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Viele Juden sind keine Neo-Cons.Neo-Con Douglas Feith findet das überraschend.
Douglas J. Feith ist Leiter der Politik-Planungsabteilung
des Pentagon unter Verteidigungsminister Rumsfeld. Jeffrey Goldberg von der
feinen Zeitschrift „The New Yorker“ portraitierte ihn. Feith bildete seine Ansichten als Jugendlicher während
des Vietnamkriegs in den Suburbs von Philadelphia heraus. „Für einen
Jugendlichen habe ich verhältnismäßig viel über den Zweiten Weltkrieg
gelesen, und ich habe viel über Chamberlain nachgedacht“, erzählte er mir.
„Chamberlain war bei uns zu Hause nicht beliebt.“ Feiths Vater verlor seine
Eltern, drei Brüder und vier Geschwister in deutschen Todeslagern. „Was ich
von Seiten der Antikriegsbewegung hörte, der ich einige Sympathie entgegen
brachte ... das waren Gedanken darüber, wie die Welt funktioniert und warum
Krieg nicht die Antwort ist. Ich denke, die Vorstellung, wir könnten in Frieden
leben, egal was irgendwer in der Welt tut, ergab für mich keinen Sinn. Das ist
ein Solipsismus. Wenn ich all diese nett klingenden Ideen mit meinem eigenen
kleinen persönlichen ‚Cogito, ergo sum’ verglich, sah ich, daß meine
Familie von Hitler ausgelöscht wurde, und daß all dieses Zeug darüber, daß
man die Dinge verstehen muß – also, mit Hitler reden, um das Problem zu lösen...
, schien mir sinnlos. Die Sorte von Leuten, die Aufkleber auf ihr Auto kleben
mit dem Spruch ,Krieg ist nicht die Antwort’, nehmen die ernsthaft Stellung?
Was ist die Antwort auf Pearl Harbor? Was ist die Antwort auf den Holocaust?“
Er fuhr fort: „Überraschend ist nicht, daß so viele Juden Neo-Cons sind,
sondern daß so viele es nicht sind.“ Feith, der im "Office
of Special Plans" den Lügenteppich zur Durchsetzung des
Irakkrieges wob, weiß inzwischen so gut wie wir, daß nicht die Vietnamesen in
den Westen der USA eingefallen waren, zwei bis drei Millionen Kalifornier und
Texaner umgebracht hatten und alle
Jahre wieder den Tod von 58 000 willigen oder gleichgültigen Vollstreckern aus
den eigenen Reihen betrauerten. Er weiß, es war anders herum. Die Kriegsgegner
in den USA, unter ihnen viele Juden, waren überwiegend keine Pazifisten,
sondern ihr Protest richtete sich ganz konkret gegen den Einsatz der US-Streitkräfte
in Vietnam. Sie einte die Ansicht, daß der Überfall, die Besetzung,
Bombardierung und Verseuchung Vietnams Verbrechen sind. Feith dagegen
rechtfertigt - mit dem Holocaust
und der Vernichtung seiner Familie - noch heute den Vietnamkrieg. Hierin ähnelt
er Joseph Fischer, der aus dem Holocaust die Lehre zog, Jugoslawien müsse
bombardiert und zerschlagen werden. Doch Feith geht weiter. Ihn überrascht, daß nicht viel
mehr Juden den gleichen lumpigen Schluß aus dem Holocaust ziehen wie er und der
Nichtjude Fischer. Warum sollten sich gerade Juden dieser Meinung anschließen?
Handelt es sich bei Juden, zumal bei solchen, deren Familien von Deutschen
ausgelöscht wurden, um eine andere Art von Menschen? Schauen wir uns um. Am Stammtisch wird immer noch
vorgetragen, warum gerade die Juden – im israelisch beherrschten Palästina
– den Menschen soviel Leid zufügen, hätten sie doch selbst so unendlich viel
gelitten. Wer so fragt, hält erstens Arbeits- und Todeslager für geeignet,
Menschen zu bessern; zweitens erscheinen ihm Juden als unverbesserlich – die
Frage trieft vor Rassismus. Den Neo-Con Feith erstaunt - vor ähnlich
widerlichen Hintergedanken -, daß viele Juden nach den Arbeits- und Todeslagern
nicht gelernt hätten, rund um die Welt zu fahren und Leute umzubringen. Wie die Stammtisch-Schwadronierer, so argumentiert auch
Feith rassistisch. Weder sie noch Feith wollen wahr haben: Juden sind weder
Unter-, noch Übermenschen, sondern Menschen. Sowohl die Schwadronierer als auch
Feith haben das Zeug zum Kriegsverbrecher. Feith ist einer. Feith-Portrait von Jeffrey Goldberg: A Little
Learning. What Douglas Feith knew, and when he knew it. The New Yorker Issue of
2005-05-09 http://www.newyorker.com/printables/fact/050509fa_fact T:I:S, 19.Mai 2005 *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Inhalt Home nach oben
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