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Weitere Beiträge zu Jungle World: Wie einer uns für den Krieg reif schießt, Kriegspropaganda, Gut imperialistisch allewege Ute Weinmann, Propaganda, Kanan Makiya, v. d. Osten-Sacken und Neokonservativismus
Thomas Immanuel SteinbergPlutokratie„Dieses Land gehört uns, nicht den Plutokraten!“, soll auf Occupier-Zetteln gestanden haben. Das berichtete Ende Oktober 2011 Martin Wassermann in seinem Blog reflexion.blogsport.de; und Alex Feuerherdt wiederholte es Anfang Dezember 2011 in der Jungle World. Bei den Plutokraten nämlich, so der eine, handele es sich um
Zwei Monate später drückte sich der andere gelehrter aus: Der Spruch sei
verfaßt. Weniger Gelehrte können von Wikipedia erfahren: Plutokratie heißt auf Deutsch Reichtumsherrschaft. In einer Plutokratie herrschen die Reichen. Ja, seufzt man da, schön wär's, würden wir, und nicht die Reichen, alles entscheiden. Aber wenn's die Nazis auch auf ihre Zettel geschrieben haben, dann wird's wohl ganz was Schlimmes sein. Und darum heißt es jetzt aufgepaßt, Martin Wassermann und Alex Feuerherdt! Kein lächerlicher Occupier, sondern ein leibhaftiger Berufsschreiber hat Anfang September auf einen viel größeren Zettel folgenden schrecklichen Satz geschrieben:
Und dieser kollektivistische Neidhammel hat ganz groß drüber gesetzt: Unterwegs zur PlutokratieHemmungsloser Reichtum, betrogene Bürger: Der entfesselte Markt bringt die Demokratie in GefahrEin Wiedergänger von Goebbels. Ein Nazi. Ein struktureller Antisemit. Der Typ heißt Jens Jessen und ist bei Der Zeit. Im Feuilleton. Und dort Ressortleiter. Auf ihn mit Gebrüll, Burschen, wenn ihr Kerle seid! T:I:S, 7. Januar 2011. Mehr über Martin Wassermann unter NeoCon-Cowboys und über Alex Feuerherdt unter Konkrete Agenten und abstraktes Geschwafel URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Plutokratie *Thomas Immanuel SteinbergÜber konkrete Agenten und abstraktes GeschwafelAndrei S. Markovits, der immer "Amerika" sagt, wenn die USA gemeint sind, hatte einst den NeoCons rund um Gremlizas Konkret den Stoff geliefert, mit dem sie bis heute jede pro-imperialistische Suada garnieren. Markovits lebt in den USA, eine seiner Muttersprachen ist Deutsch. Was also lag näher für Ivo Bozic, einen der Linken-Basher bei Jungle World, als Markovits zur jüngst entstandenen Occupy-Bewegung zu befragen: Ob sich denn hinter den Angriffen gegen die Wall Street nicht Judenhaß verberge. Doch was Markovits dann sagte, paßte nicht zum, ach, so emsig gepflegten Ressentiment des Wochenblatts gegen die niederen Stände, egal ob hier oder in den USA:
Was tun? Löschen war nicht, das Netz speichert alles. Also sprang Gremlizas Feuerherdt ("Lizas Welt") in die Bresche und fabulierte in einer nächsten Ausgabe über Judenfeindschaft in der US-amerikanischen Occupy-Bewegung. Judenfeindschaft sei zwar nicht so recht auszumachen, aber strukturell, strukturell stecke sie dahinter. Das ging dann so:
Womit der Bogen von den US-Occupiern zu den deutschen Nazis geschlagen war. Wie ja überhaupt alle, die nicht abstrahieren können, Juden hassen, auch wenn ihnen Juden völlig egal sind; und Nazis sind sie obendrein. Ein bißchen konkret ist das Kapital wohl aber doch, fanden jedenfalls Marx und Engels. Agenten gebe es da. Und mindestens ein Kapitalist, der nämliche Engels, hatte sich bekanntlich vom abstrakten Kapital nicht daran hindern lassen, gegen dessen Agenten aktiv zu werden, dieser Personalisierer und Moralisierer. Feuerherdt freilich trieft vor Unmoral, zieht Kapitalismusgegner persönlich in den Dreck (1) und erweist sich damit als nichts Anderes, denn als konkretester Agent des allerabstraktesten Kapitals. T:I:S, 3. Dezember 2011 Anmerkung zu Feuerherdt (1) Zu Feuerherdts dortiger Behauptung, deutsche jüdische Einrichtungen hätten Muslime oder den Islam allgemein nicht verunglimpft, siehe Islamophobie: Sie haben, immerfort. Zusatz: Ein dreckiges Geschäft Andrei S. Markovits hatte in Jungle World Nr. 42 dem Linken-Basher Ivo Bozic eine Abfuhr erteilt und ihm erkärt, daß in den USA Banken nicht mit Juden assoziiert werden. Nun hätte Alex Feuerherdt beim Kollegen Bernard Schmid lernen können, was es mit dem Finanzkapital auf sich hat, und zwar ebenfalls in Jungle World, in der Nr. 46. Doch abstraktes Geschwafel liegt ihm einfach näher. So erweiterte Bernard Schmid seine Jungle-World-Ausführungen, diesmal auf trend / infopartisan, unter anderm um folgene Passage:
Noch weniger als das US-Finanzkapital ist übrigens das deutsche Finanzkapital in irgendeinem nachvollziehbaren Sinne jüdisch. Feuerherdt und seinesgleichen freilich behaupten unverdrossen, in deutschen Finanzkapital-Kritikern wabere das angeblich jüdische raffende Kapital des NSDAP-Ideologen Gottfried Feder fort. Dazu fallen mir die Großbanken der siebziger Jahre ein, die Deutsche, die Dresdner und die Commerzbank. Für die Gentrifizierung des Frankfurter Westends engagierten sie Immobilienmakler, vornehmlich solche, die eines verband: Sie waren Juden. Sie besaßen zum Teil selbst ein paar Häuser im Westend, und sie verstanden etwas vom Geschäft mit Immobilien und seiner besonderen Delikatesse. Diese mittelständischen Unternehmer waren und blieben die Strohmänner der Großbanken. Nicht sie, sondern ihre überhaupt nicht jüdischen Hintermänner machten das große Geschäft. Es kam, wie die nicht-jüdischen Strippenzieher und ihre jüdischen Strohmänner voraussehen konnten: Die Öffentlichkeit bemerkte, daß die Makler Juden waren. Antisemitische Sprüche kamen auf, ihre teils jüdisch klingenden Namen erschienen auf Häuserwänden und Bauzäunen im Westend. Es gab Drohanrufe und Schmähungen gegen Juden überhaupt. Und prompt erkannte die veröffentlichte Meinung in Frankfurt bei den Häuserkämpfern auf Antisemitismus. Diese Antisemitismus-Masche habe ich mit Bezug auf einen Witz als den "Kohnschen Dreh mit der Zahnbürste" bezeichnet, ausführlich unter Häuserkampf. Mit ihr, genauer: mit dem Antisemitismus, macht Feuerherdt seit Jahren sein Geschäft. Das Geschäft mit dem Antisemitismus ist weder jüdisch, noch magyarisch, weder deutsch, noch zisterziensisch, sondern einfach bloß dreckig. T:I:S, 4. Dezember 2011. Siehe auch Alex Feuerherdts Untermenschenbild URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Agenten *Thomas Immanuel SteinbergVolker Weiß, Jungle WorldJudith Butler, Professorin an der University of California in Berkeley, hatte am 29. Juli 2010 in einem Interview vorgeschlagen, sich in Sachen Homophobie doch erst einmal dem Katholizismus zuzuwenden, bevor man den Islam angreift. Dem Mainstreamer Volker Weiß fiel dazu ein:
Was kontextfreies Assoziieren so gebiert. T:I:S, 17. Oktober 2011. Viel mehr zu Volker Weiß unter Die falschen Freunde Israels URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Weiss *Thomas Immanuel SteinbergCarl Wiemer, Jungle WorldCarl Wiemer, geboren 1964, hat sein letztes Buch 2001 veröffentlicht, aber 2010 sei noch eins von ihm erschienen, weiß die Edition Tiamat. Posthum, wie das bei Schriftstellern heißt. Nein, nein, so war's wohl nicht gemeint, denn Wiemer will am 8. Dezember 2011 am Förderturm 27 in Oberhausen einen Vortrag halten zum Thema Idiotendynastie Echt. Wiemer habe über ein Jahr lang die Auftritte von Martin und Alissa Walser begleitet,
Wiemer, ein Freiheitskämpfer, und daher mit allen Mitteln verfolgt – von der Idiotendynastie Walser. Das klingt fast schrecklicher als die Geschichte vom iranischen Attentat auf den saudischen Botschafter durch einen mexikanischen Drogenhändler. Wahr an Wiemers Geschichte ist, daß er über Martin Walser und die Seinen Erkenntnisse verbreitet hat wie diese:
Jungle World, 26. August 2010. Hervorhebung von mir, T:I:S Kein Wunder also, daß in Deutschland der Walser-Clan seine Bücher loswird. Wiemer hat auch den Gegencheck gemacht:
Das ist wirklich kaum bekannt, aber kein Wunder: Auch Wikipedia lügt mal wieder, dieser sogar im Ausland von deutschen Idiotendynastien durchsetzte Racket:
Schwindel das, alles ausgedacht. Dito bei Wikipedia (Spanisch) und bei Wikipédia (Französisch): Die listen lauter erfundene Walser-Übersetzungen auf! Carl Wiemer, Walserbanden-Opfer, ergib dich dieser Übermacht. Dein nächstes Buch darf sonst wirklich erst posthum erscheinen. T:I:S, 14. Oktober 2011 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Wiemer *Thomas Immanuel SteinbergBettfertigDie Motten haben längst das linke Mäntelchen der Berliner Wochenzeitung Jungle World zerfressen, ihre Autoren haben die antideutschen Hosen runtergelassen, siehe Weitere Beiträge ..., und das Organ steht im Hemd. Fabrizio Bensch hat sich jetzt für Jungle World bei der Bundeswehr ins Bett gelegt. Als embedded journalist begleitete er unsere Jungs bei der Verteidigung deutscher Freiheit und Demokratie am Hindukusch. Seine schönen Bilder von Gebetbüchern und Tarnhosen, brettspielenden Schulbauschützern und Bergblicken aus der Tieffliegerkanzel zieren die Seiten von Jungle World Nr. 48/2008. Kein Bundeswehrprospekt wirbt glänzender fürs weltweite Totschlagen unterm Eisernen Kreuz. T:I:S, 6. Dezember 2008 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Bettfertig *Jingle WorldThe Heritage Foundation ist eine äußerst reaktionäre, einflußreiche US-Organisation. Die Autorin Nonie Darwish referierte dort am 15. November 2006 unter dem Titel: "Jetzt nennen sie mich ungläubig - Warum ich für Amerika, für Israel und für den Krieg gegen den Terror vom Dschihad abgelassen habe". Am 3. Januar 2007 erklärte sie in der äußerst reaktionären, einflußarmen Berliner Wochenzeitschrift Jungle World: "Den Begriff Islamophobie halte ich für Propaganda." Auf ihrer Internetseite "Arabs for Israel" klimpert sie wie Elmer Gantry:
Autoren und Redakteure von Jungle World sollten die Finanzkrise ihres Blattes als Fingerzeig Gottes deuten und auf Wanderprediger umsatteln. T:I:S, 12. Januar 2007 *Matthias GockelDeep Antisemitism?Das Hamburger Monatsmagazin „konkret“, das von Hermann L. Gremliza herausgegeben wird, widmet sich seit mehreren Jahren der Aufgabe, antisemitische Äußerungen, insbesondere im linken und alternativen Spektrum, zu benennen und anzuklagen. Dabei scheut man nicht vor Falschaussagen zurück. So wird etwa behauptet, der bekannte 11/9-Skeptiker Mathias Bröckers sähe „beim Anschlag auf die Twin Towers eine jüdische Verschwörung am Werk“ (Heft 12/2003). Im Heft 11/2004 ist die kanadische (Anti-)Globalisierungsaktivistin Naomi Klein an der Reihe. Der Mann fürs Grobe: Joachim Rohloff, Mitherausgeber der „Jungle World“. Den Anlass bieten aktuelle politische Äußerungen Kleins. Da sie aber offenbar nicht genug Angriffsfläche bieten, nimmt der Autor Kleins Buch „No logo“ (2000) hinzu. Der einleitende Abschnitt
des Artikels mokiert sich darüber, dass „No logo“ ausgerechnet vom Medienkonzern Bertelsmann angeboten wird und dass
die Autorin in liberalen Blättern inzwischen eine begehrte Kolumnistin ist. Es folgen zwei Abschnitte, in denen
Rohloff einige Themen des Buches erwähnt, um es daraufhin umso leichter
abkanzeln zu können. Zuerst tut er so, als ob Klein nur moralische Platitüden
böte: Die Firma Nike ist böse, so
umschreibt er ihre Kritik. Doch er hat noch andere, infamere Methoden auf Lager.
So ist er sich nicht zu schade, Klein in einem Nebensatz und in typischer
BDI-Manier zu unterstellen, dass das Problem der Nike-Sweatshops darin bestehe,
dass dort Löhne, wie sie in Sindelfingen
und Chicago nicht üblich sind, gezahlt würden. Wozu die Aufregung, könnte
man also fragen. Rohloffs Fazit: Eine
Generation, die sich über solche Bücher beugt, führt ... zu einem Mittelalter
an Verblödung. Dann kommt er endlich zu seinem Lieblingsthema: Naomi Klein will sich mit dem Ursprünglichen, Gewachsenen und Authentischen, mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten verbünden. Sie spricht von ‚deep democracy‘ und von ‚close-up democracy on the ground‘. Auf deutsch müßte man wohl sagen: Wir sind das Volk. Die Ausbeutung scheint aber erst dann zu beginnen, wenn die amerikanischen Konzerne kommen, und die schlimmste Unterdrückung folgt dem Einmarsch der amerikanischen Armee. Das kommt flott daher und dürfte das Herz aller Antideutschen erfreuen. Mit dem Inhalt von „No logo“ hat es nichts mehr zu tun. Doch der fehlende Bezug ist egal, denn die Assoziation mit Völkischem und die Unterstellung von Anti-Amerikanismus sind bewährte Muster der Diffamierung, und darum geht es in dem Artikel; jeder Erklärungsversuch wird überflüssig. Schließlich kommt Rohloff zur Tagespolitik. Er schreibt: Was Scharon, Bush und Putin in Palästina, in Tschetschenien, in Afghanistan und im Irak treiben, nennt [Klein] in einem Kommentar für den Wiener Standard die Likudisierung der Welt‘. Da sie nun einmal beschlossen hat, der Terror sei eine Antwort auf die Besatzung, und nicht umgekehrt, macht es ihr keine Mühe mehr, den perfiden Trick des Likudismus zu durchschauen: Man überfällt ein wehrloses Land und benutzt den entstehenden Widerstand, der manchmal ziemlich grausam aussieht, zum Vorwand, um die Fremdherrschaft zu verewigen. Meint Rohloff, der
irakische Widerstand, den er wahrscheinlich unter dem Begriff „Terror“
subsumieren möchte, sei keine Antwort auf die Besatzung, sondern umgekehrt? Das wäre
eine Erklärung, die genau der Propaganda der Bush-Regierung entspräche. Doch der Hammer kommt zum Schluss. Zunächst bringt Rohloff
ein weiteres Zitat von Klein: Scharon
sagt, daß der Terrorismus eine Seuche ist, die weder Grenzen noch Zäune kennt.
Aber so ist es nicht. Der Terrorismus gedeiht innerhalb der illegitimen Grenzen
von Besatzung und Diktatur. Und er überschreitet diese Grenzen, um innerhalb
jener Länder zu explodieren, die für Besatzung und diktatorische Herrschaft
verantwortlich sind. Auch hier bleibt die Frage
nach einer alternativen Deutung des Terrorismus unbeantwortet. Stattdessen
kombiniert Rohloff die Kritik Kleins an Scharon mit einem Spruch von Goebbels
und unterstellt ihr ein antisemitisches Denkmuster: Goebbels sagte, die Juden seien unser Unglück. Aber so ist es nicht.
Unser Unglück ist es, daß die mächtigsten Staatsmänner die Verbrechen der
Juden auf der ganzen Welt wiederholen. Damit hat er sein Ziel
erreicht. Wieder einmal ist eine Person der linken Aktivistenszene des
Antisemitismus überführt worden. Doch diesmal hat der Mann fürs
Grobe sich übernommen. Die Unterstellung ist schon aus persönlichen Gründen
– Klein ist Jüdin – infam und erinnert an die Nazismus-Vorwürfe gegen
Israel aus der rechtsradikalen Ecke. Es überrascht, dass der an diesem Punkt
sonst so sensible Herausgeber das nicht bemerkt hat. Allerdings handelt es sich
um ein Diffamierungsmuster, das in Rohloffs Kreisen inzwischen selbstverständlich
geworden ist. Klein spricht über den israelischen Ministerpräsidenten und
dessen Politik; Rohloff assoziiert, frei nach Goebbels, „die Juden“ und ihre
Verbrechen. Er unterstellt Klein, was tatsächlich ihm selber den Blick
verklebt: ein antisemitisches Denkmuster. Während der ersten
Intifada schrieb Naomi Klein in der Studentenzeitung ihrer Uni einen Artikel, in
dem es heißt, dass Israel die Besetzung
nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für seine eigenen Bevölkerung,
insbesondere seine Frauen, zu beenden habe. Daraufhin erhielt sie
Bombendrohungen. In einem Gespräch mit dem „Guardian“
erzählt sie: Nachdem der Artikel erschienen war, berief die Vereinigung jüdischer
Studenten, die sehr zionistisch eingestellt war, ein Treffen, um darüber zu
beratschlagen, wie sie auf meinen Artikel reagieren sollten – und ich ging zu
dem Treffen hin, weil niemand wußte, wie ich aussah. Die Frau, die neben mir saß,
sagte: 'Wenn ich Naomi Klein jemals treffe, werde ich sie umbringen.' Also stand
ich auf und sagte: 'Ich bin Naomi Klein, ich habe den Artikel ... geschrieben,
und ich bin genauso jüdisch wie jeder von euch'. Das darauf folgende Schweigen
im Raum werde ich nie vergessen.
Man wünscht Joachim Rohloff, dass er einmal aus der deutschen Provinz herausfindet und seine Thesen in Toronto, New York oder London vorstellt. Das Gelächter wäre bis nach Hamburg zu hören. November 2004 T:I:S,
21. November 2004 *Matthias GockelDschungelfieberThomas v. der Osten-Sacken hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kampagnen gegen das Embargo und den geplanten Irak-Krieg als antisemitisch motiviert zu diskreditieren. Dies geschieht vor allem in der Jungle World, die sich dem (nicht nur) von der USA propagierten “Kampf gegen den Terrorismus” verschrieben hat, und in KONKRET, die das Thema kontrovers diskutiert. Dort meint er, daß “deutsche Kriegsgegner” Gesinnungsfreunde der Hisbollah seien und “den Einsatz von Massenvernichtungswaffen und Scud-Raketen für legitime Formen des ‘Widerstands’” halten (12/02). Im Heft 1/03 reduzieren er und sein Koautor Thomas Uwer die (nicht nur) in der BRD weitverbreitete Abneigung gegen Luftangriffe mit tausendfacher Todesfolge auf den Vergleich von “Bomben auf Bagdad” mit “Bomben auf Dresden” und schieben die Kriegsgegner in eine revisionistische Ecke. Die Methode ist stets dieselbe: assoziative Analogiesierungen statt historischer Genauigkeit. So sind beim Luftkrieg über Deutschland mehr als 50.000 alliierte Soldaten ums Leben gekommen. Das ändert aber nichts daran, daß die angedrohte Militäraktion gegen den Irak (ob mit oder ohne “UNO-Mandat”) eher einem Massenmord gleichen dürfte. Der US-Sender CBS meldete am 24. Januar 2003 von Planungen, die 600-800 Raketen gegen Bagdad in den ersten 48 Stunden vorsehen, um einen ähnlichen Effekt wie mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima zu erzielen. Regelmäßig unterstellt
v. der Osten-Sacken der Friedensbewegung ein Ausblenden der Verbrechen des
irakischen Regimes. Ein genauer
Blick könnte ihn eines Besseren belehren. So
listete die Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international, Barbara Lochbihler, in ihrer Rede auf dem
Kongress Irak – Alternativen zu Krieg
und Embargo (1./2. November 2002) die Menschenrechtsverletzungen im Irak
detailliert auf, wies aber Versuche zurück, die Berichte von amnesty
“selektiv zu missbrauchen, um ein militärisches Vorgehen zu rechtfertigen”.
Damit ist die Strategie v. der Osten-Sackens und seiner Mitstreiter genau
bezeichnet. Um nicht vollends als
Kriegshetzer durchzufallen, muß er die möglichen Konsequenzen eines Angriffs
als “horrende Hochrechnungen” abtun oder utilitaristisch verbrämen, etwa
mit Schätzungen über die Zahl der Opfer Saddam Husseins (1/03), wobei dann
schon einmal 182.000 mutmaßliche Opfer doppelt aufgelistet werden dürfen.
Rudolf Scharping läßt grüßen. M. Albright
rechtfertigte das Embargo bereits 1996 mit der Feststellung, daß der Kampf
gegen Saddam Hussein 500.000 tote Kinder eben “wert ist”.
Das ist nur um Weniges zynischer als Uwers / v. der Osten-Sackens
Behauptung, die Opfer eines Angriffs hätten im Grunde nichts gegen denselben
einzuwenden. Aus der Jungle World,
5. Februar 2003: “Die ICG (International Crisis Group), eine der
Friedensbewegung nahe stehende Organisation, hatte die Möglichkeit, Menschen im
Irak zu interviewen. Das Ergebnis der Studie entspricht dem, was oppositionelle
irakische Quellen seit Monaten melden. Die Bevölkerung des Landes fürchtet den
gegenwärtigen Zustand mehr als die US-amerikanische Kriegsdrohung und hofft auf
eine baldige Befreiung von der Diktatur.” Unabhängige Solidaritätsgruppen wie “Voices in the Wilderness” (www.vitw.org) bezeugen das Gegenteil: die Menschen im Irak hoffen vor allem auf ein Ende des Embargos und wissen, daß sie gegenüber einer erneuten Bombardierung um ein Vielfaches schutzloser sind als gegenüber dem irakischen Regime. Aber die gesamte Konstruktion ist von Vorneherein abwegig, denn sie basiert auf der absurden Behauptung, die ICG stünde der Friedensbewegung nahe. Vielmehr handelt es sich um eine pseudo-akademische Hilfstruppe zur weltweiten Durchsetzung des Neoliberalismus, die im Gegensatz zur Friedensbewegung seit einem Jahrzehnt alle militärischen Interventionen des Westens abgesegnet hat. Die “oppositionellen irakischen Quellen”, die uns schmackhaft gemacht werden sollen, stehen mehrheitlich an vorderster Front der Kriegskampagne Washingtons, ähnlich wie die “oppositionellen Quellen” in Venezuela, die es sogar mit einem demokratisch gewählten Präsidenten zu tun haben. Beide hätten gegen ein militärisches Eingreifen ihrer Sponsoren nichts einzuwenden, vor allem, wenn es als Ultima Ratio ausgegeben wird, denn damit kann bekanntlich auch Rot-Grün in jeden Krieg ziehen. 1. März 2003 *
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