Douglas J. Feith

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Thomas Immanuel Steinberg 

Viele Juden sind keine Neo-Cons. 

Neo-Con Douglas Feith findet das überraschend. 

Douglas J. Feith ist Leiter der Politik-Planungsabteilung des Pentagon unter Verteidigungsminister Rumsfeld. Jeffrey Goldberg von der feinen Zeitschrift „The New Yorker“ portraitierte ihn. 

Feith bildete seine Ansichten als Jugendlicher während des Vietnamkriegs in den Suburbs von Philadelphia heraus. „Für einen Jugendlichen habe ich verhältnismäßig viel über den Zweiten Weltkrieg gelesen, und ich habe viel über Chamberlain nachgedacht“, erzählte er mir. „Chamberlain war bei uns zu Hause nicht beliebt.“ Feiths Vater verlor seine Eltern, drei Brüder und vier Geschwister in deutschen Todeslagern. „Was ich von Seiten der Antikriegsbewegung hörte, der ich einige Sympathie entgegen brachte ... das waren Gedanken darüber, wie die Welt funktioniert und warum Krieg nicht die Antwort ist. Ich denke, die Vorstellung, wir könnten in Frieden leben, egal was irgendwer in der Welt tut, ergab für mich keinen Sinn. Das ist ein Solipsismus. Wenn ich all diese nett klingenden Ideen mit meinem eigenen kleinen persönlichen ‚Cogito, ergo sum’ verglich, sah ich, daß meine Familie von Hitler ausgelöscht wurde, und daß all dieses Zeug darüber, daß man die Dinge verstehen muß – also, mit Hitler reden, um das Problem zu lösen... , schien mir sinnlos. Die Sorte von Leuten, die Aufkleber auf ihr Auto kleben mit dem Spruch ,Krieg ist nicht die Antwort’, nehmen die ernsthaft Stellung? Was ist die Antwort auf Pearl Harbor? Was ist die Antwort auf den Holocaust?“ Er fuhr fort: „Überraschend ist nicht, daß so viele Juden Neo-Cons sind, sondern daß so viele es nicht sind.“ 

Feith, der im "Office of Special Plans" den Lügenteppich zur Durchsetzung des Irakkrieges wob, weiß inzwischen so gut wie wir, daß nicht die Vietnamesen in den Westen der USA eingefallen waren, zwei bis drei Millionen Kalifornier und Texaner umgebracht hatten und  alle Jahre wieder den Tod von 58 000 willigen oder gleichgültigen Vollstreckern aus den eigenen Reihen betrauerten. Er weiß, es war anders herum. Die Kriegsgegner in den USA, unter ihnen viele Juden, waren überwiegend keine Pazifisten, sondern ihr Protest richtete sich ganz konkret gegen den Einsatz der US-Streitkräfte in Vietnam. Sie einte die Ansicht, daß der Überfall, die Besetzung, Bombardierung und Verseuchung Vietnams Verbrechen sind. Feith dagegen rechtfertigt  - mit dem Holocaust und der Vernichtung seiner Familie - noch heute den Vietnamkrieg. Hierin ähnelt er Joseph Fischer, der aus dem Holocaust die Lehre zog, Jugoslawien müsse bombardiert und zerschlagen werden. 

Doch Feith geht weiter. Ihn überrascht, daß nicht viel mehr Juden den gleichen lumpigen Schluß aus dem Holocaust ziehen wie er und der Nichtjude Fischer. Warum sollten sich gerade Juden dieser Meinung anschließen? Handelt es sich bei Juden, zumal bei solchen, deren Familien von Deutschen ausgelöscht wurden, um eine andere Art von Menschen? 

Schauen wir uns um. Am Stammtisch wird immer noch vorgetragen, warum gerade die Juden – im israelisch beherrschten Palästina – den Menschen soviel Leid zufügen, hätten sie doch selbst so unendlich viel gelitten. Wer so fragt, hält erstens Arbeits- und Todeslager für geeignet, Menschen zu bessern; zweitens erscheinen ihm Juden als unverbesserlich – die Frage trieft vor Rassismus. Den Neo-Con Feith erstaunt - vor ähnlich widerlichen Hintergedanken -, daß viele Juden nach den Arbeits- und Todeslagern nicht gelernt hätten, rund um die Welt zu fahren und Leute umzubringen. 

Wie die Stammtisch-Schwadronierer, so argumentiert auch Feith rassistisch. Weder sie noch Feith wollen wahr haben: Juden sind weder Unter-, noch Übermenschen, sondern Menschen. Sowohl die Schwadronierer als auch Feith haben das Zeug zum Kriegsverbrecher. Feith ist einer. 

Feith-Portrait von Jeffrey Goldberg: A Little Learning. What Douglas Feith knew, and when he knew it. The New Yorker Issue of 2005-05-09 http://www.newyorker.com/printables/fact/050509fa_fact 
Siehe auch Gary Leupp: "What's the Answer to the Holocaust?" Douglas Feith Bares His Soul to Jeffrey Goldberg, May 12, 2005.

Über Feath auf Deutsch: Empire, amerikanisch http://www.rainer-rilling.de/texte/americanempire_wf.pdf  Eine ausführliche Analyse des „ American Empire“: Outbreak. Let`s take over. American Empire als Wille und Vorstellung (Marburg / Berlin 2003) www.rainer-rilling.de/texte/american empire.pdf (1,03 MB)

T:I:S, 19.Mai 2005

 

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