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Thomas Immanuel Steinberg

Hamburger Gartenfreunde:

Pfiffe und Rosen

Vorbei die Zeit, als nach drüben gehen konnte, wem es hüben nicht mehr paßte. Die Möglichkeit, allein die Möglichkeit bewirkte Stillhalten zwischen den Pfeffersäcken und den knatterigen Politikern. Die einen residierten an der Elbchaussee, die andern kauften Appartements mit Alsterblick – und das Volk pütscherte im Gärtchen am Glockenblumenweg. 

Die DDR ist weg. Semmelblonde Kerls stellen heute den Senat. Sie kennen keine Kompromisse mehr, sie kennen nur noch Kapitalanlagen. Über 1000 Hamburger Schrebergärten sollen weg, damit auf der Fläche Büros wachsen können, leere Büros, von denen die Stadt schon voll steht. Das trieb die Pächter auf den Asphalt. Ingo Kleist, Hamburgs kugeliger Verbandsvorsitzender, einst Polizist und als Abgeordneter im Ausschuß der Bürgerschaft über Polizistenbrutalität nur zu einer Frage willens, nämlich ob über Kanal 2 oder Kanal 4 gefunkt worden sei, Kleist rief seine alte Hausmacht. Fünf- bis zehntausend Gartenfreunde zogen am Samstag, dem 13. August 2005 rasselnd und pfeifend vom Hauptbahnhof zum Gerhart-Hauptmann-Platz. „Wer Kleingärtner quält, wird abgewählt“, winkten sie, und riefen: „Wer Wind säht, wird Sturm ernten“.

Foto: tofoto 

Ein Lüftchen blähte die Spaten auf hanseatischem Wappengrund, die Gärtnerinnen verschenken Rosen aus eigener Zucht, und ein Spielmannszug in karnevalistischem Bleu-Blanc-Rouge zeigte Frauenbein.

Foto: tofoto

Herr Blank mit Elbsegler vermißte eine Lobby für Rentner und Schrebergärtner; die Opposition erfahre nur, was längst vollzogen sei.

Herr Blank, Vorsitzender des Kleingartenvereins "Sommerfreude" Wilhelmsburg - tofoto 

Ingo Kleist zeigte sich SteinbergRecherche gegenüber beeindruckt von der hohen Teilnehmerzahl. Auf der Tribüne sekundierte ihm der Vorsitzende der sächsischen Gartenfreunde. Die Sache der Hamburger sei auch die ihre. Der Moderator schloß: Wenn die Stadtregierung nicht einlenke, seien die Gartenfreunde wieder gerufen.   

Gerhart-Hauptmann-Platz - Foto: tofoto

Vorbei die Zeit, als Wünschen noch geholfen hat. Den Semmelköpfen hüben und drüben wird zu zeigen sein, was eine Harke ist. 

T:I:S, 14. August 2005

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