Mohn in Afghanistan

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Unsere Verteidigung am Hindukusch

Neben einer wachsenden Zahl von Hungertoten beklagt Miraki, der Afghanistan seit 2001 mehrfach bereist hat, vor allem das Schicksal der Kriegswaisen. "Sie werden von kriminellen Organisationen gekidnappt", sagt der Sozialwissenschaftler, "an Pädophile in aller Welt verkauft, auch an US-Militärunternehmen" - zum sexuellen Missbrauch und für den Organhandel. "Die Waisen sind eigentlich die Hauptopfer", urteilt Miraki. 

... Wie Miraki berichtet, haben die westlichen Invasionstruppen seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2001 mehr als 1200 Tonnen Munition mit abgereichertem Uran in Afghanistan verschossen und damit weite Teile des Landes verseucht. Miraki hat die Konsequenzen sorgfältig dokumentiert. Er nennt Missbildungen bei Neugeborenen, zahlreiche Fehlgeburten und gehäuftes Auftreten von Krebs und anderen schweren Krankheiten - unter anderem im Gebiet von Tora Bora, einem Ort massiver Bombardements am Jahresende 2001. Wegen der langen Halbwertzeit von Uran - mehrere Milliarden Jahre - kann ein Ende der Verstrahlung Afghanistans nicht abgesehen werden. Die Bevölkerung des Landes, sagt Miraki, ist praktisch "zu einem permanenten Todesurteil verdammt". 

gfp, T:I:S, 29. September 2007

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Deutsche Krieger und Kriegshelfer in Afghanistan

Matin Baraki berichtet über die Zerstörung seiner Heimat.


Dr. Matin Baraki im Wilhelmsburger Bürgerhaus, Hamburg                                                            Foto: tofoto

Die Wilhelmsburger und andere Hamburger Friedensinitiativen hatten zum Vortrag geladen: Der Marburger Politikwissenschaftler Dr. Matin Baraki berichtete am 17. September 2007 im Bürgerhaus Wilhelmsburg über Geschichte und Gegenwart Afghanistans. Baraki behrrscht Dari/Farsi und Paschto, die iranischen Muttersprachen von fünf Sechsteln aller Afghanen. Er besucht Afghanistan regelmäßig und hat dort Verwandte und Bekannte. 

Ein paar Stichworte aus Vortrag und Diskussion:

Fast alle Verbrauchsgüter in Afghanistan werden importiert; einziges Exportprodukt ist der Saft des Schlafmohns zur Produktion von Opium und Heroin.

Nominelle Regierung und Warlords sind Teil der Opiummafia.

Die Mafia läßt in Kabul Häuser mit europäischem Standard bauen und vermietet sie zu schwindelerregenden Preisen an die ausländischen Mitarbeiter der Nicht-Regierungsorganisationen. 

Die Nicht-Regierungsorganisationen beauftragen ausländische Firmen mit Aufbaumaßnahmen; die meisten Afghanen sind arbeitslos.

Afghanische Akademiker verdingen sich bei den Nicht-Regierungsorganisationen als Putzhilfen oder Fahrer.

Für Landeigner lohnt nur der Anbau von Mohn.

Nicht-Regierungsorganisationen verbitten sich militärischen Beistand: Er würde sie in Todesgefahr bringen.

Die Bundeswehr auf afghanischem Boden ist ausschließlich mit sich selbst beschäftigt.

Eine Organisation namens Al Qaida gibt es nicht.  Hunderte oder Tausende Gruppen und Grüppchen im Orient werden vom Westen so genannt. Manche nennen sich selber so.

Baraki ist kundig; ihm zuzuhören, macht Spaß. 

T:I:S, 18. September 2007

Homepage von Dr. Matin Baraki; Aufsätze; Buchangebot. Einen Überblick über die jüngere afghanische Geschichte bietet Baraki in: Islamismus und Großmachtpolitik in Afghanistan. Aus Politik und Zeitgeschichte (B 8/2002). .pdf-Datei 

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Bundeswehr gegen das Volk

Als ich mich im Frühjahr 2007 in Afghanistan aufhielt, war dort die Entsendung der Bundeswehr-"Tornados" das beherrschende politische Thema. Die Afghanen empfinden deren Einsatz im Süden und Osten, wo die US-geführten NATO-Einheiten einen gnadenlosen Krieg führen, als faktische Kriegserklärung an die afghanische Bevölkerung. 

Matin Baraki, Freitag

T:I:S, 27. August 2007

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Thomas Immanuel Steinberg

Grundrechtekomitee: Von Afghanistan keine Ahnung? 

Das Komitee für Grundrechte und Demokratie, ein verdienter bürgerlicher Verein, hat ein Flugblatt* zu Afghanistan verfaßt und bittet um Verbreitung. Dort heißt es: 

Afghanistan ... musste sich nicht nur in früheren Jahrhunderten gegen den kolonialen Hunger Englands verteidigen, im vergangenen Jahrhundert die Invasion der Sowjetunion bekämpfen. Es musste auch nach Abzug der sowjetischen Truppen einen Bruderkrieg erleben, der erst durch den Sieg der Taliban, die ursprünglich von den USA als Kampftruppe gegen die UdSSR unterstützt wurden, überwunden werden konnte.

In Wahrheit hat die afghanische Regierung die Sowjetunion um Hilfe gebeten, und zwar zunächst monatelang vergeblich. Denn Mudschaheddin, von den USA auf Umwegen ausgebildet, bewaffnet und finanziert, hatten einen Krieg gegen die afghanische Regierung begonnen. Erst als die US-Stellvertreter bereits erhebliche Erfolge erzielt hatten, griff die Sowjetunion das Hilfeersuchen auf und ließ zehn Jahre lang kämpfen. Geschlagen räumte sie 1989 das Feld, nicht nur in Afghanistan, sondern 1991 überhaupt. Bis 2001 hatten sich Taliban gegen nahezu alle heimischen Rivalen durchgesetzt, scheiterten aber mit ihren Vorstellungen an denen der USA. 

Die Gegner der afghanischen Regierung wurden von den USA eingesetzt, bevor die Sowjetunion zu helfen versuchte. Das ist unstrittig. Der Sicherheitsberater von Präsident James Carter, Zbigniew Brzeziński hat sich 1998 in einem Interview der französischen Wochenzeitung Nouvel Observateur genau damit gebrüstet, daß er die Mudschaheddin aufgebaut hatte, damit die Sowjetunion der afghanischen Regierung zu Hilfe eile. Er habe die Sowjetunion in die Falle gelockt. 

Hat das Grundrechtekomitee von der jüngeren Geschichte Afghanistans keine Ahnung? Das Flugblatt jedenfalls ist sofort einzustampfen. 

T:I:S, 12. August 2007 

*Kein Ausweg aus der Sackgasse Afghanistan? Verantwortlich: Andreas Buro, ohne Datum

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Taliban hatten den Mohnanbau auf Null gefahren

The Taliban had reduced the opium crop to precisely nil. I would not advocate their methods for doing this, which involved lopping bits, often vital bits, off people. The Taliban were a bunch of mad and deeply unpleasant religious fanatics. But one of the things they were vehemently against was opium.

That is an inconvenient truth that our spin has managed to obscure. Nobody has denied the sincerity of the Taliban's crazy religious zeal, and they were as unlikely to sell you heroin as a bottle of Johnnie Walker.

They stamped out the opium trade, and impoverished and drove out the drug warlords whose warring and rapacity had ruined what was left of the country after the Soviet war.

That is about the only good thing you can say about the Taliban; there are plenty of very bad things to say about them. But their suppression of the opium trade and the drug barons is undeniable fact.

Craig Murray: Britain is protecting the biggest heroin crop of all time. Daily Mail, 21. Juli 2007

T:I:S, 9. August 2007

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Blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Afghanistan. 

Vor der Invasion des Landes wurde in Aghanistan nur Mohn angebaut und Opium exportiert, jetzt verarbeiten große Fabriken den Rohstoff zu Heroin. Die Kolonnen schwarzer Jeeps, die den begehrten Stoff dann über Usbekistan Richtung Westen transportieren, werden an der Grenze nicht kontrolliert - an dem hochmodernen, mit EU-Geldern finanzierten Kontrollequipment zur Eindämmung des Drogenhandels werden sie vorbeigewunken. 

Mathias Bröckers; oder direkt zu Craig Murray: Britain is protecting the biggest heroin crop of all time. Daily Mail, 21. Juli 2007

T:I:S, 9. August 2007

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Thomas Immanuel Steinberg

Geschichte Afghanistans

Kampf gegen einen Teil des Volkes

Jens Tevres hat ein Sonderheft zur jüngeren Geschichte Afghanistans vorgelegt. Im Mittelpunkt steht der afghanischen Revolutionär Nur Mohammed Taraki. 

Taraki führte 1978 die sogenannte Saur-Revolution an. Sie bewirkte den Sturz Mohammed Dauds, eines Vetters des nominellen afghanischen Königs bis 1973, Zahir Shah. Taraki konnte sich beim Versuch, Afghanistan von seinen Feudalstrukturen zu befreien, in der Demokratischen Volkspartei Afghanistans nicht dauerhaft durchsetzen. Auch verweigerte ihm die Sowjetunion wirksame Unterstützung. Er starb 1979; Anhänger seines Nebenbuhlers Afizullah Amin haben ihn vermutlich umgebracht.

Seit 1978 hatten die Vereinigten Staaten, über saudische und pakistanische Kanäle, Islamisten inner- und außerhalb Afghanistans rekrutieren und ausrüsten lassen. Die Islamisten nahmen als Mudschaheddin den Kampf gegen die antifeudalistische Kabuler Regierung auf und drohten, an die Macht zu gelangen. Der einstige Nebenbuhler Tarakis, Afizullah Amin, begann, mit den Mudschaheddin, mit Pakistan und den USA zu konspirieren.

Im Dezember 1979 marschierten Sowjettruppen in Afghanistan ein, erschossen Afizullah Amin und ersetzten ihn durch Babrak Karmal, einen Reformisten. 1989 zogen die Sowjettruppen geschlagen ab. Den anschließenden Bürgerkrieg entschieden die pakistanisch und indirekt US-amerikanisch unterstützten Taliban für sich. Sie beherrschten bis zum Überfall der USA auf Afghanistan 2001 den größten Teil des Landes. 

Jens Tevres hat in seinen Text aussagekräftige Fotos, Faksimiles und wichtige historische Dokumente auf Deutsch eingefügt, zum Beispiel das antifeudalistische Dekret Nr. 7 vom 17. Oktober 1978 zu Verlobung, Heirat, Migift und Zwangsehe; und Auszüge aus der Aufzeichnung des Gesprächs zwischen Nur Mohammed Taraki einerseits, Ministerpräsiden Alexej Kossygin und weiteren Sowjetführern andererseits, vom 20. März 1979. Die Auszüge belegen, daß die Sowjetunion auch zu diesem späten Zeitpunkt noch nicht gewillt war, zugunsten der antifeudalen afghanischen Regierung in den Krieg einzutreten. So hielt Kossygin der Bitte Tarakis um militärische Hilfe entgegen: 

Man darf nicht übersehen, daß unsere Truppen nicht nur mit einem äußeren Agressor zu kämpfen hätten, sondern auch mit einem Teil Ihres Volkes. Und das Volk verzeiht solche Dinge nicht.

Kossygin meinte damit die Feudalherren, deren große Anhängerschaft und die vom Feudalismus geprägte, großenteils analphabetische bäuerliche Bevölkerung Afghanistans. 

Tevres wirft der sowjetischen Führung wegen ihres Zögerns Feigheit vor. Der Marburger Wissenschaftler und Publizist Matin Baraki dagegen hat vielfach dargelegt, daß der  – neun Monate später dennoch angeordnete – Einmarsch der Sowjettruppen  zwar völkerrechtskonform und womöglich ehrenwert war, aber das Ende der Sowjetunion besiegelt hat; ein letzter großer Fehler also. Tevres setzt sich mit Barakis Position nicht auseinander und scheint keine seiner zahlreichen Veröffentlichungen herangezogen zu haben. 

Stattdessen schweift Tevres mehrfach auf andere Weltregionen und Zeiträume ab, um seine generelle Sicht auf die sowjetischen Politik zu unterstreichen. Bemerkungen wie die, der Konspirateur Afizullah Amin sei von den Sowjettruppen „verdientermaßen erschossen“ worden, irritieren. Eine unklare Gliederung und Schachtelsätze dämpfen die Lesefreude. 

Dennoch kann das Heft helfen, westlich-imperialistischer Propaganda über die jüngere afghanische Geschichte entgegenzutreten. 

T:I:S, 2. August 2007

Jens Tevres: Kurze Geschichte Afghanistans, oder: Wer war Nur Mohammed Taraki?  EUR 4,50 / sFr 8,10. ISSN 0930-0503. ISBN-13: 978-3-89484-243-7. Ketzerbriefe 140, Ahriman-Verlag, Juli/August 2007. 

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Unter den Augen der westlichen Besatzer

Im vorletzten Jahr der Taliban-Herrschaft, 1999, kamen 4500 Tonnen Opium aus Afghanistan auf den Weltmarkt, was 77 Prozent des Markts entsprach. 2001 waren es nur 150 Tonnen, weil die Taliban kurzzeitig gegen den Anbau vorgegangen waren, bevor die Nato nach den Terroranschlägen vom 11. September in dem Land einmarschierte. Ausgerechnet unter den Augen der westlichen Besatzer hat der Mohnanbau stark zugenommen: 2005 wurden 4100 Tonnen Rohopium aus afghanischem Mohn gewonnen, 2006 dann 6100 Tonnen, neunzig Prozent der Welternte. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Print-Ausgabe, 23.03.2007, Nr. 70 / Seite 5: Der geheimnisvolle amerikanische Mohn. Deutsche Wissenschaftler gehen der Frage nach: Wird in Afghanistan die Opiumproduktion durch hochgezüchtete Pflanzen angeheizt? / Von Christian Schwägerl

T:I:S, 23. März 2007

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Afghanistan geostrategisch

Texte bei SteinbergRecherche zur geostrategischen Bedeutung Afghanistans unter Krieg um Öl, Pipelines und T..., Transportkorridore, Erdgas, Brzeziński, Al Qaida und Geburtswehen. Powerpoint-Präsentation: Afghanistan im Fadenkreuz

T:I:S, 17. Februar 2007

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كشف يك نوع مواد مخدر شيميايي جديد

Fada Hossain Maleki, Leiter der Rauschgiftsbekämpfungsbehörde Irans erklärte auf einem Kongreß: Vor dem Sturz der Taliban wurden in Afghanistan  jährlich 200 Tonnen Rauschgift produziert. Unter dem westlichen Besatzungsregime ist die Produktion auf jetzt 6100 Tonnen angestiegen.

Dem Kampf gegen Rauschgiftbanden seien bis heute 3500 iranische Soldaten zum Opfer gefallen.

Meldung auf Farsi,T:I:S, 14. Februar 2007

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Mohnblüte

Die Afghanen vergessen nicht. Sie sehen auch, dass die Briten den Taliban ein "sicheres Gebiet" für den Mohnanbau zugestanden haben, um einer erneuten schmählichen Niederlage zu entgehen. 

Willy Wimmer, MdB-CDU, T:I:S, 3. Februar 2007

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Studieren geht über marschieren 

Von: "Knut Mellenthin"
Gesendet: 29.11.06 21:40:19
An: "Thomas Steinberg"
Betreff: Studieren geht über marschieren

Lieber Thomas,

Du kennst das Thema ja: Die Medien der Imperialisten jammern und zetern,
dass Afghanistan wieder Opium-Exporteur Nummer 1 ist (mit einem
Weltmarktanteil, der sich mittlerweile vermutlich den 90 Prozent nähert).
Die Imperialisten schwören Stein und Bein, dass sie gern was dagegen tun
würden, aber nicht wissen, wie sie es anfangen sollen. Nun, wir wissen ja,
es gab ein Jahr, wo in dem von den Taliban kontrollierten Teil
Afghanistans die Produktion von Schlafmohn tatsächlich fast auf Null
gesenkt werden konnte. Ich habe noch nirgendwo den Vorwurf gelesen, die
Taliban hätten dabei im großen Umfang besonders barbarische Methoden
angewendet. Mehr noch: ich habe überhaupt noch nirgendwo detailliert
gelesen, wie die Taliban das damals angestellt und geschafft haben. Ich
meine, wenn die Imperialisten ernsthaft interessiert wären, den Mohnanbau
einzudämmen, würde es heute schon mindestens fünf oder zehn opulente
wissenschaftliche Studien geben, die den seinerzeitigen Erfolg der Taliban
untersuchen und die angewandten Methoden "evaluieren", wie man heut so
hübsch sagt.

Und nun rate mal, was ich aus der Nicht-Existenz (oder dem
Nicht-Bekanntwerden?) solcher Studien schlussfolgere? Richtig: die
Imperialisten sind nicht wirklich interessiert.

Herzlich, kt.

 

Zu Mellenthin bei SteinbergRecherche, zu Knut Mellenthin und zur Holocaust-Chronologie von Knut Mellenthin,  T:I:S, 30. November 2006

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Matin Baraki 

Unter der NATO blüht das Drogengeschäft – die Afghanen neigen zu den Taliban.   

Afghanistan ist längst zu einem »Drogenmafia-Staat« geworden, stellte Ashraf Ghani, der erste Kabuler Finanzminister im Kabinett von Abdul Hamid Karsai, fest. 

Vom einfachen Bauern bis zur Familie des Präsidenten Karsai sind alle am Rauschgifthandel beteiligt. Schon vor einem Jahr hat die britische Botschaft in Kabul über die Drogengeschäfte der Familie Karsai berichtet. Als die Informationen von der Presse aufgegriffen wurden, kam es zu einem Disput zwischen Karsai und dem britischen Botschafter, in dessen Folge der Diplomat abberufen wurde. Dann war für einige Zeit Ruhe. Man wollte seine eigenen Marionetten nicht weiter diskreditieren. Nun berichten die westlichen Medien, unter anderen der US-Sender ABC, über die lukrativen Narkotikumgeschäfte des Karsai-Bruders Ahmad Wali, der Vorsitzender des südlichen Provinzrates in Kandahar ist und nebenbei Chef einer Bande, die Rauschmittel über Iran und die Türkei nach Westeuropa schmuggelt. Dafür kassiert Ahmad Wali Karsai jährlich über 20 Millionen US-Dollar an Schutzgeldern. 

Auch der einstige Warlord der Nordallianz und derzeitige Stellvertreter des Innenministers in Kabul, General Mohammad Daud, ist von Amts wegen verantwortlich für die Drogenbekämpfung und gleichzeitig selbst ein Drogenbaron. Also verwundert es nicht, daß der »Kampf gegen den Rauschmittelanbau« unter Federführung der Briten auf ganzer Linie gescheitert ist. Die Anbaufläche stieg um 59 Prozent, und 2006 gab es die größte jemals in Afghanistan eingebrachte Opiumernte, sie lag um 2000 Tonnen höher als im Vorjahr und erreichte sagenhafte 6100 Tonnen! Schon den Exportwert der Opiumernte 2005 bezifferte das UN-Büro für Drogen und Kriminalität mit 2,7 Milliarden Dollar.

Ein Wiederaufbau zum Nutzen breiter Schichten der Bevölkerung findet hingegen kaum statt. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 75 Prozent, manchenorts, vor allem im Osten und Süden, sogar 90 Prozent. So erklärt sich, daß dort bereits 80 Prozent der Bevölkerung mit den Taliban sympathisieren. 

Auszug aus: Matin Baraki: Zerfallendes Protektorat. Die Zerstörung Afghanistans durch den Imperialismus. Junge Welt, 11. November 2006. Zu den älteren Texten von Matin Baraki hier
Die Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung  behauptet: „Scheitert die Nato in Afghanistan, kann das Land wieder zum Zentrum von Terrorismus und Drogenhandel werden.“ So der Vorspann zu einem Beitrag ihres Autors Christoph Plate vom 12. November 2006. Im Beitrag selbst steht das Gegenteil, nahezu kompatibel mit dem, was Matin Baraki in der jungen Welt berichtet.   

T:I:S, 14. November 2006

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Ergänzungen

Wir Taliban haben den Mohnanbau gestoppt. Doch die Welt will das nicht. BBC-Interview 

Zwei Beiträge über Mohn in Afghanistan von Knut Mellenthin aus den Jahren 2003 und 2004 als .doc-Datei

T:I:S, 30. Oktober und 27. September 2006

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Ein Iraner berichtet Wahrheiten über Afghanistan. 

Ali Hashemi, Leiter der iranischen Behörde für Drogenbekämpfung, erklärte der Financial Times, daß die Schätzungen über die Opiumernte in Afghanistan sich dieses Jahr [2002] auf 3 500 bis 4 000 Tonnen beliefen, fast soviel wie bei der Rekordernte von 4 600 Tonnen 1999... Ein Verbot des Anbaus von Mohn durch die Taliban im letzten Jahr ihrer Herrschaft ergab eine der kleinsten Ernten der letzten Jahre – weniger als 200 Tonnen im Jahr 2001. (siehe Grafik)

T:I:S, 26. September 2006

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Mohn- und Waffengeschäfte der afghanischen US-Marionetten 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer sprach 2003 in einem Brief an den damaligen Verteidigungsminister Struck von „äußerst umfangreichen Drogentransporten von Nordafghanistan, Tadschikistan, dem Fergana-Tal (Usbekistan) nach St. Petersburg und Hamburg ... Sollten diese Informationen zutreffen, stünden sie in einem schwerwiegenden Gegensatz zu den wieder und wieder von Ihnen vorgestellten Überlegungen. Ihnen dürfte ebensowenig wie den bislang schon in Kabul stationierten deutschen militärischen Kräften entgangen sein, daß von Norden aus ein gewaltiger kontinuierlicher Zufluß von Waffen und Gerät über den Hafen Shirkhan-Bandar am Fluß Amur-Darja erfolgt. Dieser Hafen liegt unweit von Kundus und eine Kontrolle oder Verhinderung des Waffenzuflusses vor allem ins Pandschir-Tal würde vor allem die Interessen des Verteidigungsministers Fahim aus dem Kabinett Karzai stören.“ 

Willy-Wimmer-Brief, ausführliche Erläuterung und Links zu medienanalyse-international.de mit Quellen bei stattnetz.de – Dank an Christian Wetter. 

T:I:S, 21. September 2006

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2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft über den größten Teil des Landes, sank die afghanische Mohnproduktion auf nahezu null, siehe UN-Tabellen über Opium-Produktion und Mohnanbau in Afghanistan und Anteil am Welt-Mohnanbau.  

Vier Artikel in jungle world 38/2006 über Mohn in Afghanistan unterschlagen diese Tatsache und erwecken den Eindruck, als würden die US- Besatzer den Mohnanbau verhindern wollen, kämen aber gegen Landesstruktur, Warlords und Taliban nicht an. Die Bundeswehr würde sich drücken. jungle world ist eine kleine Berliner Wochenzeitschrift zur Verbreitung US-amerikanischer und deutscher Kriegspropaganda. 

Der Handel mit Opium dient  seit über 100 Jahren der Verdeckung der Waffengeschäfte von Herrschaftseliten.

T:I:S, 20. September 2006 

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Die Deutsche Welle hat auf die offene Mail nicht geantwortet.

T:I:S, 20. September 2006

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Offene Mail an die Deutsche Welle

Betrifft: Mohn in Afghanistan 2005 und 2001 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Autor Ratbil Shamel berichtet in Fokus Nahost Deutsche Welle vom 26.06.2006 vom "schwierigen Kampf gegen den Drogenanbau in Afghanistan". Der UNO zufolge, schreibt er, hätten 2005 aus Mohn gewonnene Drogen im Werte von 20 Milliarden Dollar Afghanistan verlassen. Der gleichen UNO zufolge lag der  Mohnanbau 2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft und unmittelbar vor dem Einfall der US-Streitkräfte, fast bei null. Das schreibt er nicht.

Ihre Berichterstattung ist lächerlich.

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Immanuel Steinberg, siehe http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm 

T:I:S, 27. Juni 2006  

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Wie der britische Independent  berichtete, wird in Afghanistan erneut eine Rekordernte an Opium erwartet. Freace - Opium, T:I:S, 13. Mai 2006

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Walden Bello

Afghanistan, ein Drogenstaat dank US-Invasion

Afghanistan ist ein Drogenstaat geworden. Die Taliban waren in der Lage den Mohnanbau erheblich zu verringern. Seit sie 2001 vertrieben wurden, ist die Mohnproduktion hochgeschossen, erbrachte 2004 eine Rekordernte und für Afghanistan die zweifelhafte Ehre, fast 80 Prozent des Weltbedarfs an Heroin zu decken. Nun sind circa 170.000 Afghanen Opium- und Heroinkonsumenten, 30.000 davon Frauen.

 Regierungsbeamte sind in 70 Prozent des Rauschmittelverkehrs verwickelt und ungefähr ein Viertel der kürzlich gewählten 249 Parlamentsmitglieder haben Kontakte zum Drogenhandel. Eine Schätzung aus einer Studie, die für die unabhängige Forschungsund Auswertungsstelle Afghanistans (Afghanistan Research and Evaluation Unit) durchgeführt wurde, besagt, dass mindestens 17 neu gewählte Abgeordnete selbst Drogenschieber sind, 24 weitere in Verbindung zu kriminellen Banden stehen, 40 Befehlshaber bewaffneter Gruppen sind und sich 19 ernsten Anschuldigungen wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen stellen müssen. Für diese Leute, die das politische Leben Afghanistans beherrschen, ist, laut Kofi Annan “die Unsicherheit ein Geschäft" und "Erpressung eine Lebensweise." 

Kann man wirklich ernsthaft für sich in Anspruch nehmen, dass dieses Leben im Vergleich zur Talibanherrschaft eine Verbesserung ist? 

Quelle des Textauszugs: Walden Bello, Humanitäre Interventionen: die Entwicklung einer gefährlichen Doktrin. Sand im Getriebe Nr. 49, S. 15 .pdf-Datei mit Literaturangaben)

T:I:S, 15. März 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

Der afghanische Mohn verwirrt medico international.

 

Thomas Gebauer von der Hilfsorganisation medico international (1) hat sich in der Zeitschrift iz3w zum Mohnanbau in Afghanistan geäußert. (2)  Der Mohnanbau ging unter der Herrschaft der Taliban auf nahezu null zurück. Kaum hatten die USA Afghanistan erobert, schoß er in vor-sowjetische Höhen und versorgt inzwischen nahezu den gesamten Weltmarkt mit seinen Derivaten. (3) 

Zunächst stellt Gebauer eine Überlegung an: 

„Die USA zum Beispiel versuchen eine Zentralregierung zu stabilisieren, halten sich aber zugleich auch die Option einer Einflussnahme über die Warlords offen. In gewisser Weise ist der Kontakt mit den Kriegsherren auch notwendig, schließlich wurde der Krieg gegen die Taliban mit Hilfe der Warlords gewonnen und müssen diese nun mit Geld, Privilegien oder Posten ruhig gestellt werden.“ 

Versucht die US-Regierung tatsächlich, die Zentralregierung zu stabilisieren und die Warlords ruhig zu stellen? Im nächsten Satz relativiert der Autor den Gedanken:

“Auf diese Weise entpuppt sich der sogenannte ‚Anti-Terror-Krieg’ als höchst paradox. Ihm geht es eher um Machterhalt, als um Terrorbekämpfung. Man bekämpft den Terror, indem man ihn gleichzeitig fördert.“ 

Weiß  die US-Regierung nicht, was sie will? Auch ist der Satz zwar aufklärerisch gemeint, tauscht aber nur den positiv besetzten Begriff Terrorbekämpfung gegen den negativ klingenden Begriff Machterhalt aus. Jede Herrschaftselite bekämpft den gegnerischen Terror um ihrer Macht willen. Fördert sie Terror oder terrorisiert gar selbst, dann ebenfalls um der Macht willen. Wenn sie terrorisiert, fördert sie häufig auch den Gegenterror. Herrschaftlicher Terror braucht in der Regel Gegenterror, sonst entgleitet die Herrschaft, in Afghanistan, in Kolumbien, Indochina, in Algerien vor und nach der Unabhängigkeit, und in Italien, z.B. durch das Attentat in Bologna und den Mord an Aldo Moro.  

Dann kommt Gebauer auf den Mohn, das einzig relevante Wirtschaftsgut  in Afghanistan: 

„Um die afghanischen Warlords einzubinden, wurde ihnen die Wiederbelebung des Drogengeschäfts gestattet, obwohl es doch der Drogenhandel ist, der die ganze Region destabilisiert und die Konflikte schürt.“ 

Der Drogenhandel schürt die Konflikte. Er ist also ein Herrschaftsmittel wie Terror und induzierter Gegenterror. Als Bindemittel für Warlords ist Mohn sicher auch geeignet. Doch der Vertrieb von Opium und seinen Derivaten bereichert wesentlich die Fertigungs- und Handelsstufen, die auf die Warlords folgen. Mit Sicherheit ist die US-Herrschaftselite beteiligt, womöglich auch die Verteidiger Deutschlands am Hindukusch.

Peter Dale Scott (4) hat aufgezeichnet, wie vergangene US-Regierungen Drogenprofite zur verdeckten Finanzierung von Kriegen genutzt haben, und natürlich zur Bereicherung der heimischen Konzerne: über das Opium in Indochina und das Heroin in Afghanistan - vor dem sowjetisch geförderten Machtwechsel. Die Programme der USA gegen das kolumbianische Kokain verschärften in jeder späteren Phase das Problem, das sie zu lösen vorgaben. Knut Mellenthin hat den Umfang des Geschäfts mit Drogen beziffert: Der internationale Handel mit illegalen Drogen repräsentiere einen Jahreswert von schätzungsweise 400 Milliarden Dollar, die in die legalen Finanzströme transferiert werden. In dieser Größenordnung könnten nur noch der Waffenhandel und das Ölgeschäft mithalten. Eine Erschütterung des internationalen Drogenmarktes durch das Ausscheren des größten Produzenten – nach dem Anbau-Verbot der Taliban –  hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft gehabt. „Absicht oder Kollateralschaden – dank des Afghanistan-Krieges herrscht wieder business as usual.“ 

Knut Mellenthin hat außerdem berechnet, daß die Mohnbauern Afghanistans mit einem Bruchteil der Gelder entschädigt werden könnten, die die USA heute für ihren angeblich Kampf gegen Heroin aufwenden, siehe die Beiträge von Knut Mellenthin aus den Jahren 2003 und 2004 als .doc-Datei.  

Wer genau den Löwenanteil am Profit mit afghanischem Mohn einstreicht, vermögen heute nur todesmutige Journalisten herauszufinden, oder sorgfältige Historiker in ein paar Jahrzehnten.  Es sind jedenfalls nicht die Warlords in den afghanischen Bergen. Für die Haupt-Profiteure sind die Handelspannen der lokalen Fürsten Peanuts. 

Gebauer hat sich vom Mohn verwirren lassen. Nicht um einen Warlord einzubinden, wird ihm der Mohnanbau gestattet, sondern er wird eingebunden, weil die Hintermänner unermeßlich von seinen Diensten profitieren – finanziell, und, über die Verwendung der Profite, geopolitisch. 

 T:I:S, 29 Juni 2005, ergänzt am 27. September 2006

 

(1) Zum Dilemma, in dem politische Hilfsorganisationen stecken, siehe Thomas Immanuel Steinberg: Vom Kosovo nach Kabul. Wie Menschen durch Menschenrechtsinterventionen entmündigt werden. Rezension des Buches von David Chandler, erschienen in der Monatszeitschrift konkret 8/2002, S.20 

(2) "Es geistern die irrwitzigsten Ideen herum". Interview der entwicklungspolitischen Zeitschrift iz3w mit Thomas Gebauer (medico international) über zivil-militärische Kooperation in der Entwicklungszusammenarbeit. medico international wiederholte die Passage in seinem Rundschreiben Nr. 2 , 2005, S. 10 und 11

(3) siehe Frankfurter Rundschau und Blätterwald auf dieser Seite

(4) Thomas Immanuel Steinberg: Ziel und Mittel. Peter Dale Scott analysiert die US-Außenpolitik aus materialistischer Perspektive. Die Rezension ist in der jungen Welt vom 21. August 2004 erschienen. 

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Thomas Immanuel Steinberg

Auch die Frankfurter Rundschau hinterm Mohn  

Wenn die Regierung behauptet, sie bekämpfe die Nikotinsucht, so glaubt ihr keiner. Denn die Regierung kassiert eine horrende Tabaksteuer. Sie subventioniert sogar den Anbau von Tabak in Gegenden, wo er mehr schlecht als recht gedeiht. Aus dem gleichen Grund sind Sprüche der Gesundheitsministerin gegen Alkohol unglaubwürdig.  Nikotin- und Alkoholsteuer gehören außerdem zu den Konsumsteuern, die - anders als die progressive Einkommensteuer - die Armen stärker belasten als die Reichen. Und schließlich picheln und schmöken Arme mehr als Reiche. Woraus folgt: Die Regierung, zumal eine Regierung der Reichen, hat nichts gegen die Drogen Alkohol und Nikotin.  

Mit Opium und seinen Derivaten, vor allem Heroin, geht die Regierung anders um. Sie verbietet sie. Doch überall ist Heroin zu haben. Wie das? Opium kommt aus Afghanistan. Das Land, seit 2002 von den Taliban befreit und in westlicher, auch deutscher Hand,  sei auf dem besten Weg zu einem Narko-Staat, schreibt Daniel Riegger in der Frankfurter Rundschau: „Anbau und Handel von Opium drohen, den Wiederaufbau und die Demokratisierung des Landes zunichte zu machen. Gerade erst hat die UN-Drogenkontrollbehörde die beunruhigenden Zahlen auf den Tisch gelegt: Die Opiumproduktion ist in diesem Jahr wieder fast so hoch wie zu besten Taliban-Zeiten. 87 Prozent des Welt-Opiums kommen aus Afghanistan.“ Bisher hätten alle Strategien der Bekämpfung versagt. Weder die US-Streitkräfte, noch Bundeswehr und deutsch geschulte Polizei könnten die Opiumproduktion in Afghanistan stoppen.  

Riegger zitiert die UN-Drogenkontrollbehörde so, als stünden die westlichen Befreier dem Taliban-Erbe hilflos gegenüber. Dabei könnte er im Fischer Weltalmanach 2004, Zahlen, Daten, Fakten, in Spalte 78 nachlesen: „Nach dem Totalverbot des Opiumanbaus durch die Taliban hatte die Produktion 2001 bei nur 185 t gelegen, nachdem Afghanistan 1999 mit 5070 t noch 70% der Weltproduktion abgedeckt hatte.“ Oder er könnte an der Quelle nachschauen, die er zitiert, beim United Nations Office on Drugs and Crime. In deren Afghanistan Opium Survey vom November 2004 (pdf-Datei, 128 S.) findet sich folgende Grafik:  

Danach war die Opiumproduktion in Afghanistan in der Sowjetzeit niedrig, stieg in der „Warlord“-Periode an und lag so, wie der Almanach schreibt, am höchsten 1999 - etwas unter 5000 Tonnen. Im Jahre 2000 sank die Produktion stark und lag 2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft, bei ca. 200 Tonnen. Unter der „Übergangsregierung“ der USA mit Beteiligung Deutschlands stieg sie wieder, und zwar fast auf alte Höhen.  

Woher kommen die Angaben über die Produktionsmengen? Sie sind überwiegend rückgeschlossen aus den Mohn-Anbauflächen. Die Anbauflächen werden per Satellit erfaßt. Sie hatten folgende Ausdehnung:  

Das waren also 8 000 Hektar im Jahre 2001 (offenbar in nicht von den Taliban beherrschten Anbaugebieten) und 131 000 im Jahr 2004. Gemessen an der Anbaufläche fiel die Ernte 2004 niedrig aus, weil es in Afghanistan ein recht trockenes Jahr war.  

Die Taliban haben demnach verboten, und zwar erfolgreich verboten (1), woran sich die USA und Deutschland jetzt die Zähne ausbeißen? Das bringt einen auf Ideen; zum Beispiel die, daß zumindest im US-amerikanischen Staat, wenn nicht auch im deutschen, das Interesse an der Einschränkung der Opiumproduktion fehlt. Oder auf die Idee: Die USA haben nach dem 11. September 2001 ausgerechnet Afghanistan überfallen und besetzt; war einer der Gründe das Mohnanbau-Verbot der Taliban?  

Die politische Literatur über Opium (und Kokain) legt solche Überlegungen nahe. Peter Dale Scotts historische Studien über Drogen, Öl und Krieg in den Drogenanbaugebieten der Welt zeigen, daß die US-Regierung an vorderster Stelle profitiert hat. Warum zieht der Rundschau-Autor keine Parallele? Die herrschende Klasse in den westlichen Staaten profitiert von Nikotin- und Alkoholsucht der Massen. Warum sollte sie nicht auch am Heroinkonsum verdienen? Daniel Riegger! Frankfurter Rundschau! Ihr habt Mohnkapseln auf den Augen.  

T:I:S, 7. Oktober 2004

(1) Graham Farrell, Professor für Kriminologie an der Loughborough University bei Leicester, bezeichnete die Methoden der Taliban zur Durchsetzung des Anbauverbots als drakonisch. Gefängnis und öffentliche Demütigung seien andernorts weder wünschenswert noch möglich. 

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Thomas Immanuel Steinberg

Blätterwald im Drogenrausch

Afghanistan: Siegermächte wissen, was sie tun

 

Die afghanischen Bauern bauen immer mehr Mohn an. Der Hunger treibe sie dazu, steht in den Zeitungen. Die deutschen Soldaten würden nicht eingreifen, es seien zu wenige. Die US-Forces hätten zwar die Taliban verjagt, doch der Mohn blühe prächtig, und mit ihm der Heroinexport nach Deutschland. Soviele US-Soldaten, und immer mehr Mohn. Dabei sind doch die Taliban jetzt weg! Was müssen die Amis blöd sein, soll die Leserin denken. Die Bundeswehr muß hinaus, an den Hindukusch!

Die deutschen Waldblätter flattern im deutschen Wind, der Deutschlandfunk summt mit. Mohammed Afsali - Ismael Khans damaliger Verbindungsmann zur Regierung in Kabul - hat zwei Funkreportern erklärt:  

In den letzten zweieinhalb Jahren nach dem Sturz der Taliban sind die Verantwortlichen in Herat nicht nur hier in dieser Stadt, sondern sogar in den Nachbarprovinzen hart gegen Drogen vorgegangen.

Hafizollah Amin, der Polizeichef der afghanischen Stadt Herat, erzählte den Funkreportern:  

Ich will Ihnen hier unser Strafbuch zeigen, damit Sie sehen, wie wir gegen Rauschgift vorgehen. Das bezieht sich allerdings auf die Zeit nach dem Sieg der Mudjaheddin über die Taliban.

Die Reporter ziehen selber die angebliche Drogenbekämpfung heftig in Zweifel. Doch sie hinterlassen beim Hörer den Eindruck, unter den Taliban sei der Mohn ungehindert gediehen. Jetzt dagegen würden die örtlichen Behörden Drogenbekämpfung zumindest vortäuschen.  

Die Journalisten haben folgende englisch-sprachige Tabelle übersehen:  

Tabelle: United Nations Office of Drugs and Crime. Quelle

Im Jahre 2001 sank der Tabelle zufolge der Mohnanbau in Afghanistan drastisch. Im gleichen Jahre 2001 herrschten noch die Taliban. Sie hatten den Mohnanbau verboten. Na ja. Aber: Die Tabelle stammt von der UNO. Mohnanbau wird weltweit von Satelliten aus erfaßt. Die Taliban haben das Verbot tatsächlich fast durchgesetzt.  

Graham Farrell, Professor an der britischen Loughborough University fand heraus: Die Taliban beendeten mit drakonischen Methoden den Mohnanbau in ihrem Herschaftsgebiet. Weltweit fiel daraufhin das Heroinangebot um 65 %. Die BBC berichtete über Farrells Forschungsergebnisse am 19. Januar 2004, vor fast neun Monaten. Die Deutschlandfunker haben den englischen BBC-Bericht  übersehen.

Nach dem 11. September 2001 brachte sich die US-Regierung in Afghanistan mit drastischeren Methoden an die Macht, als die Taliban den Mohnanbau zu Fall. Schon 2002 erstreckte sich der Mohn-Anbau fast wieder  über die alte Fläche. Zur Zeit brechen die Mohn-Hektare alle Rekorde.  

Knut Mellenthin hat recherchiert. Der internationale Handel mit illegalen Drogen repräsentiere einen Jahreswert von schätzungsweise 400 Milliarden Dollar, die in die legalen Finanzströme transferiert werden. In dieser Größenordnung könnten nur noch der Waffenhandel und das Ölgeschäft mithalten. Am 30. Mai 2004, vor vier Monaten, hat Mellenthin anhand der unumstößlichen Fakten in der jungen Welt geschlossen: Eine Erschütterung des internationalen Drogenmarktes durch das Ausscheren des größten Produzenten – nach dem Anbau-Verbot der Taliban –  hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft gehabt. „Absicht oder Kollateralschaden – dank des Afghanistan-Krieges herrscht wieder business as usual.“  Mellenthins Artikel haben die Deutschlandfunk-Reporter übersehen. Wenigstens den hätten sie lesen können. Er war auf Deutsch. Doch ewig singen die Wälder.

Zur Bedeutung der Drogen in Verbindung mit Waffen und Öl siehe die Rezension des vorzüglichen Buchs von Peter Dale Scott ; es ist gerade auf Deutsch erschienen.

T:I:S, 1. Oktober 2004 

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