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Stellungnahme,

 .pdf-Datei, der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost zu Henryk M. Broders jüngstem Unflat im Tagesspiegel. T:I:S, 9. Oktober 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/brbekenntnis.htm#Stellungnahme     

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Causa Edith Lutz

Zionisten laufen zu Höchstform auf

Das Internetportal israel heute behauptet am 8. Oktober 2010 unter der Überschrift "Gefälschte Urkunde":

Weil es mehr Aufsehen erregt, wenn eine „Jüdin“ gegen Israels Gaza-Blockade protestiert, hat die deutsche Nichtjüdin Edith Lutz ihre Urkunde, dass sie Jüdin ist gefälscht, um damit als „jüdische“ Sprecherin der linken Friede-Jetzt Bewegung auf dem Catamaran Schiff authentischer gegen den Judenstaat auftreten zu können. In Deutschland war immer eine latente Israel- und Judenfeindlichkeit von 15 bis 20 % vorhanden, die aber nimmt in letzter Zeit rasant zu. Nicht allein wegen Israels Nahost-Krise, sondern hauptsächlich wegen des moslemischen Einflusses auf die deutsche Bevölkerung.

Urkundenfälschung wurde Edith Lutz bisher nicht vorgeworfen. Offenbar hat sich die Redaktion des Portals die Anschuldigung ausgedacht. [Siehe Zusatz]

Die Betreiber produzieren professionell anmutende deutschsprachige Video-Nachrichten und verweisen auf ihr israel heute Magazin, das in Deutschland vertrieben wird. Als Postadresse ist angegeben: 

israel heute Shmuel-Hanagid St. 1 P.O. Box 7555 Jerusalem 91070 ISRAEL.

T:I:S, 8. Oktober 2010

Zusatz

Auf Anfrage teilte Frau Dr. Lutz mit:

Es trifft nicht zu, ich habe keine Urkunde gefälscht.

T:I:S, 9. Oktober 2010

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Thomas Immanuel Steinberg

Von Hochstaplern, Schnüfflern und Trittbrettfahrern

1968 wollten viele Franzosen noch nicht wahr haben, daß sich Landeskinder während der Nazi-Besatzung und und unter Pétain an der Verfolgung jüdischer Flüchtlinge, unter anderm aus Deutschland, beteiligt hatten. So bepöbelten Gegner der Studentenrevolte ungeniert Daniel Cohn-Bendit, den Sohn jüdischer Deutscher, die nach Frankreich geflüchtet waren; bepöbelten ihn teils wegen seiner jüdischen, teils wegen seiner deutschen Herkunft. Die Studenten antworteten mit dem Slogan:

Nous sommes tous des juifs allemands. 

Wir sind alle deutsche Juden.

Der Slogan stand für Solidarität mit Daniel Cohn-Bendit und mit Ausgeschlossenen allgemein.

 In den folgenden Jahrzehnten ließ die Deutschenfeindlichkeit sehr nach, und den französischen Juden gelang es, ihren sozialen Status erheblich zu verbessern. Sie konnten öffentliche Bekundungen von Judenhaß stark zurückdrängen. Zugleich mehrten sich die Fälle von Personen, die Opfer von Judenhaß zu sein vorgaben, aber gar nicht jüdischen Bekenntnisses waren: Hochstapler halt.

Inzwischen geistern auch bei uns, im Internet und bei Demonstrationen für die israelische Staats- und Regierungspolitik, Leute herum, die, wie Rolf Verleger einmal treffend bemerkt hat, "jüdeln". Sie wedeln mit der israelischen Fahne, verdächtigen Gegner – der israelischen Staats- und Regierungspolitik, der US-Politik und des Kapitalismus – des Judenhasses und geben sich philosemitisch wie Springer. Trittbrettfahrer halt.

Rolf Verleger gehört zur kleinen Minderheit deutscher Juden, die sich gegen die Vereinnahmung des Jüdischen für den Massakerstaat Israel und die ihn stützenden kapitalistischen Kräfte wehren. Auch Edith Lutz, jüdischen Bekenntnisses, wehrt sich. Zweimal hat sie sich an dem Versuch beteiligt, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen, unter Einsatz ihres Lebens; beim zweiten Mal ausdrücklich als Jüdin auf einem jüdischen Schiff. Mit andern Juden zusammen hat sie demonstriert: Der zionistische Massakerstaat und seine Parteigänger haben kein Monopol auf Jüdisches.

Einer dieser Parteigänger – der als Kind unter den unaufhörlichen Berichten seiner Eltern über Nazi-Gräuel gelitten hat – Henryk M. Broder, flickt nun der Jüdin Edith Lutz am Zeug. Ihr Bekenntnis zum Judentum, das einzige, was in Sachen Konfession hierzulande zählen darf, mißachtet er. Er habe nämlich recherchiert: Edith Lutz wolle partout keinen Judennachweis erbringen. Ein Schnüffler halt.

Der Schnüffler darf den Unflat im ohnehin skrupellosen Tagesspiegel veröffentlichen und damit Edith Lutz beschädigen. Michael Hanfeld käut den Unflat wieder, in der FAZ. Noch ein Trittbrettfahrer. Er scheint nicht zu wissen, wer am Steuer sitzt. Eine kleine Auswahl aus Broders Späßchen steht hier. Ein weniger bekanntes Beispiel, das mich betrifft, hier. Und ein zweites, das mich betrifft, krame ich jetzt hervor, weil es zeigt, was Broder macht, wenn Schnüffeln nichts bringt: Er unterstellt.

2005 wollte er mir am Zeug flicken. Er zitiert, was ich auf meiner Internetseite über meine Herkunft geschrieben habe und schließt:

Ein Jude mit lupenreinen Credentials. 

Doch steht das weder im Zitat, noch habe ich es je irgendwo behauptet. Broder fährt fort:

Wie "jüdisch" Steinberg ist, hängt freilich davon ab, mit wem er gerade spricht. In einem Interview mit "muslim-markt.de" sagt er:

"Ich bin zum Teil jüdischer Abstammung, aber ich bekenne mich nicht zum Judentum. Ich bin also kein Jude."

Broder spricht nicht nur einer Jüdin ab, Jüdin zu sein. Er unterstellt mir, der ich kein Jude bin, es je nach Adressat zu behaupten oder zu bestreiten. Broder beschädigt andere, vielleicht weil er beschädigt ist. Das wäre kaum beachtenswert, hätte er nicht Trittbrettfahrer wie Michael Hanfeld.

T:I:S, 7. Oktober 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/brbekenntnis.htm#Trittbrettfahrer    

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Günter Schenk

Judennachweis

Leserbrief

Henryk M. Broder hat für den Tagesspiegel herausgefunden: Edith Lutz, Passagierin der „Irene“, dem jüdischen Schiff, das vor Gaza von der israelischen Kriegsmarine gekapert wurde, bekenne sich als Jüdin, doch nach rabbinischen Recht sei sie keine. Nach bundesrepublikanischem Recht freilich kann sich jede bekennen, wozu sie will – doch das focht die FAZ nicht an, den Broderliner-Schmarren aus dem Tagesspiegel wiederzukäuen. T:I:S

Betrifft: Michael Hanfeld. Blockade im Kopf. Bei "Monitor"* segelt eine falsche Jüdin gen Gaza. F.A.Z. vom 6. Oktober 2010**

Die nun auch in Ihrem Artikel aufgeworfene Frage des Jüdisch-/Nichtjüdisch-Seins ist beunruhigend. Nicht, dass ich für mich selbst nicht antworten könnte, jedoch wegen der Fragestellung selbst.

Es gab eine Zeit, da musste man in einem barbarischen Regime in Deutschland öffentlich den Ariernachweis erbringen, um als Gleicher unter Gleichen anerkannt zu werden.

Soll es nun dazu kommen, dass jemand öffentlich seinen Judennachweis erbringen muss? Das kann es doch in einer säkularen, europäisch-demokratischen Gesellschaft nicht sein.

Der europäischen Aufklärung haben wir es zu verdanken, dass aus Religionszugehörigkeit eine Frage des Bekenntnisses wurde. Es ist darüber hinaus allgemein anerkanntes Gut, religiöses Bekenntnis als höchstpersönliche Privatsache zu betrachten – und auch zu achten! 

Es kann und darf nicht dazu kommen, dass in Deutschland und Europa die Halacha oder die Schari'a oder ein anderes fundamentalistisch-religiöses "Gesetz", von wem auch immer, über das bürgerliche Recht gestellt wird. Soweit mir bekannt, wird dieses Postulat auch von den maßgeblichen Glaubensrichtungen in der Bundesrepublik respektiert.

Insofern scheint die Frage tatsächlich erlaubt, ob diejenigen, die dazu nicht bereit sind, in unserer offenen säkularen, aus dem Humanismus der europäischen Aufklärung erwachsenen Gesellschaft angekommen sind. Schlimmer noch, die öffentlich von einem nicht einmal "Gläubigen", d.h. einem selbsterklärten Religionslosen, auf seiner homepage der "Achse des Guten" veranstaltete Hexenjagd erinnert auf erschreckende Weise an den unseligen McCarthy.

Hätte Ihr Autor Michael Hanfeld nicht auf die naheliegende Idee kommen können, bei der Attacke aus der "Achse des Guten" könnte es sich um den Versuch handeln, vom wirklichen Skandal, von der israelischen Gaza-Blockade abzulenken? Ein kurzer Blick in den Sumpf der "Achse des Guten" ließe dies leicht erkennen.

Ich bedaure zutiefst, dass die von mir geschätzte FAZ auf diesen Zug aufgesprungen zu sein scheint...

Günter Schenk, Straßburg, 5. Oktober 2010

T:I:S, 6. Oktober 2010

*Gemeint ist der Monitor-Beitrag vom 17. Juni 2010, sieben Minuten.

**Der Artikel kann jetzt auf einer anonym betriebenen Pöbelseite nachgelesen werden. T:I:S, 7. Oktober 2010 

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/brbekenntnis.htm#Schenk   

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Ethnie und Bekenntnis – eine Antwort

Lieber Gerhard,  

Du fragst, ob man die Juden als Ethnie bezeichnen darf. Ich finde ja, und ich will es erläutern.  

Begriffe sortieren und gruppieren Entitäten. Manche eignen sich, andere taugen nichts. Aber alle Begriffe werden gemacht, genauer, sind Konstrukte. Besonders auffällig ist das bei gesellschaflich bedeutsamen Begriffen, wie Großbourgeois, Volk, Klasse, Amish People, Hottentott, Zigeuner, Familie.  

Der Begriff „Rasse“ ist auch so ein Begriff. Er gruppiert Leute nach physischen Merkmalen. Kriminalisten tun sowas: Sie fragen z.B., welcher Rasse ein Mordopfer angehörte, damit sie es identifizieren können. Bevor der Rassismus aufkam, bezeichnete „Race“ manchmal die Leute aus Glücksburg, manchmal die englische Gentry. Der Begriff war weniger physisch als sozial gemeint, nicht physisch sondern sozial „konstruiert“.  

Ethnie ist die konstruierte Antwort darauf, daß es Bevölkerungsteile gibt, die weder physisch, noch sprachlich, noch religiös durchgängige Gemeinsamkeiten aufweisen und trotzdem als zusammengehörig gesehen werden und sich selbst auch als zusammengehörig verstehen. Genau das ist bei Juden der Fall. „Ethnie“ ist also ein ganz guter Oberbegriff für das, was Juden sind.  Oder Zigeuner, die sich in Deutschland heute Sinti nennen oder Roma. Sie zählen sich zum einen oder zum andern. Sie bekennen sich – in Deutschland – nicht als Zigeuner, sondern als Roma oder Sinti.  

Was hat es mit dem Bekenntnis auf sich? Als Beispiel sollen die Juden dienen.  

„Jude“ ist das gesellschaftliches Konstrukt par excellence. Heute dürfen nach Israel alle einwandern, die einen jüdischen Großelternteil haben. Das liegt daran, daß die Nazis diese und alle mit höherem jüdischem Anteil verfolgt haben. Die Nazis haben den jüdischen Anteil allerdings nicht an physischen Merkmalen festgemacht, das konnten sie auch nicht, sondern am Bekenntnis der Großeltern, der Eltern oder des Deutschtumskandidaten selbst.  

Wer sich zum Judentum bekannte, oder zu einem jüdischen Ehepartner, oder wer Eltern- oder Großelternteile jüdischen Bekenntnisses hatte, wurde diskriminiert. Das war der Kern der Nazidefinition von „Jude“: das eigene Bekenntnis und das Bekenntnis der Vorfahren – sozusagen wegen des Verdachts der „heimlichen“ Bekennerschaft zum Judentum aus dem Verwandtschaftsverhältnis heraus. Die Nazis haben genauso gehandelt wie die Spanier nach 1492: Auch diese haben die konvertierten Juden und deren Nachfahren, die Marranen, verfolgt – wegen des Verdachts heimlichen Bekenntnisses. Dabei gab es manchmal tatsächlich ein heimliches Bekenntnis in (heimlich praktizierten) Eßriten , Gebeten o.ä., womit dann die christlichen Spanier die Verfolgung rechtfertigten.  

Ähnlich konstruieren sich die Juden heute: Sie bekennen sich, oder auch nicht. Letzteres aber eher selten, da die Nazis massenmörderisch bewiesen haben, daß individuelle Abkehr vor der eigenen Vernichtung nicht schützt.  

Judentum ist also ganz gut als ein Bekenntnis zu bezeichnen. Das Wort „Ethnie“ für Juden tut’s indes auch: Denn kein Bekenntnis ohne materielle Zeichen, wie Nahrung, Kleidung, Traditionspflege oder Familienbezug. Auch das Bekenntnis / die Ethnienzugehörigkeit folgt der Weisheit: Keine Bedeutung ohne Ereignis, kein Ereignis ohne Bedeutung. Analytisch können Bedeutung und Ereignis getrennt werden. Auftreten tun sie jedoch nur gemeinsam. Sich den Mantel von rechts nach links knöpfen, bedeutet bei den Chassiden (ethnische) Zugehörigkeit. Das Ereignis des Rechtsknöpfens hat die Bedeutung: Ich bin Chasside. Ich bekenne mich dazu.  

Ich hoffe, Dir geholfen zu haben.

Herzlichst, T:I:S, 18. Juni 2003

Nachtrag

In einem offenen Brief von KR Victor E. Wagner, Präsident des österreichischen Zweiges von B’nai B’rith, der größten humanitären jüdischen Organisation der Welt, an den österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer ist zu lesen:

Das ZIB 2 Interview aus New York ließ nicht unbedingt große Berührungsängste Ihrerseits mit dem iranischen Präsidenten erkennen, der klar und deutlich mit der Vernichtung eines Volkes droht. Gerade unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sowohl Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, als auch Ihre Gattin Familien mit jüdischen Vorfahren entstammen, ist - wie ich meine - schon aus Gründen des Verantwortungsbewusstseins derartigen Entgleisungen entschieden entgegenzutreten. juedische.at

Wagner appelliert an die Stimme des Blutes in Fischer und seiner Frau. Sie weise beide doch an, sich zum Zionismus zu bekennen.

T:I:S, 8. Oktober 2009

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