Otto Köhler

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Otto Köhler

Raddatz, ich und Die Zeit

– Auszüge –

Theo Sommer

... Schlimmer war es, wenn bei [Theo] Sommer der frühe Erfahrungshorizont durchbrach. Da zeigten sich dann auch die Untiefen jener Elite-Sozialisation, die Sommer – übrigens ebenso wie dem erwähnten Karasek – auf Hitlers nationalpolitischen Erziehungsanstalten widerfahren war, unterschwelliger Antisemitismus lodert da immer mal wieder sogar in Zeit-Konferenzen hoch. Raddatz will eine Replik des US-Historikers Jonah Goldhagen kürzen, weil sie – »zu lang, zu selbstgefällig«– sich um die eigene Wirkung bringen würde. »Darauf Ted Sommer: ›Ich werde mir doch nicht in der New York Times nachsagen lassen, ich hätte den Juden Goldhagen noch einmal beschnitten.‹« Bekümmert notiert Raddatz in sein Tagebuch: »Das Hahaha der Konferenzrunde wollte kein Ende nehmen.«...

Kuno Haberbusch

... 1997 gab es beim NDR Krach um die Satire-Sendung »Extra Drei«. Neuer Chef wurde Kuno Haberbusch. »Ein tüchtiger Mann«, schrieb ich in der Zeit, »der 1991 mit einem liebevollen und farbenfrohen Feature über das endlich wiedererwachende burschenschaftliche Leben im befreiten Osten hervorgetreten war«... ich hatte die real existierende Sendung mitgeschnitten, weil ich sie für ein wichtiges Dokument über den Einmarsch des Westens in den Osten hielt... 

Der Bundesnachrichtendienst (BND)

Da gibt es eine enge Zusammenarbeit von Theo Sommer und dem BND – sogar bei Auslandsreisen. »Ich bin da völlig unbefangen«, zitiert ihn Schmidt-Eenboom aus einem Gespräch vom Oktober 1997. »Wenn einer von denen etwas wissen wollte, dann habe ich es ihm gesagt, und bei meinen Aufenthalten im Ausland habe ich manchen klugen BND-Residenten getroffen« – also ein anscheinend problemloser Austausch von Informationen zwischen dem Zeit-Herausgeber und Spionagechefs. Ja, schreibt Schmidt-Eenboom undementiert, als Chefredakteur der Zeit sei Sommer gelegentlich auch nach Pullach zum BND gefahren. Auch die Preisliste aus der Zeit des pensionierten BND-Chefs Gehlen ist bekannt: »Er ließ Journalisten als V-Leute anheuern, die über ihre Gespräche mit Prominenten Berichte ablieferten (für 1500 bis 15000 Mark monatlich).« Zu Gehlens Zeiten noch das Einfache bis Zehnfache eines normalen Redakteurgehalts...


Pressehaus am Speersort in Hamburg                                                                               Foto: tofoto

... Vor dem Essen gab Horchem – so nannte er das selber – »ein Briefing«. Unbekannt ist, ob er dabei erläuterte, warum er das tat, was die Gewerkschaftszeitung metall nach seinem Ausscheiden so beschrieb: »Verfassungsschutz in Hamburg, das war einst die Überwachung von Tausenden von Arbeitern in über hundert Betrieben durch die Denunziationskommandos seines sozialdemokratischen Präsidenten Hans Josef Horchem. Wer gegen die NPD demonstrierte, mußte damit rechnen, daß er nirgends eine Anstellung bekam– aufgrund von Verfassungsschutzmitteilungen.«

Nina Grunenberg

Über einen seiner Agententreffs mit ausgewählten Journalisten notierte Horchem: »Ich hatte am Samstag, dem 26. Februar 1977, einige Journalisten mit Kollegen von befreundeten Diensten in unserer Wohnung zusammengebracht. Nach dem Abendessen wurde die Stimmung gelöster. Nina Grunenberg von der Zeit nahm mich in einer Gesprächspause zur Seite und sagte, dies mehr feststellend als fragend: ›Sie scheinen tatsächlich nicht zu wissen, daß übermorgen im Spiegel ein langer Artikel über eine Abhöraktion des Bundesamtes für Verfassungsschutz stehen wird.‹« Horchem konnte sofort die Zentrale in Köln warnen. Zuträgerin Nina Grunenberg war stellvertretende Chefredakteurin der Zeit. Haug von Kuenheim war in der gleichen Funktion. Beide hielten regelmäßig Kontakt zu Horchem...

junge Welt, 8. Februar 2011. T:I:S, Zwischenüberschriften, 8. Februar 2011. Siehe auch Thomas Assheuer, Josef Joffe, Die Zeit und Josef Joffe bei SteinbergRecherche

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08koehler.htm#Zeit

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Thomas Immanuel Steinberg

Gezielte staatliche Morde und der unnatürliche Tod von Jürgen Möllemann

Otto Köhlers Glaubensbekenntnis

Die Geschichte hat eine verwickelte Vorgeschichte, aber beide müssen erzählt werden: als Vorsorge für den Fall, daß Otto Köhler sich abermals an anständigen Menschen vergeht. 

Viele Staaten führen Krieg gegen Menschen in andern Ländern, oder auch im eigenen Land. Sie lassen Soldaten ermorden, oder auch völlig beliebige Menschen, einfach, um allgemeinen Schrecken zu verbreiten. Mancher Staat läßt überdies ganz bestimmte Personen ermorden, die vermeintlichen Rädelsführer nämlich.

Zu den zeitgenössischen Staaten, die gezielt morden, gehören, wie überall zu lesen, die Vereinigten Staaten und Israel. Die Vereinigten Staaten arbeiten eher verdeckt, der israelische Staat eher offen.

Rädelsführer als Anschlagsziele

So ist immer damit zu rechnen, daß ein Mensch, den der israelische Staat oder die Vereinigten Staaten für einen Rädelsführer halten, in ihrem Auftrag ermordet wird. Wen halten die beiden Staaten für Rädelsführer? Zum Einen Führer von Aufständischen in besetzten Gebieten wie Palästina, Irak oder Afghanistan; zum Andern Politiker wie Salvador Allende in Chile, oder die Black-Panther-Sprecher in den USA. Auf Fidel Castro hatten die USA zahlreiche Anschläge geplant und verübt, die jedoch alle mißlangen.

Die Hauptverdächtigen

Daraus folgt: Wenn ein Mensch, den die Vereinigten Staaten oder der israelische Staat als Rädelsführer ansehen, eines nicht natürlichen Todes stirbt, so ist erstens zu prüfen, ob er ermordet wurde; und zweitens, in wessen Auftrag. Wenn sich bei dieser Sachlage der jeweilige Staat nicht zur Tat bekennt, so ist er dennoch hauptverdächtig.

"CIA" und "Mossad" stehen für viele Dienste

Für die Morde  bedienen sich Staaten, das liegt nahe, geheimer Einrichtungen. Da kaum jemand all die US-amerikanischen und israelischen In- und Auslandsgeheimdienste, verdeckt operierenden Streitkräfte- und Söldner-Einheiten kennt, werden in der Öffentlichkeit pars pro toto als mögliche Täter häufig nur die CIA und der Mossad genannt.

Todesspringer Möllemann

Jürgen Möllemann starb am 5. Juni 2003 eines nicht natürlichen Todes – bei einem Fallschirmabsprung. Möllemann, eine zwielichtige Gestalt, war ein scharfer Gegner der israelischen Staats- und Regierungspolitik. Er wurde womöglich vom israelischen Staat als Rädelsführer angesehen. War sein Tod Selbstmord, wie alle Welt behauptete, oder Mord?

Andreas Hauß zu Möllemann

Andreas Hauß hat auf seiner Internetseite dargelegt: Weder Staatsanwaltschaft noch Kommerz- oder Staatsmedien haben den Fall sorgfältig geprüft. Dabei hatte doch der zwischenzeitlich mit dem Fall befaßte Staatsanwalt Wolfgang Reinicke von der Staatsanwaltschaft Essen ein Fremdverschulden ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Zahlreiche Widersprüche blieben ungeklärt. Hauß faßt zusammen: 

Das Eigenartige liegt nicht so sehr am Widerspruch der Fakten, sondern darin, daß weder Staatsanwaltschaft noch Medien darauf eingehen.

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann zu Möllemann und zum Hauptverdächtigen

Die beiden Arbeiterfotografinnen hielten in der Ausgabe 17/2007 der linken Zweiwochenzeitschrift Ossietzky im Falle Möllemann zusammenfassend fest:

Die Todesursache ist bis heute nicht ermittelt, der Fall ist ungeklärt, viele Fragen sind offen.

Angesichts der scharfen Gegnerschaft Möllemanns zur israelischen Staats- und Regierungspolitik gingen sie jedoch auch auf den nächstliegenden Verdacht ein, nämlich den, der israelische Staat habe Möllemann ermorden lassen:

Als antisemitisch galt vielen Journalisten Möllemanns Vorwurf in dem [von ihm selbst für den Bundestagswahlkampf 2002 finanzierten] Flugblatt, Michel Friedman (Zentralrat der Juden in Deutschland) versuche, ihn wegen seiner Kritik an der Politik des israelischen Ministerpräsidenten Sharon »als Antisemiten abzustempeln«. In dem Flugblatt hatte Möllemann »für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes: mit sicheren Grenzen für Israel und einem eigenen Staat für die Palästinenser« geworben und seine Kritik an Sharon bekräftigt: Israels Premier mißachte Entscheidungen des UNO-Sicherheitsrats.

In dem kurz vor seinem Tod erschienenen Buch »Klartext« ging Möllemann weiter und warf der israelischen Regierung unter anderem »Staatsterror« vor, weil sie die des Terrorismus beschuldigten Palästinenser liquidiere, anstatt sie vor Gericht zu stellen. Er stellte die Frage: »Ist das ›Böse‹ am Islam, daß er ausgerechnet dort verbreitet ist, wo die Öl- und Gasvorkommen liegen oder wo der Bau großer Pipelines geplant ist?« Und er berichtete dort auch über Äußerungen seines von einer Israel-Reise zurückgekehrten Parteivorsitzenden Guido Westerwelle: »Herr Möllemann, Sie machen sich ja keine Vorstellung, was die mir da abverlangt haben. Sie glauben ja gar nicht, was die mir zugemutet haben.« Ein Mann ohne Namen habe ihm beim langen Warten auf die Audienz bei Ariel Sharon knallhart gesagt, daß die israelische Regierung Möllemanns politischen Kopf verlange. »Wer war das?«, habe Westerwelle später einen seiner kundigen Begleiter gefragt. Antwort: »Der Mossad!«

Damit ist weder bewiesen, daß Möllemann Antisemit war, noch daß er umgebracht wurde. Der israelische Geheimdienst Mossad ist für viele Verbrechen verantwortlich, aber das kann man auch anderen Geheimdiensten nachsagen. Im Fall Möllemann sind keine Beweise für eine Täterschaft des Mossad bekannt geworden.

Kurz: Wenn es denn Mord war, so fehlen doch für eine dann freilich naheliegende israelische Täterschaft alle Beweise. So Fikentscher und Neumann.

Und da machte sich Otto Köhler zum Fall

Der renommierte Journalist Otto Köhler replizierte in Ossietzky. Er zitierte die Internetseite von Arbeiterfotografie, in der Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann  ihrerseits Jürgen Elsässer zitiert und kommentiert hatten, und kommentierte dann seinerseits deren Kommentar:  

Jürgen Elsässer in der 'jungen Welt': "Im Internet blühen Verschwörungstheorien, oft wird der israelische Geheimdienst Mossad als Drahtzieher ausgemacht. Der Jude ist schuld - das haben die Antisemiten schon immer gewußt." Daran schließt 'arbeiterfotografie' an: "Eine Begründung, warum die Möglichkeit, daß der israelische Geheimdienst mit einem Mord in Verbindung stehen könnte, ausgeschlossen sein soll, liefert Jürgen Elsässer damit nicht."

So macht man das, wenn man nicht gesagt haben will, daß Möllemann vom Mossad ermordet worden sei, aber jeder annehmen soll, der Mossad sei es gewesen.

Schrieb Köhler. 

Doch so wie Köhler macht man's nur, wenn man kein Pulver auf der Pfanne hat, dafür aber ganz viel Glauben und Bekenntnisdrang. 

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumenn haben Köhlers Unterstellungen in einer Replik auf die Replik zurückgewiesen und zusammengefaßt:

Otto Köhler ist nicht in der Lage zu trennen zwischen der Kritik an der Politik Israels und der Verunglimpfung von Juden. Er ist ... in der Lage, ... anders Denkende, an Aufklärung Interessierte zu verunglimpfen. Und wir stellen klar: Wir haben nichts gemein mit ausländer- und demokratie-feindlichen, faschistoiden, antisemitischen und anderen rassistischen Tendenzen. Wir lassen uns in unserem Bestreben nach Aufklärung aber nicht dadurch bremsen, daß (kriminell) Handelnde einer anderen Religion oder einer bestimmten Interessengruppe angehören.

Otto Köhler setzte ein ironisch gedachtes Schwänzchen drunter:

Rechtzeitig bevor ich die Vorstufe vom Rufmord zum Mord überschreiten mußte, haben Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann die Wahrheit aufgedeckt, die ganze Wahrheit. Sie haben mich damit vor dem Schlimmsten bewahrt. Da danke ich auch schön. Jetzt werde ich nur noch für die Ideen der 9/11-Aufklärungsbewegung arbeiten und gegen das kriminelle Handeln jener Religion, die bei Namen zu nennen, jedem guten Deutschen verboten ist.

Doch statt den Sachverhalt zu treffen, hat Otto Köhler seinen Fall nur rund gemacht. Denn Fikentscher und Neumann, in der Tat gute Menschen, haben die Juden beim Namen genannt und sie anschließend korrekt unter "Religion" oder "Interessengruppe" rubriziert; sie haben sich nichts verbieten lassen. Köhler hat das überlesen und sich vor lauter Eifer gleich noch zum Glauben an George Bushs allerschönstes Märchen bekannt: das von Mohammed Atta und den 19 Räubern. 

Darob wird man ihn selig sprechen.

T:I:S, 14. November 2008. Siehe auch Jürgen W. Möllemann

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08koehler.htm#Glaubensbekenntnis

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