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Outlook India berichtet von einer Wiederbelebung der Pläne für eine Gas-Pipeline von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan (TAP) im Vorfeld der Atom-Vereinbarung zwischen den USA und Indien. Die US-Firma Unocal hatte ab 1997 eine solche Transporttrasse geplant und sich kurz vor dem Überfall der USA auf das Afghanistan der Taliban wieder zurückgezogen. Das Projekt schließe nun Indien ein und sei daher in TAPI umbenannt worden. T:I:S, 10. März 2006 *Thomas
Immanuel Steinberg
Erdgas vom Iran nach Pakistan
und Indien – jetzt mit dem Segen der USA?
Jahrelang haben sich Vertreter der USA gegen eine Erdgasleitung vom feindlichen Iran über Pakistan nach Indien gestellt. Sie hatten verkündet, „absolut dagegen“ zu sein, und sogar mit Sanktionen gegen Indien und Pakistan gedroht. Doch gefragt, wie er zu dem Mehr-Milliarden-Dollar-Plan stehe, antwortete Präsident Bush am 4. März in Islamabad: “Was uns am Iran stört, ist nicht die Pipeline, was uns am Iran stört, ist... sie wollen eine Atomwaffe entwickeln, und ich glaube, daß eine Atomwaffe in der Hand der Iraner sehr gefährlich für uns alle sein wird.“ Bush habe mit dem pakistanischen Präsidenten Muscharraf über die Pipeline gesprochen. Er verstünde „die Notwendigkeit, an Erdgas in der Region zu gelangen, das ist in Ordnung“. Hätten demnach die
Vereinigten Staaten eine außenpolitische Wende im Umgang mit dem Iran und
seinen energie-hungrigen Nachbarn vollzogen, die zweite nach dem
Atom- und Waffen-Deal mit Indien? Bush wurde von der Welt-Presse so
verstanden. Mit großem Aplomb hatten
sich Indien und die Vereinigten Staaten
erst am 3. März 2006 auf ein Atom-Abkommen geeinigt. Nach mehr als 30-jährigem
Boykott werden die USA als erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und
Nuklearmaterial zur zivilen Nutzung an Indien liefern. Außerdem wird Indien von
den USA hochmoderne Waffensysteme kaufen. Welchen Preis Indien für den Deal zahlen würde, schien lange klar. Es würde den Plan der Erdgas-Pipeline vom US-feindlichen Iran über Pakistan nach Indien mit dem Kurznamen IPI aufgeben müssen, nach dem Motto: Ihr verzichtet auf die Stärkung unseres Feindes Iran durch Erdgas-Käufe, und wir erlauben und ermöglichen euch moderne Atomkraftwerke. Im Januar 2003 hatte das Land mit dem Iran ein Memorandum of Understanding unterzeichnet: Gemeinsam sollte entweder eine sehr teure Off-Shore-Pipeline durch Tiefwasser-Gebiet im Indischen Ozean gezogen werden, oder eine mit drei Milliarden Dollar relativ günstige Leitung über Land – durch Pakistan. Iran besitzt nach Berechnungen des US-amerikanischen Sachbuchautors Michael T. Clare – Öl und Erdgas zusammen genommen – fast ebensoviel Hydrokarbon-Reserven wie Saudi-Arabien. So zeigte in den Folgejahren auch Pakistan Interesse an der 2700 km langen IPI, und somit an der billigeren Verlegung über Land durchs pakistanische Belutschistan. Belutschistan ist arm und reich an regionalen Bandenkriegen. Als „Friedens-Pipeline“ sollte die Rohrleitung zur Entwicklung Belutschistans beitragen und, wegen der mit ihr verbundenen bi-nationalen wirtschaftlichen Verflechtung, auch den Jahrzehnte währenden Hader zwischen Indien und Pakistan beenden helfen. Doch die USA intervenierten. Am 16. März 2005 erklärte Außenministerin Condoleezza Rice: “Unsere Haltung zum Iran ist wohlbekannt, und wir haben der indischen Regierung unsere Bedenken bezüglich einer Gasleitungs-Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Indien mitgeteilt... Wir müssen die übergreifende Frage angehen, wie Indien seinen Energiebedarf in der kommenden Dekade decken wird... Wir stehen vor Energie-Gesprächen mit Indien.“ Indische Journalisten zufolge fanden zwar allein im zweiten Halbjahr 2005 sieben Treffen mit Pakistan einerseits, mit dem Iran andererseits statt. Sie hätten für das Pipeline-Projekt sowohl Klarheit wie Zuversicht geschaffen. Indien schien sich dennoch dem US-amerikanischen Druck zu beugen. Premierminister Manmohan Singh erklärte bei seinem Besuch in den USA Ende 2005, mit Pakistan hätten über die Pipeline „nur Vorgespräche stattgefunden. Er sei „realistisch genug, zur Kenntnis zu nehmen, daß da viele Gefahren bestehen angesichts all der Unsicherheiten der Lage im Iran. Ich weiß nicht, ob irgendein Bankenkonsortium das unterschreiben würde.“ Zur gleichen Zeit erklärten Vertreter des US-Außenministeriums, daß die atomare Zusammenarbeit der USA mit Indien Teil der Bemühungen sei, die geplante Pipeline zu verhindern. Weltbank-Chef Paul Wolfowitz erklärte der pakistanischen Regierung, seine Bank werde keiner internationalen Finanzinstitution erlauben, das Projekt zu finanzieren. Und nun die Wende um 180 Grad? Die regierungskritische US-Zeitschrift „The Nation“ bezweifelt das. „Statt klar die Frage nach der Haltung der USA zur iranischen Gas-Pipeline zu beantworten, blieb Bush vage, indem er sagte: ‚Was uns am Iran stört, ist nicht die Pipeline, was uns am Iran stört, ist... sie wollen eine Atomwaffe entwickeln, und ich glaube, daß eine Atomwaffe in der Hand der Iraner sehr gefährlich für uns alle sein wird’“, und indem er „keinen Einwand dagegen hatte, daß Pakistan Ergas ‚in der Region’ bekommt. Anscheinend ist die frühere Haltung der USA zum Projekt, nämlich ‚absolut dagegen’ zu sein, unverändert.“ Das wären schlechte Aussichten für den Weltfrieden. T:I:S, 6. März 2006 Quellen: *Thomas Immanuel Steinberg
Russisches Erdgas für Israel und den LibanonDas israelische Ministerium für nationale
Infrastruktur wird voraussichtlich in den nächsten Monaten eine
Machbarkeitsstudie über eine Erdgas-Pipeline durchs Mittelmeer abschließen.
Die russisch-türkischen Blue-Stream-Pipeline soll nach Israel und in den
Libanon verlängern werden. Kaspisches Erdgas strömt zur Zeit über 1000 Meter hohe
Berge am Boden den Schwarzen Meeres bei Samsun in die Türkei. Die Doppelleitung
hat eine Kapazität von zwölf Milliarden Kubikmetern pro Jahr, für Gas mit
etwa dem Brennwert von 250 000 Barrel Rohöl pro Tag (soviel, wie Israel an Rohöl
pro Tag verbraucht). Doch die Leitung ist mit zur Zeit nur drei Milliarden
Kubikmetern pro Jahr längst nicht ausgelastet. Die Verlängerung von Samsun im Norden der Türkei nach
Ceyhan am Mittelmeer und weiter am Boden des Mittelmeeres entlang bis Ashkelon
in Israel würde sich bei vier Milliarden Kubikmetern lohnen, sagte ein Sprecher
des Ministeriums. Anfang Februar 2006 hatten auch der türkische Energieminister
Hilmi Güler und Gazprom-Chef Alexej Miller den Abschluß der Verhandlungen
binnen zweier Monate angekündigt. Neben Israel solle auch der benachbarte
Libanon mit kaspischem Erdgas beliefert werden. Der Abschnitt bis Israel dürfte
frühestens 2011 fertig sein. Dann werde der israelische Bedarf an Erdgas bei
elf Milliarden Kubikmetern pro Jahr liegen. Die Türkei erhofft sich vom neuen gemeinsamen Projekt der
staatseigenen Firma Botas mit Gazprom weitere Entlastung bei der Erfüllung früher
eingegangener Abnahmeverpflichtungen. Sie hat bei den Russen bereits grundsätzliches
Einverständnis dafür erzielt, einen Teil des Gases durch eine im Bau
befindliche Leitung nach Griechenland und weiter nach Italien zu befördern.
Gleichzeitig bezieht sie selbst weiteres russisches Gas über eine Leitung aus
Bulgarien. Israelische Pläne zielen auf einen kompletten türkisch-israelischen Transportkorridor durch das Mittelmeer, neben Gas auch für Rohöl, Wasser und für einen Stromverbund. Gegenwärtig versorgt sich Israel mit eigenem Off-Shore-Gas und, demnächst verstärkt, mit Gas aus Ägypten und Palästina. Quellen: Lysandra Ohrstrom hat im Beiruter Daily Star im Zusammenhang mit der Blue-Stream-Verlängerung nach Israel und den Libanon ein paar geopolitische Spekulationen referiert, die prüfenswert erscheinen: - Die Türkei sei von dem
Plan größerer Unabhängigkeit von Rußland wieder abgerückt. T:I:S, 4. März 2006 siehe auch den SteinbergRecherche-Bericht über ein angebliches Geheimtreffen von Regierungsvertretern im August 2005 unter Türkei *Thomas Immanuel Steinberg
Streit unter Brüdern
Rußland,
die Ukraine und der Gaspreis – eine Geschichte in Fortsetzungen und vermutlich
ohne Happy End
Der russische Energiekonzern Gasprom ist Befürchtungen entgegengetreten,
die Gaslieferungen nach Westeuropa seien nicht mehr sicher. Der Vizechef des
Unternehmens, Alexander Medwedew, betonte am Donnerstag auf einer
Energiekonferenz in Berlin, Gasprom tue alles dafür, die Versorgungssicherheit
aufrecht zu halten. Auch die Klärung des Streits mit der Ukraine werde sich
grundsätzlich positiv auf die Versorgungssituation auswirken. Tatsächlich?
Foto: Turkish Daily News
Foto: Irib News Iran
T:I:S, 19. Januar 2006 Erschienen in der jungen Welt vom 20. Januar 2006 *Топ-тема
Немецкие эксперты: газовая война укрепит УкраинуBulgarien: Deutsche Welle verbreitet Schrecken über Gas-PreiseFür die Deutsche Welle war am Dienstag, dem 3. Januar der Gas-Krieg mit der Ukraine Top-Thema. Ihre russisch-sprachigen Radio-Sender behaupteten, Gazprom plane, auch für Bulgarien die Preise auf Weltmarktniveau anzuheben, von – inoffiziell angegebenen – 120 $ je 1 000 Kubikmeter bisher, auf dann 260 $. 97% des bulgarischen Erdgasbedarfs werden aus Rußland gedeckt. Zwei
Stunden später schrieb die bulgarische FOCUS News Agency, die Meldung der
Deutschen Welle sei falsch.
Laut Ilko Yotsev, Investment-Berater bei der Gazprombank, gelte der Vertrag
zwischen Bulgargaz und Russian Gazexport über die bisherigen Konditionen bis
2011 und sei nicht einseitig kündbar. Vielmehr werde über den Transit zusätzlicher
Gasmengen durch Bulgarien hindurch verhandelt. Die russische Seite habe der
bulgarischen lediglich ein Koppelgeschäft aus Transiteinnahmen und
Verbrauchsausgaben angeboten, das abzulehen ihr freistünde. Die
Erdgas-Zufuhr nach Bulgarien lief bisher ungestört, während sie nach
Mazedonien am 2. Januar 2006 unterbrochen und ins übrige ehemalige Jugoslawien
reduziert war. T:I:S, 4. Januar 2006 *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben
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