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Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Home Inhalt
Die westlichen Imperialisten unter US-amerikanischer Führung überziehen die Welt mit Elend und Tod. Palästina wickeln sie die Nabelschnur um den Hals, und Israel treiben sie in den Selbstmord.
Beiträge und VerweiseLeah Tsemel: Augenblick Video The Israel Lobby, documentary, first episode Canadian Dimension: Jüdische Graswurzel-Revolte weltweit Shraga Elam gegen "Schalom 5767": Interview; traduction française, voir Tlaxcala "Schalom 5767" (Berliner Erklärung): Israel in der Sackgasse Norman Birnbaum: Ist Israel gut für die Juden? Zbigniew Brzeziński: Der Anfang vom Ende Israels Jacques Gevers: Was Israel vorhat. Shraga Elam: Ballon der jüdischen Lobby Noam Chomsky: Selbsthaß Felicia Langer: Vorwort zu Finkelstein Paul Oestreicher: Israel nährt Antisemitismus Ekkehart Krippendorff: Die Vereinigten Staaten und Israel Ran HaCohen: Democracy and Colonialism The Daily Star, Beirut, Libanon: Der Libanon – ein israelischer Papierkorb CAPJPO: Israelischer Staatsbürger als Flüchtling in Frankreich anerkannt Europäische Juden für gerechten Frieden: Erklärung zu Rosh H'Shanah - Neujahr 5766 CBC News: Säuberung Avraham Oz: Das ist mein Vaterland... Nathan Hofshi: In den Abgrund Michael Warschawski: Mit Höllentempo Moshe Zuckermann: Ideologie Diana Johnstone: Dieudonné Ran HaCohen: Die dritte Intifada Ran HaCohen: Ethnische Säuberung Michèle Sibony: Scharon will an Frankreich beweisen, daß Juden und Araber nicht zusammenleben können. Keren Yedaya: Sklaverei in Israel Daniel Barenboim: Israel - nur eine Episode? Uri Avnery: Leben (wie) in einer Seifenblase Ran HaCohen: Who Won World War II? Holocaust - 2. Teil und Schluß Benjamin Duncan, Al Jazeera: New Jewish peace groups emerging Fanny-Michaela Reisin: Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost BBC antisemitisch - sagt der Sprecher von Scharon Hauptmann Jonathan und seine sechsundzwanzig Aufrechten Prof. Dr. Rolf Verleger, Lübeck: *Leah Tsemel:Augenblick Einem europäischen Freund, der mich fragte, wie die
Soldaten am Kontrollpunkt Juden von Arabern unterscheiden könnten, wo doch alle
Welt sich ähnelt, antwortete ich, was ich hatte sagen hören:
Leah Tsemel: Pourrissement au Proche-Orient. Enfants qui meurent, enfants qui tuent. Le Monde diplomatique, November 2003. Wieder abgedruckt in : Michel Warschawski: La révolution sioniste est morte. Voix israéliennes contre l’occupation, 1967-2007. Paris, La Fabrique éditions, 2007, 14 Euro, S. 96 – 102, hier S. 99 T:I:S, 20 August 2007 *The Israel Lobby, documentary, first episodeThe first episode of a Dutch documentary series about the Israel lobby (particularly AIPAC) in the USA and the situation in the Middle East. Featuring interviews with Mearsheimer, geostrategist Lawrence Wikerson, Richard Perle, historian and critic Tony Judt, John Hagee, former Congressman Earl Hilliard, Kenneth Roth of Human Rights Watch, Michael Massing and Daniel Levy. The intro of this video was adapted - with footage of the former Malaysian prime minister Mahathir Mohamad and with some other things. Tegenlicht, a documentary program by the Dutch public broadcast organization VPRO. Video, 54 Minuten, T:I:S, 15. April 2007 *Jüdische Graswurzel-Revolte weltweitDie Alliance of Concerned Jewish Canadians beschreibt die weltweite jüdische Graswurzel-Revolte gegen die israelische Staats- und Regierungspolitik und gegen die Anti-Palästina-Lobby. Es revoltieren die Jews for Israeli-Palestinian Peace in Schweden, die Union Juive Française pour la paix / Rencontre Progressiste Juive in Frankreich, die Ebrei contro l’occupazione in Italien, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost in Deutschland, die Union des Progressistes Juifs de Belgique in Belgien, die Jewish Voice for Peace, Brit Tzedek, Tikkun und die Bronfman-Soros initiative in den USA, und andere in Süd-Afrika, Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern. Ebenfalls dazu gehören die Dachorganisation European Jews for a Just Peace und zahlreiche Gruppen in Israel. In Kanada wehrt sich die Alliance of Concerned Jewish Canadians (ACJC) gegen die islamophobe Kriegs- und Besatzer-Lobby. Canadian Dimension, T:I:S, 24. Februar 2007 Links zu einigen der Organisationen unter Recherche *Shraga Elam récuse la pétition en ligne « Shalom 5767
»
Propos recueillis par Thomas Immanuel Steinberg, 24
novembre 2006 Traduit par Michèle Mialane et révisé par Fausto Giudice 29/11/2006 Tlaxcala, le réseau des traducteurs pour la diversité linguistique, T:I:S, 29 novembre 2006 *InterviewShraga Elam lehnt die Online-Petition "Schalom 5767" ab.Rolf Verleger, Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland, und über sechzig Glaubensgeschwister in Deutschland haben mit "Schalom 5767" die Deutschen aufgefordert, sich für einen palästinensischen Staat neben dem Judenstaat Israel einzusetzen. Shraga Elam, in Zürich lebender israelischer Journalist, hält die Forderung für unrealistisch und unmoralisch. ? Sie sind seit Jahrzehnten ein entschiedener Gegner der zionistischen Politik des israelischen Staates. Die Berliner Erklärung „Schalom 5767“ wendet sich ebenfalls gegen die israelische Regierungspolitik. Halten Sie die Erklärung für einen Schritt in die richtige Richtung? ! Neue Ideen und Initiativen für den Israel-Palästina-Konflikt sind sehr wichtig. Die neue Petition ist leider ein Recycling etwa der Genfer Initiative mit ihren unrealistischen und unmoralischen Ansätzen. Wiederverwertung spart zwar Ressourcen, ist aber in diesem Bereich nicht sehr sinnvoll. ? Wieso sprechen Sie von unrealistischen Ansätzen? ! Auch wenn 10 Millionen Deutschen die Petition unterschreiben - sie wird die Tatsache nicht ändern, dass die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung keine Chance mehr hat. Noam Chomsky, ein bedingter oder taktischer Befürworter, nennt sie zurecht Regelung und nicht Lösung. Ob diese Regelung jemals eine Chance hatte, verdient eine längere Diskussion. ? Was wäre denn realistisch? ! Die ethnische Säuberung schreitet voran und eine blutige israelische Wiederbesetzung des Gaza-Streifens steht bevor. Sofortige Aktionen sind nötig, um die Verbrechen zu stoppen bzw. zu verhindern: Es gibt beispielsweise palästinensische Organisationen wie Badil, die für die Stationierung auswärtiger Schutztruppen plädieren. Ein anderes Beispiel: Im Palästina-Portal bei arendt-art.de gibt es einen Aufruf an die israelischen SoldatInnen, die Kriegsverbrechen zu sabotieren, wie es das israelische Militärgesetz ausdrücklich vorschreibt. Es gilt, solche Aufrufe zu unterstützen und bekannt zu machen, denn durch sie kann unmittelbar etwas erreicht werden. Selbst wenn kein einziger Soldat dem Sabotage- Aufruf folgen würde - es gab dennoch einzelne Fälle – er wirkt abschreckend auf die israelische Führung. Er fördert die Suche nach einem nachhaltigen gerechten Frieden. (Erläuterung hier ) ? Wieso halten Sie die Berliner Erklärung auch für unmoralisch? !
Ein Kernproblem des Konflikts ist der israelische Rassismus und der damit
verbundene Nationalismus. In Israel herrscht ein Apartheidsystem. FriedensbefürworterInnen
müssen die herrschende israelische Apartheid entschieden ablehnen. Das Konzept eines rein ethnischen Staates, in diesem Falle eines Judenstaates, widerspricht jedem Demokratie-Verständnis. Das ist ein israelisches Grundproblem, genauso wie die Besatzung, die nicht erst 1967 begann. Um neue Friedensperspektiven zu entwickeln, braucht es ANC-ähnliche Organisationen. Deshalb ist es sinnvoll, zum Beispiel von der PLO zu fordern, dass sie ihre Reihen für jüdische Mitglieder öffnet. Das würde dem Traum von einem gemeinsamen säkularen demokratischen Staat neue Chancen geben. Die Juden/Jüdinnen und die PalästinenserInnen sind wie siamesische Zwillinge. Sie sind verdammt zusammenzuleben oder zusammen zu sterben. ? Das heißt, auch an die palästinensische Seite wären Forderungen zu richten? ! Ja, die Palästinensichen Autonomiebehörde müßte aufgelöst werden. Denn sie erspart dem Besatzer Israel die politischen und wirtschaftlichen Kosten einer direkten Besetzung. Die Gefahr einer blutigen Besetzung wäre gebannt und die brutale Blockade gegen die palästinensische Bevölkerung zwangsläufig beendet. ? Was können Ihrer Meinung nach wir in Deutschland tun? ! Die Bundesrepublik hat vor der Annexion des DDR-Gebiets den moralisch und politisch-historisch falschen Beschluss gefaßt, den Staat Israel als Vertreter der jüdischen Naziopfer anzuerkennen und tatkräftig zu unterstützen. Damit hat sich Deutschland mitverantwortlich gemacht für die israelischen Verbrechen gegen die PalästinenserInnen. Nicht nur konnte und durfte Israel diesem Anspruch auf Vertretung der Nazi-Opfer nie gerecht werden; die israelische Führung hat darüber hinaus die deutsche Unterstützung als Lizenz zum Töten ausgelegt. Eine vernünftige Petition muss unbedingt den Stopp der deutschen Unterstützung für Israel fordern. Das Gespräch führte Thomas Immanuel Steinberg Shraga Elam ist israelischer Journalist und lebt in Zürich. Er recherchierte unter anderem über die zionistische Kooperation mit Nazi-Deutschland und die Rolle der Schweizer Banken. Er ist Friedensaktivist und Mitglied der akademischen Mailing-Liste Alef - Academic Left. Er und weitere Listenmitglieder wurden kürzlich mit Mord bedroht. Telefonisch kündigte ihm ein Anonymus an, die Henryk-M.-Broder-Brigaden würden ihn ermorden. T:I:S, 24. November 2006 Traduction française, voir Tlaxcala *"Schalom 5767" (Berliner Erklärung):Israel in der SackgasseRolf Verleger, Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland, und über sechzig Glaubensgeschwister in Deutschland erklären: .. wir sehen mit Entsetzen, wie der mit so großen Hoffnungen gegründete Staat Israel in einer Sackgasse der Gewalt feststeckt. Wir fordern die deutsche Regierung auf, mit der Europäischen Union
Die Erstunterzeichnerinnen hoffen auf eine Million Mitunterzeichner in Deutschland, egal welcher Konfession. Zu den ausschließlich jüdischen Erstunterzeichnern gehören die Sängerin Esther Bejarano; Judith Bernstein und Fanny-Michaela Reisin von der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost; Kurt Goldstein, Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees; der Verleger Abraham Melzer; und der Philosoph Ernst Tugendhat. Die Berliner Erkärung auf: Liste der jüdischen Erstunterzeichnenden T:I:S, 22. November 2006 *Norman Birnbaum:Ist Israel gut für die Juden?Jüdisch-amerikanische Staatsbürger können sicher sein, daß eine große Zahl jüdischer Organisationen den Anspruch erheben wird, in unserem Namen zu sprechen - ohne daß wir sie darum gebeten hätten. Wir können auch sicher sein, am Pranger zu landen, sollten wir dem zentralen Glaubenssatz der US-amerikanischen jüdischen Gemeinde widersprechen, daß Israel nichts Falsches tun kann. Unsere nicht-jüdischen Mitbürger, die Zweifel äußern, werden des Antisemitismus geziehen. Falls wir Juden sind, wird uns Selbsthaß attestiert. Die
Pro-Israel-Lobby Ist es denn die oberste Pflicht amerikanischer Juden, unseren beträchtlichen Einfluß zu nutzen, um die US-Politik mit der Israels abzustimmen? Die jüdischen Organisationen erzählen uns, es gäbe hier keinen Konflikt von Loyalitäten und Verantwortlichkeiten; beide Nationen hätten gemeinsame Werte und Ziele. Die Behauptung ist unsinnig, und ihre Wiederholung widerlegt eine Klischeevorstellung über die Juden, die unserer angeblichen Intelligenz. Oft wird zugleich behauptet, es gäbe keine Israel-Lobby, sondern lediglich normale US-Bürger, die gegenüber ihren gewählten Vertretern und der Regierung spontan ihre Meinung äußern. Die erfolgreiche, zusammen mit der israelischen Botschaft geführte Kampagne der Israel-Lobby, den Kongreß zur Unterstützung der Entscheidung des Weißen Hauses zu überreden, Israel im Libanon „Feuer frei“ zu geben, kann als unbeabsichtigtes Postskript zu einer anderen Kampagne verstanden werden: Im Frühjahr dieses Jahres haben die Professoren John Mearsheimer von der Universität Chicago und Stephen Walt von der Harvard-Universität in der London Review of Books und als Untersuchung der Kennedy School of Government eine Studie über den „Würgegriff“ publiziert, in dem die bedingungslosen Unterstützer Israels die amerikanische Politik halten. Die Unterstützer antworteten mit lautstarken Beschuldigungen: die Autoren seien böswillige Antisemiten oder - in den mildesten Kritiken - intellektuell unfähig. Der
gesellschaftliche Aufstieg der US-amerikanischen Juden Die
Assimilation der osteuropäischen Juden, die Ende des 19., Anfang des 20.
Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten einwanderten (darunter mein Großvater),
hat die Situation der amerikanischen Juden einst erheblich verändert. Heute,
angesichts der prominenten Juden in Handel und Finanzen, Kunst und Berufswelt,
Wissenschaft und Erziehung, Medien und Politik, ist nahezu vergessen, wie viel
offenen Antisemitismus es noch vor fünfzig Jahren in den Vereinigten Staaten
gab - auf der Spitze der
Gesellschaft wie in ihren Niederungen. Erst die Schuld des Holocaust und der
Philosemitismus des amerikanischen Calvinismus haben die amerikanischen Juden für
die anderen Amerikaner akzeptabel gemacht. Zudem hat die Idee der Puritaner im
17. Jahrhundert, die Vereinigten Staaten als Neues Israel zu verstehen, ihre
Nachfahren darauf vorbereitet, den Staat Israel als politischen und
Geistesverwandten unserer Nation zu sehen. Der ökonomische Aufstieg und die gesellschaftliche Akzeptanz der amerikanischen Juden seither ist sowohl eine kollektive wie individuelle Leistung. In der Tat ist es zu einfach, die Vereinigten Staaten als ganz und gar individualistische Kultur zu begreifen; gesellschaftlicher Aufstieg ist das Werk ethnischer und religiöser Gruppen mit hohem Organisationsgrad. Die Juden waren recht geschickt darin, ihren Aufstieg von eingewanderten Arbeitern und Hausierern zu Wall-Street-Managern und Universitätspräsidenten nicht nur zu ihrer gesellschaftlichen Integration zu nutzen, sondern auch ein beträchtliches Maß an kultureller und politischer Macht zu erlangen. Ein
schlechtes Gewissen und einträgliche Jobs Doch
die Freude über diesen Erfolg ist von schlechtem Gewissen getrübt, bzw. von
unserer Unfähigkeit, den europäischen Juden während des Holocaust zu helfen.
Diese Erfahrung und die unauslöschliche Erinnerung an den Völkermord selbst
ist ein wesentlicher Bestandteil amerikanisch-jüdischer Identität, in deren
Mittelpunkt heute die unbedingte Verteidigung des Staates Israel steht. Viele
amerikanische Juden schenken Jehova natürlich respektvoll Gehör - leider
glauben sie auch, die israelischen Premierminister und Stabschefs sprächen
unmittelbar im Namen des Herrn der Heerscharen. Das Engagement der amerikanischen Juden für Israel ist von der amerikanischen Elite begrüßt worden. Im Kalten Krieg und seinem illegitimen Sprößling, dem „Krieg gegen den Terror“, war Israel den US-amerikanischen Interessen von Nutzen. Zudem kam die Verwandlung einer bedeutenden Gruppe jüdischer Kommentatoren, Intellektueller und Wissenschaftler von kritischen Anwälten universeller Werte in Apologeten US-amerikanischer Überlegenheit und globaler Herrschaft unserer Führung sehr zupaß und verhalf Leuten, die von ihrem Verstand leben, zu einträglichen Jobs. Heute
schützt die Diaspora den jüdischen Staat Sind aber all diese Entwicklungen gut für die Juden? Israels Übernahme der Rolle als Vollstrecker der USA im Nahen Osten ist gewiß keine Garantie für Israels Überleben. Die vielbeschworene „strategische Partnerschaft“ ist nicht zwangsläufig von Dauer. Sollte die amerikanische Elite entscheiden, daß umfassendere strategische Interessen es erforderlich machen, Israel zu zügeln oder sogar fallenzulassen, wird sie das ohne Zögern tun. Auf die Proteste amerikanischer Juden wird man ihnen die doppelte Loyalität entgegenhalten - die Frage, die die jüdische Führung im Moment so selbstgefällig beantwortet. Die amerikanischen Juden könnten Israel mehr nutzen, wenn sie sich nicht völlig mit dem Land identifizieren und eine reflektiertere Haltung einnehmen würden. Seit der Eroberung durch die Römer hat Jerusalem wohl ein dutzendmal die Herren gewechselt. Die israelische Politik, mit ihrer Kombination aus Grausamkeit gegen die Araber und Verachtung für sie, wird eher früher als später einen weiteren Wechsel herbeiführen. Einst ging man davon aus, ein jüdischer Staat werde die Diaspora schützen, doch heute ist es die Diaspora, die den jüdischen Staat schützt. Die amerikanische Diaspora indes lebt damit weit über ihre politischen Verhältnisse. Ob sie Israel auf unbestimmte Zeit helfen kann, ist sehr zweifelhaft. Kuhhandel
zwischen ethnischen und religiösen Gruppen Von Haus aus waren einst die Hauptverbündeten der amerikanischen Juden liberale Protestanten, moderne Katholiken, deren große Leistung das Zweite Vatikanische Konzil war; und fortschrittliche Nichtreligiöse. Heute sind die organisierten Juden mit Leuten verbündet, die bis vor nicht allzu langer Zeit erbitterte Antisemiten waren. Die fundamentalistischen Protestanten glauben, die Gründung des jüdischen Staates bedeute, daß die Bekehrung der Juden unmittelbar bevorsteht. Nehmen die Fundamentalisten etwa an, daß die amerikanischen Juden das Ende der Zeiten vorwegnehmen und jetzt mit ihrer Bekehrung beginnen? Manche jedenfalls haben die Libanon-Krise als Einleitung zu Weltuntergang und Jüngstem Gericht begrüßt. Einstweilen bekämpfen sie den öffentlichen Pluralismus, der unabdingbar ist, um den Juden in den Vereinigten Staaten auf Dauer ihre Rechte zu sichern. Amerika droht zu einer Nation zu werden, die sich nicht mehr durch die Staatsbürgerschaft definiert, sondern durch Kuhhandel zwischen einander bekämpfenden ethnischen und religiösen Gruppen, einig nur in dem unmöglichen Projekt einer Weltherrschaft. Werden Nobelpreise, geschäftlicher Scharfsinn und das Selbstbild aus dem 17. Jahrhundert von Amerika als Neuem Israel die jüdische Minderheit schützen, wenn unser imperiales Projekt scheitert? Dessen Ende könnte zu Hause zu Spannungen und Entbehrungen führen, die einer Renaissance des Antisemitismus förderlich sind. Objektivität
wird Israel nicht schaden Bei F.D. Roosevelts New Deal und Lyndon Johnsons Great Society spielten die Juden eine wichtige Rolle in den Bündnissen für gesellschaftliche Reformen. Jüdische Energien wieder in solche Projekte zu investieren ist ein besserer Weg, das Überleben der amerikanischen Juden zu sichern, als Koalitionen mit Leuten einzugehen, die die Verwurzelung der Nation in der Aufklärung leugnen. Indirekt könnte dies auch Israel helfen: Ein Amerika, das sich realistischer sieht, kann seinen Einfluß in der Welt richtiger einschätzen und seine Verantwortlichkeiten besser abwägen. Objektivität im Nahen Osten wird Israel nicht schaden, sondern gerade jetzt sehr dabei helfen, die Aggressivität und den Militarismus zu zügeln, die derzeit die politische Kultur Israels beherrschen. Vor kurzem eröffnete ein israelischer General einen Ausblick auf die momentane Situation mit der Erklärung, Israel befinde sich seit 6000 Jahren im Krieg. Die heutige Bevölkerung Israels und die Nachbarvölker würden es wohl vorziehen, die nächsten 6000 Jahre mit einigen Jahrzehnten Frieden zu beginnen. Die Vereinigten Staate könnten helfen, wenn sie ihren beträchtlichen Einfluß und all ihre Mittel daran setzen würden, Israel zu ernsthaften Verhandlungen mit den Palästinensern zu zwingen. Die stellvertretende Kampflust vieler amerikanischer Juden ist destruktiv, und die Geschichte wird nicht freundlich über die urteilen, die diese Kampflust ermutigen. Das
jüdische Imaginäre Übrigens war die Fixierung der amerikanischen Juden auf Israel als dem Zentrum US-amerikanischen jüdischen Lebens in den ersten Jahrzehnten des jüdischen Staates alles andere als selbstverständlich. Damals belehrte die Führung der amerikanischen Juden die Israelis, nicht Israel, sondern die Vereinigten Staaten seien die jüdische Heimstatt. Merkwürdigerweise scheint der Holocaust, je größer der zeitliche Abstand wird, stärkeren Einfluß auf das jüdische Imaginäre sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Israel zu gewinnen und eine Unzahl von Gespenstern zum Leben zu erwecken. Die Zeit für einen nüchterneren Zugang zu den historischen Dimensionen der Gegenwart ist gekommen. Das ist schwer genug. Übersetzung: Barbara Schärer SteinbergRecherche dankt Barbara Schärer für die Übersetzung des vollständigen Textes. Eine andere Übersetzung ist inzwischen in der taz erschienen. Hier der englische Originaltext, erschienen in The Nation vom 5. August 2006. T:I:S (Zwischentitel), 31. August 2006 *Zbigniew Brzeziński:Der Anfang vom Ende IsraelsNathan Gardels führte das GesprächBrzezinski, 6. August 2006 *Jacques Gevers:Was Israel vorhat.*Worauf will Israel hinaus? Das fragen sich viele angesichts der jüngsten Ereignisse im Nahen Osten. Die Beobachter stellen die Unverhältnismäßigkeit heraus zwischen der Entführung eines Soldaten des jüdischen Staates und der gewaltigen Militäroperation, die jetzt erneut gegen die Palästinenser unternommen wird. Die teilweise Wiederbesetzung des Gaza-Streifens, der Feuersturm, der so lebenswichtige zivile Infrastruktur-Anlagen wie die Hauptbrücken und das einzige Elektrizitätswerk zerstört hat, die Mittel, die eingesetzt werden, um eine Bevölkerung zu terrorisieren und auszutrocknen, die bereits Hunger leidet, weil seine Regierung finanziell boykottiert wird, die Entführung von 64 Kadern der Hamas, darunter acht Minister: Solche Akte, um nur die spektakulärsten aufzuzählen, sind eher als Kollektivbestrafung zu verstehen denn als Reaktion auf die Entführung des unglücklichen Soldaten. Die Gefangennahme des Korporals Shalit hat Israel den Vorwand geliefert, den es abgewartet hat, um ein für allemal mit der Hamas-Regierung Schluß zu machen, und dann auch gleich mit der ganzen Palästinensischen Autonomiebehörde – indem es dem finanziellen Würgegriff militärischen Druck hinzufügte. Viele von uns verstehen nicht, wie und warum Jerusalem in derartiger Weise mit einer demokratisch gewählten Regierung umgeht und so, wie es das tut, ein Volk behandelt, mit dem es doch eines Tages Frieden schließen wolle. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheint die Haltung Israels in der Tat kontraproduktiv, weil sie nur darauf hinausläuft, die radikalsten seiner Gegner zu stärken und ihnen einen immer weiter wachsenden Teil der palästinensischen Bevölkerung zuzuführen. Aber eben das ist die Absicht der israelischen Regierung, in gerader Nachfolge Scharons, und die „kosmetische“ Anwesenheit der Arbeitspartei ändert daran nichts. Es wird Zeit, unsere analytischen Parameter offen zu legen und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Die israelische Regierung erlaubt sich, ihre Nachbarn so zu behandeln, weil sie auf Frieden mit ihnen verzichtet hat. Der jüdische Staat ist heute davon überzeugt, daß seine militärische Stärke ihm erlaubt, territoriale „Opfer“ zu verweigern, die freilich für den Abschluß eines dauerhaften Abkommens zur friedlichen Koexistenz mit den Palästinensern erforderlich wären. Die Räumung des Gaza-Steifens im Sommer 2005 diente einem dreifachen Zweck: der internationalen Gemeinschaft zeigen, daß Jerusalem zu einer „Geste“ in der Lage ist; die Armee – und das Budget – von der Verteidigung feindlichen Gebiets ohne strategische Bedeutung entlasten; und vor allem: die dadurch frei werdenen Mittel für einen verstärkten Zugriff auf das Westjordanland einsetzen. Premierminister Ehud Olmert wurde nämlich auf dem Glauben an ein sehr klares Programm an die Macht getragen, was seine Absichten hinsichtlich des größeren der beiden palästinensichen Gebiete anlangt. Es geht darum, einseitig die „endgültigen Grenzen“ Israels zu ziehen durch Annexion des größten Teils des „nützlichen“ Westjordanlandes: die großen Blöcke jüdischer Siedlungen, das Hinterland Jerusalems und das Jordantal. Bleiben für die Palästinenser nur die Gebiete, die sie am dichtesten bewohnen – aber nachdem dafür gesorgt wurde, daß sie dort innerhalb der „Trennmauer“ eingesperrt sind. Ein Volk seiner Rechte berauben, es ins Gefängnis stecken, es mit Kanonen in Schach halten, ihm ein untermenschliches Überleben aufzwingen – dieser großenteils bereits realisierte „Plan“ widerspricht sicher dem internationalen Recht und der Moral. Aber das macht den Führern Israels wenig aus, sind sie doch überzeugt davon, daß ihre militärische Stärke, das amerikanische Wohlwollen und die feige europäische Gleichgültigkeit dessen Verwirklichung ohne allzuviel Mühe erlauben werden. In diesem Land der Soldaten, wo weitsichtige Verantwortliche nicht Legion sind, stellen zu wenige den selbstmörderischen Charakter heraus, den ein solcher Plan für Israel annimmt. An uns ist es, den Schaden zu ermessen, den er dem Ansehen des Westens zufügt, und die Gefahr, die durch ihn über der internationalen Sicherheit schwebt. T:I:S (Übersetzung), 13. Juli 2006 *erschienen als Leitartikel im politisch-kulturellen Wochenblatt Le Vif / L’Express, Brüssel, unter Leitung von Patrick de Borchgrave, Auflage 97.000 unter dem Titel Le dessein d'Israël. Aus dem Leserbrief des Botschafters des Staates Israel beim Königreich Belgien, Jehudi Kinar, zu diesem Leitartikel:
Aus der Antwort der Redaktion:
*Shraga Elam:Plötzlich wäre aus dem Ballon der jüdischen Lobby – und mehr als ein Ballon ist es nicht – die Luft raus.Mehr Juden müssen realisieren, dass Israel für sie eine große Bedrohung darstellt und keinen richtigen Schutz bietet. Sie beschäftigen sich ja auch in Ihrem Buch mit der Frage, wie verbreitet heute Judenhass ist, ob er wächst oder stagniert. Meiner Ansicht nach nehmen antijüdische Erscheinungen und Gefühle zu – primär als Reaktion auf die israelische Politik und die Arroganz von verschiedenen jüdischen Exponenten wie Michel Friedman. Nun ist der Einfluss einzelner jüdischer Organisationen vor allem nach dem Sieg Israels im Krieg von 1967 gewachsen, nachdem Israel ein wichtiger Machtfaktor für die USA geworden ist. Nicht zufälligerweise hat sich danach auch die ganze Holocaustkultur viel stärker ausgeprägt. Aber solche Bündnisse sind immer befristet. Heute können jüdische Organisationen die US-Politik noch stark beeinflussen, aber es könnte bald zu einer Wende kommen. Ich sehe zwei mögliche Szenarien. Das eine: Die Schlappe im Irak wird für die Bush-Administration so unerträglich, dass diese behaupten könnte, die Juden oder Israel seien Schuld daran, dass es diesen Krieg überhaupt gegeben hat. Das andere Szenario wäre, dass sich die Situation in Israel wirklich zu einer bürgerkriegsähnlichen Lage zuspitzt. Die Gewaltbereitschaft innerhalb der israelischen Gesellschaft ist enorm groß: Auch auf der privaten Ebene, in der Familie und auf der Straße wird häufig große Gewalt angewendet. Es könnte zu einem großen Gewaltausbruch kommen. Wenn das stattfindet, egal vor welchem Hintergrund, wäre Israel für die USA als Partner nicht mehr so interessant. Das wiederum dürfte einen enormen Rattenschwanz nach sich ziehen. Plötzlich wäre aus dem Ballon der jüdischen Lobby – und mehr als ein Ballon ist es nicht – die Luft draußen. Die ganze Welt macht jetzt einen Kniefall, die UNO will einen Holocausttag einführen, aber das beruht nicht auf einer festen Einsicht, dass die Judenvernichtung in der Tat das schlimmste Verbrechen aller Zeiten war. Vielmehr ist es ganz klar politisches Kalkül, hier bestimmte Konzessionen zu machen. Wenn das politische Klima sich plötzlich ändern würde, wäre auch die internationale Haltung ganz anders. Wenn das passieren würde, könnten die vorhandenen unterdrückten Aggressionen vieler Menschen gegen Juden zum Ausdruck kommen. Leute wie Spiegel und Friedman realisieren das nicht so richtig. Man kann hier von der Arroganz der Macht sprechen. Dass diese Macht auf wackligen Füßen steht und sich ihre Arroganz gegen sie selbst auswirken könnte, halten diese Leute offenbar kaum für denkbar. Auszug aus: Für einen klaren Gegenpol. Shraga Elam über judeophile Attitüden in deutschen Medien / Von Arne Hoffmann, erschienen in DIE BRÜCKE - Forum für antirassistische Politik und Kultur, Heft 140, April - Mai - Juni 2006/2, XXV. Jahrgang. Das vollständige Interview mit dem Züricher Journalisten aus Israel steht im Netz bei Erhard Arendt. T:I:S, 14. Mai 2006 *Noam ChomskyImmunisierungstrategie "Jüdischer Selbsthaß"Seit langem gibt es den Versuch, Antisemitismus mit
Antizionismus zu identifizieren, um antirassistische Gefühle für politische
Ziele einzusetzen; „eine der Hauptaufgaben eines jeden Gesprächs mit der
nicht-jüdischen Welt ist zu beweisen, daß die Unterscheidung zwischen
Antisemitismus und Antizionismus überhaupt keine Unterscheidung ist“, meinte
der israelische Diplomat Abba Eban -
ein typischer Ausdruck seiner intellektuell und moralisch zwielichtigen Position
(Eban, Congress Bi-Weekly, March 30, 1973). Aber das genügt nicht
mehr. Jetzt ist erforderlich, Kritik an der israelischen Politik als
Antisemitismus zu entlarven – oder, im Falle von Juden, als „Selbsthaß“,
womit alle denkbaren Fälle abgedeckt sind. T:I:S, 2. April 2006 *Felicia LangerAus dem Vorwort zu FinkelsteinNorman G. Finkelstein: Antisemitismus als politische Waffe. Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte. Piper 2006. Die Hysterie bezüglich
eines »neuen Antisemitismus« dient nicht nur dazu, berechtigte Kritik an
Israel im Keim zu ersticken, sie soll auch von Verletzungen des Völkerrechts
und grundlegender Menschenrechte ablenken. So wurde die Weigerung, sich am
Angriffskrieg gegen den Irak zu beteiligen, mit Judenhaß gleichgesetzt. Der
Schriftsteller Elie Wiesel, Auschwitz-Überlebender und Friedensnobelpreisträger,
sagte am 27. Februar 2003 zum amerikanischen Präsidenten George W. Bush, der
Irak sei ein terroristischer Staat und die Intervention sei eine moralische
Pflicht. Hätte der Westen 1938 in Europa eingegriffen, hätten der Zweite
Weltkrieg und der Holocaust verhindert werden können, gab Wiesel zu bedenken.
»Das war ein bedeutender Moment für mich«, erinnerte Bush sich später, »denn
ich fühlte mich in diesem Moment bestätigt.« Zum vollständigen Vorwort, T:I:S, 26. März 2006 Dazu die Rezension von in der Zeit von Hans-Martin Lohmann: Wenn Antisemitismus politisch instrumentalisiert wird T:I:S, 31. März 2006 *Paul
Oestreicher
Die israelische Politik nährt den Krebs des AntisemitismusIch erkannte, daß der Krebs des Antisemitismus nicht geheilt war. Ihn nährt tragischerweise die israelische Politik – und wenn die Judenheit auf-Teufel-komm-raus die israelische Politik verteidigt, dann richtet sich der Zorn nicht nur gegen Israel, sondern gegen alle Juden. Paul Oestreicher: Israel's policies are feeding the cancer of anti-semitism. It is a lie that to reject Zionism as it is practised today is to be the inheritor of Hitler's racism. Guardian, Monday February 20, 2006Guardian, T:I:S, 22. Februar 2006 *Ekkehart Krippendorff
Die Vereinigten
Staaten und Israel
Projektionsflächen für
Hoffnung und Hass
Es sind die sensibelsten und hellsichtigsten unter der Minderheit Scharon-kritischer Israelis, die in dessen aggressiver Politik den Keim zur Selbstzerstörung des großen Traumes von Erez Israel angelegt sehen. In einer nicht nur feindlichen, sondern hasserfüllten Umgebung erdrückender arabischer Mehrheiten wird sich das kleine Land auf Dauer mit all seiner Militärmacht und seinen Atombomben nicht halten können - es sei denn auf Kosten seiner Seele, die das Projekt einst überhaupt möglich gemacht hat. Druckfassung:
Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 8 (August) 2002, S.
943-953 Friedensforschung Kassel, T:I:S, 11. Januar 2006 *Ran HaCohen:Democracy and ColonialismDiese Politik [von Likud und Arbeitspartei] verschaffte Israel – einst ein gemäßigter Wohlfahrtsstaat – die größten Einkommensunterschiede in der westlichen Welt (oder fast die größten, siehe Gini Index of Equality , Scrollen auf der linken Bildschirmseite, T:I:S), mit wachsender Nicht- und Unterbeschäftigung, mit einer schnell schrumpfenden Mittelklasse, mit verheerendem Armutsanteil unter den Alten, den Kindern und den Erwachsenen (siehe Armutsbericht) und mit einer aufblühenden Wohltätigkeitsindustrie; kurz, eine Gesellschaft, die mit hoher Geschwindigkeit verrottet in Richtung auf Lebensbedingungen eines Dritte-Welt-Landes, mit einer Handvoll Reicher, die die verarmten Massen versklavt. Mit einem starken Staat und einer schwachen Bürgergesellschaft gab es sehr wenig Widerstand gegen den Neo-Liberalismus in Israel. Antiwar.com , 7. Dezember 2005. Die deutsche Übersetzung im Netz ist an dieser Stelle fehlerhaft. T:I:S, 15. Dezember 2005 *The Daily Star, Beirut, LibanonDer Libanon – ein
israelischer Papierkorb
Israelische Kriegsflugzeuge und Kampfhubschrauber verletzten am 23. November 2005 den libanesischen Luftraum und entluden –zig Tausende Zettel über dem fremden Land. Darauf verkündete der israelische Staat den Libanesen auf Arabisch: Die Hisbollah im Libanon schade dem Libanon sehr. Bisher hat die Hisbollah eher dem israelischen Staat
geschadet. Bei Wikipedia ist zu lesen: „Im Jahr 1982, kurz nach dem israelischen Einmarsch in den Südlibanon, formierte sich die Hisbollah aus mehreren kleineren Gruppen. Sie gliedert sich in einen ‚politischen’ und in einen ‚militärischen’ Arm. Unter anderem die Aktionen des militärischen Arms führten im Jahr 2000 zum Rückzug Israels aus dem Libanon.“ Die Beiruter Zeitung The Daily Star fand, die Verwendung ihres Landes als Papierkorb verletze und beleidige die Libanesen. Sie würden daran erinnert, daß die Israelis nach Belieben ins Land einfallen könnten, ohne Sanktionen oder eine Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft fürchten zu müssen. Wegen genau dieser Gefühllosigkeit fänden Widerstandsgruppen wie Hisbollah und Hamas soviel Anklang beim palästinensischen und beim libanesischen Volk. T:I:S, 25. November 2005 *Coordination des Appels pour une Paix Juste au Proche-OrientIsraelischer Staatsbürger als Flüchtling in
Frankreich anerkannt
Zum ersten Mal ist ein israelischer
Staatsbürger von der französischen Justiz als Flüchtling anerkannt worden –
wegen erlittener Verfolgung im eigenen Lande, so die Justiz. Eine Entscheidung,
die natürlich ein wenig das Land „befleckt“, das sich dauernd als
„einzige Demokratie des Nahen Ostens“ großtut... Die Mißgeschicke des 1999 nach Israel
ausgewanderten Russen jüdischen Glaubens illustrieren, wie zu lesen sein wird,
sadistische, rassistische und xenophobe Praktiken auf allen Ebenen der
Gesellschaft und der israelischen Verwaltung. „Weil sie ein Kreuz trug, war seine
Tochter im Oktober 1999 Zielscheibe von Demütigungen durch ihre
Klasenkameraden; weil der Vater sich weigerte, seine Tochter zum Judentum zu
konvertieren, mußte er mit seiner ganzen Familie im Januar 2000 nach Hadera
umziehen; am 23. Oktober 2001 wurde seine Tochter Opfer eines Terrorattentats
mit schweren Nachwirkungen; wegen ihrer Behinderung wurde sie von den
Klassenkameraden diskriminiert; wegen der Weigerung seiner Tochter, im September
2002 in die Schule zurückzukehren, bat er – vergeblich – um Hilfe bei der
Schulbehörde; während er und seine Frau im Juli 2002 einen Paß erhielten,
bekam seine Tochter keinen, da sie christlichen Glaubens sei, unter dem Vorwand,
sie sei keine Staatsbürgerin“, schrieb der Berichterstatter der Kommission zu
Anerkennung von Flüchtlingen. „Im August 2002 reichte der Vater
vergeblich Klage beim Staats-Kontrolleur in Jerusalem ein, dann beim Stab des Außenministeriums;
seine Klagen waren erfolglos, denn seine Tochter sei nicht israelische Staatsbürgerin;
im September 2002 wurde ihm mitgeteilt, daß seine Tochter nicht mehr den Status
einer „dauernd Aufenthaltsberechtigten“ besitze, sondern den einer „vorläufig
Aufenthaltsberechtigten“; nachdem seine Tochter sich im Oktober 2002 wegen der
Haltung ihrer Mitschüler geweigert hatte, in die Schule zu gehen, wandte er
sich an einen Gemeindeabgeordneten, der ihm Hilfe versprach; nach der Veröffentlichung
mehrerer Zeitungsartikel über ihre Lage erhielt die Tochter im November 2002
einen Behindertenausweis, der nur teilweise ihre Behinderung abdeckte; danach
bestätigte der Schulrat dem Vater, daß die Tochter tatsächlich nicht
israelische Staatsbürgerin sei und daß ihm und seiner Frau das Sorgerecht
entzogen werden könne, wenn die Tochter nicht in die Schule zurückkehre; er
erfuhr ebenfalls, daß die Probleme gelöst wären, wenn seine Tochter zum
Judentum konvertieren würde; dank der Hilfe des Abgeordneten und einer
Hilfsorganisation konnte die Tochter im Dezember 2002 in die Schule zurückkehren;
im Dezember 2002 reichte der Schulrat eine Petition gegen sie ein mit dem Ziel,
daß seiner Frau und ihm das Sorgerecht entzogen würde“, schreibt der Autor
des Berichts weiter. „Am 23. Februar 2003 wurden er und
seine Frau auf das Polizeirevier geladen und über die Familiensituation
befragt; am 15. März 2003 haben sie Klage beim Innenministerium eingereicht; im
April 2003 haben sie den Schulrat verklagt
- er habe die Krankheit der Tochter verschlimmert; nach Drohanrufen und
antichristlichen Traktaten mit der Aufforderung, die Klage zurückzuziehen,
haben sie bei der Polizei vergeblich Anzeige erstattet; angesichts der Belästigungen
der Tochter schlug der Revierchef den Eltern vor, ihre Tochter zu konvertieren
– sie weigerten sich; im Juni 2003 wurde der Behindertenausweis der Tochter
eingezogen, während ihr Gesundheitszustand sich verschlimmert hatte; am 29.
Juni 2003 wurde die Mutter vom Schulrat angegriffen und bedroht, falls sie ihre
Klage nicht zurückzögen; am 23. Juli 2003 wurden ihre Pässe von zwei
Polizisten eingezogen; am 25. Juli 2003 erfuhr die Mutter, daß ein Gericht
ihnen das Sorgerecht entziehen und die Tochter in ein Internat schicken werde;
um ihre Sicherheit fürchtend, ist der Vater mit Frau und Tochter aus dem Land
geflohen; er befürchtet, im Falle der Rückkehr verfolgt zu werden“, schließt
der Berichterstatter. Die Kommision zur Anerkennung von Flüchtlingen
stellte daher fest, daß insgesamt die Tatbestände, „die starkem religiösen
Druck auf die Tochter durch verschiedene Behörden entspringen“, „einen
schwerwiegenden Eingriff in seine bürgerlichen Grundrechte darstellen und ihn
in einen Zustand dauerhafter Unsicherheit versetzt haben.“ Sie haben ihn daran
gehindert, „- ohne daß die staatlichen Organe trotz wiederholter Bitte
abgeholfen hätten - ein normales Leben in dem Land zu führen, dessen Staatsbürgerschaft
er erworben hatte.“ „Im Namen des französischen Volkes“ entschied die Kommission, daß der Vater berechtigt ist, sich als Flüchtling im Sinne der Genfer Konvention zu betrachten, und anerkennt ausdrücklich seinen Status als Flüchtling. Der Text wurde, geringfügig
gekürzt, aus dem Französischen übersetzt von T:I:S, 1. November 2005.
Anmerkung: Der Text wurde auf der Internetseite von CAPJP-EuroPalestine (Coordination des Appels pour une Paix Juste au Proche-Orient) im Oktober 2005 ins Netz gestellt. Die UJFP (Union Juive Française pour la Paix) versandte den Artikel als eine von acht Anlagen zu ihrem Rundbrief am 31. Oktober 2005. Der Rundbrief einschließlich des versandten Artikels findet sich hier (Word-Datei). Die UJFP hat eine eigene Internetseite erst seit Anfang Dezember 2005, wie SteinbergRecherche am 12. Dezember 2005 auf der Index-Seite meldete. Sie enthält neue Beiträge. Zuvor war die UJFP im Netz bei CAPJP-EuroPalestine mit folgenden Beiträgen, Mitunterschriften oder Erwähnungen vertreten: 1. NON A LA VENUE DE SHARON : LA MOBILISATION S’AMPLIFIE EN FRANCEAktivitätsmittelpunkt der UJFP ist Marseille. Auf der Internetseite von Mille Bâbords, einem linken Marseiller Bündnis, ist sie laut Google mit ca. 482 Beiträgen, Mitunterschriften oder Erwähnungen vertreten. Hier die ersten zwanzig: 1. Fatal error: Allowed memory size of 8388608 bytes exhausted (tried ...T:I:S, 25. Dezember 2005 *Europäische Juden für gerechten FriedenErklärung zu Rosh H'Shanah - Neujahr 5766Aufforderung, unter anderem an die Europäische Union, dem Terror der israelischen Armee gegen die Palästinenser Einhalt zu gebieten. Jüdische Stimme, T:I:S, 1. November 2005 *
CBC NewsSäuberungDer israelische Kanal 2 filmte die heimischen Verteidigungskräfte bei der Arbeit in einem palästinensichen Privathaus und strahlte den Film aus. Gegenüber CBC News sprach ein beteiligter Soldat von Säuberung, ein anderer hatte nichts einzuwenden und fand die Aktion nicht so schlimm. Der Armeesprecher nannte die Weigerung der Soldaten, eine Ambulanz durchzulassen, einen Fehler. Eine verletzte Frau starb. Der Regierungssprecher bedauerte, daß Kanal 2 keine Selbstzensur geübt habe. Eine israelische Zeitung meldete das Ereignis in großer Aufmachung. CBC News berichtete schriftlich und per Video; zum Bericht; dort rechts oben Link zum RealVideo; oder direkt zum RealVideo in schlechterer Qualität (knapp 3 Minuten, 225Kbps, There are no rights or restrictions associated with this clip.) T:I:S, 25. Oktober 2005 *Avraham OzDas ist mein Vaterland...Frau
Hanna Braun von der Palestine Solidarity Campaign www.palestinecampaign.org
mit Sitz in London bat SteinbergRecherche um Veröffentlichung eines Briefes des
israelischen Universitätsprofessors Avraham Oz. Hier der Brief auf Deutsch. Haifa,
19. September 2005 Liebe
Freunde, Das
ist mein Vaterland - wie
allgemein bekannt, „die einzige Demokratie im Nahen Osten“. Das
ist mein Vaterland - wo Bürger,
die sich aus Gewissensgründen gegen die in ihrem Namen von Generälen,
Offizieren und Soldaten im aktiven Dienst und als Reservisten begangenen
Greueltaten stellen, die Anrufung der internationalen Justiz gegen
Kriegsverbrechen betreiben, weil die israelische Justiz ihrer moralischen
Verpflichtung ausweicht. Und wo diese Bürger vom langjährigen
Likud-Abgeordneten Steinitz (einem ehemaligen Kollegen an meiner Universität
– wo sonst?) bedroht werden. Steinitz versucht, ein „Gesetz gegen Verrat“
durchzubringen, das an finstere Zeiten erinnert: Danach sollen solche vom
Gewissen getriebene Bürger verfolgt und für ihre Bemühung mit Gefängnis
bestraft werden. Das
ist mein Vaterland - wo
nicht ein Polizeibeamter unter den vielen, die in demonstrierende palästinensischen
Bürger hineinschossen, dreizehn töteten und viele verwundeten, wo kein
einziger von ihnen zur Rechenschaft gezogen wird und vor Gericht kommt; nicht
einmal für ein minderes Vergehen, geschweige denn wegen gröberer Verstöße.
Das, obwohl vor fünf Jahren eine sehr nachsichtige und milde amtliche
Untersuchungskommission das Polizeiverhalten bemängelt hatte. Noch wird
voraussichtlich einer der Soldaten vor Gericht kommen, die fast täglich im Dorf
Bil’in Demonstranten verletzen, Demonstranten gegen die Trennmauer, die die
Palästinenser auf der Westbank ins Elend treibt. Zur gleichen Zeit sitzt eine
junge Frau, Tali Fahima, für Monate im Gefängnis und steht vor Gericht wegen
mysteriöser Vorwürfe, die darauf hinaus laufen, sie hätte als menschliches
Schutzschild für einen Führer des palästinensischen Widerstands in seinem Flüchtlingslager
gedient, und zwar während der berüchtigten Jenin-Operation, weil er als
direkte Zielscheibe zur Tötung durch die israelischen Sicherheitskräfte
ausersehen war. Das
ist mein Vaterland - wo das
angebliche Leid der Siedler, die von den Wohnstätten, dem Boden und den
Wasserquellen evakuiert wurden, die zuvor Palästinensern gestohlen worden
waren, wo dieses angebliche Leid in allen Medien dramatisch vorgeführt wird; während
die Familien der Palästinenser, die durch Terrorakte von Siedlern und ihren
Unterstützern aus Protest gegen ihre Evakuierung kaltblütig ermordet und
verwundet wurden, kein Recht auf den Schadenersatz haben, der Terroropfern
zusteht. Denn der Buchstabe des Gesetzes in meinem demokratischen Vaterland
definiert einen Terrorakt als ein Verbrechen gegen den Staat Israel, wobei jüdische
Mörder per definitionem keine Terroristen sind. Das
ist mein Vaterland - wo ein
leeres Gebäude, das von den Siedlern einer evakuierten Siedlung als Synagoge
genutzt worden war (und aus dem alle heiligen Reliquien offiziell entfernt
wurden) in einer Art heidnischer militärischen Zeremonie dem Erdboden gleich
gemacht wird; und wo gleichartige Gebäude, entgegen der Empfehlung von Rabbinern, nicht zerstört wurden als Provokation für Palästinenser nach der
Evakuierung; Palästinenser, die keinen Grund sehen, diese leeren Gebäude als
heilige Stätten zu betrachten. Während die Verwüstung beweint wird, die in
der angeblichen Entweihung solch unheiliger Gebäude bestehe, kann ich mich sehr
gut an unseren Lieblingsspielplatz als kleine Kinder erinnern, auf einem kleinen
Hügel am Meer im Norden der Stadt, wo wir kleinen Kinder zufällig einen
Knochen auf dem Boden fanden: Unsere Eltern nannten den Hügel „den
moslemischen Friedhof“. Jahre später studierte ich an einer Universität, die
auf den Ruinen eines arabischen Dorfes namens Sheikh Muanis stand. Versuche
einer Frauengruppe namens Zochrot – „Erinnere dich“ auf Hebräisch – an
dieses Dorf zu erinnern, werden als subversiv diffamiert. Das
ist mein Vaterland - eines,
das sich rühmt, „die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein“, aber
dessen Premierminister erklärt, er werde die demokratischen Wahlen zur Palästinensischen
Autonomiebehörde sabotieren, weil er sich über das Programm einer der zur Wahl
stehenden Parteien (so anstößig sie sein mag) ärgert. Das
ist mein Vaterland - wo
eine Universität, die Unterricht in Demokratie erteilt, ein Militärstudium für
Nachrichten-Offiziersanwärter in Uniform einrichtet, die einen ganzen Abschnitt
der Studentenwohnheime belegen (entgegen den Bedürfnissen arabischer und benötigter
jüdischer Studenten); die Wohnheime werden sozusagen Kasernen (Sie haben
richtig geraten: an meiner eigenen Universität); während die gewählte
arabische Studentenvertretung (sie vertritt ungefähr 20% der Studenten) noch
immer nicht anerkannt ist; während der Bitte, Schilder in arabischer Sprache
(einer amtlichen Sprache in Israel) auf dem Campus anzubringen, noch immer nicht
entsprochen wurde; während das Theater für Aufführungen in Arabisch
geschlossen wurde; und während verboten wurde, einen Weihnachtsbaum neben einem
Chanuka-Leuchter aufzustellen, als die beiden religiösen Feiertage zusammen
fielen. Stattdessen wurde aus dem schrumpfende Budget eine private
Anwaltskanzlei damit beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen dafür
vorzubereiten, warum arabische Schilder nicht aufgestellt werden; und dafür,
eine neues Gerichtsurteil anzuzweifeln, das sich für die Öffentlichkeit von
Verfahren und gegen eine selektive Geheimhaltung aussprach (sodaß dann der
Leitung Immunität gewährt wird und sie weit entfernt vom öffentlichen
Einblick die Mitglieder der Fakultät los ist). Das
ist mein Vaterland - wo der
Ausdruck „ein Staat aller seiner Bürger“ von dessen offizieller Regierung
bedauert wird. Die „einzige Demokratie“ der Region verbietet
Schul-Curricula, weil sie (in kleinem Umfang) einige palästinensische Autoren
enthalten wie Edward Said, Azmi Bishara oder Mahmoud Darwish, aus Furcht, die
Vorstellung, Nicht-Juden könnten gleichberechtigte Bürger sein, würde die
Jugend verderben. Und schockiertes und bestürztes Aufschreien, wann immer ein
somit amtlich zur Ungleichheit zwischen den Bürgern erzogener Jugendlicher zu
Gewalt, ja zu Mord aus ethnischen oder religiösen Gründen greift. Das
ist mein Vaterland - Während
die Evakuierung von ein paar Siedlern aus dem besetzten Gaza-Streifen
politisches Chaos verursacht und die Regierung, die sich demokratisch dafür
ausgesprochen hat, zu fallen droht, werden Millionen in die Stärkung der
Mehrheit der Siedllungen auf der besetzten West Bank gepumpt. Die Regierung
billigte nicht einmal die Beseitigung sporadischer „illegaler Siedlungen“
(als ob es „legale“ gäbe), baute neue Straßen dort hin und schloß sie an
die Elektrizität an. Gerade vom obersten israelischen Gericht gebilligt, trotz
entgegengesetzter ausländischer Entscheidungen, wird eine Mauer des Hasses
errichtet, die palästinensische Dörfler von ihren Ländereien trennt, Kinder
von ihrer Schule, und jede Hoffnung auf dauerhaften Frieden von der
Wirklichkeit. Das
ist mein Vaterland, manchmal freundschaftlich ermahnt, meistens freundlich getätschelt
als eine aufgeklärte Demokratie im Nahen Osten. Ich frage mich, ob das die
Lektion in selektiver Demokratie ist, die die demokratische Welt heutzutage den
Nachbarländern meines Vaterlandes mit Gewalt erteilt. Auf
besssere Tage gez. A. Oz
Email: avitaloz(at)gmail.com Übersetzt aus dem Englischen von T:I:S, 17. Oktober 2005 *Nathan
Hofshi
In den Abgrund
Die heute in den Krieg ziehen, sollten nicht über Tote und
Verwundete klagen. Verantwortlich für Tod und Zerstörung sind die, die das
Volk daran hindern, die wahre Lage zu begreifen. Die wahre Lage ist die: In
diesem Land lebt ein arabisches Volk, und rund um uns herum im Nahen Osten leben
arabische Völker... Schlachtengebrüll in der Presse, auf Versammlungen und
beim Begräbnis der Gefallenen. Aber die Frage bleibt: Wozu die Opfer, wozu das Heldentum? Warum sollten wir nicht
den Weg des Friedens gehen? Warum sollten wir nicht in der Lage sein, mit
friedlichen Mitteln zu erreichen, was wir mit kriegerischen versuchen – wenn
wir diesen Weg mit der selben Hingabe beschreiten? Warum sollten wir nicht Zehn-
oder Hunderttausende Einwanderer mit arabischer Zustimmung ins Land bringen,
statt ein paar hundert um den Preis endlosen Leidens, Blutvergießens und der
Gefährdung der Grundlagen unserer nationalen Existenz? Müssen wir wirklich
alles Glück und Wohlergehen unseres Volkes opfern, hier in Palästina ebenso
wie in der Diaspora – um des Molochs willen, der Staat heißt? Mein Volk, eure Möchte-Gern-Wohltäter führen euch in die
Irre. Euer Prophet ist ein falscher Prophet. Und Jeremias Warnruf verhallt in
der Wüste! In den Abgrund! Januar 1946 Quelle: Hofshi, Nathan: Into the Abyss. Januar 1946. In: Buber, Martin, Judah L. Magnes und Ernst Simon (Hrsg.): Towards Union in Palestine. Essays on Zionism and Jewish-Arab cooperation. IHUD (Union) Association, Jerusalem 1947, S. 37 - 40 T:I:S, 17. September 2005 *
Michael WarschawskiMit Höllentempo
... daß man sich, wenn eine Gesellschaft im Höllentempo
auf die Barbarei zurast, vom Optimismus des Willens leiten lassen muß – trotz
des Pessimismus, zu dem die Vernunft uns zwingt. Und wenn trotz allem die Vernunft
über den Willen siegt, bleibt als letzte Konsequenz des Kampfes gegen die
Ungerechtigkeit das Prinzip Widerstand, das nichts anderes ist als der Schrei
der Menschenwürde, die Weigerung, vor der Brutalität zu kapitulieren. Februar 2003 Quelle: Michael Warschawski: Mit Höllentempo. Die Krise der israelischen Gesellschaft. Hamburg: Edition Nautilus 2004, S. 8 T:I:S, 17. September 2005 |