Kooperation und Macht

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Thomas Dohmen, Armin Falk, David Huffman, Uwe Sunde

Homo Reciprocans: Survey Evidence on Prevalence, Behavior and Success

Abstract:

Experimental evidence has convincingly shown the existence of reciprocal inclinations, i.e., a tendency for people to respond in-kind to hostile or kind actions. Little is known, however, about: (i) the prevalence of reciprocity in the population, (ii) individual determinants of reciprocity, (iii) the correlation between positive and negative inclinations within person, and (iv) consequences of reciprocal inclinations for wages, subjective well-being, friendships and other economic and social outcomes.  

Answering these questions requires moving out of the lab and using a large and representative subject pool, which combines information about subjects’ reciprocal inclinations with extensive socioeconomic background information. In this paper we measure the reciprocal inclinations of 21,000 individuals. We show that most people state reciprocal inclinations, in particular in terms of positive reciprocity. However, there is substantial heterogeneity in the degree of reciprocity, and quite surprisingly, only a weak correlation between positive and negative reciprocity for an individual. In terms of determinants, being female, and increasing age, lead to greater positive and less negatively reciprocal tendencies. Taller people are more positively reciprocal, but height has no impact on negative reciprocity.  

The asymmetric impact of these determinants provides further indication that positive and negative reciprocity are fundamentally different traits, rather than the outcome of a single underlying tendency. In terms of economic implications, we provide the first evidence using a large representative survey that corroborates an important hypothesis arising from laboratory experiments: Positively reciprocal workers are in fact paid more, and exert greater effort, on the job. Moreover, positively reciprocal people are more likely to be employed, report having more close friends, and have a higher overall level of life satisfaction. 

In this sense, Homo Reciprocans – in the positive domain – is in fact more successful than his or her non-reciprocal fellows.

Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), Bonn Discussion Paper No. 2205  Juli 2006, 40 Seiten

 

T:I:S, 6. September 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

Kooperation und Macht

 

1. Das "Gefangenen-Dilemma"

Spaltenspieler
ò

 

 

 

Kooperation

 

Nicht-
Kooperation

 

 

Zeilenspieler ð

 

Kooperation

 

 

3/3

 

0/5

 

 

Nicht-
Kooperation

 

 

5/0

 

1/1

 (entnommen aus Axelrod, Robert: Die Evolution der Kooperation.- München: R.Oldenbourg 1988, S. 8ff)  

Unter welchen Bedingungen entsteht Kooperation in einer Welt von Egoisten? Das Problem gibt es unter Staaten genauso wie bei Privatpersonen. Zum Beispiel zwischen zwei Staaten mit Handelsbarrieren: Baut nur einer sie ab, hat er nur Nachteile, bauen beide ab, ergibt sich für beide Staaten ein Gewinn. Oder: Wie oft lade ich einen Bekannten zum Essen ein, der mich nie einlädt? Oder: Unterstützt man Arbeitskollegen, weil man wiederum Unterstützung erwartet ?  

Gefangenendilemma-Spiel: 

1.    Annahme des Selbstinteresses. Immer spielen 2 Spieler, mit der Möglichkeit zu kooperieren oder nicht zu kooperieren; jeder trifft seine Wahl, ohne die Entscheidung des anderen zu kennen. Es wird eine Vielzahl von Spielen hintereinander gespielt. Ziel jedes Spielers ist, nach einer Vielzahl von Spielen selbst eine hohe Gesamt-Punktzahl zu erreichen.  

2.    Die Bepunktung für Nichtkooperation ist dabei höher als für Kooperation, wenn der Spielpartner kooperiert. Sie ist insgesamt niedriger, wenn beide nicht kooperieren. Dilemma: Es ist vorteilhaft, unabhängig vom anderen nicht zu kooperieren, aber die wechselseitige Kooperation bringt insgesamt ein höheres Ergebnis, als wenn beide nicht kooperieren. Individuelle Rationalität führt für beide zu einem schlechteren Ergebnis als nötig.  

3.    Die Spiel- und Punktekonstellation bildet die verbreitete Situation ab, daß Nichtkooperation individuell vorteilhafter ist, während jeder bei wechselseitiger Kooperation besser dasteht.  

4.    Gegenseitige Ausbeutung hilft nicht, da 0/5 oder 5/0 weniger als 3/3 und 3/3 ist.  

5.    Zwei Egoisten, die Nichtkooperation spielen, erhalten nur 1/1.  

 

 Erkenntnisse:  

1.    Nach einer Vielzahl von Spielen wird entweder „1/1“ oder „3/3“ gespielt.  

2.    Die optimale Spielstrategie (möglichst viele Punkte erreichen), ist auch die einfachste: Im 1. Spiel bietet man Kooperation an, jedes weitere Spiel folgt dem Verhalten des Gegenspielers im vorangegangenen Spiel. Im schlechtesten Fall „hängt“ man 5 Punkte nach.  

3.    Eine Übertragung auf die Realität ist ohne Rücksicht auf Rationalität des Gegenspielers oder Vertrauen in den Gegenspieler möglich. Beispiele: Die Kooperation von Schwerverbrechern; oder besser: von Politikern.  

 

2. Zum Verhältnis von Kooperation und Macht

a) Koo

A und B kooperieren etwas.

Daraus kann sich ergeben:

 A und B kooperieren viel.

b) Macht

Macht beruht auf der Möglichkeit, „sich aus einer von anderen geschätzten Kooperation zurückzuziehen“.

A und B haben etwas Macht.

Daraus kann sich ergeben:

 A und B haben viel Macht.

Je mehr Kooperation, desto größer die eigene Macht; aber auch die des Kooperationspartners. Es entsteht ein Geflecht aus Kooperation und Macht. 

A und B sind etwas verflochten. 

Daraus kann sich ergeben:

A und B sind stark verflochten.

Je häufiger ein Kooperationspartner mit Einschränkung oder Abbruch der Kooperation droht oder sie gar tatsächlich einschränkt oder abbricht, desto geringer seine Macht.


"In unklarer, die Ebenen vermengender Sichtweise scheint Kooperation die (Zweck-Mittel-) Hierarchie - also eine bestimmte Form von Herrschaft - zu implizieren. Daher ist oft das „Gegenteil“ von Kooperation, nämlich die Ausübung von Macht durch einseitigen Austritt aus dem Kooperationsverhältnis/dessen Androhung der dominierende Vorgang. Machtkämpfe sind nicht rational insofern, als sie nicht auf die Zweck-Mittel-Rationalität reduzierbar sind. Systemganzes und Systemteile sind eben nicht auf das Zweck-Mittel-Schema reduzierbar."

Luhmann, Niklas: Zweckbegriff und Systemrationalität. Über die Funktion von Zwecken in sozialen Systemen.- Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991, insb. S. 207


„Wissen wird mehr und mehr in Netzen verteilt. Via Electronic Mail sind Informationen im eigenen Unternehmen verfügbar und über Online-Dienste können global Informationen über Unternehmen hinweg genutzt werden. Gefragt sind daher Menschen, die bereit sind, ihr Wissen zu teilen und weiterzugeben. Macht resultiert immer weniger aus Wissensvorsprüngen, sondern der Fähigkeit und Bereitschaft, Kooperationen aufzubauen und zu führen.“


Sinn, Dieter K.: Neue Informations- und Kommunikationstechniken: Multimedia und Auswirkungen auf die Arbeitswelt.- Frankfurt a. M.: Typoskript zum IG Metall-Workshop, 26.04.1995.

  Die fett geschriebene Passage erscheint zutreffend.  

 

3.  Herrschaft

Laut Alexis de Tocqueville: De la démocratie en Amérique, ist die Macht des demokratischen Staates (USA) reine Verhinderungsmacht. Der Staat kann nichts bewirken. Möglicherweise hat Tocqueville hier mit „Macht“ gemeint, was eher als Herrschaft bezeichnet werden sollte: Herrschaft als Behinderung von Kooperation zwischen Dritten – etwa, wenn diese sich zusammentun, um eine Bank zu berauben; oder sie zu enteignen.  

Hierarchie vereint Herrschaft und Macht. Kooperation findet in der Hierarchie nur über den Hierarchen statt. 

Herrschaft ist ein Verhältnis, das Kooperationsbeziehungen umgibt, durchdringt und prägt, aber weder für sie notwendig ist, noch durch sie konstituiert wird. Klaus Türk zufolge („Die Organisation der Welt“. Herrschaft durch Organisation in der modernen Gesellschaft.- Opladen: Westdeutscher Verlag 1995, S. 156, 165 u. passim) tritt Herrschaft dort zutage, wo Asymetrierung vorliegt.  

Beispiele: Menge männlicher und weiblicher Redebeiträge in einer vermeintlich herrschaftsfreien Debatte; viel Kapitalbesitz - kein Kapitalbesitz in einer durch private Kapitalbildung charakterisierbaren Gesellschaft.  

Kooperationsbeziehungen können aber, über den damit immer verbundenen Machtzuwachs, Herrschaftsverhältnisse verschieben. Betrachtungen von Kooperationen, die tun, als würde herrschaftsfrei kooperiert, oder als seien Kooperationen herrschaftsfrei betrachtbar, tragen selbst zur Herrschaftsfestigung bei. 

 

 T:I:S, 1. November 2004

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