Herfried Münkler

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Albrecht Müller

PR-Wissenschaftler

Herfried Münkler zu Bin Ladens Ende

Die Bundeskanzlerin hat für ihren Beifall zur Tötung von Osama bin Laden nicht überall Beifall geerntet (siehe dazu den Beitrag von Wolfgang) . In jedem Fall schien es aus Sicht ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter sinnvoll, ihre Bemerkung „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ ins rechte Licht zu setzen, also nichts zurück zu nehmen oder zu korrigieren, sondern zu interpretieren. Wenn das ihr Pressesprecher Seibert tut, dann ist dies nur begrenzt wirksam. Da ist es gut, wenn man einen Wissenschaftler wie Herfried Münkler und einige Medien zum Transport seiner Interpretationskünste zur Verfügung hat. Also erschien bei Spiegel Online, diesem gehobenen Strichjungen der Journalistik, schon am 3. Mai ein Interview mit dem Politologen Münkler unter der Überschrift “Natürlich darf eine Demokratie töten“. Wörtlich zur Hauptsache:

Münkler: Für Frau Merkel hat meiner Einschätzung nach die Frage der Rache keine große Rolle gespielt, ihre Aussage ist einfach eine verunglückte Äußerung. Sie zeigt die semantische Unsensibilität einer gelernten Naturwissenschaftlerin. Merkel hätte stattdessen etwa sagen können: ‘Ich freue mich, dass es gelungen ist, das Problem eines freiherumlaufenden Osama Bin Ladens zu lösen’ oder ‘Ich freue mich, dass mein Kollege Obama einen solchen Erfolg erzielt hat.“

In anderen Blättern, wie zum Beispiel den Stuttgarter Nachrichten, wird der Ball aufgenommen.
Im Heutejournal vom 3. Mai wird Münkler interviewt. (Hier unter der Überschrift „Darf eine Demokratie gezielt töten?“)

Ich gehe davon aus, dass der Einsatz dieses so genannten Wissenschaftlers im konkreten Fall arrangiert ist oder dass er sich gerne zur Verfügung hält.

Auszug aus NachDenkSeiten, 4. Mai 2011. T:I:S, 5. Mai 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/rzmuenkler.htm#Mueller 

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Thomas Immanuel Steinberg

Die neuen Kriege

Wer etwas zu sagen hat, und sei's ein deutscher Professor, der drückt sich auch verständlich aus. Herfried Münkler, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität, schreibt flüssig und klar, und auf die "neuen Kriege", die in Tschetschenien, Kolumbien oder Sierra Leone, eröffnet er einen erhellenden Blick. Wir Kriegsgegner neigen ja zu einer Kriegsbetrachtung von außen her: Welche Mächte stehen hinter den Kriegsparteien, um welche Reichtümer wird gestritten, wessen Herrschaft soll gefestigt oder erschüttert werden ... Münkler dagegen beobachtet die innere Kriegsdynamik.  Die Maschinenpistolen sind billig und die zwölfjährigen Knaben willig. Ist das Gemeinwesen  erst verwüstet, so treibt die Kriegsökonomie allein aus sich heraus den örtlichen Warlord zur Fortführung seiner Gewaltakte. Kann er sich gar in der Schattenglobalisierung verankern, durch Raub und Handel mit wertvollen Rohstoffen, Waffen, Hilfsgütern karitativer Einrichtungen oder Drogen, so findet das Schlachten kein Ende. Solche "neuen" Kriege, zeigt Münkler, toben fort, unabhängig von der gerade propagierten Leitparole oder -mission.  

Münkler, der Politikwissenschaftler, gewinnt den Abstand zur je spezifischen Rechtfertigung für Kriegsgewalt durch dem Umweg über die Geschichte. Der Dreißigjährige Krieg wies ähnliche Züge auf wie heutige kleine Kriege. Er ernährte die wilden Landsknechte, und je weniger die Zivilwirtschaft abwarf, umso stärker sahen sie sich zur Fortführung ihrer Raubzüge getrieben. Der Krieg ernährte den Krieg. Die Entwicklung schwerer und teurer Waffensysteme erst machte nationalstaatliche Armeen erforderlich, mit disziplinarischer Unterwerfung, einheitlicher Befehlsstruktur und Uniformierung. Statt Privatarmeen standen nun staatliche Heere einander symmetrisch gegenüber. Ein Kriegsvölkerrecht bildete sich heraus, das Kombattanten von Zivilisten unterschied, bis die Stillstandsschlachten des Ersten Weltkriegs und der totale Zweite Weltkrieg abermals die Relationen verschoben.  

Heute nun ermöglichen handliche billige Waffen asymmetrische Privatkriege. Münkler zufolge ist der zwischenstaatliche Krieg ein Auslaufmodell. Umso fester fressen sich Kriege in einmal befallenen Gebieten fest. Der Autor meint deshalb, die Interventen für ihren Krieg gegen Jugoslawien loben zu müssen. Sie hätten eine Ausweitung verhindert. Damit durchbricht Münkler leider seine so fruchtbare Beschränkung auf die innere Kriegsdynamik. Sein gefällig gestaltetes Buch ist dennoch lesenswert.  

Herfried Münkler: Die neuen Kriege. Rowohlt, 286 Seiten, Euro 19,90 

Rezension, erschienen in Konkret 12/2002, S. 20. T:I:S im Jahre 2003

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