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Als wäre er ein vernünftiger Mensch

 Zbigniew Brzeziński über den Terror des Kriegs gegen den Terror in den USA. Washington Post

T:I:S, 26. März 2007

*

Thomas Immanuel Steinberg

Zbigniew Brzezińskis Verschwörungstheorie

 Die US-Regierung könnte den Iran eines Terrorangriffs beschuldigen und sich dann „verteidigen“. 

Einer der übelsten, vor allem aber einer der erfolgreichsten Verschwörungspraktiker des vorigen Jahrhunderts vertritt eine Verschwörungstheorie. Zbigniew Brzeziński erklärte am 1. Februar 2007 vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats: 

Ein plausibles Szenario für einen militärischen Zusammenstoß mit dem Iran ist: Der Irak erreicht die Vorgaben nicht; darauf folgt der Vorwurf iranischer Verantwortung für das Scheitern; dann eine Provokation im Irak oder ein terroristischer Anschlag in den Vereinigten Staaten, dessen der Iran beschuldigt wird; gipfelnd in einem US-militärischen „Verteidigungs“-Unternehmen, das ein einsames Amerika in einen sich ausweitenden und vertiefenden Sumpf zieht, der womöglich vom Irak über den Iran und Afghanistan bis Pakistan reicht.  

A plausible scenario for a military collision with Iran involves Iraqi failure to meet the benchmarks; followed by accusations of Iranian responsibility for the failure; then by some provocation in Iraq or a terrorist act in the U.S. blamed on Iran; culminating in a “defensive” U.S. military action against Iran that plunges a lonely America into a spreading and deepening quagmire eventually ranging across Iraq, Iran, Afghanistan, and Pakistan. 

Zbigniew Brzeziński hatte 1979 als Sicherheitsberater von Präsident James Carter die sozialdemokratische Regierung in Afghanistan und deren sowjetische Beschützer mittels US-trainierter und bezahlter Muslime in einen 10-jährigen Krieg manövriert, der der Sowjetunion den Garaus machte. 

Der gerissene Hund Brzeziński hat über die zentrale Rolle Mittelasiens einen Bestselller verfaßt: The Great Chessboard (Die einzige Weltmacht) ist geopolitische Pflichtlektüre für jeden außenpolitisch Interessierten. 

Brzezińskis Aussage vor dem wichtigsten außenpolitischen Ausschuß der Welt über eine drohende Kriegsgrund-Inszenierung hat daher großes Gewicht. Seine Verschwörungstheorie klingt umso plausibler, als bisher keine der großen US-amerikanischen Zeitungen ein Sterbenswörtchen darüber hat verlauten lassen. 

Die Aussage, ein rhetorische Lehrstück, steht als .pdf-Datei auf den Seiten des US-Senats und als .php-Transskript bei The Washington Note. Deutsche Übersetzung der ganzen Aussage von Lutz Forster (Ergänzung am 5. Februar 2007)

T:I:S, 3. Februar 2007

*

Zbigniew Brzeziński

Der Anfang vom Ende Israels

Nathan Gardels führte das Gespräch

? Israel schlug die großen arabischen Staaten in sechs Kriegstagen, aber es war außer Stande, die Hisbollah nach mehr als einem Jahrzent Besatzung zu besiegen, bevor es sich im Jahre 2000 zurückzog. Und es war nicht in der Lage, nach drei Wochen intensiver Bombardierung und Artilleriebeschuß sowie Sondermaßnahmen am Boden den Raketenbeschuß zu stoppen. Heißt das, die Hisbollah hat gegen Israel „gewonnen“, weil sie die israelische Abschreckungskraft geschwächt und gezeigt hat: Israel ist nicht unbesiegbar?

! Man muß begreifen, daß Israel formale Armeen besiegt hat, die zumeist von ineffizienten und korrupten Regimen geführt wurden. Die Hisbollah führt einen „asymmetrischen“ Krieg gegen Israel, der von immer radikaleren und sogar immer fanatischeren Massen getragen wird. Das bedeutet: Ja, Israel wird viel größere Schwierigkeiten haben, mit letzerer wirksam zurechtzukommen als mit ersterer.

? In all den Jahren haben israelische Hardliner wie Ariel Scharon und Benjamin Netanyahu behauptet, Israel lebe in einer finsteren Wohngegend. Seine Feinde dort verstünden nur die Sprache der Gewalt. Die amerikanischen NeoCons argumentierten genauso – daß nämlich mit dem einseitigen Eindringen in den Irak die überwältigende Macht der USA „eine Vorzeigewirkung“ entfalten würde, die die finsteren Nachbarn zu US-Ziel-gemäßem Verhalten veranlassen würde.

Hat sich das nicht als falsch herausgestellt? Führt militärische Überlegenheit als grobes Instrument nicht zu ewiger Feindschaft, statt zu Sicherheit? Wenn man sich die Zerstörung der Städte im südlichen Libanon nach Scharons Invasion 1982 angeschaut hat, konnte man doch voraussagen, daß Jahre später so etwas wie der Hisollah-Haß auf Israel hochkommen würde.

! Die Rezepte der NeoCons –  Israel hat Entsprechendes – sind für Amerika fatal und letzten Endes auch für Israel. Sie werden die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung im Nahen Osten  vollständig gegen die Vereinigten Staaten aufbringen. Die Lektionen des Irak sprechen für sich. Wird die NeoCon-Politik fortgesetzt, dann werden die Vereinigten Staaten schließlich aus der Region verdrängt. Das wird auch der Anfang vom Ende Israels sein.

? Teilt der Tod von so vielen unschuldigen Zivilisten in Qana im Süden Libanons – ebenso wie die Massaker von Haditha im Irak durch amerikanische Soldaten – den Arabern und Persern nicht mit, daß der „Neue Nahe Osten“ aus den USA und aus Israel auf Besatzung, Gemetzel und Blufvergießen hinauslaufen wird? Sogar Shirin Ebadi, die iranische Dissidentin und Nobelpreisträgerin sagte mir kürzlich, daß die Iraner vorerst lieber die Mullahs ertragen als den Horror, den sie im Irak sehen.

! Genau deshalb ist die NeoCon-Politik von fahrlässiger Gefährlichkeit sowohl für Amerika als auch für Israel.

? Jenseits des Israel-Hisbollah-Konflikts – worauf läuft die US-Diplomatie in der Region hinaus?

! Neu ist, daß es immer schwieriger wird, das Israel-Palästina-Problem, das Irak-Problem und den Iran voneinander zu trennen. Weder die USA noch Israel sind in der Lage, dem Nahen Osten eine einseitige Lösung aufzudrücken. Es mag Leute geben, die sich selbst in diesen Glauben hineintäuschen.

Eine Lösung der Israel-Palästinenser-Frage gibt es nur bei ernsthafter internationaler Einbeziehung und Unterstützung der Gemäßigten auf beiden Seiten, wie viele oder wenige sie auch sein mögen; das würde auch die Lage schaffen, in der die kriegführenden Parteien größeres Interesse daran gewönnen sich anzupassen, statt zu widerstehen, sowohl wegen der Anreize, als auch wegen der Fähigkeit der äußeren Interventen,  ihnen Kosten aufzuerlegen.

Als der irakische Premierminister (Jawad) al-Maliki kürzlich Israel wegen des Libanon-Konflikts scharf kritisierte, war das ein Hinweis auf das, was kommt. Die Vorstellung, daß die USA einen gefügigen, demokratischen, stabilen, pro-amerikanischen, Israel-liebenden Irak bekommen werden, ist ein schnell verfliegender Mythos. Deshalb müssen die USA anfangen,  mit den Irakis über den Tag unseres Abzugs zu reden. Wir sollten nicht überstürzt abziehen. US-Botschafter (Zalmay) Khalilzad sagte mir, daß vier Monate überstürzt wären. Das finde ich auch. Aber wir sollten uns einig sein, daß die USA einige Zeit danach abziehen werden.

Dem Iran haben wir ein vernüftiges Angebot gemacht. Ich weiß nicht, ob sie positiv antworten werden, oder wenigstens nicht negativ. Ich neige zu der Vermutung, daß sie wohl weder negativ, noch positiv antworten werden, um auf Zeit zu spielen. Aber das ist nicht so schlecht, vorausgesetzt, sie verwerfen den Vorschlag nicht.

Das iranische Atom-Problem ist ernst, und die Iraner sind am Rande im Libanon beteiligt. Tatsache ist aber, daß die Herausforderung nicht unmittelbar droht. Und weil sie nicht unmittelbar droht, ist Zeit, damit umzugehen.

In der internationalen Politk ist es manchmal besser, Gefahren hinauszuschieben, statt zu versuchen, sie alle sofort zu beseitigen. Das ruft starke Gegenreaktionen hervor, die zerstörerisch wirken. Wir haben Zeit mit dem Iran, vorausgesetzt, der Prozeß des Umgangs mit der Atomenergie wird angestoßen. Er kann dann ausgedehnt werden und Sicherheitsgespräche über die Region einbeziehen.

Letztendlich ist der Iran bedeutend, nicht der Irak. Der Iran wird bestehen. Er wird eine Rolle spielen. Und auf längere historische Sicht besitzt er alle Voraussetzungen für eine konstruktive innere Entwicklung, gemessen am Alphabetisierungsgrad, am Zugang zu höherer Bildung und an der Rolle der Frau in der Gesellschaft. 

Die Mullahs sind Teil der Vergangenheit im Iran, nicht seiner Zukunft. Doch der Wandel im Iran wird  sich durch Engagement vollziehen, nicht durch Konfrontation.

Wenn wir diese Linie verfolgen, können wir vielleicht das Schlimmste abwenden. Wenn wir es nicht tun, fürchte ich, wird die Region explodieren. Langfristig wäre Israel in großer Gefahr.                

T:I:S (Übersetzung), 6. August 2006

Quelle vom 1. August 2006;  Biographisches über Nathan Gardels; gekürzte und abweichende Übersetzung in der Welt; Wikipedia über Zbigniew Brzeziński. Siehe auch: Wehe dir, Israel !

*

Im folgenden Interview aus dem Jahre 1998 gesteht der ehemalige Berater von Jimmy Carter, Zbigniew Brzeziński, ein, daß die USA mithilfe der Mudjahedin den tödlichen Krieg der Sowjetunion in Afghanistan angezettelt haben. Englische Übersetzung: http://www.counterpunch.org/brzezinski.html (Vielen Dank für den Hinweis aus der Charité! T:I:S)

 
 
Nouvel Observateur N° 1732 (15.-21. Januar 1998, S. 76)

 LES REVELATIONS D'UN ANCIEN CONSEILLER DE CARTER  

Oui, la CIA est entrée en Afghanistan avant les Russes...  
 
 
Le Nouvel Observateur. ­ L'ancien directeur de la CIA Robert Gates l'affirme dans ses Mémoires (1) : les services secrets américains ont commencé à aider les moudjahidine afghans six mois avant l'intervention soviétique. A l'époque, vous étiez le conseiller du président Carter pour les affaires de sécurité ; vous avez donc joué un rôle clé dans cette affaire. Vous confirmez ?  


Zbigniew Brzeziński

Zbigniew Brzezinski (2). ­ Oui. Selon la version officielle de l'histoire, l'aide de la CIA aux moudjahidine a débuté courant 1980, c'est-à-dire après que l'armée soviétique eut envahi l'Afghanistan, le 24 décembre 1979. Mais la réalité, gardée secrète jusqu'à présent, est tout autre : c'est en effet le 3 juillet 1979 que le président Carter a signé la première directive sur l'assistance clandestine aux opposants du régime prosoviétique de Kaboul. Et ce jour-là, j'ai écrit une note au président dans laquelle je lui expliquais qu'à mon avis cette aide allait entraîner une intervention militaire des Soviétiques. 
 
N. O. ­ Malgré ce risque, vous étiez partisan de cette « covert action » [opération clandestine]. Mais peut-être même souhaitiez-vous cette entrée en guerre des Soviétiques et cherchiez-vous à la provoquer ?  
 
Z. Brzezinski. ­ Ce n'est pas tout à fait cela. Nous n'avons pas poussé les Russes à intervenir, mais nous avons sciemment augmenté la probabilité qu'ils le fassent. 
 
N. O. ­ Lorsque les Soviétiques ont justifié leur intervention en affirmant qu'ils entendaient lutter contre une ingérence secrète des Etats-Unis en Afghanistan, personne ne les a crus. Pourtant, il y avait un fond de vérité... Vous ne regrettez rien aujourd'hui? 
 
Z. Brzezinski. ­ Regretter quoi ? Cette opération secrète était une excellente idée. Elle a eu pour effet d'attirer les Russes dans le piège afghan et vous voulez que je le regrette ? Le jour où les Soviétiques ont officiellement franchi la frontière, j'ai écrit au président Carter, en substance : « Nous avons maintenant l'occasion de donner à l'URSS sa guerre du Vietnam. » De fait, Moscou a dû mener pendant presque dix ans une guerre insupportable pour le régime, un conflit qui a entraîné la démoralisation et finalement l'éclatement de l'empire soviétique. 
 
N. O. ­ Vous ne regrettez pas non plus d'avoir favorisé l'intégrisme islamiste, d'avoir donné des armes, des conseils à de futurs terroristes ? 
 
Z. Brzezinski. ­ Qu'est-ce qui est le plus important au regard de l'histoire du monde ? Les talibans ou la chute de l'empire soviétique ? Quelques excités islamistes ou la libération de l'Europe centrale et la fin de la guerre froide ? 
 
N. O. ­ « Quelques excités » ? Mais on le dit et on le répète : le fondamentalisme islamique représente aujourd'hui une menace mondiale... Z. Brzezinski. ­ Sottises ! Il faudrait, dit-on, que l'Occident ait une politique globale à l'égard de l'islamisme. C'est stupide : il n'y a pas d'islamisme global. Regardons l'islam de manière rationnelle et non démagogique ou émotionnelle. C'est la première religion du monde avec 1,5 milliard de fidèles. Mais qu'y a-t-il de commun entre l'Arabie Saoudite fondamentaliste, le Maroc modéré, le Pakistan militariste, l'Egypte pro-occidentale ou l'Asie centrale sécularisée ? Rien de plus que ce qui unit les pays de la chrétienté... 
 
 
Propos recueillis par Vincent Jauvert 
 
(1) « From the Shadows », par Robert Gates, Simon and Schuster.  
 
(2) Zbigniew Brzezinski vient de publier « le Grand Echiquier », Bayard Editions.  
 
Vincent Jauvert  
 
 

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