Moralphilosophie

www.SteinbergRecherche.com

Home
Nach oben
Argumente
Ist Bush verrückt?
Leid ohne Gegenwehr
Moralphilosophie

 

Frivol

Rainer Bonhorst kommt in der Augsburger Allgemeinen auf Israel zu sprechen. Wir Deutsche trügen Verantwortung für die Folgen von Verbrechen, die vor unserer Zeit begangen wurden. Dazu gehöre, daß wir, unsere Kinder und Kindeskinder uns 

nicht unter die frivolsten Kritiker Israels mischen, die leider zahlreicher werden. 

So kann sich Bonhorst vor seiner tatsächlichen Mitverantwortung drücken: daß er die deutsche Unterstützung für israelische Massaker an Libanesen und Palästinensern nicht verhindert hat. 

Frivol? Eklig.

T:I:S, 29. November 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/10moralphilosophie.htm#Frivol       

nach oben

*

Thomas Immanuel Steinberg

Die besondere Verantwortung

Die besondere Verantwortung angesichts der deutschen Geschichte gebietet uns, ...

...was wohl? Joseph Fischer fand: ... Jugoslawien zu bombardieren. Gysi findet: ... die israelische Staats- und Regierungspolitik zu verteidigen.

Was aber gebietet guten Menschen die Geschichte? Alfred Grosser fand, daß er, 

gerade im Gedanken an die Verstorbenen, eine Mitverantwortung trug für die Zukunft einer freiheitlichen Demokratie in Deutschland.

Grosser hat außerdem in der Paulskirche bedauert, daß Horst Köhler zwar zu Shimon Peres von der Verantwortung an der Shoa und in der Knesset von der Lehre aus den nationalsozialistischen Verbrechen gesprochen beides aber nicht auf die Palästinenser bezogen habe. 

So anständig, wie Grosser auch sein mag: Geschichte gebietet nichts, uns nichts, niemandem etwas. Aus keinem Sein folgt ein Sollen. Das Gegenteil nahe zu legen, ist unüberlegt. 

Verantwortlich ist Grosser, wie jeder Mensch, für das, was er tut und was er läßt, basta. Grosser steht auf freiheitliche Demokratie, Fischer auf Eroberungskriege und Gysi auf Regierungsbeteiligung. Jeder von ihnen hat sich, teils aus gleichen, teils aus unterschiedlichen Motiven heraus, für das Eine oder das Andere entschieden, die Einen bedauerlicherweise so, der Andere halbwegs erfreulicherweise so. Herleiten kann seine Entscheidung keiner, weder der Gute, noch die Bösen.

Daher meine Bitte an die Guten: Beruft euch bei euren Entscheidungen weder auf die Geschichte, noch auf irgendeine besondere Verantwortung. Man könnte euch für Schwätzer halten.

T:I:S, 16. November 2010

Zwei ergänzende Hinweise

1. 

... Es handelt sich dabei um ein auch aus zahlreichen anderen Zusammenhängen bekanntes, nicht sehr erfreuliches Argumentationsmuster. Jemand instrumentalisiert die deutsche Geschichte für seine privaten, politischen oder geschäftlichen Zwecke. Die Opfer des Nazi- und des DDR- Regimes sind offenbar auch ein bisschen für Herrn Schröder und seinen Gasprom- Job gestorben...

... Sätzen, die mit der Formulierung „Gerade wir Deutschen“ beginnen, misstraue ich zutiefst. Richtig ist richtig, falsch ist falsch, Mord ist Mord, da gibt es keine Sonderklauseln für Deutsche.

Martenstein: "Gerade wir Deutschen …", Tagesspiegel, 5. April 2009

2. 

Richtig ist richtig, falsch ist falsch, Mord ist Mord, da gibt es keine Sonderklauseln, weder für Deutsche, noch für sonst wen, jüdische Israelis eingeschlossen. T:I:S, 4. Mai 2011 

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/10moralphilosophie.htm#Verantwortung      

nach oben

*

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen. Arthur Schopenhauer, Aphorismen, Kapitel IV, Projekt Gutenberg

Thomas Immanuel Steinberg

Stolz und Scham

Worauf man in Europa stolz ist, hat Kurt Tucholsky 1932 aufgezählt:

Deutscher zu sein.
Franzose zu sein.
Engländer zu sein.
Kein Deutscher zu sein.
Kein Franzose zu sein.
Kein Engländer zu sein...
Am deutschen Rhein zu stehn. Und überhaupt...

Weil man, wenn überhaupt, nur stolz sein kann auf eine eigene Leistung oder eine, für die man zumindest irgend etwas kann. Entsprechendes gilt für den Gegensatz, die Scham. Hat man etwas verpatzt oder etwas ausgefressen, so kann man sich dafür schämen. Aber nicht dafür, Deutscher zu sein; oder kein Engländer.

Manche Deutsche sehen das anders. Sie erklären, sich für die Vernichtung der europäischen Juden zu schämen. Sie empfänden Fremdscham. Nicht nur müßten sich dann diese Deutschen für Einiges mehr schämen: für die Vernichtung eines Viertels aller Weißrussen, für die Niederschlagung des Boxeraufstands, Joseph Fischer, Rudolf Scharping und die Deutsche Bahn. Sie müßten im Gegenzug auch stolz sein: auf den deutschen Wald vielleicht, siehe Tucholsky.

Hinter der Scham für etwas, für das man nichts kann, hinter dieser falschen Scham kann man sich aber recht gut verstecken. Man gibt vor, sich für fremde Schuld zu schämen und rechtfertigt die eigene schuldhafte Unterlassung mit Fremdscham. So täglich das schuldhafte Schweigen zu israelischen, US-amerikanischen und deutschen Verbrechen an den Palästinensern. Denn nichts Anderes als ein Verbrechen sind die deutschen Waffenlieferungen, ist die Bindung des deutschen Staates an Staat und Regierung Israels.

Mit Scham für das eigene Schweigen wäre es allerdings nicht getan. Geboten ist, das Schweigen zu brechen.

T:I:S, 16. März 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/10moralphilosophie.htm#Scham      

nach oben

*

Jerome Slater

A Perfect Moral Failure: Just War Philosophy and the Israeli Attack on Gaza 

[Extended, footnoted version for the Tikkun website]

Slater erörtert auf 35 Seiten, .pdf-Datei, ausführlich das staatliche israelische Handeln gegenüber den Palästinensern, insbesondere gegenüber der Hamas, bis zum Gaza-Massaker und kurz den palästinenschen Widerstand, darunter den der Hamas. 

Er beurteilt den Konfliktverlauf aus moralphilosophischer Sicht, wie sie, ausgehend von Augustinus und Thomas von Aquin, zum Ius ad bellum und zum Ius in bello entwickelt wurde.

Auf eine kürzere Version des Texts hat Doug Lieb vom American Jewish Committee (AJC) repliziert. Die beiden kürzeren Texte standen in der März/April-Ausgabe von Tikkun, der Zeitschrift von Rabbi Lerner. Auf Doub Liebs Beitrag hat Slater ebenfalls eine Antwort gegeben. Sie ist vernichtend.

Jerome N. Slater ist emeritierter Professor für Politische Wissenschaften an der University at Buffallo, The State University of New  York, und jetzt dort University Research Scholar.

Zum Goldstone-Report siehe Jerome Slater: Did Israel Deliberately Attack Civilians? Moshe Halbertal and the Goldstone Report: Part II, ZNet, 5. Januar 2010.

T:I:S, 8. Januar 2010. Siehe auch Vernichtungskrieg

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/10moralphilosophie.htm#Slater     

nach oben

*

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/10moralphilosophie.htm  

Disclaimer / Copyright