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Minuten Öl Rede
von Thomas Immanuel Steinberg, Gewerkschaftlicher Arbeitskreis Frieden Hamburg,
gehalten am 3. November 2001 vor dem Kriegsklotz Wenn unser
Verteidigungsminister sagt: Da wird Schwangeren der Bauch aufgeschlitzt und die
Föten in den Grill getan. Deshalb müssen wir Belgrad bombardieren - dann
wissen wir alle: Scharping lügt. Wenn unser
Außenminister sagt: Da droht Auschwitz sich zu wiederholen. Deshalb müssen wir
das Kosovo mit Uran verseuchen - dann wissen wir alle: Fischer lügt. Und wenn
der Bundeskanzler sagt: Da steht die Freiheit auf dem Spiel. Deshalb müssen wir
Afghanistan mit Bomben bestreuen, die noch in 20 Jahren Leute zerfetzen werden -
dann wissen wir alle: Schröder lügt. Aber
warum, um alles in der Welt, warum bombardieren, verseuchen und zerfetzen diese
drei deutschen Kriegsverbrecher erst Jugoslawien, und helfen jetzt mit bei
Afghanistan? Warum gieren sie nach Mittun bei Blutbädern an den unmöglichsten
Ecken der Welt? Ich bin
kein Nervenarzt, ich bin Ökonom. Ich habe einfach nachgeschaut: Was liegt drum
rum um Afghanistan und Jugoslawien? Wo liegt Tschetschenien? Und worum ging's
wohl den Armeniern, den Russen, den Amerikanern und den Aseri, also den Leuten
aus Aserbaidschan, in Nagorny-Karabach? Und was hat die größte amerikanische
Festung außerhalb der USA seit dem Vietnamkrieg zu bedeuten, die jetzt im
Kosovo steht und Bondsteel heißt? Liebe
Leute, es geht um Öl und Ölleitungen,
um Erdgas-Pipelines und Flüssigerdgas-Schiffe. Wer solch eine Pipeline
beherrscht, und die dazu gehörige Infrastruktur, also Nachrichtenleitungen und
Fernstraßen, Eisenbahnzulieferung und Hafenanlagen, eventuell die Schiffart,
und auf jeden Fall die Polizei- und Militärabsicherung, der ist mächtig und
reich, der kann immer reicher und immer mächtiger werden. Und nun müßt
ihr wissen: Die drei Meere, das Kaspische Meer, und das Schwarze Meer, und das
Mittelmeer, von Osten nach Westen, ja, von rechts nach links, die liegen
halbwegs nebeneinander. Und noch rechts vom Kaspischen Meer, da liegt Öl; und
Erdgas; und richtig viel. Und
deshalb jetzt drei Punkte, und zwar nun von links nach rechts, von West nach
Ost: Kosovo; und Tschetschenien; und Afghanistan: ·
Kosovo:
Dem Vizepräsidenten der USA gehören Anteile der Firma, die den europäischen
Verkehrskorridor 8 erschlossen hat. Was, zum Teufel, ist dieser Korridor? Der
Verkehrskorridor 8 ist nötig fürs Öl, das übers Schwarze Meer kommt zum
Profitmachen am Mittelmeer und bis Rotterdam - für Übersee. Das Projekt heißt
AMBO-Pipeline, mit dem Bau wurde begonnen, als die UÇK ihre Spielzeugwaffen
abgeliefert hatte. Sie kostet über eine Milliarde Dollar und wird den Sprit
heranschaffen für 20 Millionen Autos. Eigentümer des Transportkorridors: Ein
amerikanisch beherrschtes Konsortium. Die Route: von Burgas in Bulgarien durch
Mazedonien, gleich am Kosovo vorbei, wo die amerikanische Festung Bondsteel
wacht, seit in Jugoslawien die Jungs von der Weltbank regieren. Und dann weiter
ans Mittelmeer in Albanien. Versorgt wird Bondsteel von eben der Firma, an der
Dick Cheney Anteile hat und deren Geraldirektor er war, bis er Vizedirektor für
Afghanistan-Zivilisierung wurde. Nachzulesen bei Michel Chossudovsky,
einem Ökonomie-Prof von der Universität Ottawa. ·
Nun zu den Tschetschenen,
eins weiter rechts, zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer: Als sie
nicht genug Transitgebühr von den Russen bekommen haben, haben die
Tschetschenen sich wie kleine Jungs auf den Gartenschlauch gestellt, der vom ölreichen
Baku über die Kaukasus-Nordroute nach
Novorossisk am Schwarzen Meer führt. Und die Russen haben furchtbar zurückgeschlagen.
Das könnt ihr beim Friedensratschlag nachlesen. ·
Schließlich
Afghanistan, zwischen dem Kaspischen Meer und dem Indischen Ozean, also südlich
und noch durch Pakistan - das wäre
ja der andere Weg für Gas und Öl aus Kasachstan und Turkmenistan. Dann wären
die Russen nicht mehr die einzigen mit einer Leitung dafür, nämlich oben herum
auf der Karte, im Norden, von den Tengizfeldern in Kasachstan her wiederum nach
Novorossisk am Schwarzen Meer. Aber in Afghanistan haben sich die Taliban
eingenistet und sich genauso dazwischen geschoben, wie ihre tschetschenischen
Gesinnungsgenossen bei den Russen. 180 Millionen Dollar jährlich hatten die
Taliban als Wegezoll mit der US-Firma Unocal und der saudischen Delta
verabredet, haben dann aber die Amerikaner verprellt und das Geschäft allein
mit den Saudis machen wollen. Il Manifesto meint: Die Taliban wollten eine
Konkurrenzfront zu den Amerikanern aufbauen. Und erst einmal wurde nichts aus
der Pipeline. Seitdem
wollen die USA bin Laden fangen, teeren und federn. Pikanterweise wurde das
World Trade Center mit einem Ölderivat vernichtet, mit Kerosin. Und bin Ladens
Forderung, außer weg Israel? Die Amerikaner sollen Saudi-Arabien verlasssen.
Aber so wie es aussieht, wollen die USA erst einmal vielen, vielen Menschen den
Schwedentrunk verabreichen aus Öl, oder sie verbrennen mit Napalm, wie in
Vietnam, oder sie vergiften, wie Shell das in Nigeria gemacht hat. Der
Zweck der Schlächterei ist immer der gleiche: Profit; und Herrschaft;
und Herrschaft für noch mehr Profit; und noch mehr Profit für noch mehr
Herrschaft. Und warum
machen unsere drei, der Schröder, der Fischer und der Scharping da mit?
Deutschland hat Maschinenbau, Röhren, Bohrtechnologie; und Philipp Holzmann,
also große Baufirmen; und Autofabriken, Autofabriken, Autofabriken: Der
deutsche Mercedes-Vertreter bei Bondsteel im Kosovo hat das Geschäft
seines Lebens gemacht allein mit den Kieslastern, die für diese Kunststadt
gebraucht wurden. Deutschland
wollte den Transportkorridorvon Consţanta in Rumänien, wieder am Schwarzen
Meer, nach Triest haben. Die italienische Eni stand dahinter, die mit Ruhrgas
zusammen grad die Schwarzmeeres-Bodenleitung für Erdgas aus Rußland in die Türkei
verlegt. Aber was haben diese Amerikaner im Jugoslawien-Krieg gemacht, ohne die
Italiener und die Deutschen zu fragen? Sie haben vier Brücken in die Donau
gebomt und so den Donau-Korridor auf Jahre hin blockiert. So haben die europäischen
Konzerne jetzt das Nachsehen, weil ihnen Cheney mit seiner AMBO-Pipeline beim
Kosovo das Geschäft wegschnappen wird. Nachzulesen ist das in der Schweizer
Zeitschrift Zeitfragen, unter www.zeit-fragen.ch
. In
Afghanistan heißt es jetzt zwar noch: Alle
auf einen. Aber Vorsicht: Die Ami-Go-Home-Sprüche können schnell aus der
Motten-Kiste geholt werden, vom Spiegel zum Beispiel. Und dann werden unsere
hauseigenen Raubmörder Fischer, Scharping, Schröder uns womöglich gegen die
Amis hetzen wollen, und uns hinlügen, wie gehabt - für den Profit; und ihre
Herrschaft; und für das Geld aus dem Öl. Und wer
das alles furchtbar findet und kaum glauben mag und genau nachlesen will, also,
für den hat der Gewerkschaftliche Arbeitskreis Frieden hier in Hamburg eine
Internetseite eingerichtet. Da kann er von Link zu Link übers Öl hüpfen und
wirklich vestehen, warum die World-Trade-Center-Angestellten verbrannt wurden,
die Tschetschenen, die russischen Soldaten und nun die Afghanen. Und
die Azeri, die Iraker, die Kurden - und auch zwei GI's. Danke fürs Zuhören. *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben
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