Rolf Verleger

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Mehr von oder zu Rolf Verleger unter  Sebastian Wertmüller, SchnipselWehe dir, Israel !, BILD-Zeitung, Holocaust, Anti-Palästina-Lobby und  The White Man’s Burden (.pdf-Datei)

 

Thomas Immanuel Steinberg

Ein bekennender Jude

Rezension 

Rolf Verleger hat  – selbst Mitglied des Direktoriums – die Unterstützung des Zentralrats der Juden in Deutschland für den israelischen Angriff auf Libanon 2006 öffentlich verurteilt. Viele Juden dächten, 

man sei ein um so besserer Jude, je entschiedener man für Israels Gewaltpolitik eintritt... 

Die israelische Regierung braucht unsere Solidarität. Im Moment ist sie auf einem falschen Weg, daher braucht sie von solidarischen Freunden jetzt nicht mehr Waffen oder mehr Geld oder mehr public relations, sondern mehr Kritik.(1)

Doch der Zentralrat blieb bei seiner Haltung. Viele einzelne nichtjüdische Deutsche bestärkten Verleger, die veröffentlichte Meinung indes reagierte verhalten, ablehnend, oder schwieg. Deshalb initiierte Verleger mit jüdischen Friedensfreunden die Berliner Erklärung Schalom 5767: Regierung und Volk sollten die israelische Besatzungspolitik nicht länger tolerieren. Rund 15 000 jüdische und nichtjüdische Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten die Erklärung. Die Jüdische Zeitung druckte sie und kassierte wütende Leserbriefe.


Rolf Verleger 2006 in Hamburg                                                                 Foto: tofoto

Rolf Verleger schildert nun unter dem Titel „Israels Irrweg“ seine jüdische Heimat in Deutschland, seine religiöse Erziehung, seine religiöse Sicht auf die Geschichte der Juden, die Konflikte Israels mit den Nachbarstaaten und seinen Konflikt mit Zentralratsmehrheit und Leserschaft der Jüdischen Zeitung. Er ordnet den Haß auf Israel im Nahen Osten nicht als alten Judenhaß, sondern als Haß auf die Besatzer ein und verweist auf die betrübliche deutsche Bewegung gegen Muslime, die auch der Jude Ralph Giordano vorantreibe. 

Verlegers Argumente und vor allem die beigefügten Dokumente aus der deutsch-jüdischen Debatte zeigen: Mit der Berufung auf die israelische Staats- und Regierungpolitik ist eine lebbare jüdische Identität nicht zu erlangen. 

Und: 

Wie sollen sich nun nichtjüdische Deutsche gegenüber der israelischen Politik verhalten, angesichts der jüdischen Identitätskrise und auf dem Hintergrund der Ermordung der Juden Europas vor 60 Jahren?... 

... nun trifft also ein nichtjüdischer Deutscher auf einen deutschen Juden: Es trifft eine Person, die sich zu Recht nicht schuldig fühlt, weil sie persönlich nicht an diesen Verbrechen beteiligt war, die sich aber nicht wirklich sicher ist, ob das die Umwelt und der jüdische Gegenüber auch so sieht, auf eine Person, die sich als Jude identifiziert, ohne dass sich dieser Jude wirklich sicher ist, was jüdisch sein denn nun bedeutet. 

Verleger arbeitet sorgfältig heraus, daß diese Konstellation zu einer Asymetrie führt. 

Durch diese Asymetrie werden Mißverständnisse der komplizierten Rollenerwartungen zu Kommunikationsfallen, die jederzeit zuschnappen können.  

Letztlich könnten auch nichtjüdische Deutsche zu den Juden im Lande und zum Staat Israel nur dann eine reife Haltung entwickeln, wenn sie das israelische Unrecht benennen und nicht hinnehmen.  

Über seine Suche nach der jüdischen Identität bemerkt Verleger rückblickend: 

Sich wie ein anständiger Mensch zu verhalten,.ist ja auch schon mal eine Menge wert...

Verleger ist darüber hinaus ein gläubiger, ein bekennender Jude, so wie einst evangelische Christen nicht zu den Deutschen Christen, sondern zur Bekennenden Kirche fanden. Viele deutsche Juden gehen den anderen Weg: Sie sind Staats- und Regierungsjuden.

Rolf Verleger: Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht. Köln: PapyRossa Verlag. April 2008, 164 Seiten. ISBN 978-3-89438-394-7.  (D) 12,90 €

T:I:S, 23. April 2008

Anmerkung

(1)  Auszug aus dem Widerspruch und die taz zu Rolf Verleger

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