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Kai EhlersWeltmacht im Wartestand. Rußlands potentielle Autarkie: Eine Bestandsaufnahme jenseits von Putin. jW, 15.02.2008 / Thema / Seite 10 Homepage von Kai Ehlers auf Deutsch – Кай Элерс по-русски. T:I:S, 14. Februar 2008 *Blockade des Wissens und des GewissensWestberlin 1948 und Leningrad 1944
Sie werden sich wieder ausmären 2008, sechzig Jahre
nachdem der Westen die Mark der Bank deutscher Länder in Westberlin eingeführt und
damit die Teilung der Stadt besiegelt hatte. Sie werden wieder das Märchen erzählen
vom tapferen Westberliner, der dem Terror der sowjetischen Blockade
standgehalten habe dank westalliierter Rosinenbomber. Hartmut Barth-Engelbart hat die Wissensblockade um das
Westberlin von 1948/49 durchbrochen.
Die Tatsachen entlarven Ernährung und Brennstoffversorgung Westberlins aus der
Luft als Mythos. Die Gegenüberstellung von Luftfrachtkapazität und Bedarf
ergibt: Bei weitem der größte Teil der Westberliner Investitions- und
Verbrauchsgüter kam über Land durch die sowjetisch besetzte Zone nach
Westberlin. Vier Jahre vor dem Luftbrücken-Propagandacoup hatte die
deutsche Wehrmacht ihre Truppen um Leningrad abgezogen. Zwischen 1941 und 1944
waren im Belagerungsring schätzungsweise eine Million und zweihunderttausend
Leningrader durch Luftangriffe, an Hunger, Kälte und Krankheit gestorben. Der
deutsche Vernichtungskrieg gegen die Slawen hinterließ in der vormaligen
Dreimillionenstadt 400 000 Bewohner und 300 000 sowjetische Soldaten aus
anderen Landesteilen; und einen Trümmerhaufen. Die Blockade von Leningrad ist auf
Englisch und auf
Deutsch bei Wikipedia skizziert. 1962 erforschte die RAND Corporation (1) im
Auftrag der US-Regierung, warum die Sowjetsoldaten und die Leningrader
Bevölkerung durchhielten. Hauptgrund war der Terror der Invasoren, der gleiche
Grund, der später den Vietnamesen gegen die US-Amerikaner zum Sieg verhalf. Die
Afghanen und die Iraker, die Palästinenser und die Somalier sind auf dem
gleichen Weg. T:I:S,
25. November 2007 Anmerkung (1) Leon Goure: The Siege of Leningrad. Foreword by Merle Fainsod. Stanford University Press / New York, Toronto, London: McGraw-Hill Book Company 1962. Wieder aufgelegt im Mai 1981; zur Zeit ab $ 5,50 bei amazon T:I:S, 25. November 2007 *Tallinn und Berlin
Im Mai 1945 siegte die Sowjetarmee über Nazi-Deutschland.Die estnische Regierung hat den sowjetischen Bronzesoldaten in Tallinns Stadtmitte kurz vor dem Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland nachts heimlich zerlegt und ihn am Stadtrand wiedererrichtet. Alevtina Rea deutet in CounterPunch die Umbettung als Geschichtstilgung. Sie verweist auf das Sowjetische Ehrenmal im Berliner Tiergarten, vormals britischer Sektor der Stadt. Das Ehrenmal ist ein Denkmal des Landes Berlin.
Ewiger Ruhm den Helden, die im Kampf gegen die fürchterlichen deutschen faschistischen Eroberer für Freiheit und Unabhängigkeit der Sowjetunion fielen T:I:S, 4. Mai 2007 Quelle: Alevtina Rea: The Myth-Makers of Estonia. Necromutation of the Bronze Soldier in Tallinn. CounterPunch, 2. Mai 2007. Siehe auch die Kleine Denkmalkunde von Andreas Hauß *«Сахалин-2»: закрыть нельзя продолжить?Zwischen der russischen Regierung und Shell besteht ein Vertrag über die Off-Shore-Vorkommen an Gas und Öl bei Sachalin, der russischen Insel nördlich von Japan. Zu den ökologischen Gefahren siehe WWF Deutschland. Am 25. Oktober 2006 behandelte die Prawda das Problem: Михаил Вознесенский, «Сахалин-2»: закрыть нельзя продолжить?
Mikhail Voznesenskyi
Sakhalin-2
Schließen
nicht fortsetzen?
Das Problem ist verwandt mit dem
Dilemma aus einer alten russischen Erzählung – hinrichten nicht begnadigen.
Nämlich: Hinrichten, nicht begnadigen! Oder: Hinrichten nicht,
begnadigen! Die Rede ist von einem gigantischen Projekt.
Das Projekt sieht die Erschließung eines erdöl- und gashaltigen
Festlandsockels vor und gilt als das nachhaltigste internationale Geschäft, das man sich nur vorstellen kann.
Das Projekt Sakhalin-2 verursacht nun wieder einer russischen Regierung
Kopfschmerzen. In den letzten Tagen konnte man aus der Flut
der Nachrichten schließen, daß der transnationale Konzern Sakhalin Energy, der
sich auf der russischen fernöstlichen Insel breit gemacht hat, bald völlig
zerschlagen werden soll.
Der Minister für Naturressourcen Juri Trutnev
hat drohend verkündet, daß der Konzern und
seine russischen Subunternehmer im Umgang mit der Natur gegen mindestens
fünf Artikel aus dem Strafgesetzbuch verstoßen hätten.
Erschwerend kommt hinzu: Es war eine Gemeinschaftstat.
Die Schädigungen von Wald, Tieren
und Fischbestand würden bis
zu 7 Jahre Haft und
eine Geldstrafe in Höhe von 100 Millionen Dollar rechtfertigen.
Die russische Regierung hatte schon lange
die Absicht, das Projekt
wegen des angerichteten ökologischen Schadens zu schließen, und niemand hatte
diese Absicht verheimlicht. Das Projekt
Sakhalin-2 ist von Nachteil für Rußland.
Die ursprüngliche Idee war auf den ersten Blick edel.
Rußland verfügte über keine eigenen Mittel, um
die Vorkommen auf dem Meeresgrund bei
Sakhalin zu erschließen. Deshalb wurde
entschieden, ein Arme-Leute-Geschäft abzuschließen:
Wir lassen Fremde ins Gebiet, damit sie es entwickeln. Als Lohn dafür
nehmen sie einen Teil der Mineralien mit, und der Rest bleibt bei uns… Aber
niemand hatte erwartet, daß der Preis des Barrels in den Himmel schießen würde.
Dem
stellvertretenden Industrie- und Energieminister
Andrei Dementiev zufolge ist der Vertrag über die Aufteilung der Erträge
der schlechteste von drei ähnlichen Verträgen. Das Dokument ist so schlau
aufgesetzt, daß Rußland bis 2013 nichts daran verdient, und das sogar nur im besten
aller Fälle. Darüber
hinaus wird das Fördervolumen des Erdöls um ein Drittel, nämlich um 60
Millionen Tonnen, höher liegen als ursprünglich geplant, und die Gasförderung
um ein Viertel höher, nämlich um 150 Milliarden m³ –
ohne irgendeine Kompensation für Rußland. Die
Ausländer haben versucht, uns zu drücken, wo
es nur geht. Dem Vertrag zufolge sollten
70 Prozent der Subunternehmer
russisch sein. Der letzten
Meldung von Sakhalin
Energy vom September zufolge hat man die
Geduld nun endgültig verloren, denn: Die zweite Erschließungsstufe wird
nicht 9 Milliarden Dollar kosten, sondern 22 Milliarden!
Das bedeutet, daß Rußland im ersten
Viertel des 21.
Jahrhunderts weder Öl noch Gas aus Sakhalin bekommen wird.
Irgendetwas mußte geschehen.
Gewiß,
falls die Annullierung dieses riesigen
Vertrages vor dem
zuständigen Stockholmer Gericht nach New Yorker
Rechtsprechung verhandelt werden sollte,
drohen dem Land gigantische Sanktionen. Der
stellvertretende Industrie- und Energieminister Andrei Dementiev war
schon letzte Woche in Kampfstimmung: Er verlangte von
dem Konzern zuerst nur Bußgeld, um
damit die Schäden zu beseitigen. Doch jeder weiß, daß, sehr vorsichtig
gesagt, sich auf beiden Seiten die Anzahl der Nullen der Streitsumme stark unterscheiden wird. Kaum
hatte Umweltminister Trutnev die Insel überflogen, schon empörte er sich noch
mehr: 98 Prozent der Schäden seien beseitigt?
Das hatte, sehr aufgeregt, der Leiter des Projektes Ian Craig ernsthaft
behauptet. Wo bitte?
In Wirklichkeit war kaum etwas geschehen! Die Nachricht, die den Minister
noch während der Reise erreichte, hat die Verwicklungen weiter verstärkt: Trutnevs
Stellvertreter hat gekündigt, wie von Premierminister Fradkov nahegelegt . Der Direktor von
Sakhalin Energy erwartete vom
Spitzengespräch das Schlimmste und streute Asche auf sein Haupt: „Wir
werden uns alle Mühe geben und die Naturschutzgesetze in Zukunft
einhalten". In
den Gängen sprach man weiter von einer Rücknahme der Lizenz zur Erdöl- und
Gasförderung. Aber
der Ärger aus Moskau war erstaunlich
schnell mit den Sakhalinischen Winden verweht. Minister Trutnev erklärte, daß „die
Unterbrechung eines Projektes von solchen Ausmaßen während des Verfahrens uns
viel kosten wird“, aber vor den ökologischen Schäden „die Augen zu schließen“ sei
auch nicht möglich. Damit ist die
Stelle gefunden, an der das verfluchte russische Komma stehen
muß: „Schließen nicht, fortsetzen!" Übersetzung aus dem Russischen von Natalia Orlova und Thomas Immanuel Steinberg T:I:S, 31. Januar 2007 *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben
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