Annie Lacroix-Riz

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Siehe auch Verschwörungstheorie. T:I:S, 1. Februar 2008

Annie Lacroix-Riz, Historikerin

Die absurde Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU

[...]

? Können Sie diese "schrittweise Tilgung der Niederlage" erläutern, die von den Bonner Eliten erwartet wurde? 

! Den Bonner Eliten sind schnell die Produktionsbeschränkungen aus den Verträgen von Jalta und Potsdam erlassen worden: in den Westzonen de facto ab 1945; de jure mit der Werbekampagne für den Marshall-Plan im Sommer 1947. Die westdeutschen Führer nahmen die Sprechweise der Zwischenkriegszeit von Gustav Stresemann (Außenminister von 1923 bis 1929) und des Kölner Bürgermeisters Adenauer wieder auf: Die Verträge von Locarno (1925) garantierten – auf dem Papier – die West-, nicht die Ostgrenzen Deutschlands, Anlaß dafür, 1926 Streseman und seinem französischen Kollegen Briant ... den Friedensnobelpreis zu verleihen. Berlin stimmte den Refrain der europäischen Annäherung an unter der ausdrücklichen Bedingung der "Gleichberechtigung". Sie bedeutete den Verzicht auf die Gebiets- und Militärklauseln aus dem Versailler Vertrag: Wiedererlangung der 1918 verlorenen Gebiete (und – angeblich "europäischer" – Anschluß Österreichs) sowie Aufhebung des Verbots der Kriegsindustrie.

? Kann man insofern die Parallele zur BRD nach dem Zweiten Weltkrieg ziehen?

! Der französische Diplomat Armand Bérard telegrafiert Schuman im Februar 1952, daß Konrad Adenauer (der erste Kanzler der BRD von 1949 bis 1963), gestützt auf die von den Amerikanern gegen die UdSSR "(eingesetzte) überlegene Macht" diese zwingen könne: "zu einer Regelung, derzufolge sie die mittel- und osteuropäischen Gebiete aufgeben wird, die sie im Augenblick beherrscht" (DDR und Österreich eingeschlossen). Eine außergewöhnliche Vorhersage dessen, was sich fast vier Jahrzehnte später ereignete...

? Um Ihre Analyse wieder aufzunehmen: So wurde also die Europäische Union auf amerikanische Anordnung hin gebildet und von den westdeutschen Führern aus eigenen Gründen entschlossen unterstützt ... 

! Ja, [...]

 

[...]

? Pouvez-vous préciser cet « effacement progressif de la défaite » attendu par les élites de Bonn ? 

! Celles-ci ont vite obtenu l’abandon des limitations de production imposées par les accords de Yalta et de Potsdam : en fait, dès 1945 dans les zones occidentales ; en droit, dès le lancement publicitaire du Plan Marshall, à l’été 1947. Les dirigeants ouest-allemands ont repris le discours d’entre-deux-guerres de Gustav Stresemann (ministre des Affaires étrangères de 1923 à 1929) et du maire de Cologne Adenauer : les « accords de Locarno » (1925) garantirent – sur le papier – les frontières occidentales de l’Allemagne (pas les orientales), motivant l’attribution à Stresemann, en 1926, et à son collègue français Briand… du Prix Nobel de la paix. Berlin entonna le refrain du rapprochement européen avec pour condition expresse l’égalité des droits (« Gleichberechtigung »). C’est à dire l’abandon des clauses territoriales et militaires du traité de Versailles : récupération des territoires perdus en 1918 (et Anschluss prétendument « européen » de l’Autriche), et levée de l’interdiction des industries de guerre.

? Peut-on pour autant établir le parallèle avec la RFA d’après la seconde guerre mondiale ? 

! Le diplomate français Armand Bérard câble à Schuman en février 1952 que Konrad Adenauer (premier chancelier de la RFA, de 1949 à 1963) pourra, en s’appuyant sur la « force supérieure (mise…) en ligne  » par les Américains contre l’URSS, contraindre celle-ci « à un règlement dans lequel elle abandonnera les territoires d’Europe centrale et orientale qu’elle domine actuellement » (RDA et Autriche incluses). Extraordinaire prévision de ce qui se réalisa près de quatre décennies plus tard… 

Si l’on reprend votre analyse, l’Union européenne a donc été lancée sur injonction américaine, et soutenue avec détermination par les dirigeants ouest-allemands pour leurs objectifs propres… 

! Oui, [...]

Une historienne éclaire l'absurdité du Prix Nobel de la paix attribué à l’UE. Annie Lacroix-Riz. Le Nouveau Bastille République Nations, Interview, Investig'Action, 6. Dezember 2012. T:I:S, Übersetzung, 7. Dezember 2012

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08lacroixriz.htm#Nobel  

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Appeasement-Politik

Nicht Beschwichtigung, sondern Ermunterung zum Krieg

Westliche Politiker zitieren oft die sogenannte Appeasement-Politik des britischen Premierministers Chamberlain und seines französischen Kollegen Dalladier: Kriegslüsternen Gegnern dürfe nie mehr, wie einst dem nazistischen Deutschland, nachgegeben werden.

Tatsächlich durchkreuzte die westliche – auch US-amerikanische – Appeasement-Politik den sowjetischen Plan einer kollektiven Sicherheit aller von Nazi-Deutschland bedrohten Länder. 

Dazu, und zum deutsch-sowjetischen Nicht-Angriffspakt, die französische Historikerin Annie Lacroix-Riz in Le Monde diplomatique vom April 2005:

Auf der Grundlage der Thesen von Lewis B. Namier und A. J. P. Taylor sowie des Journalisten Alexander Werth haben englischsprachige Historiker in den Neunzigerjahren die damalige Lage der Sowjetunion neu untersucht. Sie haben herausgearbeitet, dass gerade die Sturheit, mit der Frankreich und England (mit Unterstützung der Vereinigten Staaten) an ihrer Appeasement-Politik festhielten, den sowjetischen Plan einer "kollektiven Sicherheit" aller von Deutschland bedrohten Länder durchkreuzte. Höhepunkt der Appeasement-Strategie war bekanntlich das am 29. September 1938 geschlossene Münchner Abkommen, bei dem Paris, London und Rom den Nationalsozialisten das Sudentenland überließen. Nach der Zerschlagung der Rest-Tschechei Mitte März 1939 (Böhmen und Mähren wurden annektiert, die Slowakei wurde zum Satellitenstaat) sah sich Moskau zunehmend isoliert: Offensichtlich verfolgten die Westmächte die Linie, Hitler "im Osten freie Hand" zu lassen. Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 sollte der Sowjetunion Sicherheit bieten.

Zwölf Tage zuvor war eine britisch-französische Delegation zu Verhandlungen nach Moskau gereist, denn seit der Annexion von Böhmen und Mähren durch das Deutsche Reich im Frühjahr 1939 hatte auch in Frankreich die Idee einer "gemeinsamen Front" mit Russland immer mehr Anhänger gewonnen. Moskau wollte eine Wiederauflage der automatischen gegenseitigen Beistandsverpflichtung von 1914, dieses Mal unter Einbeziehung von Polen und Rumänien, die 1919 im antibolschewistischen Cordon sanitaire [dt. "Pufferzone"] eine wichtige Rolle gespielt hatten, sowie unter Einbeziehung der für "das europäische Russland" so lebenswichtigen baltischen Staaten. Der britische Admiral Drax und der französische General Doumenc waren allerdings "mit leeren Händen" nach Moskau gereist und schlugen lediglich vor, den Deutschen mit einem britisch-französisch-sowjetischen Militärpakt zu drohen, um so den Krieg bis zum Herbst oder Winter hinauszuzögern. Als der Oberste Befehlshaber der Roten Armee, Woroschilow, am 12. August vorschlug, gemeinsam "konkrete" Operationspläne gegen den Block der Aggressorstaaten auszuarbeiten, stellte sich heraus, dass die Delegierten über keinerlei schriftliche Ermächtigung verfügten. Paris und London überließen die Planung den Russen und boten ihren östlichen Verbündeten weder finanzielle noch militärische Unterstützung an. Warschau (und auch Bukarest) verweigerten der Roten Armee sogar weiterhin das Durchmarschrecht (geografisch eine Conditio sine qua non). Die europäischen Großmächte England und Frankreich fühlten sich aufgrund ihrer Garantieerklärungen an das Veto des deutschfreundlichen polnischen Außenministers Oberst Beck gebunden (das sie insgeheim begrüßten). Beck berief sich dabei auf das "Testament" seines Vorgängers Pilsudski: "An die Deutschen verlieren wir unsere Freiheit, an die Russen verlieren wir unsere Seele."

Die Sache war eigentlich deutlich einfacher. 1920/21 hatte sich Polen von den Sowjets mit französischer Militärhilfe Ostgalizien (Westukraine und Westbelorussland) einverleibt, und seit 1934 fürchtete man in Polen die Rückeroberung dieser Gebiete durch die Rote Armee. Für die deutschen Begehrlichkeiten war man blind. In Rumänien war die Lage ähnlich, denn man befürchtete den Verlust Bessarabiens, das Rumänien 1918 von den Russen bekommen hatte. Auch die baltischen Staaten boten der UdSSR keinerlei Garantie. Sie verdankten ihre Unabhängigkeit 1919/1920 ebenjenem Konzept der Pufferzone und hatten aufgrund ihres Antibolschewismus enge Bindungen zu Deutschland.

Um einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden, hofierte Hitler von März beziehungsweise Mai 1939 die Sowjetunion. Berlin gab Moskau vor dem Überfall auf Polen die Zusage, die sowjetische Einflusssphäre in Ostgalizien, dem Baltikum und Bessarabien zu respektieren. So gab Moskau im letzten Moment nach, nicht etwa weil dort jemand von der Weltrevolution träumte oder irgendeinen "Drang nach Westen" verspürte, wie der Historiker Ernst Nolte gern hervorhebt. Man wollte sich vielmehr schlicht und ergreifend nicht "als einziges Land in einem Konflikt mit Deutschland wiederfinden", wie es Staatssekretär Charles Lindsley Halifax am 6. Mai 1939 ausgedrückt hatte. Aus diesem Grund schloss Stalin den Nichtangriffspakt; "die unheilvolle Nachricht" schlug ein "wie eine Bombe". Man sprach von Verrat, doch trotz aller Kassandrarufe, die seit 1933 von Seiten der beiden westeuropäischen Großmächte erklungen waren: Ohne Dreibund war die Sowjetunion in großen Kalamitäten. Sie brauchte Zeit, um sich wirtschaftlich und militärisch rüsten zu können.

Noch am 29. August 1939 bescheinigte Oberstleutnant Luguet, der französische Luftwaffenattaché in Moskau (und spätere gaullistische Held der an der Ostfront eingesetzten Jägerstaffel Normandie-Niemen), Woroschilow Vertrauenswürdigkeit und stellte Stalin als "glorreichen Nachfolger […] Alexander Newskis und Peters I." dar. In einem Brief an Luftfahrtminister Guy de la Chambre schreibt er, es gebe "neben dem bekannt gemachten Vertrag eine geheime Zusatzvereinbarung, in der eine Grenzlinie festgelegt" sei, "die sich nicht mit der derzeitigen sowjetischen Grenze deckt; diese darf von den deutschen Truppen nicht überschritten werden und dient der UdSSR gewissermaßen als Puffer".

Als Deutschland am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen den Krieg eröffnete, gab es kein Bündnis nach dem Vorbild der Entente, die Frankreich im September 1914 vor der deutschen Invasion bewahrt hatte. Ursache, so der britische Historiker Michael Carley, sei die Appeasement-Politik gewesen, mit der Briten und Franzosen hatten verhindern wollen, dass nach einem Sieg der Roten Armee die Sowjets den Kriegsgegnern ihr Gesellschaftssystem aufnötigen könnten. Laut Carley war die "Angst vor einem Sieg der Kommunisten über den Faschismus" zentraler Beweggrund in allen Entscheidungen seit 1934/1935.

Le Monde diplomatique Nr. 7640 vom 15.4.2005, 576 Zeilen, ANNIE LACROIX-RIZ, dort mit Quellenangaben. Hervorhebungen von T:I:S

Nazi-Deutschland sollte nach Osten expandieren und die Sowjetunion niederringen. Der abgesegneten Ausdehnung nach Osten entsprach der Wille der französischen Bourgeoisie, Kommunisten und entschiedene Sozialisten im eigenen Lande um jeden Preis niederzuringen. Annie Lacroix-Riz hat gezeigt: Die französischen Streitkräfte widerstanden der Invasion nur wenige Tage, denn „La synarchie“, ein klassisches machtpolitisches Komplott aus bürgerlichen französischen Industriellen, Militärs und antikommunistischen Politikern hatte die Nazi-Wehrmacht regelrecht zu Hilfe gerufen und die eigenen Soldaten beim deutschen Einmarsch verabredungsgemäß weitgehend Gewehr bei Fuß stehen lassen.

Die deutschen Besatzer zerstörten wunschgemäß alle revolutionären oder auch nur oppositionellen Strukturen der französischen Arbeiterklasse und ließen sich die Juden sowohl im besetzten als auch im kollaborierenden Vichy-Frankreich von der willfährigen französischen Polizei ausliefern.

Die westliche Appeasement-Politik scheiterte nur insofern, als sich die Nazis auch an Großbritannien vergriffen. Großbritannien kämpfte, und erst 1944 landeten schließlich die US-Streitkräfte an der europäischen Küste. Sie verhinderten, ganz im Interesse der US-amerikanischen und der europäischen Bourgeoisie, das weitere Vordringen der Sowjetarmee. 1946 begannen die USA den teils kalten, teils heißen Krieg gegen den Hauptfeind, die Sowjetunion. Nun sollte das „richtige Schwein“ geschlachtet werden, wie von Churchill kolportiert wird.

Der Westen gab Hitler nach, nicht um des Friedens, sondern um des Kriegs gegen die Sowjetunion willen. Heute warnt Bundeskanzlerin Merkel vor Appeasement, vor einem Zurückweichen in Afghanistan oder Georgien. Dabei betreibt sie durchaus Vergleichbares: abermals Krieg.

T:I:S, 16. September 2008

Der Blitz aus Holland dankt für den Auszug aus dem Artikel und ergänzt:  

Aus Gruenden der historischen Ehrlichkeit sollte aber mitgeteilt werden, dass man dies alles auch schon frueher haette wissen koennen.  Ich denke da etwa an das 1946 in den USA erschienene Buch "The Great Conspiracy against Russia" von Michael Sawyers und Albert E. Kahn (in welchem freilich die USA allgemein und ihr Praesident Woodrow Wilson im Einzelnen entschieden zu gut weg kommen). 

1947 gab eine sowjetische Historikerkommission die Broschuere " Geschichtsfaelscher" heraus, die genau auf das in Deiner Nachricht Mitgeteilte hinauslaeuft und den damals bereits kursierenden Auffassungen à la Nolte den Vorwurf der Geschichtsfaelschung machte. Diese Broschuere wurde vor ein paar Jahren vom Verlag Das Freie Buch erneut publiziert. [SteinbergRecherche hat eine Kopie, siehe hier, T:I:S]

1962/1963 brachte der Suedwestfunk eine Reihe zum Zweiten Weltkrieg, zu der dann 1964 das dicke Buch "Illustrierte Geschichte des Zweiten Weltkrieges" von Univ.-Prof. Dr. Christian Zentner erschien... Es behandelt auch die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges, und alle in Deiner Nachricht migeteilten Fakten fanden sich darinnen. Zentner war ein buergerlicher Historiker, aber eben auch ein ehrlicher Mann. Waere er Jude gewesen, wuerde man ihm wahrscheinlich den Vorwurf des "juedischen Selbsthasses" gemacht haben. 

Allerdings gibt es Fakten, die es sehr wohl verdienen, immer wieder vorgetragen zu werden. Solche Fakten sind die hier vorliegenden.“

T:I:S, 17. September 2008

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08lacroixriz.htm#Appeasement 

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Le choix de la défaite

Von einem Lacroix-Riz-Vortrag, gehalten am 16.Januar 2007 in Montpellier, steht ein Video-Zusammenschnitt auf fünfviertel Stunden im Netz. Dort schildert die Zeithistorikern anschaulich den Argumentstrang ihres Buches Le choix de la défaite, Entscheidung der französischen Herrschaftselite für die Niederlage 1940.

T:I:S, 1. Februar 2008. Dank an Michel 

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Begeisternd

Die Französin Annie Lacroix-Riz erforscht die Zeitgeschichte. Eindreiviertel Stunden lang begeisterte sie in einem Vortrag am 28. September 2006 für ihre Forschung und in weiteren Fünfviertelstunden ging sie auf Fragen ein. Das Video in französischer Sprache ist bei Solidarité et Progrès abrufbar.


Foto: Cercle PRC 25 avril Paris

Die Seite Solidarité et Progrès wird von Lyndon-LaRouche-Anhängern betrieben. Das sollte nicht davon abhalten, sich Lacroix-Riz anzuhören. Sie zeigt auf, daß Komplotte wie die "synarchie" im Frankreich der Dreißiger und VierzigerJahre ihre Wirkung nur entfalten können, wenn das Kräfteverhältnis im Klassenkampf zwischen Herrschenden und Beherrschten es erlaubt.

Teile des Vortrags gibt ein Text in Interviewform wieder unter dem Titel "Fascisme financier hier et aujourd'hui : le choix de la défaite", .pdf-Datei.

Die Entscheidung des französischen Kapitals für die Niederlage Frankreichs 1940

Le choix de la défaite Entscheidung für die Niederlage ist auch der Titel ihres jüngsten Buches, das zu erklären versucht, was unzureichend als Teil der "drôle de guerre", des Sitzkriegs, bezeichnet wird: die merkwürdige Niederlage Frankreichs 1940, siehe Marc Bloch: L'étrange défaite, Témoignage écrit en 1940. Nach jahrelanger Maulwurfsarbeit in den Archiven dokumentiert Lacroix-Riz in ihrem 700-Seiten-Werk: Dem französischen Kapital waren die deutsche Besatzung und die nachfolgende Vichy-Regierung willkommen. Sie waren die Gelegenheit für Lohndrückerei und Gewinnsteigerung nach jahrelangen, teils erfolgreichen Abwehrkämpfen der arbeitenden Massen. 

Ein Abriß des Inhalts findet sich in der französischen Ausgabe von Le Monde diplomatique, nicht, wie so oft bei heiklen Themen, in der deutschen. Siehe außerdem den Verweis auf ein weiteres Video.

Auf Deutsch finden sich von Lacroix-Riz im Netz:

Der Hitler-Stalin-Pakt aus Moskauer Sicht, erschienen in Le Monde diplomatique Nr. 7640 vom 15. April 2005. Die deutsche Überschrift, erfunden im Hause taz, diffamiert die Arbeit von Annie Lacroix-Riz als unwissenschaftlich. Der Originaltitel in der französischen Ausgabe von Le Monde diplomatique vom Mai 2005 lautet: L’Union soviétique par pertes et profits, etwa: Gewinn- und Verlustrechnung der Sowjetunion. Die Archiv-Forschungen von Lacroix-Riz bestätigen, was das Informationsbüro der Sowjetunion im Verlag "Tägliche Rundschau" Berlin, Druckerei Tägliche Rundschau, Kenn-Nr. 36 unter dem Titel "Geschichtsfälscher (Eine historische Richtigstellung)" 1947/48 veröffentlicht hatte (Kopie bei mir, T:I:S). 

Berlin und der Vatikan vom 21. Dezember 2007. Über die gemeinsame Politik des Vatikan und des Deutschen Reichs sprach german-foreign-policy.com zugänglich nur für Abonnenten mit Annie Lacroix-Riz anläßlich ihres Buchs: Le Vatican, l'Europe et le Reich de la Première Guerre mondiale à la Guerre froide (1914-1955)

Unter der Führung des Reiches vom 22. März 2007. german-foreign-policy.com – zugänglich nur für Abonnenten – sprach mit Annie Lacroix-Riz über die Ursprünge der sogenannten europäischen Einigung.

Hinweise auf weitere Werke und Aufsätze von Lacroix-Riz, so über die französische Produktion von Zyklon B zur Vergasung jüdischer und anderer Menschen und über die Propagandalüge eines stalinistischen Massenmords an den ukrainischen Bauern finden sich bei wikipedia. Zur Hungersnot in der Ukraine unter Stalin siehe Holocaust

Annie Lacroix-Riz ist Professorin für Zeitgeschichte an der Pariser Universität VII - Denis Diderot. Sie erwarb ihr Handwerkszeug in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, dort, wo es nicht um schlechte oder gute historische Ideen, sondern um wirtschaftliche und gesellschaftliche Tatsachen geht. Ihre eigene Internetseite (mit einem schlechten Paßfoto) heißt www.historiographie.info und enthält zahlreiche Texte und Links.

T:I:S, 31. Januar 2008. Dank für den Hinweis an Cécile Maréchal

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