Stefan Kröpelin

www.SteinbergRecherche.com

Home
Nach oben
Hamburger Schmierdreck
Querdenker
Klaus Feldgen.
Kommentar
Kooperation und Macht
Stefan Kröpelin
Elmshorn
Peak Oil
Alexander Wöstmann
Mohn in Afghanistan
Tschetschenien
Michael C. Ruppert
Arbeitslosengeld II
AJCongress
Al Qaida
Karl-Heinz Dellwo
Peter Dale Scott
Alternative
Sudan
Jacques Attali deutsch
Une autre voix juive
ATTAC
Stadtentwicklung
Banlieue
Redaktion Bahamas
Left Curve
Polder
Steuern
Mosul-Haifa
Jewish Agency
Conn Hallinan
Herrschaft
Sozialdemokraten
Krisis
Davidstern
Folter
The Presidential Prayer Team
Livia Rokach
Ron Jacobs
Daniel Cohn-Bendit
Reuven Moskovitz
Hermann Werle
Wiesbaden-Erbenheim
Häuserkampf
Peter Wahl
Neue Irakfahne
Fahnen
Überleben
Justin Raimondo
NATO
Bertrand Russell
BILD-Zeitung
Marseille
11. März
Route 181
Johannes M. Becker
Jacques Derrida
Perle Harbour
Stefan Krempl
Mitwisser
Thorsten Fuchshuber
Leslie Gelb

Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?

 

Einseitig und halbwahr berichtet

Die linken Zitate stammen von der Spiegel-Redakteurin Cordula Meyer, die rechten von Stefan Kröpelin. Kröpelins Kritik an der Darfur-Berichterstattung klingt, als sei Meyers Sudan-Bericht gemeint. Geht aber nicht: Kröpelins Beitrag erschien vierzehn Tage vor dem Spiegel-Text.

Cordula Meyer: 

Deutsche Entwicklungshilfe. Eisenbahn durch die Hölle. Der Spiegel 45/2004 - 30. Oktober 2004


 

Stefan Kröpelin: 

Spielball der Mächtigen.Über die Flüchtlingskatastrophe in der sudanesischen Region Darfur wird einseitig und mit Halbwahrheiten berichtet. Frankfurter Rundschau, 14. Oktober 2004 , kostenfrei zugänglich bei der AG Friedensforschung an der Universität Kassel.

Um Kapoeta haben sie in 21 Jahren Bürgerkrieg hart gekämpft, die arabische Regierung in der nördlichen Hauptstadt Khartum und die schwarze Abtrünnigen-Armee SPLA... Festgeschrieben ist schon, dass der schwarze Süden und der arabische Norden sich die Einnahmen aus den Erdölfeldern in der Mitte teilen.

Doch Tatsache ist, dass alle Sudanesen schwarz sind und Bilad es Sudan nicht ohne Grund Land der Schwarzen heißt. Tatsache ist auch, dass alle Sudanesen Afrikaner sind, dass es bis auf die wenigen vor etwa 200 Jahren aus Saudi-Arabien eingewanderten Kababisch keine "Araber" in ethnischem Sinne gibt, und dass praktisch sämtliche Bewohner der nördlichen Landeshälfte Muslime sind und Arabisch sprechen... Niemand, einschließlich sudanesischer Kollegen aus dem Darfur, konnte mir bisher die Frage beantworten, um welche Stammesangehörige es sich bei den Dschandschawid handelt, außer dass die bereits erwähnten Kababisch, die als Einzige als arabischstämmig im engeren Sinne zu bezeichnen sind, nicht beteiligt sind.

Volker Riehl, groß, kräftig, rosige Wangen, arbeitet für Misereor und hat viele Jahre lang Projekte des Deutschen Aussätzigen-Hilfswerks im Sudan geleitet. Immer wieder war Riehl dort. Er hofft auf einen dauerhaften Frieden, und er glaubt, dass es klappen könnte.

Aber Riehl erzählt von einer "Gesellschaft auf dem Stand der mittleren Steinzeit", von den Warlords, dem Sklavenhandel und von noch viel mehr Gründen, warum der Sudan der Hölle ähnlicher sei als jeder andere Ort auf der Erde.

Dennoch muss erlaubt sein, Zweifel an den von Politikern und deren Beratern kolportierten Behauptungen systematisch eingesetzter Massenvergewaltigungen und Massenerschießungen zu haben.

Jeden Abend kommen Kinder in die Stadt, manche nach stundenlangem Marsch. Es sollen Zehntausende sein. Sie fliehen vor einer marodierenden Rebellenbewegung, die sich "Widerstandsarmee des Herrn" nennt und die nachts die Kinder aus den Dörfern verschleppt und sie zwingt, mit zu töten und zu plündern. Die Reporter zeigten Bilder im Mondschein, Kinderleiber dicht an dicht. Sie schlafen auf der Erde, auf der Veranda von Häusern und einfach auf der Straße.

Worauf stützen sich die quantitativen Aussagen zum Ausmaß des Elends? Die Zahlen schwanken je nach Politiker, Sender und Zeitschrift am selben Tag bis um eine Zehnerpotenz, mal werden Tausende Opfer für den gesamten bisherigen Konflikt, mal tausend Ermordete pro Tag genannt... Dennoch implizieren die errichteten Hilfslager auch einen "Pull-Faktor". Mütter werden in der Hoffnung auf Nahrung oder einen Arzt für ihre kranken Kinder Hunderte Kilometer zurücklegen, selbst ohne unmittelbare Vertreibung... Nomaden leben gar monatelang ausschließlich von Kamelmilch. Erdrückende Tagestemperaturen und bitter kalte Winternächte, Trockenperioden und Überschwemmungen, Staub- und Sandstürme, Fliegen- und Mückenschwärme werden ebenso wie mannigfache Krankheiten und der Mangel an Transportmöglichkeiten mit unbeschreiblicher Gelassenheit ertragen und dennoch begegnet man mehr strahlenden Gesichtern als in unseren Breiten. Täglich sterben vor allem Kinder an einfach heilbaren Erkrankungen, weil weder Ärzte noch Medikamente verfügbar sind. Doch welcher Arzt wäre bereit, unter solchen Bedingungen zu praktizieren? 

Begonnen hatte der Krieg 1983, als der arabische Norden die Scharia, das islamische Gesetz, für das ganze Land einführte - was die meist christlichen Schwarzen nicht wollten. Aber zu Grunde lag dem Krieg eine jahrhundertealte Unterdrückung der Schwarzen durch die Araber, unterstützt von den Kolonialmächten. Der Norden fing Sklaven im Süden und nahm auch das Öl. Das Geld ging nach Khartum.

Schon dieser, von den demokratisch gewählten Vorgängerregierungen hinterlassene Konflikt [zwischen Nord und Süd], passte nicht in das Schwarz-Weiß-Schema von den armen Christen im Süden und den bösen Islamisten im Norden. Auch hier ging es vielmehr ums Öl.

Wenn Major Machar Bol an die Zukunft seines Landes denkt, denkt er an die vielen Männer mit Waffen im Land. Dann formuliert er präzise, wie jemand, der über eine Sache lange nachgedacht hat.

"Ein solcher Mann ist ein wildes Tier. Zum Frieden passt er wie ein Tier im Zoo. Um etwas zu essen zu bekommen, wird er töten. Er wird nicht an das glauben, was ihm jemand geben will. Sondern er wird mit Gewalt nehmen, was er kriegen kann."

Die Terrorismus-Argumentation taugt jedoch nicht für den Sudan, wo seit vielen Jahren keinem westlichen Ausländer ein Haar gekrümmt wurde... Doch jeder, der den Sudan und die Sudanesen aus näherer Anschauung kennt und mit jedem Aufenthalt mehr zu schätzen gelernt hat, ist durch die einseitige, übertriebene und oft verleumderische Berichterstattung und Politik der letzten Wochen zur Gegendarstellung herausgefordert... Jeder westliche Besucher des Sudan wird als Howaga (ausländischer Ehrengast) mit kaum sonst wo anzutreffendem Respekt, Gastfreundschaft und höflicher Zurückhaltung empfangen.

 

 

Cordula Meyer, Abitur 1990, ist Spiegel-Redakteurin.

Dr. Stefan Kröpelin, geboren 1952 in München, Studium der Geographie und Geologie an der TU Berlin und in Aix-en-Provence. 1990 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über das Wadi Howar, den zuvor unbekannten, ehemals wichtigsten Nebenfluss des Nil aus der Sahara (Nordwest-Sudan).

Seit Oktober 1995 forscht Kröpelin an der Universität zu Köln. Er leitet die Teilprojekte Sudan und Tschad am Sonderforschungsbereich 389 "Kultur- und Landschaftswandel im ariden Afrika", dem gegenwärtig umfangreichsten Forschungsprojekt in der Sahara. Seit 1980 hat er rund 40 mehrmonatige Forschungsexpeditionen zum Umwelt- und Klimawandel und der Besiedlungsgeschichte der östlichen Sahara unternommen.

Er ist Verfasser zahlreicher Fachpublikationen und Vorträge im In- und Ausland und hat Beiträge für Zeitschriften, Radio-Sendungen und Fernsehfilme zusammengestellt. Daneben arbeitet er als Gutachter für Naturschutzprojekte in Afrika und ist Initiator des "Wadi Howar National Park" im nordwestlichen Sudan.

 

 

T:I:S, 31. Oktober 2004

* 

Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?

 

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/kroepelin.htm

Disclaimer / Copyright