Intelligenzquotient

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Thomas Immanuel Steinberg

Der Gemeinheitsquotient von Springer

Der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, sagte in einem Interview, der Intelligenzquotient türkischer Migranten sei geringer als der der deutschen Bevölkerung. Lenzen, Erziehungwissenschaftler, führte dies als Ursache für das mäßige Abschneiden der Berliner Schüler beim neuen Pisa-Test an. 

Liegt’s an der Auswahl? Gehen nur doofe Türken nach Deutschland? Oder, heikle Frage - aber kann denn Fragen Sünde sein - sind die Türken, nicht alle natürlich, aber im Durchschnitt, doof? Noch döfer als die Deutschen?

Welt-Autor Ulli Kulke, Der Intelligenzquotient der Türken, findet die Frage „heikel auch deshalb, weil es mittlerweile unstrittig ist, daß Intelligenz sehr stark auch von Erbanlagen bestimmt wird - und deshalb einschlägige Aussagen über ethnische Gruppen allzuschnell mit dem Vorwurf des Rassismus beantwortet werden.“

Allzuschnell, findet er, werde der Vorwurf bei uns erhoben. International habe man weniger Vorbehalte gegen einen zwischenstaatlichen oder auch zwischenethnischen Intelligenzvergleich. Kulke beruft sich zum einen auf den ehemaligen DDRler Volkmar Weiss, der bei den Genossen mit seinen Thesen keinen Stich machen konnte. Der Intelligenzforscher und jetzige Leiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie, also der Abstammungslehre, weise seit der ersten Pisa-Studie darauf hin, daß der IQ von Zuwanderern aus der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion zwischen zehn und 15 Prozent niedriger liege. (1) 

Zum anderen beruft sich der Welt-Autor auf ein internationales Forscher-Team:  „Richard Lynn, Psychologieprofessor aus Nordirland, und Tatu Vanhanen, Politologieprofessor aus dem finnischen Tampere, stellten den Vergleich in ihrem Buch ‚IQ and the Wealth of Nations’ (IQ und der Wohlstand der Nationen) vor. Sie konstatieren darin eine erstaunliche Parallelität zwischen den unterschiedlichen Intelligenzquotienten der Länder auf dem Globus und ihrem Bruttosozialprodukt.“ Ihr Forschungsergebnis: Intelligent sind die Ostasiaten, und reich, sobald sie in der freien Marktwirtschaft leben dürfen. Wir liegen im Mittelfeld. Und die braunen Afrikaner, arm wie Kirchenmäuse, haben den niedrigsten IQ. (2)

Das klingt dumm und gemein. Doch erst am Ende seines Beitrags für das zionistische Kampfblatt schwingt Kulke die Keule: Rücke jemand den ehemaligen DDR-Forscher Volkmar Weiss wegen seiner Arbeit in die Nähe der Nazi-Ideologie, so lasse den das kalt: "Hitler war gegen Intelligenztests, die er nur als ‚jüdische Tests’ bezeichnete, weil die Juden dabei stets so gut abschnitten." 

Kulke und sein Intelligenz-Experte stellen IQ-Zweifler in die Nähe des übelsten Antisemiten. Dabei bemühen sie  ein zentrales antisemtisches Stereotyp: Juden seien intelligenter als Nicht-Juden. Weiss könnte seine Bemerkung auch nicht-rassistisch gemeint haben. Der Welt-Autor hingegen stellt sie in den Zusammenhang von Untersuchungen über Ethnien und ihre Erbanlagen. Das philosemitische Mäntelchen des Springer-Konzerns flattert im Wind. Wir blicken auf den nackten Körper. Er ist braun, scheißbraun.

T:I:S, 26. Juli 2005

Anmerkungen

(1) Was hat man sich unter Prozenten von Intelligenz vorzustellen? Die Aussage ergibt keinen Sinn.

(2) Zahlreiche Leser haben das Buch "IQ and the Wealth of Nations" im Netz rezensiert. Zwischen allerhand Stuß steht da auch Vernünftiges. Kevin schreibt: 

3) For the sake of argument, let's suppose that one COULD assign a number as a measure of intelligence to an individual and that it WAS "accurate". Let us then say we wanted to compare the average IQ of the UK (pop: 56 million) with India (pop: 1 billion). We would have to: 

a) Take statistically valid and representative samples from the two populations
b) For each member of the sample, the IQ test assigned would have to be performed under the same conditions for each subject removing any variables such as level of hunger, say, any cultural and linguistiuc bias, level of education etc etc. - the list is endless. 

This is impossible to do. 

Assigning an IQ number to a population is such nonsense, I'm surprised that respected(?) academics can come up with such crap. 

While some may argue that the correlation between "IQ" and GDP (Bruttoinlandsprodukt) is startling, we might just as well find a correlation between nutrition levels and GDP, or education levels and GDP. The first thing that any statistician will tell you is that a good linear regression model does not imply causality.

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