Peak Oil

www.SteinbergRecherche.com

Home
Nach oben
Hamburger Schmierdreck
Querdenker
Klaus Feldgen.
Kommentar
Kooperation und Macht
Stefan Kröpelin
Elmshorn
Peak Oil
Alexander Wöstmann
Mohn in Afghanistan
Tschetschenien
Michael C. Ruppert
Arbeitslosengeld II
AJCongress
Al Qaida
Karl-Heinz Dellwo
Peter Dale Scott
Alternative
Sudan
Jacques Attali deutsch
Une autre voix juive
ATTAC
Stadtentwicklung
Banlieue
Redaktion Bahamas
Left Curve
Polder
Steuern
Mosul-Haifa
Jewish Agency
Conn Hallinan
Herrschaft
Sozialdemokraten
Krisis
Davidstern
Folter
The Presidential Prayer Team
Livia Rokach
Ron Jacobs
Daniel Cohn-Bendit
Reuven Moskovitz
Hermann Werle
Wiesbaden-Erbenheim
Häuserkampf
Peter Wahl
Neue Irakfahne
Fahnen
Überleben
Justin Raimondo
NATO
Bertrand Russell
BILD-Zeitung
Marseille
11. März
Route 181
Johannes M. Becker
Jacques Derrida
Perle Harbour
Stefan Krempl
Mitwisser
Thorsten Fuchshuber
Leslie Gelb

Steinberg Recherche Referent Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter? 

 

Fatih Birol

der Chefökonom der International Energy Agency (IEA), einer Abteilung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) behauptet, in weniger als fünf Jahren werde eine Ölklemme die Wirtschaft fundamental erschüttern. Tages-Anzeiger, Zürich. Dank an Jens Wagner. 

Nur 'mal so: Jens Wagner ist Arzt, IPPNW, und agitiert für die Aufdeckung der Hintergründe des 11. September 2001. Er unterstützt Frieder Wagner bei der Bekanntmachung der grauenerregenden Folgen des Einsatzes von Uranmunition im Kosovo, im Irak und in Afghanistan. Nun weist Jens Wagner auf Peak Oil hin, und eine Abteilung der OECD sagt: stimmt. Spinnerei dagegen verbreiten unser Innenminister Schäuble, die ganze Kommerzpresse und der größte Teil der Staatspresse über angebliche Terroristen. 

Empfehlungen von SteinbergRecherche zu Peak Oil: keine  Kommerzpresse kaufen und Auto wegschmeißen; in die Innenstadt ziehen; für den Winter dicke Jacke bereithalten und zum Warmwerden ein paar Flughäfen und Autobahnen stillegen. Dann hält das Öl etwas länger.

T:I:S, 6. August 2009

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/peakoil.htm#Birol

nach oben

*

Thomas Immanuel Steinberg

Oil Peak – drei verbreitete Fehlschlüsse

Die Peak-Oil-These besagt: 

Aus jeder Ölquelle läßt sich von einem gewissen Zeitpunkt an pro Zeitraum (Tag, Monat, Jahr) aus geologischen und technischen Gründen nicht mehr Öl fördern als im vorangegangenen Zeitraum (Tag, Monat, Jahr). Danach sinkt die Fördermenge, bis kein Öl mehr gefördert werden kann. Diese Regel gilt auch für die Ölreserven ganzer Länder und sogar für die Ölreserven der Welt.

Wenn gleichzeitig der entsprechende lokale, nationale oder weltweite Bedarf steigt, so gibt es einen Zeitpunkt, an dem er die förderbare Ölmenge übersteigt. Dann...

... ja, dann fangen die verbreiteten Fehlschlüsse an.

Erster Fehlschluß: Wenn der Peak überschritten ist, steigt der Ölpreis.

Der Ölpreis, jedenfalls der auf den sogenannten Spotmärkten im Welthandel, ist in Wahrheit das Ergebnis unüberschaubarer Faktoren: tatsächliche Reserven im Boden und in den Tanks, Förder- und Weiterleitungskapazitäten, Raffineriekapazitäten und freie Mittel an den Finanzmärkten; der gegenwärtige und der künftige Bedarf an Ölderivaten; all diese Faktoren, bezogen auf Gas, Atomenergie und andere Ressourcen, die Öl teilweise ersetzen können  – und die Ansichten der Marktteilnehmer über Stand und Entwicklung all dieser Faktoren zusammen genommen.

Daher kann niemand wissen, ob der Welt-Ölpreis steigt, wenn steigender Bedarf und stagnierende oder sinkende Fördermenge sich schneiden.

Umgekehrt läßt sich aus einem steigenden Ölpreis nicht schließen, daß der Peak überschritten ist; und aus einem sinkenden Ölpreis nicht, daß der Peak noch vor uns liegt.

Zweiter Fehlschluß: Machtzentren, die ihren Ölbedarf nicht decken können, müssen Krieg führen.

Machtzentren müssen keineswegs Krieg führen. Sie können wirtschaftlich mehr einsetzen, um das Öl zu erlangen; oder sie können wirtschaftlich mehr einsetzen, um den eigenen Bedarf zu senken. Sie werden versuchen, das auf Kosten anderer zu tun. Mißlingt der Versuch, so büßen sie an Macht ein. Aber sie müssen keinen Krieg führen.

Dritter Fehlschluß: Wären genug alternative Energieressourcen vorhanden, dann gäbe es weniger Krieg.

Würde alle Energie der Welt aus Sonnenkollektoren gewonnen, so würden die Machtzentren der Welt versuchen, die Herrschaft über die Sonnenkollektoren zu erlangen. Dazu müssen sie nicht, siehe zweiter Fehlschluß, Krieg führen. Wenn sie es aber können und wollen, dann werden sie um die Sonnenkollektoren Krieg führen, genauso, wie sie jetzt um Öl Krieg führen.

Warum aber führen die Machtzentren der Welt dann Krieg? Weil die, die unter dem Krieg leiden, sie nicht daran hindern; weil sie sie nicht an der Rüstung hindern; weil sie sie nicht am Machtzuwachs hindern; weil sie sie nicht entmachten. 

Einer, der bezweifelt, daß der Peak bereits erreicht ist, hat in der New York Times behauptet, das Rohöl werde knapp, weil immer mehr Länder auf der Welt ihre Ölressourcen nationalisieren. Die großen US-Konzerne besäßen die Technologie für eine gewaltige Steigerung der Ölfördermenge, kämen aber an das schlecht erschlossene nationalisierte Rohöl nicht heran. (1) Der Leser soll wohl schließen: Dann muß eben das Imperium den US-Riesen den Zugang zum nationalisierten Öl verschaffen. Notfalls mit Krieg.

Ein US-amerikanischer Autoaufkleber spottete schon vor vielen Jahren über diese Krieger:

How did our oil get under their sand?

T:I:S, 21. August 2008

Anmerkung

(1) Jad Mouawad: As Oil Giants Lose Influence, Supply Drops. New York Times, 19. August 2008 

Mehr zur Peak-Oil-These, zum Ölpreis und zu den Ölkriegen unter Gathering, Alexander Wöstmann und Geburtswehen

nach oben

*

Global Peak Oil Gathering

Am 19. und 20. Oktober kamen in Diehl's Hotel in Koblenz-Ehrenbreitstein Energieexperten aus Australien, Brasilien, Indien, Malaysia, den USA und ganz Europa zum Global Peak Oil Gathering 2004 zusammen. SteinbergRecherche war dabei. 

 

Thomas Immanuel Steinberg 

Wie lange reicht das Öl?

Wieviel Erdöl es noch gibt, hängt in gewissem Sinne vom Preis ab

 

Am Spotmarkt kosten zur Zeit 159 Liter Rohöl von der Sorte Brent, ein Barrel also, um die 50 Dollar. Doch das meiste Rohöl wird nicht »on the spot«, vom Fleck weg verkauft, sondern aufgrund längerfristiger Verträge. Die dabei vereinbarten Preise lagen bisher weit unter 50 Dollar je Barrel, schießen aber zur Zeit nach oben. Für Öl der US-Sorte West Texas Intermediate, das im Juni 2006 geliefert wird, sind jetzt 40 Dollar zu zahlen. Im Dezember 2009 zu lieferndes Öl kostet augenblicklich 35 Dollar.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gibt die durchschnittlichen Produktionskosten je Barrel mit 20 Dollar an. Die Ölproduzenten profitieren also zur Zeit wie nie. Dagegen geht es den Bewohnern mancher Rohölländer sogar schlechter, falls dort keine Raffinerien bestehen und Benzin sowie andere Ölderivate folglich mit entsprechenden Preisaufschlägen importiert werden müssen. Der Preisanstieg bei Rohöl wird durch den Preisanstieg bei Benzin überkompensiert.

Die Grenzkosten, also die Kosten für jedes zusätzlich geförderte Barrel, steigen gegenwärtig. An die noch vorhandenen Reserven heranzukommen, erfordert größeren Aufwand. Zum Beispiel werden in Saudi-Arabien die drucklos lagernden Rohöl-Sedimente teilweise mit Meerwasser an die Oberfläche gepreßt. Nach und nach enthält der Boden immer mehr Meerwasser und immer weniger Rohöl. Die Ölgewinnung wird immer kostspieliger.

Großverbraucher können mittelfristig auf Gas ausweichen. Doch für Erdgaslieferungen – aus Rußland nach Westeuropa zum Beispiel – gibt es gar keine eigene Preisbildung: Produzent, Abnehmer und Größenordnung stehen langfristig fest. Daher sind die Erdgaspreise vertraglich über eine Gleitklausel an die Ölpreisentwicklung gekoppelt. Mit gewisser Verspätung und ohne die extremen Spotmarkt-Ausschläge folgt der Gas- dem Ölpreis.

Öl- und Gaspreis hängen letztlich nicht von den natürlichen Gegebenheiten ab, sondern von den gesellschaftlichen. Hätten die Deutschen nicht 40, sondern nur 20 Millionen Autos und die USA auch nur die Hälfte, dann wäre Energie heute billiger. Vergleichbare Wirkung hätte der Bau von Häusern, die Sommerwärme im Boden speichern und im Winter wieder abgeben, statt Öl zu schlucken.

Doch wie lange reicht das Öl, wenn weiter damit geast wird? Die unbefriedigende Antwort: entweder wenige oder viele Jahrzehnte. Ölproduzierende Länder wie Saudi-Arabien und die Emirate machen eher hohe Angaben über die eigenen Reserven. Sie wollen ihre Kunden nicht verlieren. Andere, wie China, halten ihre Statistik nicht auf dem Laufenden. Über Jahre hinweg melden sie unveränderte Reserven, obwohl sie Öl verbraucht oder neue Felder entdeckt haben. Alle Länder sollen jährlich angeben, welche Ölreserve nach gegenwärtigem Stand der Technik und bei gegenwärtigem Preisniveau insgesamt noch wirtschaftlich förderbar ist. Ähnlich einem Kaufmann sollen sie Inventur machen. Bei steigendem Ölpreis, wie gegenwärtig, wird mehr Öl wirtschaftlich förderbar – die Reserven nehmen zu. Wieviel Öl es noch gibt, hängt tatsächlich in gewissem Sinne vom Preis ab.

Jean-Marie Bourdaire vertritt die Peak-Oil-These. Er war vor seiner Pensionierung Leiter des Büros für langfristige Zusammenarbeit und politische Analyse der International Energy Agency, davor in leitender Funktion bei Total. Er ist Absolvent der Pariser Ecole Nationale Supérieure des Mines. Heute trägt er zur Meinungsbildung im World Energy Council bei.


Einige Länder passen ihre Mengenangaben veränderten Preisen und veränderter Technik an, andere nicht. So weiß niemand genau, wie lange das Öl noch reicht. Sicher ist nur, daß Öl nicht mehr gefördert wird, wenn die Förderung mehr Energie verbraucht, als sie einbringt. Vielleicht aber kommt es gar nicht darauf an, wieviel Öl insgesamt noch da ist, sondern wieviel gerade höchstens gefördert werden kann (gemäß der Peak-Oil-These, siehe Interview)? Ist der Peak, die Spitze überschritten, könnten die Kriege ums Öl sich vervielfachen.

Zwischen Öl und Kriegen besteht ein enger Zusammenhang. Einige, wie Hermann Scheer von EuroSolar, hoffen auf eine friedliche Welt durch weltweiten Einsatz von Sonnenenergie. Im Unterschied zu nicht erneuerbaren Energieträgern wie Gas und Öl sei Sonnenenergie endlos und überall vorhanden. Ein Streit darum sei daher Unfug.

Ist diese Vorstellung wirklich durchdacht? 1991 hat Saddam Hussein Kuwait in der Hoffnung überfallen, eine Vormachtstellung in der OPEC zu erlangen. Elf Jahre später besetzte George Bush den Irak in der Hoffnung, die US-amerikanische Weltmachtstellung zu festigen. Das wäre doch genauso, wenn alle Energie aus Sonnenkollektoren bezögen – der Irak, Kuwait und die USA. Oder nicht?

Erschienen in der jungen Welt vom 5. Oktober 2004; siehe auch das Interview mit Alexander Wöstmann vom 5. Oktober 2004

T:I:S, 5. Oktober 2004 

*

Steinberg Recherche Referent Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben

Mail

URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/peakoil.htm

Disclaimer / Copyright