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Nur meine Regierung trennt euch von den Mistgabeln.
My administration is the only thing between you and the pitchforks.
Barack Obama am 27. März 2009 zu den Tycoons der Finanzwelt

 

Erwiderung der Redaktion Schattenblick auf kurze Bemerkungen(*) zum Thema Geld

Lieber Thomas,

nachdem Du – und als Replik auf Dich – Andre Schlauch in unserem Bericht zur Diskussion mit John Holloway im Centro Sociale in Hamburg am 8. Dezember 2011 eine vermeintlich irreführende Analyse der Kategorie des Geldes respektive kritikwürdige „schiefe Argumente“ ausgemacht haben, möchten wir versuchen, die in dem SB-Beitrag wiedergegebene Argumentation John Holloways zu diesem Thema zu erhellen und zu erweitern. Zweifellos konnte der Referent seine Thesen in einem Vortrag, der der Vorstellung seines jüngsten Buches „Kapitalismus aufbrechen“ gewidmet war, zugunsten allgemeiner Verständlichkeit nur verkürzt und plakativ ausführen. Das nimmt jedoch dem Gehalt seiner von Dir zitierten Forderung, „die Macht und Herrschaft des Geldes zu brechen, und zwar weltweit“, weil es sich beim Geld um eine „permanente Aggression uns gegenüber“ gegenüber handle, nichts von ihrer Bedeutung.

Geld ist für Holloway „nicht einfach eine einmal etablierte Form, sondern der Prozess der Monetarisierung gesellschaftlicher Beziehungen“ (S. 168) und als solcher ebenso zu verwerfen wie die abstrakte Arbeit, die im Antagonismus zum konkreten Tätigsein – dem Doppelcharakter der Arbeit als Tausch- und Gebrauchswert adäquat – im Zentrum seiner Kapitalismuskritik steht. Holloway begreift den Kampf gegen das Geld als ein Element der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlich bestimmenden Formen und Wirkungen, durch die sich zweifellos die Interessen von Menschen artikulieren, die jedoch ihrerseits in ihrer gesellschaftlichen Determination untrennbar von den Verhältnissen sind, die sie erzeugen und von denen sie bedingt werden.

Sein Versuch, der eigenen Widersprüchlichkeit als kapitalistisch vergesellschafteter Mensch die Aufhebung aller Fremdbestimmung abzuringen, setzt geradezu voraus, die Erscheinungsformen und Wirkungen der widrigen und zwingenden Bedingungen als das zu nehmen, was sie sind. Für ihn ist die Möglichkeit, Kritik zu üben und damit die Grenzen kausaler Zirkelschlüsse zu überschreiten, Ausdruck der Antizipation dessen, was durch die Totalität der kapitalistischen Vergesellschaftung noch nicht vollständig aufgesogen wurde und daher das Beziehen einer wirksamen Gegenposition ermöglicht. Erhält man in der Phänomenologie der Attribute den Menschen bestimmender Verhältnisse den Eindruck, Holloway falle mit der Aufzählung den Menschen bestimmender Kategorien wie Kapital, Staat, Geld, Ware, Identität etc. einer analytischen Oberflächlichkeit oder indifferenten Beliebigkeit zum Opfer, so täuscht dies insofern, als es ihm in seinem subjektzentrierten Ansatz darum geht, zum operativen Umgang mit dem kapitalistischen Gewaltverhältnis, seiner parteilichen und unvermittelten Negation, vorzustoßen.

Schlicht gesagt geht es ihm darum, die eigene Beteiligung am Kapitalismus zum Ausgangspunkt seiner Überwindung zu machen. Für Holloway wird im Geld das politökonomische Gewaltverhältnis, das die kapitalistische Gesellschaft beherrscht, greifbar und angreifbar. Es handelt sich jedoch nicht um eine absolute, dem bürgerlichen Wertekosmos gegenüberzustellende Wahrheit, sondern um ein von der eigenen Vergesellschaftung bestimmtes Verhältnis, das jeglicher selbstbestimmten Verfügbarkeit entglitten ist. Es in seiner Totalität nicht anzugreifen, sondern über es – etwa in der Verabsolutierung der Menschen, die von diesem Gewaltverhältnis am meisten profitieren, zu ausschließlichen Tätern, die den ausschließlichen Opferstatus der von ihnen Ausgebeuteten zwingend zur Folge hat – hinauszugreifen, hieße darauf zu verzichten, die Kette dort zu zerschlagen, wo sie in ihrer fesselnden Wirkung manifest wird.

Der naheliegende Einwand, daß der Mensch und nicht das Geld Herrschaft über Menschen ausübt, unterstellt handelnde Subjekte, die in ihrem räuberischen Interesse so selbstbestimmt wären wie die Objekte ihres Tuns ohnmächtig. Dieser zweifellos den subjektiven Erfahrungshorizont ausfüllende Antagonismus impliziert jedoch, daß die handelnden Akteure auf der Seite der Staats- und Kapitalmacht den von Marx als Geheimnis dargestellten Fetischcharakter der Ware, des Geldes und des Kapitals durchschauten, was zumindest seiner Ansicht nach nicht der Fall ist. Ihm war der Fetischismus, mit der er die bürgerliche Mystifikation des warenproduzierenden Systems auf die polemische Spitze nahm, in seiner Bedeutung, daß gesellschaftliche Beziehungen als gegenständliche Eigenschaften auftreten, schon vor Verwendung dieses Begriffs in der „Kritik der politischen Ökonomie“ 1859 eine Kategorie ganz realer Art:

„Das Geld ist nicht Symbol, so wenig wie das Dasein eines Gebrauchswerts als Ware Symbol ist. Daß ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis sich als ein außer den Individuen vorhandener Gegenstand und die bestimmten Beziehungen, die sie im Produktionsprozeß ihres gesellschaftlichen Lebens eingeben, sich als spezifische Eigenschaften eines Dings darstellen, diese Verkehrung und nicht eingebildete, sondern prosaisch reelle Mystifikation charakterisiert alle gesellschaftlichen Formen der Tauschwert setzenden Arbeit. Im Geld erscheint sie nur frappanter als in der Ware.“ [1]

Im Kapitel über den „Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“ im ersten Band des Kapitals 1867 präzisierte er den gegenständlichen Charakter dieses Verhältnisses am Beispiel des gesellschaftlichen Charakters des Warentausches: Den Produzenten „erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. Nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen.“ [2]

Holloway führt seinen Ansatz, laut dem wir den Kapitalismus produzieren, es mithin in unserer Hand liegt, dies nicht mehr zu tun, am Beispiel des Geldes auf nämliche Weise aus:

„Geld ist eine Form von gesellschaftlicher Beziehung, eine Art des sich auf andere Beziehens. Wenn wir etwas kaufen und es mit Geld bezahlen, stellen wir eine gewisse Form von Beziehung mit dem Produzenten des Gegenstandes her, den wir kaufen. Wenn wir ihn stehlen, stellen wir eine andere Art Beziehung zur Produzentin her, und wenn wir ihn geschenkt bekommen, wieder eine andere. Die Art der Beziehung beruht weder darauf, was das Ding ist, das wir kaufen, stehlen oder geschenkt bekommen, noch darauf, aus was für einem Material das Geld, das wir zum Kauf benutzen, besteht (Papiergeld, Münzen). Wenn wir sagen, dass Geld eine Form gesellschaftlicher Beziehung ist, sagen wir also, dass es eine Form ist, die wir schaffen und immer wieder neu schaffen, die also nicht nur auf einem ursprünglichen Schöpfungsakt beruht, sondern auf unserer fortwährenden Neuschöpfung. Dasselbe gilt von Staat und Kapital.“ (S. 231)

Vom Fetisch der Ware, des Geldes und des Kapitals zu sprechen, wie es Marx tat, macht mithin nur Sinn, wenn die postulierte Undurchschaubarkeit der damit bestimmten Verhältnisse den Horizont ihrer Aufhebung markiert. Gerade weil die Frage der Herrschaft des Menschen über den Menschen zentral ist, ist die Überwindung des Kapitalismus ohne Aufhebung der abstrakten Arbeit, des Warencharakters ihrer Produkte und des Tauschäquivalents Geld nicht zu haben.

Letzteres als ein Mittel der Registratur anderer Formen des Tausches aufrechtzuerhalten hieße, Arbeit weiterhin auf ihren Tauschwert zu beziehen und nicht zum konkreten Tätigsein, wie Holloway es nennt, oder selbstbestimmten Tun vorzudringen. Allein das Interesse der Kapitaleigner an Akkumulation anzugreifen liefe auf eine modifizierte Verteilungsordnung unter dem fortgeschriebenen Diktat des Äquivalentetausches hinaus, mit dem die Unteilbarkeit des Menschen und eine kommunistische Praxis, die die Not des Mangels und damit den Zwang zum Tausch beendete, unmöglich würde. Das Erreichen dieser Ziele nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben, sondern in der täglichen Lebenspraxis um sie zu kämpfen setzt schonungslose Analyse und Kritik der im besonderen wie allgemeinen herrschenden Gewaltverhältnisse selbstverständlich voraus.

Daß sich die Menschen in der EU eine Sparpolitik aufoktroyieren lassen, die ihnen schon aufgrund des Widerspruchs zwischen der fortschreitenden Entwicklung der Produktivkräfte und des immer bescheideneren Ertrags der ausbeutungstechnisch immer intensiver bewirtschafteten Lohnarbeit nicht einleuchten dürfte und die sie aufgrund der offenkundigen sozialen Ungerechtigkeit erst recht auf die Barrikaden treiben müßte, ist unseres Erachtens nicht Folge einer Fetischisierung, die von einer sinnvollen Verwendung des Geldes als Notizzettel abstrahiert, sondern der undurchschauten Fremdbestimmung durch abstrakte Arbeit und des vorgeblich naturgegebenen Charakter des Warentausches. Das Problem in der Zirkulation der Waren anstatt in ihrem Produktionsprozeß anzusiedeln hieße dementsprechend, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Machte man die Probe aufs Exempel und versetzt das ohnmächtige Subjekt in die Position des ihn ausbeutenden Kapitalisten, dann erweist sich der Mensch, wie prominente Karrieren in der deutschen Linken belegen, als allemal anfällig für die damit in Griffnähe gelangenden Verheißungen. Damit soll keiner postrukturalistischen Beliebigkeit von jeglicher Herrschaftskritik bereinigter Machtdispositive das Wort geredet, sondern ganz im Gegenteil die Unabdinglichkeit der Negation eigener Beteiligung am kapitalistischen Gewaltverhältnis unterstrichen werden. Dies wiederum verlangt eine Unbescheidenheit in Analyse und Kritik, die vor der Frage der Vergesellschaftung als ein im Wortsinn fremdbestimmtes – unter anderem durch Geldform und staatliche Organisation fungierendes – Verhältnis nicht halt macht.

Holloway steht mit dieser Konzeption nicht allein auf weiter Flur, wie etwa Werner Imhof in seinem Artikel „Skizzen eines emanzipatorischen Kommunismus“ aus dem Jahr 2000 belegt:

„(...) die Herrschaft von Menschen über Menschen erscheint eben nicht als bloße Folge ihrer Herrschaft über Sachen, sondern als etwas, was sie unter den Bedingungen des trennenden Privateigentums auch ist, als Vollzug versachlichter Zwänge, wie brutal, deprimierend oder verhaßt sie auch sein mögen. Und das um so mehr, je weniger sie durch das persönliche Regime (den „Herr-im-Haus-Standpunkt“) der kapitalistischen Eigentümer oder ihrer Funktionäre verdeckt werden. Denn diese Zwänge sind nicht an die „Charaktermasken“ der Privatkapitalisten oder der Kapitalmanager gebunden, auch wenn sie immer noch von ihnen vollstreckt und beeinflußt werden. Selbst wenn alle Betriebe „in Arbeiterhand“ wären, das Privateigentum an Produktionsmitteln also in einer Richtung – als Trennung in Besitzende und Besitzlose – aufgehoben wäre, bliebe mit der Wertform der Produkte auch ihre Kapitalform erhalten, würde sich die Arbeit in bezahlte und unbezahlte, in notwendige Arbeit zur Reproduktion der Belegschaften und in Mehrarbeit zur erweiterten Reproduktion der Produktionsmittel teilen und der Zwang zur Ausdehnung letzterer auf Kosten ersterer die Produktion beherrschen, solange das Privateigentum nicht auch in der anderen Richtung – als Trennung der Produzenten (die immer zugleich produktive und individuelle Konsumenten sind) voneinander – aufgehoben wäre, solange die Markt- und Geldbeziehungen zwischen ihnen nicht durch andere Beziehungen ersetzt würden. Kurz: Die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise ist nur möglich als Aufhebung der Warenproduktion überhaupt und damit auch des Geldes.“ [3]

Wie Holloway ist Imhof der Ansicht, daß dies nicht in staatlicher Regie erfolgen kann, wie dieser geht es ihm um die Abschaffung der Marktwirtschaft als solcher.

Hier mögen sich die Geister revolutionärer Gesellschaftsveränderung scheiden, doch ganz gewiß ist Holloway keine vordergründige Polemik gegen das Geld anzulasten, die ihn auch nur entfernt in die Nähe der staat- und marktorientierten Freiwirtschaftslehre eines Silvio Gesell rückte.

Mit solidarischen Grüßen, Redaktion Schattenblick

Fußnoten

[1] http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_015.htm

[2] http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_049.htm#Kap_1_3_D

[3] http://www.trend.infopartisan.net/trd0600/t080600.html

Seitenangaben der Zitate John Holloways aus „Kapitalismus aufbrechen“, Münster 2010 

(*) Erwiderung auf Thomas Immanuel Steinberg: Über den lähmenden Blick auf die Erfolgsaussichten – und über Geld. Kurze Bemerkungen zu einem Schattenblick-Bericht und Andre Schlauch: Kurze Bemerkungen zu einem Schattenblick-Bericht – über Geld. Replik anläßlich des Schattenblick-Berichts zu John Holloway – Wir sind die Krise des Kapitalismus  

Schattenblick, 1. Februar 2012. T:I:S, 3. Februar 2012

URL dieses Beitags: http://www.steinbergrecherche.com/alternative.htm#Erwiderung 

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Andre Schlauch

Kurze Bemerkungen zu einem Schattenblick-Bericht über Geld

Replik

Lieber Thomas, 

deine Bemerkungen zum Schattenblick-Bericht sind mir Anlaß, dir nach langer Zeit wieder einmal eine Mail zu schreiben. Warum? Weil du die schiefen Argumente des Schattenblick zwar zu Recht kritisierst, aber nur, um sie in die entgegengesetzte Schiefheit zu kippen. Geld könne gar kein Fetisch sein, es sei "nicht mehr als ein Notizzettel", der "zwischenmenschliche Beziehungen abbildet." 

Natürlich ist Geld auch ein Notizzettel und auch ein Bild unserer Beziehungen (nicht nur zu anderen Menschen, sondern auch zu Tieren, Pflanzen und toten Dingen). Aber erst, was es darüber hinaus noch ist, gibt ihm die Möglichkeit, allgemeiner Fetisch, ja Götze zu werden, der Anbetung und Opfer fordern kann.

Du kennst sicher die auffällige Tatsache, daß gerade dort, wo zwischenmenschliche Beziehungen tief und intensiv sind, das Geld die Neigung hat, destruktiv zu wirken; woher kommt das? Meiner Meinung nach daher, daß das Geld eben nicht allgemein Beziehung abbildet, sondern lediglich eine spezielle Form von Beziehung, die Marx oder auch Fromm als "entfremdet" bezeichnet haben und die in ihrem Kern gar nicht Beziehung ist, sondern Herrschaftsanspruch, Macht. Deshalb trug früher das Geld konsequenterweise auch das Abbild des jeweils Mächtigen (macht es eigentlich heute auch noch, allerdings nur noch versteckt in Vexierbildchen - die heutigen Mächtigen wollen gerne unsichbar bleiben). 

Herrschaftsanspruch und Macht sind wesentlich Negation von Beziehung, weil sie das, worauf sich ihr Anspruch richtet, von vorneherein gar nicht als Beziehungsfähiges, als ein einer unabhängigen Antwort Fähiges und letztlich Gleichberechtigtes anerkennen. Für die Macht ist alles und jeder lediglich Objekt. Und genau diese spezielle Art von Beziehung, die alles zu Objekten* zu machen sucht, und nur diese, "bildet das Geld ab". Geld ist also wesentlich Abbild, Götzenbild der Macht, und nur als solches konnte es zum allgemeinen Fetisch werden. 

So ist es denn auch konsequent, daß die Bedeutung des Geldes in der Gesellschaft um so mehr zunimmt, je weniger die Menschen wirkliche Beziehungen eingehen können, oder auch umgedreht.

Geld ist ein Beziehungssurrogat, eine Droge, die uns Beziehungen vorgaukelt, wo gar keine sind; die echte Beziehung erschwert, verdrängt und zerstört und an ihre Stelle Herrschaft setzt.

Geld ist ein Symbol, im Sinne von "ein wirkendes Bild", der Macht. Das Geldsystem ist ein kultisches System, in dem der Macht, der reinen abstrakten Macht gehuldigt wird. Und es hat tatsächlich Tempel, Glaubenskanon, Hohepriester,  Apostel und Apologeten. Und natürlich profitieren die Priester von ihrem "Amt" und gestalten den Kult zu ihrem Gunsten, aber Priester werden sie, weil sie gläubig sind. Wenn man sie wegschießt, übernehmen andere das "Amt", das Gewaltverhältnis zwingt Täter und Opfer. Wenn das Opfer den Täter überwältigt, werden nur die Rollen getauscht, das Gewaltverhältnis bleibt. So ist es am Ende doch "das System", das überwunden werden muß: das System unserer verkehrten Beziehungen, in dem wir alles zum Objekt unserer Ansprüche machen und von dem das Geld nur ein wirksamer Ausdruck ist Erfolg ist eine Kategorie der Unfreien!

* An dieser Stelle fällt auf, daß nicht nur das Geld die Tendenz hat, alles zu seinem Objekt zu machen und so seiner Herrschaft zu unterwerfen. Es hat eine Zwillingsschwester, die ist keuscher und reiner (naja, jedenfalls tut sie gern so), das ist die Erkenntnis. Ihre Münze ist das Wissen, das ja bekanntlich auch Macht ist.

Ich hoffe, du kannst mit meinem Einwurf etwas anfangen.

Und, danke für deine Web-Site. 

26. Januar 2012

T:I:S, 27. Januar 2012. Andre Schlauch betreibt die Seite URKERAMIK.DE

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Thomas Immanuel Steinberg

Über den lähmenden Blick auf die Erfolgsaussichten und über Geld

Kurze Bemerkungen zu einem Schattenblick-Bericht

In Anlehnung an John Holloway schreibt Schattenblick (1):

Das Dilemma, das herrschende Gewaltverhältnis zwar überwinden zu wollen, sich jedoch zuvor des Erfolgs dieses Kampfes zu vergewissern, ist eine wirksame Strategie, ihn im Keim zu ersticken. Vergessen wird dabei, daß Erfolg eine Kategorie der Gewinner ist, die gar nicht vorhaben, die Verhältnisse in einem Sinne zu verändern, der sie nicht zuverlässig fortschreibt. Holloway geht demgegenüber von der Wirksamkeit ihrer konsequenten Negation aus, ja er präzisiert den Begriff der Menschenwürde als Entfaltung der Macht des Nein. Wer daran festhält, anstatt sich auf Perspektiven kalkulierbaren Erfolges zu verlegen, geht von nichts anderem als der Inakzeptanz der erlittenen Ohnmacht aus und verschwendet keinen Blick auf Erfolgsaussichten, die im besten Fall ein gutes Ruhekissen sind und im schlimmsten Fall der Aufhebung jeglichen widerständigen Potentials zuarbeiten.

Der Schattenblick-Bericht enthält weitere wertvolle Hinweise. Zustimmen kann ich auch folgendem Halbsatz: 

Grundsätzlich könne es nicht darum gehen, den Grund der Krise in irgendeinem Exzeß der Banken zu verorten...

Der Halbsatz ist jedoch wie folgt eingekleidet: 

Die Rolle des Geldes als Mittel zum Verschließen der Risse erläuterte Holloway am Beispiel Griechenlands. Dort habe das Geld mehr als in irgendeinem anderen Ort der Welt seine Maske abgenommen und das dahinterstehende Kommando erteilt: Arbeit, Arbeit, Arbeit, schneller, schneller, schneller. Geld sei zwar ein Zahlungsmittel, aber es sei vor allem ein konstanter Angriff auf uns. Die Dynamik des Wertgesetzes sorge dafür, daß alle menschliche Arbeit in wertproduzierende Arbeit verwandelt wird und dies immer schneller erfolgt. Holloway zeigte sich begeistert über den vieltausendfachen Widerstand, mit dem die griechische Bevölkerung gegen die ihr aufoktroyierte Sparpolitik aufsteht. Gleichzeitig hätten die Finanzmärkte und die mit ihnen verbandelten Politiker deutlich gemacht, daß diese Demonstrationen ihnen nichts bedeuten. Um so mehr gelte es, die Macht und Herrschaft des Geldes zu brechen, und zwar weltweit...

...  Grundsätzlich könne es nicht darum gehen, den Grund der Krise in irgendeinem Exzeß der Banken zu verorten, sondern er sei eingebaut in das Geldverhältnis, in das Verhältnis der Mehrwertproduktion. Dabei handle es sich nicht um ein stabiles Verhältnis, sondern eine permanente Aggression uns gegenüber. Das Kapital greife ständig an, Geld sei die Charaktermaske dieses Angriffs und müsse daher abgeschafft werden...

Die Ausführungen zum Geld sind vielleicht metaphorisch gemeint. Doch sie legen den Fehlschluß nahe, Geld habe tatsächlich Macht und übe Herrschaft aus als ob nicht Menschen uns beherrschten (2), sondern eine Art Voodoo-Zauber. Richtig, Geld wird im Kapitalismus fetischisiert, und zwar heftig. Genau dieser Fetischisierung gilt es aber, und das sehr dringend, gedanklich zu entkommen. Geld ist zuerst einmal als das zu betrachten, was es schon vor langer Zeit war und heute immer noch ist: Schatz, Tauschmittel und/oder Kredit, und somit nicht mehr als ein Notizzettel, nur praktischer. Geld bildet zwischenmenschliche Beziehungen ab. Na und.

Selbst im Kapitalismus, in welchem sich das Kapital den durch Arbeit hervorgebrachten Mehrwert einverleibt, behält Geld seine Rolle als Notizzettel, als Abbild von Beziehungen zwischen Menschen, und somit auch als Abbild von Macht- und Herrschaftsbeziehungen. Es wird freilich, und darin liegt gerade die Crux, geradezu grenzenlos fetischisiert, als würde es selber herrschen – wo doch in Wahrheit niemand anders als  Menschen, mittels Aneignung des von anderen Menschen erbrachten Mehrwerts, herrschen und wo doch das Geld (genauer: das geldwerte Kapital) auch weiterhin nur anzeigt, wer da herrscht und wer beherrscht wird.

Erst die schier unfaßliche Fetischisierung des Geldes erlaubt dem Geldmonopolisten, also dem Staat, bzw. den Euro-Staaten, einem Volk zum Beispiel Sparpolitik aufzuoktroyieren. Demnach gilt es also nicht, wie oben vom Schattenblick über John Holloway berichtet, "die Macht und Herrschaft des Geldes zu brechen", sondern, so denke ich, die im Geld nur abgebildeten gräßlichen gesellschaftlichen Beziehungen, also die Ketten zwischen Herrschern und Beherrschten zu sprengen: die Arbeitsbeziehungen, die vielen anderen Gesetzes- und Vertragsbeziehungen, die kulturellen und die übrigen ideologischen Beziehungen. Im Zuge dieser Befreiung dürfte dann Geld keine Rolle spielen außer der, die es immer gehabt hat: die eines praktischen Notizzettels.

Konsequente Negation? Ja. Ja auch zur Abwendung vom ängstlichen Erfolgskalkül. Nein freilich zur Beschwörung der Macht des Geldes: Könnte sie doch manch Unbedarften zum Einbiegen in Silvio Gesells Sackgasse verleiten. (3)

T:I:S, 25. Januar 2012. Dazu eine Replik von Andre Schlauch, T:I:S, 27. Januar 2012. Zu beidem eine Erwiderung der Redaktion Schattenblick, T:I:S, 3. Februrar 2012 

Anmerkung

(1) John Holloway - Wir sind die Krise des Kapitalismus. Bericht über eine Diskussion im Hamburger Centro Sociale am 8. Dezember 2011. Schattenblick, 23. Januar 2012

(2) Dazu siehe Sinnsalabim – Kapitalismus ohne Agenten

(3) Mehr unter Regionalgeld; allgemein zum Geld siehe Berlin gegen alle

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OccupyMe!

Ilona Koglin, Marek Rohde und Rendel Ibing haben Occupiern zugehört: in Berlin, Zeulenroda, Leipzig, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg. 

Video, 80 Minuten. Lohnend ab Minute 0:06:00 und später stellenweise. T:I:S, 22. Dezember 2011

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Enteignen oder Essen sperren

Die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) fordert Griechenlands Regierung auf, die Tarifautonomie aufzuheben und den Mindestlohn zu senken. FAZ

Sollte die griechische Regierung sich beugen, so müßte sie Streiks verbieten, Streikposten verhaften und Betriebsblockaden mit Polizei oder Militär durchbrechen. Dann könnte das Volk seine Enteigner enteignen oder seinen Kindern das Essen sperren. 

T:I:S, 9. Oktober 2011

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Jörg Bergstedt

Illegal

Die Tricks von Polizei und Justiz

Es geht um das tatsächliche Funktionieren der deutschen Justiz und Polizei.

Der Vortrag hat einen Wert, der weit über die deutsche Justiz hinausgeht und in das Zeitgeschehen hineinragt. Er macht deutlich, wie Justiz und Polizei und auch Geheimdienst und Militär wirklich funktionieren - blendend herausgearbeitet durch die Konfrontation mit kreativer Antirepression des Aktivisten Jörg Bergstedt.

Der größere Zusammenhang besteht mit dem Drohnen-Krieg in Pakistan/Afghanistan, dem Irak-Krieg, den Terrorwarnungen des deutschen Innenministers und den "Geheimdienstinformationen" über angeblicheTerroristen, den Festnahmen des israelischen Militärs/Polizei von Palästinensern und den "Überführungen" von Hintermännern von "Selbstmordanschlägen“. 

Außerdem ist die "kreative Antirepression" eine Taktik, die auch die politische Linke aus ihrer Isolation befreien könnte.

So schön wie Jörg Bergstedt hat keiner das reale deutsche Arschkriechertum bloßgestellt, außer vielleicht der Hauptmann von Köpenick.

2,5 Stunden, die jede Sekunde wert sind.

Dank an den Rezensenten. T:I:S

Vortrag, Video, knapp zweieinhalb Stunden, Regensburg, 7. März 2010. T:I:S, 4. Februar 2011. Das Buch zu allen Vorgängen heißt Tatort Gutfleischstraße (Links zu Auszügen). Siehe ferner den Blog der Arbeitsgruppe Zukunftspolitik Hamburg und den Fall von Mounir El Motassadeq 

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Ja.

Inge Viett* macht drei Linien aus, um die sich zur Zeit das Handeln der Linken gruppiert:

Die eine.

Unterstützung von außerparlamentarischen Bewegungen mit einem taktischen Verhältnis zu diesen, Mitarbeit in allen staatlichen Institutionen, parlamentarische Politik bis hin zur Regierungsbeteiligung...

Die andere.

Die Agitation für Klassenpositionen bricht sich an der eigenen Machtlosigkeit und der Informations- und Ideologiemacht der herrschenden Klasse die Zähne aus...

Die dritte.

Die Frage organisierter revolutionärer Gewalt wird mehrheitlich mit bürgerlichem Pazifismus beantwortet...

Zu allen dreien die Alternative:

Das Gebot der Stunde ist der Aufbau einer revolutionären, kommunistischen Organisation... Es muß eine neue Front aufgemacht werden, die von außen Bewegung in die Betriebe bringt, die den Gewerkschaftsbürokraten Druck macht und den klassenkämpferischen Kräften in den Belegschaften und Gewerkschaften Rückenwind gibt. Real gibt es diese Front ja schon lange, wenn auch noch recht unbefestigt. Es sind die vielen neuen Kampffelder gegen die Totalisierung der Verwertung. Diese werden aber von der marxistischen Linken immer noch nicht als Klassenkampffront ernstgenommen...

Das erfordert bewegliche und trotzdem disziplinierte Strukturen, das erfordert einen dialektischen Umgang mit Widersprüchen, die nur über eine gemeinsame kämpferische Praxis, aber nicht im ideologischen Papierkrieg aufhebbar sind, und das erfordert auf bestimmter Ebene Klandestinität gegenüber dem Klassengegner...

Das ist eine logische, absolut notwendige Konsequenz, wenn wir ernstnehmen, was wir wissen: die Konzeption des staatlichen Sicherheitsapparates in Deutschland und die sogenannte gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur sind in ihrer Vollendung auf totalitäre Herrschaftssicherung aus...

Nicht die Theorie macht eine Organisation zu einer revolutionären, sondern allein ihre kämpferische Praxis, und diese stößt unweigerlich auf Repression. Aus diesem Grund dürfen eine revolutionäre Organisation nicht komplett offen vom Klassengegner einzusehen, die Mitglieder und Strukturen nicht alle bekannt, das inhaltliche, logistische und finanzielle Vermögen nicht jederzeit angreifbar sein...

 junge Welt, T:I:S, 4. Januar 2011

*Notwendiger Aufbauprozeß. Position. Zur Realisierung revolutionärer Strategien braucht es eine handlungsfähige kommunistische Organisation. junge Welt, 4. Januar 2011. Siehe auch Eine Diskussion zwischen Linken und Pseudolinken - Zur Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin 2011, Kommunisten-online.

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Slavoj Zizek

Zeit der Monster

Ein Aufruf zur Radikalität

... Es ist illusorisch zu glauben, man könne die Dinge wirklich verändern, indem man die Demokratie auf diese Sphäre ausdehnt, etwa durch Organisation "demokratischer" Banken unter der Kontrolle des Volkes. Radikale Veränderungen auf diesem Gebiet liegen außerhalb der Sphäre von Recht und Gesetz. Demokratische Verfahren können natürlich eine positive Rolle spielen. Aber sie bleiben Teil des staatlichen Apparats der Bourgeoisie, der den Zweck hat, das reibungslose Funktionieren der kapitalistischen Reproduktion zu garantieren. In diesem genauen Sinne hat Badiou recht mit seiner These, dass der ultimative Feind heute nicht der Kapitalismus, das Imperium oder die Ausbeutung sei, sondern die Demokratie. Die Bereitschaft, "demokratische Mechanismen" als äußersten Rahmen politischen Handelns zu akzeptieren, ist das, was einer radikalen Transformation der kapitalistischen Verhältnisse im Wege steht.

...

Aus der Perspektive der Untertanen und Unterdrückten ist schon die Existenz des Staates als Apparat der Klassenherrschaft eine Manifestation von Gewalt. Ähnlich wie schon Robespierre erklärte, dass der Königsmord nicht erst durch den Beweis gerechtfertigt sei, dass der König ein bestimmtes Verbrechen begangen habe: Ein Verbrechen, nämlich ein Anschlag auf die Freiheit des Volkes, sei vielmehr schon die Existenz des Königs als solche.

In diesem engeren Sinne ist Gewalt der Unterdrückten gegen die herrschende Klasse und ihren Staat immer schon "defensiv". Wenn wir dieses Faktum nicht anerkennen, "normalisieren" wir den Staat nolens volens und akzeptieren seine Gewalt als rein zufällige Exzesse. Das liberale Standardmotto, dass es nie legitim, aber manchmal unumgänglich sei, zum Mittel der Gewalt zu greifen, wird der Sache nicht gerecht. Aus radikal-emanzipatorischer Perspektive sollte man umgekehrt sagen: Gewalt seitens der Unterdrückten ist immer legitim - da ihr Status das Resultat von Gewalt ist -, aber nie notwendig, da es immer eine Sache strategischer Überlegung ist, ob man dem Feind mit Gewalt begegnet oder nicht.

Kurzum, das Thema Gewalt sollte entmystifiziert werden. Verkehrt am Kommunismus des 20. Jahrhunderts war nicht die Tatsache, dass er Zuflucht zur Gewalt nahm - die Staatsmacht an sich riss und zum Bürgerkrieg bereit war, um sie zu behalten. Verkehrt war all das, was die Zuflucht zur Gewalt unvermeidlich und scheinbar legitim machte: die Partei als Organ der historischen Notwendigkeit und so weiter...

Le Monde diplomatique, 12. November 2010. T:I:S, 21. November 2010

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Thomas Immanuel Steinberg

Ein anarchistischer Versuch

 Unsichtbares Komitee: Der kommende Aufstand

Deutschlandradio Kultur hält zwei lesens- / hörenswerte Beiträge zum jüngsten Nautilus-Essay* bereit:

Tarik Ahmia: Revolutionsanleitung als Popliteratur. Das linksradikale Manifest "Der kommende Aufstand". Das Ende naht und gemeint ist der globale Kapitalismus mitsamt seinen politischen Systemen. Daran lässt das anonyme französische Autorenkollektiv "Unsichtbares Komitee" keinen Zweifel. Ihr Buch "Der kommende Aufstand" ist ein radikaler Aufschrei linker Denker. Deutschlandradio Kultur, 12. November 2010, Text und Audio

Peter Grottian: Bürgeraufstand nicht in Sicht. Politologe zum Buch "Der kommende Aufstand". Peter Grottian im Gespräch mit Joachim Scholl. Ein französisches Autorenkollektiv prophezeit das Ende des Kapitalismus. Diese Gefahr bestehe für Deutschland nicht, sagt Politologe Peter Grottian. Die Proteste gegen Stuttgart 21 oder in Gorleben setzten nicht an den wirklich wichtigen Punkten an. Deutschlandradio Kultur, 12. November 2010, Text und Audio

Nils Minkmar verrät, was in dem Essay steht und daß er glänzend geschrieben ist. Die Überschrift seines Beitrags ist bescheuert...

Nils Minkmar: Linksterrorismus. Seid faul und militant! Autos brennen, Züge entgleisen, der Strom fällt aus: Überall wachsen die Lust auf Subversion und die Bereitschaft zur Sabotage. Wofür und wogegen kämpfen die neuen Linksradikalen? Das Buch „Der kommende Aufstand“ sucht Antworten. FAZ, 8. November 2010

... und seine Bewertung fällt so aus, wie man es von einem FAZ-Autor erwartet:

Nach dem Gewaltmonopol des Staates, nach dem Privateigentum und ohne öffentlichen Nahverkehr blüht höchstens ein sehr kurzer Sommer der Anarchie. Die unsichtbaren linken Militanten überschätzen ihre Kraft: Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen.

Wie der Name sagt, ist der Essay ein Versuch; ein Versuch, die Lage zu beschreiben und daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Lagebeschreibung ist gelungen, sie ist einfach brillant. Leute! Kauft das Buch*, den ersten Teil werdet ihr verschlingen.

Der zweite Teil empfiehlt die Befreiung aus der Lohnknechtschaft, das Zusammenrücken in der "commune" und den unmittelbaren Umgang mit den unmittelbaren Nachbarn. Er warnt vor allen Stellvertretern, Vollversammlungsbeschlüssen und Organisationen überhaupt. Fein.    

Mit den weiteren Konsequenzen freilich ist das so eine Sache. Wer von uns, die wir fast alle mehr zu verlieren haben als unsere Ketten, macht den Anfang mit den illegalen Maßnahmen, die die Autoren empfehlen – so legitim sie auch sein mögen? Da bedarf es dann schon des Schutzes durch eine große Anzahl Gleichgesinnter. Und wer hindert den einen Bekloppten unter uns vielen klugen Köpfen und die Agenten der Herrschenden daran, in unserm Namen genau die Maßnahmen zu ergreifen, die uns schaden?

Aufruhr herrscht zuweilen. Boykottiert werden nur die Wahlen, aber auch die längst nicht von Allen. Und Sabotage? Immerhin wurde geschottert.

T:I:S, 12. November 2010. Siehe auch  Schröder hat keine Alternative vom 16. August 2004 und Viele Menschen gehen ins Büro. Was machen sie dort? 29. März 2010, unter Herrschaft

*Unsichtbares Komitee: Der kommende Aufstand. Original: L’insurrection qui vient, La fabrique éditions
Aus dem Französischen vorzüglich übersetzt von Elmar Schmeda, lektoriert von Hanna Mittelstädt. Deutsche Erstausgabe, Broschur, 128 Seiten, € (D) 9,90 / € (A) 10,20 / sFr 17,50. ISBN 978-3-89401-732-3. Erschienen im August 2010. Inhalt | Autoren | Inhaltsverzeichnis. Bestellen beim Verlag Edition Nautilus. Im Netz steht eine schlechte, unredigierte Übersetzung. T:I:S

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Thomas Immanuel Steinberg

Schröder hat keine Alternative

 Rede vom 16. August auf dem Hamburger Gerhart-Hauptmann-Platz

Liebes Publikum,

Schröder und seine Freunde haben erkannt: Es gibt keine Alternative. Schröder und seine Freunde wissen: Das Kapital kann nur fressen.  Es frißt alles: unsere Freizeit, unseren Wohlstand, unsere Sicherheit. Es würde auch Schröder fressen – oder fallen lassen – wenn er nicht spurt.

Schröder und  das Kapital haben keine Alternative. Sie müssen den Armen nehmen, damit die Reichen kriegen. Sie  plündern aus, um  Waffen zu bezahlen, die sie weiterreichen für den Kampf gegen die Armen am Hindukusch, im Kosovo und im Sudan. Schröder und Rogowski vom Bundesverband der Deutschen Industrie brauchen unser Geld, um in Venezuela und Kuba zu wühlen gegen Chavez und Castro. Schröder und Rogowski brauchen unser Geld, um uns zu spalten; Geld, um uns einzulullen; Geld, um uns einzusperren, wenn wir uns wehren. 

Armut, glauben sie, mache uns wehrlos.

Schröder hat Angst. Er hat Angst vor einer Volksfront. Die Volksfront, liebe Freundinnen und Kollegen, die Volksfront war ungefähr das anständigste, was Europa je zustande gebracht hat: Es war ein Bündnis der Linken gegen den heraufziehenden Faschismus. Die Volksfrontregierung in Frankreich 1936 wurde gewählt, weil sie den Franzosen zurief: Stoppt den Faschismus! Blockiert die Nazis! Verhindert den Krieg!

Die Volksfront, in der Tat, sie ist das Gebot der Stunde. Wir müssen uns zusammenschließen zu einer Front, gegen Schröder und gegen die andern Berufsheuchler. Schröders Angst ist berechtigt vor unserer Volksfront. Die Milliardäre in Deutschland fürchten zu Recht, wir könnten ihnen das kapitalistische Geschäft versauen, wir könnten sie aufhalten in ihrem Profitstreben und ihrer Gemeinheit  gegen uns und die Völker der Welt.

Was da heraufzieht, und wem da Schöder den Weg bereitet – ist das Faschismus? Droht er uns wieder? Ist Schröder ein Wegbereiter, wie Papen einer war ?

Der kommunistische Historiker Kurt Paetzold antwortet, und ich teile seine Meinung: 

Diese kapitalistische Gesellschaft muss nicht faschistisch geprägt sein, um barbarisch zu werden. Sie ist es.

Schröder und die Milliardäre haben keine Alternative zur Barbarei. Liebe Freunde und Friedensbewegte! Wir haben eine. Sie lautete immer gleich. Ob 1789, ob 1848, ob 1918, so auch heute: Wir legen ihnen das Handwerk! Unsere Alternative ist: 

Aufruhr gegen die Milliardäre!

Boykott aller scheindemokratischen Veranstaltungen!

Sabotage des Unterdrückungsapparats!   

 

Die Alternative heißt  

Aufruhr - Boykott  - Sabotage.

 

T:I:S, 16. August 2004

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