Kampf der Kulturen

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Thomas Immanuel Steinberg

In Treue fest zum israelischen Staats- und Regierungsterror

Die Bundestagsmehrheit lügt über Ahmadinedschad, und das auch noch in schlechtem Deutsch

Die meisten Abgeordneten Der Linken und alle Abgeordneten der übrigen Parteien befanden am 4. November 2008 im Bundestag: 

... Grund zur Sorge gibt, daß Antisemitismus in allen Schichten der Bevölkerung zu finden ist. Oft geht er mit Antiamerikanismus und Antizionismus einher. Die Solidarität mit Israel ist ein unaufgebbarer Teil der deutschen Staatsräson. Wer an Demonstrationen teilnimmt, bei denen Israelfahnen verbrannt und antisemitische Parolen gerufen werden, ist kein Partner im Kampf gegen den Antisemitismus. Die Solidarisierung mit terroristischen und antisemitischen Gruppen wie der Hamas und der Hisbollah sprengt den Rahmen zulässiger Kritik an der israelischen Politik. Neue Fronten des Antisemitismus treten zunehmend in der islamistischen Gedankenwelt auf. Dieser arabische und islamische Antisemitismus ist eine globale Gefahr. Erwähnt seien nur die Reden des iranischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der in Reden immer wieder die »Tilgung Israels von der Landkarte« fördert...

Elf Abgeordnete der Linksfraktion, nämlich Karin Binder, Sevim Dagdelen, Diether Dehm, Wolfang Gehrcke, Heike Hänsel, Nele Hirsch, Inge Höger, Ulla Jelpke, Dorothee Menzner, Norman Paech und Eva Bulling-Schröter nahmen an der Abstimmung nicht teil und gaben ihre Gründe dafür zu Protokoll.

Wir haben uns an der Abstimmung über den Antrag »Den Kampf gegen Antisemitismus verstärken, jüdisches Leben in Deutschland weiter fördern« nicht beteiligt, obwohl er ein richtiges und notwendiges Anliegen formuliert. Die Linke und wir persönlich haben uns stets in Wort und Tat gegen Antisemitismus, gleichgültig in welcher Spielart er vorgetragen wird, entschieden engagiert. Jedoch ist der Antrag ein überaus schlechter Kompromiß, der diesem wichtigen Anliegen bei weitem nicht gerecht wird, und die Umstände seines Zustandekommens sind skandalös.

Wir stellen mit Bedauern fest, daß die Unionsfraktion versucht, das Gedenken an die Reichspogromnacht und an die faschistischen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung Europas für eigene parteitaktische Zwecke zu instrumentalisieren. Das degradiert diesen Antrag zur Wahlkampfveranstaltung. Der Antrag versucht, diejenigen als antisemitisch und antiamerikanisch zu diskreditieren, die Kritik an der Kriegspolitik von NATO, USA und Israel äußern. Unter dem Deckmantel der Antisemitismusbekämpfung will er damit wesentliche außen- und innenpolitische Ziele der Bundesregierung legitimieren. Die deklaratorische Feststellung, die Solidarität mit Israel entspreche der deutschen Staatsräson, soll nicht nur das Existenzrecht Israels bestätigen, sondern sie dient vielmehr dazu, jegliche Kritik an der israelischen Politik für illegitim zu erklären. Der Antrag suggeriert: Wer für sich das Recht in Anspruch nimmt, den »Krieg gegen Terror« abzulehnen oder die israelische Politik gegenüber der palästinensischen Bevölkerung zu kritisieren, stelle sich außerhalb der demokratischen Gemeinschaft. Diese undemokratische, anmaßende Tendenz macht den Antrag für uns untragbar. Darüber hinaus drückt der Antrag zu viel Selbstzufriedenheit mit den tatsächlichen Zuständen des Antisemitismus in Deutschland aus und bleibt uns zu unkonkret, wenn es um die praktischen Schritte geht, die zur Bekämpfung von Antisemitismus gegangen werden müssen.

Zudem lügt die Abgeordnetenmehrheit über Ahmadinedschad, und das auch noch in schlechtem Deutsch.

Was für ein armseliger Haufen.

T:I:S, 5. November 2008

 Noch dreister als der Bundestag lügt der Zentralrat der Juden in Deutschland, siehe Zionismus

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08kampfderkulturen.htm#Bundestag 

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Thomas Immanuel Steinberg

Pew Global Attitudes Project

Kampf der Kulturen per Meinungsumfrage

 

Die Nachrichtenagentur Associated Press verbreitete am 18. September 2008, was das Pew Global Attitudes Project des Pew Research Center in Washington gerade herausgefunden haben will: Immer mehr Europäer lehnen Juden und Muslime ab. (1) 

Wie kam die US-Einrichtung zu diesem Ergebnis? 

Sie stellte in einigen europäischen Ländern jeweils etwa 700 über Achzehnjährigen teils per repräsentativer, teils per Zufallsstichprobe am Telefon die Frage: 

On a different topic, please tell me if you have a very favorable, somewhat favorable, somewhat unfavorable or very unfavorable opinion of: e. Jews.

Zu einem anderen Thema. Sagen Sie mir bitte, ob Sie eine sehr günstige, etwas günstige, etwas ungünstige oder sehr ungünstige Ansicht über – Juden – haben. [Übersetzung von T:I:S]

Die gleiche Frage stellten die US-Forscher den Probanden zu Muslimen und Christen. 

Wie hätte ich geantwortet? 

Offenbar ging es um die Religion, um gläubige Juden, Muslime und Christen. Ich hätte zunächst an den einzigen gläubigen Juden gedacht, den ich kenne. Das ist Rolf Verleger, ein feiner Mann. Doch dann wären mir die acht von einem Palästinenser getöteten Merkaz-Harav-Schüler eingefallen, um die der widerliche Kriegshetzer Arno Hamburger kürzlich Wirbel gemacht hat. Sie waren gläubige Juden, aber keine gewöhnlichen Betbrüder, sondern sie studierten in der Kaderschmiede für Siedler, also für Landräuber. 

Ich hätte also nicht sinnvoll antworten können und daher die Antwort verweigert. Das haben denn auch 11% der in Deutschland Befragten getan. Genauso wäre es mir mit den Muslimen und den Christen gegangen.

 "Mehr so allgemein"

Doch dem US-Meinungsforschungsinstitut ging es weder um Rolf Verleger noch um gläubige Landräuber, weder um Yavuz Özoguz, den liebenswürdigen Betreiber der Internetseite Muslim-Markt , noch um die US-geförderten Söldner-Mudschaheddin von Carter und Brzeziński in Afghanistan, sondern offenbar „mehr so allgemein“: Sie legten mit ihren Fragen dem Probanden ein Pauschalurteil nahe über Juden, Muslime und Christen. Sie weckten mit ihrem Assoziationstest das Dumpfe im Probanden, um es anschließend zu ermitteln.

Ein Trend?

Eine Ermittlung in derart kruder Form muß, aus offensichtlichen und nicht aufzählenswerten Gründen, mißlingen. Doch vielleicht ließ sich mit den Fragen ein Trend feststellen, äußerst grob zwar, aber doch geeignet als Anregung für vernünftige Untersuchungen? 

In der Tat listet das Befragungsinstitut die Ergebnisse vergangener Jahre auf. Als Beispiel soll die Befragung in Deutschland dienen. 2004 bekannten sich 63 % der Probanden bei uns zu einer sehr günstigen oder etwas günstigen Ansicht über Juden; 2008 64 %. Und 2004 hatten laut Selbstauskunft 20 % der Probanden in Deutschland eine etwas ungünstige oder sehr ungünstige Ansicht von Juden; 2008 waren es 25 %.  

Der Unterschied erklärt sich womöglich daraus, daß 2004 noch 17 %, wie ich es getan hätte, die Antwort auf solch eine die Ressentiments schürende Frage verweigert haben, 2008 nur noch 11 %: Das Dumpfe in Deutschland könnte sich inzwischen haben hervorlocken lassen, ohne sonstige Veränderung.

Etwas statistische Methodenlehre 

Aber gibt das Ergebnis überhaupt etwas her für irgendeinen Schluß, egal welchen? Die Meinungforscher vermerken zu Methode: 

For results based on the full sample in a given country, one can say with 95% confidence that the error attributable to sampling and other random effects is plus or minus the margin of error… Germany: margin of error 4 %  

Das Konfidenzniveau betrage 95 %, die Fehlergrenze 4 %. Das heißt: Mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit weichen die Befragungsergebnisse für das Land nicht mehr als 4 %, jedoch möglicherweise bis zu 4 % nach oben oder nach unten von der Grundgesamtheit aller über Achtzehnjährigen mit Telefon in Deutschland  ab. 

Zählt man 4 Prozentpunkte zu den deutschen Ergebnissen hinzu oder zieht sie davon ab, so zeigt sich: Eine Veränderung der bekundeten Einstellung zu Juden in Deutschland ist aus den Befragungsergebnissen so gut wie nicht zu schließen. Die Ergebnissse sind nicht oder kaum signifikant. 

Das Gleiche gilt für die Ansicht zu Muslimen: 

positiv 2004: 41 %; 2008: 40 %

negativ 2004: 46 %; 2008: 50 % 

Auch hier ist die Zahl der Anwortverweigerer gesunken, von 13 auf 10 %, das Dumpfe wurde stärker herausgelockt – oder auch nicht, bei, wie  gesagt, einer Fehlergrenze von 4 % mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit. (2)

Europäer aus Washingtoner Sicht

Soweit zu Deutschland. Die Meinungsforscher befragten neben den Menschen in Deutschland auch solche in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Polen, Rußland und der Türkei. Die übrigen 39 europäischen Länder waren nicht einbezogen. Ein Schluß auf "die Europäer" ist somit einfach nur albern.   

Mit der Befragung und mit der Veröffentlichung ihrer Dumpfheits-Ergebnisse tragen die US-Meinungsforscher nur das Ihre bei zu dem, was ohnehin jeder kennt: zur laufenden Verblödungskampagne namens Kampf der Kulturen. 

T:I:S, 19. September 2008

Anmerkung 

(1) Pew Global Attitudes Project, .pdf-Datei, Pew Research Center: Unfavorable views of jews and muslims on the increase in Europe. Washington, D.C., 17. September 2008. Die Google-Eingabe des Titels der Studie in Anführungszeichen (Suche nach wortgleicher Erwähnung) ergab einen Tag nach Veröffentlichung 17 Resultate, teils mit redaktionellen Wendungen wie: "Antisemitische und antimuslimische Einstellungen haben in den vergangenen Jahren in Europa zugenommen" (Wiener Standard). So wird Stimmung gemacht. 

Über die gleichgerichtete Studie des European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia (EUMC) in Wien, einer EU-Einrichtung, und über den hanebüchenen Beitrag des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zu dieser Studie siehe

(2) Verschiebungen in Deutschland und auch in anderen Ländern Europas meinten die Forscher zwischen den Probanden mit sehr günstigen und etwas günstigen Ansichtsbekundungen festgestellt zu haben; dito bei den ungünstigen Ansichten. 

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