Hamburger Schmierdreck

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Schmierdreck, 11. Folge

Jahre später

Schmierdreck-Scheele in Hamburg Sozialsenator

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat am Donnerstag seine Regierungsmannschaft vorgestellt: ... Sein früherer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Detlef Scheele, soll den Posten des Sozialsenators übernehmen. junge Welt, 18. März 2011

Detlef Scheele war 2004 als Leiter der "hamburger arbeit" hauptverantwortlich für den Hamburger Schmierdreck, siehe 1. Folge, 2. Folge, 3. Folge, 4. Folge, 5. Folge, 6. Folge, 7. Folge, 8. Folge, 9. Folge, 10. Folge und »Schlimmer als im Knast«. Anleitung? Fehlanzeige. Lob? Keins. Förderung? Null. – Für ein Euro die Stunde bei der Beschäftigungsgesellschaft »hamburger arbeit«. Tammo von der Ley, junge welt vom 13. November 2004

T:I:S, 18. März 2011. Hier ein Bild von Scheele.

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Schmierdreck, 10. Folge

Monate später

2004  berichtete SteinbergRecherche über den Hamburger Schmierdreck, siehe 1. bis 9. Folge und Arbeitslosengeld II vom September 2004. Monate später merkte die kommerzielle Presse, daß Hartz und Schröder, Merkel und Berliner PDS mit ihren Beschäftigungsmaßnahmen Eimer voll Schmutzwasser  überm Volk auskippen. In der Süddeutschen Zeitung durfte Frank Schmitter, 14 Jahre lang von einem internationalen Medienkonzern bezahlt, nun arbeitslos, über den Graus eines sechswöchigen Bewerbungstrainings der Arbeitsagentur berichten; und von einem schüchternen Versuch Hartz-IV-begossener Pudel, sich zusammenzuraufen.  

Schwimmen im Mainstream mag sich für einzelne Journalisten lohnen. Doch Teile des Internets sind offenbar, was Aktualität und thematische Dringlichkeit anlangt, bürgerlichen Kaufzeitungen überlegen. Journalistinnen sollten sich gegen die Konzernherren ebenso zusammenschließen wie ihre Mitmenschen in den Beschäftigungsmaßnahmen - trotz aller schlechten Erfahrungen mit politischer Organisation. Der kapitalistische Schmierdreck könnte auch ihnen bald bis zum Hals reichen. 

T:I:S, 16. Oktober 2005

siehe auch Elmshorn

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Hamburger Schmierdreck, 9. Folge

Sich selber weggespart

Bei der Hamburger Arbeit gibt es die Arbeitseinkommenslosen, die für einen Euro immer den selben Flur putzen. Außerdem gibt es befristet Beschäftigte und fest Angestellte. Die drecken den sauber geputzten Fußboden mit Schmierdreck wieder ein und leiten die Putzer beim erneuten Putzen, so Ko-Manager Peter Steinert, „ständig / minütlich“, an.  

Den Anleitern blüht jetzt der eigne Sturz in den Schmierdreck. Die Hamburger Mopo zitiert den Betriebsratsvorsitzenden: "60 unbefristet beschäftigte Mitarbeiter und 90 Mitarbeiter mit auf zwei Jahre befristeten Verträgen müssen gehen." Das ist die Hälfte der Belegschaft. Der Grund: die Freie und Hansestadt Hamburg und die Arbeitsagentur stellen die Finanzierung von Festbeträgen auf niedrigere Fallkosten um. Alles sei billiger geworden, die Arbeitskräfte eingeschlossen. Andere Beschäftigungsträger würden die gleiche Leistung - also Schmierdreck Auskippen und Anleiten beim Wegputzen zum Beispiel - noch billiger anbieten.  

Ja, Sparen schafft Arbeitsplätze - weg. Wenn alle Arbeitsplätze weg sind, schlagen wir uns gegenseitig tot. Waffen gibt’s reichlich.

T:I:S, 5. Dezember 2004

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Hamburger Schmierdreck, 8. Folge

Mißhandlungen

Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr, fragt in der linken Wochenzeitung Freitag: Wie konnten Ausbilder bei der Bundeswehr, angeblich unbemerkt von militärischen Vorgesetzten und Kameraden, monatelang Grundwehrdienstleistende erniedrigen, entwürdigen, mißhandeln und quälen? Seine treffende Antwort in zwei Sätzen: Erstens dienen die Wehrpflichtigen als wohlfeile Arbeitskraft für unbeliebte Verrichtungen und Dienstleistungen. Zweitens: Die Mißhandlungen gründen in den Macht- und Gewaltstrukturen eines jeden Militärapparats.  

Anders die bürgerlichen Blätter: Deutsche Ausbilder könnten bei ihrem Dienst in der Fremde (Afghanistan, Balkan) verroht sein; oder harter Dienst erfordere nun einmal harte Kerls.  

Die Auseinandersetzung um die Erniedrigung und Entwürdigung Arbeitsloser bei der Hamburger Arbeit verläuft in den gleichen Bahnen. Zu Neuem Deutschland und junger Welt bildet hier die Hamburger Zeit das Gegenstück. Den grad geputzten Flur in der Fangdiekstraße mit Schmierdreck wieder einsauen und erneut putzen lassen - ist das staatlicher Ein-Euro-Irrsinn? Nur scheinbar. Lukas Heiny und Kolja Rudzio von der Zeit halten, mit Kratzfuß vor den Tatverdächtigen, entgegen:  „.. die Aufgaben sind, so beteuert es jedenfalls die Hamburger Arbeit, nur Teil eines Trainings- und Testprogramms, mit dem die Arbeitslosen auf den Markt vorbereitet werden. Tatsächlich bauen auch Maurerlehrlinge der Privatwirtschaft während ihrer Ausbildung in speziellen Hallen ganze Häuser auf – nur um sie später wieder abzutragen.“ Der Militärarzt beteuert, das Trainings- und Testprogramm tue Woyzeck gut und bereite ihn aufs Schlachtfeld vor. Falls der Arzt lügt und Woyzeck Schaden nimmt - wir Zeitungsleute, wir haben nur berichtet.  

Heiny und Rudzio verreißen die Ein-Euro-Schmierenkomödie. Keine der Agenda-2010-Maßnahmen generiere auch nur ein einziges zusätzliches Arbeitseinkommen. Darüber staunen sie wie die guten Wilden über den Cowboy, der Büffel abknallt. Und legen noch einem Militärarzt nach. Professor Hermann Scherl aus Nürnberg zufolge würden Ein-Euro-Jobs dazu dienen, die Arbeitsbereitschaft von Arbeitslosen zu testen. Aber gewiß: Wer mehrtägiges sinnfreies Flurschrubben nach der dritten, siebten oder fünfzehnten Wiederholung abbricht, ist ganz offensichtlich arbeitsscheu - was zu beweisen war.  

Oberstleutnant Roses treffende Antwort auf die Eingangsfrage bedarf der Ergänzung: Die Mißhandlungen gründen in den Macht- und Gewaltstrukturen eines jeden Militär- und Herrschaftsapparats. Die bürgerliche Presse schmiert den Apparat, und ein ordentlicher Professor schnarrt dazu.

T:I:S, 4. Dezember 2004

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Hamburger Schmierdreck, 7. Folge 

Polit-ökonomische Einordnung

Vor 40 Jahren zählte die Bundesrepublik 150 000 Arbeitseinkommenslose: Von 1000 Arbeitswilligen hatten 995 eine Stelle. Nur wer nicht wußte, wo er sich die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen muß, bezog kein Arbeitseinkommen. Alle andern waren zur Arbeit fähig, durften arbeiten und taten es. Der Große Brockhaus bezeichnete 1963 den Zustand als Überbeschäftigung und brachte ihn damit auf den bürgerlichen Begriff: Normal ist Kapitalismus nur mit Arbeitseinkommenslosen. Die sogenannten Gastarbeiter wurden herangeschafft und stellen seitdem einen erheblichen Teil der industriellen Reservearmee.  

Heute sind etwa 7 Millionen Willige ohne Arbeitseinkommen. Von 1000 Willigen haben grob geschätzt nur 850 eine Stelle. Das ist normaler Kapitalismus. Doch die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen könnten noch viel höher liegen als ohnehin schon, wenn mehr als 850 von 1000 Willigen arbeiten würden, zum Beispiel 995 - wie vor 40 Jahren.  

Ist das zu schaffen? Nicht auf Dauer im normalen Kapitalismus, wie Michal Kalecki bereits 1943 gezeigt hat. So nötig wie die Braut zur Trauung ist die Drohung mit Einkommensentzug für die kapitalistische Verdauung. Im normalen Kapitalismus droht deshalb bei Befehlsverweigerung Entlassung, und die industrielle Reservearmee der arbeitswilligen Einkommenslosen steht jederzeit Gewehr bei Fuß.  

Bei Vollbeschäftigung fehlt per definitionem die Reservearmee. Also fehlt das Drohmittel der Entlassung. Es ist folglich zu ersetzen: durch das Drohmittel hinter der Entlassung - den Einkommens- und damit Lebensmittelentzug.  

Die Bundesregierung ist auf dem Wege sowohl zur Vollbeschäftigung, wie zu ihrem siamesischen Zwilling, der Drohung mit Einkommensentzug. Ab 1. Januar 2005 müssen alle eine Beschäftigung annehmen. Bei Befehlsverweigerung droht Einkommenskürzung oder völliger Entzug. Die Hamburger Schmierdreck-Affäre hat in einer Nußschale offenbart, was alle erwartet, die kein Kapital haben:  

  1. Beschäftigung auf Teufel-Komm-Raus, und sei es, daß Schmierdreck immer wieder hingegossen und weggeputzt werden muß;
  2. aberwitzige Rechtfertigung vom Anstaltsleiter und seiner Aufsichtsbehörde für die Demütigung und Entwürdigung;
  3. Angst - nicht vor Entlassung, sondern vor Geld- also Lebensmittelentzug;
  4. teils ungläubige Reaktion, teils Zustimmung zum kapitalistischen Irrsinn beim bürgerlichen Publikum.

zu 1. Pressegespräche und Besuche in der Beschäftigungsstätte Langdieckstraße der hamburger arbeit (HAB) von Journalisten der Welt, der Hamburger Morgenpost, des Hamburger Abendblatts, der ARD, der jungen Welt und des Neuen Deutschlands haben bewiesen: Der Internet-Bericht einer Teilnehmerin über unsinniges Wände-Mauern und -Bemalen, Teppich-Schnitzen und Flure-Putzen und Wieder-Eindrecken stimmt.  

zu 2. Anstaltsleiter Detlef Scheele, Behördensprecher Saadhoff und Amtsleiter Proksch bestreiten die Behandlung nicht und befürworten sie ausdrücklich als Mittel zur Herstellung der erforderlichen Arbeitsdisziplin.  

zu 3. Die Versuchskarnickel bei der hamburger arbeit befürchten Geld-, also Lebensmittelentzug. Einen Aufstand wagen sie nicht. Würden sie ihn wagen, stünden staatliche Gewaltmittel bereit.  

zu 4. Eine freundliche Kinderpsychologin wollte in einem Kantinengespräch den Bericht aus dem Internet nicht glauben. Die strenge Kinderärztin neben ihr fügte hinzu: Und wenn er stimme, dann sei die Behandlung in der Beschäftigungsmaßnahme sicher auch angemessen. Da seien schwierige Menschen drunter.  

Wir bekommen also Vollbeschäftigung bei drohendem Einkommens- und letztlich Lebensmittelentzug - auf Weisung der staatlichen Führer und mit Zustimmung der Mittelschicht. Michal Kalecki bemerkte vor 60 Jahren zum Thema:  

 „Das ‚Big Business’ hat Bedenken gegenüber einer Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung ... klar zum Ausdruck gebracht, indem es sich Experimenten zur Beschäftigungserhöhung einhellig widersetzte - und zwar in allen Ländern mit Ausnahme Nazi-Deutschlands... Der Faschismus in seiner nationalsozialistischen Ausprägung hatte unter anderem die wichtige Funktion, den kapitalistischen Widerstand gegen die Vollbeschäftigung zu beseitigen... Das Unbehagen an den Ausgaben des Staates, sei es für öffentliche Investitionen oder für den privaten Konsum, wird dadurch überwunden, daß sich die Staatsausgaben auf die Rüstung konzentrieren. Daß ‚Arbeitsdisziplin’ und ‚politische Stabilität’ selbst in der Vollbeschäftigung gewährleistet bleiben, dafür sorgt schließlich die ‚Neue Ordnung’, die von der Unterdrückung der Gewerkschaften bis zum Konzentrationslager reicht. ... Das faschistische System beginnt mit einer Überwindung der Arbeitslosigkeit, entwickelt sich zur ‚Rüstungswirtschaft’ mit Knappheitserscheinungen und endet unausweichlich im Krieg.“  

Deutschland ist der zweitgrößte Rüstungsexporteur der Welt und stattet sich gerade mit neuen Angriffswaffen aus. Die deutsche Regierung hält einen Teil des Kosovo besetzt und schickt jetzt Soldaten in den Sudan, das neunte Land unter seiner Teilhoheit.  

T:I:S, 21. November 2004  

Michal Kalecki: Politische Aspekte der Vollbeschäftigung (1943, 1971). In: Krise und Prosperität im Kapitalismus, S. 235 - 241. Ausgewählte Essays 1933-1971. Hrsg. von Kazimierz Laski und Josef Pöschl. Mit einer Einleitung von Kazimierz Laski. Übersetzungen von Josef Pöschl, Egon Matzner, Gerda Kühne, Heinrich Duffner, Karl von Delheas, Dirk Gerlach und Ottmar Kotheimer. Marburg: Metropolis-Verlag 1987, 316 Seiten, 18.00 EUR - ISBN 3-926570-01-6. Letzte Fassung auf Englisch:  The Political Aspects of Full Employment." In Kalecki, ed., Selected Essays on the Dynamics of the Capitalist Economy. Cambridge, UK: Cambridge University Press 1971, pp. 138-145

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Hamburger Schmierdreck, 6. Folge

Handwerkskammer wird nervös

Die Welt hat's ordentlich aufgeschrieben. Lesen Sie dortselbst

Nein, halt, ähm. Sie werden lesen: "Nach einer Übereinkunft der Stadt mit der Handwerkskammer ist es zwar erlaubt..." Ich habe gestutzt. Erlaubt oder verboten ist demnach, worüber die Stadt mit der Handwerkskammer überein kommt. Muß das nicht ein Gesetz regeln? Mit Parlament, und so? Jedenfalls der Form halber? Oder eine Verordnung? Eine Ausführungsbestimmung? Eine Sache, gegen die man rechtlich vorgehen kann?

Wahrscheinlich gilt das alles nicht mehr - in Zeiten der Terrorismusbekämpfung. 

T:I:S, 18. November 2004

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Hamburger Schmierdreck, 5. Folge 

Andreas Grünwald, Hamburg, in der jungen Welt 

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz räumte Geschäftsführer Scheele am Mittwoch freimütig ein, daß er den Bericht »in dieser Zeitung aus Berlin« zunächst nicht ernst genommen habe. Scheele versucht jetzt, in die Offensive zu kommen. Dafür hat er zum Pressetermin auch gleich Bernhard Proksch, Amtsleiter der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, mitgebracht. Scheele verweist auf 400 Arbeitsplätze in seiner Arbeitsagentur und weitere Kooperationsarbeitsplätze, die die HAB bei Partnern habe. Das seien ganz normale Arbeiten. Nur in der Vorbereitungsphase gebe es diese »Übungseinheiten«. Ein Journalist fragte nach, wie lange denn eine solche Phase dauern würde: Bis zu sechs Monate, räumte Scheele ein. Auf Anfrage von jW, welche Rechte ein Ein-Euro-Beschäftigter denn habe, ob es eine geregelte Form der Interessenvertretung gebe, sagte der ebenfalls anwesende Betriebsrat Hassler: Darüber habe man schon nachgedacht. Er sprach von einer Art »Schülervertretung«. Aber gesetzlich sei nichts geregelt.

Die »hamburger arbeit«, so ihr Geschäftsführer, befinde sich unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Die Fallkostenpauschalen würden sinken und die Kriterien der Zusätzlichkeit und des öffentlichen Interesses schränkten Arbeitsmöglichkeiten ein. Scheele sprach dann von Kindertagesstätten und Wohlfahrtsbereichen. Die Journalisten fragten nach: Was ist daran zusätzlich? Würden darüber nicht reguläre Arbeitsplätze verdrängt? Es meldete sich Amtsleiter Proksch zu Wort. Er vertrat die These, daß alles das, wofür es keine Haushaltsmittel mehr gebe, zusätzlich sei. Später, bei der Besichtigung einer seiner Betriebsstätten, räumte Scheele selbst ein, daß er, kämen die Kriterien der Zusätzlichkeit und des öffentliches Interesses tatsächlich zur Anwendung, eher die Gefahr eines Kollapses für den gesamten Bereich sieht. So könne der neue Markt nicht funktionieren.

Zum vollständigen Beitrag vom 18. November 2004 junge Welt anklicken.

Was Detlef Scheele von der hamburger arbeit dämmert, will Geschäftsführer Aram Ockert von KoALA e.V. Hamburg nicht wahr haben: Mit dem Ein-Euro-Programm ist ein Geschäft nur zu machen, wenn auch die Anleiter für einen Euro die Stunde antanzen. Auf einer gut besuchten Veranstaltung in der Ottenser Werkstatt 3 mochte Ockert der früheren taz-Autorin Gaby Gottwald nicht folgen. Gottwald ist gerade noch Managerin des Hamburger Beschäftigungsträgers Abakus. Sie und ihre Kolleginnen bei Abakus, nomen est omen,  haben nachgerechnet und festgestellt: Ihre GmbH wäre mit dem Ein-Euro-Programm nach ein bis zwei Jahren pleite - und auch die Überbrückungsrückstellungen wären dann futsch. Gottwald und Kolleginnen schmeißen per Ende 2004 - ein sauberer Schnitt.

T:I:S, 18. November 2004  

P.S. Hier wird schriftlich über den Hamburger Schmierdreck diskutiert.

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Hamburger Schmierdreck, 4. Folge 

ver.di raus ... aus dem Aufsichtsrat der hamburger arbeit  (HAB)!

         

Sozialpolitische Opposition Hamburg 

Nernstweg 32  22765 Hamburg  Tel. 040-390 88 62   FAX 39 90 10 12   sopo(at)snafu.de 

Pressemitteilung 

Mittwoch, 17. November 2004

 

1-Euro-Verwahranstalten. SoPo kritisiert 1-Euro-Praxis in Hamburg 

Zu den jüngsten Presseberichten über die 1-Euro-Praxis bei der HAB erklärt die Sozialpolitische Opposition Hamburg:

"Die skandalösen Zustände bei der HAB werfen ein bezeichnendes Bild auf diese neue ,Wunderwaffe' der Arbeitsmarktpolitik. Jedes Gerede von ,Integration', ,Qualifizierung' und ,Integration' in den Arbeitsmarkt wird hier Lügen gestraft. Die 1-Euro-Jobs sind und bleiben ein Instrument zur ,Überprüfung der Arbeitswilligkeit.' Sie dienen der Bestrafung und der Umerziehung - und zunehmend der wirtschaftlichen Existenzsicherung von Trägern. Zwischen 300 und 600 Euro pro Maßnahme sind durchaus attraktiv. 10.000 1-Euro-Stellen sollen in Hamburg geschaffen werden. Bei dieser Größenordnung kann auch bei anderen Einrichtungen nichts anderes herauskommen als Verwahrstationen für Erwerbslose.   

Bei den 1-Euro-Zwangsdiensten geht es nicht um sinnvolle Beschäftigungspolitik, sondern um die Bereinigung der Arbeitslosenstatistik. Von den Wohlfahrtsverbänden und den freien Trägern sind jetzt klare Positionierungen gefordert. Trotz etlicher Zusagen haben die allermeisten angeschriebenen Verbände bis heute nicht auf den Offenen Brief der SoPo vom 2.9. 2004 geantwortet. Angesichts der Ereignisse bei der HAB ist ein anhaltendes Stillschweigen mehr als bedenklich.  

Aus Protest gegen die Einführung dieser Zwangsdienste für SozialhilfeempfängerInnen ist die Diakonie im Frühjahr 2002 aus dem Aufsichtsrat der HAB zurückgetreten. Nach dem jüngsten Skandal ist es höchste Zeit, dass die Gewerkschaft ver.di diesem Beispiel folgt.“ 

Bei Rückfragen: Tel.: 0160-91 45 99 79

+

Die  Pressemitteilung der Sozialpolitischen Opposition Hamburg vom 17. November 2004 schimmert wie eine Perle aus dem Hamburger Schmierdreck hervor. Jede in Hamburg,  jeder in Deutschland weiß: Geld für Arbeit gibt es nur, wenn dabei mehr Geld für die Unternehmer herauskommt. Jede in Deutschland, jeder in Hamburg weiß: Qualifiziert sich der eine, kriegt die andere kein Geld für Arbeit. Bessere Ausbildung - oder lateinisch: Qualifikation -  mindert die Arbeitseinkommenslosigkeit nicht. Sie verschärft nur die Konkurrenz.

Was aber erzählt uns eine Hamburger Arbeitsmarktexpertin? Das Ein-Euro-Programm müsse die Chance der Arbeitslosen erhöhen, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Frau setzt noch einen drauf: Arbeit dürfe nicht dämlich sein. Sie ist entschuldigt, sie ist Christdemokratin.

Eine Politikerin von der Hamburger Grün-Alternativen Liste springt ihr bei: Qualifizieren sei das Wichtigste. Weiterer Schmierdreck in der Welt vom 17. November 2004.

Das Hamburger Abendblatt, seit Jahrzehnten Mitteilungsblatt des Senats an Staatsdiener und -bürger, berichtet: "'Es handelt sich nur um die ersten Wochen', sagt HAB-Sprecherin Heike Baumann über die geschilderten Zustände, in denen die Betroffenen keine konkreten Aufgabe bekommen. In der ersten Phase, die bis zu sechs Monate dauern kann, solle der zuständige Fallmanager zunächst klären, ob die Wohnung der Betroffenen sicher sei, oder ob das Kind betreut werde." 

Dusche für Damen bei der hamburger arbeit (HAB) Fangdieckstraße: kein Schlauch, kein Rohr, kein Duschkopf - aber viel Staub in der Halle

Gut Ding will Weile haben, bei uns an der Bille. Eins duldet keinen Aufschub: Daß die Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiter und Erzieherinnen aufwachen. 

Je mehr Ein-Euro-Jobber wir Sozial-Fuzzis engagieren, desto schneller wird unser eigenes Einkommen auf einen Euro pro Stunde gesenkt. 

Für alle andern, außer dem Polizeipräsidenten, gilt das gleiche.

T:I:S, 17. November 2004

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Hamburger Schmierdreck, 3. Folge 

Der Euro liegt auf der Straße

Martin Kopp und Oliver Schirg erklären in der „Welt“ den Hamburger Schmierdreck so: "Es gibt zu wenig Arbeit."  

Machen wir eben welche, dachten die Schmierdreck-Fallmanager bei der „hamburger arbeit“  - und ließen immer wieder den selben Dreck wegputzen.  Jetzt werden sie dafür getadelt.  

Auch der DGB findet Worte zum Hamburger Schmierdreck. Er hebt zur ersten Forderung an mit: "Den betroffenen Arbeitskräften sollte zumindest ..." 

Haben Sie noch Lust, weiter zu lesen? Hier der Rest.  

Laut Sigrid Meißner von der Hamburger Morgenpost muß der Wirtschaftssenator „sehen, wie er die Ein-Euro-Jobs zusammenbekommt, die ab Januar Pflichtdienst sind für die Bezieher von Arbeitslosengeld II“. Die Kultursenatorin weiß längst Rat: Die Hamburger Theater haben am 16. November 2004 die Aufforderung bekommen, Ein-Euro-Beschäftigungen anzubieten. „Theater“, werden viele jubeln,  „das war schon immer mein Traumjob - nun ganz billig für nur einen Euro!“  

Der Beschäftigungsträger „Jugend in Arbeit“ sucht seit Wochen per Inserat Lehrerinnen und Sozialpädagogen für Ein-Euro-Jobber - für einen Euro. Das ist einfach genial:  Ob Theaterbetreiber oder Beschäftigungsgesellschafterin, alle sollten kurzerhand alle entlassen, die mehr als einen Euro pro Stunde bekommen - und Ein-Euro-Jobs anbieten, für zu Beschäftigende ebenso wie für Beschäftiger. Das ist erstens gemeinnützig und zweitens zusätzlich. So ist dem Wirtschaftsenator aus der Patsche geholfen.  

Übrigens: Wenn Sie keine Leute entlassen können, weil Sie gar keine Unternehmerin sind: Werden Sie eine! Melden Sie eine Ich-AG an. Arbeitsgerät: ein Karteikasten mit zwei Registern. Ins eine kommen die Bewerber, die beschäftigt werden wollen, ins andere die, die beschäftigen wollen.  Die Beschäftiger bringen Eimer und Feudel mit; Schmierdreck ist im Haus. Für jeden geschaffenen Beschäftigungsplatz kriegen Sie 500 Euro im Monat vom Wirtschaftssenator. Fertig ist die Beschäftigungs-Vermittlungs-Gesellschaft - und Sie sind eine gemachte Frau.

Der Euro liegt auf der Straße.

T:I:S, 16. November 2004

P.S.: Der Finanzsenator dürfte Probleme kriegen: Ein-Euro-Jobber zahlen keine Steuern, gar keine. Irgendwann kommt nichts mehr in die Staatskasse. Und die Geschäfte: Eines Tages wird niemand mehr etwas kaufen können. In der Hinsicht halten wir's mit der unumstößlichen Wahrheit von John Maynard Keynes: "Langfristig? Langfristig sind wir alle tot."

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Hamburger Schmierdreck, 2. Folge 

Einzelheiten und Hintergründe

Einzelheiten von Marco Carini: "Wie in einer Besserungsanstalt" - Ein-Euro-Jobs in der Praxis: Wie bei der "Hamburger Arbeit" Arbeitssuchende sinnlos beschäftigt werden und sich wie "Vollidioten" behandelt fühlen. Wer aussteigen will, dem drohen Sozialhilfesperre und Entzug der Lebensgrundlage - taz anklicken.

Hintergründe von Tammo von der Ley: "Schlimmer als im Knast". Anleitung? Fehlanzeige. Lob? Keins. Förderung? Null. – Für einen Euro die Stunde bei der Beschäftigungsgesellschaft "hamburger arbeit" - junge Welt anklicken.

T:I:S, 15. November 2004

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Andreas Grünwald: Hamburger Schmierdreck, 1. Folge 

Wie Ein-Euro-Jobs die Weiterbildung ersetzen – das Beispiel Hamburg  

Folgen der Hartz-Reformen in der Weiterbildung: Statt der bisherigen Umschulungen konzentrieren sich die Träger auf Ein-Euro-Jobs. Mögliche Konsequenzen sind absurde Beschäftigungsprogramme und massenhafter Stellenabbau bei Bildungsträgern.  

Neues Deutschland anklicken.

T:I:S, 13. November 2004

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