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Roßkur von Chefökonom Dr. Hartwich

Oliver Marc Hartwich findet am 13. November 2007 im Deutschlandradio Kultur:

Der Beitrag des SPD-Chefs Kurt Beck zur Ideologiekritik erstreckte sich denn auch darauf, den Neoliberalismus eine „Ideologie ohne Erdung“ zu nennen. Man darf davon ausgehen, dass er sich mit der Erdung als gelernter Elektromechaniker bestens auskennt.

Dr. iur Dipl.-Ök. Hartwich paart seinen Dünkel gegen Beck als gelerntem Handwerker mit Reklame für den schlanken Staat, eine Roßkur Milton Friedmans, die als erster 1973 der Strauß-Freund, Putschgeneral und Massenmörder Augusto Pinochet seinem Land Chile verordnete. Der Fischer Weltalmanach berichtet 2007 über Chile:

Zwar sank die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze seit dem Ende der Diktatur [1990, T:I:S] um mehr als die Hälfte auf rd. 19% der Bevölkerung, doch gehört Chile zu den Ländern, in denen weltweit die größte Einkommensungleichheit herrscht.

In den USA und in Israel liegt der Gini-Kooeffizient, der die Einkommensunterschiede zwischen Ländern vergleichbar macht, noch höher, nämlich am höchsten auf der Welt, schrieb Leonard Fein am 14. Dezember 2005 anhand eines Berichts aus der Jerusalem Post. Nicht die chilenische, sondern die US-amerikanische und die israelische sind daher Hartwichs Lieblingsregierungen: Er ist Chefökonom einer Denkfabrik; der Ausstoß bleibt gewöhnlich an Broders Achse des Guten kleben.   

T:I:S, 14. November 2007

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Thomas Immanuel Steinberg

Eine Herde trojanischer Pferde

Josef Joffe, das trojanische Pferd in der Zeit und im Tagesspiegel, die Broderliner in Spiegel und Welt, und allen voran die Bildzeitung, tippen sich die Hufe wund

doch die meisten Deutschen wollen keinen Krieg.

Israel sei bedroht, schreiben sie. Die Kriegsgegner indes, deutsche ebenso wie israelische oder US-amerikanische, halten Israel für unangreifbar, wegen seiner Atomwaffen und wegen seines Bündnisses mit den Vereinigten Staaten. Kein falsches Übersetzen persischer Sprüche hilft, kein Foto von Kinder-Gekrakel an Kreuzberger Wänden. 

Da tauchen, wie aus dem Nichts, lauter trojanische Pferde auf, hölzern die Schale, demokratisch der Anstrich, manchmal auch links; aus Fertigteilen das Gerüst, unrund die Räder. Die imperialistischen Mährenherde holpert durch die Gassen: 

http://anti-anti-americanism.com/blog/ 

http://napauleon.typepad.com/nobloodforsauerkraut/ 

http://weaponsofmoderndemocracy.blogspot.com/ 

http://blog.transatlantic-forum.org/ 

http://medienkritik.typepad.com/ 

Sie wiehern im Kanon, die Deutschen seien antiamerikanisch. 

Sie haben sich die Boxen-Schilder ihrer Geschwister auf den Bauch gepinselt und was Lustiges an den Schwanz gebunden. Daneben trottet Lizas Klepper,  quietscht die Achse des Guten und lahmen die Freunde der offenen Gesellschaft. Alle fressen die Äpfel, die die andern haben fallen lassen. Unverdaut scheiden sie den Mist wieder aus, um in der nächsten Runde erneut danach zu schnappen. 

T:I:S, 4. April 2007

Dank an P.K. für die Vorarbeit

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zu Gelungene Begriffswahl;

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Gelungene Begriffswahl 

Robert Fisk schildert, wie US-Journalisten sich begrifflich verrenken, um in Lohn und Brot zu bleiben. Was da das Westjordanland bantustanisiert, habe Zaun zu heißen, oder Wall. 

Gewiß. Das Wort Mauer läßt an versprengte Ghettos denken, in die Juden gepfercht sind, oder Sinti. 

Zäune andererseits umschließen nicht nur adrette Vorgärten - wie Fisk bemerkt -, sondern auch Konzentrationslager! 

Deshalb nennen wir's am besten Wall, Westjordanwall. Genau wie Westwall, den Hitler zum Schutz vorm Franzmann bauen ließ, bevor ihn das jüdisch-bolschewistische Europa dann doch zum Präventivschlag zwang. 

 
Zum Vergrößern anklicken. Karte: Wikipedia

T:I:S, 29. Dezember 2005

Inhalt des Artikels von Fisk auf Deutsch bei freace.de

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Thomas Immanuel Steinberg

Bush ist nicht Amerika

Bush ist nicht Amerika, Scharon ist nicht das Judentum, und wir sind nicht Deutschland. Aber wir sollen das alles glauben. 

  1. Bush ist nicht Amerika.

Wir haben doch alle früher Erdkunde gehabt. Kanada und Mexiko liegen in Nordamerika, der Rest in Mittel- und Südamerika – bis auf Yankee-Land. Bush ist der Boss von Yankee-Land, nicht von Amerika, auch wenn der Fehler jeden Tag in Zeitung und Fernsehen wiederholt wird. Die USA sind nicht Amerika. Die USA sind ganz untypisch für Amerika. 

Bush repräsentiert die Herrschaftselite der USA. Er läßt foltern und weißen Phosphor verstreuen, abgereichertes Uran und Napalm-Derivate; er raubt und mordet ohn’ Unterlaß. Über 99 Prozent aller US-Amerikaner tun das nicht. Bush ist ganz untypisch für einen US-Amerikaner. 

Doch Nationalisten in unserem Lande versuchen, uns glauben zu machen, Bush sei Amerika: die einen, weil sie uns Deutsche hinter ihre eigenen Raub- und Mordfeldzüge kriegen wollen – Typ Schröder / Fischer; die anderen, weil sie Gesellschaftsklasse und Nationalität tatsächlich verwechseln, was wiederum die Herrschenden freut, hüben wie drüben. 

Vom gleichen Nationalismus geritten sind Leute, die Bush-Gegner als Anti-Amerikaner bezeichnen. Wir Bush-Gegner sind Demokraten oder Kommunisten, Christen oder Atheisten, Numismatiker oder Radfahrer. Aber wir sind keine Anti-Amerikaner.  

  1. Scharon ist nicht das Judentum.

Scharon repräsentiert die Herrschaftselite Israels. Er läßt foltern und morden wie Bush. Über 99 Prozent aller Juden tun das nicht. Scharon ist ganz untypisch für einen Juden. 

Doch Scharon-Anhänger, wilde Nationalisten und Rassisten in Israel, bei den US-Organisationen Anti-Defamation League und AIPAC (America’s pro-Israel Lobby) und in den Dachorganisationen jüdischer Organisationen in Europa, versuchen, uns einzureden, Scharon und sie selber seien das Judentum. Sie geben vor, Judäophobie zu bekämpfen. Tatsächlich schüren sie den Haß gegen Juden. 

  1. Wir sind nicht Deutschland

Die Kampagne der deutschen Medienkonzerne soll uns hinter die deutsche Herrschaftselite bringen. Mit Rudolf Diesel, der sich dagegen nicht wehren kann, sollen wir keine Parteien mehr kennen, sondern nur noch Deutsche. Wir sollen mit Bertelsmann und Springer die nächsten deutschen Raub- und Mordzüge bejubeln. 

Wir sind aber nicht Deutschland, sondern eine winzige Minderheit von unter einem Prozent der Deutschen, die jeden Krieg, jede deutsche Rüstung, jeden Nationalismus und Rassismus zum Teufel wünschen.  

Wir seien Deutschland?  Eher sind wir Papst.

T:I:S, 28. November 2005

Dank an Werner Krämer-Prenzlberg für einen wichtigen Hinweis 

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Thomas Immanuel Steinberg

Mazedonien vor der Kommunalwahl - ein Leerstück in Propaganda

   

Die Berliner Außenpolitik arbeitet seit langem auf eine Loslösung des Kosovo aus dem serbischen Staat hin, schreibt der Internetdienst German Foreign Policy. Er belegt seine Feststellung mit Reden und Taten deutscher Außenpolitiker aller Couleur. „Stück Land ohne Status",  „Routine-Übung“  und weitere Beiträge, auf die in den beiden Texten verwiesen wird, zeigen auf, wie Deutschland im NATO-Verbund Restjugoslawien zerkleinert. 

Nationalistische Serben 

Die alliierte Sezessionspolitik stößt auf serbischen, und, wenn auch schwachen, ausländischen Widerstand. Gegen den NATO-Überfall auf Jugoslawien 1999 wandten sich in Deutschland die wenigen Linken in und außerhalb der Grünen Partei und in Großbritannien die wenigen Linken in und außerhalb der Labour Party. Seit der Jahrtausendwende ist in beiden Ländern die Opposition gegen die westliche Kolonialpolitik auf dem Balkan geschwunden, aber sie existiert in Zirkeln weiter. Wie auch sie zum Schweigen gebracht werden soll, verraten die jüngsten Beiträge zweier Propaganda-Instrumente  imperialistischer Politik, die auf ein informiertes, sich links-demokratisch verstehendes Publikum zielen. 

Das eine Organ ist die in Berlin erscheinende Wochenzeitschrift jungle world. Autoren und Leser des Blattes mit links-poppigem Anstrich billigten zwar den Sturz Saddams durch die USA und damit den zweiten Irak-Krieg. Sie verurteilten aber die Bombardierung Jugoslawiens als Eingriff der NATO in den jugoslawischen Bürgerkrieg auf Seiten der Kosovo-Albaner. Eine Befürwortung des Jugoslawien-Kriegs hätte zwar zum Einverständnis des Blattes mit den US-amerikanischen Neo-Konservativen gepaßt, nicht aber zur philosemitischen Linie des Blattes. Die Redaktion konnte sich als Schützer von Juden auf der Welt 1999 aufspielen, weil sie im „Clash of Civilizations“ gegen die teilweise islamischen Kosovo-Albaner und für die orthodoxen Serben und die wenigen jugoslawischen Juden im Kosovo Stellung bezog. Sie tat es solange, wie unklar blieb, ob die in Serbien implantierten US-orientierten Weltbank-Schüler sich durchsetzen würden.  

Indes stemmen sich weiter viele Serben gegen die NATO-Sezessionisten und die frei-marktwirtschaftliche Kolonisierung. Auch stehen für Sonntag, den 13. März 2005 Kommunalwahlen in Mazedonien an. Der mazedonische Nordwesten ist überwiegend von Albanisch-Sprechern besiedelt. Die mazedonische Zentralregierung befürchtet die faktische Abspaltung des Nordwestens Mazedoniens nach den Kommunalwahlen und den späteren Anschluß an ein unabhängiges oder mit Albanien vereintes Kosovo. Offenbar galt es für jungle world, den linken Rand der deutschen Gesellschaft auf die nun absehbaren Auseinandersetzungen zwischen Serben und mazedonisch-sprachigen Mazedoniern einerseits, albanisch-sprachigen Separatisten andererseits propagandistisch vorzubereiten: In der jüngsten Ausgabe von jungle world vom 2. März 2005 schildern zwei Artikel den in Serbien angeblich schäumenden Nationalismus und Antisemitismus: Muslime würden von Serben als Amerikas Islamisten  diffamiert,  und ein Aufschwung rotbrauner Verschwörungstheorien in Serbien  sei festzustellen. al-Qaida, heiße es allenthalben, unterwandere das Kosovo im Auftrag der USA. Süffisant vergleicht jungle world den Streiter für das Ende der Haager Prozeßfarce gegen Milosevic, Jürgen Elsässer, mit einem „anderen Deutschen“, mit Franz Schönhuber.  

Dem beigegeben sind Ramadan statt Rap  und Bosnische Generäle vor Gericht , nach dem Schema: zwei Hiebe auf Rot, zwei auf Grün, wegen der Ausgewogenheit. Die Leserin soll den Schluß ziehen: Wer gegen Antisemitismus und Nationalismus ist, kann im anstehenden – möglicherweise blutigen – Konflikt kaum für die albanische, aber auch nicht für die serbische Seite eintreten. So scheint nur die NATO übrig zu bleiben, und der nichts anderes, als die Streithähne - sprich: das Kosovo von Serbien - zu trennen. jungle world gibt der imperialistischen deutschen und britisch-amerikanischen Außenpolitik propagandistischen Flankenschutz – auf dem winzigen linken Fleckchen bundesdeutscher Öffentlichkeit. 

Antisemitische Serben 

Großbritannien stellte im Jugoslawien-Krieg den NATO-Sprecher, Jamie Shea. Nur Rudolf Scharping konnte besser lügen. Shea überzeugte die linken Briten so wenig wie Scharping die deutschen Friedensfreunde von der Humanität der NATO-Bombardements. Nun droht erneut demokratische und linke Parteinahme für den serbischen Widerstand. Dem scheint ein Medium vorbeugen zu wollen, das nahezu täglich berichtet, was sich politisch auf dem Balkan bewegt. Das Institute for War & Peace Reporting informiert und kommentiert auf Englisch, Serbo-Kroatisch und Albanisch alle Balkankonflikte.  

Etwa gleichzeitig mit jungle world schildert jetzt das Institut in seinem Balkan Crisis Report, wie der Antisemitismus in Serbien neuerdings sein Haupt erhebe.  Die „Protokolle der Weisen von Zion“ (ein zaristisches Machwerk) lägen in den Buchhandlungen aus, eine Liste mit prominenten serbischen Juden stehe auf einer Neo-Nazi-Seite im Internet. „Experten“ seien sich einig, daß Serbien eine Brutstätte extrem rassistischer  Ideologien werde – “zum Teil die Folge eines Kriegsjahrzehnts unter Slobodan Milosevic, als die Medien die Kroaten, Muslime und Albaner zu dämonischen Feinden der unschuldigen Serben ausmalten.“ Das ehemalige Oberhaupt der kleinen jüdischen Gemeinde Serbiens, Aca Singer, wird zitiert mit der Meinung, es sei bezeichnend, daß antisemitische Vorfälle seit dem Sturz des Milosevic-Regimes zugenommen hätten. Die Ankunft der Demokratie in Serbien habe wohl Gefühle gegenüber Juden freigesetzt, die vorher gut verborgen worden seien.

Dem zitierten „Experten“-Urteil über die angeblichen Milosevic-Nachwirkungen und der gegen jede Nachprüfung immunen Singer-Meinung widerspricht eine andere Passage des Artikels. Ein Verlag namens IHTUS Christian Books verbreite die – seit dem Mittelalter wiederholten – Ritualmordlegenden über Juden. Der Verlag sitze in Zabalj in der Vojvodina. Die Vojvodina gehört zwar zu Serbien, im Artikel wird aber nicht mitgeteilt, daß dort neben den Serben viele Ungarisch-Sprachige wohnen, auch sie für Sezessionstendenzen anfällig.  Der Verleger, ein Ratibor Djurdjevic, sei Mitglied der rechten Vor-Weltkriegs-Organisation Dimitrije Ljotic gewesen. Aus der Emigration in die USA (!) sei er 1990 nach Serbien zurückgekehrt. Der fanatische Antisemit Djurdjevic hat also dem serbischen Sozialisten Milosevic völlig fern gestanden.

Freies Schußfeld für die NATO

Beim flüchtigen Lesen des Balkan Crisis Report könnte dennoch hängen bleiben, was NATO-Interessen zupaß kommt: Die Serben, dem gefangenen Milosevic immer noch verbunden, haben es auf die Juden abgesehen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichungen in jungle world und Balkan Crisis Report nährt den Verdacht, daß beiden Organen eine gemeinsame Strategie zugrunde liegt: die Diskreditierung jeder NATO-Opposition in links-demokratischen Kreisen. 

T:I:S, 8. März 2005

siehe auch Mazedonien, Verschwörungspraxis und Mazedonien, amerikanische Kriegsführung

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