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Eine etwas kürzere und andere Fassung des folgenden Aufsatzes hat die junge welt veröffentlicht. 

Thomas Immanuel Steinberg  

18. Dezember 2001   

Die eurasischen Transportkorridore und die USA

Oder:  Warum Jugoslawien, Tschetschenien und Afghanistan bombardiert werden - und nicht Reitbrook (1)

Zwischen den Kriegen, am 15. Mai 2001, stand in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Neues 'great game' in Zentralasien? Die Stabilität in der Region ist gefährdet - Europa sollte sich aus ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen engagieren" . 
 
Mit "great game" spielt der Autor Achim Schmillen an auf den Versuch Großbritanniens Ende des 19. Jahrhunderts, in Afghanistan der Weltherrschaft näher zu kommen. Damals waren die Gegenspieler Rußland und Persien. Alle Mitspieler dieses Macht- und Schlachtspiels handelten "aus ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen". Je nach Kriegslage changierte ihr Interesse zwischen Stabilität und Destabilisierung. Die Schlacht ging um Verbindungswege, denn Rußland wie Großbritannien träumten von groß angelegten Eisenbahnprojekten. (2)  
 
Achim Schmillen (3) leitet den Planungsstab des Auswärtigen Amtes, und er erarbeitet für den Außenminister sowohl die längerfristigen strategischen Konzepte als auch die mittelfristigen Maßnahmenpläne deutscher Außenpolitik. Vier Monate vor den Kerosin-Bomben auf Welthandelszentrum und Weltverteidigungsministerium schreibt er: In Zentralasien gehe die größte Gefahr vom Taliban-Regime in Afghanistan aus. Europa - mit seiner Führungsmacht Deutschland - solle sich in Zentralasien engagieren.  
 
Das tut es inzwischen. Und Schmillen sagt auch unmißverständlich, warum sich Deutschland engagieren solle: Die Region habe "eine enorme Bedeutung für die internationale Sicherheit im 21. Jahrhundert ... zumal es sich nicht nur um ein Gebiet mit vielen Bodenschätzen handelt, sondern auch um die 'natürliche Kommunikationsbrücke' zwischen Zentralasien, Südasien, China und dem Westen." 
 
Den Ölreichtum vor allem Kasachstans und den Erdgasreichtum hauptsächlich Turkmenistans zu erschließen, hänge "an drei Faktoren: am Transport, der damit verbundenen Beteiligung der großen Mächte und der potentiellen Instabilität der Gegend." 
 
Mein Beitrag handelt demgemäß von Transportkorridoren, von Trassen für Straßen, Wasserstraßen, Schienenwege, Pipelines und Datenkanäle; und zwar im Kriegsgebiet Afghanistan, im Kriegsgebiet Tschetschenien und im Kriegsgebiet Kosovo / Mazedonien.(4)  
 
Das Netz der eurasischen Transportkorridore spannt sich von Westeuropa bis China. Die europäischen Korridore sind numeriert und stehen in unterschiedlichen Realisierungsphasen. Einen Einblick verschafft ein Spaziergang durchs Internet: Radio Free Europe, der US-merikanische Propagandasender aus dem Kalten Krieg, konkurriert da mit der bulgarischen Regierung um Aufmerksamkeit für die gigantischen Trassenbauten. Am umfangreichsten wirkt Traceca, das Korridornetz von Moldava bis Tadschikistan. (5)  
 
Mit groben Strichen will ich die Rolle der beteiligten Mächte Rußland, USA, Iran und Kontinentaleuropa zeichnen und die US-amerikanische und die deutsche Interessenlage zusammenfassen. 
 
 
 
Eurasien, mittlerer und südlicher Teil  
 
Routen: 
 
1. Bis 1998 von CentGas (Unocal, Delta u.a.) geplante Gas-Pipeline 
 
2. Geographisch optimaler Weltmeereszugang durch den Iran; nicht verwirklicht 
 
3. Russisch dominierte Verbindung von Tengis (Kasachstan / US-Konzerne); ging 2001 in Betrieb 
 
4. Traditionelle sowjetische Nordkaukasusroute, durch Tschetschenen seit 1994 unterbrochen 
 
5. Von den USA favorisierte Ölroute Baku-Ceyhan – Umsetzung fraglich (6)  
 
6. Blue Stream, Meeresboden-Gas-Pipeline von Novorossisk (Rußland) nach Samsun (Türkei); Konsortialführer Eni (Italien); im Bau 
 
7. Constanta (Rumänien) – Omisalj (Kroatien) und Triest – westeuropäisches Planungskosnsortium – Umsetzung fraglich 
 
8. Korridor No. 8 von Burgas (Bulgarien) durch Mazedonien entlang der Kosovo-Grenze nach Vlorë (Albanien); US-dominiertes Konsortium AMBO; Bau nicht begonnen, Realisierung unwahrscheinlich. T:I:S, korrigiert am 18. August 2008  
 
 
1. Afghanistan 
 
Zehn Jahre lang, von 1979 bis 1989, kämpften sowjetische Soldaten auf der Seite verschiedener afghanischer Gruppen in Afghanistan hauptsächlich gegen die Mudschaheddin. Die Mudschaheddin wurden von den USA unterstützt. 1989 gab die Sowjetunion zuerst den Krieg, dann sich selber auf. In den Folgejahren wurden die Taliban direkt unterstützt von Pakistan und Saudi-Arabien, indirekt von den USA. So hatten die Taliban etwa 90 es Landes erobert, als die USA sie in diesem Herbst zu bombardieren begannen. Eine wirre Geschichte.(7)  
 
Für die sowjetische Invasion Afghanistans bot der Westen ab 1979 als Erklärung an: Die Russen wollten schon immer ans Meer. Deshalb seien sie in Afghanistan eingefallen. Später wollten sie sich Pakistans bemächtigen. Die USA hätten darauf reagiert mit der Unterstützung der Mudschaheddin.  
 
Der Osten dagegen erklärte: Der CIA hätte die afghanische Opposition geschaffen und mit Geld und Waffen gefüttert, bis die sowjetfreundliche afghanische Regierung habe von der Sowjetunion unterstützt werden müssen. 
 
Welche Erklärung traf zu? Die östliche. In einem Interview des Nouvel Observateur im Jahre 1998 gab Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater von Präsident Jimmy Carter im fraglichen Zeitraum, offen zu: Die USA hätten den Krieg in Afghanistan 1979 angezettelt in der Hoffnung, die Sowjetunion würde intervenieren und daran zerbrechen. (8) Diese Rechnung ist aufgegangen. (9)  
 
Zbigniew Brzezinski lebt immer noch und ist immer noch einer der einflußreichsten Geostrategen des reichen Teils der Welt. In seinem Sinne griffen die USA auf das ehemals sowjetische Mittelasien zu. Neben topologischen, demographischen und allgemein ökonomischen Faktoren sind fossile Brennstoffe ein wichtiger geostrategischer Faktor. 
Wie groß sind die Vorkommen im ehemals sowjetischen kaspischen Raum? 
 
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, schätzt das Gesamtpotential des Kaspischen Raumes (ohne Iran) 1998 für Erdöl auf gut 18 Milliarden Tonnen, für Erdgas auf zirka 24 Billionen Kubikmeter. »Damit ist es etwa doppelt so groß wie das Potential der Nordsee, steht aber deutlich hinter dem Nahen Osten (137 Milliarden Tonnen Erdöl, bzw. 78 Billionen Kubikmeter Erdgas) ... zurück.« (10) Da eine Milliarde Tonnen Erdöl etwa den gleichen Brennwert hat wie eine Billion Kubikmeter Erdgas, sind die kaspischen Öl- und Gasvorkommen etwa ein Fünftel so groß wie die im Nahen Osten. 11)  
 
Allerdings lagert ein erheblicher Teil des Öls in Kasachstan, weit weg von möglichen Nutzern und vor allem nicht am Meer. Das Gas wiederum liegt mitten in Turkmenistan, nicht einmal am Kaspischen (Binnen-)Meer. Wer für Öl und Gas Transportwege schaffen kann, wird also viel Profit einstecken können. 
 
 
 
1. 1 Afghanische Erdgas-Pipeline-Pläne (12)  
 
Für eine Erdgas-Pipeline schloß sich deshalb die Firma Unocal, auf Platz 12 unter den Welt-Ölgiganten, mit der saudischen Delta Oil und kleineren Partnern zum CentGas-Konsortium zusammen, versicherte sich des Schutzes durch die Taliban (13) mit einer Wegezollabsprache über 180 Mio. Dollar jährlich bei Vollauslastung (14) und wollte Trasse Nr. 1 (siehe Karte) von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan an die Arabische See bauen. Diese Trasse ist kürzer und billiger als eine über das Kaspische Meer und durch Aserbaidschan, Georgien und die Türkei hindurch. Außerdem führt sie das Gas hin zu denen, die es besonders dringend brauchen, die also auch mehr dafür zahlen (15) : nach Pakistan und Indien, und eventuell per Tankschiff nach Ostasien. Beim Weg ums Kaspische Meer durch Südrußland ans Schwarze Meer wären Leitungsgebühren und erhebliche Souveränitätseinbußen zugunsten der russische Konkurrenz zu verkraften. 
 
Unocal hat das Projekt jedoch 1998 abgebrochen, einen Tag nach den US-Bombardements der afghanischen Taliban-Ausbildungslager, denen angeblich die Botschafts-Attentäter von Dar-es-Salam und Nairobi entstammten.(16) Vermutete Gründe:  
 
· US-amerikanische Frauenverbände kritisierten die Mißhandlungen afghanischer Frauen unter Taliban-Herrschaft; 
· Unocal befürchtete heimischen Boykott; 
· die Taliban beherrschten Afghanistan nur unvollständig: Iran und Rußland unterstützten die Nordallianz destabilisierten also die Lage für die Taliban und die saudisch-amerikanischen Investoren erfolgreich; 
· die Taliban hatten sich mit Osama bin Laden, dem vermuteten Hintermann der Attentate verbündet;  
· infolge der Ostasienkrise war der Ölpreis drastisch gesunken, wodurch auch die Rentabilität der Gasförderung gesunken war. 
 
Was tatsächlich los war, liegt noch im Dunkeln. Bemerkenswert ist: Die saudische Delta Oil wollte den Gaspipeline-Plan nicht aufgeben. In diesem Zusammenhang eine interessante Spur verfolgt George Caffentzis von der University of Southern Maine (17) : Saudi-Arabien sei 1998 in die Klemme geraten zwischen stagnierenden oder sinkenden Öleinnahmen, wachsenden Sozialproblemen und den dort stationierten 6000 US-Soldaten. Der saudische König und seine Kreise hätten angesichts einer immer stärker werdenden Opposition erkannt, daß sie nur mit dem politisch-militärischen Rückhalt der USA und der Europäischen Union hoffen könnten, in den kommenden Jahren an der Regierung zu bleiben. Deshalb hätten sie begonnen, heimischen saudischen Besitz ausländischen, insbesondere US-amerikanischen Anlegern zugänglich zu machen. Das habe die saudische Opposition gegen Herrscherclan und USA aufgebracht und möglicherweise zu den Attentaten am 9.11.2001 veranlaßt.  
 
Diese Ansicht teilt in groben Zügen Manlio Dinucci: Bin Laden erhoffe sich "die Gelegenheit, eine Allianz von Ländern zu begründen, die den Vereinigten Staaten die Stirn bieten kann, um ihnen die Kontrolle über die Energiequellen, von denen sie in wachsendem Maße abhängig sind, zu entziehen." (18)  
 
Zum weltweiten Wortführer für den Abzug der US-amerkanischen Truppen aus Saudi-Arabien hatte sich Osama bin Laden spätestens mit seiner ersten Video-Ansprache nach dem 11. September gemacht. (19) Diese Ansprache wurde zunächst mit - unwirksamen - Zensurmaßnahmen in den USA belegt und dann von der Presse der Welt unbeachtet liegen gelassen: Sie enthält drei Forderungen: 
 
· Die 6000 GIs sollen Saudi-Arabien verlassen.  
· Die USA sollen Israel nicht mehr unterstützen. 
· Die USA sollen das Embargo gegen Irak aufheben. (20)  
 
Zur ersten Forderung paßt, daß Bush in seiner ersten zusammenhängenden Rede nach den Anschlägen drei Länder hervorhob, in denen angeblich Terroristen gefährlich werden können: Jordanien (warum?) ; Usbekistan - es dient jetzt als Stützpunkt für die USA ; und : Saudi-Arabien. 
 
So könnte hinter dem Bruch zwischen Delta Oil und Unocal der zwischen zwei saudi-arabischen Fraktionen stehen. Und hinter den Anschlägen vom 11. September die eine der beiden Fraktionen. 
 
Nun, da US-Amerikaner und Briten über Afghanistan herrschen, könnte Unocal die Pläne für eine Pipeline-Trasse durchs Land wieder aufnehmen. 
 
 
 
1.2 Kaspische Öl-Pipeline-Pläne: Ist Afghanistan auch dabei? 
 
 
Die größten Ölmengen lagern vermutlich in Kasachstan. Das dortige Tengis-Ölfeld wird von einem Konsortium der größten US-amerikanischen Firmen unter Führung von Chevron ausgebeutet - die gerade eröffnete Pipeline zum Abtransport aber - auf der Karte Nr. 3 - gehört zu 24er Russischen Föderation, zu 19asachstan; der Rest teilt sich so auf, daß russische und kasachische Entscheidungsträger nicht ausgehebelt werden können. (21) Endpunkt der Pipeline ist das russische Novorossisk am Schwarzen Meer. Tag für Tag kann die Pipeline 560 000 Barrel befördern. Diese Menge Rohöl kann Tag für Tag den Sprit für 15 Millionen Autos abgeben. In 10 Jahren kann die Kapazität nahezu verdreifacht werden. 
 

 
Karte entnommen dem Aufsatz "Blood for Oil, Drugs for Arms" bei Truth in Media von Bob Djurdjevic vom 10. April 2000. Die Pipeline-Numerierung stimmt nicht mit meiner überein.

 
 
Das Tengis-Öl wird wohl nie durch Afghanistan fließen. Aber, so meint Ahmed Rashid, Afghanistan-Spezialist beim britischen Daily Telegraph und bei der Far Eastern Economic Review: Das übrige kaspische Öl müßte nicht von Baku über Georgien auf Trasse Nr. 5 (siehe Karte) ans türkische Mittelmeer bei Ceyhan fließen. Es könnte den gleichen kürzeren Weg nehmen, den Unocal und Delta für das Gas vorgesehen hatten: durch Afghanistan an die pakistanische Ozeanküste (Trasse Nr. 1). Das würde nur die Hälfte kosten, falls die eingesetzte afghanische Regierung Sicherheit gewähren kann. (22)  
 
Noch billiger freilich wäre Route Nr. 2 von Baku durch den Iran an den Persischen Golf. Aber das wollen die USA nicht, denn der Iran fügt sich gegenwärtig nicht den Wünschen der USA. 
 
 
2. Tschetschenien 
 
Das azerische Öl fand Jahrzehnte lang seinen Weg über Trasse Nr. 4, die sogenannte Nordkaukasus-Route, ans russische Schwarze Meer. Doch mit dem Zerfall der Sowjetunion strebten einerseits auch kleine Völker im Kaukasus nach Autonomie, andererseits konnten nun fremde Mächte Konflikte schüren, um Rußland oder die neuen Kaukasus-Staaten zu destabilisieren: Georgien mit Südossetien ist aufzuzählen; dann der Krieg um Nagorny-Karabach zwischen dem prorussischen Armenien und Aserbaidschan, das wegen der armenischen Lobby in den USA ohne Unterstützung blieb; weiters die Kriege um Abchasien und  
Adscharien in Georgien; und schließlich sind die beiden Tschetschenien-Kriege zu nennen. 
 
Die Tschetschenen begannen mit Angriffen auf russische Armeekräfte, als ihre Forderungen nach mehr Wegezoll für die Öldurchfuhr nicht erfüllt wurden. Sie rekrutierten sich teilweise aus Gesinnungsbrüdern der Taliban, finanzierten sich aus saudischen, pakistanischen und somit indirekt US-amerikanischen Quellen und wurden mit Waffen versorgt. (23)  
 
Beide Kriege wurden eindeutig um die Öltrasse geführt, die nun seit 1994 stilliegt. Eine Umgehung durch Dagestan mit allerdings geringer Kapazität (100 000 Barrel) wurde gebaut und ist in Betrieb. 
 
Ein zweiter Weg für das so genannte Early Oil, ebenfalls mit nur 100 000 Barrel-pro-Tag-Kapazität, besteht zwischen Baku und Supsa in Georgien (außerhalb Abchasiens und Adschariens). 
 
 
 
3. Kosovo und Mazedonien 
 
Wer bei Jugoslawien nicht an eine humanitäre Intervention glauben mochte und nach handfesten Interessen suchte, wurde schnell belehrt: Im Kosovo gäbe es nichts zu holen. (24) Einer wußte es besser: Dick Cheney, der heutige US-Vizepräsident, war vor seinem Amtsantritt Generaldirektor der Firma Halliburton Energy und ist immer noch ihr Teilhaber. Halliburton ist die größte Öl-Service-Firma der Welt und hat 100 000 Beschäftigte. 
 
 
Die Investitionssumme beträgt 1,13 Milliarden US-Dollar. (25) Die Trasse führt vom Schwarzmeerhafen Burgas durch Bulgarien und Mazedonien, unweit der Grenze zum Kosovo bis Vlorë an der albanischen Adria. Mit ihrer Kapazität (750 000 bbl/d) wird die Pipeline den laufenden Durst von 20 Millionen europäischen Autos stillen können. Der Durchfluß an Rohöl pro Monat in Preisen vom Februar 2001 wird einen Wert von 600 Millionen Dollar haben.  
 
Über die Trasse wacht seit Ende des Krieges gegen Jugoslawien die US-Festung Camp Bondsteel in der amerikanischen Besatzungszone des Kosovo. Sie ist die größte Militärbasis außerhalb der USA seit dem Vietnamkrieg. Ausstattungs- und Versorgungsfirma von Camp Bondsteel: Dick Cheneys Halliburton; Baufirma: Brown & Root Services (26) . Das Auftragsvolumen: 180 Millionen Dollar. (27)  


Quelle: SwiftView
 
Bei AMBO geht es um mehr als eine Balkan-Pipeline für das Konsortium aus den Gruppen BP-Amoco-ARCO, Chevron und ExxonMobil-Texaco: Es geht um den transeuropäischen Korridor Nummer 8 mit Straßen, Tunnels, Brücken, Schienen, Hafen- und Wasserstraßenanschlüssen, Gas- und Glasfaserleitungen. Es geht um die infrastrukturelle Erschließung aller Profitmöglichkeiten auf dem Balkan. (28) Der Schweizer Zeitschrift Zeit-Fragen zufolge sitzen deshalb die Konzerne Bechtel, Enron und General Electric mit im Boot. (29) Die öffentliche Trade and Development Agency (TDA), der deutschen Hermes-Rückversicherung vergleichbar, hat das Projekt abgesichert. Die »Durchlauf«-Länder Bulgarien, Mazedonien und Albanien dagegen mußten staatliche Souveränitätsrechte an AMBO abgeben und sich zum Schweigen über die Pläne des Konsortiums verpflichten. Michel Chossudovsky, Ökonom an der Universität Ottawa meint: Mit AMBO sollte außerdem Total-FINA-Elf, der italienisch-französisch-belgische Konkurrent, ausgeschaltet werden. (30)  
 
Der italienische Ölgigant Eni, unter anderem mit Libyen über eine Mittelmeerleitung gut im Geschäft, hat eine andere Balkanüberquerung für das Öl aus dem Osten im Auge: Vom rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta durchs nördliche Jugoslawien zuerst nach Omisalj in Kroatien soll eine Leitung führen, später bis zum italienischen Triest mit Anschluß an das westeuropäische Pipelinenetz. Auch bei diesem, SEEL genannten, Projekt handelt es sich, wie Matthias George in den Schweizer Zeit-Fragen schreibt, um einen der Korridore des paneuropäischen Netzes. Mit der Gefangennahme Miloševics und der Regierungsübergabe an die jugoslawischen Weltbankangestellten in Belgrad ist auch von Jugoslawien nun alle Unterstützung für dieses westeuropäische Konzerngeschäft zu erwarten. Auf der internationalen Konferenz »Adriatic pipeline – new perspectives for transport of Caspian oil to the European markets«, die im Juni 2000 im Rahmen des Inogate-Programms stattfand, sei genau diese Route als profitträchtigste ausgewählt worden. Die politischen Gründe gegen diese Pipeline seien mit dem NATO-Sieg entfallen, und Kroatien bestünde nicht mehr auf einer kostspieligen Umgehung Jugoslawiens via Ungarn. 
 
Allerdings hat die US-Airforce im jugoslawischen Abschnitt des SEEL-Korridors vier Brücken in die Donau gebombt – womöglich, um dem AMBO-Konsortium den Vorsprung vor der europäischen Konkurrenz zu sichern. (31) Die Brücken sind bisher nicht wieder aufgebaut worden. 
 
 
4. US-amerikanische Kapitalinteressen 
 
Beim Krieg um Afghanistan ist in Erinnerung zu rufen: Die Sowjetunion ist zerschlagen, aber Rußland steht noch. Rußland ist eine Konkurrenzmacht mit Atombomben. Europa könnte sich mit Rußland verbünden, oder Rußland mit dem Iran, oder Saudi-Arabien könnte kippen und anti-US-amerikanisch werden. Die Türkei könnte wackeln, Pakistan kann als kaputtes Land sehr gefährlich sein. Indien könnte pro-russisch bleiben, pro-chinesisch werden... Das alles ist möglich, und die Repräsentanten der neuen US-Regierung wollen das alles verhindern. (32) Wie? 
 
Einmal können sie ihre Vorherrschaft sichern durch die Umsetzung der Erkenntnis eines Spieltheoretikers. Es ist der US-Regierungsberater namens Andrew Marshall: Die USA brauchten zur Weltherrschaft Stützpunkte in allen herrschaftskritischen Gegenden, so seine These. (33)  
 
Mittelasien gehört zu den „herrschaftskritischen Gegenden“ wegen seiner zentralen Lage zwischen Europa, der großen asiatischen Landmasse (Kasachstan, China, Sibirien) und dem Nahen Osten. Eine oder mehrere Festungen dort wären hilfreich. Alle Verkehrswege könnten beherrscht und Bündnisse zwischen benachbarten Mittelmächten wirkungsvoll unterbunden werden – durch lokale Kriege, auch durch direkte Intervention. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten hat in seinen neuesten, alle vier Jahre erscheinenden Statusbericht genau diese Strategie durchzuführen angekündigt. Im Vorwort betont Donald Rumsfeld, der Bericht sei weitgehend vor dem 11. September 2001 fertiggestellt worden. (34)  
 
· Zu den dauerhaften nationalen Interessen der USA zählen dem Bericht zufolge drei Blöcke: Neben der Sicherheit und Handlungsfreiheit der USA als zweiter Block die Beachtung internationaler Verpflichtungen, darunter die, die feindliche Beherrschung kritischer Gebiete wie des Nahen Ostens / Mittelasiens zu verhindern. Der dritte Block ist der Beitrag zur ökonomischen Wohlfahrt, darunter der Zugang zu strategischen Ressourcen. 
·  
Zu den (vier) Zielen der Verteidigungspolitik zählt Rumsfeld als zweites, künftige militärische Konkurrenz zu verhindern. 
·  
Der Vorwärts-Abschreckung dienen sollen regional zugeschnittene Kräfte auch im Nahen Osten / in Mittelasien. 
·  
Die US-amerikanischen Streitkräfte sollen sich neu orientieren. Ein System von Militärbasen ist zu entwickeln, das den US-Streitkräften größere Beweglichkeit in kritischen Zonen der Welt gewährt, wobei das Schwergewicht liegt auf zusätzlichen Basen und Stützpunkten außerhalb Europas und Nordostasiens, also auch im Nahen Osten / Mittelasien als einem der beiden verbleibenden Großräume.  
 
 
Von diesen Standorten aus wird es dann auch möglich, andern Ländern den Öl- oder Gashahn abzudrehen. 
 
 
5. Zwischenbilanz 
 
Öl und Gas im kaspischen Raum machen etwa ein Fünftel der Menge des Vorderen Orients aus. Wieviel ist das, und welchen Wert haben diese Ressourcen? 
 
Der Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover zufolge lagern etwa 18 Milliarden Tonnen im Kaspischen Raum. (35) Das sind etwa 5er Weltreserven an Erdöl. Wieviel ist das Öl wert? 
 
Bei dem zur Zeit niedrigen Rohölpreis von 22 $ je Barrel sind das - grob gerechnet - 2,8 Billionen $. (36) Hinzu kommen der gleichen Quelle zufolge geschätzte 24 Billionen Kubikmeter Erdgas. Erdgaspreise steigen und fallen mit dem Erdöl. Der Heizwert von 1000 Kubikmetern Erdgas ist etwa so hoch wie der von einer Tonne Rohöl. Erdöl und Erdgas im Kaspischen Raum zusammen dürften demnach etwa 7 Billionen $, also etwa 15 Billionen DM wert sein. 
 
Wieviel ist das?  
 
Gesetzt, ein bundesdeutsches Einfamilienhaus ist im Schnitt 300 000 DM wert. Dann haben kaspisches Öl und Gas den gleichen Wert wie 50 Millionen bundesdeutsche Einfamilienhäuser. Soviele Einfamilienhäuser, wie es in Deutschland gar nicht gibt. 
 
Und Bush (37) , Cheney und Rice profitieren direkt und ganz persönlich obendrein bei jedem Ölgeschäft: Bush als Teilhaber der Carlyle Group, Cheney als Anteilseigner an Halliburton, der Ölservicefirma mit 100 000 Angestellten. (38) Auch Rice, früher Vorstandsmitglied von Chevron, wird ihrem Konzern noch finanziell und ideell verbunden sein. 
 
Diesen massiven US-amerikanischen Konzern- und Privatinteressen hat sich nicht irgendwer widersetzt: bin Laden, die Taliban, einige Saudis. Nein, hier hat sich die ganze Region widersetzt. Iran hat die Nordallianz gefördert, Rußland auch. Europa, sprich Deutschland, hat längst wieder Geschäfte mit dem Iran gemacht (39) , Rußland hat im August 2001 zusammen mit der Türkei den Bau der Blue Stream Gas-Pipeline am Schwarzmeeresboden begonnen – und zwar durch Saipem, eine Tochterfirma der italienischen Eni mit Ruhrgasbeteiligung. Ein monströser Prahm von Saipem zur Leitungsverlegung schwamm im August 2001 an Istanbul vorbei ins Schwarze Meer, um in Samsun die Arbeit aufzunehmen. (40)  
 
Es bestand also die Gefahr, daß die Geopolitik den US-Amerikanern aus den Händen gleitet. Zudem hat sie sich zurückgezogen, als die Taliban immer noch nicht die Hoheit über das ganze Land hatten! Was genau der Grund war, ist im Dunkeln. Haben die Taliban mehr Wegezoll gewollt, so, wie die Tschetschenen von den Russen? Drohte in Pakistan oder Saudi-Arabien ein Putsch durch bin-Laden-Anhänger?  
 
Die Tengisfelder in Kasachstan gehören zwar mehrheitlich Chevron und den andern US-Giganten, die Pipeline, gerade eröffnet, führt aber nach Novorossisk – und das ist Rußland, keine US-Kolonie. 
 
In dieser Lage eine Festung in Usbekistan oder Tadschikistan errichten können mit der Begründung, Afghanistan müsse im Schach gehalten werden, heißt für die US-Imperialisten: Kommen wir an Gas und Öl vielleicht nicht gleich heran, so die andern, die Saudis, Russen und die Iraner doch auch nicht. Das ist ein Machtvorteil.  
 
Schließlich ist die Afghanistanroute besonders interessant, weil unter Rohstoffmangel nicht Europa oder die fernen USA leiden, sondern Pakistan (140 Mio. Einwohner), Indien und China. Am Indischen Ozean kann folglich mit Gas und Öl mehr verdient werden als am Mittelmeer. 
 
Ökonomisch freilich könnte sich der Afghanistan-Krieg vorerst nur für die US-amerikanische Rüstungsindustrie lohnen. Dieter Lohaus sieht deshalb Washingtons Ausweg aus dem Dilemma, einen Krieg zu führen, der den Ölunternehmen nicht viel bringt, darin, das Kriegsziel auszuweiten auf das lohnendste Ziel der Großregion: das Öl des Irak. (41)  
 
 
6. Deutsche Kapitalinteressen 
 
Rechtzeitig vor der Bundestagswahl 1998 zeigte der SPD-Bundestagsabgeordnete Gernot Erler mit einem Positionspapier seiner Fraktion den deutschen Wirtschaftsführern, daß er weiß, worum in Mittelasien gespielt wird: (42)  
 
Bei heutigen geopolitischen Diskussionen schwinge die Erinnerung an deutsche und britische Geopolitiker mit, die sich um 1900 vorstellten, „daß eine politische Kontrolle über diese Brückenregion zwischen Europa und Asien die Tür zur Weltherrschaft öffne.“ Jede Entscheidung über die Führung der Pipelinenetze nütze jeweils einer Partei, benachteilige aber eine andere. Unter Umständen könne „eine zweite Golfregion entstehen – nicht im Sinne des Umfangs der Energiereserven, sondern im Sinne einer Reproduktion jener Spannungen und Interessengegensätze, die im Nahen Osten schon mehrfach zu blutigen Kriegen geführt haben.“ Deutschland verfolgte am Kaspischen Meer neben politischen wirtschaftliche Interessen. Sie lägen im Bereich Straßenbau, Verkehrssysteme, kommunaler Infrastruktur, Telekommunikation, Rundfunk und Fernsehen und in der Erzeugung und Verteilung von Strom. 
 
Die bisherige (von der Kohlregierung bestimmte, TIS) Handhabung der deutschen Hermes-Bürgschaften – einer Art Rückversicherung - wirke alledings expansionshemmend. 
 
Zu den kaukasisch-mittelasiatischen Konfliktpotentialen bemerkt Erler: Einerseits sei „der Kreml“ in der Lage, bei politisch-wirtschaftlichem Bedarf die kasachischen Russen gegen ihre Regierung aufzuwiegeln. Andererseits gelte: „Auch die ‚tschetschenische Karte’ läßt sich jederzeit ziehen, zumal die wichtigste russische Pipeline für 147 km mitten durch Tschetschenien läuft und die bereits geplante Umgehung (durch Dagestan, TIS) wohl kaum gegen tschetschenische Sabotageakte zu schützen wäre.“ Wen könnte Erler gemeint haben, der da eine ‚tschetschenische Karte’ ins Spiel zu bringen vermag? Wer kann via Tschetschenien gegen Rußland sticheln? Von Erler erfahren wir das nicht. 
 
Erler bemerkt allerdings des weiteren und ebenso nüchtern, daß erstens die USA „um jeden Preis“ eine Kontrolle Rußlands über ehemals sowjetisches Gebiet und „jegliche Einflußnahme des Irans verhindern“ würden; und daß zweitens die russischen Pipelines nun einmal Rußlands Kapital und Rußlands Kontrollmacht zu mehren hätten. Zwischen der Containment-Politik der (Clinton-)Regierung gegenüber Rußland und besonders dem Iran und den für eine „vernünftige“ Lösung der Pipelinefragen offeneren US-Ölkonzernen bestünden allerdings Differenzen.  
 
Erler warnt schließlich vor wachsenden Einkommensunterschieden, Rechtsverletzungen und Blockbildungen. Würde die kaspische Region ein Schlachtfeld, wäre es für die Region das Schlimmste und für ganz Europa eine politische Niederlage. 
 
Drei Jahre nach Gernot Erlers Grundsatzpapier bestätigt ein Vertreter der deutschen Wirtschaft in Sachen Zentralasien den Sozialdemokraten so, als hätte Erler sich damals bei ihm erkundigt. In einem Interview mit der jungen Welt erklärt der Mann: „Aber wenn Sie beispielsweise das gegenwärtig für uns wichtigste Land Kasachstan nehmen, dann spielen da die Erdöl-nachgelagerten Bereiche (Anlagenbau, Telekommunikation, Maschinenbau oder Bausektor) eine große Rolle.“ (43)  
 
Namen deutscher Firmen tauchen demgemäß bei kaspischen Aktivitäten auf, wenn auch eher an zweiter Stelle: So ist Konsortialführerin beim Meeresbodenpipelinebau durchs Schwarze Meer (Blue Stream) Saipem, eine Tochterfirma des italienischen Eni-Konzerns. Lediglich beteiligt: die Ruhrgas AG. Den anderen Mitgliedern der Europäischen Union war laut Guardian die ressourcen-strategische Bedeutung von Kaukasus und kaspischen Raum deutlich. Die schwedische Außenministerin Anna Lindh und der Kommissar für Äußeres in der Europäischen Kommission, Chris Patten sagten im Februar 2001: "Die EU kann es sich nicht leisten, den südlichen Kaukasus zu ignorieren. Georgien, Armenien und Aserbaidschan bilden einen strategischen Korridor, der Europa mit Zentralasien verbindet." (44)  
 
Gernot Erler hat 1998 erkannt, was der eingangs zitierte Stabsleiter im Außenamt, Achim Schmillen 2001 nur in FAZ-kompatible Worte fassen mußte. Der schrieb ja, beim Kaspischen Becken handele es sich eben „nicht nur um ein Gebiet mit vielen Bodenschätzen .., sondern auch um die 'natürliche Kommunikationsbrücke' zwischen Zentralasien, Südasien, China und dem Westen.“ 
 
Und so lenkten denn der US-Präsident und seine Minister wenige Monate später ihre Militärmaschinerie nach Afghanistan, auf diese natürliche Kommunikationsbrücke. Dort stürzt sie nicht einmal ab. (45)

 

 
Anmerkungen und weitere Literatur 

 
(1) 1937 wurden die Öllagerstätten von Reitbrook in den Hamburger Vier- und Marschlanden erschlossen, siehe Mobil: Erdöl und Erdgas: Suchen, Fördern, Verarbeiten. Mobil Oil AG, Öffentlichkeitsarbeit, 13. Auflage 1997 Ein paar ölfördertypische "Pferdeköpfe" stehen noch in der Landschaft.  
(2) Rashid, Ahmed: Taliban. Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad.- München: Droemer 2001 www.droemer.de  
(3) Schmillen Achim: Neues "great game" in Zentralasien? Die Stabilität in der Region ist gefährdet - Europa sollte sich aus ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen engagieren. In: FAZ, 15. Mai 2001 
(4) Die europäischen und eurasischen Transportkorridore nach gegenwärtigem Planungsstand führt auf freerepublic: Balkan pipeline under way soon. www.freerepublic.com/forum/a3b9183b80f57.htm   
(5) Zur Illustration Links zu Traceca http://www.scottwilson.com/page/tracecapublic/org 
 , nach Slowenien www.uvi.si/eng/new/background
-information/transport-potential/
  zur EU  www.europa.eu.int/comm/external
_relations/see/actions/linking_up_region.pdf
   , nach Bulgarien www.mtc.government.bg/en/transport/Documents/politics/pan4.htm www.bfia.org/Infrastructure_Projects/transport.htm   http://www.bfia.org/Infrastructure_Projects/corridor8.htm     
und zu Radio Free Europe www.rferl.org/nca/features/2000/03/F.RU.000328133429.html   
(6) Reuters meldete allerdings Ende Oktober 2001: ”Russia and its energy companies have shown increasing interest in the US-backed Baku-Ceyhan oil pipeline in the Caucasus and likely will end up participating in the project, US officials and analysts say …” 6. Dez. 2001 www.gasandoil.com/goc/news/ntc14921.htm  
(7) Einen kundigen Überblick über die jüngeren Entwicklungen hat vorgelegt Baraki, Matin: Ursachen, Verlauf und Perspektive des Afghanistan-Konflikts. In: Kalaschnikow 13/2 1999, S. 85 - 91 www.kalaschnikow.revolte.net/archiv/a13/a13baraki.html   
(8) Nouvel Observateur N° 1732,15.-21. Januar 1998, S. 76: Les révélations d'un ancien conseiller de Carter. Oui, la CIA est entrée en Afghanistan avant les Russes...  
Original siehe http://steinberg.populus.ch/rub/7  ; englische Übersetzung: www.emperors-clothes.com/interviews/brz.htm   
(9) Zur Entwicklung bis 1996 siehe den Überblick von Bozdag, Abidin: Um Öl und Gas. Internationale Konfliktlinien im Kaukasus und in der kaspischen Region. Blätter für deutsche und internationale Politik 5/96, S. 1342 - 1352 
(10) Rempel, H.: Ressourcen im Kaukasus. Vortrag auf der Internationalen Tagung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik "Der Kaukasus: eine strategische Region im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen" in Berlin am 23.02.2000 http://www.bgr.de/b123/kaukasien/kaukasus.htm  
(11) Die Angaben der Bundesanstalt aus dem Jahre 2000 zum Gesamtpotenzial liegen weit über denen etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung von 1998 über nachgewiesene Erdöl- und sichere Erdgasreserven, siehe DIW-Wochenbericht 24/98 http://www.diw-berlin.de/deutsch/publikationen/
wochenberichte/docs/98-24-2.html
  , das sich seinerseits auf die Energy Information Administration des US Department of Energy vom Oktober 1997 beruft http://www.eia.doe.gov/emeu/cabs/caspian.html    
(12) Die komplexen Zusammenhänge zwischen Gas- und Ölinteressen, geostrategischen, ethnischen und religiösen Hintergründen sind konzise dargestellt bei Bimboes, Detlef: Der Kampf um das Öl am Kaspischen Meer. Daten, Fakten und Trends bis Anfang September 2001. Kassel, Friedensratschlag, Oktober 2001 
(13) Haubold, Erhard: Mobilmachung gegen den Terrorismus in Südasien. Frankfurter Allgemeine, 21.12.2000 
(14) lt. Monbiot, George: America's Pipe Dream. A Pro-Western Regime in Kabul Should Give the US an Afghan Route for Caspian Oil. In: Guardian 23. Oktober 2001 http://wwwcommondreams.or/views01/1023-10.htm  hatte Unocal einige Taliban nach Houston, Texas eingeladen und ihnen 15 Cent pro Tausend Kubikfuß Gas angeboten für den Durchfluß durch das Land, das sie erobert hatten.  
(15) Europa wird mit Gas vor allem aus Rußland vorerst ausreichend beliefert. 
(16) Vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Repräsentantenhauses wurde am 12. Februar 1998 der Vizepräsident von Unocal befragt. 107th Congress, 1st Session: Testimony By John J. Maresca, Vice President, International Relations,UNOCAL Corporation - To House Commitee On Intenational Relations, Subcommittee On Asia and the Pacific. February 12, 1998, Washington , D.C http://www.sumeria.net  Die Aussage streicht die Bedeutung des Pipelinebaus für die Vereinigten Staaten heraus.  
(17) Caffentzis, George: An Essay on the Events of September 11, 2001 Addressed to the Antiglobalization Movement , Oct 6/2001 http://www.de.indymedia.org/2001/10/8760.html  und Folgeausgaben; deutsch leicht gekürzt unter http://www.jungewelt.de/2001/11-27/008.php   , http://www.jungewelt.de/2001/11-28/008.php  und http://www.jungewelt.de/2001/11-29/008.php
(18) Dinucci, Manlio: Il Manifesto, 18.10.2001; deutsch in Lohn der Angst - Ölinteressen in Afghanistan. Austria independen media center http://austria.indymedia.org/front.php?article_id=3973&group=webcast  
(19) Erste Video-Ansprache nach dem 11. September 2001, siehe Steinberg, Thomas Immanuel: Gegen wen führen die USA Krieg? unter http://www.steinberg.populus.ch/rub/2  
(20) BBC: In full: Al-Qaeda statement. Wednesday, 10 October, 2001, 02:07 GMT 03:07 UK  
http://news.bbc.co.uk/hi/english/world/middle_east/newsid_1590000/1590350.stm
Nur wenige Journalisten haben verstanden und auch ausgesprochen, daß Fundamentalisten wie die um bin Laden nicht religiös, sondern politisch bewegt sind. Zu ihnen gehört Fahrni, Oliver: Die Wurzeln des Terrors. Die Woche, 21. September 2001, S. 4 u. 5. Fahrni nennt die Ungeheuer, die die US-Amerikaner selbst gezüchtet haben, zutreffend grüne Faschisten. 
(21) (CPC pipeline loads first tanker with crude at Black Sea terminal. Alexander's Gas & Oil Connections 6/22, Nov. 21, 2001, siehe http://www.gasandoil.com/goc/news/ntc14700.htm  
(22) Ahmed Rashid: Russia anxious over grip on oil as US firms join Great Game. Alexander's Gas & Oil Connections 6/22, Nov. 21, 2001, siehe http://www.gasandoil.com/goc/news/ntr14767.htm  
(23) Ahmed Rashid: Taliban.
Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad. Mit einem Geleitwort von Heiko Flottau. Aus dem Englischen von Harald Riemann. München: Droemer 2001 
(24) In den Tagen vor dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien tat sich in Hamburg ein Mann besonders stark hervor mit der Verhöhnung von Mitbürgern, die strategisch-wirtschaftliches Kalkül hinter der Fischer-Scharpingschen Humanitätsheuchelei vermuteten: Dr. Martin Schmidt, Bürgerschaftsabgeordneter der GAL. Er tritt auch besonders entschlossen für den Krieg gegen Afghanistan ein. 
(25) Albrecht, Christoph: Die große Pipeline-Verschwörung. Frankfurter Allgemein, 27. August 2001 
(26) Finney, Dana: Egeneers build two ‘towns’ in Kosovo. ArmyLINK News http://wwwdtic.mil/armylink/news/Sept1999/a19990902ktowns.html   
(27) Cohn, Marjorie : Cheney’s Black Gold : Oil Interests May Drive US Foreign Policy.
Chicago Tribune, August 10, 2000 www.commondreams.org/views/081000-102.htm  
(28) Chossudovsky, Michel: America at War in Macedonia, siehe http://www.transnational.org/forum/meet/2001/
Chossudov_AMBOMacedonia.html
  deutsche Rohübersetzung: Die amerikanische Kriegsführung in Mazedonien, siehe http://steinberg.populus.ch/rub/7 
(29) Zeit-Fragen, siehe http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_82d/T01.HTM   
(30) Chossudovsky, Michel: America at War in Macedonia, siehe http://www.transnational.org/forum/meet/2001/
Chossudov_AMBOMacedonia.html
  , deutsche Rohübersetzung: Die amerikanische Kriegsführung in Mazedonien, siehe http://steinberg.populus.ch/rub/7  
(31) Zeit-Fragen, siehe http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_82d/T01.HTM  
(32) Klare, Michael T.: La tentation unilatérale des Etats-Unis. Les trois pilliers stratégiques de Washington. Le Monde diplomatique, Juillet 2001, p.6. Ähnlich Golup, Philip S. : Die Bush-Administration und die Doktrin der Vorherrschaft. Ein Kabinett des kalten Kriegs. Le Monde diplomatique, 13.07.2001 
(33) vgl. Thomson, Nicholas: Besting The Brightest. The Washington Monthly, September 2001 www.washingtonmonthly.com/books/
2001/0109.thomson.html#byline
  Laut Johannsen, Referent in der Evangelischen Akademie Nordelbien, Hamburg, am 4. Dezember 2001, gehen die strategischen Vorstellungen der neuen US-Regierung auf Marshall zurück.  
(34) Department of Defense: Quadrennial Defense Review Report http://www.defenselink.mil/pubs/qdr2001.pdf  Washington, 30. September 2001. Mittelasien und der Festungsbau sind Kernpunkte des Reports. Laut Vorwort von Verteidigungsminister Rumsfeld würden die Terrorangriffe (erst später nannte man sie Krieg) in wichtigen Punkten die strategische Richtung und die Planungsprinzipien bestätigen, die aus der Review hervorgingen. Nur müsse nun schneller in der eingeschlagenen Richtung vorangeschritten werden. (pdf-Datei, 76 Seiten) 
(35) Rempel, H. (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover): Ressourcen im Kaukasus. Vortrag auf der Internationalen Tagung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik "Der Kaukasus: eine strategische Region im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen" in Berlin am 23.02.2000 http://www.bgr.de/b123/kaukasien/kaukasus.htm  Angaben zum Kaspischen Raum jeweils ohne den Iran. 
(36) Das Barrel ist ein Hohlmaß für 159 Liter, die Tonne jedoch ein Gewicht von 1000 kg. Bei einer angenommenen mittleren Dichte für Rohöl von 0,875 (DEA Mineraloel AG, Hamburg, http://www.dea.de/1164.htm  ) sind 18 Milliarden Tonnen kaspische Reserve also 
18 Milliarden : 0,159 : 0,875 x 22 $ = 2,8 Billionen $. 
Genau genommen, haben sie diesen Wert erst am Ort der Raffinierung.  
(37) Enron, die texanische Firma, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, wird von einem Freund der Familie Bush geleitet. Enron hatte 50 Mio. Dollar für Bushs Wahlkampf gespendet. Tätigkeitsfeld: Pipelines. In: Die Rente ist sicher weg. Jungle world, 49/2001 www.jungle-world.com/_2001/49/20a.htm   
(38) Vor und während der Amtszeit von Cheney als CEO (Generaldirektor) von Halliburton scheute sich die Firma nicht, Geschäfte mit Staaten zumchen, die von der Clinton-Regieung als Schurken- (rogue) Staaten bezeichnet wurden. Bruno; Kenny und Jim Valette: Cheney and Halliburton: Go Where the Oil Is. Multinational Monitor magazine, May 2001. www.thirdworldtraveler.com/Oil_watch.html  berichten, daß Halliburton Parnterschaften schuf mit Aserbaidschan, Indonesien, Iran, Irak, Libyen und Nigeria.  
(39) Ebermann, Thomas: Maß des Mitwirkens. In Konkret 11/2001, S.10-13 
(40) Frantz, Douglas (Istanbul): Russia's New Reach: Gas Pipeline to Turkey.
In New York Times, June 8, 2001 http://www.nytimes.com/2001/06/08/
world/08CASP.html?searchpv=
  berichtet: Die Erdgas-Pipeline - ein Drei-Milliarden-Dollar-Projekt mit Namen Blue Stream – wird durchs Schwarze Meer in der Rekordtiefe von über 2000 m am gebirgigen Meeresboden verlaufen. Der Landabschnitt von Samsun nach Ankara ist bereits fertig. Die Abhängigkeit der Türkei vom russischen Erdgas wird bei Realisierung von jetzt 66uf ungefähr 80 teigen. Die vorgesehene Baufirma "Stroitransgaz" gehört zu 12 Prozent den Söhnen von Viktor Tschernomyrdin, dem zeitweiligen russischen Verhandlungsführer bei "Gazprom" und jetzigen russischen Botschafter in der Ukraine.Ein von der amerikanischen Regierung favorisiertes Gasleitungsprojekt von Turkmenistan durch das Kaspische Meer, Azerbeidschan und Georgien in die Türkei unter völliger Umgehung Rußlands sei dagegen praktisch abgeschrieben. Turkmenistan wird stattdessen voraussichtlich sein Erdgas an Rußland oder den Iran verkaufen. 
(41) Lohaus, Dieter: Phase II - Krieg gegen Irak geplant. In: Marxistische Blätter. November 2001 
(42) Erler, Gernot, Friedemann Müller und Uwe Stehr: Zukunftsregion Kaspisches Meer. Deutsche Interessen und Europäische Politik in den transkaukasischen und zentralasiatischen Staaten. Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion. Bonn: Cicero Werbeagentur, Juni 1998 http://www.gernot-erler.de/ot/ot1.html  
(43) Zentralasien: Mehr Chancen für deutsche Unernehmen? jw sprach mit Anton Vogt, Geschäftsführer des Länderarbeitskreises Zentralasien im Ost-Ausschuß der Deutschen Wirtschaft http://www.jungewelt.de/2001/11-17/014.php  
(44) Norton-Taylor, Richard: The new Great Game. Guardian ,March 5, 2001 www.guardian.co.uk/Archive/Article und auf deutsch http://europa.eu.int/comm/external_
relations/news/patten/ft_20_02_01_de.htm
   
(45) Weitergehende plausible Einschätzungen der gegenwärtigen und künftigen Rolle Deutschlands im Kampf um Öl, Transportwege, Machtposition und Kriegsbeteiligung in Ebermann, Thomas: Maß des Mitwirkens. In Konkret 11/2001, S.10-13; Trampert, Rainer: Die Tragödie als günstige Gelegenheit. Disko extra in Jungle World Nr. 42 v. 10.10.2001, S.II - V. Eine klare, durchdachte Analyse liegt vor als Diskussionspapier zum Friedensseminar des Hamburger Forums für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V. am 15. Dezember 2001 in der Hochschule für Wirtschaft und Politik, Hamburg: Baumann, Ellen: Globalstrategische Hintergründe des Krieges in Afghanistan. November 2001 (Typoskript) 
 
 
 
Weitere Literatur: 
 
Cheterian, Vicken (Text) und Philippe Rekacewicz (Karten): Krisenherd Zentralasien. Le Monde diplomatique, November 2001, S. 12 
 
Ehrhardt, Hans-Georg und Oliver Thränert: Die Rolle von NATO, EU und OSZE in der Kaspischen Region. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 43-44/98 v. 16.Oktober 1998 
 
Garnet, Sherman W. , Alexander Rahr und Koji Watanabe: Der Kaspische Raum vor der Herausforderung der Globalisierung. Die Verantwortung der Trilateralen Staaten für die Stabilität der Region. Ein Bericht an die Trilaterale Kommission. Opladen: Leske Budrich 2001 
 
Government sets ambitious growth goals.
Interview mit Kurannazar Nazarov, turkmenischer Minister für Öl und Erdgas. Petroleum Economist, 11/2001, S.15f 
 
Halbach, Uwe und Friedemann Müller: Persischer Golf, Kaspisches Meer und Kaukasus. Entsteht eine Region strategischen europäischen Interesses? Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit. Berlin: SWP-Studie. Feb 2001 
 
Hirsch, Joachim: Globalisierung und Terror. Internationale Gewaltverhältnisse und die Perspektiven linker Politik. Subtropen. In jungle world Nr. 46 v. 07.11.2001 S1f 
 
Israel, Jared, Rick Rozoff und Nico Varkevisser: Was will Washington in Afghanistan? v. 22. September 2001 http://emperors-clothes.com/german/articles/d-afghan-i.htm (What America wants in Afghanistan http://emperors-clothes.com/analysis/afghan.htm  )  
 
Kreikemeyer, Anna: Konflikt und Kooperation in der Kaspischen Region: Russische Interessenlagen. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 43-44/98 v. 16.Oktober 1998 
 
MacFarlane, S. Neil: Amerikanische Politik in Zentralasien und im Transkaukasus. Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 43-44/98 v. 16.Oktober 1998 
 
Mahajan, Rahul and Robert Jensen: A War of Lies. In: Counterpunch, October 8, 2001L http://www.counterpunch.org/jensen7.html   
 
Müller, Friedemann: Ökonomische und politische Kooperation im Kaspischen Raum. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 43-44/98 v. 16.Oktober 1998 
 
Schröder, Ralf: Kabul Gate. Konkret 12/2001, S. 35 – 38 
 
US Department of Energy, einige Links:
 
www.eia.doe.gov      
www.tda.gov/summaries/pdfs/99-70008A.pdf   
www.eia.doe.gov/emeu/cabs/afghan.html        

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