Jacques Attali deutsch

www.SteinbergRecherche.com

 

Home
Nach oben
Hamburger Schmierdreck
Querdenker
Klaus Feldgen.
Kommentar
Kooperation und Macht
Stefan Kröpelin
Elmshorn
Peak Oil
Alexander Wöstmann
Mohn in Afghanistan
Tschetschenien
Michael C. Ruppert
Arbeitslosengeld II
AJCongress
Al Qaida
Karl-Heinz Dellwo
Peter Dale Scott
Alternative
Sudan
Jacques Attali deutsch
Une autre voix juive
ATTAC
Stadtentwicklung
Banlieue
Redaktion Bahamas
Left Curve
Polder
Steuern
Mosul-Haifa
Jewish Agency
Conn Hallinan
Herrschaft
Sozialdemokraten
Krisis
Davidstern
Folter
The Presidential Prayer Team
Livia Rokach
Ron Jacobs
Daniel Cohn-Bendit
Reuven Moskovitz
Hermann Werle
Wiesbaden-Erbenheim
Häuserkampf
Peter Wahl
Neue Irakfahne
Fahnen
Überleben
Justin Raimondo
NATO
Bertrand Russell
BILD-Zeitung
Marseille
11. März
Route 181
Johannes M. Becker
Jacques Derrida
Perle Harbour
Stefan Krempl
Mitwisser
Thorsten Fuchshuber
Leslie Gelb

  Wer ist Steinberg  Was die Recherche soll  Texte 2005  Texte ab 2004  Texte bis 2003  Karten  Bilder  Home  Inhalt 

 

Jacques Attali

Offener Brief an Ariel Scharon

Die Politik des größten angenommenen Übels schafft die Verhältnisse, die zu bekämpfen sie vorgibt. Mauern um die französischen Vorstädte?

 

Sehr geehrter Herr Premierminister,  

niemand kann Ihnen fehlenden Mut vorwerfen, Ihre Ziele zu nennen, Ihre Vorstellungen kohärent auszudrücken und sie hartnäckig in die Tat umzusetzen. Indes sind Sie unbesonnen gar zu deutlich geworden, als Sie den französischen Juden unter dem Vorwand, hier lebten „zu viele“ Moslems, rieten, ihr Land zu verlassen.  

Dadurch haben Sie nämlich unverblümt  die Generallinie Ihrer Strategie auf jedem Gebiet offen gelegt: jede Hoffnung auf einen Kompromiß zwischen den Parteien, so winzig sie sein mag, zertrümmern, um die Gemäßigten unter Ihren Gegnern in Mißkredit zu bringen und um so Ihre Verweigerung noch des geringsten Zugeständnisses zu rechtfertigen. Das machen Sie seit Jahren mit den Palästinensern. Sie verweigern den Dialog mit den am wenigsten Alles-oder-Nichts-Führern unter ihnen. Sie tragen zum Verlust von deren Glaubwürdigkeit bei, damit Ultras an die Stelle treten. Es ist Ihnen fast gelungen, Ihre extremsten Vorhersagen wahr zu machen: Zwischen den Terroristen und Ihnen steht bald niemand mehr.  

Sie behaupten, Frankreich werde ein antisemitisches Land, seiner islamischen Bevölkerung zu Gefallen. Auch hier bedienen Sie sich der gleichen Strategie. Sie hoffen, zwischen den Juden Frankreichs und ihren Mitbürgern einen Graben aufzuwerfen, auf daß die Juden keine andere Lösung mehr finden, als sich daheim fremd zu fühlen. So würden Sie erneut Ihre schlimmsten Vorhersagen wahr machen.  

Dabei vergessen Sie einige offensichtliche Wahrheiten, an die ich Sie zu erinnern mir erlaube:  

Unser Land ist nicht antisemitisch, selbst wenn rassistische Vorkommnisse sich mehren und selbst wenn bestimmte Einrichtungen beunruhigend milde mit solcher Abtrift umgehen.

Im heutigen Frankreich ist es viel schwerer, Moslem als Jude zu sein.  

Moslems und Juden in Frankreich sind keine kennzeichnenden Kategorien; das eine oder das andere zu sein, ist nur eine Dimension staatsbürgerlicher Identität.  

Daß Frankreich eine angenehmer Ort zum Leben für alle bleibe, liegt im Interesse Israels, denn zusammen mit dem Nahen Osten ist es die Weltgegend, in der die meisten Juden und Moslems zusammen leben. Wenn sie es in Frankreich nicht könnten, wie dann im Nahen Osten.  

Erlauben Sie mir, Herr Premierminister, Ihnen bei dieser Gelegenheit dafür zu danken, daß Sie Frankreich daran erinnert haben, wie wichtig eine mutige Politik der Eingliederung aller Minderheiten ist. Sie haben Frankreich gezeigt, daß es vom gleichen Unheil bedroht ist, das Sie bestürmt. Sie haben Frankreich bewußt gemacht, daß eines Tages Politiker ihm vorschlagen könnten, Mauern um seine Vorstädte zu ziehen.  

Ich hoffe, daß Ihre Offenheit in Ihrem Lande wie dem unseren verstehen hilft: Die Politik des größten angenommenen Übels mag manchmal taktische Vorteile bringen, doch im Allgemeinen schafft sie nur die Verhältnisse, die zu bekämpfen sie vorgibt.  

Mail: j(at)attali.com

 

Jacques Attali, Ehrendoktor der Universität Haifa, wurde als Sohn eines sephardischen Juweliers in Algier geboren. Seine politischen und literarischen Schriften sind weit verbreitet. Er war Sonderberater von François Mitterrand. Der offene Brief erschien als Kolumne im „Express“  (dem „Spiegel“ vergleichbar) am 26. Juli 2004.   

T:I:S (Übersetzung), 28. Juli 2004

*

Wer ist Steinberg  Was die Recherche soll  Texte 2005  Texte ab 2004  Texte bis 2003  Karten  Bilder  Inhalt   Home  nach oben

Mail

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/jacquesattali.htm  

Disclaimer / Copyright