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Eine Homepage der Freunde der offenen Gesellschaft existiert noch. Ihr Äußeres paßt jetzt zum Inhalt: Sie ist nicht mehr hübsch gestaltet.T:I:S, 4. April 2007 *Thomas Immanuel SteinbergEine Trüffel unter deutschen Eichen:Die FdoGAuf einer Internetseite wächst zusammen, was zusammen gehört: die North Korea
Freedom Coalition mit Spiegel-Broder; Küntzel-der-Besessene mit dem CIA-Gewährsmann
der frühen Bundesrepublik, Melvin J. Lasky; das manchester-kapitalistische
Cato-Institut mit der Redaktion Bahamas. WADI e.V. unter Irak-Befreier
Osten-Sacken ist dabei; die Verehrer des Mussolini-Nachfolgers Berlusconi von
der Anti-Defamation League; und natürlich Jeffrey Gedmin aus der Luxus-Villa auf
Schwanenwerder. Sie alle finden sich auf der hübsch gestalteten deutschen
Homepage der Freunde
der offenen Gesellschaft, abgekürzt: FdoG .
Der Wissenschaftstheoretiker Karl Raimund Popper veröffentlichte im Herbst 1934 die Logik der
Foschung bei Julius Springer in Wien - ein
lesenswertes Buch. Zeitgleich mit der Niederlage des NS-Regimes und dem
Wiedererstarken des westlichen Antikommunismus empfand Popper sein klassen-gespaltenes Umfeld als offene
Gesellschaft - und die Gegner der Spaltung als Feinde. Die Empfindung brachte er
wortreich zu Papier und pökelte den Schinken mit dem Titel: Die offene
Gesellschaft und ihre Feinde. Die englische Königin schlug Popper 1965 zum
Ritter. Auch
Helmut Schmidt, dem der Iwan einst so zugesetzt hatte, schmeckte der Schinken.
Daher nun die FdoG, die Freunde der offenen Gesellschaft.
Sie sind, versteht sich, Freunde der israelischen und der US-amerikanischen
Regierungen. Überraschend dagegen auch für den, der Arnold Schölzels
Charakterisierung der Antideutschen als präventive Antikommunisten gelesen hat
(hier und weiter hier): Sie machen aus ihrem Antikommunismus keinen Hehl. In der „Einladung zu einem
ersten Treffen der Freunde der offenen Gesellschaft“ heißt es:
Was dieser Kommunismus sei, darf
nur per Negation ausgesagt werden. Abgeschafft sein sollen die Arbeit, das
Wertverhältnis, jegliche Depressionen und, je nach Geschmack, das bürgerliche
Subjekt, die Klassen oder die heterosexistische Matrix. Gleichzeitig wurde am
realexistierenden Ostblocksozialismus lediglich kritisiert, daß er „den bürgerlichen
Kategorien“ verhaftet geblieben und infolgedessen nicht kommunistisch genug
gewesen sei. So konnten sämtliche Verbrechen der realsozialistischen Staaten
bequem dem Verrat an der reinen Lehre zugerechnet und obendrein noch dem
Kapitalismus aufs Konto gebucht werden. Der Gulag-Terror sei kapitalistische
Modernisierung im Schnelldurchlauf gewesen, der Sowjetunion sei der Rüstungswettlauf
von den Kalten Kriegern des Westens lediglich aufgezwungen worden usw.
Und immer so weiter schreiben die Freunde, die vielleicht
Michael Holmes und Brands-Haide heißen (so die angegebenen Mailanschriften):
gegen männerfeindlichen Antisexismus; gegen das autoritäre China (Kurt Georg
Kiesinger: „Ich sage nur China, China, China.“); gegen das Atomprogramm des
Iran. „Es gab bisher keinen Kommunismus, der nicht antiliberal, antiwestlich
und antisemitisch war. Wir wissen nicht, was zu der Hoffnung berechtigt, es könnte
dereinst einen solchen geben.“ Also die Leier aus der Couchtischzeit, mit der
Kurbel dran, zum Hochstellen. „Und so lernten wir nach und nach, den Westen zu
lieben: anfangs noch verdruckst und zögerlich, aber nach den ersten
Geistesblitzen mit zunehmender Begeisterung.“
Auf der neunten Seite klingt das Werk lateinisch aus: E pluribus unum. (1) Was nur heißen kann: Eh alles eins, Hauptsache gegen die
Vielen.
Die redaktionellen Beiträge folgen dem Unternehmerprogramm
in der Einladung. Argumentativ läppisch, sind sie nicht einmal bildungsbürgerlich
auf der Höhe. Ein kritischer Beitrag zur Literaturwissenschaft ist überschrieben:
„Warum und zu welchem Ende usw.“ Das soll an die Antrittsvorlesung Schillers
in Jena 1789 erinnern. Deren Titel aber lautete: Was heißt und zu welchem Ende
(studiert man Universalgeschichte?) (2)
Bei den Links fehlen nur konkret und jungle world, Blätter,
in denen gelegentlich noch Linke schreiben. Dagegen ist das IWPR
vertreten, ein Riesenapparat von Bushs und Blairs Gnaden, und der
Kolonial-Kolumnist Thomas Friedman von der New York Times. Selbst auf die
nimmermüde Gudrun Eussner wird verwiesen, die atemlos Zitat an Zitat reiht in
der Meinung, man werde schon wissen, was sie sich beim Abschreiben gedacht hat.
Schließlich der Name: FdoG. Vertauscht man zwei Buchstaben,
dann erkennt den Inhalt auch wieder, wer noch nie von Popper gehört hat: FdGo,
Freiheitlich-demokratische Grundordnung ist die korrekte Bezeichnung für so eine
Trüffel unter deutschen Eichen.
T:I:S, 12. August 2005(1) Motto der Konföderation im Wappen der USA(2) In heutigem Deutsch: Was
nennt und wozu studiert man Universalgeschichte?
Dank an das Trüffelschwein Claudia Karas
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