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Thomas Immanuel Steinberg im Auftrag der
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik 
Kultur- und Bildungsmanagement WS 2005/2006

 

Kultur- und Bildungs-Controlling K3/133

 Freitag,     30. September 2005, 18.30 – 21.30 Uhr
Samstag,   1. Oktober 2005, 10.00 – 17.00 Uhr
Sonntag,   2. Oktober 2005, 10.00 – 17.00 Uhr 

von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg 

 

 I. Aus der Arbeit der TeilnehmerInnen 

A. Nennen Sie ein Problem aus Ihrem Arbeitsgebiet, das sich mit Begriffen aus Betriebswirtschaftslehre oder Organisationstheorie möglicherweise leichter erfassen und lösen läßt als z.B. mit psychologischen, pädagogischen oder juristischen Begriffen.

 
Kostenanalyse?

Steuerung?

Organisationsentwicklung?

 

 

 

 

B. Indikatoren für den Seminarerfolg

 

 

Darstellung klar?

 

 

 

Etwas gelernt?

 

 

 

Eigenes Bild von der Eignung der Begriffe?

 

 

 

Lösungsweg erkennbar?

 

 

 

 

C. Organisatorisches

Seminarprogramm-Entwurf

 

 


II. Kostenanalyse
 

A. Wozu Kenntnisse über Kostenanalyse?

Befragung; den Bürokraten auf die Schliche kommen

 

 

·      Verbesserung denkbar durch Qualitäts-, Prozeß-, Organisations-, Durchlaufzeit-, Spaß- oder auch Kostenanalyse

Kostenanalyse angemessen? siehe Anhang: Checkliste Steuerung / Weltanschauungsfrage

 

 

·      Kern jeder Analyse? Der Vergleich

: mit dem Vorjahr, mit der Konkurrenz, mit einem Soll (Norm), mit Alternativen

 

 

 

 

B. Was sind Kosten laut Betriebswirtschaftslehre?

Kosten sind leistungsbezogener Werteverzehr; Kosten - Leistung > Schaden - Nutzen

  

Die Leistungs- und Kostenfeststellung (vulgo: Kosten- und Leistungsrechnung) befaßt sich ausschließlich mit dem Realkreislauf. Kosten haben nichts mit Geld zu tun.

 

C. Sind Kosten objektiv feststellbar?

So wenig wie Leistungen; sie sind feststellbar per Bewertung - alle. Alle Kosten sind kalkuliert.

 

 

·      Das Erkenntnisinteresse entscheidet, was als Kosten zu betrachten ist.

Beispiel Auto. Beispiel Hansa-Kolleg. Jeweils Kosten in bezug auf gemeinte Leistung.

 

 

·      Mit der Analyse wo beginnen?

 

Nach Umfang sortieren

 

D. Kostenblock: Kapitalkosten

 

 

·      Was sind Abschreibungen?

 

Haben nichts mit steuerlichen Abschreibungen oder kameralistischen Vorkehrungen zu tun. Vielmehr Werteverzehr in einer Rechnungsperiode.

 

siehe Abschreibungen - Eine kleine Handreichung 2005 unter http://www.steinbergrecherche.com/abschreibungen.htm

 

 

·      Was sind „kalkulatorische“ Zinsen?

Äquivalent für entgangene Leistung. Denn: Vermögen bringt Einkommen - und über dieses kann eine Leistung besorgt werden. 

 

 

 

 

E. Kostenblock: Personalkosten

keine Ausgaben! Werteverzehr!

 

 

·      Netto-/Brutto-/Brutto-Brutto - je nachdem. (Sind Beamte billiger als Angestellte?)

Kernproblem: Was ist morgen wert, was heute das und das wert ist?

 

 

·      Gemeinkostenaufschläge, Schlüsselungen, Arbeitsplatzpauschalen - die Ideologie der Vollkosten wuchert fort.

Stattdessen systematisch richtig: Gemeinkostenwertanalyse, Zero-Base-Budgeting und andere alte Methoden mit neuen Namen. Noch schlauer: Total Quality Management oder Zeitanalysen, siehe A., erster Punkt.

 

 

·      Aufgliederung: in bezug auf Leistung(en), auch Kostenträger genannt; auch (völlig irritierend) Produkte

Leistungsrelevantes / nicht Leistungsrelevantes 
Leistung A / Leistung B

 

 

·      Zeitanschreibungen à la Refa - warum? Warum nicht?

 

Wie sonst zuordenbar? Wie persönliche Zuordnung dennoch vermeidbar. Institutionelle Zuordnung.  In der Regel Kostenfeststellung unvermeidlich.

 

Kontrollfragen: 

Welches sind die Kostenblöcke? Bitte schätzen, aber das Schätzverfahren muß nachvollziehbar sein.
Abschreibung und Verzinsung: Die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel der Kosten?
Zeitanschreibungen - wozu sie dienen; wann sie wem schaden

 

F. Kostenrest Sachmittel

Die Spielwiesen: Kaffee, Reisespesen, Fotokopien u.ä.

 

 

G. Die Probe aufs Exempel: Gebührenfestlegung anhand einer Kostenanalyse -geht das?

Nein. Wird aber gemacht. So wie scheinbar der Kfz-Betrieb den Zahlungsbetrag kalkuliert. Aber ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung: § 6 Hamb GebG

Literatur zur Kostenanalyse: 

Leitfaden für Kostenermittlung und Wirtschaftlichkeitsprüfung. Hinweise für die Verwaltung der Freien und Hansestadt Hamburg (2. Aufl.).- Hamburg: Finanzbehörde, Amt für Organisation und Zentrale Dienste (Hrsg., Selbstverl.) 1996

IBM Deutschland (1970): Einführung in die Kostenrechnung.- IBM (Selbstverl.) 1970

 

 

III. Steuerung  

Controlling ist Steuerung (Budäus 1992, S. 27). Was ist Steuerung?

A. Regelkreis

B. Basiskategorien:

Mittel - Ziel

Ursache - Wirkung

Schaden - Nutzen

 

 

 

 

 C. speziell: Kosten – Leistung

 

Das AKV-Prinzip: Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung in einer Hand; Beispiel: Preispolitik / Gebührenfestsetzung / Budget

 

D. Meßbarkeit - erforderlich?

Meßbarkeit ist ein Totschlagargument. Erforderlich ist Feststellbarkeit, nicht Meßbarkeit.

Intersubjektivität vs. Objektivität

Beispiel: Wieviele Gegenstände in diesem Raum? Feststellen erfordert: einen sozialen Prozeß der Einigung auf Indikatoren und Merkmalsausprägungen oder auf Verfahren zu deren Ermittlung herbeizuführen.

 

Literaturhinweise zum Controlling

Kommunale Gemeinschaftsstelle (KGSt): Von der Kulturverwaltung zum Kulturmanagement im Neuen Steuerungsmodell. Aufgaben und Produkte für den Bereich Kultur.- KGSt-Bericht Nr. 3/1997

Reichard, Ch.: Anwendung eines Indikatorensystems für das Controlling von Entwicklungsprojekten in der Technischen Zusammenarbeit. In: Weber, J.; O. Tylkowski (Hrsg.): Controlling in öffentlichen Institutionen. Stuttgart 1989, S. 157—183 

Budäus, Dietrich: Controlling als Element von Verwaltungsreform.- Sozialökonomische Beiträge, Zeitschrift für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, H. 5, 3. Jhrgg, 2/1992, S. 27-57

Thomas Immanuel Steinberg: Effizienz- und Sparrhetorik im Staatssektor. Internet 1998 http://www.steinbergrecherche.com/asleid.htm

 

 

IV. Organisationsentwicklung

 Die Implementierung von Controlling erfordert Organisationsentwicklung.

A. Was ist Organisationsentwicklung?

Allgemein: Gezielte Veränderung von Organisationen.

 

Speziell in der Tradition von Kurt Lewin: Veränderung unter Beteiligung der Organisationsmitglieder

 

3 Phasen: Unfreezing - Moving - Refreezing

 

 

B. Ein Verfahren zur Organisationsentwicklung, entwickelt vom Nederlands Pedagogisch Institut: die U-Prozedur - U wie Umweg.

7 Schritte in U-Form:

 

1. meinen

 

2. wissen

 

3. verstehen

 

 

 

7. planen

 

6. gestalten

 

5. entwerfen

 

 

 4. besinnnen

 

 

C. Einsatz der U-Prozedur zur Lösung ausgewählter Controlling-Probleme

 

 

 

 

 

D. Controlling-Struktur

Aufbau-Organisation

 

 

Die Zentral-Controllerin sollte der Leitung der Organisation unterstehen, die Bereichs-Controller der jeweiligen Bereichsleitung; keine Bereichs-Controller im Stab der Leitung der Organisation

 

 

 

Implementierung

 

Moderatorin

Beteiligten-Gruppen werden beteiligt
Aufgaben-/Problemfeld-Gliederung

Heuristisches Verfahren,

z.B. U-Prozedur

Erfolgskontrolle

 

 

 

 

 

 

E. Erfolgskontrolle

 

 

Grundsatz

 

Vorher sagen, was nachher sein soll. Nachher sagen, was hätte sein sollen, ist Evaluation im Sinne von Abwicklung, vgl. DDR-Universitäten nach 1989.

 

Verfahren

 

Je geringer der erforderliche Aufwand, desto wahrscheinlicher, daß tatsächlich der Erfolg kontrolliert wird.

 

 

Einige Verfahren in der ungefähren Reihenfolge des erforderlichen Aufwands:

·      Eintrittskarten/Votum „gut“ - „schlecht“; kein Zählen erforderlich

·      Stimmungthermometer

·      Applaus feststellen

·      Punkten

·      Strichliste

·      Befragung

·      Fragebogen / Meinungsforschung

·      Tiefeninterviews

·      Wirksamkeitsanalysen

·      Doppelblindtest

 

speziell: Fragebogen

Häufigste Fehler:

·      schlecht auszuwerten

·      Alternativen unecht

·      aussageloser Mittelwert

·      pseudo-präzise Skalierung

·      Addition / Division von Einzelwerten ohne Kenntnis über Äquidistanz

 

F. Kooperation und Macht

siehe Kooperation und Macht 2004 unter http://www.steinbergrecherche.com/macht.htm

 

Literaturhinweise

- zur Organisationsentwicklung:

Becker, Horst und Ingo Langosch: Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung und ihre Anwendung in der Praxis.- Stuttgart: Enke 1990

Kieser, Alfred: Human-Relations-Bewegung und Organisationsspychologie. In: Kieser, Alfred: Organisationstheorie.- Stuttgart ... 1993, S. 95-126, insb. S. 113-123

 - zur Organisationstheorie

Schreyögg, Georg: Organisation. Grundlagen moderner Organisationsgestaltung. Mit Fallstudien.- Wiesbaden: Gabler 1996

Luhmann, Niklas: Zweckbegriff und Systemrationalität.Über die Funktion von Zwecken in sozialen Systemen.- Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991 (1.Aufl. 1973)

Türk, Klaus (1995): „Die Organisation der Welt“. Herrschaft durch Organisation in der modernen Gesellschaft.- Opladen: Westdeutscher Verlag 1995, S. 156, 165 u. passim

Thomas Immanuel Steinberg: Leid ohne Gegenwehr. Internet 2002 http://www.steinbergrecherche.com/asleid.htm

  - zur Erfolgskontrolle

Steinberg, Thomas: Die Erfolgskontrolle: Freund oder Feind der Kultur? Einfache Instrumente u.s.w.- Aus: Handbuch KulturManagement.- Stuttgart: Raabe 1992 (mit weiteren Literaturhinweisen)...

... im Internet: Steinberg, Thomas Immanuel: Organisationsentwicklung. Erfolgreiche Kulturarbeit. Handhabbare Verfahren zur Erfolgsfeststellung und ihre behutsame Einführung (Überarbeitete Fassung von 1995)  http://www.steinbergrecherche.com/asorgaentw.htm

FHH: Leitfaden für Erfolgskontrollen, Stand 2000, zu beziehen über die Finanzbehörde

 

  Anhang

Checkliste Steuerung

Diese Checkliste kann Organisationen und Organisationseinheiten helfen, sich zu modernisieren. In Abhängigkeit von der Problemlage, bereits praktizierten Verfahren oder verfügbaren Instrumenten kann die Durchsicht den Weg zur Lösung beschleunigen. Grundsätzlich können sich alle Verfahren und Instrumente für die Besserung aller Problemlagen eignen. 

Problemlage/Anlaß/Ursache  

Verschlungene Abläufe?

Beschäftigungsschleifen?

Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung getrennt?

Mehrere „verantwortlich“?

Wirre Aufbauorganisation?

Starker Widerstand einer Instanz?

Starke Belastung einer Gruppe?

Unzufriedenheit bestimmter Adressaten?

Geld reicht nicht/Zuwendungsgeber nervt?

Presse schimpft?

Kooperationspartner widerwillig?

Kein Feedback intern/extern?

Sehr viel interner Schriftverkehr?

Endlose Debatten?

  Verfahren/Instrumente von Controlling/Evaluation/Erfolgskontrolle zur Steuerung

Organisationsentwicklung

Personalentwicklung

Selbstdarstellung für innen/außen

Kooperationsgrundsätze

Leistungs-/Wirkungsbeschreibungen

Kosten- und Leistungsfeststellung

Zielvereinbarungen/Kontrakte

Indikatoren für Leistung/Wirkung

Zeitraumvergleiche

Abnehmerbefragung

Vergleich mit Wettbewerbern

Berichte intern/extern systematisch

Projektkoordination

Incentives für Teilbereiche

Zu Problemdefinition und Verabredung von Maßnahmen eignet sich die U-Prozedur.

T:I:S, 15. Juni 2005

 

 

 

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