ATTAC

www.SteinbergRecherche.com

Home
Nach oben
Hamburger Schmierdreck
Querdenker
Klaus Feldgen.
Kommentar
Kooperation und Macht
Stefan Kröpelin
Elmshorn
Peak Oil
Alexander Wöstmann
Mohn in Afghanistan
Tschetschenien
Michael C. Ruppert
Arbeitslosengeld II
AJCongress
Al Qaida
Karl-Heinz Dellwo
Peter Dale Scott
Alternative
Sudan
Jacques Attali deutsch
Une autre voix juive
ATTAC
Stadtentwicklung
Banlieue
Redaktion Bahamas
Left Curve
Polder
Steuern
Mosul-Haifa
Jewish Agency
Conn Hallinan
Herrschaft
Sozialdemokraten
Krisis
Davidstern
Folter
The Presidential Prayer Team
Livia Rokach
Ron Jacobs
Daniel Cohn-Bendit
Reuven Moskovitz
Hermann Werle
Wiesbaden-Erbenheim
Häuserkampf
Peter Wahl
Neue Irakfahne
Fahnen
Überleben
Justin Raimondo
NATO
Bertrand Russell
BILD-Zeitung
Marseille
11. März
Route 181
Johannes M. Becker
Jacques Derrida
Perle Harbour
Stefan Krempl
Mitwisser
Thorsten Fuchshuber
Leslie Gelb

Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?

 

Attac France, 7. Mai 2010

Herr Sarkozy, stimmen Sie nicht der Aufnahme Israels in die OECD zu! 

Am 16. Mai 2010 tritt der Rat der OECD zusammen, um die Aufnahme Israels zu behandeln. Jedes Mitgliedsland, darunter Frankreich, wird sich zu dieser Frage äußern.

Gemeinsamt mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds war die OECD die Speerspitze des Neoliberalismus in der Welt. Seit 20 Jahren versucht Israel hineinzukommen. Nachdem es seinen Arbeitsmarkt liberalisiert, privatisiert und flexibilisiert und das soziale Netz zerrissen hat, hofft Israel, im Mai 2010 inthronisiert zu werden. Seine offizielle Aufnahme in den geschlossenen Klub der reichen Nationen wird, nach den Verlusten wegen der Finanzkrise, ausländische Investitionen zurückholen und sein durch wiederholte Kriege gegen Palästinenser und Libanesen seit 2002 beschädigtes Image verbessern, so die Annahme.

Noch wirft die OECD den israelischen Rüstungsunternehmen vor, die Regierungen der Mitgliedsländer zu bestechen. Aber sie nimmt der israelischen Regierung die Verletzung des internationalen Rechts hinsichtlich der palästinensischen Flüchtlinge, der illegalen Besetzung der Gebiete und der Kriege gegen den Libanon, das Westjordanland und den Gazastreifen nicht übel. Die israelische Wirtschaft mit ihrer Spezialisierung auf Spitzentechnologie für militärische und zivile Sicherheit ist ein nahöstliches Schaufenster des neoliberalen und neokonservativen „Modells“ geworden. Der OECD ist der menschliche Preis dieses „Erfolgs“, ob in Israel selbst oder in den besetzten Gebieten, gleichgültig.

Bitte Israels an Frankreich um Lieferung eines Atomkraftwerks, fruchtbare Zusammenarbeit bei den Drohnen, Bau einer Schnellbahn in Ost-Jerusalem, Agrexco-Terminal-Projekt in Sète ... jenseits schöner Worte über die Rechte der Palästinenser hat die französische Regierung fortwährend die Politik Israels unterstützt und faktisch Besiedlung und Besatzung akzeptiert. Attac verlangt von Nicolas Sakozy, den israelischen Führern ein deutliches Zeichen zu geben, indem es die Aufnahme Israels in die OECD verweigert.

Attac wird an der Kundgebung des Collectif National pour une Paix Juste et Durable entre Palestiniens et Israéliens* teilnehmen am Montag, dem 10. Mai 2010 um 18.30 Uhr vor dem Sitz der OECD, Chateau de la Muette, 2 rue André Pascal, 75016 Paris

Attac France, Montreuil, 7. Mai 2010. T:I:S, Übersetzung, 8. Mai 2010

*Mitglieder des Collectif National pour une Paix Juste et Durable entre Palestiniens et Israéliens sind, Stand 2007: Association des Tunisiens en France - AFD - AFPS - American Against the War - A.J.P.F. - ATMF - CICUP - CPPI Saint-Denis - CCIPPP - FSU - Génération Palestine - GUPS - Parti Communiste des Ouvriers de France - PSM - La Courneuve-Palestine - Les Femmes en Noir Paris - Les Alternatifs - LCR - MRAP - Mouvement de la Paix - Solidarité Palestine 18ème - UJFP - Les Verts - PCF. Aufruf des Collectif, dort Brief an alle Botschafter auf Englisch und Französisch als .pdf-Datei

URL dieses Beitrags http://www.steinbergrecherche.com/attac.htm#OECD

nach oben

*

Attac France, 8. November 2005  

Die Wohnquartiere: 

Alltägliches Leid unter der Gewalt des Neo-Liberalismus

 

Massenarbeitslosigkeit, Abschaffung der Sozialmieten, gesundheitsschädliche Wohnungen, fehlende Mittel für Schulbildung, Abbau der öffentlichen Dienstleistungen, Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln, Armut, gesellschaftliche Ausschließung und Ausgrenzung ersticken die Bewohner der Wohnquartiere. Trotz der Anstrengungen und Maßnahmen der örtlichen Vertreter und der Verbände, die sich mit Alarmrufen über die Lage in den Quartieren die Lunge aus dem Hals schreien, wächst die Ungleichheit. Das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Elend hat sich nach und nach dort eingenistet, als unmittelbare Folge der neo-liberalen Politik seit fast 30 Jahren. 

Der Staat hat seine Rolle als Regulierungs- und Umverteilungsinstanz aufgegeben. Städtepolitische Maßnahmen sollten die gröbsten Folgeschäden lindern; sie waren ohnehin unzureichend. Doch unter Raffarin und de Villepin wurden sie weiter reduziert: Subventionen für die Sozialverbände wurden gestrichen, was für viele von ihnen das Ende bedeutete; Repression trat an die Stelle von präventiven Maßnahmen; mehr als 350 Millionen Euro für die Trabantenstädte wurden 2005 eingefroren und setzten der Beschäftigung von Jugendlichen ein Ende - ohne ihnen eine Perspektive zu bieten; der Mietbeihilfe-Zuschuß wurde um 10% gesenkt.  

Aber diese Politik ist kein taktischer „Irrtum“. Sie ist, auf französischem Territorium, der Ausdruck der neo-liberalen Politik, die ebenso auf europäischer und internationaler Ebene betrieben wird. Überall werden Firmen verlagert, das Arbeitsrecht dereguliert, die Arbeiter des Südens und des Nordens gegeneinander ausgespielt und die Statseinnahmen gesenkt – die Bestgestellten zahlen immer weniger Steuern. Die Schlechtestgestellten, die am wenigsten „an das System Anpaßbaren“, sind als erste und am stärksten betroffen. Sie bevölkern die Wohnquartiere der Trabantenstädte. Die Jungen unter ihnen, Migrantenkinder, ob Franzosen oder nicht Franzosen, erleiden überdies Ausschließung und Demütigungen angesichts ihrer Hautfarbe oder ihres Namens. Eine ganze Generation ist jeder Hoffnung und Lebensperspektive beraubt. Selbst die Schule ist nicht mehr in der Lage, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Hoffnungslosigkeit drückt sich jetzt brutal aus, zumal ein repressiver Innenminister sie mit seinen Reden genährt hat, um bei den Präsidentschaftswahlen 2007 die rechtsextremen Stimmen zu bekommen. Die politische Strategie von Nicolas Sarkozy, der vor allem mit der Angst spielt, ist die eines überzeugten Neo-Liberalen. 

Die Wohnquartiere bieten heute den Anblick eines Labors für wilden Liberalismus, wie man sie auch in andern Teilen der Welt findet.   

Während die Börsengewinne und die Finanzspekulation zunehmen, während die Steuerparadise blühen, breitet sich die Armut in den reichsten Ländern aus, und zwar auf organisierte und gewollte Weise. Die Debatten in der Welthandelsorganisation sehen für den Gipfel in Hongkong im Dezember 2005 vor, die Anbahnung und Steigerung der Gewinne der multinationalen Konzerne fortzusetzen. Auf europäischer Ebene steht die wiederbelebte Bolkestein-Richtlinie für den 22. November auf der Tagesordnung. 

Alle Bürger, ob Lohnempfänger oder Arbeitslose, ob Franzosen oder Migranten, müssen am Abbau der neoliberalen Ideologie mitwirken. Attac ruft die Verbände der Lehrer, die in den Vierteln, den Trabantenstädten und ländlichen Gebieten tätig sind, ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, im November und Dezember an den Initiativen gegen die Welthandelsorganisation, gegen die Bolkestein-Richtlinie und für die Entwicklung der öffentlichen Dienstleistungen teilzunehmen. Attac ruft seine Anhänger und die örtlichen Komitees dazu auf, die Bemühungen um eine Öffnung der Organisation für die breite Bevölkerung fortzusetzen. 

Die Revolte, die sich jetzt in Gewalt ausdrückt, ist der Schrei der Hoffnungslosigkeit einer fallengelassenen Generation. Freilich, die Zielscheiben dieser Gewalt (Schulen, Sporthallen, Busse u.s.w.) sind entweder Gemeingut, dessen die leidenden Wohngebiete dringend bedürfen, oder sie sind Eigentum der Bewohner dieser Gebiete. Diese Aktionen können keinesfalls eine Antwort sein zugunsten einer Verbesserung der Lebenslage der Bewohner oder konkreter Perspektiven. Die Wohnquartiere als Opfer der Gewalt des Neo-Liberalismus leiden seit einigen Tagen auch unter der Gewalt eines Teils der Jugend, die manchmal selbstzerstörerische Züge trägt. Diese zweifache Gewalt steigert die Gefahr der Entwicklung einer Sicherungs- und Repressionspolitik, der Spaltung der Bewohner und des Wiedererstarkens der Vorstellungen des Front National. 

Die vom Premierminister am 7. November angekündigten Maßnahmen sind fast ausschließlich durch diese Sichtweise geprägt. Die Exhumierung eines Ausnahmegesetzes mit Ausgangssperre aus der Zeit des Algerienkriegs ist dafür das stärkste Anzeichen. Sie könnte die Spannungen verstärken und die schmerzhaftesten Erinnerungen der Eltern und Großeltern wecken. Attac verurteilt die Inkraftsetzung dieses freiheitszerstörenden Gesetzes: Es erlaubt die Verhängung von Residenzpflicht, die Schließung von Versammlungslokalen und das Verbot von Versammlungen, die Pressezensur und die Übertragung von zivilen Aufgaben an das Militär. In keiner Hinsicht stellt sie eine verantwortungs- oder wirkungsvolle Antwort auf die gegenwärtige Lage dar. 

Junge Leute und Bewohner der Wohnviertel, Lohnempfänger oder Arbeitslose, Rentner oder Berufstätige! Unsere Aufgabe ist, gemeinsam unsere Gegenwehr und unseren Widerstand zu organisieren, angesichts des gemeinsamen Gegners, der unsere Reichtümer raubt und die solidarischen Bindungen zerschlägt. Das ist durchaus ein politischer Kampf, an dem verantwortlich mitzuwirken jedem gebührt, damit die Wohnquartiere weder der Gewalt, noch der Unterdrückung, weder dem Elend noch den religiösen Bewegungen ausgeliefert werden. Attac erklärt sich solidarisch mit all denen – ob örtliche Repräsentanten, Aktivisten, Sozialarbeiter oder schlicht Bürger –  mit all denen, die durch ihre Anwesenheit vor Ort das Gespräch suchen und weitere Zusammenstöße und Zerstörungen verhindern wollen. 

Die Lage in den Wohnquartieren ist Sache aller, sie ist eine Frage von Solidarität und Bürgersinn. Das Problem ist nur lösbar über die Beendigung der  Diskriminierung und den Zugang zu Arbeitsplätzen. Das hat erste Priorität. Als Sofortmaßnahme ist der Zugang zu Einkommen für die jungen Menschen unverzichtbar, die – weil nie in Arbeit – weder Arbeitslosengeld beziehen, noch Sozialhilfe – weil sie jünger sind als 25. 

Nur ein radikaler Wechsel in der Politik wäre eine Antwort auf die Bestrebungen der Benachteiligten und der jungen verwirrten Menschen. Nichts wird sich grundsätzlich lösen lassen ohne Infragestellung der Diktatur der Märkte. Wirtschaftliche Alternativen, Wege zur solidarischen Entwicklung und angemesssene Verteilung der Reichtümer sind gangbar. An uns allen ist es, diese Alternativen zu unterstützen und zu fördern. Möge die Hoffnung auf radikalen sozialen Wandel Lebensperspektiven für jede und jeden eröffnen.

Übersetzung von Thomas Immanuel Steinberg,  www.SteinbergRecherche.com/attac.htm#France, erschienen in der jungen Welt

T:I:S, 9. November 2005  

siehe auch den Beitrag von 2004: Banlieue     

*

Les quartiers populaires subissent au quotidien la violence du libéralisme     

Chômage de masse, logement social en désuétude, logements insalubres, absence de moyens pour l’éducation nationale, régression des services publics, insuffisance des transports en commun, pauvreté, exclusion sociale et ségrégation asphyxient les habitants des quartiers populaires. Malgré les efforts et les actions menées par des élus locaux et les associations qui s’époumonent à lancer des cris d’alarme sur la situation de ces quartiers, les inégalités ne font que s’accroître et la misère économique sociale et culturelle s’est peu à peu enracinée dans les cités. Cette situation est le produit direct des politiques néolibérales menées depuis près de 30 ans.  

Les dispositifs de politique de la ville prétendaient réparer les dégâts les plus criants de l’abandon par l’Etat de son rôle régulateur et redistributeur des richesses. Malgré leur caractère pourtant insuffisant, les gouvernements Raffarin-De Villepin n’ont cessé de rogner sur ces dispositifs, supprimant les subventions aux associations, ce qui a entraîné la mort de nombre d’entre elles, liquidant les mesures de prévention au bénéfice du répressif, gelant en 2005 plus de 350 millions d’Euros destinés aux banlieues, mettant fin aux emplois jeunes sans solution alternative, diminuant de 10% ses apports pour le logement social. Mais cette politique n’est pas une "erreur" tactique. Elle est l’expression, en France, des politiques libérales menées aussi au plan européen et international. Se généralisent délocalisation des entreprises, dérégulation du droit du travail, mise en concurrence accrue des travailleurs du sud et du nord, diminution des recettes de l’Etat (toujours moins d’impôt pour les plus favorisés). Les plus précaires, les moins "adaptables au système" sont touchés les premiers et le plus violemment. Ce sont eux qui peuplent les quartiers populaires des banlieues. Parmi ceux-ci, les jeunes, français ou non, nés de parents immigrés, subissent de surcroît une exclusion et des vexations liées à la couleur de leur peau, à l’origine de leur nom. Une génération entière est privée d’espoir et de perspectives de vie, l’école n’étant même plus en mesure de remplir son rôle. Leur désespérance s’exprime aujourd’hui de la manière la plus brutale, d’autant qu’elle a été exacerbée par les propos d’un ministre de l’Intérieur répressif qui cherche à capter les voix de l’extrême droite pour les futures élections présidentielles de 2007. La stratégie politicienne de Nicolas Sarkozy, qui consiste notamment à jouer sur la peur, est celle d’un libéral convaincu.

Les quartiers populaires présentent aujourd’hui le visage d’un laboratoire du libéralisme sauvage que l’on retrouve sur d’autres territoires de la planète.

Alors que les profits boursiers et la spéculation financière ne cessent d’augmenter, que les paradis fiscaux prospèrent, la pauvreté s’installe dans les pays les plus riches et ce de façon organisée et délibérée. Les discussions de l’OMC prévoient, lors du sommet de Hong Kong qui se tiendra en décembre 2005, de continuer à organiser et amplifier les bénéfices des multinationales. Au plan européen, la directive Bolkestein, réactivée, sera à l’ordre du jour le 22 novembre.

C’est l’ensemble des citoyens, salariés ou chômeurs, français ou immigrés, qui doivent s’engager massivement dans la déconstruction de l’idéologie néolibérale. Attac appelle les associations d’éducation populaire, celles qui sont impliquées dans les quartiers, les banlieues et les zones rurales, tous les citoyens et citoyennes, à participer à toutes les initiatives contre l’OMC, contre la directive Bolkestein, pour le développement des services publics qui auront lieu en novembre et en décembre. Elle appelle ses adhérents, les comités locaux, à poursuivre le travail engagé pour ouvrir les rangs de l’association aux catégories populaires.

La révolte qui s’exprime aujourd’hui par la violence est un cri de désespoir d’une génération abandonnée. Toutefois, les cibles de cette violence (écoles, gymnases, autobus, etc.) constituent des biens collectifs dont les quartiers en souffrance ont impérieusement besoin, ou des biens appartenant aux habitants de ces quartiers. Ces actions ne peuvent en aucun cas apporter de réponses en faveur de l’amélioration des conditions de vie des habitants ni offrir de perspectives concrètes. Victimes de la violence du libéralisme, les quartiers populaires souffrent aussi, depuis ces derniers jours, d’une violence menée par une partie de la jeunesse, qui s’apparente parfois à des actes d’autodestruction. Cette double violence accroît le risque de développement des politiques sécuritaires et répressives, de division des habitants et de remontée des idées portées par le Front National.

Les mesures annoncées le 7 novembre par le Premier ministre se situent quasi exclusivement dans cette perspective. L’exhumation d’une loi d’exception, instaurant le couvre-feu, datant de la guerre d’Algérie, en est le signe le plus fort. Elle risque d’aggraver les tensions et de raviver la mémoire la plus douloureuse de parents et grands-parents. Attac dénonce la mise en oeuvre de cette loi liberticide qui permet des assignations à résidence, la fermeture des lieux de réunions, leur interdiction, la censure de la presse et peut donner une compétence civile aux autorités militaires. En aucune manière elle ne constitue une réponse responsable et efficace à la situation actuelle.

Jeunes et habitants des quartiers, salariés ou chômeurs, retraités ou actifs : nous avons pour tâche d’organiser ensemble nos ripostes et nos résistances face à l’adversaire commun qui pille nos richesses et défait les solidarités. Il s’agit bien d’un combat politique dans lequel il appartient à chacun de prendre sa part et ses responsabilités afin que les quartiers populaires ne soient livrés ni à la violence, ni à la répression, ni à la misère, ni aux mouvements religieux. Attac exprime sa solidarité avec toutes celles et ceux - élus locaux, militants associatifs, travailleurs sociaux, et simples citoyens - qui, par leur présence sur le terrain, s’efforcent de nouer le dialogue, de prévenir des affrontements et des destructions supplémentaires.

La situation des quartiers populaires est l’affaire de tous, elle est une affaire de solidarité et de citoyenneté. La résolution du problème passe évidemment par l’arrêt des discriminations et par l’accès à l’emploi. C’est la priorité numéro un. Dans l’immédiat, l’accès au revenu est indispensable pour les jeunes qui ne perçoivent ni les allocations chômage - car beaucoup n’ont jamais travaillé -, ni le RMI quand ils ont moins de 25 ans.

Seul un changement radical de politique pourrait répondre aux aspirations des catégories populaires et des jeunes plongés dans le désarroi. Rien ne pourra être fondamentalement résolu sans remise en cause de la dictature des marchés. Des alternatives économiques, des modes de développement solidaire et une répartition équitable des richesses sont possibles. A nous tous de porter et de promouvoir ces alternatives. Pour que l’espoir d’une transformation sociale radicale ouvre des perspectives de vie à chacun et à chacune.

Le bureau d’Attac,
Le 8 novembre 2005 

http://www.france.attac.org/a5626

T:I:S, 9. November 2005                    

*

Thomas Immanuel Steinberg

Ohne Angst reden

Beobachtungen bei der Sommerakademie von ATTAC in Dresden

Sechshundert Leute standen täglich Schlange in der Sonne und warteten auf Veganer-Eintopf mit Sättigungsbeilage. Die überwiegend jungen Akademikerinnen und Studenten aus dem Osten drängten sich unverdrossen in den kleinen Räumen der Dresdner Universität und der evangelischer Fachhochschule. Wie angehen gegen die Grausamkeiten des hiesigen und des weltweiten Kapitalismus? Das war die Frage der ATTAC-Sommerakademie. Eine Woche lang debattierte man vormittags und nachmittags. Weil weniger Teilnehmergeld hereinkam als erwartet, wurden Seminarräume entmietet, Vortragsreihen gestrichen und Veranstaltungen umgelegt. Die Wißbegierde ließ das Durcheinander ertragen.

Das sah dann zum Beispiel so aus, daß Werner Onken, Verfechter der Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells, aufrecht vor den Sommerakademikerinnen saß. Seine langen Beine endeten in Socken, und die steckten in gesunden Sandalen. Der hagere Mann hat das 18 Bände umfassende Lebenswerk seines Vordenkers herausgegeben. Und er verteidigte seinen Meister gegen einen garstigen Vorwurf: Elmar Altvater, der jüngst emeritierte FU-Politologe, hat in einem Aufsatz verbreitet, Gesell habe antisemitischen Kreisen nahe gestanden; seine Freiwirtschaftslehre passe dazu. Lebensabschnitt für Lebensabschnitt, Detailbehauptung für Detailbehauptung widersprach Onken dem linken Politologen. Dabei zupfte er mit zwei Fingern an den Härchen auf dem Unterarm. Aus dem dicht gedrängten jungen Publikum meldete sich Roman Kalex, der Dresdner Daueroppositionelle: Onken solle auf den »strukturellen Antisemitismus« bei Gesell eingehen, auf die »Anschlußfähigkeit« für Nationalismus und Verschwörungsmythen. Doch das war nicht das Thema in dieser Stunde.

Eine kleinere Gruppe befaßte sich mit Antisemitismus. Ihr sollte der Gesell-Herausgeber nur als Anschauung für »verkürzte Kapitalismuskritik« dienen. Sie ging nach der Verteidigungsrede wieder in Klausur. Thomas Seibert von medico international, ganz in schwarz, warf das rötlich schimmernde Deckhaar nach hinten, schob die Brille über die Stirn und erklärte den Unterschied zwischen Avantgarde und Elite. Die Avantgarde bleibe den Kämpfern verbunden, die Elite setze sich ab. Die kleine Berliner Wochenzeitung Jungle World zum Beispiel führe sich als Elite auf. Dabei rutschte seine nackte Ferse aus dem Tänzer-Slipper.

Drei Israel-Palästina-Statements standen zur Diskussion – in einem Kreis aus jüngeren Antisemitismus-Aufspürern und angegrauten Künderinnen der palästinensischen Sache. ATTAC solle sich endlich positionieren. Die einen dozierten, die andern unterbrachen, einer schimpfte, eine tadelte – die Gefühle kochten hoch. Peter Wahl, Verfasser eines grundlegenden ATTAC-Aufsatzes zum Antisemitismus, konstatierte einhellige Ablehnung sowohl von Hamas als auch Likud. Eine offizielle Stellungnahme von ATTAC zu Palästina und Israel werde es frühestens nächstes Jahr geben.

Im begrünten Innenhof der Universität entwarfen Marie-Dominique Vernhes und Peter Strotmann vom Theorieheft Sand im Getriebe mit Hugo Braun von den Rundbriefen die Medienzukunft für die Organisation. Es fehle eine Mitglieder- und Publikumszeitschrift, lokale Gruppen müßten Aktionen filmen, freies Radio biete sich an. Jemand müsse die Medien-Diamanten schürfen und zu Bildungsbausteinen feinschleifen.

Am Sonntag abend glänzte Ulrich Brand von der Universität Kassel als Debattenmoderator. Am Montag mußte sein Workshop in einen größeren Raum verlegt, sein Thesenpapier nachkopiert werden. Der knorrige Titel der Veranstaltung: »Einführung in die kritische Staatstheorie«. Brand, verspätet, weil vom wissenschaftlichen Beirat von ATTAC zu lange festgehalten, zeichnete in zwei Stunden ein scharfes Schwarz-Weiß-Bild von der bürgerlichen Staatstheorie und wob aus Marx, Gramsci und Nicos Poulantzas einen Gobelin. 

Ulrich Brand

Warum Menschen dauernd gegen das eigene Interesse handeln; wie die herrschenden Klassen und Kräfte ihre Hegemonie bewahren; daß Gramscis Zivilgesellschaft nicht als schlecht oder gut zu verstehen ist; weshalb sich der Staat mit der Gewalt oft zurückhalten kann: Nicht allen wurde alles klar – wohl aber, daß Brand ein ungewöhnlich heller Kopf ist, und ein Vortrags-Artist dazu. Beim Lesen seines Stichworts »internationale Zivilgesellschaft« (im »Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus«) dagegen legt sich Staub auf die Pupillen.

Mit Brands kritischer Staatstheorie, mit Beiträgen zur neuen Rüstungsverpflichtung der EU und Alex Demirovics begeistert aufgenommenen Thesen zu Staat und Neoliberalismus öffnet ATTAC den Blick auf die Gesamtheit der gesellschaftlichen Verhältnisse. Von der Tobin-Steuer, dem Ausgangspunkt der Bewegung, war die Rede, wenn Neulinge über das %-Zeichen im Logo rätselten.

Ein Sozialarbeiter aus München erzählte: Seine Kolleginnen führten ungern politische Gepräche. Hier bei ATTAC aber treffe er auf denk- und tatendurstige Leute. Anfänger könnten ohne Angst reden, politisch Verwurzelte ebenso wie Außenseiter und Praktiker. Die Sommerakademie habe ihn bestärkt. Nicht er sei verrückt; das Herrschaftssystem drehe durch. Und wie! – Das gibt noch viel Stoff für viele weitere Sommerakademien.

Erschienen in der jungen Welt vom 06. August 2004

T:I:S, 5. August 2004

*

Thomas Immanuel Steinberg

Lehren, lernen, debattieren

Zur ATTAC-Sommerakademie in Dresden werden bis zu 1000 Teilnehmer erwartet

ATTAC, die wohl größte deutsche Organisation ohne feste Struktur, zieht diesen Sommer nach Dresden. Von Freitag, 30. Juli, bis Donnerstag, 5. August, wechseln sich über 45 teils mehrtägige Vormittagsseminare und ein Dutzend Vernetzungstreffen mit rund 200 Nachmittagsvorträgen und Panels ab. Akademisch Geweihte und im Kampf Gehärtete lehren und debattieren über Methoden und Folgen der Durchkapitalisierung der Welt. Der Bahnexperte Winfried Wolf plädiert für »Flächenbahn statt Börsenwahn«, Christoph Butterwegge nimmt sich den demographischen Wandel vor. Brigitta Huhnke will die »Agenda 2010« als Teil des Krieges gegen Frauen sichtbar machen, Conrad Schuhler die neue Rolle der Nationalstaaten. Jörg Huffschmid ist mit Alternativen zum Neoliberalismus dabei, Peter Lock wird die neuen Kriege analysieren. »Postautistische Ökonomie« ist angekündigt, und Jutta Sundermann wird »von der Jagd nach dem grünen Gold« berichten. Mohssen Massarrat wünscht die 30-Stunden-Woche für Europa und Marie-Dominique Vernhes eine Positionierung zu Palästina/Israel. Keynes und Marx sind Gegenstand, ebenso GATS und Sprachimperialismus. Vor »Fallstricken der Globalisierungskritik« will unter anderm Werner Rätz warnen, Mag Wompel Perspektiven des alltäglichen Widerstands aufzeigen. Leopold Wonneberger und Jan Sievers wollen den Begriff des Antisemitismus und die Auseinandersetzung über das Phänomen skizzieren.

Neben den breitgefächerten Sachthemen wird Werkzeug zur Globalisierungskritik an die Hand gegeben. Wie moderieren und wie eine Kampagne mit Leben füllen? Was macht ATTAC vor Ort attraktiv? Vortragsdidaktik und Rhetorikübungen werden vermittelt und Demopuppenbau. Die Könneraner ATTAC-Villa, ein Genossenschaftsprojekt, wird vorgestellt, ebenso die Vielfalt der Öffentlichkeitsarbeit.

Aktivisten dürften die Vernetzungstreffen nutzen, kennen sich doch viele nur über die themenspezifischen Mailinglisten. Unter anderm sind aufgeführt: das AgrarNetz, die AG Steuern, die EU-AG, FeministATTAC, einige Regionaltreffen und die AG Globalisierung und Ökologie.

Eine Ausstellung in der Technischen Universität, ein Konzert, mehrere Parties und verstecktes Theater sorgen für die Seele. Frühstück gibt’s, und Essen kann gekauft werden. Tageskarten kosten 20 bzw. zehn Euro, der Beitrag für die ganze Woche beträgt 100 bzw. 60 Euro. Angemeldet haben sich bisher über 365 Teilnehmer, Platz ist für so viele, wie im letzten Jahr gekommen sind: für bis zu 1 000.

* Der Veranstaltungsplan, nach Typen, Terminen und Themen gegliedert, steht unter http://www.attac.de/sommerakademie2004/
website/index.php?aufruf=cms&name=home
 

Aus der jungen Welt vom 27.07.2004 Inland http://www.jungewelt.de/2004/07-27/010.php  

T:I:S, 27. Juli 2004

*

Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/attac.htm  

Disclaimer / Copyright