|
|
Die Redaktion der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique im
Hause taz hat auf die erhobenen Vorwürfe ( Le Monde diplomatique
und taz-Fälschungen 2002 und jW-
Interview reagiert – ohne sie zu entkräften. Stattdessen entdeckt sie die
deutsche Volksseele in einer Französin. Auch dichtet sie Marie-Dominique
Vernhes einen Aufruf zum Boykott Israels an. Die deutschen Le-Monde-diplomatique-Redakteure
bemänteln ihren präventiven Antikommunismus (Arnold Schölzel)
„antideutsch“ und verheddern sich. Sie haben nicht recherchiert. junge
Welt vom 23. April 2005 anklicken. T:I:S, 23. April 2005 * DokumentationLe Monde diplomatique - im Original und als taz-BeilageMarie-Dominique Vernhes schreibt: "Einige Texte sind regelrecht gefälscht." Im folgenden hat sie dokumentiert: 1. Leitartikel von Le Monde diplomatique, April 2002: taz-Fassung, Korrektur der taz-Fassung, französisches Original (mit Korrespondenz) 2. Briefaustausch zwischen der taz und Marie-Dominique Vernhes zu dem Artikel von M. Bishara 3. Vergleich zwischen dem englischen Originaltext von Marwan Bishara und der deutschen Übersetzung in der taz-Le Monde diplomatique vom 12.10.2001 Weitere Kritik von Marie-Dominique Vernhes an der taz aus dem Jahre 2005 unter Le Monde diplomatique. Zum Interview mit Marie-Dominique Vernhes in der jungen Welt vom 8. April 2005 geht es hier. T:I:S, 21. April 2005 *
1. Leitartikel von Le
Monde diplomatique, April 2002 1.1. Brief an
die Redaktion der TAZ-Beilage “Le Monde Diplomatique”, 12.4.2002 Die Übersetzung des Leitartikels von Ignacio Ramonet ist falsch und entstellt die eigentliche Position von Ignacio Ramonet. Ich bitte Sie, auf meine Korrekturen einzugehen und insbesondere folgende drei Fragen zu beantworten; 1. Warum haben Sie nicht die Überschrift (La paix maintenant - Frieden jetzt) übernommen? 2. Warum haben Sie den ganzen letzten Absatz hinzugefügt, dessen zentrale Aussage wohl die ist, dass Israels militärische Aktionen eine Antwort auf “Selbstmordattentate” wäre - Wieder einmal müssen “Terroristen” als Begründung für Verbrechen an ein ganzes Volk herhalten? Unabhängig von Ihrer Einschätzung, (die Sie bitte als solche zu kennzeichnen hätten!!!) - dieser letzte Absatz ist im Original nicht vorhanden. Dies Ignacio Ramonet zu unterschieben ist eine widerliche Fälschung. 3. Warum haben Sie Sätze aus dem Text von Ramonet
herausgestrichen (Platz hätte es genügend gegeben!) Weiter: Ebenfalls gefälscht ist der Leitartikel – auch von Ramonet – in der März-Ausgabe über „die Achse des Bösen“. Die Liste könnte ich fortführen. Ich hatte schon vor einigen Monaten auf eine noch
umfangreichere Fälschung hingewiesen - (Artikel von Marwan Bishara, Le Monde
Diplomatique von Okt. 2001). Auf eine Antwort warte ich immer noch. Ich schicke diesen Brief mit dem Textvergleich, meiner
Kritik an der Übersetzung von M. Bishara und Ihrer
“Antwort” heute noch an die französische Redaktion von Le Monde
Diplomatique und an interessierte Menschen. Gruß Marie-Dominique
Vernhes 1.2. Erläuterungen zu den Texten 1 und 2 Kursiv in der Fassung der TAZ: die falschen Übersetzungen. Text 1: Artikel der
TAZ- Beilage von Le Monde Diplomatique, 12.4.2002 Sabotierter Friede Von IGNACIO RAMONET VOLLSTÄNDIGER Friede und Rückgabe aller besetzten Territorien: diesen Plan mit dem Vorteil großer Einfachheit unterbreitete im Februar dieses Jahres Prinz Abdallah von Saudi-Arabien und stellte ihn auf dem arabischen Gipfel von Beirut zur Diskussion: Israel zieht sich auf die Grenzen vom 4. Juni 1967 zurück, die Golanhöhen gehen wieder an Syrien, und im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem entsteht ein palästinensischer Staat. Als Gegenleistung nehmen die 22 Mitglieder der Arabischen Liga volle diplomatische Beziehungen zu Israel auf, normalisieren die Handelsbeziehungen und verpflichten sich, die Sicherheit der israelischen Grenzen zu garantieren. (Von den arabischen Staaten haben lediglich Ägypten und Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen.) Vollständiger Rückzug gegen vollständigen Frieden: diese schlichte Gleichung stieß bei allen Regierungen auf lebhaftes Interesse. Dabei ist der Vorschlag so neu nicht: Das Prinzip "Land gegen Frieden" ist bereits in den Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats von 1967 und 1973 enthalten.(...) Auf dieser Grundlage beruhte bereits die Konferenz von Madrid 1991 und das - inzwischen obsolet gewordene - Osloer Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Verhandlungen von Camp David im Juli 2000, kurz vor Ausbruch der zweiten Intifada, gingen ebenso von diesem Prinzip aus wie die als "letzte Chance" bezeichneten Gespräche in Taba vom Januar 2001. Da die saudi-arabische Initiative also nichts wirklich Neues zu bieten hat, fragt man sich, weshalb sie solch große Hoffnungen geweckt hat. Weil sie zu einem Zeitpunkt vorgebracht wurde, als drei Dynamiken zum Stillstand gekommen zu sein schienen (...). Die erste dieser Dynamiken ist die von General Scharon gewählte Gewaltstrategie, um die Palästinenser in die Knie zu zwingen und sie dazu zu bringen, im Namen eines religiös hergeleiteten Anspruchs auf ein "Großisrael" die Endgültigkeit der Besiedlung eines Teils der besetzten Gebiete zu akzeptieren, die international als palästinensisches Territorium anerkannt sind.(...) . Seit Februar 2001 sind im Zuge dieser Politik 34 neue Siedlungen gegründet worden.) Der unverhältnismäßige Einsatz von Kriegsschiffen, F-16-Jagdbombern, Kampfhubschraubern und Panzern gegen eine weitgehend waffenlose Bevölkerung hat nicht die von Scharon und seinem Generalstab gewünschte Wirkung gezeitigt. Ganz im Gegenteil: Nie zuvor hatten die Israelis so hohe Verluste an Menschenleben zu beklagen (...), nie zuvor war die Unsicherheit im Land selbst so groß. Überdies haben die Verbrechen der Armee bei der Besetzung der Städte des Westjordanlandes dem internationalen Ansehen Israels sehr geschadet und sogar bei der israelischen Bevölkerung Widerwillen hervorgerufen. Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem erklärte schon am 12. März: "In allen Städten und Flüchtlingslagern, in die die Armee einmarschiert ist, haben die israelischen Soldaten hemmungslos geschossen und unschuldige Zivilisten getötet, sie haben absichtlich die Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zerstört, sie haben Privathäuser gestürmt und zerstört, sie haben auf Krankenwagen geschossen und die medizinische Versorgung von Verletzten verhindert." In den Reihen der Armee finden immer mehr israelische Offiziere den Mut, Nein zu sagen zu diesem Vorgehen, Nein zu sagen zur Besetzung Palästinas. Laut der Jerusalemer Tageszeitung Ma'ariv vom 15. März sprechen sich 60 Prozent der Israelis für einen Rückzug aus bestimmten besetzten Gebieten aus, 63 Prozent sind für die Schaffung eines palästinensischen Staats und 67 Prozent sind mit General Scharon nicht einverstanden. DIE zweite Dynamik, die sich langsam zu erschöpfen schien, war der Widerstand der Palästinenser. Die Bevölkerung ist am Ende, auch wenn sie es nicht eingestehen mag. Sie hat schwere Schläge aushalten müssen, viele Führer bewaffneter Organisationen fielen den "gezielten Hinrichtungen" der Israelis zum Opfer, und die Infrastruktur des entstehenden palästinensischen Staats liegt in Trümmern. Die Saat der Verzweiflung ging auf und brachte die verbrecherische Strategie der Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten hervor - zum Entsetzen der internationalen Gemeinschaft. Dem Unternehmen Scharons bringt sie Unterstützung unter den israelischen Bürgern. Die palästinensischen Führer, die immer noch auf die Karte des Terrorismus setzen, verkennen den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft, die ihre Regierung frei wählen kann. Je grausamer der Terror, desto stärker die Tendenz, Hardliner an die Staatsspitze zu wählen. Es ist daher an der Zeit, dass sich in der palästinensischen Gesellschaft eine starke gewaltfreie Bewegung entwickelt, die mit der Friedensbewegung Israels an einem Strang zieht.(...) Alle Meinungsumfragen bestätigen es: Es gibt in beiden Völkern eine Mehrheit von Bürgern, die Frieden und Versöhnung wünschen. Die dritte Dynamik, die am Ende zu sein schien, war die einseitige Parteinahme der USA für Israel. Vizepräsident Richard Cheney konnte sich auf seiner kürzlichen Rundreise durch die arabischen Staaten ein Bild davon machen, wie sehr die Haltung Washingtons auf radikale Kritik stößt und den Volkszorn in den arabischen Ländern erregt. Und dass das nötige Bündnis für einen Großangriff auf den Irak auf diese Weise wohl nicht zustande kommen kann. (...) Einmal mehr scheinen alle Voraussetzungen für ein Ende des
Konflikts gegeben. Mit angehaltenem Atem hoffen die Völker in der Region auf
ein Wunder. Doch im Dunkeln lauern die Saboteure des Friedens. Mit der groß
angelegten Offensive gegen die palästinensische Autonomiebehörde und all ihre
Institutionen als Antwort auf ein durch die Hamas verübtes Selbstmordattentat -
wobei kein israelischer Angriff gegen die Hamas stattgefunden hatte - hat die
Regierung Scharon mit Billigung der US-Amerikaner ihre Wahl getroffen: alle
Friedenshoffnungen zu begraben, sein Land und Palästina in ein mörderisches
Mahlwerk zu stürzen und die ganze Region an den Rand des Krieges zu bringen. Le Monde
diplomatique Nr. 6723 vom 12.4.2002, 175 Zeilen, IGNACIO RAMONET Text 2: Korrektur der
TAZ-Fassung (=Meine Übersetzung) Frieden jetzt Von IGNACIO RAMONET VOLLSTÄNDIGER Friede gegen Rückgabe aller besetzten Territorien: diesen Plan mit dem Vorteil großer Einfachheit unterbreitete im Februar dieses Jahres Prinz Abdallah von Saudi-Arabien und stellte ihn auf dem arabischen Gipfel von Beirut zur Diskussion: Israel zieht sich auf die Grenzen vom 4. Juni 1967 zurück, die Golanhöhen gehen wieder an Syrien, und im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem entsteht ein palästinensischer Staat. Als Gegenleistung nehmen die 22 Mitglieder der Arabischen Liga volle diplomatische Beziehungen zu Israel auf, normalisieren die Handelsbeziehungen und verpflichten sich, die Sicherheit Israels zu garantieren. (Von den arabischen Staaten haben lediglich Ägypten und Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen.) Vollständiger Rückzug gegen vollständigen Frieden: diese schlichte Gleichung stieß bei allen Regierungen auf lebhaftes Interesse. Dabei ist der Vorschlag so neu nicht: Das Prinzip "Land gegen Frieden" ist bereits in den Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats von 1967 und 1973 enthalten. Es gibt übrigens einen Präzedenzfall, denn dieses Prinzip wurde schon zwischen Israel und Ägypten nach der historischen Reise von Anur El-Sadat in Jerusalem 1977 und dem Friedensabkommen zwischen beiden Ländern angewandt. Israel gab die Sinai-Halbinsel zurück und baute trotz des Widerstandes der Extremen Rechten die dort errichteten Siedlungen ab. Auf dieser Grundlage beruhte ebenfalls die Konferenz von Madrid 1991 und das - inzwischen obsolet gewordene - Osloer Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Verhandlungen von Camp David im Juli 2000, kurz vor Ausbruch der zweiten Intifada, gingen ebenso von diesem Prinzip aus wie die als "letzte Chance" bezeichneten Gespräche in Taba vom Januar 2001. Da die saudi-arabische Initiative also nichts wirklich Neues zu bieten hat, fragt man sich, weshalb sie solch große Hoffnungen geweckt hat. Weil sie zu dem passenden Zeitpunkt vorgebracht wurde, als gleichzeitig drei Dynamiken zum Stillstand kommen, die in dem saudi-arabischen Plan plötzlich ein Mittel finden, ihren jeweiligen Misserfolg zu tarnen. Die erste dieser Dynamiken ist die von General Scharon gewählte Gewaltstrategie, um die Palästinenser in die Knie zu zwingen und sie dazu zu bringen, im Namen eines religiös hergeleiteten Anspruchs auf ein "Großisrael" die Endgültigkeit der Besiedlung eines Teils der besetzten Gebiete zu akzeptieren, die international als palästinensisches Territorium anerkannt sind. ((Im Widerspruch zu den Empfehlungen des Mitchell-Reports, der das Stoppen von Besiedlungen empfiehlt, sind seit Februar 2001 im Zuge dieser Politik 34 neue Siedlungen gegründet worden.) Der unverhältnismäßige Einsatz von Kriegsschiffen, F-16-Jagdbombern, Kampfhubschraubern und Panzern gegen eine weitgehend waffenlose Bevölkerung hat nicht die von Scharon und seinem Generalstab gewünschte Wirkung gezeitigt. Ganz im Gegenteil: Nie zuvor hatten die Israelis so hohe Verluste an Menschenleben zu beklagen (zu der Zeit der Wahl von Scharon, im Februar 2001 waren 50 Israelis durch die Intifada getötet worden; Ende März 2002 sind es über 350 Tote), nie zuvor war die Unsicherheit im Land selbst so groß. Überdies haben die Verbrechen der Armee bei der Besetzung der Städte des Westjordanlandes dem internationalen Ansehen Israels sehr geschadet und sogar bei der israelischen Bevölkerung Widerwillen hervorgerufen. Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem erklärte schon am 12. März: "In allen Städten und Flüchtlingslagern, in die die Armee einmarschiert ist, haben die israelischen Soldaten hemmungslos geschossen und unschuldige Zivilisten getötet, sie haben absichtlich die Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zerstört, sie haben Privathäuser gestürmt und zerstört, sie haben auf Krankenwagen geschossen und die medizinische Versorgung von Verletzten verhindert." In den Reihen der Armee finden immer mehr israelische Offiziere den Mut, Nein zu sagen zu diesem Vorgehen, Nein zu sagen zur Besetzung Palästinas. Laut der Jerusalemer Tageszeitung Ma'ariv vom 15. März sprechen sich 60 Prozent der Israelis für einen Rückzug aus bestimmten besetzten Gebieten aus, 63 Prozent sind für die Schaffung eines palästinensischen Staats und 67 Prozent sind mit General Scharon nicht einverstanden. DIE zweite Dynamik, die sich langsam zu erschöpfen schien, war der Widerstand der Palästinenser. Die Bevölkerung ist am Ende, auch wenn sie es nicht eingestehen mag. Sie hat schwere Schläge aushalten müssen, viele Führer bewaffneter Organisationen fielen den "gezielten Hinrichtungen" der Israelis zum Opfer, und die Infrastruktur des embryonalen palästinensischen Staats liegt in Trümmern. Die Saat der Verzweiflung ging auf und brachte die verbrecherische Strategie der Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten hervor – welche die internationale öffentliche Meinung entsetzt und einen Teil der israelischen Bürger dem Einfluss Scharons ausliefert. Diejenigen unter den palästinensischen Führern, die immer noch auf die Karte des Terrorismus setzen, verkennen den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft, die ihre Regierung frei wählen kann. Je grausamer der Terror, desto stärker die Tendenz, Hardliner an die Staatsspitze zu wählen. Es ist daher an der Zeit, dass sich in der palästinensischen Gesellschaft eine starke gewaltfreie Bewegung entwickelt, die mit der Friedensbewegung Israels an einem Strang zieht. Das ist der Sinn der Initiative von Yasser Abed Robo und Yossi Beilin (s. Le Monde Diplomatique, März 2002). Alle Meinungsumfragen bestätigen es: Es gibt in beiden Völkern eine Mehrheit von Bürgern, die Frieden und Versöhnung wünschen. Die dritte Dynamik, die sich erschöpft, ist die einseitige Parteinahme der USA für Israel. Vizepräsident Richard Cheney konnte sich auf seiner kürzlichen Rundreise durch die arabischen Staaten ein Bild davon machen, wie sehr die Haltung Washingtons auf radikale Kritik stößt und den Volkszorn in den arabischen Ländern erregt. Und dass das nötige Bündnis für einen Großangriff auf den Irak auf diese Weise wohl nicht zustande kommen kann. Aus diesem Grund haben die USA mit Interesse den
saudi-arabischen Vorschlag zur Kenntnis genommen und ihn sogar aufgegriffen,
indem sie dem UN-Sicherheitsrat die Resolution 1397 vorgelegt haben, in der die
“die Vision einer Region, in der zwei Staaten - Israel und Palästina -
nebeneinander leben, innerhalb von anerkannten und sicheren Grenzen” vertreten
wird. Einmal mehr scheinen alle Voraussetzungen für ein Ende des Konflikts gegeben. Mit angehaltenem Atem hoffen die Völker in der Region auf ein Wunder. Doch im Dunkeln lauern die Saboteure des Friedens… Le Monde
diplomatique Nr. 6723 vom 12.4.2002, 175 Zeilen, IGNACIO RAMONET Text 3, das Original:
Der französische Text La paix maintenant, par IGNACIO RAMONET La
paix, toute la paix, contre les territoires, tous les territoires. Proposé en février
dernier par le prince Abdallah et soumis au sommet arabe de Beyrouth, le plan
saoudien a le mérite de la simplicité. Israël se retire sur ses frontières
du 4 juin 1967, la Syrie récupère le Golan, un Etat palestinien est créé à
Gaza, Cisjordanie et Jérusalem-Est, et, en échange, les vingt-deux Etats de la
Ligue arabe établissent des relations diplomatiques et commerciales complètes
avec Israël, dont ils s'engagent à garantir la sécurité (1). Retrait total
contre paix totale. Cette équation limpide a suscité dans l'ensemble des
chancelleries internationales un intérêt passionné. La proposition pourtant
n'est pas neuve : le principe d'échange de paix contre territoires est inscrit
dans les résolutions 242 (de 1967) et 338 (de 1973) adoptées par le Conseil de
sécurité des Nations unies. Un précédent existe d'ailleurs, car ce principe
fut déjà appliqué entre Israël et l'Egypte après le voyage historique
d'Anouar Al-Sadate à Jérusalem en 1977 et la signature de la paix entre les
deux pays. Israël restitua la péninsule du Sinaï et, malgré l'opposition de
l'extrême droite, démantela les colonies qui y avaient été implantées.
C'est également
sur la base de ce postulat que furent conduite la Conférence de Madrid en 1991
et signé l'accord d'Oslo, désormais déchiré, entre Israéliens et
Palestiniens. Les négociations de Camp David en juillet 2000, juste avant
l'explosion de la seconde Intifada, puis celles dites de la « dernière chance
» à Taba (2), en janvier 2001, reposaient aussi sur ce principe. Pourquoi cette
initiative saoudienne suscite-t-elle néanmoins un si grand espoir ? Parce
qu'elle arrive au bon moment. Quand simultanément trois dynamiques s'épuisent
qui trouvent soudain dans le plan saoudien un prétexte pour masquer leur échec
respectif. En premier
lieu, la stratégie de violence choisie par le général Ariel Sharon pour faire
plier les Palestiniens et les contraindre à accepter, au nom du « Grand Israël
», la colonisation définitive (3) d'une partie des territoires
internationalement reconnus comme appartenant à la Palestine. L'usage exagéré
de la force, avec emploi de moyens de combat disproportionnés (navires de
guerre, chasseurs F16, hélicoptères blindés, chars lourds) contre une
population civile largement désarmée n'a pas produit l'effet recherché. Au
contraire. Jamais les Israéliens n'ont eu autant de pertes humaines (4), jamais
l'insécurité, à l'intérieur même d'Israël, n'a été aussi grande. De surcroît,
les crimes commis par l'armée lors des occupations des villes de Cisjordanie
ont beaucoup dégradé, à l'échelle internationale, l'image d'Israël, écoeurant
même ses propres citoyens (5). L'organisation humanitaire B'Tselem, par
exemple, a déclaré le 12 mars dernier : « Dans chaque ville ou camp de réfugiés
dans lesquels ils sont entrés, les soldats israéliens ont répété les mêmes
actes : tirer sans retenue et tuer des civils innocents, détruire
intentionnellement les conduites d'eau potable et les infrastructures d'électricité
et de téléphone, envahir et endommager des maisons privées, tirer sur des
ambulances et empêcher de porter des soins aux blessés... » Au sein de l'armée,
le nombre d'officiers courageux qui disent « non » ne cesse de croître (6).
Enfin, les enquêtes d'opinion confirment que 60 % des Israéliens sont en
faveur de l'évacuation de certaines colonies, 63 % pour l'établissement d'un
Etat palestinien, et 67 % mécontents du général Sharon (7). Deuxième
dynamique qui s'épuise, la résistance des Palestiniens. Même si elle ne veut
pas l'admettre, la population est à bout. Les coups reçus ont été considérables,
de nombreux dirigeants d'organisations armées ont été liquidés, victimes d'«
exécutions ciblées », et les infrastructures de l'embryon d'Etat palestinien
sont en ruine. Le désespoir ainsi semé alimente la stratégie criminelle des
attentats-suicides contre les civils en Israël, qui choque l'opinion publique
internationale et maintient sous l'emprise de M. Sharon une partie des citoyens
israéliens. Ceux des
dirigeants palestiniens qui misent encore sur le terrorisme continuent d'ignorer
le caractère démocratique d'une société israélienne qui choisit librement
ses gouvernants. Plus elle sera terrorisée, plus elle aura tendance à les
choisir parmi les intransigeants. Il est temps que s'épanouisse, au sein de la
société palestinienne, un puissant mouvement non-violent qui pourra faire la
jonction avec le mouvement pacifiste israélien. C'est le sens de la démarche
de M. Yasser Abed Rabbo avec M. Yossi Beilin. Tous les sondages le montrent : il
y a, dans les deux peuples, une majorité qui souhaite avancer vers la paix et
la réconciliation. Enfin, la
troisième dynamique qui s'épuise est celle de la partialité des Etats-Unis en
faveur d'Israël. Le vice-président Richard Cheney a pu mesurer, lors de sa récente
tournée dans les pays arabes, combien l'attitude de Washington faisait l'objet
de critiques radicales, au point de remobiliser la « rue arabe ». Et empêchait
la mise sur pied de l'indispensable alliance qui devrait précéder la grande
attaque contre l'Irak... C'est pourquoi
les Etats-Unis ont non seulement accueilli avec intérêt la proposition
saoudienne, mais l'ont relancée en faisant voter, par le Conseil de sécurité
des Nations unies, la résolution 1397 qui défend « la vision d'une région
dans laquelle deux Etats, Israël et la Palestine, vivent côte à côte, à
l'intérieur de frontières reconnues et sûres ». Les conditions
semblent encore une fois réunies pour avancer vers la fin du conflit. Le
souffle suspendu, les peuples de la région espèrent le miracle. Mais les
saboteurs de paix guettent dans l'ombre... IGNACIO
RAMONET. -------------------------------------------------------------------------------- (1) L'Egypte
et la Jordanie sont les seuls Etats arabes ayant signé un traité de paix avec
Israël. (2) Lire Le
Monde diplomatique, septembre 2001. (3) Depuis que
le général Sharon a été élu premier ministre, et alors que les
affrontements israélo-palestiniens n'ont pas cessé, la colonisation juive de
Gaza et la Cisjordanie s'est poursuivie. Contrevenant aux recommandations du
rapport Mitchell qui exige un gel des implantations de colons, 34 nouvelles
colonies ont été créées depuis février 2001. (Cf. International Herald
Tribune, 20 mars 2002.) (4) Lors de l'élection
de M. Sharon, en février 2001, l'Intifada avait fait 50 morts parmi les Israéliens
: ce chiffre dépasse 350 à la fin mars 2002. (5) Ha'aretz,
Tel Aviv, 13 mars 2002. (6)
International Herald Tribune, 12 mars 2002. (7) Maariv, Tel Aviv, 15 mars 2002 (www.monde-diplomatique.fr)
2. Briefaustausch
zwischen der TAZ und Marie-Dominique Vernhes zu dem Artikel von M. Bishara 16.11.2001 „Sehr
geehrte Frau Vernhes,
Bis heute – 12.4.2002 – habe ich immer noch
keine Antwort erhalten. Die
englischen Textbestandteile, die in der deutschen Übersetzung fehlen, sind
kursiv und fett gedruckt. Die
Zeichen <>
weisen auf Sätze/Absätze hin, die im deutschen Text hinzugefügt worden sind -
ohne Entsprechung im englischen Text. WAR
OF THE WORLDS An enemy with no forwarding address by
MARWAN BISHARA * <>September
11 was the end of the era in which the United States perfected its zero-dead
approach to conflict, with minimum casualties to the US and maximum damage to
the enemy. President George W Bush had to declare the US at war
before nominating an enemy. The new enemy is mobile, transnational, or
sub-national. So now begins the era of asymmetric conflicts. <> For
decades the US spent trillions of dollars to ensure minimum casualties in any
confrontation. In the Vietnam war, it spent hundreds of thousands of dollars for
each dead Vietnamese fighter. In the Gulf war, it kept US casualties low. With
rapid, massive bombardment from afar (the Colin Powell doctrine), the US hoped
for zero casualties in future symmetrical wars. Its missiles and superior
fighters, supported with the most sophisticated airborne intelligence, could
guarantee such a result by inflicting unbearable destruction on the enemy.<>
But
now we have the asymmetric war scenario some American strategists have warned
against in the last few years: one that hit where it hurt most, hit the pride of
America's might, the Pentagon and Wall Street. Washington, trying to adapt
to an evolving, globalising world, had been introducing a revolution in military
affairs (RMA). There
were two distinct concepts. The first was fourth generation warfare, stateless
or asymmetric, to be fought by an opponent who might have a non-nation-state
base, such as an ideology or religion. In February 2001, before a Senate
committee on world threats (1), CIA director George Tenet said what struck him
most forcefully was the accelerating pace of change in so many arenas that
affect our nations interests. To the US, asymmetry means Osama Bin Laden
and other international terrorists, mafiosi and drug dealers. But the idea also
covers non-state actors like those the US has already encountered in Somalia,
Kosovo, and Lebanon in 1983, when a bomb killed 239 US Marines. Those
analysts who think the future will be asymmetrical propose a rethink of the
usefulness of billion-dollar fighter planes and advanced frigates if two men and
a boat could kill 17 men and damage the USS Cole, (12 October 2000 in Aden).<>
The
second concept has been the anti-missile defence shield Star Wars to protect
America from incoming ballistic missiles carrying chemical, biological or
nuclear weapons. The Bush administration, with vice-president Dick Cheney and
defence secretary Donald Rumsfeld, has concentrated its efforts on this, which
has the merit of subsidising the military-industrial complex. There was
international condemnation of this return to policies of proliferation, so Bush
explained that his shield was not against other nuclear powers, but against
rogue states or, worse, groups capable of launching missiles against American
soil or interests abroad. Both
of these ideas and their believers seemed to converge into a coherent strategy
to fight a new war against an asymmetric enemy. But who, aside from Bin
Laden, is the enemy? Not mafias and drug-dealers: hostilities are bad for
business. Unless Washington intends to bomb one of the rogue states, why
would their leaders launch a missile against the US when they would be punished
like Libya, or Iraq over the last decade? To what extent has America created new
enemies, and just how dangerous, beyond the 11 September outrage, are they? How
is this terrorism different from that which Arab nations or certain European
countries have faced over 20 years? Is it a qualitative difference or just (if
one can say just) quantitative? Asymmetry
must be distinguished from di-symmetry, meaning a quantitative difference in
firepower and force, a strong state against a weak one (the US against
Iraq). Asymmetry is about the qualitative difference in the means,
values and style of the new enemies. Once a power like the US insists on
exclusive superiority in world affairs as well as in conventional warfare, its
disadvantaged enemies resort to unconventional asymmetrical means to fight it,
avoiding its strengths and concentrating on its vulnerabilities. <> Not
fighting fair The
Pentagon says the new enemies don't fight fair;
their strategy, based in a globalised world, uses all possible sophisticated
modern means: communication, transportation, information, psychological terror,
international media and the internet. In their arsenal are also such low-tech
weapons as penknives, fishing boats, homemade explosives and civilian planes. As
we have seen, these work.<>
Even though these enemies must be based somewhere, no permanent location can be
assigned to them, because they have no permanent home, their network is
dispersed. The world is both their address and area of operation.<>
Asymmetric
enemies <>have
a common interest: weakening state sovereignties and boosting international
market forces. In this they are like McDonalds, CNN and AOL. All use the grey
areas in a globalised world, the gaps in the legal structure, to ensure maximum
profits and escape the accountability that results from constitutional or
democratic legitimacy. In this sense, asymmetric enemies are creatures of the
neo-liberal version of globalisation. They have more room for manoeuvre
than states. That is why the American media describe Bin Laden not just
as a political Islamist, rooted in a particular society, but as the
representative of a new cosmopolitan Islam that is a global threat, like the
Islamist movement of Hassan al-Turabi (now in prison in Sudan). This movement is
thought to be confronting the US, to weaken or destroy its power. If
you put together all the characteristics that the American strategists attribute
to the new model asymmetric enemy, they add up to a profile of Osama Bin Laden.
If he didn't exist, it would be necessary to invent him. As we all now know, he
was groomed by the CIA in the 1980s, only to turn against his creator after the
Gulf war. Should an asymmetric enemy be distinguished from a state and that
state's intelligence network? Is it possible to organise a movement of
international violence without some state support? It is not clear how a new
enemy could reduce its operations to being only virtual. And even enemies whose
heartland is an ideology need physical space somewhere for their logistics and
tools. Their bank accounts have to be kept somewhere, too. What
about the rogue or failed states? The intervention in Somalia taught the US a
hard lesson. When, in October 1993, Hussein Aydid humiliated the US, killing 17
American soldiers,<>
the Clinton administration became convinced that it could not manage, let alone
win, a war against militias not accountable to the conventions of a state. Operation
Just Cause in Panama in December 1989 was also an asymmetric war, even though it
was the largest American operation since Vietnam. It was meant to recapture
Manuel Antonio Noriega and it succeeded. The US went on to target Saddam
Hussein, Slobodan Milosevic and Radovan Karadzic, all of whom it considered to
be more like bandits than heads of state. Such operations were no different from
US operations during the cold war targeting South American or the Middle Eastern
leaders. What is new? Perhaps
what is new is the possibility of deploying many new non-orthodox methods of
prevention and dissuasion that were impossible, or illegitimate, before 11
September. Less than a week after, Congress lifted the ban on assassinating
foreign leaders (2). An upgraded level of American violence is now possible. Learning
from Israel Strategies
against a new enemy have centred on the need for new precise weaponry of maximum
deadliness. Intelligence services must be reinforced with software
reconnaissance and satellite spies, and also human spies. Police work, including
racial profiling, is recommended. The strategists want to spy on potential
sources of support for the new enemy, including NGOs and charities, expatriate
communities and internet sites. A US senator complained recently that the
CIA was replacing the State Department in diplomacy. The
missile defence shield is now possible too, since who knows what an asymmetric
devil is planning for the next attack? Congress has given the president
new powers: the Senate voted unanimously and the House of Representatives
approved the authorisation by a 420-1. The one dissident, Democrat Barbara Lee,
insisted that military action would not prevent further acts of international
terrorism against the US (3). Most of the material about asymmetry focuses on
the US and, since the second intifada, on Israel. The US has been
working with Israel for a long time on projects including the Arrow anti-missile
missile. Israel's fighting style, especially in the West Bank and Gaza are
of special interest to US experts, who detect asymmetry in Israel's
wars. Under
the headline How to Fight an Asymmetric War, General Wesley Clark, commander
of Nato forces in Kosovo, explained that the Palestinians inside
Israel (somebody remind Clark that West Bank and Gaza are not in Israel)
learned how to resist using non-lethal force. It was a tactic aimed at
exploiting world sensitivities, forcing Israeli security forces to overreact.
Occasionally non-lethal force was supplemented with armed men among the rock
throwers or terror bombings. Responding with fighter planes, tanks and artillery
was impossible; responding with troops on the ground risked casualties. No
society is more reluctant than Israel to accept losses, so the country developed
new equipment, forces and tactics. To secure its borders, Israel deployed more
heavily armoured tanks and troop-carrying vehicles and procured Apache
helicopters, unmanned aerial vehicles and very long-range optics. To protect
itself internally, Israel issued its infantrymen plastic bullets and
riot-control gear. Special security forces were organised to help relieve the
conventional Israeli units of responsibility for keeping order (4). Clark's
admiration for Israel's skills is deeply worrying: this policy has led to nearly
700 Palestinian dead, and thousands injured. And in the absence of an Israeli
political or diplomatic option, force has not improved security. Anthony
Cordesman, defence analyst at the Centre for Strategic and International
Studies, suggested that Israel was forcing the Palestinian Authority to
suppress Palestinians and curb democratic freedoms to attain stability. When the
intifada continued, he said the Palestinians had two options: peace with
violence or war. Cordesman described a situation in which Israel would
do the dirty work for the PA and against it: that is also asymmetric warfare. It
means more social control, more assassinations and crippling of the economy. <>Listening
to Bush, it is clear that US strategy is heading towards Israeli-style
asymmetric warfare, even though it failed in Palestine. This choice would
be a catastrophe. The world's grey areas created by war, globalisation and
impoverishment are danger zones. Public institutions and development are more
necessary in grey areas than are military interventions. The events of 11
September reflect a transformation of the world that we must try to understand.
The response that has been made to them is in service of a strategy that aims to
impose an international security order in the interests of the US. Will we see
the same behaviour that followed the victory over Iraq, which favoured the
advance of radical Islamist groups? The new asymmetric enemy cannot be beaten by
force, even less by technology without a political project. <> * Researcher at L'Ecole des hautes études en sciences socials, lecturer
at the American University of Paris, and author of Palestine/Israel: Peace or
Apartheid (Zed Press, London) (1) "Worldwide Threat 2001: National
Security in a Changing World
<http://www.cia.gov/cia/public_affairs/speeches/UNCLASWWT_02072001.html>".
(2) Le Monde, 18 September 2001. (3) She afterwards endured vilification reminiscent of the worst
McCarthyism. (4) Time, 23 October 2000. Original
text in English
ALL RIGHTS RESERVED © 1997-2001 Le Monde diplomatique siehe http://mondediplo.com/2001/10/03asymmetry *Deutsche
Fassung – eine Fälschung! (Die Textstellen, die
dem Originaltext hinzugefügt worden sind, sind unterstrichen. Grauzonen einer globalen WeltVon MARWAN BISHARA ** Wissenschaftler an der École des Hautes Études en Science Sociales, Dozent an der American University in Paris. Sein letztes Buch, "Palestine Israel: Peace or Apartheid", erschien bei La Découverte, Paris, und Zed Press, London. DIE USA befinden sich im Krieg! Am 11. September 2001 ist Amerikas schlimmster Albtraum Wirklichkeit geworden. Paradoxerweise geschah dies zu einem Zeitpunkt, als die US-Regierung gerade eine Zero-Dead-Strategie für künftige Konflikte verkündet hatte. Was bedeutet: maximaler Schaden für den Feind bei minimalen Opfern auf Seiten der USA. Amerika befindet sich im "Krieg", erklärt Präsident Bush. Doch der neue Feind ist kein Staat. Er ist vielmehr mobil, transnational (oder subnational) und anonym. Es handelt sich um gesichtslose Täter ohne festen Wohnsitz, und sie fühlen sich weder an die Normen der UN-Charta gebunden noch irgendeiner irdischen Autorität rechenschaftspflichtig. Jahrzehntelang hat Amerika Billionen von Dollar ausgegeben, um in künftigen Konflikten die Zahl der Opfer zu verringern. Im Vietnamkrieg kostete jeder tote US-Soldat noch hunderttausende Dollar. Indem man danach zwanzig Jahre lang weitere Billionen ausgegeben hat, konnte man die eigenen Menschenverluste im Golfkrieg auf ein Minimum reduzieren. Die Powell-Doktrin - massive Luftschläge aus sicherer Entfernung - versprach für künftige "symmetrische" Kriege schnelle Siege ohne eigene Verluste (zero casualties), dank überlegener Technologie in Gestalt von Marschflugkörpern und Kampfflugzeugen. Jetzt haben Flugzeugentführer, mit Taschen- und Teppichmessern ausgerüstet
und bereit, für ihre Sache zu sterben, vier vollgetankte Zivilflugzeuge in
hochexplosive Geschosse verwandelt. Das ist nicht die Schlacht, für die sich
die USA gerüstet hatten. Und doch haben einige amerikanische Strategen
bereits seit Jahren gerade vor Szenarien eines "asymmetrischen
Krieges" gewarnt, der auf die verwundbarsten Punkte der USA zielt: auf die
Tatsache, dass die militärische und ökonomische Supermacht nur wenige eigene
Opfer verkraftet (egal ob an Zivilisten oder an Soldaten), und auf die Symbole
seiner Macht - die Wall Street und Washington. Das Ende des Kalten Krieges zwang Washington, seine Abschreckungsstrategie zu überdenken und sich auf neue Gefahren einzustellen. Dabei bildeten sich zwei unterschiedliche Denkschulen heraus. Die erste sprach von einer vierten Generation der Kriegführung, auch "staatenloser" oder asymmetrischer Krieg genannt. Sie richtet sich gegen einen Feind, dessen Basis womöglich nicht ein Staat, sondern eine Ideologie oder eine Religion ist. Damit wären Leute wie Bin Laden und andere international agierende Terroristen gekennzeichnet, aber auch Mafiamitglieder und Drogenhändler oder andere nichtstaatliche Akteure, die den USA etwa in Somalia, im Kosovo und in den 1980er-Jahren schon im Libanon entgegengetreten waren. Die Vertreter dieser Schule fragten, was es bringt, Milliarden von Dollar für neue Kampfflugzeuge und hoch entwickelte Fregatten auszugeben, wenn zwei Menschen und ein Boot ausreichen, um eine Fregatte der US Navy anzugreifen und 17 Mann zu töten. Gegen Gegner vom Typ der vierten Generation seien hoch technologische Waffen wirkungslos. Die zweite Schule konzentrierte sich auf ein Raketenabwehrsystem, das die USA vor ballistischen Raketen mit chemischen, biologischen oder nuklearen Waffen schützen soll. Die Bush-Administration setzte auf dieses zweite Konzept, das den militärisch-industriellen Komplex begünstigt, für den sich Regierungsmitglieder wie Cheney, Rumsfeld und Powell stark machen. Um die internationale Kritik zu entkräften - etwa wegen der Kündigung des Atomwaffensperrvertrags -, erklärte Bush allerdings, der Raketenabwehrschirm solle nicht gegen Atommächte schützen, sondern gegen gewisse "Schurkenstaaten", aber auch gegen Gruppen, die US-Ziele innerhalb wie außerhalb der USA mit Raketen beschießen könnten. Beide Denkrichtungen schienen in einer kohärenten Strategie für den neuen Krieg gegen den asymmetrischen Feind zusammenzulaufen. Doch gegen wen soll der Raketenabwehrschirm schützen? Warum sollten zum Beispiel die so genannten Schurkenstaaten eine Rakete gegen die USA richten, wenn sie eine ähnliche Bestrafung zu erwarten hätten wie Libyen oder der Irak in den letzten Jahren? Weitere Fragen bleiben unbeantwortet. Wie weit hat sich Amerika seine Feinde selbst geschaffen? Wie bedrohlich sind diese Feinde, unabhängig von den Terroristen vom 11. September? Was unterscheidet diese Attentate von früheren Terrorangriffen auf arabische, französische oder britische Ziele? Was bedeutet bei den unterschiedlichen Formen des Terrorismus jeweils die Kategorie "asymmetrisch"? Asymmetrie ist etwas anderes als Dissymmetrie, also die quantitative Differenz hinsichtlich Macht bzw. Waffenstärke. Asymmetrie meint die qualitativen Merkmale hinsichtlich des Wertsystems, der Mittel und des Stils, die den neuen Feind auszeichnen. Asymmetrie kann auch als Resultat von Disymmetrie gesehen werden: Wenn die USA auf ihrer exklusiven Überlegenheit - auch in der konventionellen Kriegführung - bestehen, greifen ihre unterlegenen Feinde und Opfer auf unkonventionelle oder asymmetrische Mittel zurück. Der asymmetrische Feind tritt nicht in Gestalt einer typischen Staatsarmee an. Er stellt sich dem übermächtigen Gegner nicht, vielmehr greift er bedenken- und gnadenlos dessen Schwachstellen an. Er kämpft klandestin gegen besonders verletzliche Ziele oder in belebten Stadtzentren, und zwar mit allen tödlichen Waffen, die er sich verschaffen kann. Wie US-Strategen schon vor dem 11. September erkannt haben, fusioniert in
der Strategie des asymmetrischen Feindes eine Glaubenslehre oder Ideologie mit
hochtechnologischen Mitteln. Der neue asymmetrische Feind denkt strategisch
im Kontext der globalisierten Welt. Er benutzt die globalen Transportmittel, das
Internet dient ihm als Instrument im Informationskrieg. Da er bereit ist,
sein Leben zu opfern, genügen ihm einfachste Gewaltmittel: Messer und
selbst gebastelte Sprengstoffe statt hoch entwickelter Waffen; eine entführte
Passagiermaschine statt Kampfflugzeugen. Ein Gegner, der auf solche
Instrumente setzt, ist schwer einzuschätzen und zu bekämpfen, gegen ihn
bleiben Vorbeugung und Abschreckung unwirksam. Selbst wenn sich ein solcher Feind geografisch lokalisieren lässt, ist er kaum einzuordnen oder zahlenmäßig zu erfassen. Er verfügt über ein weitmaschiges Netzwerk und hat keine permanente Anschrift. Auch in diesem Punkt ist er ein Produkt der Globalisierung. Wie bei multinationalen Konzernen, Mediengurus und Internetgiganten ist das Operationsgebiet des asymmetrischen Feindes die ganze Welt. Die Selbstmordbomber von New York und Washington lebten an verschiedenen Orten, benutzten verschiedene Adressen und eine Vielzahl gefälschter Pässe. Die asymmetrischen Gegner - also weltweite terroristische Netzwerke, aber auch internationale Drogenhändler und Mafiabanden - verfolgen alle dasselbe Interesse: Sie wollen die souveränen Staaten schwächen und ihre Macht auf den internationalen Märkten stärken. Man könnte sogar sagen, dass sie einiges mit McDonalds, CNN und AOL gemeinsam haben. Sie alle agieren in den Grauzonen einer globalisierten Welt, wo sie ihre Gewinne maximieren können, ohne irgendwelchen Gesetzen verantwortlich zu sein, denn auf globaler Ebene mangelt es an konstitutioneller bzw. demokratischer Legitimität. Sie alle sind in gewisser Hinsicht die neuen Produkte der neoliberalen Version von Globalisierung. Der asymmetrische Feind ist also die Kehrseite des globalen Prozesses, der grenzübergreifende Wirtschaftsräume schafft. Aus diesem Grund hat Bin Laden in den US-Medien nicht nur das Image des "politischen Islamisten", der sich auf eine bestimmte Gesellschaft beschränkt. Vielmehr wird seine Organisation als neuer Typus eines kosmopolitischen Islam wahrgenommen. In den Augen der USA sind diese Bewegungen entschlossen, die westliche Hegemonie anzufechten, zu schwächen oder sogar die USA zu besiegen. Gibt es eine wasserdichte Trennung zwischen dem "asymmetrischen Feind" und staatlichen Systemen und ihren Geheimdiensten? Ist es tatsächlich machbar, eine neue Bewegung der "internationalen Gewalt" ohne staatliche Unterstützung und geografische Verankerung zu organisieren? Wie dieser neue Feind seine Operationen fast "virtuell" durchführen soll, ist völlig unklar. Auch Ideologien brauchen als Operationsbasis ein geografisches Territorium, kommen nicht ohne logistische Strukturen aus. Dieser neue Feind kann nicht über einen längeren Zeitraum völlig verdeckt agieren. Aus Sicht der USA gibt es noch andere Formen von Asymmetrie, verkörpert durch so genannte Schurkenstaaten oder auch gescheiterte Staaten. Ein Beispiel ist Somalia, wo die USA 1992-93 in Sachen asymmetrischer Konflikte sozusagen ihr Urerlebnis hatten. Im Oktober 93 wurden 17 amerikanische Soldaten von Milizen des Generals Aidid getötet. Die Fernsehbilder, die zeigten, wie sie durch die Straßen von Mogadischu geschleift wurden, brachte die Clinton-Administration zu der Einsicht, dass ein Krieg gegen eine stammesmäßig organisierte Miliz, die das Gebot der Fairness missachtet und sich an keinerlei internationale Konventionen hält, weder zu führen noch zu gewinnen ist. Ähnlich bittere Erfahrung hatten die USA bereits 1983 im Libanon gemacht. Wie lässt sich aus Sicht der USA ein asymmetrischer Feind bekämpfen? Die Antwort lautet: Von Israel lernen! Die Bekämpfung des asymmetrischen Feindes erfordert vor allem mobilere, präzisere, intelligentere militärische Hardware, etwa neue Präzisionsschusswaffen von absolut tödlicher Wirkung. Auch empfehlen die US-Strategen die Verstärkung der Geheimdienste nicht nur durch raffiniertere Überwachungssoftware und Spionagesatelliten, sondern auch durch menschliche Intelligenz, also etwa die Kooperation mit der Polizei, um Täterprofile nach ethnischen Kriterien zu ermitteln. Die nachrichtendienstliche Arbeit soll sich auf das Spektrum potenzieller Unterstützer des neuen Feindes richten: auf NGOs, karitative Einrichtungen, Emigrantenvereinigungen, Internetsites usw. Aber auch für das ersehnte Raketenabwehrsystem finden sich Argumente: Man weiß ja nie, welches Ziel der asymmetrische Teufel für seinen nächsten Anschlag aussuchen wird. Washington arbeitet mit seinem israelischen Verbündeten schon lange an dem Raketenabwehrsystem "Arrow" und an anderen Programmen zur asymmetrischen Kriegführung. Insgesamt haben der Kampfstil und die militärischen Fähigkeiten der Israelis das Interesse der US-Experten an asymmetrischer Kriegführung geweckt. General Wesley Clark, ehemaliger Nato-Oberbefehlshaber, analysierte unter dem Titel "Wie man einen asymmetrischen Krieg führt" im Time Magazin die Intifada. Die Palästinenser hätten gelernt, mit nicht tödlichen Waffen wie Steinen und Knüppeln Widerstand zu leisten, womit sie die israelischen Geheimdienste zu Überreaktionen zwingen, um die internationale Öffentlichkeit aufzurütteln. Auf so einen Feind, der bewaffnete Soldaten unter die Steinewerfer mische und auch zum Bombenterror greife, könne man unmöglich mit Kampfflugzeugen, Panzern und Artillerie reagieren. Der Einsatz von Bodentruppen wiederum würde Todesopfer kosten, wozu keine Gesellschaft weniger bereit sei als die israelische. Israels Antwort seien also neue Waffen, neue Kräfte und eine neue Taktik. Zum Beispiel bessere Panzer- und Truppentransportfahrzeuge zur Sicherung seiner Grenzen, aber auch Apache-Helikopter und unbemannte Flugzeuge; Plastikgeschosse für israelische Infanteristen, die gegen die Straßenaufstände eingesetzt werden; Spezieleinsatzgruppen an der Seite der konventionellen Sicherheitskräfte. Clarks Bewunderung für die militärischen Fähigkeiten der Israelis, die über 600 Menschen getötet und Tausende verletzt haben, klingt erschreckend. Zumal dieser Gewalteinsatz inzwischen jeder Logik entbehrt, weil es Israel - insbesondere mangels einer politischen oder diplomatischen Alternative - nicht gelungen ist, die Palästinenser abzuschrecken. Auch Anthony Cordesman, Verteidigungsanalytiker im Center for Strategic International Studies, bewundert die Strategie Israels in dem "asymmetrischen Konflikt" mit den Palästinensern. Mit diesem Begriff bezeichnet er eine Situation, in der die Israelis die "schmutzige Arbeit" der Intifada-Unterdrückung für - und gegen - die Palästinensische Autonomiebehörde erledigen müssen. Natürlich kann man den Widerstand der Palästinenser in Palästina gegen die Okkupation nicht mit dem New Yorker Anschlag gleichsetzen. Ariel Scharons Vergleich zwischen Bin Laden und Jassir Arafat stieß überall auf taube Ohren, außer in Amerika. Dennoch sehen die Israelis ihre eigenen bewaffneten Aktionen in dem asymmetrischen Konflikt namens Intifada als gerechtfertigt an. Aus der Redeweise von Bush ist heute ziemlich eindeutig herauszuhören, dass sich die USA auf eine asymmetrische Kriegführung nach israelischem Muster einstellen, obwohl die israelische Strategie in Palästina gescheitert ist. Wenn sich die Gemüter in New York, im Westjordanland (und in
Afghanistan?) irgendwann beruhigt haben, werden wir allerdings erkennen, dass
der Kampf gegen den Terrorismus nicht nur eine Sache des Militärs und der
Nachrichtendienste ist. Malaria bekämpft man nicht, indem man ein paar lästige
Mücken erledigt. Man muss vielmehr Massenimpfungen vornehmen und die Sümpfe
trockenlegen. Man muss sich das Leid der isolierten, unterdrückten und
ausgeschlossenen Menschen vor Augen halten, wenn man den Terroristen potenzielle
Anhänger und Sympathie entziehen will. Dissymmetrie ist am ehesten zu beheben,
wenn man die globale Ungleichheit und die Ausschließung ganzer Völker bekämpft.
Mehr Gewalt wird nur weitere Gewalt erzeugen. dt. Bodo Schulze Le Monde diplomatique Nr. 6572 vom 12.10.2001, 360 Zeilen, MARWAN BISHARA Marie-Dominique Vernhes, 12.4.2002
*
URL dieser Seite: http://www.steinbergrecherche.com/tazfaelschungen2002.htm |