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Thomas Immanuel Steinberg

La Folie - der Wahnsinn des Rassismus

Feature im Deutschlandfunk über Frankreich

 

Der Hurrikan Katrina traf in Louisiana auf protestantische Ethik und den Geist des Kapitalismus. Wer ein Auto besaß, entkam; die vielen Armen ohne Auto – Schwarze meist – sollten sie halt verrecken. 

In Frankreich, dem Land, das Louisiana einst an die Vereinigten Staaten verkaufte, herrscht laizistischer Kapitalismus: Den afrikanischen Immigranten und ihren Nachkommen schlägt der gleiche Rassismus entgegen wie den Nachkommen der Sklaven in den USA. Die Frankfurterin Ruth Jung hat in einem Radio-Feature das Leid der Algerier nachgezeichnet, in Etappen von 1945 über 1961 bis heute.

Ruth Jung 

Am 8. Mai 1945, als Paris tanzte, schlug im algerischen Sétif die Besatzungsmacht einen von ihr selbst provozierten Aufruhr nieder. Den Mai und Juni 1945 über ließ sie etwa 20 000 Algerier ermorden.  

Am 17. Oktober 1961 forderten 30 000 Franzosen überwiegend algerischer Herkunft in einer friedlichen Demonstration das Ende der Besatzung Algeriens. Sie waren Arbeitsmigranten und lebten in Blechhütten am Rand von Paris. Eine der Siedlungen, hinter einer Müllkippe, hieß La Folie – der Wahnsinn. Die Pariser Polizei schoß auf die Demonstranten, es gab Dutzende Tote – die genaue Zahl wurde nie ermittelt. Befehlshaber der Polizei war Maurice Papon. Er hatte während des Algerienkrieges in den Fünfziger Jahren im besetzten Land und in Frankreich Razzien veranstaltet und foltern lassen. Wegen seiner Taten noch unter deutscher Besatzung – er hatte mit den Nazis kollaboriert und Juden den Deportationssammelstellen  zugeführt – wurde Papon 1998 verurteilt und inhaftiert, aber bald wieder frei gelassen. 

Heute, so läßt Ruth Jung in ihrem Feature einen Protagonisten berichten, befiehlt ein neues Gesetz französischen Lehrern, ihren Schülern die positiven Seiten französischer Kolonialherrschaft nahe zu bringen. Welcher Wahnsinn.

T:I:S, 17. September 2005

Ruth Jung: "Ich sehe das Gift blühn". Frankreich im Schatten der Libération. Co-Produktion DLF/SR, gesendet am 6. September 2005, 19.15h – 20.00h, im Deutschlandfunk. Das Manuskript der Sendung ist herunterladbar als rtf-Datei (62 KB) unter http://www.dradio.de/download/39578/

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