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Steinberg Recherche Referent Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Home Inhalt Zum kongolesischen Bodenschatz Coltan siehe den Auszug aus einem WoZ-Artikel vom 4. April 2002. Über deutsche Kongo- und Afrika-Politik siehe www.german-foreign-policy.com , Länder anklicken. *Thomas Immanuel Steinberg
Bundeswehr im Kongo: Den Fuß in der Tür für deutsche
Konzerne
500 Bundeswehr-Soldaten sollen laut EU-Beschluß im Kongo
die Wahlen sichern. Der Einsatz von insgesamt 1250 europäischen Soldaten unter
Bundeswehrführung wird vorbereitet. Vor Ort sollen Franzosen das Kommando
haben. Für die Wahl von Präsident und Parlament der Demokratischen Republik
Kongo, ursprünglich am 18. Juni vorgesehen, stand zwar bei Redaktionsschluß
noch kein Termin fest. Fest steht hingegen für SPD und CDU/CSU: Die Bundeswehr
wird dabei sein. Die EU gibt vor, den kongolesischen Volk beim Aufbau seiner
Demokratie zu helfen. Die Kongolesinnen und Kongolesen werden ihr das nur schwer
glauben. Das Land ist vom Blut der Millionen getränkt, die von europäischen Mächten
versklavt, gegeneinander gehetzt, verstümmelt und geschlachtet wurden. Jahrzehntelanger Krieg im Lande und mit den Nachbarn hat
die Infrastruktur nahezu völlig zerstört. Zur Verhinderung weiterer
Kriegshandlungen stehen momentan rund 17.000 UN-Militärbeobachter und
UNO-Soldaten im Kongo, im Rahmen der Kongo-Mission
mit dem Kürzel MONUC. Eine Ausweitung dieser Mission und Entsendung weiterer
Blauhelm-Soldaten hat der UN-Sicherheitsrat abgelehnt. Das ist die Gelegenheit für
den erneuten Einstieg der Europäer. Sklaverei und Völkermord Vom 13. bis 16. Jahrhundert herrschten teils mächtige Königreiche
über das Einzugsgebiet des 4300 km langen Flusses Kongo. Vom 15. bis 19.
Jahrhundert, fast 400 Jahre lang, ließen sich europäische Händler nur an den
Küsten des afrikanischen Kontinents nieder, wo sie sich von afroarabischen und
afrikanischen Zwischenhändlern Sklaven anliefern ließen. Ende des 19.
Jahrhunderts durchreiste der
Journalist Henry Morton Stanley das Land mit dem Ziel, den Kongo dem englischen
Kolonialreich anzugliedern. Doch der belgische König Leopold II. zeigte mehr
Interesse. Er veranstaltete 1876 eine große geografische Konferenz in Brüssel
und gründete gleichzeitig eine philanthropische Gesellschaft – heute würden
wir sagen: eine humanitäre Organisation. Im Auftrage Leopolds schloß Stanley
„Verträge“ mit den meist lese-unkundigen Bantu-Häuptlingen, die sich darin
zur Landüberlassung und zur Lieferung von Arbeitskräften verpflichteten.
Darauf fußte die spätere Zwangsarbeit der gesamten kongolesischen Bevölkerung,
in Kupferminen und Kautschuk-Plantagen. Leopold II. wurde privater Eigentümer des Landes, 75 mal
größer als Belgien. Das Land wurde ausgebeutet und geplündert, die Bewohner
verstümmelt und ermordet. Söldner sammelten abgehackte Hände als Trophäen.
Die Gräueltaten wurden bekannt. 1908 war Leopold gezwungen, das Land an den
belgischen Staat weiterzureichen. Zwischen 1880 und 1920 halbierte sich die Bevölkerung
des Kongo, von den anfangs um 20 Millionen Einwohnern starben über 10 Millionen
durch koloniale Gewaltverbrechen, Hunger, Entkräftung durch Überarbeitung und
Krankheiten. Belgien und USA: Mord an Patrice Lumumba Nach Befreiungskämpfen entließ Belgien 1960 den Kongo in
die Unabhängigkeit – und zwar bewußt in einem Zustand, der jede einheimische
Regierung zwingen würde, entweder jahrelanges Chaos oder fremde Hilfe, und
damit wiederum Fremdbestimmung, in Kauf zu nehmen: ohne Wissenschaftlerinnen,
Manager oder hohe Beamte. Überdies kommandierten weiterhin Belgier die
kongolesischen Streitkräfte. Zum ersten Ministerpräsidenten wurde der Befreiungskämpfer Patrice Lumumba gewählt, der die bloß formale in eine tasächliche Unabhängigkeit umwandeln wollte. Deshalb verdächtigten ihn die USA und Belgien, Kommunist zu sein. Nach einer Meuerei ersetzten die Kongolesen die belgische Militärführung unter anderm durch Joseph Mobutu, den späteren Diktator, der bereits insgeheim mit den Kolonialmächten zusammenarbeitete. Unterdessen hatte sich die reiche Provinz Katanga unter Moïse Tchombé mit belgischer Unterstützung vom Kongo abgespalten.
Am 17. Januar 1961 ermordet:
Patrice Lumumba. Die Auftraggeber: Eisenhower und Belgien. Das Foto zeigt nicht
Lumumba, sondern den Schauspieler, der ihn in einem Film dargestellt hat. Ein
Foto vom echten Lumumba findet sich auf
dieser Seite rechts unten. Die kongolesische Regierung rief die UNO ins Land. Die
Blauhelme arbeiteten jedoch den USA zu. Dagegen rief Lumumba die UdSSR um Hilfe.
Daraufhin befahl US-Präsident Eisenhower der CIA, Lumumba zu ermorden. Der Mord
gelang jedoch erst, als der
belgische Afrika-Minister Harold d'Aspremont Lynden die Tat in Gang setzte. Fünf
Tage nach dem Mord fuhr ein belgisches Kommando erneut in die Savanne zum
Hinrichtungsplatz, exhumierte die Leiche, hackte sie in Stücke und löste sie
in Schwefelsäure auf. Der Kongokrieg Mobutu herrschte mehr als drei Jahrzehte als Militärdiktator,
danach herrschte, bis zu seiner Ermordung durch einen Leibwächter im Jahre
2001, Laurent-Désiré Kabila. Er wurde zunächst von den Nachbarländern Ruanda
und Uganda unterstützt, die dann aber gegen ihn den sogenannten Kongokrieg auslösten.
Kabila erhielt Unterstützung unter anderem von Simbabwe und Angola. Seit seiner
Ermordung herrscht sein Sohn Joseph Kabila. 17.000 UN-Beobachter und -Soldaten
sind inzwischen – wieder – im
Lande. Sie konnten einige Kampfhandlungen verhindern. Ein zerstörtes Land Doch rund
300.000 nichtstaatliche Kämpfer stehen noch unter Waffen. Von 1998 bis Anfang
2005 wurden 3,8 Millionen Menschen während gewaltsamer Auseinandersetzungen getötet.
Nirgendwo sonst wurden seit dem zweiten Weltkrieg so viele Menschen in einem so
kurzen Zeitraum getötet. Nach Schätzungen der UNO werden jeden Tag 1000
Menschen zu Opfern von Gewalttaten. Alleine in der Provinz Sud-Kivu wurden von
2003 bis 2005 etwa 10.000 Frauen systematisch vergewaltigt. Die 1250 EU-Soldaten sollen nun Wahlen im Lande sichern.
Doch sie werden allenfalls in der Hauptstadt Kinshasa Eindruck machen. Denn im
Osten des Landes wird weitergekämpft. 1,66 Millionen Vertriebene zählt die UNO
im ganzen Land, monatlich kommen 40.000 dazu. Im Distrikt Rutshuru hat sich die
Regierungsarmee gespalten, beide Fraktionen markieren ihre Macht mittels Vorstößen
in Dörfer und Kleinstädte. Außerdem wüten Milizen. Alle Kriegsparteien leben
vom Plündern der Dörfer. Die Zwecke und der Vorwand Der Einsatz von 500 Bundeswehr-Soldaten im zerstörten Kongo dient offenbar folgenden Zwecken:
Der Kongo ist überreich an Bodenschätzen. Wer sie
bekommen wird, ist offen. Die Bundesregierung will für die deutschen Konzerne
den Fuß in der Tür haben. Die Wahlen im Kongo sind nur ein Vorwand. Der Völkerrechtler Norman Paech stellt fest: „Freie Wahlen unter dem Schutz von Panzern und Fallschirmjägern sind ein Widerspruch in sich.“ *Die Demokratische Republik Kongo (Kinshasa) im Überblick Größe Über 2 Millionen qkm - fast 7x Deutschland Bewohner Fast 60 Millionen Geschichte
13. – 16. Jahrhundert: Königreiche T:I:S, 10. April 2006 Der Artikel ist erschienen in der zeitung gegen den Krieg Nr. 23, April/Mai 2006, S. 6. Quellen: Wikipedia, taz, Neues Deutschland, junge Welt *Steinberg Recherche Referent Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Inhalt Home nach oben
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