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Siehe auch Uranmunition, Taser und Falludschah - Fallujah

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Jürgen Altmann 

Millimetre Waves, Lasers, Acoustics for Non-Lethal Weapons? Physics Analyses and Inferences

Osnabrück, Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) 2008

Zusammenfassung

 

Neue Techniken nicht-tödlicher Waffen (ntW) sind Gegenstand militärischer Forschung und Entwicklung, vor allem in den USA. Durch unvollständige Information wird die Beurteilung unter Kriterien des Humanitären Völkerrechts oder der Menschenrechte behindert. Diese Studie analysiert vier mögliche ntW-Techniken, die auf physikalischer Grundlage beruhen, und soll verlässliche Informationen für eine Beurteilung liefern.

Active Denial System

Das Active Denial System (ADS) erzeugt einen Strahl elektromagnetischer Millimeterwellen; solche Strahlung wird von den obersten 0,4 mm der Haut absorbiert. Der Strahl bleibt auf viele hundert Meter Entfernung etwa zwei Meter breit. Mit einer Leistung von 100 Kilowatt kann der Strahl die Haut von Zielpersonen innerhalb von Sekunden auf Schmerz erzeugende Temperaturen aufheizen. Mit einer Prototypwaffe, eingebaut in ein militärisches Mehrzweckfahrzeug, sind die Wirkungen an Hunderten von Freiwilligen erprobt worden. Damit Schmerz erzeugt wird, aber Verbrennungen vermieden werden, werden die Leistung und die Strahldauer durch Software gesteuert. Modellrechnungen zeigen, dass auf der höchsten Leistungsstufe Verbrennungen zweiten und dritten Grades mit vollständiger Hautnekrose nach weniger als zwei Sekunden auftreten werden. Bei einer niedrigeren Leistungsstufe oder Dauer besteht die Möglichkeit, sofort erneut auszulösen.

Kollateralschäden sind kein großes Problem. Die Anwendung im bewaffneten Konflikt würde erheblich geringere Verletzungen hervorrufen als Flammenwerfer, die als legitime Waffen zählen. Solche Nutzung ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich, weil das System groß ist, sich zur Wirkung exponieren muss und durch viele Arten leichter Waffen verletzlich ist. Wahrscheinlicher ist die Anwendung für die innere Sicherheit, durch Besatzungsstreitkräfte gegen Aufständische usw. Wenn man in Rechnung stellt, dass der/die Bediener/in bis zu einem Kilometer entfernt sein kann, könnten Überdosierungen mit schweren Verbrennungen unter solchen Umständen nur verhindert werden, wenn ein technisches Gerät zuverlässig die Hauttemperatur begrenzen würde, d.h. die Strahlleistung oder –dauer in Abhängigkeit von der Zielentfernung begrenzen sowie verhindern würde, dass gegen dieselbe Person noch einmal gestrahlt würde, bevor eine gewisse Abkühlzeit vergangen ist.

Advanced Tactical Laser

Der Advanced Tactical Laser (ATL) soll in einem Transportflugzeug montiert werden und einen infraroten Laserstrahl von 300 Kilowatt Leistung aussenden, die durch chemische Reaktion erbracht wird. Über einen 0,5 m großen Sende- und Richtspiegel kann der Strahl – unter Idealbedingungen – auf einen Fleck von 0,1-0,2 m Größe über zehn Kilometer und mehr fokussiert werden. Mit der 100-fachen Leistung einer Herdplatte, die auf eine ähnliche Fläche einwirkt, würden in Sekundenbruchteilen Holz oder Textilien in Brand gesetzt werden oder Metall durchschmelzen. Starke Turbulenz begrenzt die Reichweite; Nebel, Staub oder starker Regen kann sie erheblich verringern. Mit Treibstoff für etwa 100 Sekunden Strahlung an Bord und Zielzeiten unter einer Sekunde wird der Strahl in vielen Fällen automatisch gerichtet und abgefeuert werden.

Der ATL kann Gerät zerstören und Menschen töten, er ist keine nicht-tödliche Waffe. Nutzung im bewaffneten Konflikt kann mit Flammenwerfern verglichen werden, die nach dem humanitären Völkerrecht erlaubt sind. Verglichen mit anderen Mitteln, Gewalt über viele Kilometer Entfernung auszuüben (Artillerie, Bomben), würde der ATL viel selektivere Zerstörung erlauben.

Der ATL hat Beschränkungen: Der Treibstoff reicht nur für ungefähr 100 „Schüsse“. Eine freie Sichtlinie ist nötig, was die Wirkung durch starken Nebel oder Regen verhindert und das Trägerflugzeug exponiert.

Durch seine Größe, große Reichweite und drastische Wirkung ist der ATL für die Polizei nicht geeignet. In friedenserzwingenden Einsätzen könnte er genaueres Treffen erlauben, als das mit Artillerie oder gelenkten Bomben möglich ist, aber dennoch sind bis zu mehreren Meter von einem explodierenden Reifen, Treibstofftank oder von Munition Kollateralschäden möglich.

Pulsed Energy Projectile

Das Konzept des Pulsed Energy Projectile (PEP) ist es, mit kurzen, starken, infraroten Laserpulsen einen mechanischen Impuls zu erzeugen. Der Laser arbeitet mit einer chemischen Reaktion. Wenn die Pulsintensität hoch genug ist, wird die oberste Schicht des Ziels explosionsartig verdampft und der Dampf bis zu einem Plasma aufgeheizt, das den Rest des Pulses absorbiert und eine laser-unterstützte Detonationswelle erzeugt. Diese Stoßwelle übt einen mechanischen Impuls auf das Ziel aus. Mit einer Reichweite von 0,5-2 km soll das PEP gegen Menschen und Gerät benutzt werden, im bewaffneten Konflikt sowie bei der Rechtsdurchsetzung.

Das Verhältnis zwischen Impuls und Laserpuls-Energie ist so, dass bei einer relativ hohen Energie von 1 Kilojoule, die einen großen, schweren Laser erfordert (1-2 Meter, hunderte Kilogramm), der mechanische Impuls mit 0,1 Newton-Sekunden eine oder zwei Größenordnungen unter dem von einem Gummiknüppel oder von Wuchtmunition für stumpfen Aufprall liegt.

Viele Pulse in schneller Folge würden sich addieren, aber dann würde das Ziel bis zu entsprechend größerer Tiefe abgetragen, die nach Millimeter misst. Wenn nackte Haut getroffen würde, wären schlimme Wunden die Folge. Zusätzlich kann es dauerhafte Hörschäden schon von der Stoßwelle nur eines Laserpulses geben. Wenn das Auge getroffen wird, sind schwere Verletzungen durch Hornhaut-Abtragung oder mechanischen Impuls wahrscheinlich.

In klarer, nicht turbulenter Luft wird der Brennfleck bis zu wenigen Kilometer bei wenigen Zentimeter Größe bleiben, aber dichter Nebel oder Regen wird die Ausbreitung stark begrenzen.

Das PEP ist eine tödliche Waffe. Es könnte selektiv genutzt werden, ohne großes Potential für Kollateralschäden. Der Vergleich mit durchdringenden Geschossen oder Flammenwerfern zeigt, dass seine Anwendung im bewaffneten Konflikt nicht von vornherein den Kriegsführungsregeln widersprechen würde. Es sollte jedoch untersucht werden, ob auf nackter Haut, inbesondere im Gesicht erzeugte schwere Wunden oder der Verlust des Sehvermögens durch Augenverletzungen als unnötiges Leiden oder überflüssige Verletzung zählen können.

Das PEP hat Beschränkungen. Es braucht eine freie Sichtlinie zum Ziel, so dass es exponiert ist, und funktioniert in dichtem Nebel oder Regen nicht, es wird groß, schwer und teuer sein.

Durch seine Größe, Reichweite und mögliche Verletzungswirkungen wäre das PEP als Waffe weder für Rechtsdurchsetzung noch für friedenserzwingende Einsätze angemessen. Für mechanischen Stoß und Schmerz bieten stumpfe Wuchtgeschosse eine viel leichtere, viel billigere Möglichkeit mit weniger Verletzungsrisiko.

Long Range Acoustic Device

Das Long Range Acoustic Device (LRAD) wurde in einem Waffenprogramm entwickelt, wird aber nun als ein Ruf- und Warngerät bezeichnet. Es ist ein flacher Lautsprecher, der wegen seines Durchmessers von 0,8 m eine relativ hohe Richtwirkung hat (Strahlöffnungswinkel 5-15q). Es sendet vor allem hohe Frequenzen aus (über 1 Kilohertz); Sprachbotschaften haben eine Reichweite über 500 m, Warntöne (1000-fache Intensität, Pegel 30 dB höher) bis über 1000 m. Seit 2003 wurden hunderte Exemplare verkauft und von Streitkräften, insbesondere der USA im besetzten Irak, benutzt, aber Polizei, Hafenbehörden und Grenztruppen haben das LRAD ebenfalls bestellt.

Im Hochleistungs-Warnmodus hat der Schall vor dem System Pegel, die für das ungeschützte Gehör gefährlich sind. Um dauerhafte Hörschäden zu vermeiden, muss die Einwirkungsdauer in bis zu 50 m Entfernung auf einige Sekunden begrenzt werden.

Das LRAD ist verwendet worden, um Scharfschützen zu vertreiben und Piraten abzuwehren. Für die Nutzung als Waffe sollte eine ausdrückliche Bewertung unter den Kriegsführungsregeln durchgeführt werden. Dasselbe gilt für die Menschenrechte oder das Verfassungsrecht für den Fall waffenartiger Nutzung durch innere Sicherheitskräfte. Um Gehörschäden zu vermeiden, sollte ein technisches Gerät eingeführt werden, das die Schallleistung und/oder –dauer abhängig von der Entfernung zu der Zielperson begrenzt.

Die vier Techniken unterscheiden sich stark. Die ersten drei sind eindeutig Waffen, eine (ADS) potentiell tödlich, die anderen beiden (ATL und PEP) tödlich. Das LRAD kann fürs Rufen und Warnen oder in einem Waffenmodus benutzt werden. Die endgültige Beurteilung, ob Einführung und Nutzung dieser Techniken juristisch oder moralisch gerechtfertigt sind, wird stark von den Szenarien abhängen. Weil alle Techniken problematisch sein können, ist ständige Aufmerksamkeit von Menschenrechtsorganisationen, vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz usw. nötig.

T:I:S, leicht redigiert, 13. Oktober 2008. Englischer Originalbericht als .pdf-Datei

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