Ralph Bollmann

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Thomas Immanuel Steinberg

Schmackhafte Sprüche

Wenn die Stiftung Warentest nicht mehr testen würde; wenn ihre Zeitschrift „test“ nur noch Marketing-Ratschläge enthielte – wo würde dann „test“ noch gelesen, außer in den Marketing-Abteilungen? 

Die Kommerzpresse prüft kaum, was die Parteien produzieren. Sie gibt Vermarktungs-Tipps, egal welcher Partei. Anders als FDP und PDS, schreibt zum Beispiel heute Ralph Bollmann in der taz, „wollen die Grünen nicht alles anders machen als die große Koalition, sondern nur vieles besser. Mit einer solchen Parole haben sie als dritte und kleinste Volkspartei aber nur wenig Aussicht auf öffentliche Wahrnehmung.“ 

Der Reklame-Spruch der Partei heische zu wenig Aufmerksamkeit – ganz konstruktiv bemängelt Bollmann die Selbstdarstellung der Grünen. Am liebsten würde er den  Berufspolitikern eine Parole abschmecken, auf die das Publikum tatsächlich anbeißt. Das Publikum - oh je  - sucht längst selbst danach, wie es am geschicktesten an den Haken genommen werden kann, in Leserbriefen, Meinungsumfragen und Wahlveranstaltungen: Frau Merkel müßte den Leuten das Gefühl geben, daß die CDU mehr Sicherheit schafft; die SPD sollte sich sozialer geben  und Andrea Nahles mehr herausstellen; die FDP müßte den Eindruck vermeiden, sie sei für alles zu haben. 

Die Partei-Strategen, samt und sonders Marketing-Fuzzis, bedienen sich aus dem Topf mit Ködern. Haben sie Erfolg, ernten sie Lob bei Presse und Publikum für ihre Geschicklichkeit. Scheitern sie, tönt es im Chor: „Die können sich eben nicht verkaufen.“ 

Das Publikum fragt keine Leistung nach, keine Ergebnisse. Es muß nur die Sprüche goutieren. Bollmann und die Leserbriefredaktionen sollten sich umbenennen in Allparteiliche Marketing GmbH.

T:I:S, 17. Oktober 2005     

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