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Wer ist Steinberg Was die Recherche soll Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Home Inhalt Sie müssen nicht nach Brüssel fahren.Den Entwurf zum EU-Verfassungsvertrag gibt es hier:ISSN 1725-2407 / Amtsblatt
der Europäischen
Union / C 310
47.
Jahrgang / 16. Dezember 2004 / Ausgabe
in deutscher Sprache / Mitteilungen
und Bekanntmachungen / Informationsnummer
/ 2004/C 310/01 / Vertrag
über eine Verfassung für Europa . Sie werden entdecken: Der alte Juristen-Schnack gilt nicht mehr. Ein Blick ins Gesetz erschwert jetzt die Rechtsfindung. T:I:S, 2. Juni 2005 *Thomas Immanuel SteinbergSie wollen uns die Garrotte um den Hals legenAntwort auf einen Leserbrief aus AlbuquerqueEin Leser von
SteinbergRecherche aus Albuquerque, New Mexico reagierte am 1. Juni 2005 auf
meinen unten veröffentlichten Leserbrief an den Deutschlandfunk: …
Mich hat Ihre Haltung in Sachen Europäische Verfassung ein wenig überrascht. Möglicherweise
bin ich, da ich mich zurzeit in den Staaten aufhalte, nicht völlig auf dem
Laufenden, aber auf der anderen Seite auch sicherlich nicht von der europäischen
Medienmaschine indoktriniert. Trotzdem
verstehe ich Ihre ablehnende Haltung in dieser Angelegenheit gar nicht, zum
einen deswegen, weil Sie, wie alle Globalisierungsgegner, von denen ich gehört
habe, keinerlei Angaben zum Entwurf machen, der mir vorliegt, zum anderen, weil
ich der festen Überzeugung bin, dass die europäische Einigung einer der
wenigen richtigen Schritte ist, den unsere noch gegenwärtigen Politiker gehen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin weder CDU-Wähler, noch glücklich
darüber, in den USA zu arbeiten, sondern vielmehr der Meinung, dass die
Erfahrung, die die Generation meiner Grosseltern im letzten Krieg machen musste,
unbedingt für immer unser Handeln bestimmen muss, was bedeutet, dass Europa nie
mehr in den Krieg stürzen darf. Ich bin zum Beispiel zutiefst dankbar dafür,
dass ich in einer Zeit leben darf, in der Franzosen
und Deutsche keine Erbfeinde mehr sind, sondern gute Freunde (und dabei meine
ich nicht unsere Politiker sondern meine persönliche Erfahrung). Daher sehe ich
in dem Gedanken an eine gemeinsame Verfassung zu allererst einen weiteren
Schritt zu mehr Gemeinsamkeit und verstehe Ihre Häme nicht … Hier der
inhaltliche Teil der Anwort, redaktionell leicht verändert und um Verweise
ergänzt:
Sehr geehrter Herr, … In der Tat habe
ich bisher nichts zum Entwurf eines europäischen Verfassungsvertrags veröffentlicht.
Ein kleiner Teil meiner Einwände gegen das Gesetzeswerk steht in dem Beitrag
von Norman Paech, seit gestern hier.
Größeres Gewicht messe ich einzelnen Vorschriften im Entwurf bei. Das
sind, in lückenhafter Reihung: 1. die
Unterstellung der EU unter NATO-Kommando. Wo auf der Welt gibt es ein
staatliches oder staatsähnliches Gebilde, das sich als Demokratie versteht -
das einem anderen Souverän als dem eigenen Volk verpflichtet ist? Ich
kenne keins. Wäre der Verfassungsvertrag für die NATO entworfen worden, wäre
Souverän das Volk - oder es wären die Völker - der NATO. Das EU-europäische
Volk / die EU-europäischen Völker sind dem Entwurf nach nicht der Souverän in
der EU, sondern "die NATO" 3. die
Etablierung eines Parlaments ohne Recht auf Gesetzesinitiative. Das Recht,
einen Gesetzesentwurf vorzulegen, hätte laut EU-Verfassung nur die Europäische
Kommission, nicht das Europäische Parlament. Es würden feudalstaatliche
Zustände zurückkehren. Die Europäische Kommission wird von den europäischen
Regierungen ernannt. Eine kleine Gruppe übermächtiger Staaten gibt den
Ausschlag für die politische Richtung. Diese ist bisher immer den
Vorstellungen ihrer eigenen Machtelite gefolgt. Sprich: Siemens, Total, EADS,
ThyssenKrupp und ein paar andere würden die Gesetzesinitiative erhalten, die
EU-Parlamentarier könnten nur abnicken. Sie werden es tun mit dem Argument, das
ganz Europa seit einiger Zeit beherrscht: Wir können ja doch nichts tun, und
wir haben versucht, das Schlimmste zu verhindern. 4. Der
Verfassungsvertrag wäre nur änderbar mit der Zustimmung aller 25, später 27 Länder.
Es erscheint unvorstellbar, daß eine Änderungsinitiative, selbst unter den
meisten Völkern Europas, je Erfolg haben könnte. Estland zum Beispiel, ein
freundlicher Staat mit angenehmen Umgangsformen, wenn man einmal über die die
dort praktizierte Diskriminierung ihrer russisch-sprachigen Bürgerinnen
hinwegsieht, Estland ist nicht mehr als ein Städtchen. Ich glaube, ein europäischer
Konzern auch nur mittlerer Größe könnte ohne Anstregung die Regierung Estlands
dazu bewegen, gegen eine auch noch so vernünftige Verfassungsänderung zu
stimmen, wenn es diesem Konzern grad in den geschäftlichen Kram paßt. Das
heißt: Die Verfassung wäre nie änderbar. 5. - und das
ist, denke ich jetzt - der entscheidende Einwand; Attac hat ihn
in seinen Diskussionsrunden, filmischen Erläuterungen und Powerpoint-Präsentationen
in Paris herausgestellt: Im Vertragsteil III, dem bei weitem dicksten
und wichtigsten, steht an zahlreichen Stellen: die freie und unverfälschte
Konkurrenz wird garantiert. Die freie und unverfälschte Konkurrenz ist die
zentrale Norm in diesem gigantischen Werk. Das heißt: alle, aber auch alle
sozialgesetzlichen Vorschriften der einzelnen Mitgliedsländer können
angefochten werden, wenn sie gegen diese Norm verstoßen. Da die
Sozialgesetzgebung in allen Ländern unterschiedlich ist und von der europäischen
Verfassung ganz überwiegend nicht verändert wird, reicht eine niedrig
angesetzte sozialrechtliche Norm in einem einzelnen Land zur Anfechtung aller höher
angesetzten Normen in allen andern Ländern; denn diese höheren Normen -
bessere Gesundheitsversorgung, größere Kindergärten, breitere Fahrradwege -
behindert die freie Konkurrenz der privat wirtschaftenden europäischen
Subjekte. Über die Anfechtung
entscheiden würde dann der Europäische Gerichtshof. Ein paar Männeken
würden uns dann unsere sozialen Errungenschaften wegnehmen, ohne daß die
schlechter ausgestatteten Länder die Lage für ihre Bevölkerung verbessern könnten. Selbst wenn die
sozialpolitischen Standards der besser ausgestatteten Länder nicht angefochten
werden, so würden sie doch dem Druck zur Anpassung unterliegen - weil
die großen Unternehmen mit Leichtigkeit die Länder als Standort
bevorzugen würden, die schlechte Sozialstandards haben, weil dort die Leute
billiger zu kriegen sind. Selbst die Bevölkerung der relativ gut ausgestatteten
Länder würden darauf drängen, daß man ihnen nimmt, was ihre Vorfahren den
Unternehmern in blutigen Kämpfen abgerungen haben. Der
EU-Verfassungsvertag ist ein Ermächtigungsgesetz, wie es die Welt seit der
Selbstentmachtung des Deutschen Reichstags unter den Nazis nicht gesehen
hat. Ein Wort noch zur
europäischen Medienmaschine. 70% der Beiträge im privaten und staatlichen
französischen Fernsehen, 70% der Beiträge in den überregionalen Blättern Le
Monde, Nouvel Observateur, Le Figaro, L'Express, selbst Charlie Hebdo - waren für
das Ja bei der Abstimmung - die Beiträge des Präsidenten Chirac noch gar nicht
mitgezählt, der täglich mehrfach auftrat für das Ja. Die französische
Medienmaschine hat monatelang nur Allgemeinheiten verbeitet, wie: Wir sind für
Europa, die Nein-Anhänger dagegen. Monatelang hat die Maschine keine
Gegenargumente gebracht. Erst LCR, Kommunisten, attac und Kleingruppen haben überhaupt
den Text analysiert. Die deutsche Medienmaschine ist bis heute nicht auf den
Inhalt eingegangen. Ich weiß nicht, was in den USA erzählt wird. Schreiben
Sie es mir. Ich lese Counterpunch und antiwar.com , manchmal The Nation und
salon.com. Ich teile, wie Sie
abermals sehen, Ihren Abscheu vor Krieg. Deutschland und Frankreich hauen sich
nicht mehr den Schädel ein. Das ist großartig. West- (und nun auch Mittel-)
europa und Rußland stehen sich aber getrennt gegenüber. Der Verfassungsvertrag
würde die Entfremdung vertiefen, es sei denn, es gelingt den West- und Mitelmächten,
Rußland zu kolonisieren. Das ist meines Erachtens ihre Absicht. Der
Verfassungsvertrag zielt auch darauf. Ich hoffe, ich bin
nicht hämisch. Ich neige wohl eher zur Verbitterung angesichts der
Leichtigkeit, mit der die herrschenden Eliten in Europa ihre Marionetten in den
Parlamenten zur Zustimmung zu so einem Scheißdreck bewegen können. Die
Mehrheit der Franzosen hat verstanden, daß der Verfassungsvertrag die
Garrotte ist, die ihr die Herrschenden um den Hals legen wollen. Darüber habe
ich mich gefreut. Es bedarf großer
Anstrengung, damit ein Teil der mörderischen Pläne der Herrschenden
abgewehrt wird…
Verweise: zu 1. Neunzehn der fünfundzwanzig derzeitigen EU-Länder sind NATO-Mitglied. Artikel I-41 des Entwurfs zum Verfassungsvertrag erwähnt ausdrücklich diese Mitgliedschaft und verpflichtet alle EU-Länder, auch die sechs, die nicht NATO-Mitglied sind, zur Respektierung der daraus folgenden Verpflichtungen. Unter den NATO-Verträgen befindet sich der Vertrag von Washington vom 4. April 1949, mit dem unter anderm die NATO ihren völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien rechtfertigte. Auch EU-Länder, die aus der NATO austreten, wären zur Respektierung der Verpflichtungen der verbleibenden Mitgliedsländer gezwungen, also zum Beipiel zur Zulassung weiterer völkerrechtswidriger Angriffskriege. Siehe http://www.csotan.org/textes/texte.php?type=articles&art_id=230 Und: "M. Hollande se félicite de la création d’un ministre des Affaires étrangères de l’Union, mais M. Fabius relève que la défense de l’Union sera subordonnée à l’Otan, c’est-à-dire aux États-Unis, en conséquence de quoi la politique étrangère de l’Union sera dépendante de l’Otan et soumise aux États-Unis." Deutsch: "Herr Hollande rühmt sich der Einrichtung eines Außenministeriums der EU, doch Herr Fabius hebt hervor, daß die Verteidigung der EU der NATO untergeordnet wird, das heißt, den Vereinigten Staaten; mit der Folge, daß die Außenpolitik der EU von der NATO abhängen und den Vereinigten Staaten unterworfen sein wird. http://www.reseauvoltaire.net/rubrique971.html zu 2. Artikel
I-41
"Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten zu 5. und allgemein: Bernard Schmid: Frankreich vor der Abstimmung über den EU-Verfassungsvertrag. Oder: Wie die Anhänger seiner Ratifizierung am liebsten verschwiegen hätten, was in ihm drinsteht... Labournet, 4. Mai 2005; auf Französisch und sehr übersichtlich: http://www.freazer.com/perso/joumard/Une_economie_de_marche_ouverte.htm *Hörerbrief an den Deutschlandfunk zur Sondersendung zum EU-Referendum in Frankreich,
29. Mai 2005, ab 22.05 Uhr T:I:S, 29. Mai 2005 *Wer ist Steinberg Was die Recherche soll Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Inhalt Home nach oben
URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/euverfassung.htm
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