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AbgeschriebenWas Seymour Hersh am 30. Juni 2008 (mit Datum vom 7. Juli 2008) im feinen New Yorker und beim unfeinen CNN dem Mainstream zur Auswertung freigab, stand fast zwei Monate vorher, am 2. Mai 2008, bei CounterPunch; Verfasser: Andrew Cockburn. Siehe die Bewertung des Vorgangs bei CounterPunch. T:I:S, 1. Juli 2008. Herzlichen Dank an Schmidt-Polyglott *US-amerikanische Special Operations im IranSeymour Hersh zu den US-amerikanischen Special Operations im Iran. CNN-Video, acht Minuten. Dank für folgendes Exzerpt von Schmidt-Polyglott: Hershs Abschlussbemerkung auf die Bitte um Zusammenfassung: "Please put in a nutshell .... what makes it so dangerous ... with this special Ops people [in Iran]?" Hersh:
T:I:S, 1. Juli 2008 dazu Washington: Im Iran einen Casus Belli schaffenSeymour M. Hersh legt nahe, daß die Bush-Regierung am Kongreß vorbei inneriranische oppositionelle (ethnische, religiöse und politische) Gruppen personell und finanziell unterstützt mit dem Ziel, einen Casus Belli zu schaffen. Seymour M. Hersh: Preparing the Battlefield. The Bush Administration steps up its secret moves against Iran. The New Yorker, datiert July 7, 2008. Siehe auch Recherchier-Journalist über Seymour M. Hersh T:I:S, 29. Juni 2008. Dank an Schmidt-Polyglott *Plan B für den Iraknennt Hubertus Hoffmann, Autor mit Verbindungen zur Großindustrie, seinen Vorschlag zur Teilung des verwüsteten Gebiets (Englisch). T:I:S, 3. September 2007 *Noam ChomskyDer Rest zu StaubKhusestan, dort also, wo im Iran das Öl liegt, “ist arabisch. Es hielt loyal zum Iran, kämpfte mit dem Iran, nicht dem Irak, während des iranisch-irakischen Krieges. Das ist eine mögliche Quelle für Abspaltung. Ich wäre erstaunt, wenn es nicht den Versuch gibt, in Khusestan sezessionistische Elemente aufzustacheln. US-Militär auf der andern Seite der Grenze, im Irak, steht bereit, um ein unabhängiges Khusestan gegen den Iran zu ‚verteidigen’... Wenn man mit Khusestan das Öl hat, kann man den Rest des Landes zu Staub bomben... Ich wäre überrascht, wenn es nicht auch anderswo den Versuch gibt, sezessionistische Bewegungen zu fördern, unter der azerischen (1) Bevölkerung zum Beispiel." Anmerkung (1) turksprachig, wie im benachbarten Aserbaidschan Noam Chomsky: It all comes down to control. Asia Times, 22. Februar 2007; siehe alle unten stehenden Beiträge und Gerhard Wendebourg T:I:S, 22. Februar 2007 *Die geplante Neuaufteilung des Nahen Ostens und MittelasiensPierre Hillard: La recomposition programmée du Moyen-Orient. Observatoire de l'Europe, Ende November 2006 Mahdi Darius Nazemroaya: Plans for Redrawing the Middle East: The Project for a “New Middle East” Global Research, 18. November 2006 Die Zerschlagung des Irak könnte verschiedene Länder im Nahen Osten völlig destabilisieren. Der Bund, Schweiz, 4. November 2006 (.pdf-Datei) T:I:S, ergänzt am 16. Dezember 2009 *Thomas Immanuel Steinberg
Ist Borat Aserbaidschaner?
Borat Sagdiyev, der Fantasie-Kasache des britischen Spaßvogels Sacha Baron Cohen, könnte tatsächlich aus Aserbaidschan kommen. Im neuen aserbaidschanischen Geschichtslehrbuch für die 5. Klasse, es heißt „Vaterland“, lesen die Kinder:
Vor gut dreitausend Jahren habe es aserische Reiche
gegeben: ein Manna-Aserbaidschan, ein Atropatena-Aserbaidschan, ein
Albaniya-Aserbaidschan – zu einer Zeit, als noch niemand dort eine Turksprache
wie Aserbaidschanisch (auch Aserisch genannt) sprach. Die Kriegsgegner von 1992 tauchen auf als die
„armenischen Barbaren“. Ihre Bluttaten gelte es nie zu vergessen. Die
Innenseite des vorderen Buchdeckels ziert, wie in jedem Schulbuch, die
Nationalhymne. Das Deutsch-Buch für die 6. Klasse schießt den Vogel ab.
(1) Nicht nur wird ein gelehriger Schüler bald Deutsch reden wie Borat im Film
Englisch („der Kenguruh“, „Chouvinismus“, „der Knabe setzt sich um den
Tisch“), er wird auch über Aserbaidschan den Satz nachsprechen: „Unsere
Republik ist die beste und schönste auf der Welt“ und über die Hauptstadt
Baku mit ihrer sagenhaften Ölkloake verkünden: „Unsere Stadt ist sauber und
schön“. Im Lehrbuch, angefertigt auf Anordnung des
Bildungsministeriums unter Prof. Misir Mardanov, ist Baku die Hauptstadt von
Nordaserbaidschan. Die Hauptstadt von Südaserbaidschan heiße Tebris (auch Täbris
oder Tabriz). Doch diese Stadt liegt tatsächlich im benachbarten Iran, auf dem
Siedlungsgebiet der aserbaidschanisch-sprachigen Iraner. Einen Iran gibt es auf der Schulbuch-Karte
nicht, auch kein Armenien. Dafür reicht „die beste und schönste Republik der
Welt“ vom Persischen Golf bis Dagestan. Der ideologische Boden für die ethnische Aufteilung des
Iran ist also auf aserbaidschanischer Seite bereitet. Aserbaidschan ist
fest in Händen der US-Amerikaner. Und über die macht sich ja Cohen, alias
Borat, in Wahrheit lustig. T:I:S,
11. November 2006 Anmerkung (1) Veysalli, Faxraddin und Quliyev, Zahid: „Deutsch 6“, Baku (Kövsar Verlag) 2006 *Thomas Immanuel SteinbergThe 10/40 WindowUS-Amerikaner wollen die nahöstlichen und asiatischen Seelen retten.Jeder dritte US-Amerikaner zählt sich zu den
fundamentalistischen Evangelikalen. Missionsziel unter anderm der New Life
Church ist die Bekehrung der 2,7 Milliarden Buddhisten, Hindus und Muslime zu
Christus, die zwischen dem 10. und 40. nördlichen Breitengrad leben. The 10/40 Window umfaßt den Nahen Osten und Mittelasien,
und dazu noch Indien, China und Hinterindien. Die Auswahl harmoniert mit
Zbigniew Brzezińskis Weltherrschaftskonzept (1) und den geostrategischen
Prioritäten der Neocons. Hier eine besonders elegant gestaltete Internetseite zum 10/40 Window. Geo hat Kurioses über die Evangelikalen zusammengetragen. T:I:S, 7. November 2006 Anmerkung (1) Leseprobe aus Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft (1997), Schlußfolgerungen *GeburtshelferVali Nasr, Adjunct Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, hilft bei der Geburt des Neuen Nahen Ostens von Condoleezza Rice: Erst wenn zerhackt, werde der Irak aufhören zu bluten. Vali Nasr: When the Shiites Rise. Foreign Affairs, July/August 2006, T:I:S, 1. November 2006 *Haltet den Dieb!Spiegel Online behauptete am 15. Oktober 2006, passend zu den US-amerikanisch-israelischen Spaltungsplänen für den Irak, "Al-Qaida" hätte einen Separat-Staat im Irak ausgerufen:
Spiegel Online hat die Erklärung ihren Lesern leider nicht vorgelegt. Aber Dutzende andere Internetseiten verweisen auf ein Video, das von den Staatsgründern stammen soll. Wer nicht Arabisch versteht, den wird es langweilen: Ein weiß gekleideter Mensch an einem Tisch spricht einen Text. Sein Gesicht ist dabei von einer weißen Scheibe verdeckt. Wie ein Staat halt so ausgerufen wird. T:I:S, 26. Oktober 2006 P.S. Bei Spiegel Online steht über Politik wirklich nur Quatsch, das Interview mit dem Terrorexperten Ron Suskind zum Beispiel. *Alte israelische Pläne zur ethnischen Auflösung der Staaten im Nahen OstenZe'ev Schiff, Militärberichterstatter von Ha'aretz und in Israel hoch angesehen, schrieb am 6. Februar 1982: Das Beste, was Israel passieren könne, sei "die Auflösung des Irak in einen schiitischen und einen sunnitischen Staat und die Abtrennung des kurdischen Teils." Zitiert nach Israel Shahak, Vorwort vom 13. Juni 1982 zu seiner Übersetzung aus dem Hebräischen von
Oded Yinon detaillierte die Pläne zur Zerschlagung der Staaten im Nahen Osten, die heutigen Plänen, siehe Der Neue Nahe Osten, sehr ähneln. Eine Probe aus dem Text von Yinon (Hervorhebungen von Israel Shahak):
T:I:S mit Dank für den Hinweis an Ruedi Bosshart, 25. Oktober 2006 *NATO Defense College, RomUS-Oberst verwendet Karte vom Neuen Nahen OstenAm 15. September 2006 illustrierte ein Oberst der US National War Academy seinen Vortrag am römischen Defense College mit der Landkarte des Ex-US-Militärs Ralph Peters zur Neugestaltung des Nahen Ostens; das College ist eine Ausbildungsstätte der NATO. Das berichtete das türkische Internetportal Zaman am 29. September 2006. Die Karte zeigt einen Staat Kurdistan zwischen einer stark verkleinerten Türkei, dem verkleinerten Iran und einem zerstückelten Irak. Als Reaktion auf die Verwendung der Karte, die laut State Department nicht die US-amerikanische Sicht widerspiegele, hätten türkische Offiziere den Vortragsraum verlassen. Der belgische Leiter der Schulungsstätte sei informiert worden. Er erklärte das Verhalten des US-Dozenten für inakzeptabel. Die Karte und der dazugehörige Aufsatz von Ralph Peters, so hatte der französische Historiker Pierre Hillard bei German Foreign Policy vermutet, dienen offenbar der Regierung der Vereinigten Staaten als Testballon und zur Irritation im Greater Middle East. T:I:S, 25. Oktober 2006 *Thomas Immanuel SteinbergDer Neue Nahe Osten – Geopolitische Hintergründe des Nah-Ost-KonfliktsVortrag im Rahmen der Ringvorlesung des Interdisziplinären Seminars zur Ökologie und Zukunftssicherung und des Zentrums für Konfliktforschung, WS 2006/2007 "Konflikte in Gegenwart und Zukunft – Bedrohung von Mensch und Natur" Phillips-Universität Marburg, Montag, 23. Oktober 2006, 18:30 - 20:00 Uhr, Hörsaalgebäude der Universität, Biegenstraße 14, Raum HG 116
Inhalt 0. Vorbemerkungen 1. Rice, die Hebamme: Es sind die Wehen! 1.1
The Middle East 2. Alte Konzepte 2.1 Der "Bernard-Lewis-Plan" 3. Warum Naher Osten und Mittelasien? 3.1 Irakische und iranische Öl- und Gasvorkommen und Transportwege 4. Sackgassen 5. Resümee 6. Nachwort *0. Vorbemerkungen Mit "den USA" oder mit "Afghanistan" sind, wenn nicht anders vermerkt, die jeweiligen Staaten im Sinne ihrer Herrschaftseliten gemeint, nicht die Bevölkerung. Wenn Sie bei SteinbergRecherche ein Stichwort suchen, so geben Sie bei scroogle (oder google) ein: stichwort site:steinbergrecherche.com
1. Rice, die Hebamme: Es sind die Wehen! US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte das, was im Sommer zwischen Israel und dem Libanon ablief, zu den Geburtswehen des Neuen Nahen Ostens. Sie verwandte den Begriff „Middle East“. 1.1 The Middle East ursprünglich speziell das Gebiet des osmanischen Reiches, jetzt gewöhnlich Südwestasien und Nordostafrika von Libyen bis Afghanistan, oft von Marokko bis Pakistan (Webster’s Third New International Dictionary of the English Language, Unabridged, 1993, p. 1430). Das Gebiet deckt sich nahezu mit dem des Plans zum „Greater Middle East“, der Umgestaltung Nordafrikas, des Nahen Ostens und Mittelasiens zu einem Großraum unter US-amerikanischer Hoheit. Der Plan wurde von der privaten US-amerikanischen Rand Corporation entwickelt.
Der Plan zum Greater Middle East wurde im Herbst 2003 auf dem G8-Gipfel der reichsten Industriestaaten der Erde in Sea Island, Georgia in seinen Grundlinien bestätigt. Wie er z.B. in Algerien umgesetzt wurde, hat Bernhard Schmid im Schweizer Vorwärts vom 18. Juni 2004 - .pdf-Datei - beschrieben: Die IMF-Auflagen machen die Reichen reicher und die Armen ärmer.
1.2 Wer hat den Erdball geschwängert? Mit ihrer Anleihe aus der Humanbiologie hat die US-Außenministerin verdeutlicht: Nicht Libanon, nicht die Hisbollah mit der Entführung - oder Festnahme - zweier israelischer Soldaten gaben den Anstoß zu Tötung, Verletzung und Schädigung der Libanesen; es war die eigene Seite. Der US-Verbündete Israel ist Miterzeuger dessen, was Neuer Naher Osten werden soll.
2. Alte Konzepte Die Pläne der USA zum Neuen Nahen Osten sind nicht neu, sondern geistern schon eine Weile herum. 2.1 Der "Bernard-Lewis-Plan" Der britische Orientalist Bernard Lewis, Emeritus der Princeton University, setzte 1990 den Begriff "Clash of Civilizations" in die Welt, den Huntington für seine sich inzwischen selbst erfüllende Prophezeihung nutzte. Edward Said hielt Bernard Lewis' Werk für "Orientalismus": für die westliche, rassistische Rechtfertigung der imperialistischen Beherrschung des Nahen Ostens und Mittelasiens. Mehrheits-Israelis und Neokonservative dagegen priesen und preisen Lewis. So gewährte das B'nai B'rith Center in Jerusalem Lewis 1996 Raum für einen Vortrag über den Nahen Osten im Jahr 2000, in dem er den Israelis mehr Interesse für Menschenrechte und den Arabern mehr Interesse für Menschenwürde bescheinigte. Der nach Lewis benannte angebliche Plan, anonym gezeichnet und ins Netz gestellt, erinnert an Raumordnungsvorstellungen europäischer Mächte über ihre Kolonial- und Einflußgebiete in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Staatenbildungen und Grenzverschiebungen sind in folgender Darstellung grob erkennbar:
Ausschnittvergrößerung
In der Ausschnittvergrößerung sieht man einen neuen Staat Kurdistan im kurdischen Siedlungsgebiet, gebildet auf Kosten aller Anrainer, ein um das Siedlungsgebiet der iranischen Azeris vermehrtes Aserbaidschan und, neben allerhand Fantasiestaaten und weiteren Verschiebungen, einen dreigeteilten Irak. Der Lyndon-LaRouche-Anhänger Jeffrey Steinberg spricht im Internet von einem "Bernard-Lewis-Plan". Jede Quellenangabe fehlt. Ist also das Ganze bloß ein Hirngespinst?
2.2 Leslie Gelbs Vorschlag zur Teilung des Irak Leslie H. Gelb, Ex-Vorsitzender des Council on Foreign Relations, hat am 25. November 2003 in der New York Times vorgeschlagen, nach dem Vorbild der Zerschlagung Jugoslawiens auch den Irak zu liquidieren: ein schiitischer Südstaat um Basra, ein sunnitischer Mittelstaat um Bagdad und einen kurdischer Nordstaat sollten gebildet werden. Der belgische Journalist Michel Collon meint: Leslie Gelbs "Theorie der ethnisch reinen Staaten ist tatsächlich identisch mit derjenigen Hitlers" - und ähnelt den Auffassungen anderer Imperialisten, wie etwa des wilden Rassisten Winston Churchill.
2.3 Die US Forces greifen den angeblichen Bernard-Lewis-Plan auf. Im Juni 2006 erschien im Armed Forces Journal, einer offiziösen Publikation der US Forces, ein Aufsatz von Ralph Peters unter dem zweideutigen Titel "Blood borders. How a better Middle East would look." Er empfiehlt die Neuordnung des Nahen Ostens und Mittelasiens in einer Mischung aus dem angeblichen Bernard-Lewis-Plan und dem Leslie-Gelb-Einfall, erwähnt aber keinen von beiden. Der Artikel ist so illustriert: Vorher:
(nach oben zum Artikel über den Vortrag des US-Obersten im NATO Defense College, Rom)
Ralph Peters begründet seinen Vorschlag kulturalistisch-rassistisch. Über die einzusetzenden Mittel bei der Umgestaltung läßt Peters keinen Zweifel aufkommen: "Oh, and one other dirty little secret from 5,000 years of history: Ethnic cleansing works." "Ach, und noch ein schmutziges kleines Geheimnis aus 5 000 Jahren Geschichte: ethnische Säuberung funktioniert."
2.4 German Foreign Policy befragte den französischen Historiker Pierre Hillard Zum Aufsatz des US-Militärs meint Pierre Hillard, Pariser Historiker (u.a. Autor von "La décomposition des nations européennes. De l'union euro-Atlantique à l'État mondial" - Éditions François-Xavier de Guibert, Paris) gegenüber dem Kölner Internet-Portal German Foreign Policy: Die ethnizistische Aggression der westlichen Mächte werde durch die deutsche Außenpolitik maßgeblich befördert. Es gebe kontinuierliche Bemühungen deutscher Vorfeldorganisationen, die "den Mittleren Osten neu modellieren" wollen. So veranstalte die Bertelsmann-Stiftung, Deutschlands gößter und einflußreichster Think Tank, Nahost-Foren, die Kronberger Gespräche, bei denen es um eine "vollständige Umgestaltung der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Insitutionen" der muslimischen Ressourcenstaaten gehe - "um sie fest an die euro-atlantische Achse zu schweißen". Wie es im Protokoll der diesjährigen Kronberger Gespräche heißt, sollten dem "schrittweisen Ausbau der europäischen Präsenz in der Region" geeignete Mittel "der amerikanischen Durchsetzungsfähigkeit" beigegeben werden. Der Hinweis kombiniert diplomatische und subversive Aktivitäten ("Minderheitenrechte") mit kriegerischen Drohungen. Bei einem der vorangegangenen Bertelsmann-Foren war verlangt worden, dass die "administrativen und natürlichen Grenzen der Region ihre Bedeutung schnell verlieren müssen, damit sich neue Perspektiven eröffnen". Hillard ergänzend über den Vorschlag des US-Militärs: "Man will auch die Reaktionen testen, vorrangig die Reaktionen unter den Muslimen. Das Geschickte an einer solchen Veröffentlichung ist, dass sie Debatten bei den Betroffenen auslöst. Man wird Befürworter und Gegner dieser Kozepte erkennen können, es wird zu Brüchen und Widersprüchen in den islamischen Staaten kommen. Also wird es auch Möglichkeiten geben, auf die eine oder andere ethnische oder politische Gruppe Druck auszuüben, eine dritte zu bevorzugen usw. Allein die Debatte um das Für und Wider ethno-regionalistischer Prinzipien (und Grenzziehungen) befördert die westlichen Interessen..." Quellen: Schmutziges Geheimnis, Interview mit Dr. Pierre Hillard und Europa und der Nahe Osten; 10. Kronberger Gespräche, 14.-15.07.2006 (.pdf-Datei, 36 S.)
2.5 Deutschland beteiligt sich an der Neuaufteilung des Greater Middle East. German Foreign Policy berichtete am 19. Oktober 2006: "Bei den Vorbereitungen zur territorialen Zerschlagung des Irak in drei Staatsparzellen ('Autonomie') helfen deutsche Ethno-Spezialisten. Die Teilung wird von einer 'Studiengruppe' des US-Kongresses unter Vorsitz des ehemaligen Außenministers James Baker vorbereitet. Demnach müsse der Irak in "autonome Regionen" aufgespalten werden. 'Autonomie'-Lehrgänge für die zukünftigen Regionalverwalter im Irak führt die 'Europäische Akademie Bozen' durch... Das Bozener Institut unterhält enge Beziehungen zur "Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen" (FUEV)" (Zur FUEV siehe Volksgruppenpolitik schürt ethnische Konflikte) Die Bertelsmann-Stiftung lehnt „eine afghanische Lösung
für Iran“, also einen Krieg gegen Iran vorerst ab. Eine „unkontrollierte“
Mobilisierung ethnischer Minderheiten im Iran könne dessen Auflösung befördern:
Sprachgruppen im Iran Der Publizist Jack Wheeler, einst Mitstreiter von Ronald Reagan, heute Propagandist gegen den Islam, propagiert die Förderung angeblich vorhandener sezessionistischer Bestrebungen der Azeris im Nordwesten Irans.
3. Warum Naher Osten und Mittelasien? Streitgegenstand und im Kriegsfall Kriegsziel sind Öl und Gas. Die folgende Karte zeigt den Zusammenhang.
Die auf der Karte noch blaßblau gezeichnete BTC-Pipeline von Aserbaidschan über Georgien an die türkische Mittelmeerküste ist inzwischen gebaut. Die US-Firma Unocal wollte das turkmenische Gas über Afghanistan ans Arabische Meer befördern. Inzwischen hat sich die russische Gazprom große Teile der turkmenischen Vorkommen vorvertaglich und vertraglich gesichert.
3.1 Irakische und iranische Öl- und Gasvorkommen und Transportwege Irak Irakische Ölfelder in drei Teilansichten
1. Nordirak mit Mosul und Kirkuk und Pipeline nach Ceyhan (Türkei, Mittelmeer)
2. Mittelirak mit zeitweilig unterbrochener Pipeline nach Syrien und Libanon (Mittelmeer)
3.Südirak mit Basra, Schat-el-Arab, Iran (Zipfel) und Kuweit (Golf von Persien ) Kenntnisstand über Ölfelder: 1992 Bekannte irakische Ölfelder liegen überwiegend um Basra (überwiegend schiitisch bewohnt) und im Norden (teils kurdisch bewohnt). Weitere Felder werden im mittleren westlichen Halbwüsten- und Wüstengebiet vermutet (nahezu unbewohnt). Wie Joshua Holland auf alternet kürzlich berichtete, haben sich die vier weltgrößten Ölfirmen das leicht zu fördernde "süße" und daher wertvolle irakische Öl inzwischen nahezu gesichert - über sogenannte Production Service Agreements (PSAs) mit der irakischen Marionettenregierung. Nominell bleibt Irak Eigentümer der Lagerstätten, faktisch besitzen es ExxonMobil und Chevron (beide USA), BPAmoco (GB/USA) und Royal Dutch/Shell (NL/GB).
Iran
Nahezu alle iranischen Gas- und Ölvorkommen liegen rund um den Persischen Golf.
Die Lage des Iran
Der kürzeste Weg für kaspisches Öl zu einem Weltmeer ist der durch den Iran. Swap-Geschäfte könnten den Transport sogar teilweise ersetzen.
3.2 Warum Öl und Gas? Stichworte - Die Rechtfertigung mit Eigenbedarf ist zum Teil Ideologie, zum Teil Furcht vor der Überschreitung des "oil peak" und dann abnehmender Förderung - Öl und Erdgas sind unerläßlich für Autos, Heizung und Kühlung. Seltener wird bedacht: Alle Plastikprodukte, vielleicht die Hälfte dessen, was in jedem Wohnzimmer steht, hängt und liegt, ist auf Erdöl-Basis hergestellt. Für Kunstdünger braucht es Erdgas, und Erdöl für Pflanzenschutzmittel. Keine Bewässerung, kein Pflügen, Ernten oder Weiterleiten geht ohne Öl oder Gas. Ohne Öl ist auch kein Krieg zu gewinnen. - Öl- und Waffengeschäft puschen sich gegenseitig hoch.
Kleiner Exkurs: Verfügung über Öl und Gas, Herrschaft, Schatzbildung und persönliche Motive – der gleiche Gegenstand unter verschiedenen Blickwinkeln
3.3 Kriege und Würgepunkte in Stichworten - Afghanistan: Die turkmenische Gasleitung? Die Einkreisung Rußlands? Der Mohnanbau? - Balkan: Zerschlagung des jugoslawischen Widerstands / Abfuhr des kaspischen Öls nach Westen - Bosporus: AMBO-Pipeline, US-dominiert, oder Burgas - Alexandroupolis, russisch dominiert? (Zur russischen Gegenstrategie gegen die US-amerikanische Einkreisung siehe F. William Engdahl: The Emerging Russian Giant Plays its Cards Strategically. 7.Oktober 2006. GlobalResearch (.pdf-Datei, 15 S.) - Iran und Irak. Knut Mellenthin hat in der jungen Welt vom 17. und 18. Oktober 2006 aufgezeigt, wie skrupellos die USA seit 1941 ihre Interessen im Iran und im Irak verfechten. -
Libanon: Rolle des Wassers des Litani-Flusses? ( David Green: The
US, Israel and Lebanon. Historical Roots and Pattterns of Conflict.
CounterPunch, 7./8. Oktober 2006, der auf das Vorwort
zu Moshe Sharetts Tagebuchauszügen von Livia Rokach aus dem Jahre 1986
verweist: Israel's Sacred Terrorism, Third Edition Belmont, Massachusetts;
siehe auch Livia Rokach: Israels Heiliger Terror. Eine Studie auf der Basis von
Moshe Sharetts Persönlichem Tagebuch und anderen Dokumenten seiner Zeit. Aus
dem Amerikanischen von Gerd Albartus. Mit einer Einführung von Noam Chomsky.
Minotaurus Projekt 1882)
4. Sackgassen - Israels militärisch-industrieller Komplex und die Siedler - Transportwahn und antiquierter Hausbau in den USA, bei uns - und in China
5. Resümee Die Herrschaftselite der Vereinigten Staaten von Amerika arbeitet seit langem an der Unterwerfung des Greater Middle East, der etwa von Marokko bis Pakistan reicht und Rußland im Halbkreis umringt. Mittel waren und sind: die Kriege gegen Jugoslawien, gegen Afghanistan und den
Irak; Der Mitteleinsatz dient dazu, die Hand an den Öl- und Gashahn der Welt zu bekommen: im Greater Middle East und letztlich in Rußland. Wem das gelingt, beherrscht die heutige Welt.
6. Nachwort - Richard Lugar Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats, Richard Lugar, hat im September 2006 die Länder Venezuela, Iran und Rußland als „adversarial regimes“ bezeichnet, also als den USA antagonistisch gegenüberstehende Regime. „Wir sind gewohnt, in den Kategorien konventioneller Kriege zwischen Nationen zu denken, doch Energie ist die Waffe der Wahl für die, die sie besitzen.“ - Thomas de Maizière Der Leiter des Kanzleramts, Thomas de Maizière
kritisierte am 12. Oktober 2006 das angeblich zunehmende Bestreben
rohstoffreicher Länder, ihre Öl- und Gasreserven als politische Waffe
einzusetzen. Die Bemerkung ziele wohl auf Rußland, Deutschlands größten
Gaslieferanten, meinte die Financial Times Deutschland (13. 10. 2006, S.
11) Auf solche Frechheiten antwortet ein US-amerikanischer Autoaufkleber bündig:
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