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Weitere Beiträge zu Jungle World: Wie einer uns für den Krieg reif schießt, KriegspropagandaGut imperialistisch allewege Ute Weinmann, Propaganda, Kanan Makiya, v. d. Osten-Sacken und Neokonservativismus

 

Thomas Immanuel Steinberg

Plutokratie

„Dieses Land gehört uns, nicht den Plutokraten!“, soll auf Occupier-Zetteln gestanden haben. Das berichtete Ende Oktober 2011 Martin Wassermann in seinem Blog reflexion.blogsport.de; und Alex Feuerherdt wiederholte es Anfang Dezember 2011 in der Jungle World. Bei den Plutokraten nämlich, so der eine, handele es sich um 

einen nationalsozialistischen Kampfbegriff, der insbesondere durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels verwendet wurde.

Zwei Monate später drückte sich der andere gelehrter aus: Der Spruch sei 

im Duktus von Joseph Goebbels

verfaßt.

Weniger Gelehrte können von Wikipedia erfahren: Plutokratie heißt auf Deutsch Reichtumsherrschaft. In einer Plutokratie herrschen die Reichen. 

Ja, seufzt man da, schön wär's, würden wir, und nicht die Reichen, alles entscheiden. Aber wenn's die Nazis auch auf ihre Zettel geschrieben haben, dann wird's wohl ganz was Schlimmes sein.

Und darum heißt es jetzt aufgepaßt, Martin Wassermann und Alex Feuerherdt! Kein lächerlicher Occupier, sondern ein leibhaftiger Berufsschreiber hat Anfang September auf einen viel größeren Zettel folgenden schrecklichen Satz geschrieben:

Schon sagen selbst konservative Beobachter, dass sich in Amerika unter dem Mäntelchen der Marktrhetorik in Wahrheit ein Umbau des Landes zugunsten einer Plutokratie vollzieht.

Und dieser kollektivistische Neidhammel hat ganz groß drüber gesetzt:

Unterwegs zur Plutokratie

Hemmungsloser Reichtum, betrogene Bürger: Der entfesselte Markt bringt die Demokratie in Gefahr

Ein Wiedergänger von Goebbels. Ein Nazi. Ein struktureller Antisemit. Der Typ heißt Jens Jessen und ist bei Der Zeit. Im Feuilleton. Und dort Ressortleiter. Auf ihn mit Gebrüll, Burschen, wenn ihr Kerle seid!

T:I:S, 7. Januar 2011. Mehr über Martin Wassermann unter NeoCon-Cowboys und über Alex Feuerherdt unter Konkrete Agenten und abstraktes Geschwafel

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Plutokratie   

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Thomas Immanuel Steinberg

Über konkrete Agenten und abstraktes Geschwafel

Andrei S. Markovits, der immer "Amerika" sagt, wenn die USA gemeint sind, hatte einst den NeoCons rund um Gremlizas Konkret den Stoff geliefert, mit dem sie bis heute jede pro-imperialistische Suada garnieren. Markovits lebt in den USA, eine seiner Muttersprachen ist Deutsch. Was also lag näher für Ivo Bozic, einen der Linken-Basher bei Jungle World, als Markovits zur jüngst entstandenen Occupy-Bewegung zu befragen: Ob sich denn hinter den Angriffen gegen die Wall Street nicht Judenhaß verberge.  

Doch was Markovits dann sagte, paßte nicht zum, ach, so emsig gepflegten Ressentiment des Wochenblatts gegen die niederen Stände, egal ob hier oder in den USA:

Inwiefern transportiert eine Argumentation, die sich derart auf die »Macht der Banken« und der Banker kapriziert, eine verkürzte Kapitalismuskritik und damit indirekt ein antiamerikanisches und antisemitisches Ressentiment?

Das ist in Amerika zum Glück anders als in Europa. Es stimmt natürlich, dass diese Kritik furchtbar verkürzt ist, aber in Amerika werden Banker nicht mit Juden assoziiert. Die Banken waren nie jüdisch und waren im Gegenteil sogar lange Zeit sehr antisemitisch. Anders als in Europa, wo Geld immer etwas Übles war. Der Klerus und die Adeligen haben das Geld nicht berührt, das haben die Juden für beide machen müssen. In Amerika hingegen war Geld nie etwas moralisch Verwerfliches, was uns die antiamerikanischen Europäer auch stets vorwerfen. Juden werden hier mit Hollywood, mit Journalismus, Medizin, Jura, mit Wissenschaft, mit Nobelpreisen, aber nicht mit Banken assoziiert. Insofern ist diese Bewegung auch nicht antisemitisch. Ihre verkürzte Kritik führt eher zu lustigen Fehlern der Choreographie. Zum Beispiel haben sie die Brooklyn Bridge besetzt, um symbolisch den Zugang zur Wallstreet zu blockieren. Das ist absurd, weil jeder weiß, dass die Entscheidungsträger, die an der Wallstreet arbeiten, niemals nach Brooklyn ziehen würden, die fahren nach Norden in die schönen Suburbs oder fliegen nach Paris.

Also meinen Sie, es gibt keinen Antisemitismus bei der Anti-Wallstreet-Kampagne?

So kann man das nicht sagen. Insofern diese Bewegung Teil eines weltweiten linken Diskurses ist, gibt es natürlich auch dort hart antiisraelische und antisemitische Gruppen. Die gibt es immer innerhalb der Linken. Aber mit dem Feindbild Banker hat das hier nichts zu tun. Ich war nicht in New York, doch im Fernsehen habe ich Leute mit »Free Gaza«-T-Shirts gesehen. Das ist eben das einschlägige Milieu. Das Milieu der Linken zeigt sich heute weltweit nicht mehr in der Ikonographie eines Sowjetsterns oder mit Che-Guevara-T-Shirt, sondern eher mit Palästinensertuch und überhaupt mit einer positiven Bezugnahme auf Palästina. Die Linke weltweit ist antiisraelisch. Wenn ich in den Zuccotti-Park gehen und anfangen würde, israelische Lieder zu singen, könnte ich mir gut vorstellen, dass ich ausgebuht würde, oder wenn ich mit einem israelischen T-Shirt erscheinen würde, wäre klar, dass das irgendwie nicht passt.

Was tun? Löschen war nicht, das Netz speichert alles. Also sprang Gremlizas Feuerherdt ("Lizas Welt") in die Bresche und fabulierte in einer nächsten Ausgabe über Judenfeindschaft in der US-amerikanischen Occupy-Bewegung. Judenfeindschaft sei zwar nicht so recht auszumachen, aber strukturell, strukturell stecke sie dahinter. Das ging dann so:

Nun verfolgen zwar die meisten Aktivistinnen und Aktivisten ihrem subjektiven Verständnis nach vermutlich keine antisemitischen Ziele und würden wohl auch nicht behaupten, dass die von ihnen auf ein Prozent bezifferte Minderheit, die die restlichen 99 Prozent unterdrücke, durchweg aus Juden bestehe. Doch darum geht es auch gar nicht. Ihr struktureller Antisemitismus besteht vielmehr – wie bei jedem Antikapitalismus, der personalisierend und moralisierend auftritt, weil er die Struktur der kapitalistischen Vergesellschaftung nicht versteht – darin, eine Differenz zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten im Kapitalismus auszumachen und Letzteres zu dämonisieren: das Geld, die Spekulation, den Zins, das Finanzkapital. Das Konkrete – sprich: die körperliche Arbeit, das Handwerk, das Industriekapital – wird demgegenüber für unproblematisch, ja sogar für gut gehalten.

Die Nationalsozialisten spitzten diesen vermeintlichen Gegensatz zu: Hier die »jüdische Nicht-Arbeit«, dort die »deutsche Arbeit«; hier das »raffende«, das angeblich unproduktive und mühelos sich vermehrende Kapital, dort das »schaffende«, weil vermeintlich produktive und nicht auf Bereicherung zielende.

Womit der Bogen von den US-Occupiern zu den deutschen Nazis geschlagen war. Wie ja überhaupt alle, die nicht abstrahieren können, Juden hassen, auch wenn ihnen Juden völlig egal sind; und Nazis sind sie obendrein.

Ein bißchen konkret ist das Kapital wohl aber doch, fanden jedenfalls Marx und Engels. Agenten gebe es da. Und mindestens ein Kapitalist, der nämliche Engels, hatte sich bekanntlich vom abstrakten Kapital nicht daran hindern lassen, gegen dessen Agenten aktiv zu werden, dieser Personalisierer und Moralisierer. 

Feuerherdt freilich trieft vor Unmoral, zieht Kapitalismusgegner persönlich in den Dreck (1) und erweist sich damit als nichts Anderes, denn als konkretester Agent des allerabstraktesten Kapitals.

T:I:S, 3. Dezember 2011

Anmerkung zu Feuerherdt

(1) Zu Feuerherdts dortiger Behauptung, deutsche jüdische Einrichtungen hätten Muslime oder den Islam allgemein nicht verunglimpft, siehe Islamophobie: Sie haben, immerfort.

Zusatz: Ein dreckiges Geschäft

Andrei S. Markovits hatte in Jungle World Nr. 42 dem Linken-Basher Ivo Bozic eine Abfuhr erteilt und ihm erkärt, daß in den USA Banken nicht mit Juden assoziiert werden. Nun hätte Alex Feuerherdt beim Kollegen Bernard Schmid lernen können, was es mit dem Finanzkapital auf sich hat, und zwar ebenfalls in Jungle World, in der Nr. 46. Doch abstraktes Geschwafel liegt ihm einfach näher. So erweiterte Bernard Schmid seine Jungle-World-Ausführungen, diesmal auf trend / infopartisan, unter anderm um folgene Passage

... klar war, dass der vermeintlich „anti-antisemitische“ Fanatiker Alex Feuerherdt (alias Blogger „Lizas Welt“) die gesamte aktuelle Bewegung natürlich als „antisemitisch“ und zudem als Ausdruck eines „volksgemeinschaftlichen Selbstverständnisses“ betrachten musste. Vgl. dazu http://jungle-world.com/artikel/2011/48/44440.html Hätte er ohne seinen Bauchnabel-der-Welt auskommen müssen, also ohne die Behauptung, es überall & allerorten mit „Antisemitismus“ zu tun zu haben, hätte der arme Mann sich ja gar nicht mehr zurechtfinden können. Vorschläge zur Orientierung einer nicht-volksgemeinschaftlich verfassten Bewegung macht er selbstverständlich keine, denn Bewegung findet bei ihm hauptsächlich nur vor dem Bildschirm statt - alles Andere ist illegitim oder zumindest verdächtig.

Unter Berufung auf einen Gesinnungsfreund behauptet er zu wissen, was „strukturellen Antisemitismus“ ausmache, nämlich eine „Personalisierung und Moralisierung ihres Protests“. Wo immer solche vorzufinden seien, und auch wenn die Sache an & für sich ganz OHNE Juden auskommt, liege der Tatbestand des („strukturellen“, hihi) Antisemitismus vor. Hm. Weit gefasstes Programm. So ziemlich alle Menschen, die nicht ein vertieftes Studium der Kritik der politischen Ökonomie - was, sei ansonsten angemerkt, im Übrigen tatsächlich nie schaden kann - absolvierten und sich dennoch irgendwo über konkrete Akteure im kapitalistischen System empören, fallen demnach bereits unter diesen Tatbestand. Auch eine Form von ideologischer Kriminalisierung von Kritik; statt des Versuchs, sie aus dem Zustand spontaner Empörung empor- und theoretisch auf ein vernünftiges Niveau zu heben. Hier zeigt sich einmal mehr, wie ein bestimmtes Verständnis von angeblichem „Anti-Antisemitismus“ längst integraler Bestandteil von Herrschaftsdiskurs geworden ist. Das bürgerliche Feuilleton, jedenfalls in seinen linksliberalen und insbesondere auch christdemokratischen sowie konservativ / pro-amerikanischen Ausgaben (Stichwort Springerpresse), quillt über und über davon.

Jeglicher „spontane Antikapitalismus“ (der in aller Regel noch nicht auf der Höhe einer vernünftigen Kritik am System steht, sondern an dem noch die Eierschalen der moralischen Empörung, ja vielleicht auch des Ressentiments gegen Akteure des Systems haften) ist demnach von vornherein verdächtig. Auch dort, wo die Operation der „Biologisierung“ und „Rassifizierung“ dieses Ressentiments - welche die Rassenideologe des modernen Antisemitismus auszeichnet - überhaupt nicht stattgefunden hat.

Noch weniger als das US-Finanzkapital ist übrigens das deutsche Finanzkapital in irgendeinem  nachvollziehbaren Sinne jüdisch. Feuerherdt und seinesgleichen freilich behaupten unverdrossen, in deutschen Finanzkapital-Kritikern wabere das angeblich jüdische raffende Kapital des NSDAP-Ideologen Gottfried Feder fort. 

Dazu fallen mir die Großbanken der siebziger Jahre ein, die Deutsche, die Dresdner und die Commerzbank. Für die Gentrifizierung des Frankfurter Westends engagierten sie Immobilienmakler, vornehmlich solche, die eines verband: Sie waren Juden. Sie besaßen zum Teil selbst ein paar Häuser im Westend, und sie verstanden etwas vom Geschäft mit Immobilien und seiner besonderen Delikatesse. Diese mittelständischen Unternehmer waren und blieben die Strohmänner der Großbanken. Nicht sie, sondern ihre überhaupt nicht jüdischen Hintermänner machten das große Geschäft. 

Es kam, wie die nicht-jüdischen Strippenzieher und ihre jüdischen Strohmänner voraussehen konnten: Die Öffentlichkeit bemerkte, daß die Makler Juden waren. Antisemitische Sprüche kamen auf, ihre teils jüdisch klingenden Namen erschienen auf Häuserwänden und Bauzäunen im Westend. Es gab Drohanrufe und Schmähungen gegen Juden überhaupt. Und prompt erkannte die veröffentlichte Meinung in Frankfurt bei den Häuserkämpfern auf Antisemitismus. 

Diese Antisemitismus-Masche habe ich mit Bezug auf einen Witz als den "Kohnschen Dreh mit der Zahnbürste" bezeichnet, ausführlich unter Häuserkampf. Mit ihr, genauer: mit dem Antisemitismus, macht Feuerherdt seit Jahren sein Geschäft. Das Geschäft mit dem Antisemitismus ist weder jüdisch, noch magyarisch, weder deutsch, noch zisterziensisch, sondern einfach bloß dreckig.

T:I:S, 4. Dezember 2011. Siehe auch Alex Feuerherdts Untermenschenbild

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Agenten  

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Thomas Immanuel Steinberg

Volker Weiß, Jungle World

Judith Butler, Professorin an der University of California in Berkeley, hatte am 29. Juli 2010 in einem Interview vorgeschlagen, sich in Sachen Homophobie doch erst einmal dem Katholizismus zuzuwenden, bevor man den Islam angreift.

Dem Mainstreamer Volker Weiß fiel dazu  ein:

Vor allem in Preußen war der Stand des Katholizismus selbst lange prekär. Im 19. Jahrhundert kam es sogar zu kurzzeitigen katholisch-jüdischen Allianzen, um der protestantischen Dominanz etwas entgegensetzen zu können.

Jungle World vom 19. August 2010

Was kontextfreies Assoziieren so gebiert.

T:I:S, 17. Oktober 2011. Viel mehr zu Volker Weiß unter Die falschen Freunde Israels

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Weiss 

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 Thomas Immanuel Steinberg

Carl Wiemer, Jungle World 

Carl Wiemer, geboren 1964, hat sein letztes Buch 2001 veröffentlicht, aber 2010 sei noch eins von ihm erschienen, weiß die Edition Tiamat. Posthum, wie das bei Schriftstellern heißt.

Nein, nein, so war's wohl nicht gemeint, denn Wiemer will am 8. Dezember 2011 am Förderturm 27 in Oberhausen einen Vortrag halten  zum Thema

Idiotendynastie
Über die Erblichkeit der Dummheit am Beispiel der Familie Martin Walsers

Echt

Wiemer habe über ein Jahr lang die Auftritte von Martin und Alissa Walser begleitet, 

indem er bei deren Lesungen Flugblätter als Aufklärungsmaterial über den Walserclan unters Publikum brachte. Seitdem wird er von den Walsers mit Unterlassungserklärungen und einstweiligen Verfügungen eingedeckt. Mit allen Mitteln polizeilicher Repression versuchen die Walsers mit dem Grundrecht freier Rede ausgerechnet jene Freiheit zu sabotieren, der die Literatur der Moderne manches zu verdanken hat.

Wiemer, ein Freiheitskämpfer, und daher mit allen Mitteln verfolgt von der Idiotendynastie Walser. Das klingt fast schrecklicher als die Geschichte vom iranischen Attentat auf den saudischen Botschafter durch einen mexikanischen Drogenhändler.

Wahr an Wiemers Geschichte ist, daß er über Martin Walser und die Seinen Erkenntnisse verbreitet hat wie diese:

In der Walsersippe erkennt sich ein Literaturbetrieb wieder, der ebenfalls wie ein Racket, ein Clan, eine Bande organisiert ist und dessen Idealtypus die Familienbande ist. Gerade darin ist die Sippe der Walsers exemplarisch für den deutschen Kulturbetrieb, dass sie das Bild der Familie nach ihrem realen Zerfall restituiert, wie es sich im Zeitalter der Patchwork-Familie kaum noch empirisch studieren lässt: als kulturpolitische Zuchtstätte, als straff geführter Brutbetrieb am Bodensee, dessen Mitglieder nicht als Einzelne betrachtet werden, sondern als Zwangsmitglieder eines Kulturclans, der auf dem Prinzip des Blutes gegründet wurde und dessen Mitglieder bestimmt scheinen, in die Fußstapfen des Altvorderen als dessen literarische Wurmfortsätze zu treten.

 Jungle World, 26. August 2010. Hervorhebung von mir, T:I:S

Kein Wunder also, daß in Deutschland der Walser-Clan seine Bücher loswird. Wiemer hat auch den Gegencheck gemacht:

Dass es anderswo besser zugeht, wird durch die bemerkenswerte und kaum bekannte Tatsache belegt, dass die Werke der Walsers im Ausland, wo sie von keinem Kulturbetrieb protegiert werden, auf so gut wie keinen Widerhall stoßen, ja nicht einmal übersetzt zu werden pflegen.

Das ist wirklich kaum bekannt, aber kein Wunder: Auch Wikipedia lügt mal wieder, dieser sogar im Ausland von deutschen Idiotendynastien durchsetzte Racket:

Works of Walser's that have been translated into English include:

Halftime: A Novel (1960)
The Gadarene Club (1960)
Oak Tree and Angora Rabbit: A Play (1962)
Rabbit Race (1963)
Runaway Horse: A Novel (1978)
Swan Villa (1983)
The Unicorn (1983)
Beyond all Love (1983)
The Inner Man ("Seelenarbeit") (1984)
Letter to Lord Liszt (1985)
Breakers (1988)
No Man's Land (1988)
The Burden of the Past: Martin Walser on Modern German Identity:
Texts, Contexts, Commentary
(2008)

Schwindel das, alles ausgedacht.

Dito bei Wikipedia (Spanisch)  und bei Wikipédia (Französisch): Die listen lauter erfundene Walser-Übersetzungen auf!

Carl Wiemer, Walserbanden-Opfer, ergib dich dieser Übermacht. Dein nächstes Buch darf sonst wirklich erst posthum erscheinen.

T:I:S, 14. Oktober 2011   

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Wiemer 

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Thomas Immanuel Steinberg

Bettfertig

Die Motten haben längst das linke Mäntelchen der Berliner Wochenzeitung Jungle World zerfressen, ihre Autoren haben die antideutschen Hosen runtergelassen, siehe Weitere Beiträge ..., und das Organ steht im Hemd. Fabrizio Bensch hat sich jetzt für Jungle World bei der Bundeswehr ins Bett gelegt. 

Als embedded journalist begleitete er unsere Jungs bei der Verteidigung deutscher Freiheit und Demokratie am Hindukusch. Seine schönen Bilder von Gebetbüchern und Tarnhosen, brettspielenden Schulbauschützern und Bergblicken aus der Tieffliegerkanzel zieren die Seiten von Jungle World Nr. 48/2008

Kein Bundeswehrprospekt wirbt glänzender fürs weltweite Totschlagen unterm Eisernen Kreuz.

T:I:S, 6. Dezember 2008   

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/frjungleworld.htm#Bettfertig

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Jingle World

The Heritage Foundation ist eine äußerst reaktionäre, einflußreiche US-Organisation. Die Autorin Nonie Darwish referierte dort am 15. November 2006 unter dem Titel: "Jetzt nennen sie mich ungläubig - Warum ich für Amerika, für Israel und für den Krieg gegen den Terror vom Dschihad abgelassen habe". Am 3. Januar 2007 erklärte sie in der äußerst reaktionären, einflußarmen Berliner Wochenzeitschrift Jungle World: "Den Begriff Islamophobie halte ich für Propaganda." Auf ihrer Internetseite "Arabs for Israel" klimpert sie wie Elmer Gantry:

Reject hate, embrace love. Bring out the best in Islam by showing your compassion, gratitude and forgiveness. Make the holy land truly holy by giving Israel and the Jewish people the respect they deserve in their tiny little country. This is not a crisis over land. It is a crisis of the soul... 

Autoren und Redakteure von Jungle World sollten die Finanzkrise ihres Blattes als Fingerzeig Gottes deuten und auf Wanderprediger umsatteln. 

T:I:S, 12. Januar 2007

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Matthias Gockel

 Deep Antisemitism?

Das Hamburger Monatsmagazin „konkret“, das von Hermann L. Gremliza herausgegeben wird, widmet sich seit mehreren Jahren der Aufgabe, antisemitische Äußerungen, insbesondere im linken und alternativen Spektrum, zu benennen und anzuklagen. Dabei scheut man nicht vor Falschaussagen zurück. So wird etwa behauptet, der bekannte 11/9-Skeptiker Mathias Bröckers sähe „beim Anschlag auf die Twin Towers eine jüdische Verschwörung am Werk“ (Heft 12/2003).

Im Heft 11/2004 ist die kanadische (Anti-)Globalisierungsaktivistin Naomi Klein an der Reihe. Der Mann fürs Grobe: Joachim Rohloff, Mitherausgeber der „Jungle World“.  Den Anlass bieten aktuelle politische Äußerungen Kleins. Da sie aber offenbar nicht genug Angriffsfläche bieten, nimmt der Autor Kleins Buch „No logo“ (2000) hinzu.

Der einleitende Abschnitt des Artikels mokiert sich darüber, dass „No logo“ ausgerechnet vom Medienkonzern Bertelsmann angeboten wird und dass die Autorin in liberalen Blättern inzwischen eine begehrte Kolumnistin ist. Es folgen zwei Abschnitte, in denen Rohloff einige Themen des Buches erwähnt, um es daraufhin umso leichter abkanzeln zu können. Zuerst tut er so, als ob Klein nur moralische Platitüden böte: Die Firma Nike ist böse, so umschreibt er ihre Kritik. Doch er hat noch andere, infamere Methoden auf Lager. So ist er sich nicht zu schade, Klein in einem Nebensatz und in typischer BDI-Manier zu unterstellen, dass das Problem der Nike-Sweatshops darin bestehe, dass dort Löhne, wie sie in Sindelfingen und Chicago nicht üblich sind, gezahlt würden. Wozu die Aufregung, könnte man also fragen. Rohloffs Fazit: Eine Generation, die sich über solche Bücher beugt, führt ... zu einem Mittelalter an Verblödung.  

Dann kommt er endlich zu seinem Lieblingsthema: Naomi Klein will sich mit dem Ursprünglichen, Gewachsenen und Authentischen, mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten verbünden. Sie spricht von ‚deep democracy‘ und von ‚close-up democracy on the ground‘. Auf deutsch müßte man wohl sagen: Wir sind das Volk. Die Ausbeutung scheint aber erst dann zu beginnen, wenn die amerikanischen Konzerne kommen, und die schlimmste Unterdrückung folgt dem Einmarsch der amerikanischen Armee.

Das kommt flott daher und dürfte das Herz aller Antideutschen erfreuen. Mit dem Inhalt von „No logo“ hat es nichts mehr zu tun. Doch der fehlende Bezug ist egal, denn die Assoziation mit Völkischem und die Unterstellung von Anti-Amerikanismus sind bewährte Muster der Diffamierung, und darum geht es in dem Artikel; jeder Erklärungsversuch wird überflüssig.

Schließlich kommt Rohloff zur Tagespolitik. Er schreibt: Was Scharon, Bush und Putin in Palästina, in Tschetschenien, in Afghanistan und im Irak treiben, nennt [Klein] in einem Kommentar für den Wiener Standard die Likudisierung der Welt‘. Da sie nun einmal beschlossen hat, der Terror sei eine Antwort auf die Besatzung, und nicht umgekehrt, macht es ihr keine Mühe mehr, den perfiden Trick des Likudismus zu durchschauen: Man überfällt ein wehrloses Land und benutzt den entstehenden Widerstand, der manchmal ziemlich grausam aussieht, zum Vorwand, um die Fremdherrschaft zu verewigen.

Meint Rohloff, der irakische Widerstand, den er wahrscheinlich unter dem Begriff „Terror“ subsumieren möchte, sei keine Antwort auf die Besatzung, sondern umgekehrt?  Das wäre eine Erklärung, die genau der Propaganda der Bush-Regierung entspräche.  

Doch der Hammer kommt zum Schluss.

Zunächst bringt Rohloff ein weiteres Zitat von Klein: Scharon sagt, daß der Terrorismus eine Seuche ist, die weder Grenzen noch Zäune kennt. Aber so ist es nicht. Der Terrorismus gedeiht innerhalb der illegitimen Grenzen von Besatzung und Diktatur. Und er überschreitet diese Grenzen, um innerhalb jener Länder zu explodieren, die für Besatzung und diktatorische Herrschaft verantwortlich sind.  

Auch hier bleibt die Frage nach einer alternativen Deutung des Terrorismus unbeantwortet. Stattdessen kombiniert Rohloff die Kritik Kleins an Scharon mit einem Spruch von Goebbels und unterstellt ihr ein antisemitisches Denkmuster: Goebbels sagte, die Juden seien unser Unglück. Aber so ist es nicht. Unser Unglück ist es, daß die mächtigsten Staatsmänner die Verbrechen der Juden auf der ganzen Welt wiederholen.  

Damit hat er sein Ziel erreicht. Wieder einmal ist eine Person der linken Aktivistenszene des Antisemitismus überführt worden.  

Doch diesmal hat der Mann fürs Grobe sich übernommen. Die Unterstellung ist schon aus persönlichen Gründen – Klein ist Jüdin – infam und erinnert an die Nazismus-Vorwürfe gegen Israel aus der rechtsradikalen Ecke. Es überrascht, dass der an diesem Punkt sonst so sensible Herausgeber das nicht bemerkt hat. Allerdings handelt es sich um ein Diffamierungsmuster, das in Rohloffs Kreisen inzwischen selbstverständlich geworden ist. Klein spricht über den israelischen Ministerpräsidenten und dessen Politik; Rohloff assoziiert, frei nach Goebbels, „die Juden“ und ihre Verbrechen. Er unterstellt Klein, was tatsächlich ihm selber den Blick verklebt: ein antisemitisches Denkmuster.  

Während der ersten Intifada schrieb Naomi Klein in der Studentenzeitung ihrer Uni einen Artikel, in dem es heißt, dass Israel die Besetzung nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für seine eigenen Bevölkerung, insbesondere seine Frauen, zu beenden habe. Daraufhin erhielt sie Bombendrohungen. In einem Gespräch mit dem „Guardian“ erzählt sie: Nachdem der Artikel erschienen war, berief die Vereinigung jüdischer Studenten, die sehr zionistisch eingestellt war, ein Treffen, um darüber zu beratschlagen, wie sie auf meinen Artikel reagieren sollten – und ich ging zu dem Treffen hin, weil niemand wußte, wie ich aussah. Die Frau, die neben mir saß, sagte: 'Wenn ich Naomi Klein jemals treffe, werde ich sie umbringen.' Also stand ich auf und sagte: 'Ich bin Naomi Klein, ich habe den Artikel ... geschrieben, und ich bin genauso jüdisch wie jeder von euch'. Das darauf folgende Schweigen im Raum werde ich nie vergessen.  

Man wünscht Joachim Rohloff, dass er einmal aus der deutschen Provinz herausfindet und seine Thesen in Toronto, New York oder London vorstellt. Das Gelächter wäre bis nach Hamburg zu hören.

November 2004

T:I:S, 21. November 2004

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Matthias Gockel

 Dschungelfieber

Thomas v. der Osten-Sacken hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kampagnen gegen das Embargo und den geplanten Irak-Krieg als antisemitisch motiviert zu diskreditieren.  Dies geschieht vor allem in der Jungle World, die sich dem (nicht nur) von der USA propagierten “Kampf gegen den Terrorismus” verschrieben hat, und in KONKRET, die das Thema kontrovers diskutiert.  Dort meint er, daß “deutsche Kriegsgegner” Gesinnungsfreunde der Hisbollah seien und “den Einsatz von Massenvernichtungswaffen und Scud-Raketen für legitime Formen des ‘Widerstands’” halten (12/02).  Im Heft 1/03 reduzieren er und sein Koautor Thomas Uwer die (nicht nur) in der BRD weitverbreitete Abneigung gegen Luftangriffe mit tausendfacher Todesfolge auf den Vergleich von “Bomben auf Bagdad” mit “Bomben auf Dresden” und schieben die Kriegsgegner in eine revisionistische Ecke.  Die Methode ist stets dieselbe:  assoziative Analogiesierungen statt historischer Genauigkeit.  So sind beim Luftkrieg über Deutschland mehr als 50.000 alliierte Soldaten ums Leben gekommen.  Das ändert aber nichts daran, daß die angedrohte Militäraktion gegen den Irak (ob mit oder ohne “UNO-Mandat”) eher einem Massenmord gleichen dürfte.  Der US-Sender CBS meldete am 24. Januar 2003 von Planungen, die 600-800 Raketen gegen Bagdad in den ersten 48 Stunden vorsehen, um einen ähnlichen Effekt wie mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima zu erzielen.

Regelmäßig unterstellt v. der Osten-Sacken der Friedensbewegung ein Ausblenden der Verbrechen des irakischen Regimes.  Ein genauer Blick könnte ihn eines Besseren belehren.  So listete die Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international, Barbara Lochbihler, in ihrer Rede auf dem Kongress Irak – Alternativen zu Krieg und Embargo (1./2. November 2002) die Menschenrechtsverletzungen im Irak detailliert auf, wies aber Versuche zurück, die Berichte von amnesty “selektiv zu missbrauchen, um ein militärisches Vorgehen zu rechtfertigen”.  Damit ist die Strategie v. der Osten-Sackens und seiner Mitstreiter genau bezeichnet.  Um nicht vollends als Kriegshetzer durchzufallen, muß er die möglichen Konsequenzen eines Angriffs als “horrende Hochrechnungen” abtun oder utilitaristisch verbrämen, etwa mit Schätzungen über die Zahl der Opfer Saddam Husseins (1/03), wobei dann schon einmal 182.000 mutmaßliche Opfer doppelt aufgelistet werden dürfen.  Rudolf Scharping läßt grüßen.

M. Albright rechtfertigte das Embargo bereits 1996 mit der Feststellung, daß der Kampf gegen Saddam Hussein 500.000 tote Kinder eben “wert ist”.  Das ist nur um Weniges zynischer als Uwers / v. der Osten-Sackens Behauptung, die Opfer eines Angriffs hätten im Grunde nichts gegen denselben einzuwenden.  Aus der Jungle World, 5. Februar 2003: “Die ICG (International Crisis Group), eine der Friedensbewegung nahe stehende Organisation, hatte die Möglichkeit, Menschen im Irak zu interviewen. Das Ergebnis der Studie entspricht dem, was oppositionelle irakische Quellen seit Monaten melden. Die Bevölkerung des Landes fürchtet den gegenwärtigen Zustand mehr als die US-amerikanische Kriegsdrohung und hofft auf eine baldige Befreiung von der Diktatur.”

Unabhängige Solidaritätsgruppen wie “Voices in the Wilderness” (www.vitw.org) bezeugen das Gegenteil: die Menschen im Irak hoffen vor allem auf ein Ende des Embargos und wissen, daß sie gegenüber einer erneuten Bombardierung um ein Vielfaches schutzloser sind als gegenüber dem irakischen Regime.  Aber die gesamte Konstruktion ist von Vorneherein abwegig, denn sie basiert auf der absurden Behauptung, die ICG stünde der Friedensbewegung nahe.  Vielmehr handelt es sich um eine pseudo-akademische Hilfstruppe zur weltweiten Durchsetzung des Neoliberalismus, die im Gegensatz zur Friedensbewegung seit einem Jahrzehnt alle militärischen Interventionen des Westens abgesegnet hat.  Die “oppositionellen irakischen Quellen”, die uns schmackhaft gemacht werden sollen, stehen mehrheitlich an vorderster Front der Kriegskampagne Washingtons, ähnlich wie die “oppositionellen Quellen” in Venezuela, die es sogar mit einem demokratisch gewählten Präsidenten zu tun haben.  Beide hätten gegen ein militärisches Eingreifen ihrer Sponsoren nichts einzuwenden, vor allem, wenn es als Ultima Ratio ausgegeben wird, denn damit kann bekanntlich auch Rot-Grün in jeden Krieg ziehen.

1. März 2003

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