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Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter? Zu Joseph Ratzinger siehe auch Islamophobie. T:I:S, 18. Januar 2008 *Thomas Immanuel SteinbergAlles ist relativ – außer RatzingerHeute, am 17. Januar, sollte Papst Benedikt XVI., bürgerlich Joseph Ratzinger, an der römischen Universität La Sapienza das akademische Jahr 2008 eröffnen. Doch Studenten und Dozenten protestierten gegen seinen Auftritt, und der Papst sagte ab. 67 Professoren hatten gefunden, der Papst vertrete eine wissenschaftsfeindliche Position. Stimmt: Der Mann steht nicht nur für den Einfall, Maria sei leiblich in den Himmel gefahren, sondern auch dafür, dieser Einfall, da ex cathedra verkündet, könne kein Irrtum sein. Wissenschaftsfeindlicher geht’s nimmer. Allerdings beriefen sich die 67 Wissenschaftler bei ihrem Protest auf eine Rede Joseph Ratzingers vom 15. Februar 1990, und zwar über das Inquisitionsverfahren gegen Galileo Galilei 1632. In dieser Rede bezieht sich Ratzinger auf die zutreffende Erkenntnis, daß es prinzipiell keinen Punkt im Universum gibt, der vor anderen ausgezeichnet ist. Die Gestirne bewegen sich relativ zueinander. Die Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne, ist von daher ebenso sinnvoll oder sinnlos wie die, die Sonne drehe sich um die Erde. Beide drehen sich halt umeinander. So weit, so richtig. (Die Sonne als Nullpunkt des Koordinatenkreuzes zu wählen, vereinfacht allerdings die Berechnung der Flugbahnen in unserem Sonnensystem. Und Einfachheit ist eines der Kriterien für die Annehmbarkeit einer Theorie.) Doch Ratzinger stellte 1990 die erkenntnistheoretische Schlußfolgerung aus der Relativitätstheorie in einen ethischen Zusammenhang. Hier der Auszug, bereitgestellt von der Katholischen Nachrichten-Agentur:
Läßt man Ratzingers und C.F. von Weizsäckers Sinnieren über die guten oder bösen Folgen naturwissenschaftlicher Forschung beiseite, so bleibt: Erstens: Humanisten und Christen hätten das Recht, die Erde mit ihren Menschen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen zu stellen. Na, was denn sonst. Zweitens: Paul K. Feyerabend fand, und mit ihm findet wohl Ratzinger, die Kirche habe 1632 richtig gelegen. Doch womit? Der Wikipedia-Artikel über das heliozentrische Weltbild gibt einen Überblick. Zwar kreiste die Debatte immer wieder um das geozentrische (ptolomäische) und das heliozentrische (kopernikanische) Weltbild. Doch die Kirche war zum Beispiel bereit, das heliozentrische Weltbild als „Hypothese“ zu akzeptieren. Viel spricht daher für die abschließende Einschätzung, die der evangelische Theologe Thomas Schirrmacher getroffen hat:
Die Kirche fand, man solle ihr gehorchen. Ihr jetziger Chef, kein Wunder, teilt diese Ansicht. Die 67 Wissenschaftler und die römischen Studenten fanden: Wer fordert, daß man ihm gehorcht, gehört ausgesperrt. Recht so. T:I:S, 17. Januar 2008 Anmerkung [1] Paul K. Feyerabend: Wider den Methodenzwang. Frankfurt am Main 1976, Seite 206 *Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?
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