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Weder Krieg noch FriedenAnmerkungen zur Geschichte des Streits um das nordkoreanische Atomprogramm. Knut Mellenthin T:I:S, 20. Juli 2007 *Wie begann der Koreakrieg? nemetico T:I:S, 15. April 2007 *Wer hat da Atomwaffen?Rezension von Thomas Immanuel SteinbergDer Herrscher bedrohe seine Nachbarn. Das erstens. Zweitens
schinde er sein eigenes Volk. Deshalb müßten die UNO, die NATO oder die USA
das Land des Herrschers unterwerfen. Kaum ist das Land unterworfen, da stellt sich heraus:
Die NATO oder die USA haben die Bedrohung aufgebauscht oder gar frei
erfunden, und sie schinden die Menschen im Lande nicht weniger als der
vertriebene Herrscher. Das war in Jugoslawien so, das gilt für Afghanistan, das
geschieht jetzt im Irak. Als nächstes im Visier ist der Iran - und Nordkorea. Kim Jong Il, der Sohn des ersten nordkoreanischen
Herrschers Kim Il Sung, lasse Atombomben bauen, heißt es seit knapp einem Jahr,
und seine Regierung hätte das, was sie lange geheim gehalten habe, auch bereits
gestanden. Bedroht Nordkorea seinen Nachbarn Südkorea mit Atombomben,
fragt Jens Tevres in den Ketzerbriefen Nr. 115 (1). Für eine Antwort holt der
Autor historisch aus. Japan gewann Korea 1895 als Kolonie und annektierte es
1910. 1945 durften die japanischen Kriegsgegner auf US-Befehl Korea erst
verlassen, als die US Forces sich selbst als Besatzer etabliert und die
ehemaligen Helfer der Japaner zu ihren Kollaborateuren gemacht hatten. Das Land
wurde am 38. Breitengrad zwischen der Sowjetunion und den USA geteilt, doch die
sowjetischen Truppen verließen Nordkorea, während die US-Amerikaner blieben.
Der Koreakrieg 1950 bis 1953 brachte den Tod für 900 000 Chinesen, Millionen
Nord- und Südkoreanern, vor allem Zivilisten, und 24 000 US-Amerikaner, die
nominell unter UNO-Hoheit standen. Die Grenze blieb fast unverändert. In einem
Nachschlagewerk des Westermann-Verlages heißt es: „Nordkorea drängte zwar
auf eine Wiedervereinigung, aber nur unter der Voraussetzung eines Abzugs der
US-Streitkräfte. Südkorea benötigte aber aus innenpolitischen Gründen die
amerikanischen Truppen im Land. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Koreaner
blieb bestehen, was mehrfach auch zu innenpolitischen Krisen im Süden führte.“ Tevres nennt „die innenpolitischen Gründe“: Die Südkoreaner
wollten mehrheitlich, daß die US Forces das Land verlassen. Tevres beschreibt
auch „die innenpolitischen Krisen“: Südkorea kennt blutige Massenstreiks,
Aufstände und die wiederholte Zerschlagung jeder Opposition durch den südkoreanischen
KCIA. Eine sechstägige Räterepublik in Kwangju wälzte die Regierung 1981 mit
Panzern, Hubschraubern und 17 000 südkoreanischen Grenzsoldaten nieder. Die US
Forces übernahmen derweil die Bewachung der demilitarisierten Zone am 38.
Breitengrad. Heute sind 37 000 US-Soldaten in Südkorea stationiert, die Schiffe
vor der Küste der ganzen koreanischen Halbinsel atombewaffnet, und die
herrschende Clique ist, trotz einiger demonstrativer Annäherungen an Nordkorea,
letztlich weiterhin US-ergeben. Nordkoreas Kim Il Sung wollte sein Land energie-technisch
unabhängig machen und ließ graphit-moderierte Atomreaktoren entwickeln. Die
USA behaupteten daraufhin, Nordkorea wolle sich Atomwaffen verschaffen und
drohten mit Krieg gegen das Land. 1994 gab Erbfolger Kim Jong Il dem US-Druck
nach und traf eine merkwürdige Rahmenvereinbarung mit der Supermacht. Tevres
referiert den Kern der auf einer südkoreanischen Internetseite http://www.kimsoft.com/2002/geneva-1994.htm
zugänglichen Übereinkunft: 1. Nordkorea friert sein Graphit-Reaktoren-Programm ein . Nordkorea erfüllte den ersten Punkt der Rahmenvereinbarung
und ließ die Internationale Atomenergiebehörde dessen Einhaltung überprüfen..
Es beendete seine Arbeit am Graphitreaktoren-Programm. Die USA begannen im
August 2002, Vorbereitungen für ein
Gerüst der ersten Anlage zu treffen. Bei zügigem Baufortschritt wäre der
Reaktor frühestens 2010 fertig geworden, nicht 2003. Einen Nichtangriffsvertrag
oder eine gleichwertige formelle Erklärung über den Verzicht auf die Drohung
mit Atomwaffen oder auf deren Einsatz lehnten die USA ab. Stattdessen drohten
sie mehrfach allen Ländern, die sich ihren Interessen entgegenstellen, mit dem
Einsatz auch von Atomwaffen und beschimpften Nordkorea als Schurkenstaat und
Teil der Achse des Bösen. In Militärübungen simulierten sie den Einsatz von
Atomwaffen gegen Nordkorea. Bis Oktober 2002 hatte Nordkorea sich an die Vereinbarung
gehalten. Die USA hatten lediglich regelmäßig Schweröl geliefert. In den
beiden andern Kernpunkten hatten sie die Vereinbarung verletzt. Vom 3. Oktober
an führte der US-Sondergesandte, Unterstaatssekretär im State Department James
A. Kelly, dreitägige Gespräche mit der nordkoreanischen Regirung. Als fast
zwei Wochen vergangen waren, am 16. Oktober 2002, erklärte
State-Department-Sprecher Richard Boucher, Nordkorea habe zugegeben, ein
geheimes Atomwaffenprogramm zu verfolgen. (2) Einzige Quelle: James A. Kelly.
Nordkorea dementierte sofort. Tevres zitiert das nordkoreanische Dementi ausführlich
und kommentiert: „Warum hätte ausgerechnet Nordkorea als erklärtes
Kriegsziel der Amerikaner, seit Jahrzehnten von Embargos gebeuteltes und erst kürzlich
zum Bestandteil der Achse des Bösen erklärtes Land ein ‚geheimes’ Programm
zur Entwicklung von Atomwaffen ausgerechnet gegenüber dem Gesandten des
Hauptfeindes zugeben sollen?“ Die USA jedoch zwangen Öltanker auf dem Wege nach
Nordkorea zum Umdrehen und stellten im November 2002, kurz vor Wintereinbruch,
alle Lieferungen ein. Daraufhin kündigte Nordkorea sowohl den Rahmenvertrag mit
den USA und den Atomwaffensperrvertrag, als auch das Abkommen mit der
Internationalen Atomenegiebehörde. Umso heftiger behaupten jetzt die USA und
kolportieren die Gazetten, Norkorea habe ein Atomwafenprogramm. Soweit Tevres zur ersten Frage, ob der Herrscher Norkoreas,
Kim Jong Il, seinen Nachbarn
bedroht. Der Aufsatz überzeugt, weil er den Hergang wiedergibt und eigene
Urteilsbildung anhand von Zitaten und Verweisen gestattet. Der Autor könnte der
Kraft seiner Argumentation durchaus vertrauen. Doch gelegentlich legt er
agitatorisch nach. Das stört. Der zweiten Frage, wie übel denn vergleichsweise der
Diktator seinem Volk mitspiele, widmet sich die taz vom 21. August 2003. Sie
berichtet länglich über ein nordkoreanisches Lager für politische Gefangene
und über Ahn Myung Chul. Er war dort Lastwagenfahrer. Laut taz hieß „der
einzige Zeitzeuge außerhalb des abgeschlossenen Nordkorea, der das Lager von
innen gesehen hat“ ebenso: Ahn
Myung Chul. Dann steht einer Unterwerfung Nordkoreas wohl nichts mehr
im Wege. T:I:S, 25. August 2003 (1) Tevres, Jens: Hände weg von Nordkorea! Ketzerbriefe 115. Flaschenpost für unangepaßte Gedanken. August/September 2003. Hrsg. v. Bund gegen Anpassung. Freiburg im Breisgau: AHRIMAN-Verlag, S. 5 - 48 - € 4,50 / sFr 8,10. Zu bestellen unter www.ahriman.com (2) Daten laut Eiichi Kido, außerordentlicher Professor an der Staatlichen Universität Ôsaka (School of International Public Policy): Kriegsstimmung gegen Nordkorea. In: Volksstimme Nr. 25, 2003-06-20, bearbeitet von Rainer Werning http://www.volksstimme.at/arch/woche/2003/25-07-01.html *Steinberg Recherche Referent Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home nach oben
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