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Thomas Immanuel Steinberg

In Memoriam Franz Josef Strauß

Gestorben am 3. Oktober 1988

 

Im Oktober 1978, zehn Jahre vor seinem Tod, besuchte Franz Josef Strauß die Stadt Schweinfurt am Main. Er wollte Ministerpräsident von Bayern werden und dafür auch die Stimmen der Industriearbeiter Unterfrankens gewinnen. Schweinfurt hatte damals  50 000 überwiegend  evangelische Einwohnerinnen und 50 000 Arbeitsplätze, davon 30 000 in den drei Großbetrieben Schäfer/Kugelfischer, SKF und Fichtel&Sachs.

Strauß sollte am Samstag Vormittag im Hof der Eisenbahnersiedlung reden. Ein Podium und Stuhlreihen waren aufgebaut, und die CSU-Honoratioren saßen schon in der ersten Reihe. Wir schauten von Lothars Schlafzimmerfenster aus in den Hof hinunter. Es war zwar schon sieben Jahre her, aber jeder hatte noch im Kopf, daß Strauß sich auf einer Privatreise im New York am Central Park die Brieftasche hatte klauen lassen – von zwei Nutten, wie durch die Presse ging. 

Strauß fing also an zu reden, und die Honoratioren applaudierten artig. Doch schon ein paar Reihen dahinter rührte sich keine Hand. Alles hörte schweigend zu, auch wir, die Kommunisten an Lothars Fenster. Bald war klar: Strauß hatte einen Schwips –  der Schweiß im Gesicht, die schwere Zunge... Auch die Damen und Herren in den vorderen Reihen schienen nicht angetan, und Strauß spürte das. Er stockte, und ins Schweigen hinein kletterte ein Mann auf ein Mäuerchen, das den Hof vom Nachbargrundstück abtrennte, und balancierte in Richtung Tribüne. Alles schaute zu ihm hinüber, und als er auf der Höhe des Podiums angekommen war, rief er in die Runde:

„Ja, wo hat er denn sei’ Geldtaschen gelassen, wie ist die bloß verschwunden?“

Das Gelächter hallt noch immer nach. Bei der Landtagswahl 2008 hat Die Linke in Schweinfurt den höchsten Stimmenanteil aller bayerischen Stimmkreise erzielt: gute acht Prozent.

T:I:S, 4. Oktober 2008

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