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Thomas Immanuel Steinberg

Irak: Ein Krieg für Israel?

Anmerkungen zu Jeffrey Blankfort: A War for Israel. Left Curve, Number 28, 2004  

Jeffrey Blankfort behauptet: Der Irakkrieg wurde nicht um Öl oder generell im  geostrategischen Interesse der USA geführt, sondern im Interesse Israels. US-amerikanische Likudniks hätten, mit politischer und publizistischer Unterstützung der israelischen Regierung, für den Irakkrieg geworben. Der Krieg sei geführt worden, als Israel und Likudniks genug Einfluß auf US-Regierung und Öffentlichkeit gewonnen hatten.  

Auf dreißig Seiten stellt Blankfort das Ergebnis seiner Recherche vor. Es ist beeindruckend. Die Neo-Konservativen sind, mit vier Ausnahmen, rechte US-amerikanische Juden, und die Ausnahmen gehören seit seit langem zur rechten Israel-Lobby. „Die Lobby“, wie sie kurz heißt, vom American Jewish Committee über die Anti-Defamation League bis hin zu AIPAC, dem American-Israel Public Affairs Committee, bezeichnet sich selbst als mächtig, und sie ist es auch. Nahezu einstimmig hat sie für den Irak-Krieg plädiert. Die Verwirklichung des ganz überwiegend jüdischen Project for an American Century gipfelte bisher, so Blankfort, in der Eroberung des Irak. Das Projekt liege nicht im US-Interesse, doch die israelische Regierung und die „Lobby“ würden auf weitere Kriege gegen Syrien und Iran drängen, um der Sicherheit Israels willen.  

Blankfort zeichnet die Geschichte seit dem Kuweit-Krieg nach und behauptet einen Gegensatz zwischen James A. Baker, Brent Snowcroft und Bush dem Ersten einerseits; und den Perle, Wolfowitz und Wurmser andererseits. Gerade weil die Baker-Gruppe auf Öl orientiert gewesen sei, habe sie 1991 auf die Eroberung des Irak verzichtet, während die Perle-Gruppe im Interesse der Sicherheit Israels für eine Invasion eingetreten sei.  

Blankfort befürchtet, sein gut belegtes Ergebnis könnte dem Antisemitismus Auftrieb geben. Er wappnet sich gegen den drohenden Vorwurf und zitiert bekannte Untersuchungen, wonach US-amerikanische Juden insgesamt zum Irak-Krieg keine andere Einstellung haben als Nicht-Juden.* Keine Weisen von Zion seien am Werk. „Die Juden als solche beherrschen nichts. Aber ein Segment des amerikanischen Judentums war, mit wenigen Ausnahmen, im Stande, die US-Nahostpolitk seit Mitte der Sechziger Jahre zu prägen.“  

Blankfort legt seine Meinung in der alteingesessenen Kulturzeitschrift Left Curve dar, in der viele Juden veröffentlichen. Zu den sorgfältig erörterten Themen dort gehört die Philosophie Baruch Spinozas.  

Der US-amerikanische Irakkrieg ist also ein Krieg für Israel. Und der gegen Kuweit war einer für die USA? Nachfragen drängen sich auf. Für wen in Israel wurde der Irak-Krieg geführt, für wen wäre er in den USA geführt worden? Was sind das für israelische Sicherheitsinteressen, die mit Angriffskriegen auf den Irak und weitere Nachbarn befriedigt werden könnten? Wem in den USA nutzt die Baker-Linie, wem die von Wolfowitz und Perle?  

Blankfort stellt diese Fragen nicht. Er untersucht nicht Klassen oder Schichten in beiden Ländern, nicht ökonomische Strukturen, Rüstungsgewinne und soziale Lagen. Blankfort fragt nach der nationalen Zugehörigkeit der Kriegstreiber und antwortet: Kriegsgrund war Israel.  

Blankfort müßte wissen, was nationale Interessen sind. Es sind die Interessen der Herrscher über das Land. Ob die eigenen Herrscher einen Krieg anzetteln, oder verbündete Herrscher mithilfe einer Fünften Kolonne, das läuft für das Volk aufs Gleiche hinaus. Wer, wie Blankfort, auf das nationale Interesse verweist, lenkt vom Herrschaftsverhältnis ab.  

Der Autor befürchtet, ihm könne Antisemitismus vorgeworfen werden. Tatsächlich hat Jeffrey Blankfort, Autor bei Left Curve, die Kurve nicht gekriegt. Statt das Steuer nach links zu reißen, ist er geradewegs im nationalistischen Graben gelandet.

T:I:S, 6. Juli 2004

 

*Weniger bekannt ist der wachsende jüdische Widerstand gegen die US-Likudniks. Judith Butler zählt die linken jüdischen Organisationen auf, The Nation spricht von Spaltung zwischen linken und rechten Juden in den USA.

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