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Nativ

Nativ, eine halb-geheimdienstliche  Einrichtung, ist aus dem Amt des israelischen Premierministers Ehud Olmert ausgegliedert und dem stellvertretenden Premierminister und Minister für strategische Angelegenheiten, Avigdor Lieberman unterstellt worden. 

Zwei Nativ-Agenten sollen demnächst ein Büro in der Botschaft des Staates Israel in Berlin eröffnen und von dort aus unter den rund 200 000 russisch-sprachigen Juden für die Emigration nach Israel  werben, die in letzter Zeit nach Deutschland eingewandert sind. Vertreter deutscher Juden seien verärgert, meldet Ha'aretz.

Gideon Levy, Ha'aretz-Kolumnist und scharfer Gegner der israelischen Palästinenser-Politik, hält Liebermans Weltsicht für faschistisch. Viele andere israelische Politiker würden Frieden heucheln und in Wahrheit Liebermans hyper-nationalistische und rassistische Ansichten teilen. Lieberman bekenne sich wenigstens. 

Dank an politblog.net, T:I:S, 24. Oktober 2007 

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Thomas Immanuel Steinberg

Sieg im Volkskrieg?

Brechts Anregung, die Regierung solle sich ein anderes Volk suchen, wenn sie mit dem eigenen nicht zufrieden sei, greift Scharon jetzt auf. Er wird einen Teil des Volks, die Palästinenser, einpferchen oder wegekeln. Woher kommt neues Volk? Aus Frankreich, meint die Jewish Agency, die 1929 gegründete zionistische Organisation, die vor 1948 die Regierungsfunktion im jüdischen Palästina ausübte.  

Wie die israelische Tageszeitung Maariv berichtet, erklärte der Pariser Delegierte der Jewish Agency bei einem Treffen Anfang Juni 2004 dem israelischen Immigrationsminister Tzipi Livni und dem Generaldirektor des Büros von Scharon, Ilan Cohen: 30 000 jüdische Franzosen seien wegen des steigenden Antisemitismus bereit, nach Israel auszuwandern. Man beschloß, Hunderte Anwerber in die französischen Wohngebiete zu schicken, in denen neben Juden vor allem Muslime wohnen. Übergangsbeihilfen werde es geben und Notprogramme für die aufnehmenden israelischen Gemeinden.  

Roger Cukierman,  Zentralratsvorsitzender (derselbe, der Scharon geraten hatte, ein "Propagandaministerium" zu errichten - "wie Goebbels"), fühlte sich übergangen. Er werde sich beim israelischen Botschafter in Paris beschweren. Die französische Regierung gebe ihr Bestes zur Überwindung des Antisemitismus.

Xavier Ternisien  berichtet in Le Monde vom 17. Juni 2004, daß die Jewish Agency über Ausstellungen, Aktionen der Offenen Tür und Studien-Salons seit einigen Monaten französische Juden für die Auswanderung zu gewinnen versuche. Die Präsidentin des Weltexekutivrats der Jewish Agency habe am 3. Juni 2004 veröffentlichen lassen, Israel brauche mehr Zuwanderung aus dem Westen. Frankreich sei in den Augen der Agency eine Gemeinde von großem Wert.

Ternisien nennt die Auswanderungszahlen aus Frankreich nach Israel: tausend in 2001, zweitausendsechshundert 2002 und zweitausendvierhundert 2003. Dabei sei die Zahl derer nicht berücksichtigt, die Israel enttäuscht den Rücken gekehrt hätten. Frankreich hat mit etwa 600 000 konfessionell gebundenen und ungebundenen Juden die zweitgrößte jüdische Gemeinde außerhalb Israels.

Die französische jüdische Opposition ist entsetzt. Izo Rozenman, Vertreter jüdischer Laien in Frankreich, sprach von einer „verrückten Entscheidung... Diese Entscheidung ist unverantwortlich.“ Die Vertreterin der französischen Juden für den Frieden, Michèle Sibony, vermutete kürzlich im Deutschlandfunk, Scharon wolle anhand von Frankreich vorführen, daß Araber und Juden nicht zusammenleben können. 

Unter dem Maariv-Artikel äußern sich Leser im Internet. Brian aus Boca Raton, Florida, USA meint, Antisemitismus sei in der französischen Kultur tief verwurzelt. Es sei an der Zeit, das letzte Kapitel des französischen Judentums zu schreiben. Cukierman höre sich an wie ein altmodischer Ghetto-Jude, der seine Hoffnung in die Gutwilligkeit der Goyim lege, während er auf Pogrome warte.

 „Und was ist mit Dir“, antwortet ihm Dorothy Friend aus Tel Aviv. „In Miami ist also alles in Ordnung. Wenn Du Aliyah (Auswanderung nach Israel) willst, dann praktiziere, was Du predigst.“ Yechezkel BenTov aus Yesha, Israel ergänzt: „Zumindest in diesem Jahr wird es französischen Juden noch erlaubt sein, mit ihrem Besitz auszuwandern.“

Ob Scharon sein Wunschvolk zusammen bekommt? Oder Siegen - einmal ohne Volk?  Auch diese Anregung könnte von Brecht stammen.

T:I:S, 20. Juni 2004  

http://www.maarivintl.com/index.cfm?fuseaction=
article&xCache=%7Bts%20%272004%2D06%
2D14%2002%3A20%3A00%27%7D&articleID=8465

http://abonnes.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3226,36-369196,0.html

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