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Norman G. Finkelstein

Apartheid in Palästina

Brief an den Boston Globe vom 18. Dezember 2006 

Sie schreiben, daß Jimmy Carters Gebrauch des Wortes „Apartheid” im Titel seines neuen Buches „unverantwortlich provokativ“ sei (Jimmy Carter vs. Jimmy Carter, Leitartikel vom 16. Dezember 2006). Das ergäbe eine ziemlich verwirrende Liste „unverantwortlich provokativer“ Kommentatoren des Israel-Palästina-Konflikts. Zum Beispiel schloß eine Studie der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem: 

Israel hat in den besetzten Gebieten ein auf Diskriminierung beruhendes Regime der Trennung geschaffen, es wendet zwei gertrennte Rechtssysteme im selben Gebiet an, und die Rechte des Einzelnen leiten sich aus seiner Nationalität her. Dieses Regime ... erinnert an ... das Apartheid-Regime in Süd-Afrika. 

Die Reihe unverantwortlicher Provokateure würde auch die Herausgeber der führenden israelischen Zeitung Ha’aretz einschließen, die im September bemerkten, daß „das Apartheid-Regime in den Gebieten weiter intakt ist; Millionen Palästinenser leben ohne Rechte, Bewegungsfreiheit oder einen Lebensunterhalt unter dem Joch der fortwährenden israelischen Besatzung.“ 

Die Liste umfaßt offenbar sogar den ehemaligen israelischen Premierminister Ariel Scharon. Was dessen „Fixierung auf Bantustans“ anlangt, schloß der israelische Forscher Gershom Gorenberg 2003, es sei „kein Zufall“, daß Scharons Plan für die Westbank  „frappierende Ähnlichkeit mit der ‚großen Apartheid’ des ehemaligen südafrikanischen Regimes“ habe. Scharon soll zu dieser Zeit gesagt haben: „Das Bantustan-Modell ist die bestgeeignete Lösung für den Konflikt.“

CounterPunch , T:I:S, 27. Dezember 2006

Finkelstein (Die Holocaust-Industrie) ist Professor für Politische Wissenschaft an der DePaul University in Chicago.

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Virginia Tilley

Wenn keiner mehr beschuldigt werden kann:

Was machst du dann, Israel?

Jetzt, wo drei kleine Jungs von Mördern getötet worden sind und ein Hamasrichter aus seinem Wagen gezogen und ermordet wurde – wirst du dich vielleicht freuen? Die Palästinenser unterwerfen sich endlich deinen Plänen, denkst du. Die lang geplante Flasche ist endlich versiegelt worden, in der nun die „trunkenen Kakerlaken“ herumrennen und einander umbringen können.

Vielleicht lehnst du dich in deinem nationalen Stuhl zurück, reibst dir triumphierend die Hände und beobachtest, wie die Palästinenser sich gegenseitig umbringen und endlich das werden, was du schon immer behauptet hast. Vielleicht fühlst du dich davon angewidert, aber in deiner Überlegenheit sehr sicher.

Aber hast du jemals daran gedacht, was du tun wirst, wenn die palästinensische Führung, die du so verachtest, sich schließlich auflöst?

Du hast sie an diesen Punkt gebracht. Du hast seit zig Jahren dahin gewirkt, um genau das zu erreichen. Du hast ihre Führung bestochen, terrorisiert, vertrieben, verstümmelt oder getötet, ihre Visionäre und Philosophen verbannt oder getötet, die Hamas gegen die Fatah oder die Fatah gegen die Hamas unterstützt und finanziert, ihre Demokratie in den Müll geworfen, ihr Geld gestohlen, sie eingemauert, sie auf Diät gesetzt, ihre Forderungen verhöhnt und die Welt und euch selbst über ihre Geschichte angelogen.

Aber was wirst du tun, Israel, wenn 5 Millionen Palästinenser schließlich führerlos unter deiner Herrschaft leben? Was willst du tun, wenn sie ihre Fähigkeit, mit euch zu verhandeln, verlieren? Hast du schon darüber nachgedacht, dass innerhalb der von dir kontrollierten Gebiete so viele Menschen sind wie bei dir? Und dass du jetzt ihre vereinigte Stimme zerstörst. Hast du darüber nachgedacht, was geschehen wird, wenn sie tatsächlich diese Stimme verlieren?

Glaubst du wirklich, wenn du nur die Fatah mit Geld und Waffen versorgst, dass Fatah die Macht von der Hamas erhalten wird und die feige palästinensische Marionettenregierung deiner Träume wieder aufrichten wird? Vielleicht glaubst du tatsächlich, dass Fatah das Oslo-Wrack aus den Trümmern der palästinensischen Behördenbüros wieder beleben kann und den Fahrersitz der palästinensischen Nation beanspruchen kann.

Vielleicht machst du dir selbst etwas vor: mit nur noch ein paar Fraktionskämpfen und  noch ein bisschen mehr Morden und noch ein bisschen mehr an Hungersnot. Dann wird sich das ganze palästinensische Volk gegen die Hamas wenden und ihr die Macht nehmen – zu Gunsten eines grinsenden Herrn Abbas.

Aber warum glaubst du dies alles, wenn der einzige andere Testfall, der Irak, in Ruinen liegt und die USA und Großbritannien verzweifelt zu fliehen versuchen?

Lebst du wirklich immer noch so tief in deinen eigenen Fantasien, dass du glaubst, der palästinensische Widerstand ist nur ein Produkt übler und halsstarriger Führung? Dass kein kollektives Gedächtnis der Vertreibung und Enteignung den Geist des kollektiven Widerstands aufrechterhält, der immer und unvermeidlich die Führung übersteigt? Glaubst du denn wirklich, wenn du nur die Hamas oder die Fatah zermalmst oder mit ihr zusammenarbeitest, dann werden 5 Millionen Menschen einfach für immer aus deiner Umwelt verschwinden, über die jordanische oder ägyptische Grenze in die endlose Wüste mit ihren Klamotten, Kindern und  den trüben Erinnerungen bepackt – wie in einer großen Wiederholung von 1948?

Glaubst du wirklich, dass die internationale Gemeinschaft dich einfach gehen lässt aus den Verhandlungen mit dem Volk, das du enteignet und in Verruf gebracht hast? Glaubst du, dass du irgendwie schließlich frei und unbeschwert weglaufen kannst und dass deine Verbrechen gegen sie vergessen sind?

Wir wissen, dass du noch immer der alten, fatalen, aussichtslosen Fantasie anhängst: den zionistischen Traum schließlich zu erfüllen, indem du den palästinensischen Nationalismus zermalmst; die palästinensische nationale Einheit auf dem Felsen der Besatzung zerbrichst; die Palästinenser zu Indianern in Reservaten reduzierst, die dann in Verzweiflung, Alkoholismus und Auswanderung enden; um sie für dich irrelevant zu machen. 

Aber hier gibt es eine neue Nachricht für dich, Israel. Die einheimischen, ursprünglichen Amerikaner haben bis zum heutigen Tag nicht aufgegeben. Beschädigt und reduziert, wie sie waren, kennen sie doch ihre Geschichte und erinnern sich an ihr Leid. Sie sind marginal, weil sie nur ein Prozent der US-Bevölkerung sind. Die Palästinenser aber sind fünf Millionen stark - an Zahl so stark wie du, Israel. Und sie leben innerhalb deiner Grenzen. Wenn sich ihre Führung selbst zu Grunde richtet und sich gegenseitig wie Widder zu Tode bekämpfen, dann werden sich fünf Millionen Augenpaare dir zuwenden, weil du dann die einzige Macht bist, die geblieben ist. Du bist dann hilflos, weil deine papierene Zuflucht – eure Fatah oder PA-Quislinge, die wie beschädigte und angeknaxte Gefäße, in Verruf geraten sind. Du wirst es dann sein und die, denen du die Bürgerrechte genommen hast – du und die Palästinenser in einem Staat – ohne Oslo oder Road-Map-Mythos, der dich schützt. Dann werden sie dich wirklich hassen.

Vielleicht wird es dir dann dämmern, was du getan hast, wenn die Auflösung der palästinensischen nationalen Einheit sich wie ein Tsunami über den ganzen Nahen Osten ausbreitet und sich mit dem Tsunami vereinigt, der sich vom Irak her ausgebreitet hat, wenn beide die Region verwüsten und bei dir aufprallen.

Als Beobachter hast du dir selbst – ja, selbstmörderisch – diese Katastrophe geschaffen. Wir können jetzt selbst nur beobachten, wie du Versprechen brichst und zu viele Leiden zu vielen Menschen zufügst. 

An wen können wir uns wenden, um den einseitigen Selbstmordpakt mit den Palästinensern abzuwenden? Wir könnten uns an die Hamas wenden, damit sie die ganze Basis mobilisiert, die allein die Fähigkeit besitzt, um zivilen Ungehorsam der Massen in Gang zu bringen, der nötig wäre, um die eiserne Faust der Israelis zu lähmen. Nur hat die Hamas keinerlei Erfahrung mit dieser Methode, und seine Staatsmänner werden nun von den Waffen der Fatah bedroht.

Wir könnten uns an den Führer der Fatah, Herrn Abbas wenden, der sich einen Platz zu Füßen der israelischen Macht sucht, um etwas Rückhalt zu bekommen …

Wir könnten uns an die Fatahbande wenden, dass sie die Herren Abbas und Erekat und die fetten Zementverträge zurückweist, die man ihnen gab, um die Mauer zu bauen, mit der sie nun eingesperrt werden.

Wir könnten uns an die winzige PFLP und DFLP wenden, die an ihren alten Programmen festhalten, die zu alt sind, um die Jahrzehnte alte Bitterkeit und Rivalitäten mit der Fatah zu verarbeiten, um schließlich den Kopf gegen die alten und neuen Missstände zu heben.  

Wir könnten uns an die USA wenden, aber keiner macht sich die Mühe damit.

Wir könnten uns an die EU wenden, aber auch hier macht sich keiner die Mühe.

Wir könnten uns an die Welt wenden – aber die steht nur entsetzt daneben.

Wir könnten uns an die Medien der Welt wenden – aber die halten nur teilnahmslos ihren Hintern in die Luft.  

Wir können uns nur an dich, Israel, wenden. Denke darüber nach, was du tust und kümmre dich darum; denn du bist dabei, deine eigene Zerstörung zu schaffen.

Du bist in diesem großen nationalen Projekt so effektiv gewesen, weil du Erfahrung hattest. Selbst das mutigste, mit hohen Grundsätzen versehene und sensibelste Volk kann – wie du selbst erfahren hast – nicht auf Dauer ein Konzentrationslager überstehen. An einem gewissen Punkt wird die Menschlichkeit zusammenbrechen, wie Holocausthistoriker mit Pathos beschrieben haben. Individuelles Heldentum kann als Erinnerung überleben, aber Ordnung, Humanität und schließlich auch menschliche Gefühle verschwinden in Streit und menschlicher Unmenschlichkeit. Du hast dies alles nur zu gut und bitter erfahren, wie in diesem Kessel das ganze Sozialgefüge schmilzt und ein Volk am Boden zerstört. Diese Lektion ist buchstäblich in dein nationales Gedächtnis eingebrannt. Und nun bringst du jene Lektionen wieder zum Tragen, indem du versucht, die zionistische Tragödie zu sühnen, indem du den Gazastreifen ins Verderben führst.

Aber wenn du, Israel, tatsächlich das Chaos, das du den Palästinensern bereitet hast, ernten willst, dann wirst du herausfinden, dass niemand anders für diese fünf Millionen Zivilisten verantwortlich ist, außer dir.

Was willst du, Israel, also mit 5 Millionen Menschen unter deiner Herrschaft tun, wenn du der Welt nicht weiter den Vorwand liefern kannst, dass du mit ihnen zu verhandeln beabsichtigst? Was willst du mit Menschen tun, die du verachtest – und die dich schließlich auch verachten, wenn Visionen der Koexistenz schließlich fehlgeschlagen sind. Du wirst die einzige souveräne Herrschaft über sie haben. Du wirst sie weder verschlingen noch ausspucken können. Und sie werden dich anstarren.

Und auch wir werden dich anstarren. 

Denn es gibt dann niemanden mehr, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann, und der für sie sorgen kann – außer dir allein.

Übersetzung aus dem Englischen von Ellen Rohlfs. Original bei CounterPunch vom 15. Dezember 2006: When There's No One Left to Blame. What Are You Going to Do Now, Israel? 

Virginia Tilley ist Professorin für politische Wissenschaften, US-Bürgerin, und lebt in Johannesburg, Südafrika. Ihr Buch Ihr Buch The One-State Solution: A Breakthrough for Peace in the Israeli-Palestinian Deadlock ist 2005 erschienen bei University of Michigan Press and Manchester University Press. Mail: tilley(at)hws.edu

T:I:S, 25. Dezember 2006

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Von der Besatzung zur Apartheid

Israels Konvergenzplan und die aktuelle politische Lage in Israel

Jeff Halper leitet das Israeli Committee Against House Demolition. Auf seiner Vortragsreise durch Deutschland machte er am 27. November 2006 im Hamburger Curio-Haus Station und erläuterte seine These, daß der Judenstaat auf palästinensichem Territorium von einem Besatzungsregime zur Apartheid übergehe.

Die bis zu acht Meter hohen Sperranlagen mit Mauern, Gräben, Patrouillen-Straßen, starkstromgeladenen Zäunen, Sensoren und Kameras laufen überwiegend durch das Kerngebiet der Westbank. Sie trennen palästinensiche Städte und Dörfer von anderen palästinensichen Städten und Dörfern sowie von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diese Anlagen können schon wegen ihrer geographischen Lage keinem Sicherheitszweck dienen. Sie vernichten nutzbare palästinensiche Fläche und bewirken, daß die Palästinenser in Zellen batustan-ähnlich eingesperrt sind, die sie nur mit Passierscheinen verlassen können. Die meisten jüdischen Israelis würden die Sperranlagen gar nicht kennen. (1)


Die Settlement Blocks, von den USA als jüdisch-israelisch anerkannt, sind rosa ausgewiesen. Quelle

Immer mehr palästinensiches Gebiet werde für Palästinenser gesperrt. Die israelische Regierung bezeichnet diese ausgedehnten Gebiete als Settlement Blocks . Sie hat sich vom Präsidenten der USA, George W. Bush, vom gesamten US-Repräsentantenhaus mit sieben Gegenstimmen und vom gesamten US-Senat mit fünf Gegenstimme bestätigen lassen, daß diese Teile der Westbank  bereits jetzt zum Judenstaat gehören und nicht zu einem grundsätzlich denkbaren künftigen Palästina. (2) 

Die sogenannte israelische Zivilverwaltung auf der Westbank rekrutiert sich aus nationalistischen und rassistischen Siedlern. Sie sind mit Maschinenpistolen bewaffnet und von Soldaten begleitet, wenn sie in die palästinenschen Dörfer und Städte eindringen, um Häuserabrisse anzuordnen. Die Häuserabrisse auf palästinensischen Grundstücken werden damit begründet, die Fläche sei nur zur landwirtschaftlichen Nutzung ausgewiesen. Bisher sind über 18 000 palästinensiche Häuser abgerissen worden. Jeff Halper zeigte ein Haus, das zum fünften Mal, nach vier Abrisssen, errichtet worden ist; er stellte die Bewohner vor; den verantwortlichen Siedler mit Maschinenpistole; und die rumänischen,  westafrikanischen und palästinensischen Bauarbeiter bei der Abrißarbeit. 


Jeff Halper am 27. November 2006 im Hamburger Curio-Haus                                               Foto: tofoto

Jeff Halper, ein außerordentlich freundlicher, offener Mann, hat im Englischen einen wunderbaren US-amerikanischen Akzent. Sein Powerpoint-Material macht verständlich, warum die Palästinenser immer weiter kämpfen. Die israelischen Juden lassen ihnen nur die Wahl zwischen Verteidigung und Flucht. Warum, fragten ihn viele Zuschauerinnen, quälen seine Glaubensgeschwister die autochtone Bevölkerung?

Halper führt die USA als Kraft hinter den Zionisten an; den im jüdischen Israel herrschenden tribalen Nationalismus und Rassismus, der seines Erachtens in Deutschland überwunden sei; die große Zahl der zionistischen Evangelikalen in den USA und den sehr großen Einfluß der jüdischen Israel-Lobby dort. Indes werde ein Faktor bei all dem viel zu wenig beachtet: die israelische Rüstungswirtschaft.(3)

Manche der Hamburger Zuhörer ließen durch ihre Fragen erkennen, daß sie einem tribalen Nationalismus und Rassismus durchaus nahe stehen. Einer stellte sich ganz dumm und fragte, warum im Gelobten Land Juden leben, die doch zu 99,9% dort gar nicht geboren seien, während 99,9% aller Palästinenser aus Palästina stammten, aber zu erheblichen Teilen dort nicht leben dürften. 

Anmerkungen

(1) Nicht-jüdische Israelis, die sogenannten Araber, können, was wenig bekannt ist, das Westjordanland überhaupt nicht betreten. Sie dürfen somit auch die Verbindungsstraßen zwischen den jüdischen Siedlungen auf der Westbank nicht benutzen. Diese Straßen sind ausschließlich Juden vorbehalten.

(2) Somit haben Israel ebenso wie die USA eine Zwei-Staaten-Lösung für den palästinensisch-jüdischen Konflikt längst abgeschrieben, siehe das Interview mit Shraga Elam; und die glasklaren Ausführungen von Jeff Halper in "The End of a Viable Palestinian State", CounterPunch, 31. März 2005; Deutsch von Ellen Rohlfs bei arendt-art.de

 (3) Rüstung macht nach offiziellen israelischen Angaben 8% des Bruttosozialpsodukts aus - der höchste Anteil auf der Welt. Die Sperranlagen - ob Mauern wie um ein Ghetto, oder Zäune, wie um ein Lager - sind zwar nicht als Verteidigung, wohl aber als Raubgutsicherung und damit als Rüstung anzusehen; ebenso Teile der in der Regel vielseitig nutzbaren elektronischen Produkte, die in Israel entwickelt werden. Der Rüstungsanteil dürfte somit höher liegen als angegeben und tatsächlich die politischen Entscheidungen stark beeinflussen. Auch stammen nahezu sämliche Führungskräfte in der israelischen Wirtschaft aus den hohen Rängen des alles-beherrschenden Militärs.

"Die USA haben, wie auch die EU, ein Interesse daran, dass Israel weiterhin hoch technisierte Waffenkomponenten entwickelt und sie in den besetzten Gebieten erprobt. In den USA selbst ist der militärisch-industrielle Komplex die stärkste pro-israelische Lobby, weit vor jüdischen Organisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee"  – mit etwa 100 000 Mitgliedern eine einflussreiche Lobby-Organisationen in den USA. (Aus einem ND-Interview mit Jeff Halper)

Rüstung ist der sichere Weg zur Verrohung und Verrottung einer Gesellschaft.

T:I:S, 28. November 2006

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Haggai Matar aus Tel Aviv:


Haggai Matar am 15. November 2006 in Hamburg                                                               Foto: tofoto

Ob bewaffnet oder gewaltfrei – die israelischen Besatzer unterdrücken jeden Widerstand.

Von September 2002 bis September 2004 saß der jüdische Israeli Haggai Matar im Gefängnis. Er hatte aus politischen Gründen den Kriegsdienst verweigert. Am Mittwoch, dem 15. November 2006 sprach Matar vor ca. 60 Zuhörerinnen in der Hamburger Sternstraße 2 über sein Land und über seine Gründe zur Dienstverweigerung nicht nur in den besetzten Gebieten, sondern in der israelischen Armee generell.

Der israelische Alltag, vom Kindergarten bis zum Berufsleben, sei militarisiert. Am Nationalfeiertag werde im Kindergarten nicht nur die Staatsfahne gehißt, sondern auch die Fahnen der einzelnen Armeeeinheiten. Die Schule vermittle die Auffassung, für Israelis bestünde nur die Wahl zwischen Armee und Holocaust. Die – in Israel sehr früh – pensionierten Generäle stünden häufig an leitender Position in Wirtschaft und Gesellschaft.

Neuerdings würden Frauen aus politischen ebenso wie feministischen Gründen den Kriegsdienst verweigern: Die  äußere Brutalität der Männer verbinde sich mit Brutalität nach innen, besonders gegen Soldatinnen.

Seit Beginn der 90er Jahre würden jüdische Israelis kaum noch Palästinenser aus den besetzten Gebieten kennenlernen und ein Bild von guten Nicht-Juden mit israelischer Staatsangehörigkeit einerseits, schlechten Palästinensern in Gaza und Westjordanland andererseits pflegen. Die ca. eine Million jüngst zugewanderten ehemaligen Sowjetbürger seien kaum je einem Palästinenser außerhalb des militärischen Zusammenhangs begegnet.

Haggai Matar selbst habe durch Vermittlung eines Lehrers frühzeitig in einem Friedenscamp Palästinenser kennen- und schätzen gelernt.

Die neokonservative israelische Wirtschafts- und Sozialpolitik habe die Armen weiter verarmt und die Reichen weiter bereichert. Der Libanon-Krieg habe das israelische Volk von seinen sozialen und wirtschaftlichen Lasten abgelenkt.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob denn nicht auch Palästinenser, ebenso wie junge Israelis, Gewaltverzicht üben und dadurch den Weg zum Frieden ebenen sollten, antwortete Haggai Matar: Zahlreiche Palästinenser verzichteten auf Gewalt. Gegen sie ginge die israelische Besatzungsmacht nicht weniger brutal vor als gegen bewaffneten Widerstand.

Als Ergänzung zu Haggai Matars Beitrag zeigten die Vor-Ort-Veranstalter von der Gruppe Blauer Montag, der Zeitschrift Analyse & Kritik und des Gewerkschaftlichen Arbeitskreises Frieden Hamburg einen Video-Film mit Statements mehrerer israelischer Kriegsdienstverweigerinnen und -verweigerer. 

In Deutschland haben Connection e.V. und Pax Christi die Vortragsreihe zum Nahen Osten, u.a. mit Haggai Matar, organisiert. Hier die Termine bis 25. November 2006. Siehe auch den Bericht in der Frankfurter Rundschau vom 23. November 2006.

T:I:S, 16. November 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Haggai 

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Europäische Juden für einen gerechten Frieden: 

Die EU muß Israel dazu bewegen, internationales Recht einzuhalten 

Die europäischen Juden für einen gerechten Frieden erklären zum 9. November 2006, dem Jahrestag der Pogrome gegen Juden in Nazi-Deutschland 1938: 

Die Staaten Europas müssen ihre Freundschaftsbeziehungen und Handelsverbindungen mit Israel solange aussetzen, wie Israel die grundlegenden Menschenrechte mißachtet und Kriegsverbrechen begeht. 

Die Erklärung ist unterzeichnet vom Exekutivkomitee des Friedensbündnisses, dem unter andem Fanny-Michaela Reisin aus Berlin und Liliane Cordova Kaczerginski aus Paris angehören. Das Komitee repräsentiert jüdische Organisationen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Schweden und der Schweiz. Das Exekutivkomitee verweist auf den Schaden, den die Staats- und Regierungspolitik Israels den Jüdinnen und Juden auf der Welt zufügt: 

Als europäische Bürgerinnen und Bürger sind wir nicht gewillt, zu den Verbrechen zu schweigen, die an einem gefangenen, besetzten Volk begangen werden, das zum Opfer der Geschichte Europas geworden ist.  

Als Jüdinnen und Juden werden wir nicht denselben Fehler begehen, den wir häufig jenen vorgehalten haben, die sich angesichts von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Schweigen hüllten. Am Vorabend des 9. November, dem Jahrestag des ungeheuren Novemberpogroms von 1938, erklären wir laut und deutlich: 

Der Staat Israel fügt mit seinen Taten dem Namen und Ruf von Juden überall auf der Welt schweren Schaden zu.

Zum Schutz der palästinensischen Bevölkerung seien internationale zivile Friedenskräfte nach Gaza und in die Westbank zu entsenden. 

Europäische Juden (-pdf-Datei), T:I:S, 9. November 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

Der Biermann-Zaun 


Auszug aus der Kartenlegende:

Wolf Biermann hat in der Zeit, einem führenden Organ deutscher Meinungmacher, beklagt: 

In Deutschland lieben es die Meinungsmacher, den Zaun, mit dem sich Israel schützt, in Erinnerung an das geteilte Deutschland gehässig eine Mauer zu nennen. Ich lebte lange genug hinter der Berliner Mauer und weiß, wie zynisch diese Gleichsetzung ist.

Der Vergleich ist wirklich zynisch. Sollte doch die Mauer auf DDR-Boden Abwanderung verhindern und damit die Existenz der DDR sichern helfen. Das israelische Trennwerk auf palästinensischen Boden dagegen soll die Palästinenser von der Westbank vergraulen, also Palästina abtreiben. 

Der Kartenausschnitt ist einer großen jüngeren .pdf-Datei entnommen. Vergrößern Sie diese Karte auf 100% und beachten Sie die vollständige Legende. Alle rot oder violett, durchgezogen oder gestrichelt gezeichneten Linien stellen Zaun-Abschnitte dar, gezogen oder abgesteckt, gebilligt oder geplant. Sie erkennen ein Monstrum: den Biermann-Zaun.

Mehr über den Biermann-Zaun unter West Bank Wall

T:I:S, 26. Oktober 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

Besonders erfahren in Raubgutsicherung

Zwei Milliarden Dollar an Boeing (USA) und Elbit Systems (Israel) für die Aussperrung hungriger Mäuler 

Ein Konsortium unter Führung des Rüstungsgiganten Boeing hat den Auftrag erhalten, die US-Grenzen zu Mexiko und Kanada gegen unerwünschte Einwanderer zu sichern. Am Konsortium ist – über ihre 100-prozentige Tochter Kollsman in Merrimack , New Hampshire – die israelische Firma Elbit Systems beteiligt. Sie hat mehr als 6000 Angestellte, vier Fünftel in Israel, ein Fünftel in den USA. Der Auftrag hat ein Volumen von 2,1 Milliarden US-Dollar. Über eine Strecke von etwa 10 000 Grenzkilometern sollen 1 800 elektronik-bewehrte Wachtürme errichtet werden, einer alle fünf bis sechs Kilometer. Vorgesehen sind Kameras, Temperatur- und Bewegungsmelder. 

Die Elbit-Tochter Kollsman bietet  unter anderm ein Long-Range Reconnaissance and Observation System (LORROS) zur Grenzüberwachung an: Dessen Kameras können die geographischen Koordinaten von anvisierten Objekten ermitteln.  

Elbit Systems wuchs rasant mit der Herstellung von Elektronik für Militärflugzeuge und Hubschrauber, für den Strangulierungsring und die Anlagen rund um die jüdisch-israelischen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet. Das Boeing-Konsortium unter Beteiligung der in Raubgutsicherung erfahrenen israelischen Firma gewann die Ausschreibung gegen vier potente Konkurrenten: Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon und Ericsson. 

Je erfolgreicher die israelischen Rüstungsfirmen, desto abhängiger werden Wirtschaft und Volk Israels davon, daß Kriege und gewaltsame Konflikte um Ressourcen und Lebensmittel weitergehen.

T:I:S, 21. September 2006 

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Gideon Levy

„Aber wir haben ihnen doch den Gazastreifen zurückgegeben.“

Gaza’s darkness.  Ha’aretz, 3. September 2006. Ins Deutsche übersetzt von Krino Hoogestraat

Gaza ist wieder besetzt. Die Welt muss das zur Kenntnis nehmen, und auch die Israelis müssen es zur Kenntnis nehmen. Die Zustände dort sind schlimmer als je zuvor. Seit der Entführung von Gilad Shalit, und erst recht seit dem Ausbruch des Libanon-Krieges, wütet die israelische Armee in Gaza - anders kann man das nicht nennen - und es wird willkürlich getötet und zerstört, bombardiert und geschossen.

Niemand denkt daran, eine Untersuchungskommission einzusetzen; es steht nicht einmal auf der Tagesordnung. Keiner fragt, warum das alles geschieht, oder wer das entschieden hat. Aber im Schatten des Libanonkrieges ist die israelische Armee zu ihren alten Praktiken in Gaza zurückgekehrt, gerade so, als ob es den Rückzug nie gegeben hätte. Man muss es deutlich sagen: Der Rückzug aus Gaza ist Vergangenheit. Abgesehen von den Siedlungen, die als Schutthaufen fortbestehen, ist vom Rückzug und seinen Verheißungen nichts geblieben. Das ganze großartige und blödsinnige Gerede vom "Ende der Besatzung" und der "Aufteilung des Landes" wirkt nur noch erbärmlich. Gaza ist besetzt, und zwar brutaler als zuvor. Dass es für die Besatzer zweckmäßiger ist, das Gebiet von außen unter Kontrolle zu halten, ändert nichts an den unerträglichen Lebensbedingungen der Menschen unter der Besatzung.

Kalkutta liegt am Mittelmeer

Gegenwärtig gibt es in großen Teilen des Gazastreifens keinen elektrischen Strom. Das einzige Kraftwerk in Gaza wurde von den Israelis bombardiert, und für mindestens ein weiteres Jahr wird mehr als die Hälfte der Energieversorgung ausfallen. Es gibt kaum Wasser. Da es auch keinen Strom gibt, ist es fast unmöglich, die Wohnungen mit Wasser zu versorgen. In Gaza herrscht mehr Dreck und Gestank als je zuvor: Aufgrund des Embargos, das Israel und die Welt gegen die gewählte Hamas-Regierung verhängt haben, werden keine Gehälter mehr gezahlt, und die Straßenreinigung streikt seit mehreren Wochen. Müllberge und ekelerregender Gestank halten den Küstenstreifen im Würgegriff; es ist wie in Kalkutta.

Ein riesiges Gefängnis

Gaza ist mehr denn je zu einem Gefängnis geworden. Der Grenzübergang Erez ist nicht besetzt, der Übergang Karni war während der letzten zwei Monate nur wenige Tage offen, und das Gleiche gilt für Rafah. Etwa fünfzehntausend Menschen warteten zwei Monate lang auf die Ausreise nach Ägypten, einige warten immer noch, unter ihnen viele Kranke und Verwundete. Weitere fünftausend warteten auf der anderen Seite darauf, nach Hause zurückkehren zu können. Einige sind währenddessen gestorben. Man muss sich die Szenen in Rafah anschauen, um zu verstehen, welche unendliche menschliche Tragödie sich dort abspielt. Der Übergang, an dem eigentlich gar keine israelischen Kontrolleure stationiert sein sollten, wird weiterhin zur Unterdrückung der eineinhalb Millionen Einwohner Gazas genutzt. Dies ist eine verabscheuungswürdige und schockierende Kollektivbestrafung. Auch die Vereinigten Staaten und Europa, deren Polizeikräfte am Grenzübergang Rafah Dienst tun, tragen eine Mitverantwortung für die Lage.

Es gibt in Gaza auch mehr Armut und Hunger als je zuvor. Der Warenverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen, Fischerei ist verboten, Zehntausende Beschäftigte der Palästinenserbehörde bekommen keinen Lohn, und eine Möglichkeit, in Israel zu arbeiten, besteht nicht.

224 Palästinenser getötet

Und über Tod, Zerstörung, Angst und Schrecken haben wir noch gar nicht geredet. In den vergangenen zwei Monaten haben die Israelis 224 Palästinenser getötet, davon 62 Kinder und 25 Frauen. Sie bombten und mordeten, schossen und demolierten Häuser, und niemand hat sie aufgehalten. Keine Qassam-Werkstatt, kein Schmuggler-Tunnel kann derart monströse Tötungsorgien rechtfertigen. Kein Tag vergeht ohne Tote, meistens sind es unschuldige Zivilisten.

Wo sind die Tage geblieben, da in Israel über die gezielten Tötungen noch debattiert wurde? In Vorbereitung solcher Tötungen werden heutzutage unzählige Bomben und Geschosse auf Häuser gerichtet und ganze Familien umgebracht. Es brechen Krankenhäuser zusammen mit mehr als 900 Patienten, die gerade behandelt werden. Im Shifa-Hospital, der einzigen solchen Einrichtung in Gaza, die diesen Namen verdient, sah ich letzte Woche herzzerreißende Szenen. Kinder, die Arme oder Beine verloren hatten, an Beatmungsgeräten, gelähmt, zu Krüppeln gemacht für den Rest ihres Lebens.

Familien wurden getötet, während sie schliefen, oder während sie auf Eseln unterwegs waren, oder bei der Feldarbeit. Verängstigte Kinder, traumatisiert durch das, was sie mit ansehen mussten, kauern in den Häusern, in ihren Augen ein Entsetzen, das sich nicht in Worte fassen lässt. Ein spanischer Journalist, der vor kurzem Gaza besuchte und sich  mit Kriegs- und Katastrophengebieten weltweit auskennt, meinte, was er in den letzten zwei Monaten in Gaza an Horror gesehen und dokumentiert habe, übertreffe alles bisherige.

Es ist schwer zu sagen, wer all dies so beschlossen hat. Ob die Minister sich über die Realität in Gaza im klaren sind, ist zu bezweifeln. Aber sie sind für alles verantwortlich, vom verhängnisvollen Embargobeschluss über die Bombardierung der Brücken und Elektrizitätswerke bis hin zu den Massenmorden. Israel ist jetzt, wieder einmal, für alles verantwortlich, was sich in Gaza abspielt.

Der große Betrug der rechten Besatzungspartei

Die Ereignisse in Gaza verdeutlichen den großen Betrug, den die Kadima-Partei begangen hat: Sie kam an die Macht im Anschluss an den vermeintlichen Erfolg des Gaza-Rückzugs, der jetzt gerade in Flammen aufgeht, und sie versprach Kompromissbereitschaft - ein Versprechen, das der Premierminister bereits widerrufen hat. Wer noch glaubt, die Kadima sei eine Partei der Mitte, sollte jetzt zur Kenntnis nehmen,  dass es sich um nichts anderes als eine rechte Besatzungspartei handelt. Das Gleiche gilt für die Labor-Partei. Verteidigungsminister Amir Peretz ist für die Vorgänge in Gaza genauso verantwortlich wie der Premierminister, und Peretz’ Hände sind gleichermaßen blutbesudelt wie Olmerts. Er wird sich nie wieder als ‘Mann des Friedens’ präsentieren können. Die allwöchentlichen Bodeninvasionen, jedes Mal an einem anderen Ort, die Tötungs- und Zerstörungsaktionen zu Wasser, zu Lande und aus der Luft, all diese Operationen belegt man mit harmlosen Namen, die die Realität übertünchen sollen, wie etwa ‘Sommerregen’ oder ‘Geschlossener Kindergarten’. 

Israel in gewohnter Selbstgerechtigkeit

Mit angeblichen Sicherheitsgründen lässt sich der wahnsinnige Teufelskreis nicht rechtfertigen, und kein Gemeinwohl-Argument kann unser aller  unanständiges Schweigen entschuldigen. Gilad Shalit wird nicht freikommen; der Qassam-Beschuss wird nicht aufhören. Im Gegenteil. In Gaza findet ein Alptraum statt. Der kann vielleicht fürs erste die eine oder andere Terrorattacke verhindern, aber langfristig wird er sehr viel mehr mörderischen Terror erzeugen. Israel, in gewohnter Selbstgerechtigkeit, wird dann sagen: „Aber wir haben ihnen doch den Gazastreifen zurückgegeben.“

T:I:S (Titel und Zwischentitel), 7. September 2006

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Heiße Krieger ...


3. August 2006: Kriegspropaganda auf dem Hamburger Ida-Ehre-Platz         foto: tofoto

... in kühlem Blau 

"Der Verfassungsschutz urteilt in seinen Berichten, die Antideutschen hielten alle Deutschen für latent faschismusanfällig und wollten Deutschland 'abschaffen'. Deshalb seien sie auch strikt gegen deutsche Truppen in aller Welt. Und dass Israel nun deutsche Truppen wünscht? "Es steht uns nicht an, Israel zu kritisieren", sagt Sayinski dann. Den Widerspruch bemerkt er kaum.

Und nun? Linksradikale für George Bush? Solidarität mit der CDU? Eine Umwertung aller Werte? 'Das deutsche Links-rechts-Schema lässt sich nicht einfach auf Israel übertragen', weicht Sayinski aus. Deshalb bereitet es ihm auch nur wenig Bauchschmerzen, dass derzeit die seltsamsten Koalitionen eigentlich unvereinbarer Gruppen stattfinden: Autonome, CDUler, jüdische Gemeindevorsteher vereint hinter dem Davidstern."

Berliner Zeitung, 22.08.2006

Yitzhak Laor schreibt:

Die israelischen Verteidigungskräfte - IDF-  sind "die mächtigste Institution in der israelischen Gesellschaft, eine Institution, die zu kritisieren nicht erwünscht ist. Kaum jemand beschäftigt sich damit, welch großen Einfluss die Armee auf die israelische Wirtschaft hat. Noch während der Dienstzeit knüpfen unsere Offiziere freundschaftliche Bande mit den US-Firmen, die Waffen an Israel verkaufen; dann gehen sie in Pension, schwimmen in Geld und übernehmen führende Posten in der Wirtschaft.

Die IDF ist der beste Kunde für alles und jedes in Israel. Außerdem wird die Hightech-Industrie von einer Mixtur aus Militärs und Ex-Militärs geleitet, die mit dem westlichen militärischen Komplex eng zusammenarbeitet." ZNet Deutschland

Arbeiterfotografie bietet eine gute Auswahl von  Links zum Libanon-Krieg und Auszüge aus Rolf Verlegers  Widerspruch gegen die Kriegsunterstützung der Zentralratsmehrheit. Die Lübecker Gemeinde-Juden haben Rolf Verleger auf seinen offenen Brief hin abgewählt.

Günter Ackermann hat unter abschreckender Farbzusammenstellung Wissenswertes über das Öl der Welt und die Antideutschen im Kiez zusammengetragen und es rabiat kommentiert.

Joachim Guilliard hat wertvolles Material über die Hisbollah zusammengestellt.

... in Schwarz-Rot-Gold 

siehe das neue ABC des deutschen Krieges / Über Verdrehungen und Verballhornungen unserer Sprache von Ulrich Sander VVNBdA NRW

... in Blau-Weiß-Rot

Eric Hazan hat  hat  die Lingua Quintae Respublicae ausgemacht, in Anlehnung an die Lingua Tertii Imperii von Victor Klemperer, die Sprache des Dritten Reiches. Hazans Essay ist für 6 Euro zu haben. 

T:I:S, 31. August 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#H

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Doch ein Körnchen Wahrheit?

Joachim Guilliard macht darauf aufmerksam, daß die Scharmützel zwischen Libanon und Israel vor dem israelischen Angriff auf den Libanon am 12. Juli 2006 hier anders aufgelistet sind als unten.

In der abweichenden Liste wird unter dem Datum vom 6. April 2002 ein Schaden an israelischen Zivilisten angegeben: "5 civilians wounded in divided border village of Ghajar; responsibility:  suspected Palestinian shooters."

Der Berichterstatter Stephen R. Shalom kommentiert seine Aufstellung:

"This table makes a number of points clear. First, not a single Israeli civilian was killed by a rocket from Lebanon from May 2000 to July 12, 2006. And second, until May 28, 2006, there was not a single confirmed rocket fired at civilians by Hezbollah."

Von jahrelangem Beschuß mit Tausenden von Katjuschas, wie Korn formuliert hat, kann keine Rede sein.

T:I:S, 31. August 2006

Herzlichen Dank an Joachim Guillard, der auf seine detaillierte Darstellung der Hisbollah und der Kriegsvorgeschichte verweist.

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Doch 

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Thomas Immanuel Steinberg 

Kein Körnchen Wahrheit

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hält Heidemarie Wieczorek-Zeul für voreingenommen. Laut FR online hätte er "es besser gefunden, wenn sie eine Untersuchung auch gegen den Libanon gefordert hätte, die sich damit befasst, dass israelische Zivilisten schon seit Jahren mit Tausenden von Katjuschas beschossen werden". 

Seit Oktober 2000 wurden keine israelischen Zivilisten vom Libanon aus beschossen. Nach dem 12. Juli 2006 freilich, also nach dem israelischen Angriff auf den Libanon, schoß die Hisbollah Katjuschas, die Zivilisten treffen konnten und auch trafen. Hätte Wieczorek-Zeul fordern sollen zu untersuchen, was nie stattfand?  

Sie hätte also lügen sollen  –  wie Korn.

T:I:S, 30. August 2006 

siehe Doch ein Körnchen Wahrheit?

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Thoma

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Thomas Immanuel Steinberg

Hat die Hisbollah vor dem 12. Juli 2006 nordisraelische Städte beschossen? 

Nein. 

Sie hat israelische Soldaten und militärische Einrichtungen um die Schebaa-Farmen beschossen, ein winziges israelisch besetztes Gebiet, das entweder Syrien oder dem Libanon gehört. Der Beschuß währt bereits so lange wie die Waffenruhe zwischen Hisbollah und den israelischen Verteidigungskräften: seit Ende 2000. Der einzige ernste Zwischenfall ereignete sich am 21. November 2005. Der gelegentliche Beschuß ist insgesamt militärisch wertlos und hat politisch-symbolischen Charakter, wie aus der folgenden (von SteinbergRecherche jedoch nicht überprüften) Liste hervorgeht. 

Für einen Hisbollah-Beschuß nordisraelischer Städte außerhalb des Gebiets um die Schebaa-Farmen vor dem 12. Juli 2006, wie von deutschen Kommerzjournalisten und auch bei Wikipedia behauptet, fehlt jeder Beleg. Dazu auch Knut Mellenthin. Vergleiche auch diese Liste aus aus "regierungsnahen" israelischen und US-amerikanischen Quellen - mit gleicher Aussage.

T:I:S, 2. August 2006

 

Hisbollah-Angriffe  

Angriffe der Hisbollah auf die israelischen Streitkräfte im Gebiet der Schebaa-Farmen seit dem Abzug der Israelis aus dem Süden Libanons. 
 
 
| Nr. | Datum | Art des Angriffs 
 
| 01 | 7. Oktober 2000 | Drei israelische Soldaten werden verschleppt und ermordet http://judaism.about.com/library..., fünf Soldaten werden durch Artilleriefeuer verwundet. Die Leichen der verschleppten Soldaten werden bei einem Gefangenen-Austausch mit der Hisbollah zurückgebracht. 
 
| 02 | 16. November 2000 | Bei der Detonation einer Sprengstoffladung werden zwei israelische Soldaten verwundet. 
 
| 03 | 26. November 2000 | Bei der Detonation einer Sprengstoffladung werden zwei israelische Soldaten verwundet. 
 
| 04 | 16. Februar 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Armeekonvoi abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet, zwei Soldaten werden verwundet. 
 
| 05 | 14. April 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Panzer abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet. 
 
| 06 | 14. Mai 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 07 | 29. Juni 2001 | Anti-Panzer-Raketen und mehrere Mörser-Granaten auf vier israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird verwundet. 
 

| 04 | 16. Februar 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Armeekonvoi abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet, zwei Soldaten werden verwundet. 
 
| 05 | 14. April 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Panzer abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet. 
 
| 06 | 14. Mai 2001 | Eine Anti-Panzer-Rakete wird auf einen israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 07 | 29. Juni 2001 | Anti-Panzer-Raketen und mehrere Mörser-Granaten auf vier israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird verwundet. 
 
| 08 | 1. Juli 2001 | Anti-Panzer-Raketen und mehrere Mörser-Granaten auf israelische Armeeaußenposten bei Har Dov und am Berg Hermon abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 09 | 3. Oktober 2001 | Anti-Panzer-Raketen und Mörser-Granaten auf zwei israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 10 | 22. Oktober 2001 | Anti-Panzer-Raketen und Mörser-Granaten auf drei israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums leicht verwundet. 
 

| 11 | 23. Januar 2001 | Viele Anti-Panzer-Raketen und Mörser-Granaten werden auf israelische Armeeaußenposten abgefeuert. 
 
| 12 | 30. März 2002 | Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 13 | 2. April 2002 | Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 14 | 3. April 2002 | Raketen auf Nahal Sion nahe der Grenze abgefeuert. Ein israelischer Soldat verwundet. 
 
| 15 | 5. April 2002 | Raketen und Mörser-Granaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 16 | 7. April 2002 | Anti-Panzer-Raketen, Raketen und kleinere Waffen werden auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Vier Sprengstoffladungen detonieren nahe bei Kafr Ghajar. Anti-Panzer-Raketen werden bei Moshav Avivim abgefeuert. Schüsse aus einem Jagdgewehr verletzen einen Wächter beim Kibbuz Menara. Sieben israelische Soldaten werden verletzt, einer davon lebensbedrohlich. 
 
| 17 | 8. April 2002 | Anti-Panzer-Raketen und Mörser-Granaten auf israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 18 | 9. April 2002 | Artillerie, Anti-Panzer-Raketen und kleinere Waffen werden auf israelische Armeeaußenposten bei Har Dov und den Hängen des Hermon (Majdel Shams, Hermon Skipisten, Moshav Neve Ativ) abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 

| 19 | 10. April 2002 | Versuch einen israelischen Armeeaußenposten anzugreifen. Eine Hisbollah-Flagge wurde nahe einem Außenposten aufgestellt und in die Umgebung geschossen. Artillerie und Anti-Panzer-Raketen werden von Har Dov auf Außenposten in den nördlichen Golan-Höhen abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 20 | 11. April 2002 | Artillerie und Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 21 | 12. April 2002 | Anti-Panzer-Raketen und Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 22 | 13. April 2002 | Anti-Panzer-Raketen und Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 23 | 26. April 2002 | Artillerie und Mörsergranaten auf israelischen Armeeaußenposten abgefeuert. Sechs israelische Soldaten werden verwundet. 
 
| 24 | 29. August 2002 | Artillerie und Mörsergranaten auf zwei israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet und zwei verwundet. Die israelische Armee erwiderte das Feuer mit Artilleriebeschuss. 

 
| 25 | 21. Januar 2003 | Mit Mörsergranaten, Jagdgewehren und Anti-Panzer-Raketen auf israelischen Armeeaußenposten gefeuert. Kein Personenschaden. 
 
| 26 | 8. August 2003 | Artillerie und Mörsergranaten auf zwei israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet und zwei verwundet. Die israelische Armee erwiderte das Feuer mit Artilleriebeschuss. 
 
| 27 | 27. Oktober 2003 | Ein gewaltiges Bombardement von Mörsergranaten auf mehrere israelische Armeeaußenposten bei Har Dov abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird verwundet. Die israelische Armee erwiderte das Feuer mit Artilleriebeschuss und greift Hisbollah Ziele an. 
 
| 28 | 22. März 2004 | Ein gewaltiges weitgestreutes Bombardement von ungefähr 100 Mörsergranaten auf israelische Armeeaußenposten abgefeuert. 
 
| 29 | 7. Mai 2004 | Umfangreicher Angriff gegen israelische Armeeaußenposten bei Har Dov. Sprengstoffladungen detonieren und Mörser-Granaten werden abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird getötet und drei weitere werden verletzt. 
 
| 30 | 8. Juni 2004 | Ungefähr 80 Mörsergranaten und Anti-Panzer-Raketen auf israelische Armeeaußenposten abgefeuert. Ein israelischer Soldat wird verwundet. 
 
| 31 | 9. Januar 2005 | Sprengstoffladungen detonieren bei einem Patrouillengang in der Nähe von Nahal Sion. Ein israelischer Soldat wird getötet. Ein UN-Soldat wird während des Angriffs durch feindliches Feuer getötet. 
 
| 32 | 14. Januar 2005 | Eine Sprengstoffladung detoniert bei Nahal Sion wahrscheinlich durch ein Tier ausgelöst. Kein Personenschaden. 

 
| 33 | 17. Januar 2005 | Eine Sprengstoffladung detoniert beim Angriff auf einen Bulldozer in der Nähe von Nahal Sion. Kein Personenschaden. 
 
| 34 | 29. Juli 2005 | Die Hisbollah hat mehrere israelische Militärposten beschossen. Bei den Angriffen sei mindestens ein Israeli verletzt worden, teilte die israelische Armee mit. Laut der libanesischen Polizei flog die israelische Armee als Reaktion mehrere Luftangriffe auf die Dörfer Kfar Schuba und Schebaa im Südlibanon. Auch andere Dörfer im Grenzgebiet seien von der Artillerie beschossen worden. Über Verletzte war dort zunächst nichts bekannt. 

 
| 35 | 30. Juli 2005 | Bei einem Schusswechsel sei mindestens ein Hisbollah-Kämpfer "getroffen" worden, verlautete aus der israelischen Armee. Den Angaben zufolge nahmen die israelischen Soldaten in der Nähe einer ihrer Stellungen zwei Hisbollah-Kämpfer fest. Sie gehörten nach Armeeangaben zu einem Kommando, das am Vortag bei stundenlangen Gefechten im Grenzgebiet einen israelischen Soldaten getötet hatte. 
 
| 36 | 29. Oktober 2005 | Israelische Helikopter griffen Positionen der Hisbollah-Miliz im Süd-Libanon an. Die zehnminütigen Angriffe gingen vom Gebiet der Schebaa-Farmen aus. Der Angriff stellte eine direkte Reaktion auf die am Vortag getätigte Aussage des Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah dar. Dieser sagte seine Organisation unterstütze die ideologischen Positionen des Iran. Irans Staatspräsident Mahmud Ahamdinedschad hatte wenige Tage zuvor zur Zerstörung Israels aufgerufen. 
 
| 37 | 21. November 2005 | Nach israelischen Militärangaben wurden bei Raketenangriffen der Hisbollah im Gebiet der Schebaa-Farmen elf Soldaten verletzt, zwei davon schwer. Die Raketen schlugen auf dem Gebiet der Schebaa-Farmen sowie in den Städten Kirjat Schmona und Metulla ein. Israel antwortete mit dem Einsatz von Kampfjets und Artilleriefeuer. Nach Angaben des Hisbollah-Fernsehsender El Manar wurden vier Kämpfer der Hisbollah getötet.

Die Webseite, der diese Tabelle entnommen ist, wird betrieben von Florian Amrhein, florian(at)wapedia.de ,Telefon +49 228 4097473 . Dort zahlreiche Quellenangaben. Nahezu identisch ist die Tabelle bei Wikipedia , dort ebenfalls Quellen

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Thom 

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Thomas Immanuel Steinberg 

Kurze Bemerkung zum Schutzschild-Argument 

Die israelische Regierung versucht seit der Gefangennahme zweier ihrer Soldaten, die Organisation Hisbollah zu zerstören. Sie tut es, indem sie neben Militäranlagen Zivileinrichtungen beschießt und bombardiert. Die Hisbollah benutze zivile Einrichtungen als Schutzschild. Daher kämen sie zu Schaden. 

Die Organisation Hisbollah, Partei, Sozialbehörde und Armee in einem, versteht sich als Widerstandsorganisation gegen die israelische Besatzungen rund um das israelische Kerngebiet. Sie wäre verloren, wenn sie ihre militärischen Aktivitäten räumlich von ihren politischen und sozialen trennen würde. Wie jede Volksbewegung  – und die Hisbollah wird vom schiitischen Volk des Libanon offenbar so verstanden – leben ihre Angehörigen als Volk im Volk, mitsamt ihren Parteibüchern, Schulheften und Waffenarsenalen. 

Nichts anderes tut jede andere Widerstandsbewegung auch. Um die Bewegung zu vernichten, muß die Besatzungsmacht die Einrichtungen und Lebensmittel des Volkes zerstören. Das versucht die israelische Regierung gerade. Es möge ihr mißlingen.

T:I:S, 2. August 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Tho 

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Ran HaCohen

 

Jahrelanger Terror durch Überschall-Knalle

 

Der israelische Wissenschaftler und Friedensaktivist Ran HaCohen zitiert die UN-Berichte über den israelischen Terror gegen den Libanon von 2001 bis 2006 und schließt:   

 

Seit Israel sich vor sechs Jahren aus dem Libanon zurückzog, hat es seinem nödlichen Nachbarn keinen einzigen Tag der Ruhe gegönnt. Je mehr die UN-Berichte sich wiederholen, desto weniger schenken ihnen die Medien Aufmerksamkeit. Und ebenso, wie die Israelis sich nach dem Zweck des Raketenarsenals der Hisbollah fragen, ebenso könnte der Libanon sich, und sollten wir alle uns fragen, was die Tausende von israelischen Überflügen und Überschall-Knalle am libanesischen Himmel sollten: Dienten sie der Sammlung von Informationen, die den israelischen Satelliten ohnehin zugänglich waren, oder, viel wahrscheinlicher, dazu, die libanesische Bevölkerung dadurch zu terrorisieren, daß wir ihr zeigten, daß wir ihre Souveränität verletzen, „wo immer wir es für nötig halten“?

 

Was die Tötung der UN-Beobachter anlangt, können wir nur darüber spekulieren, was Israel ihrer Beobachtung entziehen wollte. Streumunition? Andere Verbrechen? Vielleicht erfahren wir es nie.

 

antiwar.com, T:I:S, 31. Juli 2006

 

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Shraga Elam*

Aufruf an die israelischen Soldaten und Soldatinnen 

Israels Führung bringt Hunderttausende im Norden und im Zentrum ihres Landes in Gefahr: Die Hisbollah hat Raketen, die bis Tel Aviv und Jerusalem reichen. Und das dumme Volk unterstützt die Regierung und die Armee, während es derartig reingelegt wird. Ein Raketenschlag der Hisbollah auf die Raffinerien zum Beispiel, oder auf die petrochemischen Anlagen bei Haifa, würde wahrscheinlich den Tod Hunderttausender Menschen bedeuten. Und die "Party" würde noch weit schrecklichere Dimensionen annehmen, denn das wäre nicht das Ende der Blutorgie. 

Der Messias kommt nicht, er ruft nicht mal an (er schickt auch keine Mails) und die Regierung sagt: Das Publikum ist dumm, und deshalb muss es zahlen.

 Aus dem berühmten und beliebten Schlager „Der Messias kommt nicht" von Shalom Chanoch 

Der israelischen Führung sind die Leiden arabischer Menschen gleichgültig. Das überrascht nicht, denn diese Haltung findet von alters her breite Unterstützung in der israelischen Bevölkerung. Überraschend ist, dass viele anständige Leute immer wieder in die grausige und verführerische Falle der alten israelischen Militärmaxime tappen: „Wenn Gewalt nicht hilft, dann greif’ zu mehr Gewalt.“ 

Wieso fehlt jedes Bewußtsein dafür, dass Politik, die auf Gewalt gründet, auch alle Israelis ernsthaft gefährdet?

Wieso gelingt es den Experten, sogar Leuten eine Gehirnwäsche zu verpassen, die nicht dumm sind?

Haben wir uns nicht diese und ähnlichen Fragen über die Deutschen während der Nazizeit gestellt?

Wieso verstehen meine libanesischen Schwarmah-Verkäufer Dinge, die ein Großteil der israelischen Bevölkerung – das „Volk des Buches“ – nicht versteht oder nicht verstehen will? 

Obgleich ihre Familien südlich von Tyrus schwer unter den israelischen Angriffen leiden – zum Beispiel ist die Versorgung mit Brot unterbrochen, weil die Hauptstraßen getroffen wurden - und obwohl sie in ständiger Angst leben, glauben sie, dass eine Lösung nur mit friedlichen Mitteln gefunden werden kann und dass eine Eskalation nur das Leid vergrößert. 

Doch weder sie, noch andere LibanesInnen, das ist klar, sind alleine in der Lage, mehr Weisheit und Menschlichkeit in die explosive Region zu bringen, in der ein Feuer brennt, dass sich über die ganze Welt verbreiten kann. 

Zweifellos ist die israelische Führung - mit Unterstützung der US-Regierung - schon lange an der Eskalation des Konflikts interessiert und vereitelt die Suche nach  friedlichen und gewaltfreien Lösungen. Dieses perverse Ziel der israelischen Herrschaftselite ist seit dem Wahlsieg der Hamas im Januar 2006 näher gerückt. Während der folgenden Monate haben mehrere israelische Generäle öffentlich Maßnahmen diskutiert, die eindeutig Hunderttausende von Menschen aus ihren Häusern vertreiben würden. Die Durchführung dieser Maßnahmen schien nur eine Frage der Zeit zu sein.  

Es überrascht, dass dafür ein so fadenscheiniger Vorwand wie die Gefangennahme eines israelischen Soldaten während einer raffinierten militärischen Operation genügt, ein Vorwand, der die  Blöße und Gier der israelischen Führung nicht zu verdecken vermag.

Der Vorwand genügte jedoch, um einen Generalangriff anzustoßen, der fast nichts mit der Entführung oder der Befreiung des gefangenen Soldaten zu tun hat.  

Das Potential für eine Eskalation im Gazastreifen  ist noch keineswegs erschöpft, und es sieht so aus, als wäre das Ziel der Zusammenbruch der palästinensischen Behörde und die „Befreiung“, das heißt die Vertreibung von so vielen Palästinensern wie möglich.  All dies im Einklang mit dem Armee-Masterplan „Operation Dornenfeld“.  

Einer Veröffentlichung des bekannten US-Experten Anthony Cordesman zufolge sieht dieser Plan, der 1996 entworfen wurde, verschiedene Maßnahmen vor, von denen die meisten schon ergriffen wurden. Ein Beispiel ist die Evakuierung  angreifbarer Siedlungen. Cordesman erwähnt in diesem Zusammenhang  ausgerechnet die eventuelle Evakuierung der Siedlung in Hebron. Aber wie bekannt ist, wurde solch ein taktischer Rückzug im letzten Jahr im Gazastreifen vollzogen. 

Die „Operation Dornenfeld“ schließt die Eliminierung der Palästinensischen Behörde ein, ebenso wie die „Evakuierung“ der Palästinenser aus „empfindlichen Gebieten“ - ein sehr dehnbarer Terminus. 

Nach der Ausschaltung der Palästinensischen Behörde, das ist klar, besteht keine israelische Absicht mehr, zu einer direkte Herrschaft über die palästinensische Bevölkerung zurückzukehren. Das wäre wirtschaftlich und politisch zu teuer. Deshalb ist die Massenvertreibung, der „Transfer“, der feuchteTraum von Generationen israelischer Führer, jetzt anscheinend in Reichweite. Doch sind dafür bestimmte politische Bedingungen notwendig - eine massive Eskalation, zum Beispiel nach einem Mega-Terrorakt oder einem Großangriff. 

Es ist deutlich geworden, dass die israelische Führung erwartet und vielleicht gehofft hat, dass nicht alle arabischen Staaten wie gewöhnlich mit verschränkten Armen daneben stehen und mehr oder weniger gleichgültig zusehen, wie die israelische Armee ihre Kriegsverbrechen gegen die palästinensische Bevölkerung fortsetzt. Aus dieser Sicht kann man vermuten, dass die Regierung Israels und der israelische Generalstab damit gerechnet haben, dass die Hisbollah sich früher oder später dem bewaffneten Kampf anschließt, um den Druck auf die Palästinenser zu vermindern. 

Ohne Zweifel ist die Hisbollah, ebenso wie die palästinensischen Militanten, völlig in die Irre gegangen mit ihrer Entscheidung, Israel militärisch anzugreifen. Sie hat der arroganten israelischen Führung weitgehend in die Hände gespielt, die sich nicht davon abhalten ließ, unnötigerweise sogar jene zu gefährden, die für sie gestimmt haben. 

Die sehr schnelle israelische massive Reaktion auf den Hisbollah-Angriff deutet darauf hin, dass Israel aus den USA im Voraus grünes Licht für solche Aktionen bekommen hat. 

Nun ist eine wirksame Strategie des gewaltfreien Widerstands  gegen die gefährliche und zerstörerische Logik des Krieges erforderlich. Ein bedeutsamer erster Schritt in diese Richtung ist die Veröffentlichung und Verteilung eines Aufrufes an die SoldatInnen der israelischen Armee, Kriegsverbrechen zu verhindern; ein Appell der auf der folgenden deutschen Internetwebsite veröffentlich wurde:

http://arendt-art.de/deutsch/palaestina/texte/aufruf_israelische_soldaten_kriegsverbrechen_stoppen.htm  

Es ist vielleicht kein Zufall, dass der Aufruf  gerade aus Deutschland kommt, denn der Anti-Militarismus ist heute in Deutschland viel stärker als in Israel. Einerseits lässt diese Entwicklung hoffen, dass eine aggressive Gesellschaft sich radikal ändern kann. Andrerseits können wir es uns nicht leisten, vierzig bis sechzig Jahre darauf zu warten, bis solch ein Prozess auch in Israel greift. 

Der Appell weist darauf hin, dass eine gewöhnliche Verweigerung nicht ausreicht und dass eine stärkere Aktion erforderlich ist, die israelische Führung zu zwingen, den Weg des Friedens zu verinnerlichen und ihn von ganzem Herzen zu suchen. Die Verhinderung israelischer Aggressivität wird auf diese Weise ein deutliches Friedenssignal aussenden. Ein Signal, das einen Prozess in Gang bringen kann, der für alle Bewohner des Nahen Ostens mehr Sicherheit bedeutet. 

Zürich, Schweiz, 19. Juli 2006

T:I:S, 19. Juli 2006 

*Shraga Elam ist israelischer Friedensaktivist,recherchierender Journalist und Träger des goldenen Walkley-Preises von 2004, dem prestigeträchtigsten australischen Preis für hervorragenden Journalismus. 

(Übersetzung von Ellen Rohlfs und Thomas Immanuel Steinberg)

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Shraga Elam 

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Andreas Graf von Bernstorff, Celle 

Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine*

Der Autor der Leitglosse "Frontalangriff" (F.A.Z. vom 1. Juli) wiederholt die bekannte und unreflektierte Floskel, daß es den Israelis nicht zuzumuten sei, mit der Hamas-Regierung zu verhandeln. Warum eigentlich nicht? Schließlich handelt es sich um eine Regierung, die sich die Palästinenser in einer für die dortige Region nahezu beispiellos demokratischen Weise gewählt haben. Außerdem bedeutet die von der Hamas-Regierung erklärte Absicht, mit Israel zu verhandeln, ja doch schon den ersten Schritt einer faktischen Anerkennung Israels. Die offizielle und ausdrückliche Anerkennung des Existenzrechtes Israels, die ja gleichzeitig auch einen ausdrücklichen Verzicht auf das ursprünglich arabische Land bedeuten würde, kann ja doch nur das Ergebnis von Friedensverhandlungen sein, nicht die Vorbedingung. 

Tatsächlich zeigt sich aber auch hier wieder einmal, daß Israel jeder nur halbwegs plausible Vorwand willkommen ist, um Friedensverhandlungen zu verweigern. Denn nichts fürchtet Israel mehr als ernsthafte Friedensverhandlungen mit den Palästinensern, weil es sich entweder verpflichten müßte, die 1967 besetzten Gebiete einschließlich Jerusalem und der Golan-Höhen zu räumen und an einer annehmbaren Regelung der Flüchtlingsfrage mitzuwirken, oder vor der gesamten Weltöffentlichkeit offen erklären müßte, daß es entgegen jedem Völkerrecht und entgegen zahlreichen eindeutigen UN-Resolutionen durch den Krieg erobertes Land annektieren will und nicht bereit ist, den vertriebenen Palästina-Flüchtlingen ein Rückkehrrecht oder angemessene Entschädigung zu gewähren.

*veröffentlicht in der Ausgabe vom 17. Juli 2006

T:I:S, 19. Juli 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Andreas 

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Justin Raimondo

Israel hat die Grenze überschritten.* 

1996 fertigte eine Gruppe pro-israelischer Amerikaner, darunter Richard Perle, James Colbert, Charles Fairbanks Jr., Douglas Feith, Robert Loewenberg, David Wurmser, and Meyrav Wurmser – ein Strategie-Papier für den damaligen israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu. Darin wurde eine Strategie des Regime Change als einzige Lösung für die zunehmende Einkreisung und Isolierung Israels vorgeschlagen. Das Hauptproblem, behaupteten sie in "A Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm" ("Sauberer Schnitt: Eine neue Strategie zur Sicherung des Raums"), seien Syrien und die lästige Grenze zum Libanon:

Syrien fordert Israel auf libanesischem Boden heraus. Ein wirksames Herangehen, und eines, das Amerika zusagen würde, wäre es, wenn Israel die strategische Initiative an der Nordgrenze ergreifen und die Hibollah, Syrien und den Iran angreifen würde, die aggressiven Hauptkräfte im Libanon.“

Aber das könne nur geschehen, wenn der Irak zuvor ausgeschaltet würde:

Israel kann seine strategische Umgebung in Zusammenarbeit mit der Türkei und Jordanien gestalten, indem es Syrien schwächt, eindämmt oder sogar zurückdrängt. Diese Anstrengung kann darauf konzentriert werden, Saddam Hussein im Irak zu entmachten – ein wichtiges israelisches strategisches Ziel für sich genommen – als Mittel zur Vereitelung der regionalen syrischen Bestrebungen.“

Nun, da Saddam aus dem Weg geräumt ist, entfaltet sich vor unseren Augen die zweite Phase von „A Clear Break“. 

*Justin Raimondo: Israel Crosses the Line. And you read it here first… antiwar.com July 14, 2006. Vgl. die sehr ähnliche Einschätzung von Rainer Rupp: Israel folgt klarer Strategie. Krieg nach Plan. junge Welt, 15.07.2006 und Webster Tarpley bei Mathias Bröckers

Webster G. Tarpley freilich hat die Umstürze in Nordafrika Anfang 2011 auf die CIA und die britischen Freimaurer zurückgeführt, die sich als Muslimbrüder verkleidet hätten, siehe Journalist. Blöder geht's kaum noch. T:I:S, 22. Februar 2011

T:I:S (Übersetzung), 15. Juli 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#J 

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Shraga Elam

Frieden - aber wie?

Es gibt genug Beweise dafür, dass die herrschenden Israelis auf die komplette Zerstörung der palästinensischen Behörden zielen und eigentlich auf die Forcierung der Vertreibung von so vielen PalästinenserInnen wie nur möglich gesetzt haben; ein Vorhaben, welches ohne große öffentliche Aufmerksamkeit eigentlich schon seit 2000 voll im Gang ist. - Nur gemeinsame palästinensisch-israelische Friedensbewegungen können ein Unheil verhindern. Text vom 21. Juni 2006

Shraga Elam, T:I:S, 5.Juli 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Shraga 

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Links, erfaßt ab 27. März 2006 bis 29. Mai 2006,  zu Beiträgen über Mearsheimers und Walts Thesen:

Forward - Schweigen im Lobby- und Blätterwald. 
Powerline
- Verschwörungstheoretiker und Scharlatane. 
Wall Street Journal
- antisemitisch in der Wirkung, wenn nicht in der Absicht. 
Camera
- viele Fehler. 
Ha'aretz
Leitartikel - Warnung aus den USA, der Artikel sollte nicht verurteilt werden, Israel muß sich aus Palästina zurückziehen (mit über 230 Diskussionsbeiträgen). 
Tom Segev, Ha'aretz  - Ja, die Israel-Lobby schadet Israels wahren Interessen, und der Mythos von ihrer Stärke stärkt sie. 
Akiva Eldar, Ha'aretz - Der Groschen ist gefallen: Araber schikanieren schadet den US. 
Washington Post 
- zitiert Meinungen. 
Mearsheimer zu Le Monde, keine US-amerikanische Einrichtung sei bereit gewesen, das Papier zu veröffentlichen; 
Caroline B. Glick, Jerusalem Post  - Ko-Autor Walt litt schon 1991 unter einer ungesunden Besessenheit vom jüdischen Staat. 
Analyse der Anti-Defamation League (ADL) - Der Artikel wäre nicht erst zu nehmen, stammte er nicht von Autoren, die anerkannte wissenschaftliche Werke über Regierungen und internationale Politik verfaßt haben und bedeutenden Stellungen an ihren Universitäten einnehmen
Judeoscope
- Israel und USA hatten und haben gemeinsame geopolitische Interessen, die Autoren haben die Archive nicht konsultiert. 
Der Spiegel
vermutet, die Kampagne gegen Walt und Mearsheimer könne die beiden darin bestätigen, wie stark die Israel-Lobby sei. 
Justin Raimondo
berichtet, wie die Lobby zurückschlägt: Walt mußte nach Druck eines Unterstützers der israelischen Staats- und Regierungspolitk und Geldgebers der Harvard-Universität als Dekan der Kennedy-School zurücktreten.
Noam Chomsky, von Amy Goodman zu The Israel Lobby befragt, meint, Israels Staats- und Regierungspolitik habe den Herrschenden gut in den Kram gepaßt: Sturz von Nasser, Kriegstauglichkeitsbeweis 1967, Drecksarbeit in Mittelamerika, Durchbrechung des Apartheid-Boykotts, Beherrschung der Ölregion Nahost, militärische Stütze  der USA am Mittelmeer. Die Israel-Lobby in den USA sei stark, weil sie den Herrschenden in den USA zupaß komme. Nochmals Noam Chomsky  mit seiner Position in extenso.

Knut Mellenthin schreibt in der jungen Welt: "Linke Kritiker des Aufsatzes von Mearsheimer und Walt, wie Noam Chomsky, wenden ein, daß Washingtons Nahost-Politik in erster Linie den imperialistischen Zielen der USA entspreche. Diese Politik würde, meinen sie, auch nicht wesentlich anders aussehen, wenn es die Pro-Israel-Lobby nicht gäbe. Diese Argumentation kommt der Selbstrechtfertigung der Lobby sehr nahe, die nämlich behauptet, sie würde ausschließlich die »nationalen Interessen Amerikas« vertreten. Daß diese seltsamerweise stets fast hundertprozentig mit den Absichten der Regierenden Israels übereinstimmen, ergibt sich nach dieser Theorie durch die totale Identität der Interessen beider Länder. Auf eine kurze Formel gebracht: »Alles, was gut für Israel ist, ist auch gut für die USA«. Diese Behauptung ist so offensichtlich absurd, daß eine Grundsatzdiskussion seit langem überfällig ist". 
Justin Raimondo:  The problem isn't "the Jews" – it's the Lobby.
Daniel Levy, International Herald Tribune und Ha’aretz, mißfallen die Einschüchterungsmethoden der US-Pro-Israel-Lobby und ihr protestantisch-fundamentalistischer Zweig.
Christoph von Marschall im Tagesspiegel stuft den Dekan der Kennedy School zum Dozenten herab, ordnet die New York Times politisch links ein und meint: „Die USA haben auch Berlin 44 Jahre geschützt, ohne zu fragen, ob es sich bezahlt macht.“
Norman Birnbaum auf Al Jazeera: "The Israel lobby was effective but it successfully instrumentalized American imperialism: but that imperialism would be there in any case."
Nicholas Goldberg, Los Angeles Times, rät: "Urteilen Sie selbst."
James Petras zürnt Noam Chomsky in 14 ausführlichen Thesen.
Christopher Hitchens: Die jüdische Macht wird übertrieben.
Alan Dershowitz hat ein 46-Seiten-Papier (.pdf-Datei) gegen Mearsheimer und Walt verfaßt. Der Broderliner hält Dershowitz' Papier für eine chirurgische Replik. Er fantasiert, Mearsheimers und Walts Kampfschrift handele von einer jüdischen Lobby. Folgt Broderliners Geschäftsidee: "Wenn es eine jüdische Lobby gibt, die Einfluß auf die US-Politik nimmt, dann ist es gut. Wenn es keine gibt, dann sollte man Meldungen, daß es eine gibt, nicht dementieren." Er will die Leute das Fürchten vor den Juden lehren, die Judäophobie. Justin Raimondo hat das Mearsheimer-Walt-Papier gelesen und verstärkt dessen Aussage, die Israel-Lobby bestehe neben Juden aus vielen Nicht-Juden (vor allem Abermillionen fundamentalistischen Christen). Juden seien bei den Neo-Cons ebenso überproportional vertreten wie bei Libertarians, Linken und Kriegsgegnern.
Christoph Bertram, Die Zeit, versteht dem Mearsheimer-Walt-Artikel als Versuch eines Tabubruchs - mit geringen Erfolgsaussichten. 
Pierre Heumann und Alain Zucker, Weltwoche.ch: AIPAC nutzt gemeinsame US-israelische Interessen aus, die ohnehin bestehen.
Michael Massing: The nasty campaign waged against John Mearsheimer and Stephen Walt has itself provided an excellent example of the bullying tactics - für die Schläger-Methoden -  used by the lobby and its supporters. The New York Review of Books The Storm over the Israel Lobby

siehe auch Nationales Interesse

Traduction française de l'article de Mearsheimer et Walt ici.

T:I:S, 29. Mai 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#L 

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Thomas Immanuel Steinberg 

Wedelt der Schwanz tatsächlich mit dem Hund?

Israel-Lobby und Nahostpolitik

Zu John Mearsheimer und Stephen Walt

Die Weltmacht USA und das kleine Israel – wer bestimmt, was im Nahen Osten passiert? Die Professoren John J. Mearsheimer von der University of Chicago und Stephen M. Walt von der Kennedy School of Government an der Harvard University behaupten: weder Israel allein – noch die USA insgesamt. Vielmehr habe die US-amerikanische Israel-Lobby, im Bündnis mit Israel, für die Nahost-Politik der USA in den letzten Jahren den Ausschlag gegeben. Anders sei die Nahostpolitik der USA nicht zu erklären. Sie belegen ihre These einerseits mit dem großen Einfluß etwa des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) oder der pro-zionistischen Evangelikalen; andererseits mit den Entscheidungen vor allem der Bush-Regierung zum Nahen Osten. Die US-Regierung habe regelmäßig zugunsten Israels, aber gegen die Interessen der USA gehandelt. Ihr Vorgehen resultiere aus der Macht der Israel-Lobby. (1) 

Die Autoren versäumen darzulegen, was denn das sei, die Interessen Israels oder der Vereinigten Staaten – und vor allem: die Interessen welcher Israelis, und welcher US-Amerikaner? Davon später.

Die Israel-Lobby in den USA 

Der Aufsatz liefert einen wertvollen Überblick über die sich selbst so nennende Israel-Lobby unter US-amerikanischen Juden und fundamentalistischen Nicht-Juden, über ihre Propaganda- und Einschüchterungsmethoden, ihre Bearbeitung von Kongreß-Abgeordneten, Regierungsbeamten und Meinungsführern, über ihre erheblichen Geldmittel, über Campus Watch und andere Jungstreiter an US-amerikanischen Universitäten -  und über den Vorwurf der Judäophobie als der perfiden Waffe gegen alle Skeptiker und Opponenten. 

Bündig schildern die Autoren die von Israel und den USA gemeinsam getragene Besatzungs- und Eroberungspolitik zulasten der Palästinenser und der angrenzenden Staaten. Sie erwähnen das angeblich großzügige, tatsächlich unannehmbare Angebot an Arafat in Camp David, sie widersprechen dem Mythos vom David Israel, der sich gegen den arabischen Goliath zu wehren habe. Sie führen Opferzahlen an, die zeigen, um wieviel stärker die Palästinenser bluten. Und sie verweisen auf den Schaden, den die USA in der Welt dank pro-isralischer Nahostpolitik in der übrigen Welt erlitten hätten. Die Israel-Lobby in den USA, mit Israel stark verschränkt, habe die Vereinigten Staaten zu deren Nachteil pro-israelisch eingenordet. 

Die kleine deutsche Schwester

Ein Blick auf deutsche Parteiungen zur Nahostfrage erscheint hilfreich. Die US-amerikanische Israel-Lobby hat hier eine kleine Schwester. Der Springer-Konzern mit seiner seriös anmutenden Welt ragt heraus. Um ihn gruppieren sich Beiträge in Mainstream-Blättern, wie der Zeit; und die Zeitschriften Konkret und Jungle World, der Hamburger Kleinst-Radiosender FSK und all die Internet-Auftritte der Antideutschen, wie Bahamas und Honestly Concerned. Jüngere Adlaten der deutschen Israel-Lobby verbuchen Propagandaerfolge in Antifa-Gruppen und an Universitäten, gelangen in Allgemeine Studentenausschüsse und verunsichern die unpolitische Masse der Studierenden. 

Die Methoden sind hüben so übel wie drüben: Wer die israelische Politik ablehnt oder gar bekämpft, sei judäophob. Die Existenz des Davids Israel sei bedroht, der Holocaust verpflichte zur Unterstützung. Professoren mit anderer Ansicht bekommen ruppigen Vorlesungs-Besuch von jungen Zionisten, Globalisierungs-Kritiker und Friedensaktivisten werden diffamiert, auf Demonstrationen fotografiert und im Internet lächerlich gemacht. 

Ursprünglich teils links garniert, bekennen sich die Israel-Lobbyisten bei Fakten und Fiktionen, unter den Freunden der offenen Gesellschaft und auf der Achse des Bösen stolz zur sogenannten Marktwirtschaft. Genau daher weht der Wind: aus der kapitalfreundlichen und antikommunistischen Ecke. Die zahlreichen deutschen Mini-Lobbyisten arbeiten an Springers Seite für eine kapitalistische, eine imperialistische Welt, für die Herrschaft des Westens über den Rest, unter US-amerikanischer Hegemonie 

Was täten die USA, wenn es keine Israel-Lobby gäbe?

Der große Bruder in Amerika ist auf nichts anderes aus. Joseph Massad von der Columbia University kontert die These von der angeblich ausschlaggebenden Bedeutung der Israel-Lobby für US-Entscheidungen mit der schlichten Frage: Wären diese Entscheidungen anders ausgefallen, wenn es in den USA keine Israel-Lobby gäbe?

... Wann und in welchem Zusammenhang haben die USA je die nationale Befreiung in der Dritten Welt unterstützt? Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist die eines unerbittlichen Feindes aller nationalen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt einschließlich derer Europas, von Griechenland über Lateinamerika und Afrika bis nach Asien, mit Ausnahme der gefeierten Fälle des Krieges afghanischer Fundamentalisten gegen die UdSSR und der die Apartheid unterstützenden wichtigsten terroristischen Verbündeten Südafrikas in Angola und Mozambique (Unita und Renamo) gegen ihre jeweiligen antikolonialen nationalen Regierungen. Warum also sollten die USA bei Abwesenheit einer Pro-Israel-Lobby die nationale Befreiung  in der arabischen Welt unterstützen? Das ist etwas, was diese Studien nie erklären. 

Joseph Massad fügt hinzu, worum es in den Konflikten geht :

Die USA verfolgen seit dem 2. Weltkrieg eine konsistente Politik des Kampfes gegen alle Regime der Dritten Welt, die darauf bestehen, über ihre nationalen Ressorcen zu verfügen, ob nun Land, Öl oder andere wertvolle Mineralien. Das reicht vom Iran 1953 über Guatemala 1954 und den Rest von Lateinamerika bis zum heutigen Venezuela. Afrika ist es in den letzten vier Jahrzehnten noch viel schlechter ergangen, und ebenso schlecht vielen Ländern in Asien. Warum sollten die Vereinigten Staaten bei Abwesenheit einer Pro-Israel-Lobby ausgerechnet in der arabischen Welt nationalistische Regime unterstützen, die ihre Natur-Reichtümer verstaatlichen und deren Ausbeutung durch amerikanisches Kapital beenden würden? Auch das bleibt ein Rätsel, das diese Studien nicht zu erklären vermögen. 

Die Israel-Lobby der USA sei in Wahrheit deshalb stark, weil ihr hauptsächlich an der Förderung US-amerikanischer Interessen liege und ihre Unterstützung für Israel sich in die US-Strategie im Nahen Osten wunderbar einpasse. Sie spiele die gleiche Rolle wie die Taiwan-Lobby in den Fünfziger Jahren und die Kuba-Lobby bis heute. Daß die Israel-Lobby viel stärker sei als jede andere ausländische Lobby in Washington, sei 

der Bedeutung Israels in der US-Strategie geschuldet und nicht irgendeiner fantastischen Macht, über die die Lobby verfügt, losgelöst vom US-amerikanischen "nationalen Interesse" und ihm äußerlich. Der Pro-Israel-Lobby würde man ihren Einsatz nicht lohnen, und sie hätte keinen Einfluß, wenn Israel ein kommunistisches oder antiimperialistisches Land wäre, oder wenn Israel sich anderswo in der Welt der US-Politik entgegenstellen würde.

Die kleine deutsche Lobby-Schwester bekommt auch bei uns den Fuß nur zwischen die Tür, weil sich heimische mit  US-amerikanischen Imperialisten zumindest darin einig sind, daß es die Reichtümer der Dritten und der ehemaligen Zweiten Welt zu beherrschen gilt - unbeschadet aller Differenzen im Detail. Deutsche Interessen, ebenso wie US-amerikanische oder israelische, sind immer zu allererst die Interessen der Herrschaftselite, oder aber die Interessen der Beherrschten.

Wessen Welt? 

Die beiden US-amerikanischen Akademiker Mearsheimer und Hart spüren die Unschärfe ihres Interessenbegriffs. Am Ende behaupten sie, die Israel-Lobby handele langfristig sogar gegen das Interesse Israels. Wieso langfristig? Schon heute leidet die israelische Bevölkerungsmehrheit unter den größten Einkommens- und Vermögensunterschieden aller westlichen Formal-Demokratien. Schon heute ist ihr Leben in Israel stärker gefährdet als irgendwo sonst. Mearsheimer und Hart verheddern sich in ihrem national-bürgerlichen Interessenbegriff (3), der nur Staaten kennt und von Klassen nicht reden will.

T:I:S, 26. März 2006

Anmerkungen:

(1) The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy. By John J. Mearsheimer and Stephen Walt.Working Paper Number: RWP06-011. John F Kennedy School of Government, Havard Universty, Cambridge, Mass., USA. Submitted: 13.03.2006 (.pdf-Datei). Redaktionell bearbeitete .html-Datei: London Review of Books. Rainer Rupp hat den Argumentationsgang in der jungen Welt skizziert. 

(2) Joseph Massad: Blaming the Israel Lobby. It's US Policy That Inflames the Arab World. CounterPunch, March 25 / 26, 2006. Zuerst erschienen unter einem redaktionellen Vorspann, der die Hauptaussage des Beitrags ins Gegenteil verkehrt, bei Al-Ahram Weekly Online 23 - 29 March 2006, Issue No. 787

(3) Genaueres hierzu unter Nationales Interesse?

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Th 

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Shraga Elam an Dr. h.c. Arno Lustiger

Besorgniserregende Ähnlichkeiten zwischen Israel und NS-Deutschland

mit Kopie an Hajo Meyer, Rupert Neudeck, Abraham Melzer u.a. am 19. Januar 2006

 

Sehr geehrter Herr Dr.h.c. Lustiger, 

Ihren langjährigen verdienstvollen Einsatz für die Thematisierung und Verarbeitung des jüdischen Widerstands während der NS-Zeit schätze ich sehr. Umso mehr bin ich über Ihren jüngsten Aufruf gegen die Veranstaltung mit meinem Freund Hajo Meyer am 20.1.2006 in Frankfurt a.M. erstaunt. 

Sie schreiben: 

"Die Gastredner, Hajo Meyer und Rupert Neudeck, sind einschlägig für ihre Meinungen und ihre Vergleiche zwischen den Verteidigungsmaßnahmen des Staates Israels und den barbarischen Handlungen der Nazis bekannt." 

Wenn Sie von israelischen Verteidigungsmaßnahmen sprechen, ist klar, dass Sie, im Unterschied zu Hajo Meyer, noch nie an einem Checkpoint auf der Westbank gewesen sind. Ich empfehle Ihnen dringend, die erschüttenden Berichte der israelischen Machsom-Watch (http://www.machsomwatch.org/) zu lesen, oder die zahlreichen Berichte über Menschenrechtsverletzungen, die die israelische Organisation B'tzelem (http://www.btselem.org/index.asp) dokumentiert hat  - und die Liste der Lesetipps ist noch lang. 

Grundsätzlich kann anhand von seriösen israelischen Quellen das folgende Bild gezeichnet werden: Vorgeblich, um Terroranschläge zu verhindern, verhängt Israel im klaren Verstoss gegen die Genfer Konvention u.a. Kollektivstrafmassnahmen. Dabei nimmt man an, dass wenn der Druck auf die Zivilbevölkerung gross genug wird, diese den Druck an die Militanten weitergeben würde, so dass Terroranschläge gestoppt würden. Selbst israelische Generäle geben zu, dass diese Logik nicht funktioniert und die Zivilbevölkerung nie im Stande wäre, den Militanten irgendeine Politik aufzuzwingen. 

Ich bin kein Anhänger von Gewaltakten, aber gerade Sie müssten das Recht von unterdrückten Menschen, sich auch mit Gewalt zu wehren, respektieren. Wer ihnen dieses Recht abspricht oder die Tatsache ihrer Unterdrückung verleugnet, vertritt eine absolut amoralische Haltung und macht sich mitschuldig an Verbrechen. 

Wenn Hajo Meyer die mit eigenen Augen gesehene Situation in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten mit den eigenen Erfahrungen in NS-Deutschland der 1930er Jahre vergleicht, so ist es absolut sein Recht und sogar Pflicht, diese seine subjektive Wahrnehmung als Mahnung publik zu machen. Denn wer zu Verbrechen schweigt oder sogar die Meldungen über sie unterdrückt, macht sich mitschuldig. Dies zeigen eindeutig die jüdischen Erfahrungen. 

Ich weiss, dass der Vergleich zwischen den israelischen und NS-Verbrechen völlig tabuisiert wird, und ich halte dieses Tabu für unberechtigt und sogar für schädlich. Wenn die NS-Judenverfolgung, der NS-Judäozid, als Massstab für alle Genozide und Kriegsverbrechen dienen soll, wie es kürzlich von der UNO beschlossen wurde, dann sollte solch ein Vergleich möglich sein. 

Vergleiche zwischen zwei historischen Ereignissen können richtig, falsch oder auch irgendwo dazwischen sein, dürfen aber auf keinem Fall verboten werden. Selbstverständlich soll die Motivation des Vergleichens bzw. dessen Ablehnung offengelegt bzw. hinterfragt werden. 

Inhaltlich muss zum konkreten Vergleich zwischen Israel und NS-Deutschland folgendes gesagt werden: 

Bei allen offensichtlichen Unterschieden zwischen den beiden Situationen gibt es zu viele besorgniserregende Ähnlichkeiten, die auch von zahlreichen anderen Israelis festgestellt werden, so von der ehemaligen Erziehungsministerin Shulamit Aloni und sogar auf seine Art vom Historiker Prof. Yehuda Bauer. 

Wie Sie wissen, war die anti-jüdische NS-Politik von einer steten Radikalisierung gekennzeichnet, und wir können von drei Hauptphasen sprechen: 

1)      1933-38 "freiwillige" Vertreibung

2)      1938-41 Zwangsvertreibung oder Ghettoisierung

3)      1941-44 systematische Vernichtung 

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir jetzt über eine "freiwillige" Vertreibung der PalästinenserInnen sprechen und deren zunehmende Ghettoisierung beobachten können. 

Es gibt starke Kräfte in Israel, die auch zeitweise an der Regierung beteiligt waren, die für eine Massenvertreibung der PalästinenserInnen plädieren, und diese Stimmen dürfen nicht bagatellisiert werden. 

Wenn Sie sich über die Zukunft Israels und die Juden und Jüdinnen sorgen, dann muss es Ihnen ein Anliegen sein, vor diesen gefährlichen Entwicklungen zu warnen. Israel geht durch eine grosse, sich eskalierende Dauerkrise. Die Gewaltanwendung (auch intern), Armut und Korruption erreichen erschreckende Dimensionen, und die Rechtsradikalen spielen eine nicht zu übersehende Rolle. Dies sind bekannte und fast klassische Komponenten, die nicht verdrängt werden dürfen. 

Hochachtungsvoll 

Shraga Elam 

Shraga Elam ist israelischer Recherchierjournalist, historischer Forscher und Buchautor. Er lebt in Zürich.
2004 gewann Elam den renommierten australischen Journalistenpreis Gold Walkley Award für seine Enthüllung über Konten australischer Prominenter bei der Bank Leumi (Schweiz).

T:I:S, 22. Januar 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/nahost.htm#Sh 

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Arno Lustiger nennt antisemitisch, was ihm vor die pro-kapitalistische Flinte kommt.

Der Frankfurter Zionist Arno Lustiger will mit Freunden zusammen Israel-Fahnen schwenken gegen den Offenbacher Verleger Abraham Melzer und andere Anti-Zionisten, jüdische wie nicht-jüdische. Der Zionist bezichtigt seine Gegner des Antisemitismus und die Juden unter ihnen des Selbsthasses. Hier, was Helmut Höge 2001 in der jungen Welt über den pro-kapitalistischen Hexenjäger berichtet hat.  

Geschichtslügen haben derzeit Konjunktur. Viele laufen im Endeffekt darauf hinaus, allen in die Hirne zu hämmern, daß allein die Sowjets die Juden wirklich vernichten wollten und die Deutschen höchstens bei ihrem edlen Bestreben, diesen mörderischen Kommunismus zurückzudrängen, gelegentlich über die Stränge schlugen - sie waren eben auch schon vom Bolschewismus totalitär infiziert; in Wahrheit sind sie jedoch ein Volk, das die Juden wirklich liebt.

Von den deutschen Staatshistorikern bis zur US-Holocaustforschung reichen inzwischen diese Umdeutungsanstrengungen der Geschichte. Selbst jüdische Autoren distanzieren sich zunehmend von dem nun endgültig diskreditierten »Bolschewismus« - und arbeiten seine Neigung zu antisemitischen Pogromen, besonders unter Stalin, heraus. Arno Lustigers unredliches »Rotbuch - Stalin und die Juden« sei in diesem Zusammenhang genannt. Wenn jemand wie Sonja Margolina (in: »Das Ende der Lügen«) versucht, gegen diesen dumpfen Mainstream zu argumentieren, wird sie als »antisemitisch« (Arno Lustiger) abgetan.

Der polnisch-jüdische Dichter Alexander Wat, erst nach Moskau verschleppt und dann nach Alma-Ata evakuiert, meinte bereits 1965 in seinen Erinnerungen: »Stalingrad hatte noch nicht stattgefunden, aber das Volk war sich des letztendlichen Sieges gewiß. Das galt für das russische Volk, die Russen und die Juden. Alle Minderheiten hingegen, alle mit Ausnahme der Juden ... warteten auf die Ankunft der Deutschen. Das war überall so, bis hin nach Kasachstan. Die Juden waren die einzige Ausnahme. Es war also auch ein jüdischer, nicht nur ein russischer Krieg«.

Helmut Höge in der jungen Welt vom 9. Juli 2001, T:I:S, 17. Januar 2006

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Arno Klarsfeld im Wahlkampf für die französischen Nationalisten und im Kriegseinsatz für die israelischen Nationalisten. Kurz-Videos. T:I:S, 11. Juni 2007

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Klarsfeld jetzt ohne Schießprügel

Maimonides-Institut Montpellier (siehe Beitrag vom 6. Januar 2006): Kriegsgegner haben gegen das Bild von Arno Klarsfeld in israelischer Kampfmontur protestiert,  und Roshdi Rashed, Vizepräsident der Internationalen Akademie der Geschichte der Wissenschaften mit einer meterlangen Liste wissenschaftlicher Auszeichnungen, Publikationen und Referenzen, hat jede Zusammenarbeit mit dem Maimonides-Institut eingestellt. Er hat um Streichung seines Namens aus allen Schriften des Instituts gebeten. 

Das Institut behauptete daraufhin, die Räuberpistolen-Illustration hätte bestimmte Internet-Nutzer schockiert. Sie rückte ein Advokatenbild von Klarsfeld an die Stelle und zählte die multikulturellen Berühmtheiten auf, die das Institut zuvor beehrt haben.

Für CAPJPO EuroPalestine, Bündnispartner der Union juive française pour la paix (UJFP), geht indes der Kampf  weiter - gegen Arno Klarsfeld, Alain Finkielkraut, Innenminister Sarkozy und "all die Journalisten an den Trögen der Macht, die sich systematisch auf die Seite des Stärkeren schlagen, die auf sehr gefährliche Weise auf allen Ebenen die Hirne indoktrinieren und die uns im Augenblick die Sinfonie in b-Moll vorspielen von Scharon, dem großen Mann des Friedens, den man ja so vermissen wird! Nun, die meisten von ihnen sind nicht besonders zionistisch. Sie sind ganz einfach Schlappschwänze. Unter Pétain hätten sie die antisemitischen Maßnahmen verteidigt, so wie sie sich heute an der Antisemitismus-Erpressung beteiligen und an den Lobliedern auf Israel, weil daher grad' der Wind weht."   

RA Arno Klarsfeld

T:I:S, 11. Januar 2006

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Maimonides

In einer Doppelrolle: Arno Klarsfeld

Demnächst im Kino? 

Demnächst im Kino? Nein. Demnächst im Maimonides-Institut von Montpellier, benannt nach einem der größten Philosophen des Mittelalters. Und der Kerl mit dem Schießprügel zwischen den Schenkeln? Ein französischer Rechtsanwalt. 

Das euro-mediterrane Universitätsinstitut Maimonides, finanziert von der Stadt Montpellier und vom Regionalrat Languedoc-Roussillon, hat den Pariser Rechtsanwalt Arno Klarsfeld zu einem Vortrag am 19. Januar 2006 eingeladen. Das Institut wirbt für den Vortrag mit dem Bild von Klarsfeld in seiner - realen - Rolle als Angehöriger der israelischen Besatzungsarmee. Also kein Kino. 

Moses Maimonides, Namensgeber des Kriegspropaganda-Instituts auf französische Staatskosten, wurde 1135 in Cordoba (heute Spanien) geboren und starb 1204 in Tiberias (heute Israel). Er war Theologe, Philosoph und Mediziner. Die Araber nannten ihn Mussa bin Maimun ibn Abdallah al-Kurtubi al-Israili. Religöses und Philosophisches schrieb er auf Hebräisch, Medizinisches auf Arabisch. Er beriet Saladin zur Zeit der Befreiung Jerusalems von den raubmordenden Horden, genannt Kreuzritter. Anschließend konnten Juden und Muslime in Jerusalem eine Weile ungestört ihren Geschäften und Gebeten nachgehen. 

Offenbar, damit das nie wieder so werde, provozieren die Institutsbetreiber und der heiße Krieger Arno Klarsfeld die französische Öffentlichkeit. Die rechten französischen Anhänger der israelischen Eroberungs- und Besatzungspolitik lassen keine Gelegenheit aus, sich verhaßt zu machen.

T:I:S, 6. Januar 2006  (siehe Folgeartikel vom 11. Januar 2006)

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Scharons Achillesferse

Die europäischen Juden für gerechten Frieden in Nahost (EJJP) und alle angegliederten nationalen jüdischen Organisationen plädieren - wenn auch in unterschiedlicher Form - für den Boykott israelischer Waren und Dienstleistungen (siehe Besatzungs-Boykott, pdf-Datei). Dominique Vidal, Le Monde diplomatique, plädiert stattdessen für die Aufhebung des Assoziierungsabkommens der Europäischen Union mit Israel. Er hat seine Position auf Französisch dargelegt, die Redakteure der deutschen Ausgabe im Hause taz fanden den Artikel, wie so viele Anti-Scharon-Artikel, nicht publizierenswert. Dafür liegt er auf Persisch vor:   پاشنه ي آشيل آريل شارون

T:I:S, 2. Januar 2006

siehe auch: Kritik an Israel

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Thomas Immanuel Steinberg

2006 kein Frieden zu befürchten

ThyssenKrupp baut unter anderem die U-Boote der Dolphin-Klasse für Israel. Mit Friedensschritten in Nahost könnte Bush den Aktionären den Kurs versauen. Die Börse glaubt nicht dran.

 

 THYSSENKRUPP AG O.N WKN 750000 – Handelsblatt .com, Silvester 2002 bis 2005

Human Rights Watch hatte den US-Präsidenten zu Jahresende aufgefordert, diplomatisch und finanziell gegen die andauernde Erweiterung völkerrechtswidriger jüdischer Siedlungen auf der Westbank vorzugehen. Fast alle geplanten Siedlungserweiterungen lägen auf palästinensischem Gebiet, aber annexionsbereit diesseits der Mauer. Der Präsident selbst habe am 20. Oktober 2005 erklärt: „Israel muß ungenehmigte Vorposten beseitigen und die Siedlungserweiterungen beenden.“

T:I:S, 31. Dezember 2005

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