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Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Home Inhalt Siehe auch Niels Annen, Hamburg-Eimsbüttel und Marc Thörner
Thomas Immanuel SteinbergLieber umbringenMein Parteibuch Blog: Besatzer in Afghanistan machen relativ immer weniger GefangeneMein Parteibuch Blog hat die vorliegenden 76 911 Berichte der US-Streitkräfte aus den Jahren 2004 bis 2009 zum Krieg gegen die Afghanen statistisch ausgewertet, die Wikileaks kürzlich veröffentlicht hat. (15 000 weitere Berichte sollen folgen.) Auszug aus der Auswertung Danach stieg die Zahl der "captured", also der verschleppten Personen, die die Hauptbesatzungsmacht als "enemies", als Feinde ansieht. Doch noch viel stärker stieg die Zahl der verwundeten und vor allem der getöteten "enemies". Hier ein Auszug aus der Tabelle von Mein Parteibuch Blog:
2009 haben sich die Verwundeten gegenüber 2004 versiebenfacht und die Getöteten verdreizehnfacht, während nur zweieinhalbmal soviele Personen verschleppt wurden. Jahr des Umbruchs war 2006. Das Ergebnis entspricht der Änderung der US-Besatzer-Strategie, die nach meiner Erinnerung jedoch der Presse erst lange nach 2006 mitgeteilt wurde. (Die Afghanistan-Warlogs - Übersichtsseite verweist auf weitere Auswertungen durch Mein Parteibuch Blog und auf einen offenbar nützlichen Beitrag in Der Zeit.) Traditionslinie Heutige Strategie und Praxis der US-Besatzer erinnern an die sogenannte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II. am 27. Juli 1900 in Bremerhaven bei der Verabschiedung des deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes im Kaiserreich China. Als Zitat aus dieser Rede ist bekannt:
Übereinstimmenden Presseberichten zufolge hatte Wilhelm II.die deutschen Soldaten dazu aufgefordert, in China zu hausen wie die Hunnen unter Etzel. Sie taten es. (1) Der Reichstagsabgeordnete Friedrich Naumann – Namensgeber für die Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP – erhielt wegen seiner Verteidigung der Niederschlagung des Boxeraufstands in China einen Beinamen:
Im Sinne ihres Hunnenpastors beteiligt sich nunmehr die FDP am Krieg gegen die Afghanen. T:I:S, 30. Juli 2010 Anmerkung (1) Siehe Azziza B. Malanda: Ein Kölner Soldat
und die deutschen Strafexpeditionen in China während der Jahre 1900/1901, KopfWelten URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Parteibuch *Thomas Immanuel SteinbergDas Saatgut sichern vor den HeuschreckenRasaq Qadirie will für die Afghanen retten, was die westlichen Besatzer noch nicht vernichtet habenAm 14. Juli 2010 referierte Rasaq Qadirie im Hamburg-Eimsbütteler Magda-Thürey-Zentrum (MTZ) zu Lüge und Wahrheit über Wiederaufbau und Landwirtschaft in Afghanistan. Bei reichlicher Hitze erklärte er den ca. 40 Zuhörern, warum er in seiner Heimat Frucht- und Gemüsesamen sammelt, vermehrt und speichert:
Rasaq Qadirie Foto: tofoto Qadirie illustrierte seinen Vortrag mit Bildern, wie sie auf der Internetseite http://www.theafghanseeds.org/de/index.html zu sehen sind. Bilder anklicken, darunter stehen Erläuterungen. Ein deutscher Freund ergänzte den Vortrag durch eine knappe Schilderung dessen, was auf den Straßen von Kabul zu sehen ist: Krüppel betteln um Eßbares bei Menschen, die selber Hunger leiden. An ihnen fegen weiße, frisch gewaschene Limousinen vorbei, auf dem Weg von einem stacheldrahtumzäunten Areal zum anderen, im Fond die Kompradoren. Ein Wiederaufbau, von dem deutsche Kriegstreiber in fast allen Parteien schwadronieren, finde in Afghanistan nicht statt, schon gar nicht durch Soldaten. Qadirie versucht an Saatgut zu retten, was noch zu retten ist. Jüngst hat er ein kleines Anbaufeld erworben, auf dem inzwischen heimische Kürbisarten und Wassermelonen gedeihen und Obstbäume heranwachsen. Veranstaltet wurde der Vortrag von der ag medien.hamburg/rote reporter/-innen bei und in DIE LINKE. Das schöne Ankündigungsplakat, pdf-Datei, zeigt einen Bauern, den Qadirie um Saatkörner gebeten hatte. Als der Bauer erfuhr, worum es geht, hat er geantwortet, Qadirie könne das ganze Feld haben. Wer kein Feld, aber Geld hat, wende sich an rasaq (at) theafghanseeds.org T:I:S, 15. Juli 2010 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Saatgut *SchlachtfeldUS-Soldaten richten Gefangene hin, die sie für Taliban halten - sagt Seymour HershThe Raw Story, Video, eine Minute, und Transkript. T:I:S, 13. Mai 2010. Mehr über Seymour Hersh unter Journalist URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Schlachtfeld *Alfred McCoyAfghanistan as a Drug WarDie Taliban finanzieren sich überwiegend nicht aus dem Mohnanbau, sondern aus Spenden und Erpressungsgeldern.") Wie es zur heutigen Lage kam und wie eine Lösung aussehen könnte, beschreibt McCoy in dem ausgezeichneten Überblicksartikel. Nur wenige Worte verwendet McCoy auf die Tatsache, daß die 2001 herrschenden Taliban den Mohnanbau fast völlig ausgerottet hatten, siehe Auch die Frankfurter Rundschau hinterm Mohn und Blätterwald im Drogenrausch. Auch fehlt die Überlegung, daß nur eine Legalisierung von Drogen den Produzenten und Händlern das Wasser abgraben kann TomDispatch, 30. März URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#McCoy *NATO rejects Russia's demand to destroy Afghan poppy fields... Russia is keen to pursue an aggressive eradication strategy, while Western allies fear that such an approach risks antagonizing the local population, who rely on selling poppy crops to survive...dpa, T:I:S, 31. März 2010 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#NATO *Military ResistanceAm 11. September 2001 verarscht, am 27. Februar 2010 tot.
Widerständige, erschöpfte, verletzte und tote US-Soldaten, unter anderm in Afghanistan. Text und Fotos, Military Resistance, .pdf-Datei. T:I:S, 16. März 2010 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Resistance *Jan Myrdal, SwedenLiberate these prostitutes from the brothels of Hamburg!... When some friends on the left side in politics begin to talk about liberating the women of Afghanistan from the Taliban I ... point out that if they want to send Swedish soldiers abroad to liberate women there are other more suitable targets. The Swedish state does not allow men to buy women. Those who do are punished. But in Germany prostitution is legal. Hamburg on the other side of the Baltic is one of the large and legal prostitution centres of Europe. The German state takes much revenue in taxes from the Hamburg brothels. (Many of the women working in these brothels are trafficked from Africa, Asia, Eastern Europe.) Sweden could of course send its army, navy and air force to Hamburg in an attempt to liberate these unfortunate prostitutes from the tax paying brothels of Hamburg. But we do not. Instead we send our soldiers to Afghanistan where they are to liberate Afghan women side by side with brothel keepers from Germany...Quelle: Will the US Meet Its Waterloo in Afghanistan and Iraq? Global Research T:I:S, 9. Februar 2010. Den ganzen Aufsatz hat Hartmut Barth-Engelbart ins Deutsche übersetzt. T:I:S, 11. Februar 2010 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Myrdal *KonzentrationslagerUS-amerikanische KZs in Afghanistan. Democracy Now, Text und Video, 18 Minuten T:I:S, 3. Februar 2010. Siehe auch Konzentrationslager *Thomas Immanuel SteinbergIch bin ja ein großer Freund von Verschwörungstheorien...Am 12. November 2009 sprach der Bundestagsabgeordnete Der Linken, Jan van Aken, mit Eric Chauvistré und Angelika Beer über Afghanistan. In der Diskussion vor Hamburger Publikum im Kulturhaus 73 fragte ich ihn, ob die Vereinigten Staaten neben andern Gründen auch deshalb Afghanistan überfallen haben könnten, weil die Taliban den Mohnanbau zuvor völlig zerschlagen hatten. Die Illegalität von Rauschmitteln auf Mohnbasis erlaube bekanntlich verdeckte Deals mit örtlichen Machthabern und Waffengeschäfte, und dies bequemerweise am US-Kongreß vorbei. van Aken antwortete, er sei "ja ein großer Freund von Verschwörungstheorien", aber diese halte er für abwegig. Mathias Bröckers hingegen hat recherchiert. Hier das unkorrigierte Manuskript eines Abschnitts aus seinem nächsten Buch. Zwei Auszüge:
Ich bin ja ein großer Freund von Verschwörungstheorien, aber daß Bröckers mit dem Bundestagsabgeordneten Der Linken einen verdeckten Deal gemacht haben könnte: "Du streitest heftig ab, ich decke überraschend auf" – um den Absatz seines nächsten Buches zu pushen – das halte ich für abwegig. T:I:S, 27. Januar 2010. Zu Jan van Aken siehe auch Jan van Aken. Zum Zustand Der Linken siehe Partei Die Linke. Geringfügig ergänzt am 28. Januar 2010 Anmerkung (1) Vgl. Auch die Frankfurter Rundschau hinterm Mohn URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Freund *Mohnanbau für Taliban von geringer BedeutungDas UN Office on Drugs and Crime (UNODC), was die Mohnderivate aus Afghanistan anlangt, führt die Öffentlichkeit an der Nase herum. Es behauptet, die Taliban finanzierten sich durch Mohn, Opium und Heroin. Doch in seinem eigenen Bericht nennt es Zahlen: 21% der Einkünfte bekämen die Bauern, 4% die Taliban. Was mit den restlichen Dreivierteln passiert, erklärt es nicht. Sie landen bei den afghanischen Kompradoren und ihren Auftraggebern, dem Westen, wie die Geldtransfers belegen. Weiter im Bericht: Die Taliban finanzieren sich überwiegend nicht aus dem Mohnanbau, sondern aus Spenden und Erpressungsgeldern. ZNet, T:I:S, 15. Dezember 2009. Der Bericht, .pdf-Datei, zeigt auf Seite 77, daß im Jahr 2001, unter Talibanherrschaft über fast ganz Afghanistan, der Mohnanbau nahezu eingestellt war. Er stieg sofort wieder an mit dem US-Überfall. URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Bedeutung *US-Militärflugzeuge schaffen das Opium zum VerbraucherDer vormalige Direktor des pakistanischen Geheimdienstes, Generalleutnant Hamid Gul, berichtete dem Foreign Policy Journal des US-amerikanisch-taiwanesischen Journalisten Jeremy R. Mammond: Ziel des US-amerikanischen Krieges unter Barack Obama sei die Destabilisierung Pakistans. Nicht nur betätige sich der Bruder des gerade abermals bestätigten afghanischen Kompradoren Hamid Karsai, Ahmed Wali Karzai, als größter Drogenbaron der Region. Der Drogenhandel sei zudem mit Waffenhandel verknüpft, und ein Teil des Mohns bzw. des Opiums oder seiner Derivate werde mit US-Militärflugzeugen außer Landes gebracht. Siehe 12. August 2009: Ex-ISI Chief Says Purpose of New Afghan Intelligence Agency RAMA Is ‘to destabilize Pakistan’ im Foreign Policy Journal Seit 1. Oktober 2004 hat SteinbergRecherche im Anschluß an Peter Dale Scott kontinuierlich dargelegt, daß die US-Invasion in Afganistan von einem gigantischen Anstieg des afghanischen Mohnanbaus begleitet ist. T:I:S, 14. August 2009 URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#US *OKDer Bundesnachrichtendienst hat die kosovo-albanische organisierte Kriminalität, OK genannt, umfassend dargestellt: Die dortigen Politiker und Ex-Kämpfer handeln mit Opium-Derivaten aus Afghanistan, Tabak und Frauen. Schutz bieten ihnen die US-amerikanischen und die deutsch-europäischen Besatzer. Wikileaks, T:I:S, 22. Dezember 2008. Dank an Volker Bräutigam *RundumschlagChristoph H. Hörstel über Uranwaffen, Folter, Hochzeitsbombardements und Menschenjagden in Afghanistan, den 11. September 2001, die falsche Bush-Version darüber, die Beteiligung der US-Regierung an den Attentaten, die Unterstützung der Taliban durch die pakistanischen, US-amerikanisch unterstützten Geheimdienste, die Gas-Pipeline-Pläne aus Turkmenistan durch Afghanistan nach Pakistan, den Kampf der Mächte um den Hafen Gwadar, deutsches Herrschaftswissen, das die Medien und die Regierung nicht weiter verbreiten, den Drogenhändler und Bruder von Karsai, den für die Imperialisten nicht gewinnbaren Krieg, seine eigenen Vermittlungsbemühungen um Frieden und den Maulkorb vor der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Audio, SWR 1Baden-Württemberg, 29 Minuten, T:I:S, 20. November 2008 *Christoph Hörstelüber verkehrte Geheimdienst-Welten in Pakistan und Taliban-Führer mit Verhandlungsmandat Interview im Freitag, T:I:S, 7. Oktober 2008 *Trifft den Nagel auf den KopfMathias Bröckers: Die Gesetze gegen Opiate bewirken deren hohen Preis. Ohne diese Gesetze würden Halliburton, Drogenbarone und Mafia alt aussehen. T:I:S, 17. August 2008 *Wahrer Kriegsgrund Mohn, vorgeschobener Kriegsgrund MohnThomas Schweich hat für die New York Times einen ideologischen Teppich aus 32 000 Zeichen gewoben, auf dem die US-Krieger und ihre Vasallen den Krieg gegen die Afghanen fortsetzen können. Daß die Karzai-Clique unter den Augen der Invasoren den Mohnanbau in Afghanistan in unerreichte Höhen gepuscht hat; daß die US-Regierung Veredelung und Vermarktung duldet oder gar selbst besorgt ; und daß beide Großverbrecherbanden jeden Schritt gegen das Riesengeschäft behindern, pfeifen ohnehin die Spatzen seit Jahren von den Dächern, siehe hier passim. An Fakten trägt Schweich nur bei, daß nicht arme afghanischen Bauern, sondern Großagrarier Anbau und Geschäft vor Ort in der Hand haben. Nun aber fordert der New-York-Times-Autor polizeilich-militärische Maßnahmen gegen den Mohnanbau, sprich: einen Freipaß für jede Art von Repression im Lande. Der Krieg kann nun jahrzehntelang unter der längst zerfledderten Fahne der Drogenbekämpfung fortgesetzt werden. Zugleich können Mohnanbau, Veredelung und Vermarktung weiterlaufen und den Krieg, die Krieger und die US-amerikanischen Hintermänner weiter finanzieren. T:I:S, 25. Juli 2008 *Thomas Immanuel SteinbergLeute totschlagen – warum eigentlich nicht?Die Friedensbewegung auf dem Holzweg
Die Bundesregierung läßt Leute totschlagen, erst in Jugoslawien, jetzt in Afghanistan. Das deutsche Kapital begehrt Teilhabe an der Beute des Imperiums, und die deutsche Regierung handelt wie gewünscht. Die den Frieden wollen, wehren sich mit Argumenten. Eines lautet, Krieg koste Geld, das anderswo besser angelegt wäre; ein zweites: Der Krieg gegen den afghanischen Widerstand sei nicht zu gewinnen. So Frank Skischus im DKP-Organ Unsere Zeit (UZ) und auf der Internetseite der AG Friedensforschung an der Uni Kassel / Bundesausschuß Friedensratschlag, der Dachorganisation der deutschen Friedensbewegung. Der Bundesausschuß mit dem Sprecher Peter Strutynski stützt die eigene Presseerklärung auf die gleichen Gedankengänge: Afghanistan drohe zu einem deutschen Vietnam zu werden. Unterstelltes Gemeinwohl Sowohl mit dem Geldargument wie mit dem Nicht-Gewinnbarkeitsargument berufen sich Ausschußmitglied Skischus und mit ihm der ganze Bundesausschuß Friedensratschlag auf das Gemeinwohl. Sie unterstellen, in unserer Klassengesellschaft gebe es ein Einverständnis über das Wohl Aller. Doch Rüstungs- und Sicherheitsindustrie, abhängige Politiker und Medien husten ihnen was, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Für sie rentiert sich Krieg, egal ob er zu gewinnen ist oder nicht. Verkalkuliert? Und wenn der Krieg verloren geht? Der Fall Vietnam zeigt: Trotz vieler verbratener US-Steuern, trotz der toten, verkrüppelten oder traumatisierten US-Soldaten – und vor allem – trotz der US-amerikanischen Niederlage sind heute die Vereinigten Staaten der größte Geschäftspartner Vietnams. Kalkulierte und kalkuliert die Friedensbewegung also falsch? Jedenfalls kalkuliert sie in Bezug auf das Wohl des jeweiligen Volkes, nicht des US-amerikanischen oder deutschen Kapitals, das die Macht hat. Sie meint es gut mit uns. Der Fallstrick liegt im Kalkül selbst. Denn Kriege können auch billig geführt werden, mit biologischen Waffen zum Beispiel. Manche Angriffskriege führen sogar schnell zum Sieg, ohne Schaden für die Angreifer, wie der deutsch-US-amerikanische Krieg gegen Jugoslawien belegt. Sind solche Kriege deshalb akzeptabel? Kalkül mit Glück und Leid Der Bundesausschuß Friedensratschlag verweist an anderer Stelle auf das Leid der Afghanen. Wenigstens das, ist man versucht zu seufzen. Dann wären verschwendetes Steuergeld und drohende Niederlage vielleicht nur Hilfsargumente. Sie schaden aber, wie gezeigt, statt zu helfen. Zudem führt der Verweis auf fremdes Leid noch tiefer ins utilitaristische Dickicht. Denn künftiges afghanisches oder gar weltweites Glück könnte vielleicht das derzeitige afghanische Leid in mancher Hinsicht aufwiegen. Hat also die deutsche Beteiligung an den Tötungen und Verwüstungen in Afghanistan auch ihr Gutes? Dagegen halten aufrechte christliche Kriegsgegner: Du sollst nicht töten, basta. Der gläubige Jude Rolf Verleger tut es ihnen gleich. Auch der Muslim-Markt, stramm islamisch, ist radikal gegen Krieg. Die Atheisten im Freidenkerverband schließlich machen deutlich, vielleicht deutlicher als alle, die sich auf Gott berufen: Nicht Kosten-Nutzen-Erwägungen, kein Kalkül bestimme ihren Einsatz gegen den Jugoslawien-Krieg, den Irak-Krieg, den Libanon-Krieg und den Afghanistan-Krieg – sondern allein ihr Entschluß: Wir beteiligen uns nicht am Massenmord, wir stemmen uns gegen Krieg; wir morden nicht. Das ist das feste Postulat aller Kriegsgegner, ob gläubig oder glaubenslos. Das ist ihr Bekenntnis. Das Bekenntnis ist moralisch verwurzelt. Wer hingegen mit Massenmord ein Kalkül anstellt, und sei es mit Blick auf das Friedensziel, dem fehlt der Anstand. Er handelt unanständig, unmoralisch, ja, amoralisch, ganz wie das Kapital es gebietet. Im Kosten-Nutzen-Gestrüpp Ein Einwand liegt nahe. Den Menschen sei doch das Hemd näher als die Hose. Würden sie erkennen, daß die Angriffskriege der kapitalistischen Herren ihnen selbst nur schaden, dann würden sie sich eher erheben. Doch da winken viele Einwände, zum Beispiel das Ressourcenargument. Woher das Öl kriegen für Auto und Haus, landwirtschaftliche Maschinen und Lego-Bausteine? Wieder verläuft sich der friedensbewegte Holzweg im Kosten-Nutzen-Gestrüpp. Die Herren Krieger und Kriegstreiber indes, amoralisch bis ins Mark, wissen, wo sie das Volk halbwegs packen können. Wenn serbischer Hufeisenplan, Racak-Massaker und irakische Massenvernichtungswaffen in Dunst aufgegangen sind, dann ziehen sie aus der Tasche, was sie für Moral ausgeben. Es gehe um Freiheit und Demokratie für die Menschheit. Der jeweilige Angriffskrieg, wie schlimm auch immer, sei das kleinere Übel. Doch allein der Aufruf zum Kalkül mit Massenmord verrät sie. Die Friedensbewegung droht, sich im gleichen Gestrüpp zu verheddern wie die Kriegstreiber. T:I:S, 22. Juli 2008. Siehe auch passim Sozialdemokraten *Der Iran,der US-Mohnkolonie Afghanistan benachbart, hilft Heroin- und anderen Derivat-Abhängigen. New York Times, T:I:S, 27. Juni 2008. Dank an Knut Mellenthin *Unsere Verteidigung am HindukuschNeben einer wachsenden Zahl von Hungertoten beklagt Miraki, der Afghanistan seit 2001 mehrfach bereist hat, vor allem das Schicksal der Kriegswaisen. "Sie werden von kriminellen Organisationen gekidnappt", sagt der Sozialwissenschaftler, "an Pädophile in aller Welt verkauft, auch an US-Militärunternehmen" - zum sexuellen Missbrauch und für den Organhandel. "Die Waisen sind eigentlich die Hauptopfer", urteilt Miraki. ... Wie Miraki berichtet, haben die westlichen Invasionstruppen seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2001 mehr als 1200 Tonnen Munition mit abgereichertem Uran in Afghanistan verschossen und damit weite Teile des Landes verseucht. Miraki hat die Konsequenzen sorgfältig dokumentiert. Er nennt Missbildungen bei Neugeborenen, zahlreiche Fehlgeburten und gehäuftes Auftreten von Krebs und anderen schweren Krankheiten - unter anderem im Gebiet von Tora Bora, einem Ort massiver Bombardements am Jahresende 2001. Wegen der langen Halbwertzeit von Uran - mehrere Milliarden Jahre - kann ein Ende der Verstrahlung Afghanistans nicht abgesehen werden. Die Bevölkerung des Landes, sagt Miraki, ist praktisch "zu einem permanenten Todesurteil verdammt". gfp, T:I:S, 29. September 2007 *Deutsche Krieger und Kriegshelfer in AfghanistanMatin Baraki berichtet über die Zerstörung seiner Heimat.
Die Wilhelmsburger und andere Hamburger Friedensinitiativen hatten zum Vortrag geladen: Der Marburger Politikwissenschaftler Dr. Matin Baraki berichtete am 17. September 2007 im Bürgerhaus Wilhelmsburg über Geschichte und Gegenwart Afghanistans. Baraki behrrscht Dari/Farsi und Paschto, die iranischen Muttersprachen von fünf Sechsteln aller Afghanen. Er besucht Afghanistan regelmäßig und hat dort Verwandte und Bekannte. Ein paar Stichworte aus Vortrag und Diskussion:
Baraki ist kundig; ihm zuzuhören, macht Spaß. T:I:S, 18. September 2007 Homepage von Dr. Matin Baraki; Aufsätze; Buchangebot. Einen Überblick über die jüngere afghanische Geschichte bietet Baraki in: Islamismus und Großmachtpolitik in Afghanistan. Aus Politik und Zeitgeschichte (B 8/2002). .pdf-Datei *Bundeswehr gegen das VolkAls ich mich im Frühjahr 2007 in Afghanistan aufhielt, war dort die Entsendung der Bundeswehr-"Tornados" das beherrschende politische Thema. Die Afghanen empfinden deren Einsatz im Süden und Osten, wo die US-geführten NATO-Einheiten einen gnadenlosen Krieg führen, als faktische Kriegserklärung an die afghanische Bevölkerung. Matin Baraki, Freitag T:I:S, 27. August 2007 *Thomas Immanuel SteinbergGrundrechtekomitee: Von Afghanistan keine Ahnung?Das Komitee für Grundrechte und Demokratie, ein verdienter bürgerlicher Verein, hat ein Flugblatt* zu Afghanistan verfaßt und bittet um Verbreitung. Dort heißt es:
In Wahrheit hat die afghanische Regierung die Sowjetunion
um Hilfe gebeten, und zwar zunächst monatelang vergeblich. Denn Mudschaheddin,
von den USA auf Umwegen ausgebildet, bewaffnet und finanziert, hatten einen
Krieg gegen die afghanische Regierung begonnen. Erst als die US-Stellvertreter
bereits erhebliche Erfolge erzielt hatten, griff die Sowjetunion das
Hilfeersuchen auf und ließ zehn Jahre lang kämpfen. Geschlagen räumte sie
1989 das Feld, nicht nur in Afghanistan, sondern 1991 überhaupt. Bis 2001
hatten sich Taliban gegen nahezu alle heimischen Rivalen durchgesetzt,
scheiterten aber mit ihren Vorstellungen an denen der USA. Die Gegner der afghanischen Regierung wurden von den USA
eingesetzt, bevor die Sowjetunion zu helfen versuchte. Das ist unstrittig. Der
Sicherheitsberater von Präsident James Carter, Zbigniew Brzeziński hat sich 1998 in einem Interview der
französischen Wochenzeitung Nouvel Observateur
genau damit gebrüstet, daß er die Mudschaheddin aufgebaut hatte, damit die
Sowjetunion der afghanischen Regierung zu Hilfe eile. Er habe die Sowjetunion in
die Falle gelockt. Hat das Grundrechtekomitee von der jüngeren Geschichte
Afghanistans keine Ahnung? Das Flugblatt jedenfalls ist sofort einzustampfen. T:I:S,
12. August 2007 *Kein Ausweg aus der Sackgasse Afghanistan? Verantwortlich: Andreas Buro, ohne Datum *Taliban hatten den Mohnanbau auf Null gefahrenThe Taliban had reduced the opium crop to precisely nil. I would not advocate their methods for doing this, which involved lopping bits, often vital bits, off people. The Taliban were a bunch of mad and deeply unpleasant religious fanatics. But one of the things they were vehemently against was opium. That is an inconvenient truth that our spin has managed to obscure. Nobody has denied the sincerity of the Taliban's crazy religious zeal, and they were as unlikely to sell you heroin as a bottle of Johnnie Walker. They stamped out the opium trade, and impoverished and drove out the drug warlords whose warring and rapacity had ruined what was left of the country after the Soviet war. That is about the only good thing you can say about the Taliban; there are plenty of very bad things to say about them. But their suppression of the opium trade and the drug barons is undeniable fact.Craig Murray: Britain is protecting the biggest heroin crop of all time. Daily Mail, 21. Juli 2007 T:I:S, 9. August 2007 *Blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Afghanistan.Vor der Invasion des Landes wurde in Aghanistan nur Mohn angebaut und Opium exportiert, jetzt verarbeiten große Fabriken den Rohstoff zu Heroin. Die Kolonnen schwarzer Jeeps, die den begehrten Stoff dann über Usbekistan Richtung Westen transportieren, werden an der Grenze nicht kontrolliert - an dem hochmodernen, mit EU-Geldern finanzierten Kontrollequipment zur Eindämmung des Drogenhandels werden sie vorbeigewunken. Mathias Bröckers; oder direkt zu Craig Murray: Britain is protecting the biggest heroin crop of all time. Daily Mail, 21. Juli 2007 T:I:S, 9. August 2007 *Thomas Immanuel SteinbergGeschichte AfghanistansKampf gegen einen Teil des VolkesJens Tevres hat ein Sonderheft zur jüngeren Geschichte Afghanistans vorgelegt. Im Mittelpunkt steht der afghanischen Revolutionär Nur Mohammed Taraki. Taraki führte 1978 die sogenannte Saur-Revolution an. Sie bewirkte den Sturz Mohammed Dauds, eines Vetters des nominellen afghanischen Königs bis 1973, Zahir Shah. Taraki konnte sich beim Versuch, Afghanistan von seinen Feudalstrukturen zu befreien, in der Demokratischen Volkspartei Afghanistans nicht dauerhaft durchsetzen. Auch verweigerte ihm die Sowjetunion wirksame Unterstützung. Er starb 1979; Anhänger seines Nebenbuhlers Afizullah Amin haben ihn vermutlich umgebracht. Seit 1978 hatten die Vereinigten Staaten, über saudische und pakistanische Kanäle, Islamisten inner- und außerhalb Afghanistans rekrutieren und ausrüsten lassen. Die Islamisten nahmen als Mudschaheddin den Kampf gegen die antifeudalistische Kabuler Regierung auf und drohten, an die Macht zu gelangen. Der einstige Nebenbuhler Tarakis, Afizullah Amin, begann, mit den Mudschaheddin, mit Pakistan und den USA zu konspirieren. Im Dezember 1979 marschierten Sowjettruppen in Afghanistan
ein, erschossen Afizullah Amin und ersetzten ihn durch Babrak Karmal, einen
Reformisten. 1989 zogen die Sowjettruppen geschlagen ab. Den anschließenden Bürgerkrieg
entschieden die pakistanisch und indirekt US-amerikanisch unterstützten Taliban
für sich. Sie beherrschten bis zum Überfall der USA auf Afghanistan 2001 den
größten Teil des Landes. Jens Tevres hat in seinen Text aussagekräftige Fotos,
Faksimiles und wichtige historische Dokumente auf Deutsch eingefügt, zum
Beispiel das antifeudalistische Dekret Nr. 7 vom 17. Oktober 1978 zu Verlobung,
Heirat, Migift und Zwangsehe; und Auszüge aus der Aufzeichnung des Gesprächs
zwischen Nur Mohammed Taraki einerseits, Ministerpräsiden Alexej Kossygin und
weiteren Sowjetführern andererseits, vom 20. März 1979. Die Auszüge belegen,
daß die Sowjetunion auch zu diesem späten Zeitpunkt noch nicht gewillt war,
zugunsten der antifeudalen afghanischen Regierung in den Krieg einzutreten. So
hielt Kossygin der Bitte Tarakis um militärische Hilfe entgegen:
Kossygin meinte damit die Feudalherren, deren große Anhängerschaft
und die vom Feudalismus geprägte, großenteils analphabetische bäuerliche Bevölkerung
Afghanistans. Tevres wirft der sowjetischen Führung wegen ihres Zögerns
Feigheit vor. Der Marburger Wissenschaftler und Publizist Matin Baraki dagegen
hat vielfach dargelegt, daß der –
neun Monate später dennoch angeordnete – Einmarsch der Sowjettruppen
zwar völkerrechtskonform und womöglich ehrenwert war, aber das Ende der
Sowjetunion besiegelt hat; ein letzter großer Fehler also. Tevres setzt sich
mit Barakis Position nicht auseinander und scheint keine seiner zahlreichen Veröffentlichungen
herangezogen zu haben. Stattdessen schweift Tevres mehrfach auf andere
Weltregionen und Zeiträume ab, um seine generelle Sicht auf die sowjetischen
Politik zu unterstreichen. Bemerkungen wie die, der Konspirateur Afizullah Amin
sei von den Sowjettruppen „verdientermaßen erschossen“ worden, irritieren.
Eine unklare Gliederung und Schachtelsätze dämpfen die Lesefreude. Dennoch kann das Heft helfen, westlich-imperialistischer
Propaganda über die jüngere afghanische Geschichte entgegenzutreten. T:I:S, 2. August 2007 Jens Tevres: Kurze Geschichte Afghanistans, oder: Wer war Nur Mohammed Taraki? EUR 4,50 / sFr 8,10. ISSN 0930-0503. ISBN-13: 978-3-89484-243-7. Ketzerbriefe 140, Ahriman-Verlag, Juli/August 2007. *Unter den Augen der westlichen Besatzer Im vorletzten Jahr der Taliban-Herrschaft, 1999, kamen 4500 Tonnen Opium aus Afghanistan auf den Weltmarkt, was 77 Prozent des Markts entsprach. 2001 waren es nur 150 Tonnen, weil die Taliban kurzzeitig gegen den Anbau vorgegangen waren, bevor die Nato nach den Terroranschlägen vom 11. September in dem Land einmarschierte. Ausgerechnet unter den Augen der westlichen Besatzer hat der Mohnanbau stark zugenommen: 2005 wurden 4100 Tonnen Rohopium aus afghanischem Mohn gewonnen, 2006 dann 6100 Tonnen, neunzig Prozent der Welternte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Print-Ausgabe, 23.03.2007, Nr. 70 / Seite 5: Der geheimnisvolle amerikanische Mohn. Deutsche Wissenschaftler gehen der Frage nach: Wird in Afghanistan die Opiumproduktion durch hochgezüchtete Pflanzen angeheizt? / Von Christian Schwägerl T:I:S, 23. März 2007 *Afghanistan geostrategisch Texte bei SteinbergRecherche zur geostrategischen Bedeutung Afghanistans unter Krieg um Öl, Pipelines und T..., Transportkorridore, Erdgas, Brzeziński, Al Qaida und Geburtswehen. Powerpoint-Präsentation: Afghanistan im Fadenkreuz T:I:S, 17. Februar 2007 *كشف يك نوع مواد مخدر شيميايي جديد Fada Hossain Maleki, Leiter der Rauschgiftsbekämpfungsbehörde Irans erklärte auf einem Kongreß: Vor dem Sturz der Taliban wurden in Afghanistan jährlich 200 Tonnen Rauschgift produziert. Unter dem westlichen Besatzungsregime ist die Produktion auf jetzt 6100 Tonnen angestiegen. Dem Kampf gegen Rauschgiftbanden seien bis heute 3500 iranische Soldaten zum Opfer gefallen. Meldung auf Farsi,T:I:S, 14. Februar 2007 *MohnblüteDie Afghanen vergessen nicht. Sie sehen auch, dass die Briten den Taliban ein "sicheres Gebiet" für den Mohnanbau zugestanden haben, um einer erneuten schmählichen Niederlage zu entgehen. Willy Wimmer, MdB-CDU, T:I:S, 3. Februar 2007 *Studieren geht
über marschieren
Von: "Knut Mellenthin" Lieber Thomas,
Zu Mellenthin bei SteinbergRecherche, zu Knut Mellenthin und zur Holocaust-Chronologie von Knut Mellenthin, T:I:S, 30. November 2006 *Matin Baraki
Unter der NATO blüht das Drogengeschäft
– die Afghanen neigen zu den Taliban.
Afghanistan ist längst zu einem »Drogenmafia-Staat«
geworden, stellte Ashraf Ghani, der erste Kabuler Finanzminister im Kabinett von
Abdul Hamid Karsai, fest. Vom einfachen Bauern bis zur Familie des Präsidenten
Karsai sind alle am Rauschgifthandel beteiligt. Schon vor einem Jahr hat die
britische Botschaft in Kabul über die Drogengeschäfte der Familie Karsai
berichtet. Als die Informationen von der Presse aufgegriffen wurden, kam es zu
einem Disput zwischen Karsai und dem britischen Botschafter, in dessen Folge der
Diplomat abberufen wurde. Dann war für einige Zeit Ruhe. Man wollte seine
eigenen Marionetten nicht weiter diskreditieren. Nun berichten die westlichen
Medien, unter anderen der US-Sender ABC, über die lukrativen Narkotikumgeschäfte
des Karsai-Bruders Ahmad Wali, der Vorsitzender des südlichen Provinzrates in
Kandahar ist und nebenbei Chef einer Bande, die Rauschmittel über Iran und die
Türkei nach Westeuropa schmuggelt. Dafür kassiert Ahmad Wali Karsai jährlich
über 20 Millionen US-Dollar an Schutzgeldern. Auch der einstige Warlord der Nordallianz und derzeitige
Stellvertreter des Innenministers in Kabul, General Mohammad Daud, ist von Amts
wegen verantwortlich für die Drogenbekämpfung und gleichzeitig selbst ein
Drogenbaron. Also verwundert es nicht, daß der »Kampf gegen den
Rauschmittelanbau« unter Federführung der Briten auf ganzer Linie gescheitert
ist. Die Anbaufläche stieg um 59 Prozent, und 2006 gab es die größte jemals
in Afghanistan eingebrachte Opiumernte, sie lag um 2000 Tonnen höher als im
Vorjahr und erreichte sagenhafte 6100 Tonnen! Schon den Exportwert der
Opiumernte 2005 bezifferte das UN-Büro für Drogen und Kriminalität mit 2,7
Milliarden Dollar. Auszug aus: Matin Baraki:
Zerfallendes Protektorat. Die Zerstörung Afghanistans durch den Imperialismus. Junge
Welt, 11. November 2006. Zu den älteren Texten von Matin Baraki hier. T:I:S, 14. November 2006 *ErgänzungenWir Taliban haben den Mohnanbau gestoppt. Doch die Welt will das nicht. BBC-Interview Zwei Beiträge über Mohn in Afghanistan von Knut Mellenthin aus den Jahren 2003 und 2004 als .doc-Datei T:I:S, 30. Oktober und 27. September 2006 *Ein Iraner berichtet Wahrheiten über Afghanistan.Ali Hashemi, Leiter der iranischen Behörde für Drogenbekämpfung, erklärte der Financial Times, daß die Schätzungen über die Opiumernte in Afghanistan sich dieses Jahr [2002] auf 3 500 bis 4 000 Tonnen beliefen, fast soviel wie bei der Rekordernte von 4 600 Tonnen 1999... Ein Verbot des Anbaus von Mohn durch die Taliban im letzten Jahr ihrer Herrschaft ergab eine der kleinsten Ernten der letzten Jahre – weniger als 200 Tonnen im Jahr 2001. (siehe Grafik) T:I:S, 26. September 2006 *Mohn- und Waffengeschäfte der afghanischen
US-Marionetten
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer sprach 2003 in
einem Brief an den damaligen Verteidigungsminister Struck von „äußerst
umfangreichen Drogentransporten von Nordafghanistan, Tadschikistan, dem
Fergana-Tal (Usbekistan) nach St. Petersburg und Hamburg ... Sollten diese
Informationen zutreffen, stünden sie in einem schwerwiegenden Gegensatz zu den
wieder und wieder von Ihnen vorgestellten Überlegungen. Ihnen dürfte
ebensowenig wie den bislang schon in Kabul stationierten deutschen militärischen
Kräften entgangen sein, daß von Norden aus ein gewaltiger kontinuierlicher
Zufluß von Waffen und Gerät über den Hafen Shirkhan-Bandar am Fluß
Amur-Darja erfolgt. Dieser Hafen liegt unweit von Kundus und eine Kontrolle oder
Verhinderung des Waffenzuflusses vor allem ins Pandschir-Tal würde vor allem
die Interessen des Verteidigungsministers Fahim aus dem Kabinett Karzai stören.“ Willy-Wimmer-Brief, ausführliche Erläuterung und Links
zu medienanalyse-international.de mit Quellen bei stattnetz.de
– Dank an Christian Wetter. T:I:S, 21. September 2006 *2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft über den größten Teil des Landes, sank die afghanische Mohnproduktion auf nahezu null, siehe UN-Tabellen über Opium-Produktion und Mohnanbau in Afghanistan und Anteil am Welt-Mohnanbau. Vier Artikel in jungle world 38/2006 über Mohn in Afghanistan unterschlagen diese Tatsache und erwecken den Eindruck, als würden die US- Besatzer den Mohnanbau verhindern wollen, kämen aber gegen Landesstruktur, Warlords und Taliban nicht an. Die Bundeswehr würde sich drücken. jungle world ist eine kleine Berliner Wochenzeitschrift zur Verbreitung US-amerikanischer und deutscher Kriegspropaganda. Der Handel mit Opium dient seit über 100 Jahren der Verdeckung der Waffengeschäfte von Herrschaftseliten. T:I:S, 20. September 2006 *Die Deutsche Welle hat auf die offene Mail nicht geantwortet. T:I:S, 20. September 2006 *Offene Mail an die Deutsche Welle
Betrifft:
Mohn in Afghanistan 2005 und 2001 Sehr
geehrte Damen und Herren, Ihr
Autor Ratbil Shamel berichtet in Fokus Nahost Deutsche Welle vom 26.06.2006
vom "schwierigen Kampf gegen den Drogenanbau in Afghanistan". Der UNO
zufolge, schreibt er, hätten 2005 aus Mohn gewonnene Drogen im Werte von 20
Milliarden Dollar Afghanistan verlassen. Der gleichen UNO zufolge lag der
Mohnanbau 2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft und unmittelbar vor dem
Einfall der US-Streitkräfte, fast bei null. Das schreibt er nicht. Ihre
Berichterstattung ist lächerlich. Mit
freundlichen Grüßen, Thomas
Immanuel Steinberg, siehe http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm T:I:S,
27. Juni 2006 *Wie der britische Independent berichtete, wird in Afghanistan erneut eine Rekordernte an Opium erwartet. Freace - Opium, T:I:S, 13. Mai 2006 *Walden BelloAfghanistan, ein Drogenstaat dank US-InvasionAfghanistan ist ein Drogenstaat geworden. Die Taliban waren in der Lage den Mohnanbau erheblich zu verringern. Seit sie 2001 vertrieben wurden, ist die Mohnproduktion hochgeschossen, erbrachte 2004 eine Rekordernte und für Afghanistan die zweifelhafte Ehre, fast 80 Prozent des Weltbedarfs an Heroin zu decken. Nun sind circa 170.000 Afghanen Opium- und Heroinkonsumenten, 30.000 davon Frauen. Regierungsbeamte sind in 70 Prozent des Rauschmittelverkehrs verwickelt und ungefähr ein Viertel der kürzlich gewählten 249 Parlamentsmitglieder haben Kontakte zum Drogenhandel. Eine Schätzung aus einer Studie, die für die unabhängige Forschungsund Auswertungsstelle Afghanistans (Afghanistan Research and Evaluation Unit) durchgeführt wurde, besagt, dass mindestens 17 neu gewählte Abgeordnete selbst Drogenschieber sind, 24 weitere in Verbindung zu kriminellen Banden stehen, 40 Befehlshaber bewaffneter Gruppen sind und sich 19 ernsten Anschuldigungen wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen stellen müssen. Für diese Leute, die das politische Leben Afghanistans beherrschen, ist, laut Kofi Annan “die Unsicherheit ein Geschäft" und "Erpressung eine Lebensweise." Kann man wirklich ernsthaft für sich in Anspruch nehmen, dass dieses Leben im Vergleich zur Talibanherrschaft eine Verbesserung ist? Quelle des Textauszugs: Walden Bello, Humanitäre Interventionen: die Entwicklung einer gefährlichen Doktrin. Sand im Getriebe Nr. 49, S. 15 .pdf-Datei mit Literaturangaben) T:I:S, 15. März 2006 *Thomas Immanuel SteinbergDer afghanische Mohn verwirrt medico international. Thomas Gebauer von der Hilfsorganisation medico
international (1) hat sich in der
Zeitschrift iz3w zum Mohnanbau in Afghanistan geäußert. (2)
Der Mohnanbau ging unter der Herrschaft der Taliban auf nahezu null zurück.
Kaum hatten die USA Afghanistan erobert, schoß er in vor-sowjetische Höhen und
versorgt inzwischen nahezu den gesamten Weltmarkt mit seinen Derivaten. (3) Zunächst stellt Gebauer eine Überlegung an: „Die USA zum Beispiel versuchen eine Zentralregierung zu
stabilisieren, halten sich aber zugleich auch die Option einer Einflussnahme über
die Warlords offen. In gewisser Weise ist der Kontakt mit den Kriegsherren auch
notwendig, schließlich wurde der Krieg gegen die Taliban mit Hilfe der Warlords
gewonnen und müssen diese nun mit Geld, Privilegien oder Posten ruhig gestellt
werden.“ Versucht die US-Regierung tatsächlich, die
Zentralregierung zu stabilisieren und die Warlords ruhig zu stellen? Im
nächsten Satz relativiert der Autor den Gedanken: Weiß die US-Regierung nicht, was sie will? Auch ist
der Satz zwar aufklärerisch gemeint, tauscht aber nur den positiv besetzten
Begriff Terrorbekämpfung gegen den negativ klingenden Begriff Machterhalt aus.
Jede Herrschaftselite bekämpft den gegnerischen Terror um ihrer Macht willen. Fördert
sie Terror oder terrorisiert gar selbst, dann ebenfalls um der Macht willen.
Wenn sie terrorisiert, fördert sie häufig auch den Gegenterror.
Herrschaftlicher Terror braucht in der Regel Gegenterror, sonst entgleitet die
Herrschaft, in Afghanistan, in Kolumbien, Indochina, in Algerien vor und nach
der Unabhängigkeit, und in Italien, z.B. durch das Attentat in Bologna und den
Mord an Aldo Moro. Dann kommt Gebauer auf den Mohn, das einzig relevante
Wirtschaftsgut in Afghanistan: „Um die afghanischen Warlords einzubinden, wurde ihnen
die Wiederbelebung des Drogengeschäfts gestattet, obwohl es doch der
Drogenhandel ist, der die ganze Region destabilisiert und die Konflikte schürt.“ Der Drogenhandel schürt die Konflikte. Er ist also ein
Herrschaftsmittel wie Terror und induzierter Gegenterror. Als Bindemittel für
Warlords ist Mohn sicher auch geeignet. Doch der Vertrieb von Opium und seinen
Derivaten bereichert wesentlich die Fertigungs- und Handelsstufen, die auf die
Warlords folgen. Mit Sicherheit ist die US-Herrschaftselite beteiligt, womöglich
auch die Verteidiger Deutschlands am Hindukusch. Peter Dale Scott (4) hat aufgezeichnet, wie vergangene US-Regierungen Drogenprofite zur verdeckten Finanzierung von Kriegen genutzt haben, und natürlich zur Bereicherung der heimischen Konzerne: über das Opium in Indochina und das Heroin in Afghanistan - vor dem sowjetisch geförderten Machtwechsel. Die Programme der USA gegen das kolumbianische Kokain verschärften in jeder späteren Phase das Problem, das sie zu lösen vorgaben. Knut Mellenthin hat den Umfang des Geschäfts mit Drogen beziffert: Der internationale Handel mit illegalen Drogen repräsentiere einen Jahreswert von schätzungsweise 400 Milliarden Dollar, die in die legalen Finanzströme transferiert werden. In dieser Größenordnung könnten nur noch der Waffenhandel und das Ölgeschäft mithalten. Eine Erschütterung des internationalen Drogenmarktes durch das Ausscheren des größten Produzenten – nach dem Anbau-Verbot der Taliban – hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft gehabt. „Absicht oder Kollateralschaden – dank des Afghanistan-Krieges herrscht wieder business as usual.“ Knut Mellenthin hat außerdem berechnet, daß die Mohnbauern Afghanistans mit einem Bruchteil der Gelder entschädigt werden könnten, die die USA heute für ihren angeblich Kampf gegen Heroin aufwenden, siehe die Beiträge von Knut Mellenthin aus den Jahren 2003 und 2004 als .doc-Datei. Wer genau den Löwenanteil am Profit mit afghanischem Mohn
einstreicht, vermögen heute nur todesmutige Journalisten herauszufinden, oder
sorgfältige Historiker in ein paar Jahrzehnten. Es sind jedenfalls nicht die Warlords in den afghanischen
Bergen. Für die Haupt-Profiteure sind die Handelspannen der lokalen Fürsten
Peanuts. Gebauer hat sich vom Mohn verwirren lassen. Nicht um einen
Warlord einzubinden, wird ihm der Mohnanbau gestattet, sondern er wird
eingebunden, weil die Hintermänner unermeßlich von seinen Diensten profitieren
– finanziell, und, über die Verwendung der Profite, geopolitisch. T:I:S, 29 Juni 2005, ergänzt am 27. September 2006
(1) Zum Dilemma, in dem politische Hilfsorganisationen stecken, siehe Thomas Immanuel Steinberg: Vom Kosovo nach Kabul. Wie Menschen durch Menschenrechtsinterventionen entmündigt werden. Rezension des Buches von David Chandler, erschienen in der Monatszeitschrift konkret 8/2002, S.20 (2) "Es geistern die irrwitzigsten Ideen herum". Interview der entwicklungspolitischen Zeitschrift iz3w mit Thomas Gebauer (medico international) über zivil-militärische Kooperation in der Entwicklungszusammenarbeit. medico international wiederholte die Passage in seinem Rundschreiben Nr. 2 , 2005, S. 10 und 11 (3) siehe Frankfurter Rundschau und Blätterwald auf dieser Seite (4) Thomas Immanuel Steinberg: Ziel und Mittel. Peter Dale Scott analysiert die US-Außenpolitik aus materialistischer Perspektive. Die Rezension ist in der jungen Welt vom 21. August 2004 erschienen. *Thomas Immanuel SteinbergAuch die Frankfurter Rundschau hinterm MohnWenn die Regierung behauptet, sie bekämpfe die Nikotinsucht, so glaubt ihr keiner. Denn die Regierung kassiert eine horrende Tabaksteuer. Sie subventioniert sogar den Anbau von Tabak in Gegenden, wo er mehr schlecht als recht gedeiht. Aus dem gleichen Grund sind Sprüche der Gesundheitsministerin gegen Alkohol unglaubwürdig. Nikotin- und Alkoholsteuer gehören außerdem zu den Konsumsteuern, die - anders als die progressive Einkommensteuer - die Armen stärker belasten als die Reichen. Und schließlich picheln und schmöken Arme mehr als Reiche. Woraus folgt: Die Regierung, zumal eine Regierung der Reichen, hat nichts gegen die Drogen Alkohol und Nikotin. Mit Opium und seinen Derivaten, vor allem Heroin, geht die Regierung anders um. Sie verbietet sie. Doch überall ist Heroin zu haben. Wie das? Opium kommt aus Afghanistan. Das Land, seit 2002 von den Taliban befreit und in westlicher, auch deutscher Hand, sei auf dem besten Weg zu einem Narko-Staat, schreibt Daniel Riegger in der Frankfurter Rundschau: „Anbau und Handel von Opium drohen, den Wiederaufbau und die Demokratisierung des Landes zunichte zu machen. Gerade erst hat die UN-Drogenkontrollbehörde die beunruhigenden Zahlen auf den Tisch gelegt: Die Opiumproduktion ist in diesem Jahr wieder fast so hoch wie zu besten Taliban-Zeiten. 87 Prozent des Welt-Opiums kommen aus Afghanistan.“ Bisher hätten alle Strategien der Bekämpfung versagt. Weder die US-Streitkräfte, noch Bundeswehr und deutsch geschulte Polizei könnten die Opiumproduktion in Afghanistan stoppen. Riegger zitiert die UN-Drogenkontrollbehörde so, als stünden die westlichen Befreier dem Taliban-Erbe hilflos gegenüber. Dabei könnte er im Fischer Weltalmanach 2004, Zahlen, Daten, Fakten, in Spalte 78 nachlesen: „Nach dem Totalverbot des Opiumanbaus durch die Taliban hatte die Produktion 2001 bei nur 185 t gelegen, nachdem Afghanistan 1999 mit 5070 t noch 70% der Weltproduktion abgedeckt hatte.“ Oder er könnte an der Quelle nachschauen, die er zitiert, beim United Nations Office on Drugs and Crime. In deren Afghanistan Opium Survey vom November 2004 (pdf-Datei, 128 S.) findet sich folgende Grafik: Danach war die Opiumproduktion in Afghanistan in der Sowjetzeit niedrig, stieg in der „Warlord“-Periode an und lag so, wie der Almanach schreibt, am höchsten 1999 - etwas unter 5000 Tonnen. Im Jahre 2000 sank die Produktion stark und lag 2001, im letzten Jahr der Taliban-Herrschaft, bei ca. 200 Tonnen. Unter der „Übergangsregierung“ der USA mit Beteiligung Deutschlands stieg sie wieder, und zwar fast auf alte Höhen. Woher kommen die Angaben über die Produktionsmengen? Sie sind überwiegend rückgeschlossen aus den Mohn-Anbauflächen. Die Anbauflächen werden per Satellit erfaßt. Sie hatten folgende Ausdehnung: Das waren also 8 000 Hektar im Jahre 2001 (offenbar in nicht von den Taliban beherrschten Anbaugebieten) und 131 000 im Jahr 2004. Gemessen an der Anbaufläche fiel die Ernte 2004 niedrig aus, weil es in Afghanistan ein recht trockenes Jahr war. Die Taliban haben demnach verboten, und zwar erfolgreich
verboten (1), woran sich die USA und Deutschland jetzt die Zähne ausbeißen?
Das bringt einen auf Ideen; zum Beispiel die, daß zumindest im
US-amerikanischen Staat, wenn nicht auch im deutschen, das Interesse an der
Einschränkung der Opiumproduktion fehlt. Oder auf die Idee: Die USA haben nach
dem 11. September 2001 ausgerechnet Afghanistan überfallen und besetzt; war
einer der Gründe das Mohnanbau-Verbot der Taliban? Die politische Literatur über Opium (und Kokain) legt solche Überlegungen nahe. Peter Dale Scotts historische Studien über Drogen, Öl und Krieg in den Drogenanbaugebieten der Welt zeigen, daß die US-Regierung an vorderster Stelle profitiert hat. Warum zieht der Rundschau-Autor keine Parallele? Die herrschende Klasse in den westlichen Staaten profitiert von Nikotin- und Alkoholsucht der Massen. Warum sollte sie nicht auch am Heroinkonsum verdienen? Daniel Riegger! Frankfurter Rundschau! Ihr habt Mohnkapseln auf den Augen. T:I:S, 7. Oktober 2004 (1) Graham Farrell, Professor für Kriminologie an der Loughborough University bei Leicester, bezeichnete die Methoden der Taliban zur Durchsetzung des Anbauverbots als drakonisch. Gefängnis und öffentliche Demütigung seien andernorts weder wünschenswert noch möglich. *Thomas Immanuel SteinbergBlätterwald im DrogenrauschAfghanistan: Siegermächte wissen, was sie tun
Die afghanischen Bauern bauen immer mehr Mohn an. Der Hunger treibe sie dazu, steht in den Zeitungen. Die deutschen Soldaten würden nicht eingreifen, es seien zu wenige. Die US-Forces hätten zwar die Taliban verjagt, doch der Mohn blühe prächtig, und mit ihm der Heroinexport nach Deutschland. Soviele US-Soldaten, und immer mehr Mohn. Dabei sind doch die Taliban jetzt weg! Was müssen die Amis blöd sein, soll die Leserin denken. Die Bundeswehr muß hinaus, an den Hindukusch! Die deutschen Waldblätter flattern im deutschen Wind, der Deutschlandfunk summt mit. Mohammed Afsali - Ismael Khans damaliger Verbindungsmann zur Regierung in Kabul - hat zwei Funkreportern erklärt:
Hafizollah Amin, der Polizeichef der afghanischen Stadt Herat, erzählte den Funkreportern:
Die Reporter ziehen selber die angebliche Drogenbekämpfung heftig in Zweifel. Doch sie hinterlassen beim Hörer den Eindruck, unter den Taliban sei der Mohn ungehindert gediehen. Jetzt dagegen würden die örtlichen Behörden Drogenbekämpfung zumindest vortäuschen. Die Journalisten haben folgende englisch-sprachige Tabelle übersehen: Tabelle: United Nations Office of Drugs and Crime. Quelle Im Jahre 2001 sank der Tabelle zufolge der Mohnanbau in Afghanistan drastisch. Im gleichen Jahre 2001 herrschten noch die Taliban. Sie hatten den Mohnanbau verboten. Na ja. Aber: Die Tabelle stammt von der UNO. Mohnanbau wird weltweit von Satelliten aus erfaßt. Die Taliban haben das Verbot tatsächlich fast durchgesetzt. Graham Farrell, Professor an der britischen Loughborough University fand heraus: Die Taliban beendeten mit drakonischen Methoden den Mohnanbau in ihrem Herschaftsgebiet. Weltweit fiel daraufhin das Heroinangebot um 65 %. Die BBC berichtete über Farrells Forschungsergebnisse am 19. Januar 2004, vor fast neun Monaten. Die Deutschlandfunker haben den englischen BBC-Bericht übersehen. Nach dem 11. September 2001 brachte sich die US-Regierung in Afghanistan mit drastischeren Methoden an die Macht, als die Taliban den Mohnanbau zu Fall. Schon 2002 erstreckte sich der Mohn-Anbau fast wieder über die alte Fläche. Zur Zeit brechen die Mohn-Hektare alle Rekorde. Knut Mellenthin hat recherchiert. Der internationale Handel mit illegalen Drogen repräsentiere einen Jahreswert von schätzungsweise 400 Milliarden Dollar, die in die legalen Finanzströme transferiert werden. In dieser Größenordnung könnten nur noch der Waffenhandel und das Ölgeschäft mithalten. Am 30. Mai 2004, vor vier Monaten, hat Mellenthin anhand der unumstößlichen Fakten in der jungen Welt geschlossen: Eine Erschütterung des internationalen Drogenmarktes durch das Ausscheren des größten Produzenten – nach dem Anbau-Verbot der Taliban – hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft gehabt. „Absicht oder Kollateralschaden – dank des Afghanistan-Krieges herrscht wieder business as usual.“ Mellenthins Artikel haben die Deutschlandfunk-Reporter übersehen. Wenigstens den hätten sie lesen können. Er war auf Deutsch. Doch ewig singen die Wälder. Zur Bedeutung der Drogen in Verbindung mit Waffen und Öl siehe die Rezension des vorzüglichen Buchs von Peter Dale Scott ; es ist gerade auf Deutsch erschienen. T:I:S, 1. Oktober 2004 *Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Inhalt Home nach oben
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