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Despotie

Der von Merkel und Sarkozy angepeilten Wirtschaftsregierung fehlt das Gegenstück im bürgerlichen Demokratie-Modell: ein Parlament, das Gesetze formulieren und verabschieden kann. Denn das sogenannte Europäische Parlament darf Gesetze nicht formulieren, sondern sie nur abnicken. 

Womit die Bourgeoisie hinter Montesquieu, De l'esprit des loix, Genf 1748, zurückfällt, sich refeudalisiert und droht, despotisch zu herrschen: eine absehbare Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion.

T:I:S, 16. August 2011

Nachtrag: Mail eines kundigen Lesers

Lieber Thomas,

kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Meine Partei fordert, .pdf-Datei, in Zeile 162 eben diese Despotie. Obwohl sie Mitklägerin gegen den Lissabonvertrag war und sich mit dem Entstaatlichungsverbot im Rahmen dieses Grundgesetzes voll identifizieren müsste.

Herr, lass Hirn regnen!

Viele Grüße 

In Zeile 161 und 162 des verabschiedeten Leitantrags des Parteivorstandes zum Programm an die 2. Tagung des 2. Parteitages der Partei DIE LINKE, 21. bis 23. Oktober 2011 in Erfurt, fordert Die Linke 

eine europäische Wirtschaftsregierung.

Dank an den kundigen Leser, T:I:S, 17. August 2011. Siehe auch Souveräne Rechte: Null und nichtig. gfp, 4. Oktober 2011, und Partei Die Linke – Hebamme der Diktatur in Europa? T:I:S, 5. Oktober 2011

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Christian Arndt, Pastor i. R., Hamburg*

Nicht in meinem Namen!

Offener Brief an die Kirchenleitung und Synode, an Christinnen und Christen der Nordelbischen Kirche

Sehr geehrte Damen und Herren,

"der Einsatz militärischer Gewalt (ist) in Afghanistan weiterhin ethisch legitim“!

So äußerte sich der höchste theologische Repräsentant der Nordelbischen Kirche (NEK), Bischof Gerhard Ulrich am 3. Mai 2010 auf dem „Forum Nordelbien“ ...

Nicht in meinem Namen, 25. Juli 2010, .pdf.-Datei

* Christian Arndt, über Hamburg hinaus bekannter Antimilitarist, engagierte sich fast ein Vierteljahrhundert lang für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen auf St. Pauli. 2003 ging er in den Ruhestand. Er hat das Positionspapier Israel / Palästina mitunterzeichnet.

T:I:S, 25. Juli 2010

Susann Witt-Stahl, Hamburg, hat den Friedenspastor Arndt porträtiert: Mit Talar und Megafon. Friedenstifter und AKW-Gegner – Pfarrer Christian Arndt hat sich stets politisch eingemischt. Neues Deutschland, 12. August 2010 / AG Friedensforschung

T:I:S, 20. August 2010

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Thomas Immanuel Steinberg

Hitlers geistige Väter

Hermann Ploppa ist US-Quellen für den Nazirassismus nachgegangen

Baldur von Schirach (1907–1974), Hitlerjugend-Führer bis zum Sieg der Alliierten über Deutschland, sagte vor dem Nürnberger Gerichtshof 1946: »Das ausschlaggebende antisemitische Buch, das ich damals las und das Buch, das meine Kameraden beeinflußte... war das Buch von Henry Ford ›Der internationale Jude‹. Ich las es und wurde Antisemit...«

Hermann Ploppa belegt in »Hitlers amerikanische Lehrer«, daß jedenfalls der oberste Führer selbst mit seinen Rassen- und Euthanasievorstellungen weder Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882), noch Houston Steward Chamberlain (1855–1927) folgte, wie in Schulbüchern behauptet, sondern vor allem drei US-Amerikanern: Madison Grant (1865–1937), Theodore Lothrop Stoddard (1883–1950) und dem Autobauer Henry Ford (1863–1947). Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilte die Herrschaftselite der USA diese Ansichten; sie finden sich, bis hin zu Einzelheiten, in Hitlers »Mein Kampf« wieder. 

Zur Illustration in der jungen Welt

Für seine Verdienste um das Dritte Reich: Henry Ford erhält am 30. Juli 1938 das Großkreuz des Deutschen Adlerordens. Foto: AP

Rassismus

Ploppa zeichnet zunächst nach, wie mit den Einwanderungwellen jeweils die Indianer, die Schwarzen, die Deutschen, Iren, Polen, Juden, Italiener und Chinesen den US-Amerikanern von den Herrschenden als Sündenböcke und Blitzableiter dargeboten wurden. Intellektuelle lieferten das dazu gerade passende biologistische Gestrüpp aus Fakten und Ideologie. Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg schwenkten zahlreiche Intellektuelle auf Antideutsch um, und manche von ihnen wußten die Gegnerschaft rassisch zu begründen.

Lange Zeit dominierte in den USA die Eugenik mit ihren Sterilisierungs- und Selektionsvorstellungen. Madison Grant führte den Begriff »Nordicizing« ein, und zwar in der Einleitung zu Stoddards »The Rising Tide of Color against White World Supremacy« (1920), etwa »Die anschwellende Flut der Farbe gegen weiße Weltvorherrschaft«. Die Flut der rassisch verderblichen Einwanderer galt es einzudämmen und die US-amerikanische Rasse »aufzunorden« – eine Vokabel, die deutsche Rassisten von den US-Amerikanern übernahmen. Stoddard erfand den »Underman«. In der weit verbreiteten Übersetzung wurde daraus der »Untermensch«, den die Nazis in Slawen und Juden zu erkennen glaubten.

Der Rassismus der Herrschenden entsprang, das zeigt Ploppa ebenfalls, patriarchalischen, elitistischen Grundhaltungen, wie sie etwa der Harvard-Absolvent und Pulitzer-Preisträger Walter Lippmann (1889–1974) vertrat. Ploppa zusammenfassend: »Der Versuch, in den ersten beiden Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts einen US-Intellektuellen aus der ersten Reihe anzutreffen, der sich für echte Demokratie stark macht, die die Mitsprache der Gesamtheit der mündigen Bürger vorsieht, ist genau so aussichtsreich, wie in der Lüneburger Heide einer weißen Giraffe zu begegnen. Alle Spitzenintellektuellen der USA sind sich damals völlig einig, daß das Volk von einer kleinen Elite mit ebenso diskreter wie harter Hand geführt werden muß. Am besten in einem autoritären Regierungsstil.«

Antisemitismus

Von Henry Ford, der den Elitismus teilte und, so Ploppa, »sich ein kleines totalitäres Königreich rund um seine Autofabrik in Detroit gebaut« hatte, zeichnet Ploppa ein differenziertes Bild. Umso mehr überzeugt, was er an Belegen für den intellektuellen und vor allem wirtschaftlichen Einfluß Fords auf Hitler und sein Reich anführt. Nicht nur war Hitler ein begeisterter Anhänger der Automobilisierung von Volk und Boden nach Fordschem und US-amerikanischem Vorbild. Er speiste auch seinen Judenhaß aus Fords Bestseller »Der internationale Jude. Ein Weltproblem« (deutsch 1922). Bei Ford heißt es zum Beispiel: »Der Jude wird, wo er kann, von dem Boden-Bebauer leben. Mögen sich andere in Handwerk und Gewerbe placken: Der Jude zieht es vor, sich die Früchte ihres Schaffens anzueignen. Diese schmarotzende Neigung muß somit in ihrem Wesen begründet liegen.« Seinen Lehrmeister für Judenhaß, so Ploppa, überbot Hitler nur im Tonfall: »...Parasit im Körper anderer Völker... Er ist und bleibt der typische Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt... wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab.«

Henry Ford popularisierte in einer mehrjährigen Artikelserie die vermutlich zaristische Fälschung mit dem Titel »Protokolle der Weisen von Zion«, die von deutschen Judenhassern aufgegriffen wurde, und unterstützte die Nazis finanziell. Er durfte nach 1933 seine deutschen Werke ausbauen und eine Überkreuzbeteiligung mit der IG Farben bilden. Im Zweiten Weltkrieg sollten dann die Bomber das faktisch US-amerikanisch gebliebene Kapital auf deutschem Boden auffällig schonen.

Ploppa hat keine unbekannten Dokumente erschlossen, sondern ermittelt und zusammengestellt, was über Hitlers US-amerikanische Lehrmeister seit langem vorlag. Warum fiel anderen kaum auf, daß Gobineau und Chamberlain andere Rassenvorstellungen entwickelt hatten, als Hitler vertrat? Daß deutsche Rassisten keineswegs wie Hitler den »Schulterschluß mit England und den USA« (Ploppa) suchten? Und daß Hitlers erbbiologischer Wahn dem der US-Amerikaner Grant und Stoddard entsprach?

Ploppa zitiert als Hinweis auf eine Erklärung nicht nur von Schirach, der dank Henry Ford zum Judenhaß konvertiert sei, sondern auch den vernehmenden Richter in Nürnberg, der von Schirach unterbricht und dessen Verteidiger Dr. Fritz Sauter ermahnt: »Dr. Sauter! Der Gerichtshof ist der Ansicht, wie ich es bereits zweimal gesagt habe, daß der erzieherische Einfluß, den der Angeklagte genoß, für uns ganz unerheblich ist. Ich möchte es nicht mehr wiederholen, und sollten Sie den Angeklagten nicht im Zaume halten können und ihn veranlassen, bei der Sache zu bleiben, werde ich gezwungen sein, seine Aussage zu unterbinden.«

T:I:S, 5. Januar 2009

Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer - Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus. Liepsen Verlag, Sterup 2008, 298 Seiten, 20 Euro

Der Beitrag ist in der jungen Welt vom 5. Januar 2009 erschienen.

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