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Thomas Immanuel Steinberg 

Pipelines und Teddybären

Veröffentlicht in Konkret 12/2002, S. 18- 21  

Grenville Byford, Unternehmer aus Boston, mißfällt Bushs Terrorrhetorik. Denn Terror, schreibt er in "Foreign Affairs", dem Club-Journal des New Yorker Council on Foreign Relations, sei nur ein Mittel. "Interessen zuerst; an zweiter Stelle die Ziele; an dritter die Mittel – so denkt Amerika. So sollte es auch sprechen."(1) Wessen Interessen, welche Ziele verfolgen die USA mit ihrer Kriegspolitik?  

Anders dagegen Herta Däubler-Gmelin, die mit Schröder und Fischer die USA beim Angriff auf Jugoslawien und Afghanistan unterstützt hat: Den USA gehe es im Irak nicht um Öl. Das Ganze sei nur ein Manöver, eine beliebte Methode, um von inneren Problemen abzulenken. Siehe Thatcher Anfang der 80er Jahre, siehe auch bereits Hitler.(4)

Noch anders Jared Israel, im Internet unter Emperor's Clothes. Er hat zum Kosovo-Krieg, zu den New Yorker Anschlägen und zu den Kriegszielen der USA sorgfältig recherchiert und meint, in Mittelasien gehe es den USA gerade nicht um Öl. Die Weltherrschaft sei das Ziel. Rußland solle zerschlagen werden. Daß Rußland auf der Höhe von Kasan geteilt werden könnte, befürchtete kürzlich auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer im Deutschlandfunk. Deutschland und Frankreich hingegen, mit Kontinentaleuropa im Schlepptau, agieren wie bisher teils als Partner, teils als Konkurrenten der USA, nicht als ihre Gegner. Deutschland stellt immer wieder Territorium und Luftraum für US-amerikanisch geführte Angriffskriege zur Verfügung, egal, was gerade der Kanzler redet (siehe Stefan Frank in KONKRET 10/2002).  

Werden also die Kriege im Nahen Osten und in Mittelasien um Öl geführt oder aus Gründen US-amerikanischer Innen- bzw. Außenpolitik? Oder um alles zusammen?

Für Irm Pontenagel von eurosolar e.V. ist klar: "Schon seit Jahrzehnten werden um das Erdöl Kriege geführt und Bürgerkriege geschürt. ... Ohne westliche Ölinteressen hätten die Taliban keine Terrorherrschaft in Afghanistan errichten können. Zugunsten der Ölinteressen werden Menschen aus ihren Lebensräumen vertrieben, von Angola bis in den Sudan. ... Die Abhängigkeit vom Öl macht zudem die Chancen der meisten Entwicklungsländer zunichte, sich wirtschaftlich zu entwickeln."(5) Deshalb plädiert Pontenagel mit Hermann Scheer, der ihrem Verein vorsitzt und als SPD-Abgeordneter im Bundestag die Angriffe auf Jugoslawien und Afganistan durchgewunken hat, für Solarenergie. Sonnenschein gäbe es reichlich. Er müsse nur richtig genutzt werden, dann hätten die Ölkriege ein Ende.  

eurosolar denkt so wie die Kindergärtnerin, die zwei Kinder um einen Teddybären streiten sieht: Sie reicht ihnen einen zweiten Bären. Ob die Schlichtung klappt, ist jedoch noch immer Glücksache, denn hinter so einem Streit steckt häufig mehr. Doch was?  

Offenbar lassen sich die Förderkapazitäten für Erdöl – und für Erdgas – nicht so schnell ausbauen, wie die Nachfrage steigt. Der Zeitpunkt ist nah oder schon erreicht, an dem Öl- (und Ergas-)Preis nicht konjunkturell oder spekulationsbedingt steigen, sondern wegen einer weltweiten strukturellen Deckungslücke. Die verbleibenden Reserven, egal wie groß, sind schlechter zugänglich als die zuerst erschlossenen. Die Förderung von Öl läßt sich daher nicht mehr in gleichem Maße steigern wie die weltweite Produktion von ölbetriebenen Landmaschinen, Heizungen, Autos, Flugzeugen und Klimaanlagen. Schneiden sich Förderkapazitäts- und Nachfragekurve, klettert der Ölpreis, und mit ihm der Gaspreis, in die Höhe.(6) 

Öl- (und Gas-)förderung werden einst enden, aber nicht aus finanziellen, sondern aus physikalischen Gründen: wenn nämlich die Gewinnung eines Liters Öl ebensoviel Energie kostet, wie Energie im Liter Öl steckt. Wann der Zeitpunkt kommt, ist unklar. Daß er kommt, ist sicher.  

Die Welt hätte sich auf beide Ereignisse einrichten, also den Verbrauch senken oder erneuerbare Energie nutzen müssen, zumal Öl auch für Tausende Gebrauchsgüter benötigt wird. Von Berufs wegen anders sieht das der Pressesprecher der Mitteleuropa-Holding von ExxonMobil, Karl-Heinz Schult-Bornemann.  Alljährlich präsentiert er seinen Überblick über die Erdöl- und Erdgas-Reserven der Welt unter der sprachlichen Eigenschöpfung "Oeldorado". Er betont, das Öl werde sicher noch 40 Jahre reichen, wahrscheinlich länger, denn die Reservemengen seien in Hinblick auf den momentanen Stand von Technik und Wirtschaftlichkeit ermittelt worden, lägen also eher höher. Zur Sorge sei kein Anlaß - und, könnten wir denken, schon gar nicht zum Krieg.(7)

 In den Exxon-Tabellen steht aber z.B. China auf dem zehnten Rang in der Welt mit Ölreserven, die sich seit 1990 überhaupt nicht verändert haben sollen; als hätte China zwölf Jahre lang seine Reserven nicht angerührt, als seien keine weiteren Lagerstätten entdeckt worden und als wären Technik und Preise unverändert geblieben. Ähnliche Ungereimtheiten ergeben sich bei den Mengenangaben für Ägypten, Kuwait und den Arabischen Emiraten - kurz: Die Statistik ist so dürftig wie die Auskunftsfreude der Besitzer der je "landeseigenen Ölreserve".(8)

Ob die Aangaben über Reservemengen aber nun stimmen oder nicht – das Argument der Energiepessimisten leuchtet ein: Eine Lücke zwischen Ölangebot und –nachfrage tut sich auf. Den Graphiken der Pessimisten zufolge ist sie schon da oder droht in diesem Jahrzehnt.  

Selbst aber wenn die Förderung noch einen Vorsprung vor der Nachfrage hätte, selbst wenn soviel fossiler Brennstoff vorhanden wäre wie Wissen oder Luft: Öl ist eine Ware. Knapp ist Öl, weil ein gewinnermöglichender Bedarf danach besteht. Ebenso bringt der Bedarf an Öl nur dann Gewinn, wenn das Öl knapp ist. Dazu muß Öl nicht in dem Sinne knapp sein, wie es auch schmierig ist, also von Natur aus, oder knapp geworden in dem Sinne, daß jetzt physikalisch weniger da ist als früher, sondern es muß nur knapp sein aus gesellschaftlichen Gründen. Der ebenfalls gesellschaftliche und keineswegs natürliche Bedarf an Öl tritt mit der Knappheit an Öl stets als Paar auf. Knappheit ist ohne Bedarf, Bedarf ohne Knappheit gar nicht möglich – nicht denkmöglich.(9)

Ebenso wie Öl wird jetzt auch Wasser zur Ware. Um Wasser gibt es Konflikte, auch um Wasser deuten sich Kriege an. Israels Ministerpräsident Scharon droht mit Krieg, falls der Libanon das Wasser des Hasbani-Nebenflusses ableitet. Die Türkei plant offenbar, Flußwasser nicht mehr in den Irak fließen zu lassen, sondern die Ware Wasser tankschiffweise an Israel zu verkaufen. Was für Wasser gilt, gilt ähnlich auch für Wissen, das doch scheinbar frei ist.  

Das Argument, die allgemeine Ressourcenerschöpfung löse Kriege aus, soll daher hier außer Betracht bleiben. Die Frage ist, ob es den USA bei ihren Interventionen in den Ergas-, Erdöl- und Transitregionen um Ölinteressen oder um Geopolitik geht.  

o Der US-Konzern Unocal wollte eine Gaspipeline durch Afghanistan an den indischen Ozean bauen – seit einem Jahr führen dort die USA zusammen mit Großbritannien, Deutschland und einigen andern Ländern einen Angriffskrieg.  

o Im Anschluß an den Angriffskrieg zahlreicher westlicher Länder gegen Jugoslawien errichteten die USA im Kosovo-mazedonischen Grenzgebiet die Festung Bondsteel. Sie ist die größte militärische Anlage außerhalb des eigenen Landes. Der Bau der AMBO-Ölpipeline für kaspisches Öl von Burgas in Bulgarien durch Mazedonien an Bondsteel vorbei nach Vlorë in Albanien konnte beginnen.  

o Ein Konsortium unter Führung von BP Amoco baut seit September 2002 die BTC-Ölpipeline von Baku über Tbilissi nach Ceyhan an der türkischen Mittelmeerküste. Die Pipeline führt durch den Kaukasus und die östliche Türkei. Dort bekriegen oder bekriegten sich die US-nahe türkische Militärführung und die Kurden; das US-nahe Aserbaidschan und Armenien; das US-nahe Georgien und Abchasien; die pakistanisch, also indirekt US-amerikanisch unterstützten Tschetschenen und die russische Zentralregierung.  

o Der Irak besitzt die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Die USA und Großbritannien bereiten einen weiteren Krieg gegen das Ölland vor, das an die Ölländer Iran, Kuwait und Saudi-Arabien grenzt.

Afghanistan  

Die ehemalige deutsche Justizministerin wurde nicht gefragt, wieso die USA immer gerade da intervenieren, wo Öl und Erdgas fließen, aber der Internet-Autor Jared Israel. "Das Imperium ist nicht wegen des Öls in Afghanistan", antwortet Israel einem Leser, zumal die Firma Unocal eine Gas- und keine Ölleitung habe bauen wollen. Die USA wollten nach dem Zerfall der Sowjetunion nun Rußland zerschlagen. "Weniger wegen des Öls waren die USA an Zentralasien interessiert als vielmehr am Öl 'wegen Zentralasien'." Örtliche Kräfte könnten leicht mit Öl- und Gasprojekten für strategische Ziele der USA gewonnen werden. Nicht die Taliban, sondern die Amerikaner hätten im übrigen die Pipelinepläne scheitern lassen und mit ihrem Krieg – der ja immer noch anhält - die Möglichkeit eines Pipelinebaus selber jedenfalls vorläufig obsolet gemacht. Zugleich hätten die USA die zentralasiatischen Republiken – Kirgistan, Usbekistan, Aserbaidschan und sogar Georgien - militärisch an sich und die Nato binden können. Wie Däubler-Gmelin hält Israel das Ölargument für einen Trick.(10)  

Tatsächlich intervenieren die USA in den meisten Grenzländern zu Rußland und den innerrussischen Randgebieten – und zwar vorerst nicht-militärisch. Doch nahezu alle Nachbarn Rußlands besitzen auch Energieressourcen oder leiten sie durch ihr Gebiet. Belarus zum Beispiel ist von Pipelines durchzogen, die Mittel- und Westeuropa mit kasachischem und russischem Öl und Gas beliefern. US-Botschafter Kozak und Ex-BND-Chef Wieck haben in Minsk versucht, mit Geld und Propaganda Lukaschenkos Wiederwahl zu verhindern.(11) Der Ort der Konflikte läßt also weder eindeutig auf geostrategische noch auf Energieinteressen schließen.  

Gegen das Öl-, genauer, Energieressourcenargument spricht etwa: Die Firma Unocal hat ihre Pläne in Afghanistan 1998 fallen lassen und bis heute nicht wieder aufgegriffen.(12) Andererseits hat die Bush-Regierung ausgerechnet einen früheren Unternehmensberater von Unocal zum Sonderbotschafter in Afghanistan ernannt: Zalmay Khalilzad hat der Ölfirma eine politische Risikoanalyse über die geplante Gas-Pipeline gefertigt, 1997 an Gesprächen zwischen Unocal und Taliban-Vertretern teilgenommen und noch 1998 wie ein Lobbyist in der "Washington Post" die Taliban gegen den Terrorismus-Vorwurf verteidigt.(13) Im National Security Council berichtet er heute Condoleezza Rice, die selbst im Vorstand von Chevron war.(14) Khalilzads Rolle spricht eher für einen engen als für einen losen Zusammenhang zwischen Ressourceninteressen und Afghanistankrieg.

Auch haben am 30. Mai 2002 die Regierungschefs von Turkmenistan – dort lagert das Gas –, Afghanistan und Pakistan ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Die Asian Development Bank (Mehrheitseigner sind die westlichen Staaten einschließlich der USA) wird  eine Machbarkeitsstudie vorfinanzieren, die Weltbank (größter Eigner sind die USA) wird als möglicher Investor genannt.(15)  

Offenbar gehen im Fall Afghanistan geostrategische und Ressourceninteressen ineinander über, so daß weder von bloßer Geschäftsförderungspolitik noch von manischem  Weltherrschaftsstreben gesprochen werden kann.

Balkan  

Für die AMBO-Pipeline und Camp Bondsteel an der mazedonischen Grenze gilt Ähnliches. US-General Michael Jackson verkündete bei der Übernahme des Kfor-Kommandos: "Wir werden hier bestimmt lange bleiben, so daß wir auch die Energiekorridore sichern können, die [Mazedonien] durchqueren."(16)

Die Machbarkeitsstudie zu AMBO wurde von Brown & Root, der Tochterfirma von Dick Cheneys Halliburton erstellt, der Öl-Service-Firma mit über 100.000 Beschäftigten. Bau und Catering von Camp Bondsteel erledigt(e) Halliburton (siehe "Das Dream-Team", KONKRET 10/02).

Die betroffenen Staaten mußten auf Souveränitätsrechte verzichten. Unter Cheneys Vizepräsidentschaft wurde Brown & Root Exklusiv-Lieferant der überseeischen Teile der US Army und aller Bauten der US Navy, obwohl gegen die Firma ein Betrugsverfahren läuft.(17) Geostrategische und Ölinteressen sind offenbar vollkommen miteinander verflochten.

Kaspisches Meer, Kaukasus, Türkei  

Wie ist das Investitionsprojekt mit dem Kürzel BTC, die Öl-Pipeline von Baku in Aserbaidschan über Tbilissi in Georgien nach Ceyhan am türkischen Mittelmeer, einzuordnen?  

Die "Neue Zürcher Zeitung" titelte noch im August 2001: "Gute Karten Rußlands im kaspischen Pipeline-Poker". Mindestens bis 2006 werde Rußland beim Öl seine Vormachtstellung behalten. Denn die neue Leitung von den kasachischen Tengis-Feldern ans Schwarze Meer führe über russisches Gebiet und werde dem Land in den kommenden 40 Jahren 20 Milliarden Dollar einbringen. Russisches Erdgas fließe demnächst durch die Blue Stream Line am Boden des Schwarzen Meeres nach Samsun in der Türkei. Und die alte sowjetische Verbindung der aserischen Ölfelder mit dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossisk, die sogenannte Nordroute, sei über Dagestan umgeleitet worden. Die Tschetschenen könnten sie nicht mehr unterbrechen. Die USA dagegen hätten einen leistungsfähigen Westkorridor, von Baku ans Schwarze Meer oder gar ans Mittelmeer, nicht geschaffen. Das russische Transportmonopol am kaspischen Meer sei daher ungebrochen.(18)  

Das waren zweifellos Erfolge für die russischen Konkurrenten – oder Gegner. Aber die Baku-Tbilissi-Ceyhan-Verbindung mit dem Mittelmeer wird nun, nach achtjährigem Zögern, doch gebaut. Gezögert wurde, weil die Pipeline den beiden größten der Branche, Chevron Texaco und ExxonMobil, nicht ins ökonomisch-politische Kalkül paßt. Die kasachischen Tengisfelder im Nordosten des kaspischen Meeres gehören einem Konsortium unter Chevron-Führung und entleeren sich bereits günstig über die russisch-kasachische Pipeline in Tanker bei Noworossisk. Für die Pipeline ab Baku am westlichen Ufer des kaspischen Meeres liegt in aserischen Gewässern allein nicht genug Rohöl bereit. Aus Kasachstan müßten Lieferungen (über oder durch das Kaspische Meer) nach Baku abgezweigt werden. Dann aber wäre die Tengis-Noworossisk-Pipeline weniger rentabel.  

Wer nun hat sich mit dem BTC-Leitungsbau durchgesetzt? Konsortialführer ist der dritte Ölriese, BP Amoco, 1998 hervorgegangen aus der bis dahin größten Firmenfusion der Geschichte zwischen der großen British Petroleum und der kleineren US-Firma Amoco. Weltsitz ist London, die Exploration von Gas und Öl wird von Houston, Texas aus geleitet.  

Die Verhandlungen zwischen den zahlreichen Ölfirmen des BTC-Konsortiums und den Staaten Aserbaidschan, Georgien und Türkei koordinierte eine Anwaltskanzlei. Baker Botts L.L.P. beschäftigt weltweit 600 Anwälte in den fünf Ölhauptstädten Austin, Baku, Dallas, Houston und Riad und in den drei politischen Hauptstädten London, New York und Washington. Baker Botts wird geleitet von James A. Baker III, Außenminister unter Bush senior.(19)

Baker hat im August 1990 bei Saddam Hussein den Eindruck erweckt, die USA würden eine Kuwait-Annexion dulden, wie Günter Barudio berichtet.(20) Baker war es auch, der Bush junior per Wahlbetrug in Florida in den Präsidentensessel gehievt hat. Er sitzt zudem im Beirat der US-aserischen Handelskammer in Baku wie vor ihm der jetzige US-Vize Richard Cheney von Halliburton. Halliburton, größte Ölservice-Firma der Welt, hat vom Konsortium den Zuschlag für die Ingenieurarbeiten im längsten, dem türkischen Abschnitt erhalten.(21)  

Rechtzeitig vor dem ersten Spatenstich, am 28. März 2002, sicherte das US-Verteidigungsministerium der aserischen Flotte fachlichen Beistand zu - Aserbaidschan liegt im Streit mit dem Iran über die Schürfrechte vor beider Küste. Generalunternehmer für BTC in der Türkei ist die türkische Ölfirma Botaş. Ihr bastelte Baker ein sogenanntes Host Government Agreement mit den Vertretern der türkischen Militärregierung. Danach sind ab sofort im Transportkorridor für die Pipeline alle inländischen Gesetze null und nichtig. BTC/Botaş zahlt den Anrainern keine Entschädigung, da die Grundbücher veraltet sind und die gegenwärtigen Eigentümer nicht aufführen. BTC/Botaş kann beliebig viel Wasser entnehmen, unabhängig vom Bedarf der Bewohner; BTC/Botaş muß nicht für Schäden aus Lecks aufkommen; BTC/Botaş erwartet Kredite von der Weltbank und hält sich an keine ihrer Regeln zum Schutze der kurdischen und anderer Minderheiten im Korridor. BTC/Botaş ist, wie es das glücklicherweise gescheiterte Multilateral Agreement on Investment (MAI) für alle Konzerne der Welt vorsah, unumschränkter Herrscher auf seinem Gebiet.(22)  

Die Ölinvestition wirft Profit ab für das BP-Konsortium und seine Anhängsel. Zugleich festigt sie die Herrschaft von Bush & Co. Öl ist die materielle Basis für politische Macht, politische Macht die finanzielle Basis für Profit. Rußland, da hat Jared Israel recht, ist den USA ein schlecht berechenbares Hindernis auf dem Weg zur Herrschaftsausweitung und -sicherung, gerade weil es Ressourcen und Transportwege kontrolliert. Rußland hat noch einen Teddybären. Den will Bush zu seinem dazuhaben. Kurz: Den USA geht es gegenwärtig ums Öl, wirklich nur ums Öl. Der belgische Kommunist Michel Collon drückte das in "Solidaire"(23) so aus: "Wer die Welt beherrschen will, muß das Öl im Griff haben. Alles Öl. Wo es auch sei."     

Im Irak ist ganz viel davon.

 

Quellenangaben  

(1) Byford, Grenville: The Wrong War. Foreign Affairs, Juli/August 2002  http://www.foreignaffairs.org/articles/byford0702.html  

(2) Kleveman, Lutz C.: Der Kampf ums kaspische Öl - Letzte Folge (8): Der Afghanistan-Joker Spiegel Online, 13. September 2002 http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,213648,00.html; Le Gendre, Bertrand: La croisade antiterroriste sent le pétrole. Le Monde, 21.09.02 http://www.lemonde.fr/imprimer_article_ref/0,9750,3209--291334,00.html Stern, Babette: Le pétrole, l'autre enjeu du conflit. Le Monde, 19.09.02 http://www.lemonde.fr/imprimer_article_ref/0,9750,3209--290985,00.html

 (3) Ayilavarapu, Dinkar: Oil and War Part 1: OPEC in the line of fire. In: Asia Times,  1. Oktober 2002  http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/DJ01Ak01.html“> http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/DJ01Ak01.html

 (4) gemäß dem Bericht eines Gesprächsteilnehmers aus: So kam es wirklich zu dem Hitler-Bush-Vergleich. rote fahne, Wochenzeitung der MLPD, 26.9.2002  http://www.mlpd.de/rf0239/rfart8.htm

(5) Pontenagel, Irm (V.i.S.d.P.): Aufruf „Weg vom Öl“. Friedenssicherung, Umweltschutz und neue Wirtschaftsstabilität durch Erneuerbare Energien.  http://www.eurosolar.org“> http://www.eurosolar.org

 (6) http://www.energiekrise.de  

(7) Auszüge aus der Rede von K.-H. Schult-Bornemann, Leiter Presse und Information, ExxonMobil Central Europe Holding GmbH, Hamburg, anläßlich Vorstellung der Studie 'Oeldorado 2002' am 18.6.2002 in Wien http://www.esso.de/ueber_uns/energie
_umwelt/oel_gasreserven/vortrag_oeldorado/vortrag4.html

 (8) ExxonMobil Central Europe Holding GmbH, Hamburg: Oeldorado 2002 http://www.esso.de/ueber_uns/energie_umwelt/oel
_gasreserven/broschuere_oeldorado/index.html

 (9) Weitere kriegsüberzogene Ölstaaten außerhalb Eurasiens sind Kolumbien, Algerien, Nigeria und Angola.

 (10) Israel, Jared: Why Washington wants Afghanistan, 18 September 2001 http://www.emperors-clothes.com/analysis/afghan.htm ; und ders.: The Empire Isn’t in Afghanistan for the Oil, 17 May 2002 http://www.emperors-clothes.com/articles/jared/oil-1.htm  

 (11) http://steinberg.populus.ch/rub/10  

(12) Israel, Jared:  Answer to a Reader: Why we insist U.S. Actions Risk Nuclear War! 9 July 2002 http://emperors-clothes.com/letters/stein.htm  

(13) Emperor’s Clothes Interviews Unocal Oil 9 July 2002 http://emperors-clothes.com/interviews/lane.htm

  (14) Martin, Patrick: Oil company adviser named US representative to Afghanistan, 3. Januar 2002   http://www.wsws.org/articles/2002/jan2002/oil-j03_prn.shtml und http://emperors-clothes.com/analysis/zbi-zal.htm  

  (15) US supports proposed Trans-Afghan gas pipeline. Turkmenistan Press via NewsBase and Alexander’s Gas and Oil, 10 Juli 2002; ADB to finance Trans-Afghan gas pipeline study - The DAWN Group of Newspapers http://www.gasandoil.com/goc/news/ntc23280.htm  

(16) zitiert nach Talbot, Karen: Former Yugoslavia: The name of the game is OIL! & the prize is profits. In: People’s Weekly World. Weekly Newspaper of the Communist Party of the USA http://www.ecadre.net/pages/news/stories/99017752.shtml  

(17) ) Pace, David (The Associated Press): Military deals with Halliburton subsidiary made dispite protest, probe. Seattle Times, 5. August 2002 http://archives.seattletimes.nwsource.com/cgi-bin/
texis.cgi/web/vortex/display?slug=halliburton05&date=20020805
 
Quellen zu AMBO: http://steinberg.populus.ch/rub/2       (Geopolitik)  

(18) A.R., Noworossisk: : „Gute Karten Russlands im kaspischen Pipeline-Poker“, NZZ, 15. August 2001 http://www.nzz.ch/2001/08/15/al/page-article7JLKU.html  

(19) BP Amoco  http://www.bp.com ; Baker Botts L.L.P. http://www.bakerbotts.com/practice/energy.asp  

 (20) Barudio, Günter: Tränen des Teufels. Eine Weltgeschichte des Erdöls. Klett-Kotta ca.2002, S. 406

 (21) Georgian, Armen: U.S. Eyes Caspian Oil in "War on Terror". Foreign Policy in Focus, 30. April 2002  http://www.foreignpolicy-infocus.org/outside/commentary/2002/0204oil
_body.html
 

 (22) International Fact-Findig Mission: Preliminary Report. Azerbaijan, Georgia, Turkey Pipeline Project, Turkey Section. By: Campagna per la Riforma della Banca Mondiale / Kurdish Human Rights Project / The Corner House / Ilisu Dam Campaign / PLATFORM.- August 2002; erhältlich über http://www.khrp.org">http://www.khrp.org

 (23) Collon, Michel : Et si l'objectif n'était pas Ben Laden? In : Solidaire, Hebdomadaire du Parti du Travail Belge, 07-11-2001 http://www.ptb.be/solidaire/archive/archive.htm  ; siehe auch Collon, Michel:Monopoly. L'Otan à la conquête du monde, EPO, 2000  

 

Allgemeine Ölquellen im Internet  

http://www.eia.doe.gov - mit aktuellen Länderberichten, erstellt vom US Department of Energy

http://www.gasandoil.com - Alexander’s Gas and Oil, aktuelle Pressemeldungen rund ums Thema, nach Weltregionen gegliedert

http://www.rigzone.com - wie Alexander’s, mit Akzent auf Up Stream (Öl-Suche und –Förderung)

 

22. November 2002

   

Vortrag zum gleichen Gegenstand

"Energieinteressen als Kriegsursache"

 Alternativen zur Gewalt. Handlungsperpektiven im Zeitalter der Globalisierung aus pazifistischer, ökologischer und ökonomischer Sicht“, veranstaltet von DFG-VK, attac, Ohne Rüstung leben, eurosolar und Pax Christi im Theaterhaus Stuttgart am Sonntag, dem 27. Oktober 2002, 10 Uhr bis 17.30 Uhr, siehe http://www.dfg-vk.de/konferenz/">http://www.dfg-vk.de/konferenz/

 

Nach der Konferenz – was tun?  

Einige Anregungen  

1. Die Vorbereitung von Angriffskriegen ist strafbar, grundgesetzwidrig und völkerrechtswidrig. Auch nur entfert Beteiligte machen sich schuldig. Dazu gehören alle, die Kriegsvorbereitungen in Ramstein, Spangdahlem, Frankfurt, in den Panzern in Kuweit und auf  See ermöglichen: unser Kanzler, sein Außenminister, die ganze Bagage. Machen Sie das bekannt!

 2. Kontakt zu Friedensgruppen in USA und Israel schafft Selbstsicherheit gegen den Vorwurf des Antiamerikanismus oder Antiisraelismus. Versuchen Sie, als Gewerkschafterin mit Gewerkschafterinnen dieser Länder, als Esperantist mit Esperantisten einen übernationalen Erfahrungsaustausch anzukurbeln.  

3. Untersuchungen wie die der Fact Finding Mission auf der Trasse der Pipeline durch die Türkei sind interessant für Ihre Lokalzeitung oder überregionale Organe. Besorgen Sie sich die Untersuchung und bieten Sie einen Artikel darüber an.  

4. Gleiche Berichte gibt es über den georgischen und den aserischen Abschnitt der Trasse – dito. Versuchen Sie herauszufinden, ob sich Gruppen mit dem bulgarisch-mazedonisch-albanischen Korridor 8 befasssen; oder mit dem jugoslawischen Korridor 10. Was treiben die neuen Regierungsmitglieder in Jugoslawien, die von der Weltbank aus auf  ihre Posten gelangt sind? Bilden Sie eine Untersuchungsgruppe.

 5. Für SPD-Länder: Organisieren Sie einen Bildungsurlaub in eines der Länder, die von projektierten Transportkorridoren betroffen sind und treffen Sie sich mit Friedensfreundinnen im Lande zum Thema. Das verschafft Ihnen, auf zwei Arbeitsjahre gerechnent, 10 Tage Forschungsfreizeit!  

Viel Erfolg!

27. Oktober 2002  

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