bleiben. Anstatt sich mit solidarischen Bekundungen zum Recht Israels auf Selbstverteidigung anzubiedern und damit grünes Licht für die unmenschlichen Luftschläge und andere Kriegstaten zu geben, sollten unser Außenminister, das EU-Quartett und die amerikanische Regierung israelische Kriegshandlungen als das titulieren, was sie sind, nämlich als menschenrechtsverachtende, völkerrechtswidrige und mörderische Handlungen an einer beinahe wehrlosen besetzten und ausgehungerten Zivilbevölkerung.

USA: Business as usual

Nach den Äußerungen des tschechischen Außenministers Schwarzenberg vom 28. Dezember 2008, dessen Land demnächst die EU-Präsidentschaft für die nächsten 6 Monate übernehmen wird, ist nichts Gutes zu erwarten. Die EU will die Fackel wieder an die USA weiterreichen. Nach den verständnisvollen Äußerungen von George W. Bush und Condolezza Rice fühlt sich Israel noch sicherer in seiner Kriegslüsternheit. Auch der kommende Präsident Obama ließ aus Hawaii verlauten, dass Bush der noch amtierende Präsident ist und er sich daher nicht äußern möchte. Bei der Bewältigung der Finanzkrise und den finanziellen Hilfen für die amerikanische Autoindustrie klang das noch ganz anders. Da gab Obama sofort Statements als kommender Präsident ab. Damit sollte die Obama-Euphorie einen Dämpfer bekommen. Nach den letzten „Bush-Ausläufen“ wenig Neues von Obama! Ist das der erhoffte „Change“, ist das „Yes we can!“? Nein, das ist Business as usual.

Hass gegen Palästinenser und Araber

Liegt nicht der wahre Grund für diesen massiven und blutigsten Krieg seit 1967 in Israels Wahlkampf? Einer der übelsten Wahlkämpfe seit langem. Ablenkungsmanöver korrupter Politiker, einer ehemaligen juristischen Beraterin für „Killings“ des Mossad im Ausland, die für den Wahlsieg alle männlichen Kontrahenten rechts überholen will; außerdem militante Siedlerpolitiker, die sogar, laut Noch-Premier Olmert, Pogrome in Hebron veranstalten, und andere fanatische Splitterparteien, die alle eigene Interessen vertreten und nur in einem vereint sind – im Hass gegen Palästinenser und Araber – und sich an deren Leid ergötzen. 

16 tote Israelis

Auch ich als Pazifistin lehne den Abschuss von Raketen ab. Aber war es nicht die unmenschliche Blockade und Totalabriegelung des größten und dichtest besiedelten „Freiluftgefängnisses“, die die Ausgehungerten und Verzweifelten zu diesen selbstgebauten Raketen greifen ließ, um auf ihr Leid und ihr Dasein hinzuweisen? Insgesamt 16 Tote in all den Jahren durch diese Raketen. Jeder Tote ist einer zu viel. Diese Toten aber hat die israelische Regierung zu verantworten, die die unmenschlichen Zustände gegen das palästinensische Volk angerichtet hat.

Gaza

Über 300 Tote allein in 48 Stunden. Und über 1000 Verletzte, von denen ein Großteil an schweren „Schrapnell“-Verletzungen sterben wird.

Welche Verhöhnung dieser Ausgehungerten, wenn ihnen, von Verteidigungsminister Barak propagandistisch gestattet, Lastwagen mit gespendeten Hilfsgütern in den Gazastreifen geschickt werden, während die Luftangriffe und Tötungen weitergehen. Auch die Bodentruppen stehen schon in den Startlöchern, sind aber mit 6700 Reservisten noch nicht genügend ausgestattet, um anzugreifen. Dafür kommt die Marine von der Wasserseite, und Kampjets fliegen auch schon wieder über den Libanon und bedrohen dort die Hisbollah.

Israel als hochgerüstete Militärmacht und „einzige Demokratie im Nahen Osten mit ausgestreckter Hand“ will seine Bodentruppen erst schicken, wenn Gaza abbombardiert ist und in Schutt und Asche liegt. Die Hamas als ungleicher und viel schwächerer Gegner soll als Kompensation für das Fiasko des letzten Libanon-Krieges gegen die besser gerüstete Hisbollah herhalten, ohne Rücksicht auf die schutzlosen Menschen im Gazastreifen.

Nicht die gewählte Hamas-Regierung, sondern die brutalen Besatzer, nämlich die Regierung eines radikal-jüdischen Staates, gehören vor das Haager Kriegstribunal.

Mein Aufschrei über diese Schande soll alle demokratischen deutschen Bürger und Bürgerinnen wachrütteln und zum Protest, wie auch immer, ermutigen.

T:I:S, Zwischenüberschriften, 29. Dezember 2008

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08israel.htm#Blei 

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Alternative Information Center (AIC), Jerusalem

Sanktionen gegen Israel! Livni und Barak als Verbrecher anklagen!

Das Alternative Information Center (AIC) verurteilt den heutigen tödlichen Angriff der israelischen Luftstreitkräfte auf den Gazastreifen, bei dem (bis zu diesem Augenblick) über 150 Palästinenser getötet wurden. Das AIC ruft die sozialen Bewegungen in aller Welt auf, gegen diese israelischen Kriegsverbrechen zu mobilisieren und fordert, daß die internationale Gemeinschaft Sanktionen gegen Israel verhängt und Tzipi Livni, Ehud Barak und andere Mitglieder der politischen und militärischen Führung Israels wegen dieser himmelschreienden Verbrechen anklagt: Verbrechen, begangen als Teil des israelischen Wahlkampfs.

Der israelische Angriff auf den Gazastreifen ist nicht, wie Israel heute behauptet, Vergeltung für den Gaza-Widerstand gegen die israelische Besatzung und die fortdauernde Belagerung des Gazastreifens, sondern Teil des öffentlich eingestandenen Ziels, die Hamas-Regierung in Gaza zu eliminieren. Israel nutzt die letzten Augenblicke der Bush-Regierung dafür, die tödliche, aber unwirksame neokonservative Politik des Einsatzes militärischer Gewalt für politischen Wandel umzusetzen.

Demonstrationen gegen den israelischen Angriff auf den Gazastreifen sind in den größeren Städten der Westbank geplant, und eine gemeinsame palästinensisch-israelische Demonstration wird heute Abend in Tel Aviv stattfinden.

Alternative Information Center, 27. Dezember 2008, T:I:S, Übersetzung, 27. Dezember 2008

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08israel.htm#Verbrecher

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Flipping Out 

Israel's Drug Generation. Israelis, nach ihrer Militärzeit, in Indien. 6 Teile à 10 Minuten. BBC-Video

T:I:S, 3. Dezember 2008

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Antizionistische Israelis und Palästinenser

Vorträge auf Video

 

Shir Hever, Nationalökonom, in Kiel. Siehe auch Arme Juden 

Ilan Pappe, Historiker, in Kiel, Teil 1Teil 2. Siehe auch Existenzrecht

Jonatan Stanczak, The Freedom Theater, Jenin, in Kiel 

Tsafrir Cohen, Medico-Repräsentant für Palästina und Israel, in Kiel 

Raif Hussein, Vorsitzender der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, in Kiel

 

T:I:S, 2. Dezember 2008. Dank an publicsolidarity

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08israel.htm#Antizionistisch

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Durban II

Der rassistische Staat Israel boykottiert die Nachfolgekonferenz der Vereinten Nationen zur Weltkonferenz gegen Rassismus, rassische Diskriminierung, Xenophobie und verwandte Intoleranz, die 2001 im südafrikanischen Durban stattfand. Die anstehende UN-Konferenz, Durban II genannt, wird vom 20. bis 24. April 2009 in Genf tagen. 

Der rassistische Staat Israel will nicht dabei sein, wenn er, wie schon 2001 in Durban, abermals weltweit als das bezeichnet wird, was er ist: als rassistisch. Die antizionistische Jüdisch-französische Union für den Frieden, UJFP, ruft die französische Regierung auf, an der Genfer Konferenz teilzunehmen.

T:I:S, 25. November 2008

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Mord ohn' Unterlaß

Vom 19. Juni bis zum 14. November 2008 hielten sich die israelische und die gewählte palästinensische Regierung in Gaza an ein Waffenstillstandsabkommen. Am 15. November 2008 brach der Staat Israel den Waffenstillstand. Er sperrte die Strom-, Nahrungsmittel- und Medikamentenzufuhr und ermordete elf Palästinenserinnen. 

Jüdisch-französische Union für den Frieden, UJFP, T:I:S, 19. November 2008

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Mordaufruf

 "Israel muß aufhören zu reden und damit beginnen, die Hamas-Regierung persönlich zu eliminieren", fordert der israelische Transportminister Shaul Mofaz in der israelischen Internetzeitung Ynet News.

Hintergrund in der jungen Welt.

T:I:S, 17. November 2008

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Ewiges Groß-Israel 

Am zweiten Tag des Yom-Kippur-Krieges, am 7. Oktober 1973 gegen Mitternacht, las der iranische Premierminister Amir Abbas Hoveyda dem CIA-Direktor Richard McGarrah Helms ein Telegramm vor, das der ägyptische Präsident Sadat wegen fehlender diplomatischer Beziehungen zwischen Ägypten und den USA auf diesem Weg dem US-Präsidenten Nixon zukommen lassen wollte:

Wenn Israel alle Gebiete räumt, die es seit dem 5. Juni 1967 besetzt hält, dann ist Ägypten bereit, ernsthaft über eine Unterstellung dieser Gebiete unter die Hoheit der Vereinten Nationen, die der vier Großmächte oder eine andere zu vereinbarende internationale Hoheit zu verhandeln. Scharm el Scheich betreffend, ist Ägypten bereit, nach dem israelischen Rückzug die internationale Überwachung des freien Seeverkehrs durch den Golf von Akaba zu akzeptieren. Sadat möchte, daß der Schah dem Präsidenten Nixon das Vorgehen erklärt, sodaß sobald wie möglich die Verluste enden.

Helms fand das Angebot nicht plausibel. Der Krieg währte über zwei Wochen, die Besatzung palästinensischen (zuvor jordanischen und ägyptischen), syrischen und libanesischen Gebiets währt bis heute. 

Quelle mit Vorgeschichte bei Ha’aretz, T:I:S, 5. Oktober 2008. Dank an Günter Schenk

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Verzeihung

Auf die Frage von SteinbergRecherche, welcher Teufel ihn geritten habe, der National-Zeitung ein Interview zu geben, antwortete der hervorragende israelische Ha'aretz-Journalist Gideon Levy, er habe nicht gewußt, was für eine Zeitung das sei, Verzeihung. 

T:I:S, 8. August 2008

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"Nehmen Sie sich in Acht!"

Die Antwort des Auswärtigen Amts auf die Fragen von Editz Lutz zu Gaza: Israel hält Gaza besetzt.

T:I:S, 6. August 2008

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Gaza – frei oder besetzt, das ist hier die Frage

an Außenminister Steinmeier und an den Botschafter der BRD in Zypern, Herrn Dr. Kindervater

 

Betreff: Dringend: Fwd: Deutsche Botschaft Zypern
Von:     Guenter Schenk (eMail-Anschrift)
An:
       Steinmeier <300-1(at)auswaertiges-amt.de>
Cc:
       Haelf(at)palaestina.org
Datum:
04.08.08 18:58:57 

In Kopie an Herrn Hael Al-Fahoum, Generaldelegierter der Palästinensischen Autonomiebehörde in Deutschland. 

Sehr geehrter Herr Außenminister Steinmeier,

wie Ihnen sicher bekannt ist, werden in Kürze mehrere Schiffe mit internationalen Friedensaktivisten aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa von Larnaka/Zypern nach Gaza aufbrechen, um die Isolierung der Bevölkerung Gazas zu unterbrechen. Israel behauptet, sich aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen und damit die Besatzung beendet  zu haben. Trotzdem schnürt Israel die Bevölkerung, die ganze Bevölkerung des Gaza-Streifens ab: von Land, aus der Luft und von See.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich bei dieser friedfertigen Aktion keineswegs um eine Provokation handelt. Vielmehr dient die Aktion FREE-GAZA dem Wunsch, als humanitäre Aktion dem Völkerrecht und dem humanitären Menschenrecht eine sichtbare Lanze zu brechen. Was Regierungen nicht können - oder nicht zu können glauben - soll so von friedfertigen Bürgern aus vielen Teilen der Welt, darunter zahlreichen Juden,* in die Tat umgesetzt werden.

Eine der jüdischen Teilnehmerinnen aus Deutschland, Frau Dr. Edith Lutz, leitete mir soeben einen Brief an den Deutschen Botschafter in Zypern, Herrn Dr. Kindervater weiter mit 4 Fragen, die unbedingt einer Beantwortung, nicht nur seitens des Botschafters, sondern seines obersten Dienstherren, also Ihnen, bedürfen.

Ich bitte Sie, der Dringlichkeit halber, trotz der Urlaubszeit, um rasche Beantwortung, da sowohl die Sicherheit deutscher Staatsbürger als auch die Durchsetzung des von der Bundesrepublik Deutschland anerkannten Völkerrechtes von Ihrer Antwort berührt wird.

Sie finden die e-Mail-Adresse von Frau Dr. Lutz im Briefkopf des Anschreibens an Herrn Botschafter Dr. Kindervater, was eine direkte Antwort an die Fragestellerin ermöglicht. In jedem Fall bitte ich Sie freundlich um Kenntnisgabe Ihrer Antwort. Ich hoffe, dass Ihre Antwort Frau Lutz und die anderen Teilnehmer der Free-Gaza-Aktion rechtzeitig vor Ablegen der Schiffe in Larnaka erreicht. Falls dies nicht mehr möglich sein sollte, werde ich Ihre Antwort auf direktem Wege über Satelliten-Telefon an die Schiffsleitung und an Frau Dr. Lutz weiterreichen.

* an Bord wird auch die per Kindertransporten aus Nazi-Deutschland gerettete, in Kippenheim/Baden gebürtige Hedy Epstein sein. Damit wird sie ein Zeugnis abgeben für universelle Menschlichkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Schenk, Beinheim (Anschrift)

 

Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

Von: "Edith Lutz" (eMail-Anschrift)
Datum: 4. August 2008 17:43:52 MESZ
An: Guenter Schenk (eMail-Anschrift)
Betreff: Deutsche Botschaft Zypern

Folgender Brief ist eben an den Botschafter Zperns abgegangen:

An den Botschafter der BRD in Zypern.

Sehr geehrter Herr Dr. Kindervater,

wie Ihnen bekannt ist, werde ich in Kuerze mit einer Gruppe internationaler Friedensaktivisten nach Gaza segeln. Ich moechte Ihnen vor meiner Abreise vier Fragen stellen und um eine schriftliche Antwort bitten.

1. Gibt meine Regierung, die Regierung der BRD, mir bei diesem friedlichen Unternehmen Unterstuetzung? Es ist bekannt, dass die Marine Israels den 30 Meilen-Streifen Gazas kontrolliert, im Gegensatz zu Israels Behauptung, dass der Gazastreifen nicht mehr besetzt sei.

2. Sieht meine Regierung Gaza als "immer noch besetzt" an im Sinne des Internationalen Rechts?Wir haben vernommen, dass unsere Reise von der israelischen Marine unterbrochen werden soll, unsere Boote geentert  und zu einem israelischen Hafen geschleppt werden sollen.

3. Wuerde meine Regierung diesen Vorgang als eine rechtsmaessige Handlung ansehen in Anbetracht der Tatsache, dass wir aus internationalen Gewaessern heraus in die 12-Meilen-Zone palaestinensischen Gewaessers zu segeln beabsichtigen?

4. Angenommen, dass wir den alten Hafen ohne Vorfaelle erreichen, was durchaus wahrscheinlich ist, wuerde meine Regierung mich in vollem |Umfang unterstuetzen, wenn wir Gaza wieder verlassen wollen (ein gueltiger Pass wird selbstverstaendlich mitgefuehrt). Ich bedanke mich und gruesse Sie aus naechster Nachbarschaft (University, New Campus)

Edith Lutz (Anschrift)

T:I:S, 4. August 2008. Siehe auch Konzentrationslager

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Friedensgrund

Laut Yedioth Aharonoth, Tel-Aviv, vom 2. Avril 1999 war Ariel Scharon gegen den Nato-Überfall auf Jugoslawien. Weil das Racak-Massaker gar keins war? Der Hufeisenplan eine Fälschung? Und die fotografierten mageren Leute vor statt hinter dem angeblichen KZ-Zaun standen? Weit gefehlt. Scharon hatte folgendes Motiv: 

Israel sollte die Nato-Agression unter Führung der Vereinigten Staaten nicht legitimieren... Israel könnte das nächste Opfer von der Art von Vorgehen sein wie jetzt im Kosovo... Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn eines schönen Tages die Araber  für Galiläa Autonomie und Verbindungen mit der Palästinensischen Autonomie-Behörde beanspruchen würden.

Zitiert nach Le Monde diplomatique, T:I:S, 1. August 2008

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Soldaten sind Mörder

Ein zehnjähriger palästinensischer Demonstrant ist von einem Angehörigen der israelischen Verteidigungsstreitkräfte erschossen worden. Mindestens elf weitere Palästinenser sind bei Demonstrationen gegen die israelischen Lagereinzäunungen  auf palästinensischem Gebiet zuvor getötet worden. 

ISM,

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The Ringworm Children 

Preisgekrönter israelischer Dokumentarfilm über den US-amerikanisch-israelischen Menschenversuch an 100 000 sephardischen, überwiegend marokkanischen Kindern in der 50er Jahren über die Wirkung extrem hoher Dosen von Röntgenstrahlen. 

Tausendfacher Tod, Krebs und Erbschäden waren die Folge.

Video, 44 Minuten, T:I:S, 21. Juli 2008. Dank an Schmidt-Polyglott

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Thomas Immanuel Steinberg

Will Israel den Iran überfallen?

Will Israel den Iran überfallen? Hoffentlich macht diese Frage viele Leserinnen stutzig.

Denn wer oder was, bitte, ist mit Israel gemeint? Olmert der Korrupte? Oder Warschawski der Tapfere? Die sogenannte Sicherheitsindustrie Israels, die Unsicherheit produziert, um dann den Terrorregimen der Welt Sperranlagen mit allem elektronischen Drum und Dran zu verkaufen? Oder die jüdisch-israelischen Refuseniks, die Freiheit und berufliche Entfaltung riskieren, um nicht zu morden und zu quälen? Fest steht: Die israelische Herrschaftselite und das mit ihr verflochtene Rüstungskapital brauchen Spannung und immer wieder Krieg

Doch was meinen die Leute? Umfragen sind klassische Manipulationsinstrumente. Aber manchmal geben sie einen Hinweis auf die Stimmungslage.

Einer Meinungsumfrage zufolge sind zwei Drittel aller Israelis dagegen, daß die Nukleareinrichtungen des Iran im Alleingang angegriffen werden. 

According to a poll conducted by Shivuk Panorama last December, two-thirds of the Israelis are opposed to attacking Iran. Asked “Should Israel alone attack the Iranian nuclear installations?”, 67.2 percent said “no,” 20.9 percent said “yes,” and 11.9 percent had no opinion. CounterPunch, Meldung von Agence France-Presse

Es könnte sein, daß mehr Israelis für Krieg sind, wenn die US-Regierung mitmacht. Nur: Die US-Amerikaner wollen ebenfalls den Iran nicht angegriffen sehen, ob mit oder ohne Alliierte; allen Umfragen unter US-Amerikanern, Deutschen, und anderen Völkern mit angriffslustiger Herschaftselite zufolge sind die Leute mehrheitlich gegen jeden Angriffskrieg. Die Antwort auf die rhetorische Eingangsfrage lautet daher: 

Weder Israel, noch Deutschland, noch die USA wollen den Iran überfallen. Die jeweilige herrschende Klasse will es, wenn es ihrer Herrschaft dient.

Die von Deutschand reden, oder von Israel, und damit nicht eine Gegend meinen, stehen in dem Verdacht, sie wollten uns das giftige Amalgam aus nationaler herrschender und nationaler beherrschter Klasse in den Schädel schmieren. Zeigen wir ihnen die Zähne.

T:I:S, 17. Juli 2008. Siehe auch Nationales Interesse und Kritik an Israel? Weder geht es um das Land, noch um Kritik

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Kleinenteils Mauer wie um ein Ghetto, großenteils Zaun wie um ein KZ

Die jüdisch-israelischen Sperranlagen auf palästinensichem Gebiet im UN-Bericht, .pdf-Datei. Große Bilder und detaillierte Karten.

So ungeheuerlich die jüdisch-israelischen Verbrechen, so abgefeimt denunzieren und diffamieren die Zionisten in aller Welt den jüdischen und nicht-jüdischen Widerstand, siehe Zionismus

T:I:S, 14.Juli 2008

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Was beim ständigen Totschlagen herauskommt - für die Totschäger

Demontage eines Mythos: Israels Armee im Spiegel der Literatur. Manuskript, .pdf-Datei, DeutschlandRadio.

T:I:S, 8. Juni 2008

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Petition an Condoleezza Rice zur Folterung palästinensischer Journalisten durch den israelischen Staat, die Klaue des US-imperialistischen Monsters. T:I:S, 6. Juli 2008

John Pilger

Der israelische Innen-Geheimdienst Shin Bet foltert preisgekrönten Journalisten

Es ist höchste Zeit, daß das Regime, das den Gaza-Steifen, die Golan-Höhen, Ost-Jerusalem und das Westjordanland besetzt hält, von der Seite des Zeitenlaufs verschwindet.

Vor zwei Wochen überreichte ich einem jungen Palästinenser, Mohammed Omer, den Martha-Gellhorn-Preis für Journalismus 2008. Der Preis wird zur Erinnerung an die große USA-Kriegskorrespondentin an Journalisten verliehen, die Propaganda der Mächtigen enthüllen, oder "Gefasel der Offiziellen", wie es Gellhorn nannte. Mohammed teilt sich den Preis von 5.000 Pfund mit Dahr Jamail. Erst 24jährig, ist er der jüngste Preisträger. Im Text seiner Verleihungsurkunde heißt es: 

Jeden Tag berichtet er aus der Kriegszone, wo er selbst auch ein Gefangener ist. Sein Heimatland, Gaza, ist umzingelt, ausgehungert, angegriffen, vergessen. Er ist ein zutiefst menschlicher Zeuge einer der großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit. Er ist die Stimme der Stummen.

Als Ältestes von acht Kindern erlebte er, wie die meisten seiner Geschwister getötet oder verwundet oder zu Krüppeln gemacht wurden. Ein israelischer Bulldozer zertrümmerte sein Elternhaus, in dem sich die Familie aufhielt, und verletzte seine Mutter schwer. Und trotzdem, so sagt der frühere holländische Botschafter Jan Wijenberg, "ruft er auf zur Mäßigung, drängt die palästinensischen Jugendlichen, nicht Haß zu hegen, sondern Frieden mit Israel anzustreben".

Mohammed zur Preisverleihung nach London zu kriegen war eine diplomatische Großaktion.
Israel hält Gazas Grenzen unter einer schandbaren Kontrolle, und nur mit der Eskorte der holländischen Botschaft erlaubte man ihm die Ausreise. Bei seiner Rückreise vergangenen Donnerstag sollte er an der Allenby-Brücke, der israelischen Grenze nach Jordanien, einen Beauftragten der Holländer treffen, der draußen vor dem israelischen Gebäude wartete, ohne zu wissen, daß Mohammed vom Shin Bet, der berüchtigten israelischen Sicherheitsbehörde, festgehalten wurde.

Mohammed mußte sein Funktelefon ausschalten und die Batterien herausnehmen. Seine Frage, ob er seine Botschaftseskorte anrufen dürfe, lehnten sie nachdrücklich ab. Ein Mann stand bei seinem Gepäck und blätterte seine Dokumente durch. "Wo ist das Geld?", fragte er. Mohammed zeigte ihm einige US-Dollars. "Wo sind die eng
lischen Pfund, die du hast?'

"Ich erkannte", sagte Mohammed, daß er hinter dem Geld vom Martha-Gellhorn-Preis her war: 

Ich sagte ihm, daß ich es nicht bei mir hätte. "Du lügst", sagte er. Ich wurde nun von acht Shin-Bet-Schergen umringt, alle bewaffnet. Der Mann, den sie Avi nannten, befahl mir, meine Kleider auszuziehen. Ich war schon durch eine Röntgenmaschine durch. Nun zog ich mich bis auf die Unterwäsche aus, aber man befahl mir, alles auszuziehen. Als ich mich weigerte, legte Avi seine Hand auf seine Schußwaffe. Ich begann zu schreien: "Weshalb behandelt ihr mich so? Ich bin ein Mensch." Er antwortete: "Das ist nichts verglichen mit dem, was du jetzt erleben wirst." Er nahm seine Schußwaffe heraus, preßte sie an meinen Kopf und preßte sein volles Körpergewicht in meine Seite, während er mir gewaltsam meine Unterwäsche auszog. Dann zwang er mich, auf eine spezielle Art herumzutanzen. Ein anderer Mann, der dabei lachte, fragte dann: "Warum bringst du Parfum mit?" Ich antwortete: "Das sind Geschenke für Menschen die ich liebe." Er sagte: "Oh, kennt ihr die Liebe in eurer Kultur?"

Sie verspotteten mich und es gefiel ihnen vor allem, sich über Briefe lustig zu machen, die ich von Lesern aus England erhalten hatte. Ich war nun seit zwölf Stunden ohne Essen, Trinken und Toilettenerlaubnis, und vom langen erzwungenen Stehen taten mir die Beine weh. Ich mußte mich erbrechen und kippte um. Ich erinnere mich wieder daran, daß mir einer die Augen quetschte und mit seinen Fingernägeln auf der em

Ein Krankenwagen, um Mohammed in ein Krankenhaus zu bringen, wurde erst gerufen, nachdem er eine Erklärung unterschrieben hatte, mit der sich die Israelis wegen der in ihrer Obhut erlittenen Torturen absicherten. Nun jedoch weigerte sich der palästinensische Mediziner mutig und sagte, er würde die Eskorte der holländischen Botschaft informieren. Erschreckt ließen die Israelis die Ambulanz losfahren. Die israelische Reaktion war danach die übliche Erklärung, daß Mohammed des Schmuggels "verdächtig" gewesen sei und während einer "fairen" Befragung "sein Gleichgewicht verloren" hätte, berichtete Reuters gestern.

Israelische Menschenrechtsgruppen haben das routinemäßige Foltern der Palästinenser durch Shin- Bet-Beauftragte dokumentiert, das in "Schlägen, schmerzhaften Fesselungen, Rückwärts-Beugen, Körper-Dehnung und langer Schlaf-Verweigerung" besteht. Amnesty berichtet seit langem über den weit verbreiteten Gebrauch der Folter durch Israel, deren Opfer danach nur noch bloße Schatten ihres früheren Wesens waren. Einige kommen nie zurück. Israel hat einen vorderen Platz auf internationalen Listen wegen der Ermordung von Journalisten, besonders palästinensischer Journalisten, die kaum einen Bruchteil der Aufmerksamkeit erhalten, die dem BBC-Mann Alan Johnston zuteil wurde.

Die holländische Regierung sagte, sie sei schockiert wegen der Behandlung Mohammed Omers. Der frühere Botschafter Jan Wijenberg sagte: 

Dies ist keinesfalls ein Einzelfall, sondern Teil einer Langzeitstrategie zur Zerstörung des palästinensischen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens - ich sehe die Gefahr, daß Mohammed Omer durch israelische Heckenschützen oder einen Bombenangriff in naher Zukunft ermordet werden könnte.

Während Mohammed seinen Preis in London erhielt, beklagte sich der neue israelische Botschafter in England, Ron Proser, öffentlich, daß viele Briten die Einzigartigkeit der israelischen Demokratie nicht länger schätzten. Vielleicht tun sie es jetzt.

T:I:S, 3. Juli 2008. Der Dank geht an Mathieu und an den Übersetzer W.B.

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Achse des Guten

Bücherverbrennung in Israel: Durch die Verbrennung Neuer Testamente sei "das Böse aus unserer Mitte eliminiert" worden, sagte der Initiator des Autodafés, der stellvertretende Bürgermeister von Or Yehuda, Uzi Aharon. 

Freace auf Deutsch und Jerusalem Post auf Englisch, T:I:S, 25. Mai 2008

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Ran HaCohen

60 Jahre Israel 

Die Christen – die selbsternannten Erben der Juden – gedenken des qualvollen Leidens Christi bis zur Auferstehung in den Wochen vor Ostern. Die Zionisten – die modernen selbst ernannten Erben der Juden – haben ihre Fastenzeit nach Pesach. Sie gedenken ihrer via dolorosa, die zum jüdischen Staat führte. In den Wochen, die Pesach folgen, gibt sich das Land einer nationalistischen Orgie hin, wie man sie sich kaum in einem anderen modernen Staat vorstellen kann. Es lässt an einen primitiven Volksstamm denken. Wenn man verstehen will, wie eine ganze Nation dahin gebracht wird, seine eigenen Interessen beiseite zu schieben und einer korrupten, de facto militärischen Führung zu folgen, die das Vermögen der Nation und das Blut (des eigenen Volkes) in unnötigen Kriegen und jahrzehntelanger unmoralischer Besatzung verschwendet, dann besuche man Israel kurz nach Pesach.

Vor ein paar Jahrzehnten begann alles mit dem Holocaust-Gedenktag, etwa eine Woche nach Pesach (alle öffentlichen israelischen Feiertage folgen dem jüdischen Kalender, der sonst nur für religiöse Angelegenheiten gilt). Das ist nicht mehr der Fall. Diese Wochen davor werden immer häufiger für jüdische Pilgerreisen nach Polen benützt, wo jüdische Teenager – ein oder zwei Jahre vor ihrem Militärdienst – zu einer Reihe von KZs, zerstörten jüdischen Gemeinden und anderen Stätten des Gedenkens geführt werden. Diese Reisen – mindestens achttägig – werden vom Staat abgesegnet und vom Erziehungsministerium organisiert. Ein offizielles Ziel ist, das „Nationalgefühl zu stärken“: Das Ministerium verlangt auch, dass alle jungen Pilger – auch die säkularen – nur koscheres Essen zu sich nehmen, das extra aus Israel herangeflogen und aufgeweicht und lauwarm in polnischen Hotels aufgetischt wird. Die Eltern müssen allerdings die ganzen Kosten selbst übernehmen, etwa 1500 $ pro Kind. Dies macht es zu einer Angelegenheit der Mittel- und der höheren Klassen. Das hat natürlich seinen Grund. Die Mittelklasse muss ideologisch überzeugt werden. Der Gehorsam der Armen kann mit Gewalt gesichert werden.  

Zufällig war ich am Flughafen, als im letzten April eine Gruppe von solch einer Reise zurückkehrte. Viele ihrer Klassenkameraden wurden zu ihrem Empfang zum Flughafen gefahren, um sie mit Trommeln, Tanzen und dem Ruf „Das Volk Israel lebt“ zu begrüßen. Man hatte den Eindruck, eine Gruppe Holocaustüberlebender wurde da willkommen geheißen. 

Die wirklichen Holocaustüberlebenden verdienen übrigens nicht so viel Beachtung oder öffentliche Unterstützung: Von 80 000 Überlebenden, die heute noch in Israel leben, lebt ein Drittel in Armut. Einige der alten Leute sind sogar wieder zurück nach Deutschland emigriert, wo die finanzielle Hilfe für Überlebende großzügiger ist – ein Marsch der Lebenden. 

Die Pilgerreise

Der Höhepunkt ist „der Marsch der Lebenden“, auch „Marsch der Erinnerung und Hoffnung“ genannt, wobei die katastrophale Vergangenheit für Erinnerung, und Israel – ironischerweise – für Hoffnung steht. Sie hat zwei Höhepunkte: in Auschwitz am Holocaustgedenktag und in Israel dann der Unabhängigkeitstag. Die Person, die hinter diesem Konzept steht, ist Abraham Hirschson, ein Politiker, der die Position des Finanzministers erreicht hat, und der jetzt unter Anklage steht wegen einer Reihe von Verbrechen, einschließlich Vertrauensbruch, schwerem Betrug, Diebstahl, Fälschung und Geldwäsche. Der Hauptsprecher in diesem Jahr beim „Marsch der Lebenden“ war Israels Generalstabschef, der in Auschwitz noch einmal die Gelegenheit nützte, zu Gewalt gegen den Iran aufzustacheln und die idiotische Analogie mit Nazi-Deutschland brachte. Die dort massakrierten Millionen blieben trotz dieses demagogischen Missbrauchs ihres Leidens stumm. Es ist schon verwunderlich, wie die israelische Armee es fertig bringt, sich selbst dominant ins Spiel zu bringen – vielleicht gar der dominanteste Spieler zu werden – nicht nur in Israels Politik, Bildung und Wirtschaft, sondern auch beim Gedenken an den Holocaust, der gar nichts mit der Militärmacht zu tun hat, die drei Jahre nach seinem Ende auf einem anderen Kontinent geschaffen wurde.

Der „Marsch der Lebenden“ geht dann weiter nach Israel, wo er eine Woche später bei den „Siamesischen Zwillingen“ endet: am Gedenktag (für die gefallenen Soldaten) und am Unabhängigkeitstag. Die ideologische Botschaft ist eingebaut: Die Alternative zu Auschwitz heißt „für Israel leben und sterben (und töten)“: „Sie wollten uns in Auschwitz töten, so wie sie uns jetzt in Israel töten wollen. „Sie“, die Goyim (Nichtjuden), hassen uns überall – und wir sind immer die Opfer. Araber und Nazis sind alle gleich“.

 Es ist nicht die Besatzung, nicht Israels Weigerung, Frieden zu machen oder gar eine spezielle politische Einstellung, die rational analysiert werden kann: es ist der ewige, unveränderliche Antisemitismus. Es ist leben oder leben lassen. Israels Rechtschaffenheit anzuzweifeln, ist, wie den Holocaust in Frage zu stellen. Kritik an Israel ist Unterstützung der Nazis. 

Die Straßen von Tel Aviv 

Am Abend des Holocaustgedenktages und noch einmal am Gedenktag eine Woche später sehen die Straßen Tel Avivs aus, als wäre Ausgangssperre. Von der Abenddämmerung bis in die Morgendämmerung ist kein einziger Laden offen. Dieses Gesetz wird im ganzen Lande beachtet. Im selben Tel Aviv, wo am Schabbat so viele Läden offen sind, wo Supermärkte stolz darauf sind, dass sie ihre Kunden auf einer 24-Stunden-Basis an sieben Tagen der Woche bedienen können, wo nur zwei Wochen vorher, während Pesach, Brot gebacken, gesetzwidrig ins Schaufenster gelegt, verkauft und überall gegessen wird, da findet man an diesen Feiertagen keinen einzigen offenen Kiosk. Religion ist ein verknöcherter, rückwärtsgewandter Zeitvertreib für mittelalterliche Jerusalemiten. Wir in Tel Aviv sind modern, westlich und säkular – bis es zum Nationalismus kommt,  bei dem kein Ultra-Orthodoxer mit unserer Hingabe wetteifern kann. Darüber hinaus ist es unser Zeitvertreib, die Ultra-Orthodoxen zurechtzuweisen, die sich weigern, während der zwei Minuten, während derer im ganzen Lande Sirenen heulen, still zu stehen. Ein Kolumnist mit ultra-orthodoxem Hintergrund, der vorsichtig wagte, in Haaretz Zweifel über diese Stammessitte zu äußern, bekam fast 500 Antworten, mehr als die anderen vier täglichen Kolumnen zusammen – die meisten waren wütend. Und diese Kolumne findet man nicht in der Englisch-Ausgabe von Haaretz. 

Da gibt es auch kaum ein Haus ohne Flagge; die meisten Autos haben eine oder sogar zwei. Hunderttausend Flaggen sind an den Wochenendausgaben der Zeitungen befestigt – dank einer bestimten Bank, die sie als Werbung benützt. Eine Freundin von mir, die keine Flagge auf ihren Balkon setzt, findet Jahr um Jahr eine, die ihr von ihren patriotischen Nachbarn hingesetzt wird. Schließlich wirft ein flaggenloser Balkon ein schlechtes Licht auf das ganze Gebäude. Die Nylonflaggen bleiben noch wochenlang, nachdem die Orgie endete – als schäbige Erinnerung. 

Zurschaustellung einer Hybris 

Die öffentlichen Zeremonien werden live von allen öffentlichen Fernsehkanälen übertragen; der einzige Unterschied ist der Winkel der Kamera. Länger als zwei Wochen gibt es in den Medien nichts anderes als pure Indoktrination: Holocaust, Kriegsgeschichten, der Ruhm des Staates, ein Marsch der Politiker über die Bildschirme, leere Slogans über Israels „Einzigartigkeit“. Haben sie uns nichts Besseres zu bieten? 

Während ich diesen Artikel schreibe, fliegen Militärjets über meinen Kopf für die Flugschau des Unabhängigkeitstags. Es ist wieder die Armee – man kann nicht genug davon bekommen. Der Lärm ist unerträglich, man kann ihm nicht entfliehen. Ich muss dabei unwillkürlich an die Bevölkerung im Gazastreifen denken, die regelmäßig noch größerem, betäubendem Lärm ausgesetzt ist - genau durch diese Jets. 

Die Flugschau ist gerade zu Ende gegangen; ein Fallschirmspringer sprang versehentlich in die Menge der Zuschauer und verletzte acht davon. In Tagen, die in künstlich produzierten Symbolismus getaucht werden, fragt man sich, was dieser Unfall bedeutet. Den Sturz des Ikarus? 

T:I:S, 20. Mai 2008

Auf Englisch erschienen bei antiwar.com am 14. Mai 2008. Übersetzung: Ellen Rohlfs

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Eine Israelisierung der Welt? 

Ludwig Watzal hat in International. Zeitschrift für internationale Politik, (2004) 3, S. 11-15 zusammengestellt, was für die These spricht. Und das ist viel, .pdf-Datei. 

Torsten Wöhlert findet im Freitag die These "höchst problematisch, weil geeignet, antisemitische Klischees zu bedienen." So weit, so marktgängig. In seiner Antwort auf einen Leserbrief, den er als Geschreibsel bezeichnet, fügt Wöhlert hinzu:

Was Ludwig Watzal in dem Aufsatz als "Israelisierung" beschreibt und völlig zu Recht kritisiert, ist weder historisch neu noch typisch nur für die israelische Besatzungspolitik. Wenn Ludwig Watzal seinen Blick über die Nahostregion hinaus schweifen ließe, würde er sehen, dass er für seine These der "Israelisierung" US-amerikanischer Politik in Lateinamerika und Asien genauso gute – wenn nicht bessere, meint: schlechtere – Blaupausen in Gestalt staatlicher Killerkommandos, illegaler Landnahme  etc. pp. findet.

Einverstanden:  US-Regierungen in Lateinamerika und Asien und israelische rundum betreiben eine Faschisierung der Welt. Oder eine Re-Germanisierung. Die deutschen Regierungen sind ja auf dem Balkan und in Afghanistan dabei, wieder den Anschluß zu kriegen. 

Aber die Wörter Faschisierung und Re-Germanisisierung, auf jüdisch-israelische Politik angewendet, sind allerhöchst problematisch, weil äußerst geeignet, antisemitische...  Wie also nennen wir das Pferd? Imperialistisch? Das würde womöglich das Klischee von den Juden als Weltmacht bedienen...

Merke: Israelische Politik ist unangreifbar. Neuerdings auch im Freitag?

T:I:S, 14. Mai 2008

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Stinkender Leichnam

Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete am 8. Mai 2008: 

Ahmadinejad calls Zionist regime a 'stinking corpse'

President Mahmoud Ahmadinejad here on Thursday labeled the Zionist regime as a "stinking corpse" and said those who think they can revive the corpse of this fabricated and usurper regime are in mistaken.

Lambasting the 60th anniversary of establishment of the Zionist regime, he said those who attend such a shameful ceremony should bear in their mind that their names will be listed as Zionist criminals.

Addressing Majlis representatives, he said the philosophy of existence of the Zionist regime is now under question and the usurper and fabricated regime is moving towards annihilation.

The Zionist regime is a puppet for bullying powers, he said adding that the global arrogance established the Zionist regime 60 years ago in Palestine to continue its historical straggles with the Muslim world but after the Lebanese nation slapped it in the face, they are like dead rats.

"If any regional countries assist the Zionist regime, they will burn in fire arising from nations' hatred," said the president.

"If some think that they can make any change in the global calculations, they are in mistaken because nations around the world will bury them ," concluded President Ahmadinejad.

Die iranische Nachrichtenagentur, und offenbar auch der Präsident, beachten den Unterschied zwischen den Herrschenden und dem beherrschten Land. 

Die Berliner Botschaft des Staates Israel mißachtet ihn, sobald vom eigenen Regime die Rede ist, und fälscht konsequent

Der iranische Staatspräsident hatte Israel an seinem Unabhängigkeitstag als "stinkende Leiche" bezeichnet und mit einer "toten Ratte" verglichen. 

T:I:S, 14. Mai 2008. Dank an Günter Schenk.

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60 Jahre Israel 

60 Jahre Staatsdoktrin: Quäl deinen Nachbarn, und erschlag ihn, wenn er sich wehrt.

T:I:S, 21. April 2008

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Thomas Immanuel Steinberg 

Geschäft bleibt Geschäft 

Israel, der Iran und die Holocaust-Industrie

 

Nicht nur hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die ihm zugeschriebenen Drohungen gegen Juden und Israelis nie erhoben. Sein Land beliefert Israel, dessen Regime Jerusalem besetzt hält und in der Tat verschwinden muß, mit Erdöl. Das berichtet der israelische Recherchier-Journalist Shraga Elam in der Ausgabe des Schweizer Sonntags vom 30. März 2008.

Das iranische Öl geht über Rotterdam an die Eilat Ashkelon Pipeline Co. Ltd. (EAPC), Betreiberin der Trans-Israel-Pipeline, kurz: Tipline, ein iranisch-israelisches Bauwerk aus der Zeit, als im Iran noch der Prügel-Schah herrschte.(1)

Die doppelzüngigen Mullahs wissen mit Sicherheit, wen sie da mit ihrem süßen Öl stärken: das Regime, mit dem sie auch in den Jahrzehnten zuvor immer wieder Geschäfte gemacht haben.(2)  Die Jerusalem-Besatzer kennen ihren Reklame-Feind und Geschäftsfreund natürlich ebenfalls, wie Shraga Elam belegt. Der israelische Energieminister Benjamin Ben Elieser erklärte die israelischen Ölkäufe beim Gott-sei-bei-uns Iran völlig überraschend zu dem, was sie tatsächlich auch sind: ein kleiner Beitrag zur Entspannung. Ben Elieser 2006: 

Jeder Kontaktversuch mit einem Feindesstaat, der den geschäftlichen und ökonomischen Interessen Israels dient, festigt die Stabilität in der Region.

Die Holocaust-Industrie allerdings (3), vertreten durch die US-amerikanisch-zionistische Anti-Defamation League, will ebenfalls im Geschäft bleiben: Sie schaltete riesige Anzeigen in der Neuen Zürcher Zeitung, der New York Times und dem Wall Street Journal gegen den jüngsten Schweizer Erdgas-Vertrag mit dem Iran. Die Ausbeuter jüdischen Leids, an die Schweizer Regierung gewandt, schreiben wörtlich

Wenn Sie einen terroristischen Staat finanzieren, finanzieren Sie Terrorismus.

Die Aktion wird den Zustrom von Spendengeldern aus der US-amerikanisch-israelischen Rüstungsindustrie anschwellen lassen, zumal die Anti-Defamation League Massenmörder wie den US-Vizepräsidenten Richard Cheney und Irakkriegsförderer wie den Mussolini-Verharmloser Silvio Berlusconi zu Männern des Jahres wählt.(4) 

T:I:S, 9. April 2008. Dank an Ruedi

Anmerkungen

(1)   Mehr  über Tipline und EAPC unter Ashkelon - Eilat

(2)   Ausführlich zu den iranisch-israelisch-US-amerikanischen Beziehungen Trita Parsi

(3) Norman G. Finkelstein: The Holocaust Industry: Reflections on the Exploitation of Jewish Suffering. Verso 2000 / Norman G. Finkelstein, postface par Rony Brauman: L'industrie de l'Holocauste. réflexions sur l'exloitation de la souffrance des Juifs, traduit de l'americain par Eric Hazan. Paris: La fabrique, éditions 2001/ Finkelstein, Norman: Die Holocaust-Industrie. Wie das Leid der Juden ausgebeutet wird. München (Piper 2001) 

(4) Die Anti-Defamation League gibt vor, gegen Judäophobie anzukämpfen. Tatsächlich schürt sie Ressentiments, indem sie ständig Juden mit Israelis und Judentum und Jüdischkeit mit dem zionistischen Regime gleichsetzt. Ein Beispiel hier. Dieses giftige Amalgam beginnt auch die Schweizer zu schmerzen, die sich als jüdisch verstehen. Einige distanzierten sich laut Tagesanzeiger vom 8. April 2008 von der US-zionistischen Kampagne.  

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Pierre Stambul, Jüdisch-Französische Vereinigung für den Frieden

Chronik eines angekündigten Verbrechens

 

Die israelische Regierung bereitet die öffentliche Meinung der Welt auf eine erneute Invasion des Gaza-Streifens vor. Sie erklärt, die Lage sei „unerträglich“ geworden. 

Was unerträglich geworden ist, das sind nicht die Hunderte von außergerichtlichen Hinrichtungen, die seit Jahren in Gaza vollstreckt werden. Es sind nicht die Tausende von zivilen Toten, die Kollateralschäden von 5000 Toten in sieben Jahren. Es sind nicht die Kranken, die im zur „feindlichen Einheit“ erklärten Gaza-Streifen sterben, weil keine Medikamente mehr da sind. Es sind nicht jene Leute, die ohne Trinkwasser leben, weil es keine Kläranlagen mehr gibt. Es sind nicht die zerstörten Wohnblocks, die aufgebrochenen Häuser, die ständigen Stromsperren. Es sind nicht die fünfzehn Lastwagen, die, statt der 400 erforderlichen, pro Tag hereinkommen.

Nein, für die israelische Regierung ist unerträglich, daß diese verdammten Palästinenser falsch gewählt haben. Die Palästinenser nehmen ihr Schicksal nicht hin wie letztlich die Indianer in den Vereinigten Staaten oder die Aboriginees in Australien. Sie weigern sich, in einem Reservat zu leben. Sie nehmen nicht hin, daß der Gaza-Streifen zu einem Versuchslabor für psychopathische Politiker geworden ist, die versuchen, ein ganze Volk einzusperren. Sie widersetzen sich. Sie brechen in Rafah ihr schönes Gefängnis auf, sie versorgen sich im Sinai und sie schießen einige Kassam-Raketen nach Sderot oder Ashkelon ab, um daran zu erinnern, daß es gefährlich sein kann, auszuhungern oder zu töten.

Was unerträglich ist, das ist die Straflosigkeit Israels, die fehlende Empörung der öffentlichen Meinung und der Regierungen, die nicht Basta! sagen. Es sind die fehlenden Sanktionen, die Tatsache, daß nicht alle Welt auf die Straße rennt und den israelischen Führern entgegenbrüllt: „Es reicht, das lassen wir nicht zu.“

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Pierre Stambul, Union Juive Française pour la Paix

Chronique d’un crime annoncé

 

Le gouvernement israélien prépare l’opinion publique mondiale à une nouvelle invasion de Gaza. Il explique que la situation est devenue « insupportable ».

Ce qui est insupportable, ce ne sont pas les centaines d’exécutions extrajudiciaires effectuées depuis des années à Gaza. Ce ne sont pas les milliers de morts civils (dommages collatéraux, 5000 morts en 7 ans). Ce ne sont pas les malades qui meurent à Gaza, déclaré « entité hostile » parce qu’on n’y trouve plus de médicaments. Ce ne sont pas ces gens qui vivent au milieu des eaux usées parce qu’il n’y a plus de station d’épuration. Ce ne sont pas les immeubles démolis, les maisons éventrées, les coupures de courant incessantes. Ce ne sont pas les 15 camions qui rentrent chaque jour au lieu des 400 nécessaires.

Non, ce qui est insupportable pour le gouvernement israélien, c’est que ces maudits palestiniens ont mal voté. C’est que les Palestiniens n’acceptent pas leur sort comme les Amérindiens des Etats-Unis ou les Aborigènes d’Australie ont fini par le faire. Ils refusent de vivre dans une réserve. Ils n’acceptent pas que la Bande de Gaza soit devenu un laboratoire pour politiciens psychopathes qui expérimentent l’enfermement de tout un peuple. Ils ruent dans les brancards. Ils cassent à Rafah la belle prison qui les enfermait, ils vont se ressourcer dans le Sinaï et ils balancent quelques Qassams sur Sdérot ou Ashkélon pour rappeler qu’il peut être dangereux d’affamer ou de tuer.

Ce qui est insupportable, c’est l’impunité d’Israël, c’est l’absence d’indignation des opinions publiques et des gouvernements pour dire Basta ! C’est l’absence de sanctions, c’est le fait que tout le monde ne sort pas dans la rue pour hurler aux dirigeants israéliens : « Ça suffit, nous ne vous laisserons pas faire ».

T:I:S (Übersetzung), 1. März 2008. Per Mail zugesandt von Jean Claude Meyer

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Thomas Immanuel Steinberg

Arme Juden

Besatzung und Krieg zerrütten die israelische Gesellschaft

 

Das israelische Bruttoinlandsprodukt wächst und wächst, doch die Armen werden immer ärmer, und die vormals breite Mittelschicht bröckelt. Das oberste Zehntel der israelischen Einkommensbezieher bereichert sich wie nie zuvor. 

Gewöhnlicher Kapitalismus also? Shir Hever, Nationalökonom vom Jerusalemer Alternative Information Center widerspricht. (1)  In den fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war Israel ein ausgesprochen egalitäres Land. Der sogenannte Gini-Koeffizient wies für Israel eine gleichmäßigere Einkommensverteilung aus als die skandinavischen Länder.

 
Shir Hever, Jerusalemer Nationalökonom, im Hamburger Curiohaus am 22. Februar 2008. Foto: tofoto

Heute herrscht in Israel - ohne die Palästinenser in den Besatzungsgebieten - größere Einkommens- und Vermögensungleichheit als in allen entwickelten Ländern der Welt. In der Weltrangliste rangiert Israel hinter Mexiko. Die Palästinenser in den Besatzungsgebieten eingeschlossen, ist Israel das Land mit der ungleichsten Einkommens- und Vermögensverteilung auf der Welt.

Shir Hever erklärte am 22. Februar 2008 den Teilnehmern an der attac-Veranstaltung im Hamburger Curiohaus die Gründe für die palästinensische und die jüdische Verarmung im Land, wo Milch und Honig fließen. 1987, nach zwanzig Jahren jüdisch-israelischer Besatzung der Palästinenser-Gebiete, erhoben sich die Besetzten gegen die Besatzer im sogenannten Krieg der Steine. Die israelische Armee bezwang die Aufständischen dank völliger Waffenüberlegenheit, und ab 1993, verstärkt nach der Zweiten Intifada im neuen Jahrtausend, verdrängte die jüdisch-israelische Regierung die Palästinenser aus allen Einkommensmöglichkeiten im israelischen Kernland.

Teure Besatzung 

Der israelische Staat errichtete jüdisch-israelische Siedlungen und Sperren auf palästinensischem Gebiet; um 2003 schließlich zäunte und mauerte er die ständig zunehmenden Siedlungen ein, siehe Karte, und bewacht sie seitdem mit Soldaten, Video-Kameras, Berührungssensoren und fernsteuerbarem Schießgerät. Er nennt das Monstrum Terrorabwehrzaun. Der Staat baute palästinenserreine Verkehrsverbindungen zwischen dem Kernland und den Kolonien, lockte Siedler mit hohen Subventionen an und privatisierte Teile der Kriegs- und Besatzungsmaschine.


Quelle: Wikiedia. Vergrößern

Längst kann die Regierung Krieg und Besatzung nicht mehr allein finanzieren. Spender aus aller Welt und vor allem die US-Regierung schießen ständig zu. Doch die USA haben die Zahlungen an Israel inzwischen eingeschränkt. Jerusalem hat deshalb in Washington die Verlagerung von ziviler auf militärische Hilfe erwirkt. Die Sozialleistungen an die Armen wurden gesenkt, und von der europäischen Hilfe für die Palästinenser zweigt der israelische Staat Steuern ab.

Rentable Besatzung

Die Folge: Nicht nur die Palästinenser leben im Elend, auch immer mehr nicht-jüdische und jüdische Israelis verarmen. Die Reichen dagegen werden immer reicher, dank Eigentum an Rüstungskapital und vor allem an der sogenannten Sicherheitsindustrie. Israel ist führend in der Produktion von Sperranlagen. Eine israelische Firma ist Teilhaberin des Konsortiums unter Führung von Boeing, das den US-Sperrzaun an der mexikanischen Grenze baut.

Warum dieser geballte Wahnsinn?

Kollegen von Shir Hever (2) haben ermittelt: Jedesmal wenn die Rendite der führenden US-amerikanischen Ölkonzerne unter den Mittelwert der Rendite der Fortune-500-Werte an der New Yorker Börse sank, ereigneten sich in Nahost eine oder mehrere Krisen, an denen Israel direkt oder indirekt beteiligt war. Sogleich stieg die Rendite der führenden Ölkonzerne über den Mittelwert. Zur Zeit folgt Krise auf Krise: Das Ausmaß, in dem die Eigenkapitalrendite der Ölriesen die Eigenkapitalrendite der  knapp 500 übrigen Konzerne übersteigt, ist arithmetisch kaum noch darstellbar.

Krisenproduktion und Gewinnsteigerung sind offenbar miteinander verflochten wie US-amerikanisches und jüdisch-israelisches Kapital, wie Politiker, Militärs und Ideologen beider Länder. 

T:I:S, 26. Februar 2008

Anmerkungen

(1) Die einschlägigen Aufsätze von Shir Hever sind im Internet beim Alternative Information Center (AIC) frei zugänglich. Das AIC ist eine jüdisch-palästinensische Friedensorganisation. Ihr bekanntester Kämpfer ist Michel Warschawski.

(2) Die Graphik ist entnommen aus: Shimshon Bichler and Jonathan Nitzan for the Alternative Information Center (AIC): Economy of the Occupation 10: Cheap Wars. Jerusalem 2006. Bichlers und Nitzans Standardwerk über die israelische Wirtschaft ist als .pdf-Datei (1,8 MB) hier vollständig herunterladbar: Jonathan Nitzan und Shimshon Bichler: The Global Political Economy of Israel. London und Sterling VA, Pluto Press 2002. 

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Robert Neumann

Ungeöffnet zurück an den Absender

Überdies hat die Gründung des Staates Israel (den ich nicht für bedrohter oder bedrohlicher halte als irgendeinen andern Staat in der weiten Welt) da einen neuen Akzent gesetzt. Pro-israelisch sein ist so sinnvoll wie pro-uruguayisch sein oder pro-isländisch. Vordringlicher erscheint mir der innerdeutsche Aspekt zu sein: Man sei pro unterprivilegierte Minderheit. Das trifft auf die Juden (derzeit – aber alles ist „derzeit“) nicht zu. An einer Woche der Brüderlichkeit für Gastarbeiter Homosexuelle Kommunisten Langhaarige Farbige werde ich teilnehmen. Mit Enthusiasmus. Auch an einer Woche der Brüderlichkeit, die die Israelis veranstalten – für die Araber in ihrem Land.

Wenn Sie, lieber Herr E., diese Einstellung weiter als „jüdischen Selbsthaß“ bezeichnen wollen, bleibt Ihnen das unbenommen. Aber etwaige weitere Briefe von Ihnen gehen ungeöffnet an Sie zurück.

Leben Sie wohl – R.N.

Robert Neumann: Bericht von unterwegs. Autobiographie. Unveröffentlichtes Typoskript 1974, S. 135f. Copyright: Liepman AG Zürich. Robert Neumann war in Deutschland bekannt als Autor der Parodien „Mit fremden Federn“.

T:I:S, 28. Januar 2008

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Matthias Hui

Verwirrend, befremdend, erschreckend

Berner Ankündigung eines Filmzyklus und israelische Einladung zu einer Tasse Kaffee

Von Matthias Hui, Fachstelle OeME (Oekumene, Mission, Entwicklungszusammenarbeit) der Reformierten Kirchen Bern - Jura – Solothurn, unter anderem zustandig für den Bereich Palästina/Israel, erhielt SteinbergRecherche folgende Information: 

Der israelische Botschafter in der Schweiz, Ilan Elgar, lud mich kürzlich zu einer Tasse Kaffee in die Botschaft ein, nachdem er die Ankündigung des laufenden Filmzyklus "Erinnerung & Empörung - Filme zu Palästina / Israel" im Kino in der Reitschule Bern gesehen hatte. Wir führten ein anständiges und angeregtes Gespräch, zusammen mit seinem PR-Beauftragten Uri Rothman. Manchmal vermittelten mir die beiden Diplomaten den Eindruckle="mso-bidi-font-family: Arial">Verwirrend, befremdend, erschreckend

Berner Ankündigung eines Filmzyklus und israelische Einladung zu einer Tasse Kaffee

Von Matthias Hui, Fachstelle OeME (Oekumene, Mission, Entwicklungszusammenarbeit) der Reformierten Kirchen Bern - Jura – Solothurn, unter anderem zustandig für den Bereich Palästina/Israel, erhielt SteinbergRecherche folgende Information: 

Der israelische Botschafter in der Schweiz, Ilan Elgar, lud mich kürzlich zu einer Tasse Kaffee in die Botschaft ein, nachdem er die Ankündigung des laufenden Filmzyklus "Erinnerung & Empörung - Filme zu Palästina / Israel" im Kino in der Reitschule Bern gesehen hatte. Wir führten ein anständiges und angeregtes Gespräch, zusammen mit seinem PR-Beauftragten Uri Rothman. Manchmal vermittelten mir die beiden Diplomaten den Eindruck, dass sie hinhörten, wenn wir von der notwendigen Wahrnehmung und Anerkennung jedes erlittenen Unrechts sprachen. Und ich versuchte, ihre Argumentationslinien nachzuvollziehen. Und doch: Was sie mir vermittelten, verwirrte und befremdete mich einmal mehr zutiefst. Die Menschenrechte seien für Europa gut, im Nahen Osten müsse man stets abwägen, inwiefern man Politik auf ihre Grundlage stellen könne, man lebe in einem anderen, feindlichen Kontext. 

Im laufenden Filmzyklus im Kino in der Reitschule zeigen wir verschiedene Filme, die sich mit der Vergangenheit von 1948 - der Gründung des jüdischen Staates Israel und der Vertreibung der Palästinenser/-innen - beschäftigen. Diese Auswahl - ohne sie genau zu kennen - und das kürzliche Referat des israelischen Historikers Ilan Pappé in Bern erachten die Gesprächspartner der israelischen Botschaft als zutiefst "erschreckend" und "einseitig verzerrt". Sie fürchten sich vor dieser Form der Aufarbeitung der Geschichte und ihren Konsequenzen. Die israelische Aussenministerin Livni forderte in ihrer Rede in Annapolis vor kurzem: "upon the establishment of the Palestinian state the word 'Nakba' be deleted from the Arabic lexicon in referring to Israel". Nicht als Parallele, die keinen Sinn macht, aber in Analogie würde dies heissen: "the word 'Shoah' be deleted from the Hebrew lexicon in referring to Germany and Europe". Die Absurdität, Tragik und das Unvermögen, ja die Weigerung, sich in die andere Seite einzufühlen, werden deutlich.  

Nach dem Gespräch erhielt ich von der Botschaft einen Artikel des israelischen Journalisten Ben-Dror Yemini zugestellt zur Frage der Palästinaflüchtlinge. Ich finde darin erschreckende Sätze: Mit Blick zum Beispiel auf Ex-Jugoslawien heisst es: "Klar ist, dass der internationalen Gemeinschaft bewusst war, dass zur Verhinderung weiterer Ausschreitungen eine Bevölkerungsverschiebung unumgänglich war. (...) Die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat, aus der sie ursprünglich vertrieben wurden, führt nur zu mehr Kriegen. Die Implementierung des Rückkehrrechts in Europa würde diesen Kontinent in eine Epoche unzähliger Kriege zurückführen. (...) Jeder Staat hat das Recht auf Wahrung seiner religiösen oder ethnischen Homogenität (...). Deutschland hat die vertriebenen Deutschen aufgenommen. Indien hat die Hindus aufgenommen, Pakistan die Muslime und Israel die Juden. Millionen Flüchtlinge wurden von den Ländern aufgenommen, in die sie umgesiedelt sind, Länder, in denen ihre Religion oder Ethnie die Mehrheit stellt. Möge die arabische Welt die palästinensischen Flüchtlinge aufnehmen." Soll in dieser Logik - ohne von Israel zu sprechen - in Europa etwa kein (gleichberechtigter) Platz sein für jüdische und muslimische Menschen? Will man wirklich so weit gehen in der Legitimierung dessen, was in den wenigen Jahren vor und nach 1945 geschehen ist? 

Dass sich Europa in Israel nicht einmischen soll, hat der israelische Botschafter über das Wochenende via Medien bestätigt. Sein Seitenhieb gegen Micheline Calmy-Rey und das EDA: Mit der Hamas und Iran darf man nicht reden, wie dies die schweizerische Aussenpolitik tut. Diese Aussage geschieht im neuen Kontext der Relativierung der iranischen Atombedrohung durch die US-Geheimdienste. Der israelische Friedenskämpfer Uri Avnery sagt dazu: "So oder so, eines ist sicher: dieser Schuft, Ahmadinejad, hat uns wieder einmal beschissen. Er hat unseren kostbarsten Besitz geraubt: die iranische Atombedrohung." 

In solchen Zeiten ist es gut, wenn wir "das andere Israel" in den Blick nehmen. Das tun wir am kommenden Freitag, 14. Dezember 2007, wenn wir im Kino in der Reitschule den neuesten Film "Forgiveness" des israelischen Regisseurs Udi Aloni zeigen. Udi Aloni wird persönlich anwesend sein und mit den Zuschauer/-innen das Gespräch aufnehmen. Der Film und die Diskussion versprechen Tiefgang zum israelisch-palästinensischen Trauma von 1948  - und zum Traum von Vergebung und Versöhnung.  

Mehr zum streitbaren und kreativen Regisseur, Sohn der ehemaligen israelischen Erziehungsministerin Shulamit Aloni, und zu seinem mehrfach ausgezeichneten Film.

Und ausserdem:

- Im Kino in der Reitschule läuft am 13. Dezember der Film "The Raging Grannies" über israelische Friedenskämpferinnen und am 15., 21. und 22. Dezember sind weitere Filme zu sehen:  

- Am Freitag, 14. Dezember, 12.30 bis 13.00 Uhr findet vor der Französischen Kirche Bern die monatliche Mahnwache für einen gerechten Frieden in Israel/Palästina statt.

- Nach der Mahnwache vom 14. Dezember 2007 findet um 13.00 Uhr in der Französischen Kirche Bern im Rahmen der Kampagne Olivenöl ein Gespräch mit Dr. Hijawi Thameen, Agraringenieur der palästinensischen NGO PARC, statt.

T:I:S, 13. September 2007

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