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BP klittert.

BP erweckte mit der Anzeige ganz unten den Eindruck, Frau  Friederike Holldorf-Herzberg sei Biologielehrerin in der abgebildeten Schule und stütze sich auf die Mauer zum Pausenhof. Doch Frau Holldorf-Herzberg ist nicht Lehrerin an der abgebildeten Schule und war es auch nie. Darauf wies freundlicherweise Leser Hinnerk L. den Webmaster hin. Die Schule hat tatsächlich einen Fritz-Schumacher-Bau, steht in Hamburg-Bergedorf und heißt Hansa-Gymnasium. Hier das Schulgebäude ohne die deplacierte Frau Holldorf-Herzberg und ohne BP-Blümchen.

Quelle: Homepage des Hansa-Gymnasiums Hamburg-Bergedorf

Ist Frau Holldorf-Herzberg überhaupt Biologie-Lehrerin? Arbeitet sie vielleicht bei BP? Trägt die Dame auf dem Werbeplakat überhaupt diesen Frauen-Power-Doppelnamen? Kommt sie gar gänzlich aus der Cyber-Welt? Und: Wie soll der Weltkonzern BP je ein sauberes Image kriegen, wenn er schon in seiner Werbung klittert? Gar nicht zu reden von den 60.000 Schweißnähten seiner BTC-Pipeline, die jetzt rotten und bald Aserbaidschan, Georgien und die Türkei verseuchen könnten. Fragen, die uns der Kapitalismus stellt.

T:I:S, 2. Juni 2005     

*

* Leserin Sabine Bl. findet, Frau Holldorf-Herzberg sehe viel jünger aus als eine jung gebliebene Achtundsechzigerin. Was finden Sie? Beiträge bitte an
 

Thomas Immanuel Steinberg 

Ein Blümchen im Seifenhalter

Fritz Schumacher könnte die Schule gebaut haben: rostfarbener Klinker, Fassaden-Reliefs, hohe, klein unterteilte Fenster. Es ist gerade Pause. Die jung gebliebene Achtundsechzigerin * stützt sich auf die besprayte Schulhofsmauer. Das lange braune Haar trägt sie offen. Friederike Holldorf-Herzberg, Biologielehrerin, proklamiert: 

„Wer uns heute das Öl liefert, sollte sich so schnell wie möglich um alternative Energien kümmern.“

So pädagogisch die Diktion, so erläuterungsbedürftig der Gedanke. Warum soll gerade der sich um andere Energie kümmern, der jetzt Öl herbeischafft? Warum nicht der Staat? Oder ein Stahlkonzern? Oder Tüftler, die sich Sorgen machen – vielleicht mit einer Bank im Rücken? Warum überhaupt soviel Krafteinsatz  für Autos und anderen Unsinn? 

Wer Öl liefert, so die Lehrerin, soll auch Wind und Sonne einfangen -  Frau Holldorf-Herzberg steht nicht allein mit dieser Vorstellung: „Öl und Gas werden in den nächsten Jahrzehnten die wichtigsten Energien bleiben. Aber schon heute gewinnt BP Energie aus vielen verschiedenen Quellen. Als europäischer Marktführer im Solargeschäft haben wir die effizienteste Solarzelle der Welt entwickelt. Und in Berlin unter der Marke Aral die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. Der Anfang ist gemacht.“ 

Das sind die Worte der Herren von BP. Das Kürzel steht für einen der größten Erdölkonzerne der Welt: BP Amoco ist das US-amerikanisch-britische Unternehmen, das gerade die Eine-Million-Barrel-Leitung über 1700 km vom kaspischen Baku über Tbilissi nach Ceyhan am türkischen Mittelmeer fertigstellt. Die Leitung führt durch ein georgisches Naturschutzgebiet ins erdbebengefährdete Ostanatolien – teilweise über Land, das den Besitzern entschädigungslos genommen wurde. Auf dem Trassenstreifen in der Türkei gelten die nationalen Gesetze nicht, in Aserbaidschan und Georgien herrschen ohnehin keine Gesetze, sondern westlich gesonnene Diktatoren. Möglichen Forderungen bei Umweltschäden kann BP Amoco gelassen entgegen sehen. 

Die Biologielehrerin weiß wohl nicht, wem sie da zwischen Schulhaus und Hofmauer die Sorge um die Energiezukunft andient. Sie geht auch nicht weiter auf den BP-Werbetext ein. Sie selbst, samt Schumacher-Bau und Graffiti, ist Teil einer Werbung – einer Anzeige in der taz vom Freitag, dem 14. Januar 2004.

 

Die Werbeagenten der BP-Herren haben ihr den Spruch entlockt und sie zum Fotografieren auf den Schulhof gestellt. Darunter prangt ein Blümchen, grün und gelb, das Logo von bp, beyond petroleum, eingetragenes Warenzeichen. Das Blümchen könnte von den Grünen sein, oder von Greepeace. Für ihren unklaren Gedanken ist die Lehrerin hoffentlich entschädigt worden. Ein Eis muß drin sein für Schülerinnen, die die Anzeige entdecken und Aufklärung verlangen. 

Die Werbeagenten haben die – übrigens ganzseitige - Anzeige für solche wie die Biologielehrerin in der taz veröffentlicht, für Umweltfreunde, die nun auch BP irgendwie mögen. Die Anzeige steht in der Ausgabe, die mit einem siebenseitigen „Dossier Energie“ in Le Monde diplomatique als Beilage aufwartet. Es beschreibt die schrecklichen Folgen der bisherigen Energie- und Verkehrspolitik von Konzernen wie BP Amoco.  In der gleichen Ausgabe schreibt der Chefredakteur von Le Monde diplomatique, Ignacio Ramonet, das Internet und die Parteinahme der Presse für die Herrschenden hätten an den Printauflagen gezehrt, auch an der Auflage seines feinen Monatsblatts. 

Da gilt es für die taz, Anzeigen zu akquirieren. Ramonet verspricht, Le Monde diplomatique werde sauber bleiben: „Wir sind entschlossen, gegen den Strom der herrschenden Medien zu schwimmen“. Na dann, Ramonet, trimm’ dich fit in deiner Gegenstromanlage. Die Wanne namens taz, in der du alle Monate gegen die Düsen ankraulst, schaukelt mit einem grün-gelben Blümchen im Seifenhalter den Bach runter. 

T:I:S, 19. Januar 2005

Zur taz und den üblen Praktiken ihrer deutschsprachigen Beilage mit dem Titel "Le Monde diplomatique" siehe  Le Monde diplomatique , taz-Fälschungen 2002jW- Interview und Reporter ohne Grenzen 

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