Joachim Bruhn

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Wer oder was ist eine Seuche?

Leserbrief vom 2. Juni 2003 von Thomas Immanuel Steinberg an Konkret 

Joachim ist manchmal für Krieg, zum Beispiel im Nahen Osten, und Robert immer dagegen. Eines Tages nun will Kriegs-Joachim es dem Friedens-Robert mal richtig geben. Deshalb zitiert er ihn in einer Zeitschrift. Der Friedens-Robert hätte geschrieben:  

„Schluß der ‚Debatte’ mit sämtlichen Hardcore- und Softcore-Bellizisten! ... Die radikale Linke im deutschsprachigen Raum wird sich auch publizistisch neu formieren müssen, wenn sie je wieder von dieser Seuche loskommen will.“   

Man beachte die drei Auslassungspunkte. Kriegs-Joachim kommentiert:  

„Kritik, die ihren Feind zum Querulanten psychiatrisiert, als abnormal denunziert und zum Unmenschen dequalifiziert, d.h. zur ‚Mikrobe’ oder zur ‚Seuche’, ist keine, sondern Demagogie und Propaganda, die intellektuelle Vorwegnahme der Säuberung und der Exekutionskommandos.“  

Kriegs-Joachim folgert gemäß dem Schema: Wer jemand ein Schaf nennt, will ihn scheren und brandmarken.  

Das vollständige Zitat aus dem Text von Friedens-Robert lautete allerdings: 

„Schluß der ‚Debatte’ mit sämtlichen Hardcore- und Softcore-Bellizisten! Der Bellizismus ist nicht satisfaktionsfähig. Die Zeit ist überreif, nach dem inhaltlichen auch den formalen Trennungsstrich zu ziehen. Die radikale Linke im deutschsprachigen Raum wird sich auch publizistisch neu formieren müssen, wenn sie je wieder von dieser Seuche loskommen will. Schluß mit allem Liberalismus und aller Duckmäuserei, Schluß mit allem biedermännischen ‚Verständnis’-Getue gegenüber den antideutschen ideellen Provinzdeppen, von denen die deutsche und österreichische Linke in aller Welt zum Gespött gemacht wird!“[1]  

Friedens-Robert hat also die Kriegstreiberei als Seuche bezeichnet, nicht die Kriegstreiber. Er hat auch nicht zu Säuberung und Exekution aufgerufen, sondern zur Trennung von der Seuche. Nicht Schur und Brandmarkung hat er eingefordert, sondern den Abschied von den Schafen.  

Kriegs-Joachim hat gefälscht.  

Das gefälschte Zitat steht in Konkret.[2] Die Redaktion von Konkret hat nicht anständig redigiert. Genau gesagt: Sie hat unanständig redigiert. In der gleichen Konkret-Ausgabe wird der Redakteur einer gegnerischen Tageszeitung eben mal als Trinker geoutet.[3]  

Kritik, die ihren Gegner als abnormal denunziert und zum Trinker dequalifiziert, ist keine, sondern Demagogie und Propaganda.  

Wohin treibt Konkret?

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Anmerkungen:

[1] Kurz, Robert: Das Spiel ist aus. Gespiegelt bei trend.partisan 04/2003 http://www.trend.partisan.net/trd0403/t010403.html

[2] Bruhn, Joachim: Die niedere Kunst der Demagogie. Konkret Heft 6, Juni 2003, S. 38

[3] von konkret, Konkret Heft 6, Juni 2003, S. 4

 

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