Livia Rokach

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Thomas Immanuel Steinberg

Der wahre David

Israel 1947 - 1956

 

Der David, den wir aus dem Kindergottesdient kennen, war ein listiges Kerlchen. Der wahre David, wie ihn die Bibel beschreibt, konnte nicht nur mit der Steinschleuder umgehen. Er hatte sich als Bären- und Löwentöter erprobt. Nach der Erschlagung des Philisters Goliath und der Vernichtung seiner Stammesbrüder sangen die Frauen im Reigen und sprachen: Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend. Von den Geschuritern, Girsitern und Amalekitern ließ er weder Mann noch Frau leben. Seine Männer erschlugen anschließend von Benjamin und den Männern Abners dreihundertundsechzig Mann. David schlug auch die Moabiter und ließ sie sich auf den Boden legen und maß sie mit der Meßschnur ab. Er maß zwei Schnurlängen ab, so viele tötete er, und eine volle Schnurlänge, so viele ließ er am Leben. David schlug von den Aramäern zweiundzwanzigtausend Mann. Er schlug die Edomiter im Salztal, achtzehntausend Mann. Denn der Herr half David, wo er auch hinzog. Die Aramäer flohen vor Israel, und David vernichtete von den Aramäern  vierzigtausend Mann; und Schobach, den Feldhauptmann, erschlug er, daß er dort starb. Mindestens 90 000 Menschen hat David vernichtet, so die überschlägige Rechnung von Hannes Müller, Berlin.  

Israel und David Ben Gurion bis 1956

Den kleinen David Israel aus dem Gemeinschaftskundeunterrricht, der sich des Riesen Arabien bei Strafe seines Untergangs habe erwehren müssen, gab es ebensowenig wie den David aus dem Kindergottesdienst. Israel ähnelte von 1947 an weit eher dem  biblischen David. Das hat Moshe Sharett bezeugt. Moshe Sharett war unter David Ben Gurion Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency , die die Gründung des Staates Israel vorbeitete,  von 1948 bis Juni 1956 (kurz vor der Nationalisierung des Suez-Kanals durch Nasser) israelischer Außenminister unter Ben Gurion und von 1954 bis 1955 zugleich Premierminister. In seine Amtszeiten fielen

die Resolution 181 der Vereinten Nationen über die Teilung Palästinas 1947
die Unabhängigkeitserklärung Israels 1948
der israelisch-arabische Krieg und die ethnischen Säuberungen in den von Israel eroberten Gebieten, genannt Naqba,1948, darunter die Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma
die Waffenstillstandsvereinbarung von 1949
die Staatspräsidentschaft von Chaim Weizman (1949 bis 1952)
der Beginn der Präsidentschaft von Isaak Ben Zwi 1952
das Beistandsabkommen der USA mit Israel 1952
die Ernennung Moshe Dayans zum Stabschef der israelischen Steitkräfte 1953
die von israelischen Militärflugzeugen erzwungene Landung eines syrischen Verkehrsflugzeuges in Israel 1954
die Verurteilung dreizehn israelischer Bombenleger in Ägypten 1954
der israelische Angriff auf den Gaza-Steifen im Februar 1955
das Massaker des Fallschirmjägerbataillons unter Ariel Sharons Kommando an Beduinenjungen 1955
die Gefangennahme von fünf israelischen Spionen in Syrien 1955
der Beginn der Suez-Krise 1956.

Moshe Sharett starb 1965.

Sharetts Tagebuch und Livia Rokachs Studie 

Sharett hat ein hebräisches Tagebuch geführt, aus dem sein Sohn Yaqov Sharett 1979 politisch wichtige Eintragungen veröffentlichte. Dem Tagebuch zufolge betrieben David Ben Gurion und seine Kabinette, Sharett eingeschlossen, systematisch die Expansion Israels auf Kosten aller seiner Nachbarstaaten. Die eingesetzten Mittel mißfielen Moshe Sharett, darunter Massaker, die Flugzeugentführung, die Einschleusung von Attentätern, die Vortäuschung von Bluttaten der Gegner mit einkalkulierten israelischen Opfern und der Plan zur Errichtung eines Maronitenstaates im Südlibanon. Doch Sharett begehrte nie auf.

1980 veröffentlichte Livia Rokach, die Tochter des Innenministers unter Sharett, Israel Rokach, auf Englisch eine politische Studie mit Auszügen aus den Tagebüchern Moshe Sharetts und weiteren Dokumenten. Das Buch zeichnet von den politischen Zielen und Methoden des frühen Staates Israel ein Bild des Grauens. Unter dem Deckmantel der Vergeltung für gegnerische Taten trieb Israel seine Expansion mithilfe blutiger Provokationen voran.  Rokach schreibt in ihrer Einleitung über Sharett:

„Er erkannte sehr klar, dass die Logik hinter Israels Sicherheitsdoktrin nichts anderes als Faschismus war und sah ganz richtig die daraus resultierende moralische Korruption im Innern und die zunehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus.“

Die Autorin schließt: „In den frühen Fünfzigern wurden die Grundlagen für die Errichtung eines Staates geschaffen, der besessen war von der Idee des heiligen Terrors gegenüber den umliegenden arabischen Gesellschaften, und an der Schwelle zu den Achtzigern wird genau dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von seinen eigenen Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf des Faschismus versunken ist.

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten, Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument sehr in Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren bestehen nämlich weiterhin auf der moralischen Verpflichtung des Westens gegenüber dem, was sie weiterhin hartnäckig als Israels Sicherheit mystifizieren. In diesem Sinne zerstört Sharetts Tagebuch möglicherweise die zionistische Propaganda in demselben Maße wie dies die Pentagon-Papiere taten hinsichtlich des US-Einmarsches in Vietnam.“

Nichts dergleichen ist geschehen. Rokach starb vor 1985. Doch ihr Buch ist zugänglich, jedenfalls in der elektronischen englischen Fassung.

 

Das hebräische Tagebuch:

Moshe Sharett: Yoman Ishi (Personal Diary). Herausgegeben von Yaqov Sharett. Tel Aviv: Ma'a 1979

Englische Originalausgabe der Rokach-Studie:

Livia Rokach: Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe Sharett's Personal Diary and Other Documents. Belmont, Massachusetts: Association of Arab American University Graduates, 1980. 73 pp. Third Edition 1986. [Library of Congress Cataloging in Publication Data Rokach, Livia. lsrael's sacred terrorism. (AAUG information paper series: no. 23) ISBN 0-937694-70-3]  Über amazon.de gebraucht erhältlich für € 64, Stand: 18. Mai 2004

Der vollständige englische Text mit allen Vorworten, Anhängen und Anmerkungen steht hier, ein weit besser lesbare Fassung, überdies mit einer Einleitung von Noam Chomsky hier. Ergänzt am 2. Februar 2008, T:I:S.     

Deutsche Übersetzung der Studie:

Livia Rokach: Israels heiliger Terror. Eine Studie auf Basis von Moshe Sharetts persönlichem Tagebuch und anderen Dokumenten seiner Zeit. Mit einer Einführung von Noam Chomsky. Aus dem Englischen übersetzt von Gerd Albartus. Pfungstadt: Minotaurus Projekt, 1982. Das Buch ist vergriffen, der Verlag besteht wohl nicht mehr. Gebraucht war das Buch vor dem 18. Mai 2004 bei amazon.de erhältlich für € 10,49. Der Übersetzer Gerd Albartus war Mitglied der Revolutionären Zellen und wurde im Dezember 1987 ermordet, siehe http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/Zorn04.htm

Englische Rezension der Studie:

Eine Rezension von Richard H. Curtiss erschien 1985 . Sie ist hier gespiegelt. Sie liest sich wie ein Menetekel.

Die folgenden Auszüge aus der StudieMoshe Sharetts Biographie und die Angaben über das Buch aus der Curtiss-Rezension hat die Kritische Stimme ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzungen wurde für diese Internetseite leicht redigiert.

Den Hinweis auf die Rokach-Studie verdanke ich Werner Krämer vom Prenzlauer Berg.

T:I:S, 19. Mai 2004

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Auszüge aus der Rokach-Studie

Einleitung


Die allgemeine Unterstützung Israels während des letzten Vierteljahrhunderts basiert auf einigen Mythen, von denen sich der Mythos von Israels Sicherheit am hartnäckigsten hält. Dieser Mythos, der eine permanente existenzielle Bedrohung der jüdischen Bevölkerung in Palästina unterstellt, ist sorgfältig gepflegt worden, um große Summen für die militärische und wirtschaftliche Unterstützung Israels lockerzumachen. Israels Sicherheit ist das offizielle Argument, mit dem nicht nur Israel sondern auch die USA dem palästinensischen Volk in seinem eigenen Land das Recht auf Selbstbestimmung verwehren. Während der letzten Jahrzehnte ist dieses Argument als legitime Rechtfertigung für Israels Verletzung internationaler Bestimmungen akzeptiert worden. Während der letzten 13 Jahre wurde immer das Argument der Sicherheit angeführt, um die Besetzung der arabischen und palästinensischen Gebiete fortzuführen. 

Das Argument Sicherheit ist immer noch der Vorwand für die großangelegten Massaker an der Zivilbevölkerung im Libanon, für die Enteignung von arabischem Land, für die Errichtung jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten, für Deportationen und für willkürliche Inhaftierung von politischen Gefangenen. Obwohl die Sicherheit der arabischen Bevölkerung in der gesamten Region über die Jahre hinweg wiederholt bedroht war durch offene oder versteckte Kriegshandlungen, terroristische Aktionen und Unterwanderungspläne, und obwohl UNO-Resolutionen eine Festsetzung von sicheren Grenzen für alle Staaten in dieser Region fordern, stand allein die Sicherheit Israels im Blickpunkt der internationalen Diskussion.

Die Hartnäckigkeit, mit der sich der Mythos von Israels Sicherheit hält, zeigt, dass die Vorstellung, die Araber wollten den jüdischen Staat eliminieren, weit verbreitet ist. Die Mehrheit der angesehen westlichen Autoren, die diese Idee verbreiten, stützen sich dabei auf die zionistische Darstellung der Ereignisse Ende der 40er Jahre, als der Staat Israel gegründet wurde, und der 50er Jahre, als Nasser an die Macht kam. Dabei wird Israels sogenannter Überlebenskampf als moralisches Thema dargestellt. Die Medien präsentieren dabei oft Politiker, die eigentlich aus ganz anderen Gründen Israel politisch und militärisch unterstützen, mit dem Argument, "der Westen sei Israel verpflichtet."

Andere Darstellungen der Fakten werden meistens unter den Tisch gekehrt. So wurden die vor kurzem veröffentlichten Enthüllungen von Nahum Goldmann (Le Monde Diplomatique, August 1979) praktisch nicht zur Notiz genommen. Goldmann, der mehr als 30 Jahre lang der Vorsitzende des pro-zionistischen jüdischen Weltkongresses war, argumentiert, dass die Araber nicht befragt wurden zur Teilung Palästinas im Jahre 1947, und dass ihre Bereitschaft, einen politischen Kompromiß auszuhandeln, der möglicherweise den Krieg von 1948 verhindert hätte, von Ben Gurion noch vor Mai 1948 per Veto abgelehnt und somit untergraben worden war.

Das kürzlich veröffentliche Tagebuch von Moshe Sharett (Yoman Ishi, Tel Aviv, 1979) trägt einen wesentlichen Teil zur Entmystifizierung von Israels Sicherheitsmythos und Israels Sicherheitspolitik bei. Zwischen 1933 und 1948 leitete Moshe Sharett die Auslandsbeziehungen der zionistischen Bewegung. Er war Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency und Außenminister Israels von 1948 bis 1956. 1954 und 1955 war er sogar Premierminister. Die folgenden Seiten aus seinem Tagebuch zeigen folgendes:

1. Die politische und militärische Führung Israels glaubte niemals ernsthaft an eine Bedrohung Israels durch die Araber. Im Gegenteil, sie tat alles, um das Dilemma, in dem sich die arabischen Regierungen nach 1948 befanden, zu verschlimmern. Die arabischen Regierungen waren einer militärischen Konfrontation mit Israel sehr abgeneigt, doch mussten sie, um überleben zu können, ihrer Bevölkerung und den vertriebenen Palästinensern in ihren Ländern irgendeine Reaktion auf Israels aggressive Politik und andauernde Gewalt bieten. Mit anderen Worten, die arabische Bedrohung war eine israelische Erfindung, die die arabischen Regierungen aus inneren und inter-arabischen Gründen nicht völlig verneinen konnten, obwohl sie in ständiger Angst waren vor einem neuerlichen israelischen Angriff.

2. Die politische und militärische Führung Israels wollte die arabischen Staaten in militärische Konfrontationen zwingen, da sie annahm, dabei immer zu gewinnen. Ziel dieser Konfrontationen war es, das Kräfteverhältnis in dieser Region radikal zu verändern und den zionistischen Staat zur größten Macht im Nahen Osten zu machen.

3. Um diese Ziele zu verwirklichen, wurden folgende Strategien angewandt:

Größere und kleinere Militäraktionen gegenüber der Zivilbevölkerung entlang der Waffenstillstandsgrenze, insbesondere in den palästinensischen Gebieten der West Bank und im Gazastreifen, die damals unter jordanischer bzw. ägyptischer Kontrolle waren. Diese Aktionen dienten zwei Zwecken: sie sollten einerseits die Bevölkerung terrorisieren und andererseits eine dauerhafte Destabilisierung herbeiführen, aufbauend auf den schon vorhandenen Spannungen zwischen den arabischen Regierungen und den Bevölkerungen, die sich durch sie nicht ausreichend gegen die israelische Aggression geschützt fühlten.
Militäroperationen gegen arabische Militäreinrichtungen in den Grenzgebieten, um die Moral der Armee zu untergraben und somit zur Destabilisierung der Regimes über die Militärstrukturen beizutragen
Verdeckte terroristische Operationen mitten in der arabischen Welt, sowohl zum Zwecke der Spionage als auch um Angst, Spannungen und Instabilität zu schaffen.

4. Die Ziele, die durch diese Strategien erreicht werden sollten, waren folgende:

neue Gebietsgewinne durch Kriege. Obwohl Israel in dem Waffenstillstandsabkommen von 1949/50 ein Gebiet zugesprochen wurde, das um ein Drittel größer war als ursprünglich im UN-Teilungsplan vorgesehen, war die israelische Führung nicht zufrieden mit der Größe des Staates und den Grenzen, die sie nach eigenen Angaben zu respektieren beabsichtigte. Ihr Bestreben war es, zumindest das Gebiet des britischen Mandates Palästina an sich zu bringen. Das Territorium wurde als ein lebenswichtiger Faktor bei der Wandlung Israels in eine regionale Macht angesehen.
Politische wie auch militärische Versuche, alle arabischen und palästinensischen Forderungen nach Palästina zu unterbinden durch die Vertreibung der palästinensischen Flüchtlinge im Krieg von 1947-48, ganz weit weg in andere Teile der arabischen Welt oder andere Länder.
Subversive Operationen, die dazu bestimmt waren, Zwietracht innerhalb der arabischen Welt zu säen, die nationalarabische Bewegung niederzuwerfen und Marionettenregierungen zu schaffen, die der israelischen Macht in der Region nicht gefährlich werden würden.

Die Fakten, die das Tagebuch von Moshe Sharett zu den oben erwähnten Punkten liefert, stellen eine ganze Reihe von wichtigen Interpretationen, die noch immer als historische Wahrheiten gehandelt werden, in Frage. So zum Beispiel diese:

1. Bis heute gibt die Mehrheit der Wissenschaftler und Analytiker die Verstaatlichung des Suez-Kanals als den Hauptgrund für den Oktoberkrieg von 1956 an. So wird allgemein angenommen, dass die geplanten Angriffe der Briten und Franzosen gegen Ägypten für Israel die Gelegenheit boten, endlich mit den Übergriffen der Fedayin entlang der Waffenstillstandsgrenze Schluß zu machen und mit dem Nasserregime abzurechnen, dem man die Schuld für die Übergriffe zuschrieb.

Doch was Sharett uns nun mitteilt in seinem Tagebuch ist, dass ein größerer Krieg gegen Ägypten für den Frühherbst 1953 geplant war, mit dem Ziel, den Gazastreifen und den Sinai zu erobern, also ein Jahr bevor Nasser Neguib abgelöst hatte und bevor er seine Führung gefestigt hatte. Man hatte sich darauf geeinigt, dass die internationalen Bedingungen für solch einen Krieg wohl innerhalb der nächsten drei Jahren gegeben sein würden. Der israelische Angriff auf Gaza im Februar 1955 war ein bewußt vorgenommener erster Schritt hin zum Krieg. Ein paar Monate später traf die Regierung die Entscheidung, den Gazastreifen zu erobern. Diese Entscheidung stieß bei dem damaligen Außenminister (Moshe Sharett) auf heftigen Widerstand, woraufhin seine politische Liquidierung durch die Befürworter des Krieges, allen voran Ben Gurion, beschlossen wurde. Hätte sich nicht der dreifache Angriff auf Ägypten abgezeichnet, hätte Israel Ägypten im Alleingang, ganz so wie geplant, angegriffen.

2. Die Besetzung der West Bank und des Gazastreifens durch Israel im Jahre 1967 wird allgemeinhin als ein Akt der Verteidigung Israels gegenüber arabischen Drohungen dargestellt. Das Tagebuch Sharetts hingegen liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass die Besetzung des Gazastreifens und der West Bank von Israel schon seit Anfang der 50er Jahre geplant wurde. Amerikanische Zionisten wurden über diese Pläne 1954 informiert. 1955 wurden jüdische und arabische Menschenleben geopfert in einer Reihe von provokanten Anschlägen, die nur verübt wurden, um einen Vorwand zu liefern für die Besetzung des jordanischen Territoriums. Hauptursache für die Verschiebung der Besetzung dieses Gebietes war die britische Präsenz in Jordanien, die den haschemitischen König stützte.

3. Die permanente und gewaltvolle israelische Agression im Libanon wird immer noch schamlos mit israelischen Sicherheitsinteressen begründet. Insbesondere die israelischen Regierungssprecher, die in den westlichen Medien ein devotes Sprachrohr fanden, versuchten die massive Einmischung Israels im Libanon mit folgenden historischen Argumenten zu erklären: 

in einem Kampf zwischen Muslimen und Christen, ein Konflikt, der auch ohne äußere Einmischung ausgebrochen wäre, beschränkte sich die Rolle Israels darauf, den Christen zu helfen. 
die Anwesenheit von palästiensischen Widerstandsgruppen, oder, in israelischer Terminologie, von palästinensischen Terroristen, machte die Einmischung Israels in die inneren Angelegenheiten dieses Landes notwendig. 

Sharetts Tagebuch hingegen liefert eine vollständige Dokumentation über den diabolischen Plan Ben Gurions von 1954, den Libanon zu "christianisieren", d.h. man überlegte sich zunächst, wie man zunächst einmal einen inneren Konflikt im Libanon auslösen könnte. Diese Idee mündete dann fünfzehn Jahre später in einen Plan, den Libanon zu teilen und zu unterwerfen, lange bevor die palästinensische Präsenz im Libanon zu einem politischen Faktor wurde. 

Der Gebrauch von Terror und Gewalt mit dem Ziel, arabische Gegengewalt zu erzeugen, die dann als die arabische Bedrohung für die Existenz Israels hingestellt wurde, wurde von der damaligen "Nummer 2" des zionistischen Staates folgendermaßen erklärt: 

"Ich habe lange nachgedacht über die vielen künstlichen Aktionen und Gewalttaten, die wir uns ausgedacht haben und über die vielen Zusammenstöße, die wir provoziert haben und die uns so viel Blut gekostet haben, und über die Verletzungen von Recht und Gesetz durch unsere Leute, all das hat zu schwerwiegenden Katastrophen geführt, hat den gesamten Lauf der Ereignisse bestimmt und zu unserer Sicherheitskrise beigetragen." 

Eine Woche vorher erklärte Moshe Dayan, damals Stabschef, warum Israel jegliche Grenzsicherungen, die von den benachbarten arabischen Staaten oder von der UNO vorgeschlagen wurden, wie auch Vorschläge der USA hinsichtlich formeller Sicherheitsgarantien, ablehnen mußte. Solche Garantien, so sagte er voraus, könnten "die Hände Israels binden." Vermutlich wären damit all die Angriffe und Einmärsche in das Gebiet jenseits der Waffenstillstandlinie, die in den 50er Jahren unter dem euphemistischen Namen Wiedergewinnungsmaßnahmen getätigt wurden, nicht mehr zu rechtfertigen gewesen oder gar unmöglich gemacht worden. Diese Maßnahmen, so Dayan, 

"sind unsere zentrale Blutbahn. Sie ...helfen uns dabei, innerhalb unserer Bevölkerung und unserer Armee eine Spannung zu erhalten, damit wir immer junge Männer zu unserer Verfügung haben, die bereit sind, in den Negev zu gehen, wenn wir schreien, dass der Negev in Gefahr ist." (26. Mai 1955) 

Die Schaffung einer Belagerungsmentalität innerhalb der israelischen Gesellschaft war notwendig, um den erfundenen Mythos von der arabischen Bedrohung zu vervollkommnen. Beide Elemente sollten sich dabei ergänzen. Obwohl die israelische Gesellschaft mit der starken Einwanderung von Juden aus Asien und Nordafrika in die vom Staat angeblich gepriesene homogene Gesellschaft sich dem ernstzunehmenden Risiko einer sozialen und kulturellen Zersetzung ausgesetzt sah, lag der tiefere Sinn der Belagerungsmentalität weniger darin, die jüdische Gesellschaft in Israel gegen den gemeinsamen Feind als Verteidigungsgemeinschaft zusammenzuschweißen. Vielmehr setzte man darauf, die "moralischen Schranken" abzubauen, damit die Gesellschaft eine Politik voll unterstützt, die im völligen Gegensatz stand zu dem kollektiven ethischen Code, auf dem die allgemeine Erziehung gründete und aus dem die Gesellschaft, so wurde angenommen, ihre Lebenskraft bezog. Natürlich war dieser Code auch schon in der Vergangenheit nicht immer respektiert worden. Gewalt und Terrorismus waren schon von den frühen Zionisten ausgeübt worden, vor und während des Krieges von 1947-48. Die folgende Aussage eines Soldaten, der an der Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma 1948 beteiligt war, ist nur ein Beweis von vielen, der erst kürzlich offengelegt worden ist: 

"Es wurden zwischen 80 und 100 Araber, Frauen und Kinder getötet. Um die Kinder zu töten, schlug man ihnen die Köpfe mit Stöcken entzwei. Es gab kein Haus ohne Toten. Die Männer und Frauen der Dörfer wurden in Häuser gesperrt ohne Wasser und Essen. Dann kamen die Saboteure, um die Häuser zu sprengen. Ein Kommandant befahl einem Soldaten, zwei Frauen in das Haus zu bringen, das er sprengen wollte. ... Ein anderer Soldat brüstete sich damit, eine arabische Frau zuerst vergewaltigt zu haben, bevor er sie erschossen hatte. Eine andere arabische Frau mit ihrem neugeborenen Baby mußte dann den Platz säubern für ein paar Tage, und dann wurde auch sie zusammen mit ihrem Baby erschossen. Gebildete und guterzogenen Männer, die von allen als "gute Kerle".. betrachtet wurden, wurden zu Mördern, und das nicht mitten in einer Schlacht, sondern über die Strategie der Vertreibung und Ausrottung. Je weniger Araber übrig blieben, desto besser." (Davar, 9. Juni 1979) 

Doch das Wissen um diese Ereignisse sickerte nicht durch in die Gesellschaft. Ganz im Gegenteil, der Unabhängigkeitskrieg wurde ritualisiert und zu einem wundersamen Sieg des (jüdischen ) Rechts über (arabische) Macht. Deir Yassin wurde von der regierenden Labor-Partei (zu Unrecht) als ein einmaliger, ja selbst verwerflicher Vorfall dargestellt und die Brutalität der zahlenmäßig unbedeutenden Irgun-Gruppe dafür verantwortlich gemacht. Bücher, Schulbücher, Geschichtsbücher, Anthologien und die Medien rühmten ganz unbekümmert die moralische Qualität des Krieges, die "Reinheit der Waffen", die von der Armee benutzt wurden, und das jüdische Ethos, das dem Staat zugrunde lag. 

Die Politik der Sicherheits- oder Wiedergewinnungsmaßnahmen der 50er Jahre stellten daher in diesem Sinne einen qualitativen Fortschritt dar. Die Strategien, die von der israelischen Führung selbst entwickelt wurden, standen in völligem Widerspruch zu den regionalen Gegebenheiten und vor allem zu internationalen Standards, zu deren Einhaltung Israel sich ja formal verpflichtet hatte. Daher mußte der Rückhalt innerhalb des Landes bedingungslos sein, d.h. auf einer rein gefühlsmäßigen, ja fast instinktiven Ebene, ohne jegliche Konzessionen an Vernunft und ohne moralische Zwänge. 

Ein strategisches Ziel wie die Umwandlung Israels in eine regionale Macht setzte notwendigerweise den Gebrauch von großangelegter, offener Gewalt voraus und konnte nicht, noch nicht einmal im Mythos, erreicht werden auf der Grundlage einer früheren moralischen Doktrin, die deshalb ersetzt werden mußte durch eine neue. "Terrorismus und Rache" wurden nun als die Schlagwörter der neuen "moralischen ...ja sogar geheiligten" Werte der israelischen Gesellschaft gepriesen. Der aufbrechende Militarismus benötigte nicht länger den idealistischen, sozialistischen Anstrich einer Paimach, das neue militärische Symbol war nun die Einheit 101, angeführt von Arik Sharon (Ariel Sharon). 

Der Prozess dieser mehr kulturellen als politischen Wandlung verlief nicht automatisch. In Wirklichkeit, so wie Dayan in dem oben angeführten Zitat zugibt, mußte viel Angst geschürt werden, um diese Wandlung zu fördern. Dabei mußten sogar die Leben jüdischer Menschen geopfert werden, um Provokationen herbeizuführen, die wiederum anschließende Landgewinnungsmaßnahmen rechtfertigten, inbesondere zu den Zeiten, als es den arabischen Regierungen gelang, die Wut der drangsalierten und aufgebrachten Menschen, die in den arabischen Grenzgebieten lebten, zu kontrollieren. Die israelische Bevölkerung wurde täglich mit einer von Zensoren kontrollierten Propaganda zugedröhnt, bei der über Bildmaterial die Monstrosität des Feindes dargestellt wurde. Andere Bilder zeigten, dass ausgehandelte Sicherheitsabkommen mit dem Feind nur als fataler Beweis für Israels Schwäche interpretiert werden konnten. 

Als Abschluß dieses Prozesses sah Sharett die Wahl Menachem Begins zum Premierminister 1977. Sharetts zionistische Perspektive basierte auf einer politischen und diplomatischen Alternative zur Strategie des Terrors von Ben Gurion und seinen Anhängern. Dadurch, so glaubte er, könnte die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina unterstützt werden und der Staat in der Zukunft vielleicht wachsen, ohne dass die umliegenden arabischen Staaten allzu große Konzessionen machen müßten. Sharett glaubte, dass seine Ziele erreicht werden könnten, ohne den Westen deswegen in Schwierigkeiten zu bringen. Er glaubte sogar, dass die israelischen Pläne mit denen des Westens abgestimmt werden könnten. Er erkannte sehr klar, dass die Logik hinter Israels Sicherheitsdoktrin nichts anderes als Faschismus war und sah ganz richtig die daraus resultierende moralische Korruption im Innern und die zunehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus. Er war dagegen und war wohl auch das prominenteste Opfer dieser Doktrin. Seine Niederlage jedoch war unvermeidbar, denn seine Mißbilligung war mehr quantitativer als qualitativer Art und richtete sich mehr gegen die Methoden als gegen die Inhalte; gegen die Anzahl der Opfer einer bestimmten Militäraktion z.B. und nur ganz vage gegen die Ideologie, die hinter diesen Aktionen stand. Grundsätzlich war er in seinem unerschütterlichen Glauben an den Zionismus von dieser Strategie gleichermaßen fasziniert wie angewidert, so wie er gleichermaßen gierig war auf ihre direkten Erfolge, wie er besorgt war über die langfristigen Konsequenzen und die internationalen Reaktionen auf den Zionismus und Israel. 

Seinen Widerstand konnte die politisch-militärische Führung Israels nicht länger hinnehmen, wollte sie ihre megalomanischen und kriminellen Pläne durchführen. Seine Ausschaltung wurde daher zwingend notwendig. Seine eigentliche Schwäche lag darin, dass er die Hoffnung hegte, der sogenannte liberale Westen würde seine Gegner an der Durchführung ihrer Pläne hindern. Er vertraute mehr auf den Westen als auf das erwachende Bewußtsein der dortigen Bevölkerung, die die Macht und die Informationen hatte, um das auszulösen, was er sich als Zionist nicht erlauben konnte und auch nicht wagte. 

Ganz im Gegenteil, trotz seiner Skrupel und Gewissensbisse arbeitete er schließlich und endlich doch mit seinen Gegenern zusammen und mit denen in der Sicherheitsabteilung, die gegen ihn konspirierten, und half bei der Schaffung und Verbreitung von bewußt entstellten Versionen von Ereignissen. 

In einer historischen Perspektive zeigt das Selbstportrait Sharetts auch, warum es keinen sogenannten moderaten zionistschen Vorschlag geben kann, und warum jeder Versuch, den Zionismus von innerhalb zu liberalisieren, und es gab wiederholt solche Versuche, zum Scheitern verurteilt war. Den letzten drei Jahrzehnten liegt eine klare, deutliche und stimmige Logik zugrunde. In den frühen Fünfzigern wurden die Grundlagen für die Errichtung eines Staates geschaffen, der besessen war von der Idee des heiligen Terrors gegenüber den umliegenden arabischen Gesellschaften, und an der Schwelle zu den Achtzigern wird genau dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von seinen eigenen Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf des Faschismus versunken ist. 

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten, Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument sehr in Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren bestehen nämlich weiterhin auf der moralischen Verpflichtung des Westens gegenüber dem, was sie weiterhin hartnäckig als Israels Sicherheit mystifizieren. In diesem Sinne zerstört Sharetts Tagebuch möglicherweise die zionistische Propaganda in demselben Maße wie dies die Pentagon-Papiere taten hinsichtlich des US-Einmarsches in Vietnam. 

Vergeltung für Krieg 

Am 11. Oktober 1953 notierte der damalige Außenminister und zukünftige Premierminister in seinem Tagebuch, dass er Ben Zvi, den Staatspräsidenten getroffen habe. 

Ben Zvi sprach wie gewöhnlich einige interessante Fragen an... wie etwa, ob wir eine Chance haben, den Sinai zu besetzen und wie wunderbar es doch wäre, wenn die Ägypter angreifen würden, so dass wir sie schlagen könnten und anschließend in dieses Wüstengebiet vordringen könnten. Er war sehr enttäuscht, als ich ihm sagte, dass die Ägypter allem Anschein nach uns in dieser Hinsicht in keinster Weise durch eine Provokation ihrerseits entgegenkommen würden. (11.10.1953, 27) 

Am folgenden Tag informierte Ben Gurion Sharett darüber, dass Pinhas Lavon, ein überzeugter Anhänger der Politik der Vergeltung, sein Nachfolger für das Amt des Verteidigungsministers sei, und dass er beabsichtige, Moshe Dayan zum Stabschef zu ernennen. 

Ich sagte sofort, dass Moshe Dayan nur zu Kriegszeiten ein Soldat sei, aber in Zeiten des Friedens sei er durchaus ein Politiker. Seine Ernenneung stand für die "Politisierung" des Stabsquartiers. Die ungeheurliche Fähigkeit des neuen Stabschefs zu Intrigen und Komplotten wird zu vielen Schwierigkeiten führen. Ben Gurion gab zu, dass dies wahr sei und fügte sogar noch hinzu, dass Dayan selbst sich so definiere, um sich so als ungeeignet für dieses Amt zu präsentieren., aber das macht nichts, es ist gut so. Ich ging mit einem unguten Gefühl. (ibid, 29) 

Sharett hatte zu dieser Zeit den Eindruck, dass das internationale Klima für Israel eher ungünstig war: Die USA hatten gerade beschlossen, an Syrien und den Irak Waffen zu liefern und auch Ägypten nach Unterzeichnung des Suez-Kanal-Abkommens militärische Hilfe zukommen zu lassen. Darüberhinaus führte die permanente Mißachtung von UNO-Bestimmungen seitens Israels hinsichtlich der Umleitung des Jordans und der Erfüllung des Johnston-Planes zu wachsender Bestürzung im Westen. Der Westen hatte die Hoffnung gehegt, dass ein Abkommen über die Verteilung der Wasserressourcen aus dem Jordan zwischen Israel und den arabischen Staaten abgeschlossen werden könnte. Dieses Abkommen könnte ihrer Meinung nach, wenn es zustandekommen würde und erfüllt werden würde, ein Eckstein für ein weiteres Abkommen werden, das die wachsenden nationalistischen antiwestlichen Tendenzen in dieser Region wieder eindämmen könnte. Nach Aussagen des UN-Hauptbeobachters, des dänischen Generals Wagen Berike, "haben die Israels daran gearbeitet, arabisches Land zu gewinnen und arbeiten nach wie vor daran. Wir (die Israelis) verändern das Gebiet strategisch." (15. 10. 1955) Dies ist, so Sharett in seinem Tagebuch, eine Schandtat: 

Ich fragte mehrmals nach und jedesmal wurde mir versichert, dass kein arabisches Land angerührt worden war. Nachdem Berike mir gesagt hatte, dass bewiesen ist, dass unsere Arbeiten auf arabischem Gebiet begonnen worden sind, fragte ich wieder Amir (Leiter der Abteilung für Wasserwirtschaft), der nun zugab, dass dies stimmte. So also haben sie es geschafft, dass ich plötzlich vor der ganzen Welt als Lügner dastand. (31.10.1955, 32) 

Sharett befürchtete, dass ein Übermaß an Gewalt seitens Israels zu diesem Zeitpunkt eine Krise mit dem Westen auslösen könnte und versuchte, die Landnahmeaktion von Kibya zu blockieren, die von Ben Gurion noch am Vorabend seines Urlaubs, der seinem formalen Rücktritt voranging, angeordnet worden war. Er wies darauf hin, dass selbst der kleine Grenzzwischenfall, der als Vorwand gedient hatte für den geplanten Angriff auf ein Dorf in der West Bank, gerade erst von Jordanien öffentlich scharf kritisiert worden war, und dass den jordanischen Vertretern in der gemischten Waffenstillstandskommission gerade erst zugesichert worden war, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen würden. 

Anfang der Auszüge aus der Rokach-Studie

Angaben über das Buch aus der Curtiss-Rezension

Curtiss-Rezension

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Moshe Sharetts Biographie

Moshe Sharett (Shertok) wurde 1894 in Harsson, Russland  geboren. 1906 emigrierte die Familie nach Palästina. Sein Vater war ein glühender Anhänger des Zionismus. Die Familie ließ sich in dem arabischen Dorf Ein Sinya in der Nähe von Nablus nieder. Später werden Moshe und seine vier Geschwister die zwei Jahre, die sie dort verbracht haben als die glücklichste Zeit ihres Lebens beschreiben, eine Zeit, in der sie Arabisch gelernt haben, mit den anderen Kindern des Dorfes zusammen gespielt haben, und faszinierende Geschichten von den Dorfältesten gehört haben. 1908 zog die Familie nach Tel Aviv.

Im 1. Weltkrieg war Moshe Sharett Soldat der osmanischen Armee und diente vornehmlich in Syrien. Nach dem Krieg, als Palästina britisches Mandat wurde, studierte er an der London School of Economics und trat der zionistischen Labourbewegung bei. Er war eines der Gründungsmitglieder der Mapai (Arbeiterpartei von Eretz Israel) und wurde Chefredakteur der Davar, der Tageszeitung der Histadrut, der israelischen Gewerkschaft. Später wurde er zum Stellvertreter von Haim Arlosorov ernannt, dem Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, und nach dessen Tod sein Nachfolger. 

Der Vorsitzende der Jewish Agency zu dieser Zeit war David Ben Gurion. Aussagen von Moshe Sharett zufolge lagen die Ursachen für die Streitigkeiten zwischen Ben Gurion und ihm, die die enge Zusammenarbeit beider Männer an der Führungsspitze der zionistischen Bewegung und des Staates Israel über die nächsten 25 Jahre hin prägen sollten, darin, dass Ben Gurion Sharett verdächtigte, Chaim Weizmann ergeben zu sein, dem Präsidenten der World Zionist Organization. 

In den 40er Jahren beschuldigte Ben Gurion Sharett zu Unrecht, mit Weizmann zusammenzuarbeiten, um unter Vermittlung der USA ein Abkommen mit dem Emir Faisal von Saudi-Arabien auszuhandeln. Sharett hingegen behauptete, er habe dazu beigetragen, dass diese Verhandlungen gescheitert seien. Doch nach den Ausführungen von Nahum Goldmann war Sharett auch 1947-48 an Verhandlungen, die durch die Vermittlung des US-Außenministers George Marshall zustandegekommen waren, beteiligt. Ziel dieser Verhandlungen sollte es sein, eine politische Lösung für die Anwesenheit der Zionisten in Palästina zu finden, möglicherweise unter Schaffung einer Konföderation des Nahen Ostens unter Einbeziehung der Zionisten. Der wichtigste Verhandlungspartner auf arabischer Seite war der ägyptische Außenminister Nukrashi Pasha. 

Diese Verhandlungen, von denen man sich die Vermeidung von Kriegshandlungen erhoffte, hätten es mit sich gebracht, dass sich der Termin für die Ausrufung des Staates Israels um ein paar Wochen verschoben hätte. Ben Gurion sprach sich gegen diese Verhandlungen aus, lehnte eine Verschiebung des Staatsgründungstermins ab und beschuldigte Sharett, gegen die Gründung des Staates zu sein. Dies war natürlich eine Anschuldugung, die Sharett vehement zurückwies. 

Im Grunde lagen die Ursachen für den Streit zwischen Ben Gurion und Sharett, der dauerte, bis Sharett im Juni 1956 aus der Regierung ausgebootet wurde, darin, dass Ben Gurion lieber mit Waffengewalt seine Ziele erreichen wollte, während Sharett eher über diplomatischem Wege seine Ziele erreichen wollte. Moshe Sharett starb 1965 in Tel Aviv. 

Das Tagebuch, das er von Oktober 1953 bis November 1956 führte, gibt Zeugnis ab von den letzten Jahren seiner politischen Tätigkeit als israelischer Außenminister, einschließlich der beiden Jahre, als er Ben Gurion als Premierminister abgelöst hatte. Die letzten Einträge ins Tagebuch betreffen die Entlarvung eines seiner früheren Mitarbeiter, den er für einen nahestehenden persönlichen und politischen Freund gehalten hatte, als einen der Verschwörer gegen ihn. Das Tagebuch enthält sowohl Privates als auch Anmerkungen zu wichtigen politischen Ereignissen. 

Die persönliche Art des Tagebuchs wie auch die wichtige Position, die Sharett innehatte, stellen eine außergewöhnliche Garantie für die Glaubwürdigkeit dar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Sharetts Sohn und seine Familie sehr stark unter Druck gesetzt wurden, damit sie von der Veröffentlichung des Tagebuchs absehen, oder es zumindest nur in zensierter Form veröffentlichen. Doch Sharetts Sohn Ya'acov entschied sich, die gesamten Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

Auszüge aus der Rokach-Studie

Moshe Sharetts Biographie 

Curtiss-Rezension

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Angaben über die Rokach-Studie aus der Curtiss-Rezension

Moshe Sharett, Israels erster Außenminister und Israels zweiter Premier Minister, hielt in einem Tagebuch mit größter Genauigkeit all seine Frustration fest über die Entschlosssenheit Ben Gurions, dem ersten Premierminister Israels, der seine Ziele mit Mitteln der Gewalt erreichte, und über die unglaubliche Fähigkeit zu Intrigen und Machenschaften Moshe Dayans, dem Schützling Ben Gurions. Vieles, was im Tagebuch steht, betrifft die Zeit von 1954 - 1955. Während dieser Zeit betrieb Ben Gurion eine Politik der Vergeltung, wie er sie nannte. Moshe Sharett hingegen sah in dieser Politik mehr eine konstante Provokation mit dem Ziel, einen neuen Krieg vorzubereiten, bei dem Israel sein Territorium vergrößern könnte.

Das Tagebuch von Moshe Sharett wurde zunächst von seinem Sohn auf Hebräisch herausgegeben. Als Livia Rokach, die Tochter von Israel Rokach, dem Innenminister unter Sharett, Auszüge davon übersetzte und diese in ihr Buch einfügen wollte, drohte das israelische Außenministerium den Verlegern, der Vereinigung arabisch-amerikanischer Universitätsabgänger (Association of Arab American University Graduates) mit einer Klage, sollte das Buch ohne die Erlaubnis von Sharetts Sohn veröffentlicht werden. Die AAUG veröffentlichte das Buch trotzdem und die Jerusalemer Politiker, so Uri Avnery, "dachten sich wohl, daß ein Gerichtsverfahren gegen die Verbreitung eines Büchleins ein Fehler wäre, da man dadurch nur noch mehr Werbung für das Büchlein machen würde."  

Auszüge aus der Rokach-Studie

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Book Review

Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe Sharett's Personal Diary and Other Documents

By Livia Rokach. Belmont, Massachusetts: Association of Arab American University Graduates, 1980. 73 pp. $4.50 (paper).

Reviewed by Richard H. Curtiss

March 18, 1985, Page 11

Most Israelis observe a conspiracy of silence by which certain subjects widely discussed in the Hebrew press are seldom aired in English-language media. One Israeli who dared to break that code of silence, however, is the late Livia Rokach, daughter of Israel Rokach, Minister of the Interior in the government of Moshe Sharett.

Sharett, a moderate who was Israel's first foreign minister and second prime minister, kept a diary in which he meticulously recorded his frustration at the determination of Israel's first prime minister, David Ben Gurion, to achieve his goals by force, and at the "immense capacity for plotting and intrigue-making of Moshe Dayan," Ben Gurion's political protege. Much of the diary concerns the 1954-55 period during which Ben Gurion had yielded the premiership to Sharett, but still sought to set Israeli policy, first from his retreat at Kibbutz Sdeh Boker, and subsequently as Defense Minister under Sharett. Throughout this time, Ben Gurion carried out a policy he described as "retaliation," but which Sharett saw as one of regular provocations designed to bring about a new war in which Israel could seize more territory from the Arabs in Gaza, the West Bank, Sinai, Syria and Lebanon.

Avneri: "Rokach Did Clean Work"

Sharett's diary was edited by his son and published in Hebrew only. When Pis. Rokach translated excerpts from it to insert into her book about this crucial period. and its tragic results, the Israeli Foreign Ministry threatened her publisher, the Association of Arab American University Graduates, with legal action if they published it without the permission of Sharett's son. The AAUG went ahead with publication and, in the words of Israeli Knesset member Uri Avneri, "the Jerusalem politicians decided that pursuing a legal course in stopping the dissemination of the booklet would be a mistake of the first order, since this would give it much more publicity."

We have the word of Avneri, whose vocal opposition to Israeli war policies in the 70s and 80s in many ways parallels the silent opposition of Sharett in the 50s and 60s, that "Livia Rokach did clean work. All her quotations are real. She did not ever take them out of context, nor did she quote them in a way that contradicts the intention of the diary writer."

Through 1954 entries in Sharett's diary we watch the planting of seeds that led to Lebanon's bloody civil war and to the creation under renegade Major Saad Haddad of an Israeli-cont rolled Maronite enclave along Israel's northern border. Sharett attributes the idea to Ben Gurion:

"This is the time, he (Ben Gurion) said, to push Lebanon, that is, the Maronites in that country, to proclaim a Christian State..."

The tactics, Sharett writes, were Dayan's:

"According to him (Dayan), the only thing that's necessary is to find an officer, even just a major. We should either win his heart or buy him with money, to make him agree to declare himself the savior of the Maronite population. Then the Israeli army will enter Lebanon, will occupy the necessary territory, and will create a Christian regime which will ally itself with Israel. The territory from the Litani southward will be totally annexed to Israel..."

We see secret raids in 1955 into Arab territory:

"Ben Gurion reported to the cabinet ... how our four youngsters (Israeli paratrooper reservists) captured the Beduin boys one by one, how they took them to the wadi, how they knifed them to death one after the other... When I arrived in Tel Aviv an officer... came to tell me that the whole revenge operation was organized with the active help of Arik Sharon, the commander of the paratroopers battalion."

The Story of the Lavon Affair

The diary records the Lavon affair, in which Israeli provocateurs exploded bombs in U.S. cultural centers and diplomatic establishments in Cairo and Alexandria in 1954 after being told "to break the West's confidence in the existing (Nasser) regime... The actions should cause arrests, demonstrations and expressions of revenge. The Israeli origins should be totally covered."

When the provocateurs—young Egyptian-born Jews trained in Israel and returned to their homeland—were caught and tried, Sharett publicly denied Israeli complicity and accused the Egyptians of "vicious hostility to... the Jewish people."

In private, however, Sharett deplored "the unleashing of the basest instincts of hate and revenge... I walk around ... horror-stricken and lost, completely helpless... What should I do?"

What Sharett should have done is now tragically clear. As Israeli Prime Minister, had he stood up in the Knesset and denounced Israel's actions aimed at provoking another Arab-Israeli war, the bloodshed of 1956, 1967, 1970, 1973 and 1982 might have been averted, and the greatest bloodletting of all—the Lebanese civil war—almost certainly would not have occurred.

He did not, and today we see an Israel where Ariel Sharon impatiently awaits his call to direct the next chapter in a tragic history—perhaps a Masada for the Jews, or an Armageddon for us all.

Richard H. Curtiss is a retired foreign service officer and executive director of the American Educational Trust.

Gespiegelt aus...  

Auszüge aus der Rokach-Studie

Moshe Sharetts Biographie

Angaben über das Buch aus der Curtiss-Rezension

T:I:S, 19. Mai 2004

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