Dr. Andreas Mattner

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Managereinkommen

Dr. Andreas Mattner, auch Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats Hamburg, hat zur angeblichen Debatte über hohe Managereinkommen beigetragen. Laut Hamburger Abendblatt findet er:  "Schwarze Schafe dürfen nicht zum Maßstab werden." Die erfreuliche Entwicklung der deutschen Wirtschaft sei auf die erfolgreiche Arbeit der Unternehmer zurückzuführen. Die Höhe der Gehälter werde in den meisten Fällen auch von den Arbeitnehmervertretern mitbestimmt. Sie könnten ihren Einfluß über den Aufsichtsrat geltend machen, so Mattner.

Kommentar

Wer findet, daß die Reichen zu reich werden, muß die Steuersenkungen der letzten Jahrzehnte rückgängig machen und darüber hinaus auf hohe Einkommen und Vermögen hohe zusätzliche Steuern erheben. Damit die Reichen ihr Vermögen nicht verlagern, müssen die Steueroasen, von den reichen Ländern selbst geschaffen und betrieben, geschlossen und die gerade europaweit abgeschafften Kapitalverkehrskontrollen wieder eingeführt werden.

Die SPD, Angela Merkel und Andreas Mattner simulieren Dissens.  

T:I:S, 14. Dezember 2007

*

Thomas Immanuel Steinberg

Merkur und Germania

Wer gab warum Peter Tamm einen Kaispeicher und 30 Millionen Euro?

Peter Tamm, der einst unter Springer gegen Linke hetzte, bis Benno Ohnesorg starb und Rudi Dutschke angeschossen wurde, hat ein Hobby: Wiking-Modelle sammeln. Nicht die, die zur HO-Spur von Märklin passen, sondern 1 zu 1250. Die Originale sind nämlich sehr groß. Es sind Kriegsschiffe. Wiking fertigte die Modelle, damit Hitlers Offiziere Freund- von Feindschiff unterscheiden lernen. Tamms riesige Villa - ein ehemaliges Nobel-Hotel an der Hamburger Elbchaussee - ist voll von Vitrinen mit den Modellen, von Seekriegsbildern, Orden und Ehrenzeichen, Kriegsmarine-Uniformen und Waffen. Auf der Terrasse stehen Seekriegsgeschütze, Schiffsschrauben, Torpedos und U-Boot-Minen. Die zahllosen Stücke aus der Nazi-Zeit sind übersät mit Hakenkreuzen.

Tamm ist die Villa zu klein geworden. Er bat für sein martialisches Steckenpferd um Unterstützung bei der Freien und Hansestadt . Der Senat, damals CDU und Schill-Partei, war Feuer und Flamme und beantragte bei der Bürgerschaft erstens, den funktionslos gewordenen Kaispeicher B im Hafen einer Stiftung zu übergeben, in der Peter Tamm allein das Sagen hat; zweitens für die Herrichtung des Speichers 30 Millionen Euro bereit zu stellen. Die Bürgerschaft samt SPD stimmte geschlossen zu, nur die GAL - im Jugoslawien-Krieg dabei, um ein zweites Auschwitz zu verhindern - enthielt sich.

Doch dann erschien eine Broschüre über Tamm und das Speicher-Projekt, und 121 Künstlerinnen nahmen sich jede eines der 121 Mitglieder der Bürgerschaft vor mit der Frage: Warum dieses kriegsverherrlichende Monstrum? Ich bekam Dr. Andres Mattner zugewiesen, einen freundlich dreinschauenden Herrn. Mattner ist Geschäftsführer der ECE Consulting, der ECE Healthcare, der ECE Messe & Logistik, alle Hamburg, und der IIM Immobilien Management in Frankfurt am Main. Die ECE projektierte Einkaufs- und Geschäftszentren, darunter den Potsdamer Platz in Berlin. Inzwischen operiert ECE in zahlreichen osteuropäischen Ländern. Die Internetseite berichtet auf Deutsch, Englisch und Polnisch über den Geschäftsgang. 

Ich schrieb Herrn Dr. Mattner einen Brief mit der Bitte um einen Gesprächstermin, steckte ihn mit der Anti-Tamm-Broschüre in einen Umschlag und machte mich auf den Weg zu seinem Abgeordnetenbüro. Das Büro befindet sich am Hamburger Rathausmarkt in der Vereins- und Westbank.

Links das Rathaus, rechts der Kanal zum Alsterfleet - Foto: tofoto 

Das Gebäude wurde als Hamburger Filiale der Reichsbank gebaut, grad als noch Frieden war.

Der Tympanon der ehemaligen Reichsbank-Filiale - Foto: tofoto

Links und rechts steht männliches Volk, in der Mitte der Pfeffersack. Doch zu Dr. Mattners Büro geht's durch den Seiteneingang.

Der Seiteneingang der ehemaligen Reichsbank - Foto: tofoto 

Rechts stützt sich Germania mit dem Schwert auf ein nacktes Engelchen, links streichelt Merkur dem seinen den Kopf. Dr. Mattners Schild hängt im Eingang. 

Foto: tofoto

Ich wollte Herrn Dr. Mattner nicht überfallen und gab den Umschlag ab. Seitdem schreiben wir uns. Das heißt, ich schreibe; Herr Dr. Mattner läßt schreiben.

Hier die Korrespondenz bis heute.

***

Thomas Immanuel Steinberg
Burchardstraße 20
20095 Hamburg
Telefon ganztags: (040) 33 79 06 (Anrufbeantworter)
E-mail: tishh(at)web.de  

Herrn
Dr. Andreas Mattner
Mitglied der Hamburger Bürgerschaft
Alter Wall 2
20457 HAMBURG

E-mail: info(at)andreas-mattner.de  

Hamburg, 23. August 2005 

Betrifft: Ihre Zustimmung zur Bewilligung von 30 Mio. € für das geplante Marine-Museum im Kaispeicher B / Broschüre „Tamm-Tamm“ – Eine Anregung zur öffentlichen Diskussion über das Tamm-Museum 

Sehr geehrter Herr Dr. Mattner, 

mit Ihrer Stimme hat die Hamburger Bürgerschaft der Stiftung für ein Marine-Museum im Kaispeicher B des Hamburger Hafens 30 Millionen Euro bewilligt und ihr den Speicher zur Nutzung als Museum überlassen. Der Vorsitzende der Stiftung und Überlasser künftiger Exponate ist Herr Peter Tamm. Er wird, den getroffenen Regelungen zufolge, allein über Inhalt und Ausrichtung des künftigen Museums entscheiden. 

Herr Tamm zeigt gegenwärtig Interessenten seine Exponate. Sie bestehen überwiegend aus Militaria – Erinnerungsstücken aus Kriegsmarine-Ausstattung und Seekriegen des vergangenen Jahrhunderts und davor. Darunter befinden sich kriegsverherrlichende Exponate und solche, die mit den Insignien der Nazi-Diktatur versehen sind. 

Herr Tamm besitzt außerdem Mehrheitsanteile an mehreren militaristischen Verlagen. 

Eine Broschüre mit dem Titel „Tamm-Tamm“ “ – Eine Anregung zur öffentlichen Diskussion über das Tamm-Museum ist unter dem Pseudonym „Friedrich Möwe“ erschienen. Diese Broschüre hat mich veranlaßt, bei einer Aktion Hamburger Künstler mitzuwirken. Jeder von uns ist Pate eines Mitglieds der Hamburger Bürgerschaft. Sie, Herr Dr. Mattner, sind mein Patenkind geworden. 

Ich möchte Sie zunächst mit der Broschüre vertraut machen. Ich füge sie dem Brief bei, dessen Text Ihnen vorab als Mail zugeht. Eine CD-ROM liegt in der Broschüre. Sie enthält Fotos einiger Stücke, die Herr Tamm Interessenten gegenwärtig zeigt. Außerdem verweise ich auf meinen Beitrag zum geplanten Museum im Internet unter http://www.steinbergrecherche.com/petertamm.htm . 

Danach möchte ich mit Ihnen über die Gründe sprechen, die Sie zur Bewilligung der Haushaltsmittel für dieses Projekt bewogen haben. Dazu möchte ich Sie in wenigen Tagen aufsuchen. 

Bitte mailen Sie mir, oder sagen Sie mir per Telefon, wann ich Sie besuchen kann. 

Ich habe meine Berufstätigkeit beendet und schaffe jetzt frei – als Journalist, Fotograf und Schauspieler. Nahezu jeder Termin ist mir lieb. 

In der Hoffnung auf ein baldiges Mail oder einen Anruf verbleibe ich, freundlich grüßend, 

Thomas Immanuel Steinberg 

Anlage: Broschüre „Tamm-Tamm“ und CD-ROM

 *

Betreff:  Ihr Schreiben an Dr. Mattner

Von:     Andreas Mattner <andreas-mattner(at)web.de> 

An:        tishh(at)web.de

Datum:  26.08.05 11:56:35

Sehr geehrter Herr Steinberg,

auf Bitten von Dr. Mattner möchte ich Sie bitten, sich mit Ihrem Anliegen an die CDU-Fraktion direkt zu wenden. Dort wird man Sie mit einem Abgeordneten in Kontakt bringen, der sich  mit Ihrem Anliegen außeinandersetzen wird. Dr. Mattner hat aber Ihr Anliegen zur Kenntnis genommen und wird es an passender Stelle miteinbringen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephanie Dutzke-Wittneben, LL.M.

(wissenschaftliche Mitarbeiterin)

* 

tishh(at)web.de  antwortete darauf am 29.08.05 17:22:29:

Sehr geehrter Herr Dr. Mattner,

ich danke Ihnen für die zügige Beantwortung meines Schreibens.

Sie hatte ich um ein Gespräch gebeten, nicht einen Vertreter von Ihnen in der CDU-Fraktion. Ich möchte erfahren, was Sie, einen einzigen Abgeordneten, zur Bewilligung von 30 Millionen Euro samt Speicher für das Tamm-Museum bewogen hat. Auf diese Frage wird mir niemand anders befriedigend antworten können; jeder wird mich zu Recht an Sie zurückverweisen.

Ich habe Verständnis dafür, daß Sie nicht jede Bürgerschaftsangelegenheit vor der Abstimmung in aller Tiefe ausloten. Die Bewilligung der Mittel für das Tamm-Museum jedoch war bereits vor der Abstimmung auch ohne besondere Fach- und Detailkenntnis als bedeutsam erkennbar: Eine Einzelperson offeriert Exponate mit militaristischem und nazistischem Symbolgehalt unter der Voraussetzung, daß sie allein über deren Darbietung entscheidet.

Sie, Parlamentsvertreter, und ich, Vertretener, wir sollten zu einem Gespräch zusammenkommen. Die Broschüre der Tamm-Tamm-Initiative mag Ihnen nicht ausreichen – der Rückgriff auf tiefer gehende Fraktionskenntnisse über die Angelegenheit ist Ihnen ja jederzeit kurzfristig möglich.

Wann paßt es Ihnen? 

In Erwartung der Angabe eines möglichen Gesprächstermins verbleibe ich, freundlich grüßend 

Thomas Immanuel Steinberg

*

Andreas Mattner <andreas-mattner(at)web.de> antwortete darauf am 30.08.05 16:18:15:

Sehr geehrter Herr Steinberg,

ich habe mich mittlerweile mit Frau Dr. Jobmann in Verbindung gesetzt, die das Ressort Kultur für die Fraktion bearbeitet. Sie wird sich wegen eines Gesprächstermins mit einem Abgeordenten des Kulturausschusses mit Ihnen in Verbindung setzen. Dr. Mattner ist für diesen Bereich nicht zuständig. Er ist lediglich Mitglied im Sport- und Europaausschuss. Ich hoffe wir haben Ihnen damit weitergeholfen. Frau Dr. Jobmann erreichen Sie unter der Mail-Adresse anke.jobmann(at)cdu-hamburg.de. Ich hoffe Sie kann Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephanie Dutzke-Wittneben, LL.M.

*

Betreff:Re: Gesprächstermin

Von: tishh(at)web.de 

An: andreas-mattner(at)web.de 

Datum: 01.09.05 19:27:15

Sehr geehrter Herr Dr. Mattner,

Sie schreiben, ich könne mich an jemand anders wenden. Doch niemand anders kann mir die Frage  beantworten, die ich an Sie gestellt habe: Warum haben Sie 30 Millionen staatliche Euro und den Kaispeicher B an die Tamm-Stiftung vergeben?  Sie, nicht jemand anders.  

Mit ihren Abgeordneten-Kolleginnen und -Kollegen werden meine Künstler-Kolleginnen und -Kollegen sprechen. Warum versuchen Sie, mich zum zweiten Mal  anderswohin zu schicken, obwohl nur Sie über Ihre Motive Auskunft geben können? Sie sagen, Sie seien nicht zuständig - für einen Beschluß, den Sie selbst gefaßt haben? Warum, um alles in der Welt, haben Sie etwas beschlossen, wofür Sie gar nicht zuständig waren? 

Ich schließe eine dritte Frage an. 121 Künstlerinnen und Künstler, darunter ich, haben sich entschlossen, den 121 Bürgerschaftsabgeordneten je einzeln zu begegnen. Ihr Museums-Beschluß wird inzwischen von denen, die, wie Sie auch, die Tamm-Tamm-Broschüre kennen, als verfehlt angesehen. Was werden Sie tun, damit weiterer Schaden von der Stadt gewendet und der Beschluß kassiert wird? 

Ihrer Antwort auf alle drei Fragen sehe ich mit Spannung entgegen und verbleibe, freundlich grüßend 

Thomas Immanuel Steinberg  

 ***

Ich weiß nicht, wie Herr Dr. Mattner reagieren lassen wird. Germania, die rechte Säulenheilige, wird kreischen: Minister Struck schickt die Bundesmarine ans Horn von Afrika, sein Freund Tamm macht für den Seekrieg Reklame! Stoß' du mir nicht den Dolch in den Rücken! Merkur, sein linker Säulenheiliger, wird ihm flüstern: Andreas, wenn du als Aufsichtsrat einem brenzligen Millionending zugestimmt hast - auch wenn andere mehr drüber wissen...  du hast den Beschluß mitgetragen. Die Aktionäre können von jedem Aufsichtsratsmitglied Rechenschaft verlangen.

Doch die Hamburger Bürgerschaft ist nicht der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Nicht einmal das.

T:I:S, 2. September 2005

Der gleiche Text ist zu finden bei tamm-tamm.info. Mehr unter Peter TammPeter Tamm

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