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Kunstkritik

Alsterarkaden, 24. August 2005 Foto: tofoto

Die Sonne scheint, die Reederei-Fahnen flattern im Wind. Unser Kurzer füttert die Schwäne im Alsterfleet, obwohl’s verboten ist. Das hätte vor 68 keiner gewagt, einfach so dem Unrecht zuschauen. Wir aber lassen den Astralkörper baumeln und lesen auf der mächtigen Säule am Tor zur Welt:

 

VIERZIG

TAUSEND

SÖHNE

DER STADT

LIESSEN

IHR LEBEN

FÜR EUCH  

1914 - 1918  

 

Schlicht ist die Säule gestaltet, wie eine Zigarettenschachtel extra long, doch zunächst gehört der Text verstanden. Für uns Hamburgerinnen und Hamburger haben diese Söhne etwas gelassen. Das war sicher lieb gemeint, die Begeisterung groß, als der kaiserliche Herzog-Vorläufer keine Ausländer mehr kennen wollte, nur noch Deutsche. Aber später kann doch nicht nach Rosen gerochen haben, was da für uns gelassen wurde. Man bedenke: Sohnesleben, Stücker VIERZIG TAUSEND. Bis zum Rathausmarkt muß es rübergestunken haben von Verdun her, pfui Deibel! Schlimmer als die Hauptbahnhof-Südseite, ekliger als die Gullys in der Hopfenstraße. Vielleicht so wie die Ratten in der Isebek bei Hochwasser. Also gemahnt uns der Text an den Gestank. Kann bleiben. Die Säule sollte freilich nachgearbeitet werden: eine Kerbe hier, etwas Abrundung dort und da - und fertig ist der Stinkefinger. Wir aber ziehen die Beine ein und gehen erstmal Eis essen.  

24. August 2005 Foto: tofoto 

Thomas Immanuel Steinberg, 21. Juli 1997  

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