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Thomas Immanuel
Steinberg
Kasachisches Öl nach China
Kompliziertes Dreiecksgeschäft
erforderlich
Kasachisches Öl fließt bisher von den Tengiz-Feldern durch die
Pipeline des CPC-Konsortiums nach Westen. Die
Betreiber der CPC-Pipeline sind Kasachstan und Rußland; Chevron und ExxonMobil
sind minderheitlich beteiligt . Das Öl wird bei Noworossijsk an der russischen
Schwarzmeer-Küste zur Fahrt durch den Bosporus verschifft.
Die Kashagan-Off-Shore-Felder werden das kasachische
Öl-Aufkommen ab
2008 stark steigern. Kasachstan kann auf drei Wegen die zusätzlichen Mengen
abführen: 1. durch Kapazitätserweiterung der CPC-Pipeline; 2. durch
Verschiffung von Atyrau...

Teils bestehende, teils geplante Pipelines in West-Kasachstan.
Die chinesische Firma Big Sky
Energy exploriert Öl- und Gasfelder, vornehmlich in Kasachstan.
...nach Baku; dann würde sich die BTC-Pipeline
nach Ceyhan an der türkischen Mittelmeerküste unter dem Konsortialführer BP
Amoco wirtschaftlich lohnen; 3. durch Fertigstellung der Leitung nach
China zwischen Kenkiyak und Kumkol.

Pipelines Kasachstan - China, Stand Ende 2005
Rußland sähe seine Dominanz durch Alternative 1
gewahrt, den Ausbau der CPC-Leitung nach Noworossijsk. Rußland und Kasachstan
wollen die kleineren Ölfelder Kurmangazy, Khvalynsk und Tsentralnoye gemeinsam
erschließen und den jährlichen Öldurchfluß der CPC-Pipeline in den nächsten
acht Jahren von 28 auf 67 Millionen Jahrestonnen (ca. 1,3 Mio Barrel pro Tag)
steigern, so eine gemeinsame Absichtserklärung
der Staatschefs vom 4. April 2006.
Die US-Regierung
betreibt die 2. Alternative, die Nutzung der BTC-Pipeline
auch für kasachisches Öl.
Die kasachische Regierung könnte ihre
Abhängigkeit von der CPC-Pipeline, und damit von Rußland, mindern: durch
Betrieb der Alternative 3, der direkten Verbindung mit China. Doch die
chinesische Leitung wird durch kasachische Lieferungen allein nicht ausgelastet
sein: China, bisher ohnehin vom russischen Öl abhängig, braucht westsibirische
Zulieferung. Somit ist ein diplomatisch kompliziertes Dreiecksgeschäft
zwischen Rußland, China und Kasachstan erforderlich. Nur dann können
Kasachstan und China die Alternative 3 gegen das klare US-amerikanische
Regierungsziel und gegen die durchmischte russische Interessenlage
durchsetzen.
Das iranische Kapital, am Ausbau seines Swap-Geschäfts
zwischen dem kaspischen Hafen Neka und den Terminals am Persischen Golf
interessiert, zöge in jedem Fall den Kürzeren.
T:I:S, 10. April 2006
Siehe das instruktive Interview
von Regnum mit dem russischen Wissenschaftler Ariel Cohen über Kasachstans
geopolitische Lage vom 31. März 2006. Vgl. Wolfgang Pomrehn: Gerangel ums Öl.
Der Iran als Zielscheibe von Machtinteressen. Zeitung gegen den Krieg Nr. 23,
April/Mai 2006, der den Glanz der BTC-Pipeline bereits verblassen und damit den
Einfluß der USA am kaspischen Meer schwinden sieht.
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