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Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Home Suchen Thomas Immanuel SteinbergIrak: Ein Krieg für Israel?Anmerkungen
zu Jeffrey Blankfort: A
War for Israel. Left Curve, Number
28, 2004 Jeffrey
Blankfort behauptet: Der Irakkrieg wurde nicht um Öl oder generell im
geostrategischen Interesse der USA geführt, sondern im Interesse
Israels. US-amerikanische Likudniks hätten, mit politischer und publizistischer
Unterstützung der israelischen Regierung, für den Irakkrieg geworben. Der
Krieg sei geführt worden, als Israel und Likudniks genug Einfluß auf
US-Regierung und Öffentlichkeit gewonnen hatten. Auf dreißig
Seiten stellt Blankfort das Ergebnis seiner Recherche vor. Es ist beeindruckend.
Die Neo-Konservativen sind, mit vier Ausnahmen, rechte US-amerikanische Juden,
und die Ausnahmen gehören seit seit langem zur rechten Israel-Lobby. „Die
Lobby“, wie sie kurz heißt, vom American Jewish Committee über die
Anti-Defamation League bis hin zu AIPAC, dem American-Israel
Public Affairs Committee, bezeichnet sich selbst als mächtig, und sie ist es
auch. Nahezu einstimmig hat sie für den Irak-Krieg plädiert. Die
Verwirklichung des ganz überwiegend jüdischen Project for an American Century
gipfelte bisher, so Blankfort, in der Eroberung des Irak. Das Projekt liege
nicht im US-Interesse, doch die israelische Regierung und die „Lobby“ würden
auf weitere Kriege gegen Syrien und Iran drängen, um der Sicherheit Israels
willen. Blankfort
zeichnet die Geschichte seit dem Kuweit-Krieg nach und behauptet einen Gegensatz
zwischen James A. Baker, Brent Snowcroft und
Bush dem Ersten einerseits; und den Perle, Wolfowitz und Wurmser andererseits.
Gerade weil die Baker-Gruppe auf Öl orientiert gewesen sei, habe sie 1991 auf
die Eroberung des Irak verzichtet, während die Perle-Gruppe im Interesse der
Sicherheit Israels für eine Invasion eingetreten sei. Blankfort
befürchtet, sein gut belegtes Ergebnis könnte dem Antisemitismus Auftrieb
geben. Er wappnet sich gegen den drohenden Vorwurf und zitiert bekannte
Untersuchungen, wonach US-amerikanische Juden insgesamt zum Irak-Krieg keine
andere Einstellung haben als Nicht-Juden.* Keine Weisen von
Zion seien am Werk. „Die Juden als
solche beherrschen nichts. Aber ein Segment des amerikanischen Judentums war,
mit wenigen Ausnahmen, im Stande, die US-Nahostpolitk seit Mitte der Sechziger
Jahre zu prägen.“ Blankfort
legt seine Meinung in der alteingesessenen Kulturzeitschrift Left Curve dar, in
der viele Juden veröffentlichen. Zu den sorgfältig erörterten Themen dort gehört
die Philosophie Baruch Spinozas. Der
US-amerikanische Irakkrieg ist also ein Krieg für Israel. Und der gegen Kuweit
war einer für die USA? Nachfragen drängen sich auf. Für wen in Israel wurde
der Irak-Krieg geführt, für wen wäre er in den USA geführt worden? Was sind
das für israelische Sicherheitsinteressen, die mit Angriffskriegen auf den Irak
und weitere Nachbarn befriedigt werden könnten? Wem in den USA nutzt die
Baker-Linie, wem die von Wolfowitz und Perle? Blankfort
stellt diese Fragen nicht. Er untersucht nicht Klassen oder Schichten in beiden
Ländern, nicht ökonomische Strukturen, Rüstungsgewinne und soziale Lagen.
Blankfort fragt nach der nationalen Zugehörigkeit der Kriegstreiber und
antwortet: Kriegsgrund war Israel. Blankfort
müßte wissen, was nationale Interessen sind. Es sind die Interessen der
Herrscher über das Land. Ob die eigenen Herrscher einen Krieg anzetteln, oder
verbündete Herrscher mithilfe einer Fünften Kolonne, das läuft für das Volk
aufs Gleiche hinaus. Wer, wie Blankfort, auf das nationale Interesse verweist,
lenkt vom Herrschaftsverhältnis ab. Der Autor
befürchtet, ihm könne Antisemitismus vorgeworfen werden. Tatsächlich hat
Jeffrey Blankfort, Autor bei Left Curve, die Kurve nicht gekriegt. Statt das
Steuer nach links zu reißen, ist er geradewegs im nationalistischen Graben
gelandet. T:I:S, 6. Juli 2004
*Weniger bekannt ist der wachsende jüdische Widerstand gegen die US-Likudniks. Judith Butler zählt die linken jüdischen Organisationen auf, The Nation spricht von Spaltung zwischen linken und rechten Juden in den USA. *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben
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